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-X5C[02.e . LfcCpSy^fl S". X
Besc\iveibenc
Bibliograpliiö
ö*-
HeLiulc
KiinigV. Sachs. Co»»"^"*
X)veP
Beschreibender Catalog
des
Bibliographischen Museums
von
Heinrich Klemm
Königl. Sachs. Cominissionsrath in Dresden.
Erste und aweit« Abtheilang:
Manuäcriptd und Druckwerke des 15. und 16. Jahrhunderts auü den 18 frühesten
bis 1470 bekannt gewordenen Druckst&dten, zusammen über 1000 Uegenständt
umfassend.
Preis: brosohirt 6 Mark; antik gebunden in Deckel von rweitausendjahrigem Hole«
aus den Fundamenten der ehemaligen Mainzer Römerbrücke 12 Mark.
Dresden 1884.
H. Klemm's Verlag' & artistische Anstalt.
Zur Einführung.
Der unterzeichnete Begründer und Eigenthümer des „Biblio-
graphischen Museums'* in Dresden übergiebt hiermit seinen Fach-
gelehrten Freunden und Allen, die sich für die ehrwürdigen Denk-
mäler der grössten deutschen Erfindung interessiren, den ersten Theil
eines beschreibenden Cataloges dieser vielbesprochenen Sammlung,
worin neben einer Auswahl von handschriftlichen Werken und
Holztafeldruckcn die wichtigsten typographischen "Erzeugnisse der
bis zum Jahre 1470 entstandenen IS frühesten Druckorte in chrono-
logischer Folge verzeichnet sind.
Im Ganzen haben in diesem ersten T heile bereits über 1000
grössteritheils seltene Gegenstände Aufnahme finden können. Die
mit beweglichen Typen gedruckten Werke gehören, mit Ausnahme
von nur neun besonders wichtigen Büchern, sammtlich dem /««/-
zehnten und sechszehnten Jahrhunderte an. Trotzdem sind aus jenen
frühesten achtzehn Druckorten die wichtigsten typographischen
Erzeugnisse von nicht weniger als 38ö verschiedenen Buchdruckereien
hier zu beurtheilen und zu verzeichnen gewesen, soweit sie überhaupt
erforderlich waren zur Darstellung möglichst aller lypengattungen
von Johann Gutenberg bis zum Ausgange des sechszehnten Jahr-
hunderts, und soweit sie jenen 18 Druckstädten angehören.
Die zahlreichen Typengattungen seihst mit darzustellen, muss
ich mir als überaus schwierige und zeitraubende Arbeit so lange
versagen, bis auch die frühesten typographischen Erzeugnisse der
übrigen in meiner Sammlung vertretenen circa ^00 Druckorte
catalogisirt sein werden, um erst eine Uebersicht des überhaupt
Nothwendigen zu gewinnen. Wenn der Zweck erreicht werden soll,
lY — Zur Einführung. —
müssen alle Alphabete autographisch haargenau copirt und dann
systematisch geordnet werden, um beispielsweise sofort die kleinen
Unterschiede zwischen Typen zu zeigen, die man wegen ihrer
Aehnlichkeit bisher für die gleichen gehalten und daher so oft einem
und demselben Drucker zugeschrieben hat. Vielleicht trägt unsere
Anregung auch dazu bei, ein derartiges Unternehmen von anderer
Seite hervorzurufen, dem übrigens von hier aus gern jede Unter-
stützung zu Theil werden würde.
Wie in diesem Cataloge an vielen Stellen nachgewiesen ist, sind
es bei manchen stärker verbreitet gewesenen Typenarten des fünf-
zehnten und sechszehnten Jahrhunderts oftmals nur einzelne besonders
charakteristische Buchstaben, nach denen sich der ungenannte
Drucker mit Sicherheit bestimmen lässt. Aus diesem Grunde wäre
auch die photo- lithographische Wiedergabe von ganzen Columnen
der Wiegendrucke ein eben so kostspieliges wie verfehltes Unter-
nehmen, weil es hierbei nur in wenigen Fällen möglich sein würde,
alle Buchstaben des Versal -Alphabets zu treffen, die eben nöthig
sind. Aus diesem Grunde habe ich mich auch den desfallsigen
Wünschen vieler Herren Fachgelehrten und Bücherfreunden gegen-
über stets ablehnend verhalten müssen, wenn auch jenes Verfahren
das am wenigsten mühsame sein würde.
Uebrigens sind in diesem Cataloge zur Vergleichung und Beur-
theilung der Typen so vielseitige Winke und praktische Vortheile
angegeben, dass der Hauptzweck nahezu erreicht ist, denn man
wird die praktischen Typenstudien an den Wiegendrucken vieler
öffentlichen Bibliotheken schon in ziemlichem Umfange mit Vortheil
hiemach betreiben können. Es befinden sich in diesen Sammlungen
genug hierzu geeignete Werke, deren Drucker man bisher nicht
kannte, und die in Folge dessen kaum Beachtung fanden. Der
leidige typographus ignotus hat es eben auch verschuldet, dass
schon so Ndele werthvolle Wiegendrucke, weil man ihre Bedeutung
nicht kannte, theil s ganz verschwunden, theils nur noch in wenigen
Exemplaren erhalten sind, und dass man sie heute oft gern mit Gold
aufwiegt.
Es lag nicht in der Absicht des Besitzers dieser Sammlung
eine grosse Menge alter Drucke aufzuhäufen , von denen ja eine
Unzahl sehr leicht zu erlangen wären, sondern der leitende Grund-
gedanke war die Vereinigung von kaum mehr als ein paar tausend
besonders characteristischen Druckwerken behufs typologischer und
bibliographischer Studien in ganz anderer Weise, als solche bisher
gepflegt worden sind.
Das „Bibliographische Museum", eine Errungenschaft vieler
— Zur Einführ ungj. — V
Jahre, hat sich also von vorn herein die Aufgabe gestellt gehabt,
nur möglichst viele für das Typen - Studium zur Feststellung der
Drucker erforderliche Werke, besonders Seltenheiten ersten Ranges,
in schönerhaltenen Exemplaren zu sammeln und so zu vereinigen,
dass man zum Zwecke einer zuverlässigen vergleichenden Autopsie
nicht mehr nöthig hat, das eine seltene Werk vielleicht in Paris,
das andere in London oder Wien einzusehen, denn eben hierdurch
sind so viele Irrthümer in unserer ganzen bibliographischen Literatur
herbeigeführt worden. Man glaubte oftmals genau dieselben Typen vor
sich zu haben, die man schon anderwärts gesehen, während höchstens
von einer Aehnlichkeit die Rede sein konnte.
Wir werden die hierdurch entstandenen oft haarsträubenden Irr-
thümer, welche sich in den Angaben von Druckorten und Typgraphen
eingeschlichen, an vielen Stellen dieses Cataloges überzeugend nach-
weisen , aber auch die Leichtfertigkeit rügen , mit welcher unsere
älteren Bibliographen, denen man noch heute folgt, bei Beurtheilung
anonymer Drucke und ihrer Typen oftmals zu Werke gegangen sincl.
Was sich halbwegs ähnlich sah, wurde flugs in einen Topf geworfen,
während es künftig durch Anwendung der hier gegebenen sichern
Anleitungen ein Leichtes sein wird, selbst bei ganz gleich scheinenden
Typen oftmals den auffälligsten Unterschied zu entdecken.
Es lässt sich hiernach dreist behaupten , dass es durch fort-
gesetzte Typenstudien und Vergleiche recht wohl möglich wäre, alle
nach Drucker, Druckort und ungefährer Zeit des Erscheinens bisher
völlig unbekannten werthvoUen Incunabeln richtig zu bezeichnen.
Ein ganz respectabler Anfang ist hier gemacht, und die Mittel zur
bequemen Fortführung der Arbeit sind gegeben.
Ferner glaubte der Eigenthümer dieser Sammlung durch die-
selbe auch instructiv auf die Buch dr ucker kun st der Jetztzeit wirken
zu können, da nicht so leicht an andern Orten die Gelegenheit zu
finden sein dürfte, die verschiedenartigen altern Typen formen in
solcher systematischen Auf- und Zusammenstellung kennen zu lernen,
worunter doch so viele sich befinden, die ein hohes künstlerisches
Interesse erwecken und heute noch als mustergiltig zu betrachten
sind.
Aber auch in andern Beziehungen bietet unser Museum eine
Fülle authentischer Belege dar, die für eine künftige bessere Ge-
schichtschreibung von unschätzbarem Werthe sind; denn über so
manchen Drucker und Druckort verbreitet sich ein neues Licht, und
was bisher als frühestes typographisches Erzeugniss einer Stadt
oder eines Landes angestaunt, von allen Bibliographen deshalb ein-
gehend beschrieben, und im Handel mit hohen Summen bezahlt
VI — Zur Einfühning, —
wurde, kommt nun auf einmal erst in zweite od . dritte Linie zu
stehen , wie zum Beispiel der berühmte Lactantius von 1465 , der
bisher als erster italienischer l!)ruck o:eg:olten und über den man
ein Langes und Breites deshalb geschrieben hat.
Durch die in unserer Sammlung bereits vorhandenen circa 150
„ersten Drucke** von Drickorten und besonders berühmten Typo-
graphen sind überhaupt für die Geschichte der Typographie so viele
sprechende Zeugen gefunden, dass für den gründlichen Forscher
oft ganz neue Gesichtspunkte gegeben sind, und manche bisher als
richtig angenommene Daten oft um eine lange Reihe von Jahren
weiter zurück verlegt werden müssen.
Bei der Richtung unserer schreibseligen Zeit, über einzelne
Zweige der menschlichen Thätigkeit womöglich neue Geschichte zu
machen, ist es ganz besonders die Typographie, deren Entwickelungs-
geschichte nicht blos mit der gelehrten Brille, sondern an der Hand
der Original-Urkunden, insbesondere nach sorgfaltigster Untersuchung
der Wiegendrucke bearbeitet werden sollte.
Wenig kann uns Deutschen namentlich damit gedient sein,
wenn man einfach unsere altem Geschichtschreiber copirt und in
etwas anderer Form neu auftischt, einzelne Irrthümer vielleicht be-
richtigt um destomehr neue hinzuzufügen, oder wenn gar der Eine
aus purer Rivalität das Gegentheil von Dem behauptet, was der
Andere entdeckt zu haben glaubte. Was dabei Komisches zu Tage
gefordert worden ist, daran fehlt es nicht an Beispielen.
Unter solchen Umständen ist es aber Pflicht eines Jeden, welcher
hierzu irgendwie beizutragen im Stande ist, die typographischen Denk-
mäler mit aller Liebe zu pflegen, damit der Zahn der Zeit nicht
so bald das noch Vorhandene vernichtet ; denn ohne die sprechenden
Zeugen der grössten deutschen Erfindung möchte uns wohl diese
Ehre nur zu bald von neuem streitig gemacht werden.
In Bezug auf gute Erhaltung der ehrwürdigen Druckdenk-
mäler dürfte unser Museum wohl als Muster dienen können, indem
es zeigt, wie man werthvoUe Seltenheiten mit Defecten aller Art
wieder in den besten Stand zu setzen vermag, um sie vor baldigem
Untergange zu bewahren. Es zeigt femer, wie man interessante
alte Original - Einbände wo irgendmöglich restaurirt, oder wie man
sie mit Einschluss der Metallbeschläge nach alten Mustern neu
herstellt, damit die oft kostbarsten Druckwerke wieder Jahrhunderten
Trotz bieten können.
Mit Bedauern sieht man nur zu oft in öffentlichen Bibliotheken,
wie an Seltenheiten ersten Ranges Stücke herunterhängen und
die so nothwendigen Metallschliessen den Dienst versagen oder ab-
— Zur Einführung. — VlI
gerissen sind, so, dass der SauerotofF der Luft und der Bücherwurm
ihr Zerstörungswerk, ruhig fortsetzen können. Kein Wunder wenn
der Besucher einer Bibliothek selbsi an den werthvoUsten Büchern
in so desolatem Zustande keine Freude und kein Interesse findet.
In unserm Museum sind alle irgend wertbvoUern Werke mit Metall,
viele mit Silber beschlagen, mindestens raber ist jedes Buch mit
Schliessen versehen.
Bezüglich der Aufstellung ist unsere Sammlung so geordnet,
dass zunächst die achtzehn frühesten Druckstädte chronologisch
folgen, ganz wie in gegenwärtigem Cataloge. Die Erzeugnisse
dieser Druckorte, soweit sie zur Darstellung möglichst aller Typen-
gattungen besonders wichtig erschienen, sind übersichtlich ^ni frei-
stehenden Repositorien placirt, an denen zu beiden Langseiten
zugleich bequeme und mit grünem Tuch beschlagene Lesepulte an-
gebracht sind. Die meist frühesten Erzeugnisse der übrigen bei
uns vertretenen circa 400 Druckorte von 1471 ab sind dann nach
dem Alphabet der Ortsnamen in gewöhnlichen Regalen an den
Wänden entlang aufgestellt.
Ferner sind alle Einblattdrucke und wichtige Einzelblätter
zwischen Doppelglas und Messingrahmen gefasst, so dass sie von
beiden Seiten zu sehen sind. Darunter befindet sich auch die ganze
werth volle Sammlung aus dem Nachlasse des Archivars Ludwig
Bechstein in Meiningen, die seiner Zeit käuflich in unsern Besitz
überging. Unsere Holztafeldrucke sind theils ebenfalls eingerahmt,
theils befinden sie sich in Schaukästen, zugleich mit verschiedenen
alten Original-Holzstöcken und andern interessanten Gegenständen.
Die Reihe der typographischen Erzeugnisse eröffnen Mainz und
Eltville mit über IßO Druckwerken allein aus der Zeit von Gtiten-
berg bis zum Aussterben der Fust-SchöfFerschen Druckerfamilie im
Jahre 1555, also genau 100 Jahre nach Erscheinen der herrlichen
42 zeiligen Gutenbergbibel , von der unser Museum das schönste
aller noch bekannten acht Pergament- Exemplare aufweist. Unter
Mainz finden sich überhaupt die grössten Seltenheiten der frühesten
Periode in prachtvoll erhaltenen Exemplaren, und zum Theil auf
Pergament gedruckt. Ebenso reich sind aber auch Strassburg und
nach Verhältniss ihrer Leistungen alle übrigen frühesten Druckstädte
vertreten.
Noch dürfte es manchen Bücherfreund interessiren, die oft ge-
stellte Frage beantwortet zu sehen: wie es in unserer Zeit über-
haupt noch möglich gewesen, eine so kostbare Bibliothek zusammen
zu bringen? Hier muss ich der seit Jahren für mich angestrengten
Thätigkeit fast des gesammten deutschen Antiquar - Buchhandels
VIll — Zur Einführung. —
rühmlich gedenken. Insbesondere verdanke ich den weitverzweigten
Geschäftsverbindungen des Herrn Albert Cohn in Berlin die Herbei-
schaifnng der meisten und wichtigsten Schätze meiner Sammlung;
aber auch Privatagenten in aller Herren Länder schafften mir direct
so manches Prachtstück ins Haus.
Im Laufe der hierzu allerdings erforderlichen langen Jahre
gewann ich trotz meiner vielseitigen literarischen Berufsgeschäfte
zugleich die nöthige Zeit, jedem Druckwerke die eingehendste
Untersuchung zu widmen, um bei anonymen Drucken durch Typen-
studien und Vergleiche in zahlreichen Fällen mit Sicherheit die
Drucker zu ermitteln und manchen bisherigen Irrthum klarzustellen.
Bei der Sichtung und schliesslichen Verarbeitung des seit Jahren
aufgehäuften Materials an Nachweisen und Notizen aller Art fand
ich endlich im verflossenen Jahre auch eine wesentliche Stütze in
Herrn Max Ilgenstein aus Berlin, der sich meine gesammelten Er-
fahrungen mit regem Interesse aneignete, und der bei seinen jungen
Jahren hoffentlich Gelegenheit finden wird sie nutzbringend weiter
zu verbreiten.
Fachgelehrte mögen übrigens diesen ersten Theil eines Gesammt-
Catalogs meiner Sammlung umsomehr mit Nachsicht beurtheilen,
als das Werk zugleich bestimmt ist, als Führer für nichtgelehrte
Besucher meines Museums zu dienen. Es dürften sich daher wohl
hier und da Notizen und Erläuterungen finden, die für den rein
bibliographischen Zweck überflüssig erscheinen. Allein was der
Fachgelehrte am besten selbst weiss, ist für den Laien oftmals ge-
rade das Wissenswerthe. Wenn übrigens auch nur der Kern der
Sache auf guten Boden fällt, wird mit der Zeit die Frucht nicht
fehlen. Das lebhafte Interesse, das sich für meine Sammlung von
allen Seiten mehr und mehr kundgiebt, lässt mich die Erfüllung
dieses Wunsches jedenfalls hoffen. —
Dresden, im März 1884.
Heinrich Klemm.
^rj^e ZbtheHm^,
tat^eftellt in einer ?Cu0wat;l l;rtti&fcl?riftlicl?cr Werfe i>eo neun:
ten t>i8 fiJnfse^nten OaI;rl;un^ertö, vom einfrtcl7ften ^Betbücl^cl öcö ge:
wcf^nlic^en UTannes biß snwi gr^fjten peröament^UTiOale; femer Mird?
mcl;rcre feltenc ^ol^tafcUiDxudit ^cß fünf.5el;nten
3af;rl;un5'ertß.
1. pc confirmalionc vcj\wUe d'anoiurorum bcrrctac in OToucilio ^quift-
granensi, anno 816. — Pergamentheft in Folio-Format
Ein Pergament - Manuscript , welches der Schrift und seinem ganzen Aussehen
nach aus der Zeit stammt, die sich aus dem Inhalte ersehen lasst, also aus dem
•lahre 816 nach Christus. Es enthält die Regeln, welche auf dem C'oncil zu Aachen
für die Einkleidung der Geistlichen gegeben wurden. —
2. |3er$ainrnt-?3latt rtnes latcinifdien Jöibel-CL^ober, 1). .3al)rl)unbert. —
Gross Folio-Format.
Die eigenthümliche Orthographie des Latein, sowie die Form des Buchstaben Ä,
die schon zur Zeit des ülphilas im vierten Jahrhundert« vorkommt , lassen beinahe
auf ein noch höheres Alter dieser Handschrift schliessen. Das Blatt geht vom Ende
des Capitel 24 bis fast zum Ende von Capitel 27 des zweiten Buches der Chronika:
Paralypomenon. —
3. iDa6 älUfle tfiitfd^e 05(Md)t nad) htm einigen iDrit^inaU in bcm
bayrischen Kloster Wessobrunn. 8. Jahrhundert. In Rahmen.
f,4 bis 6. JIrd Jlcr^ament-JBlätter aus bnn 13. biö 15. ^al)rl)unbtrtt. —
Folio-Format.
Zwischen Glas und Messing-Rahmen. Die Missal - Blätter 5 und 6 mit reicher
Malerei und Miniaturen in den vergoldeten grossen Initialen R und A sind das
Schönste, was das spätere Mittelalter aufzuweisen hat. —
7. (Ein auf Pergament 9crd)vicbcner Kaufbrief uom S>al)re 1341. —
Quer Quart-Format.
Zwischen Glas und Messing-Rahmen; betrifft den Kauf eines Weinberges. —
8. (öereimtc bcutfcfce "ganbfdjrift auf Pergament aus bcm 14. 3al)r-
hnnderte. — Quart- Format.
9 und 10. Jjiuei lateimfd)e CErbauungebüdjer aus bem 15. ^al)rl)unberte.
Sedez-Format.
Xo. 9: Hübsches Manuscript in kleiner Schrift auf Papier und Pergament in ziem-
lichem Umfange. Der schöne alte Ledercinband mit reicher Pressung ist mit ver-
goldetem Beschläge versehen ; jedenfalls war der Besitzer schon ein tvoMhabender
Jifann. Wie ganz anders nimnat sich 'das Buch im Vergleich zu !No. 15 biü 18
2 — Erste Abiheilung. —
au». Unter 10 folgt ein noch niedlicheres Pergament-Biicliel, Jedenfalls ein Taschon-
buch, zwar ziemlich dick aber nur 7 Centimeter hoch und 5 breit, mit zwei Minia-
turen in Gold und Farben ; Maria Verkündigung und Anbetung des Jesuskindes. —
11. ^Ubfwtfd)» (Sfbetbud); ein <Kobqr uon 15 üerfdjubeitni %iin\i'
Schriften des 14. und 15. Jahrhunderts. — Klein Octav-Foniiat.
Auch dieses hübsch geschriebene Buch gehörte sicher schon einem taohl~
habenden Manne; der hellbraune Original-Lederband ist mit vei^oldeten Bukein
versehen. —
12. €tl)irche ^rtradjtungm wnb fob btr Jlrneintökeit. JDfutfdjer (Sohtr
aus dem 14. und 15. Jahrhunderte. — Quart-Format.
13. 0ie licbtnSlu^-pfjtlTncii; gefdjriebnt inn bas ^«l)r 1400. — (i^xof}
Folio Format.
Ein herrlich ausgeführtes Pergament- Manuscript mit blauen und rothen Ini-
tialen und einer grossen mit Gold gehöhten Miniature auf dem ersten Blatte.
14. J)eutfd)er JiHamifcripl-(Eober; gffdjrirbtn wm bas ;0al)r 1400. —
Quart-Format.
Dieser schone mittelalterliche Codex enthält: 1. Vision der heiligen Carissimu.
2. Die sieben Zeiten unseres Herrn Jesu Christi. 8. Mystik der heiligen Messt-.
4. Das Buch der ewigen Weisheit von Saso. S. Epistel des jüdischen Meisters .Sa-
muel aus der Stadt Marrochitan an Uabbi Isaac, verdeutscht von Pfarrer Prinhert xii
8trazgang. 6. Mystische Verehrung (Jottes an den sieben Wochentagen. 7. Myttisch-
theologisch-aseetische Betrachtungen. 8. Moral gegen Unmässigkeit und Wollust,
nach Boethius „De consolationo philosophicae".
15 bis 18. Wxtx klfinc ^tbetbudjtl au$ bem ffinf|el)iiten ^al)rljimbntf.
Diese vier interessanten Werkchen enthalten verschiedene Handschriften in
deutscher und lateinischer Sprache. Es sind kleine Gebetbücher der wohlfeilsten
Art, wie sie sich „der gemeine Mann", der überhaupt zu lesen verstand, eben nur
erzeugen konnte. Das eine derselben enthält als Knopf des Verschlussbandes eine
gehenkelte altromische ächte Kupfermünze. In der Regel aber dienten zum Ver-
schluss der einer Brieftasche ähnlichen Bucheinbände ganz sehmale Leder streifchen,
die einfach zugebunden wurden. Proben von häuslichen Erbaunngsbüchern, wie sie im
Mittelalter bei reichenden Leuten üblich wai'en, führten wir unter 9, 10 und 11 vor.
19. jSHagiflcr ^uribartu». (Ein beutrd)ed ^d)ulbud)^ gefä)ricbm in
Sulzbach 1406. — Gross Octav-Format.1
Ein 1&€ Blätter umfassendes Leltrbtich, in Frage und Antwort abgefasst. welches
in seinem stellenweise höchst lächerlichen Inhalte ein drastisches Bild von dem
blühenden Unsinn giebt, der damals in den Schulen gelehrt worden ist. So erfuhrt
man auf Blatt 4, dass der Teufel nur einei. halbe Stunde im Himmel gewohnt habe;
auf der Kehrseite desselben Blattes wird die geographische Lage der Hölle genau l)e-
schrieben; Blatt 7 und folgende geben die Beschreibung des Paradieses und des
ei'sten Menschenpaares. Unglaubliches wird auf Blatt 10 und folgende auf dem (Jc-
biete der Geographie , der Völkerkunde etc. geleistet. Mit dem 128. Blatte schliesst
das eigentliche Schulbuch und es beginnt auf der Kehrseite desselben Blattes eine
medicinische Abhandlung, welche die übrigen Seiten des interessanteir Buches füllt. —
20. (Beifllidje (6cfäni^c bes lo. 3al)rl)unbertö. — (Srof? Jolio-3?ormat.
Ein in grosser Antiqua-Schrift ausgeführtes Manuscript mit Musik-Noten. —
21. (£in IJreinarium awa htm l.">. 3al)rl)imbcrte. — iDuobej-^^ormaU
Ein mit wunderbarer Correctheit in ziemlich grosser Mönchssclirift hergestelltes
Pergament -Mamtso'ipt von beträchtlichem Umfange. Die Kehrseite des achten
— Handschriftliche Werke. —
3
BlAttes zeigt eine mit Gold gehöhte MinUture, die Jungfrau mit dem Kinde dar-
stellend, und die Vorderseite des neunten Blattes einen mit Gold gehöhten Initiul-
bucbstaben. —
22. yatfinirdjce CSJtfanjbud) bcö 15. ^Äl)rl)unbcrt9. — IDrtau-Jormat.
Enthält kirchliehe Gesänge mit Musiknoten. Schöne Pergament-Handschrift. —
23. ^in j^faitfrium aus bcin fünf^cl)ntnt 3ai)rl)unb(rt(« — i$cbc|-3^ormat
Saubere Pergament - Handschrift in mittelgrosser Mönrhsschrift mit rothen und
blauen Initialen, von denen die grösseren mit Gold gehöht sind. Original-Klnband
von gepresstem Schweinsleder. —
24 bis 26. ^rbrtimg vom l)(tUgnt ;?lbmbmal)l unb Jde^rabm^^ n(b|l bcn
sieben Busspsalmen, 15. Jahrhundert. — Octav-Fonnat.
No. S4 : Bin deutsch-lateinisches Pergament-Manuscript in ziemlich grosser Mönchs-
schrift mit Musiknoten. Unter No. 25 und 26 folgen zwei ähnliche kleine handschrift-
liche Bücher ans derselben Zeit. —
27. <^ro^w ptrgamfnt-lftin'ale bca 15. ^al)rl)unbfrtft. — C^roß 3FoUo-
Format.
Prachtvolle Handschrift mit Musik-Not&n in sehr grosser Missalsohri/t* Den Ein-
gang zieren fein gemalte Initialen mit Miniaturen, durch Gold erhöht. Einband,
Bukein und Verschlussbänder sind höchst originell und praktisch. —
28. Jir«ltfr mit ^ultk-Uotni aus brm 15. 5al)rt)unbertt. — ß^oUo-
Format.
Handschrüft auf starkes Papier in Anti({na ausgeführt. Alter Original -Ein1)and
von dunklem F^der mit Pressung. —
29. |ralcimrd)e ^trt^enjefänge bre 15. ^al)rl)unbfrt». — Jk\nn jÖiiart-
Format.
Ein Pergament-Manuscript in ziemlich grosser Mönchsschrift mit Musik-Noten.
Bemerkens werth ist, dass in deutscher Sprache mit rother Schrift Anweisungen für
die Ausübung des (iosanges in kurzen Notizen eingestreut sind. Schön geprosster
Originol-Blnband von Schweinsleder. —
30. JJftnie Qromfptor. l^iptoria ^d)oUflira ; anno 1440. — Jluart-
Fonnat.
Ein umfangreiches Manuscript mit hübscher Handschrift. Das Work ist im
zwölften Jahrhunderte von Petrus Comestor, einem Zeitgenossen des Petrus Lombardus,
verfa^sn und zuerst in Strassburg circa 1469 im Druck erschienen: es giebt eine
Bearbeitung und Erläuterung der ganzen biblisohen Geschichte. Vergleiche No. 187
nnserer Sammlung. —
31. ^oljanufö be ^ttia: jSumma J»ecretal!um. 15. ,^al)rl)unbcvt. —
Octav-Format.
Manuscript auf Papier in zweierlei äusserst zierlichen Handschriften. —
32. prtri $(rd)orti .|)fctamen|id : iDirttonartum mU()o Heprrtorium moraU.
15. Jahrhundert. — Quart- Format.
Hübsch geschriebenes Werk, zuerst gedruckt 1489 von Koburger in Nürnl)erg,
später auch an andern Orten. Das Buch hängt an der Kette. —
33. |)turnaU SJambergenrc; 15. Sal)rl)unbert. — MUin Suart-Jormat.
Kin reizendes Pergament-Manuscript von beträchtlichem Umfange, mit einer über-
aus zierlichen Uiimischrili ausgeführt und mit reichen in (juld gehöhten Initialen
geziert. Alter Üriginal-Einband in Schweinsleder , mit reizender Pressung und
Mossing-Bükelr« —
I*
4 — Erste Abtheilung. —
34. Fragment nncr bfiitfd)eii (ötfd)id)te bcft nnim 8:cflametiUö aus htm
15. Jahrhunderte. — Klein Quart-Format.
Die sieben Blätter enthaltende Handschrift zeigt auf der Kehrseite des ersten
Blattes eine ziemlich rohe bildliche Darstellung : Die Anbetung des Jesuskindes. Die
Schrift ist ziemlich gross und deutlich. —
35. ¥Äteimfd)er ÖTobfj: aus htm 15. ^al)rl)unbcrlf. — JoUo-Jormat.
In mittelgrosser Mönchsschrifi abgefasstes Pergament -Manuscript ascetischen
Inhaltes. Alter OriginaUEinband von Schweinsleder. —
36. ^^Ji)'\t \)tbt fxd) an öas pud) h^ l^eilign ^U || uatcr unb »on er(l
f Sand pauls lehn || des ersten ainsidel." — Gross Octav-Format.
I Handschriftlicher deutscher Original- Codex aus der ersten Hälfte des 15. Jahr-
hunderts. Origineller Ledereinband mit Verschlussbändern. —
37. -„jDaö ^wd) genant (Sin 5«pifgfl rinftj tioUkomni Icbtns^. (ffrpe
Hälfte des 15. Jahrhunderts. — Klein Octav-Format.
Ziemlich umfängliche Handschrift auf Papier, (iuterhaltener I^dereinband. —
38. ,,iDa9 i(l bie notel mm ain fruiue (Icrbtn utiU** IDerganunt-
Handschrift aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. —
Octav-Format.
39. SDffiriaU. Jatcinird) unb bcutfd) jjffd)rifbrner QLohtr uom ^al)rc 1436.
Folio-Format.
Ein prachtvolles Pergament-Manuscript von 236 Blättern mit über 400 reizenden
Initialen und Miniaturen , von kostbarer Erhaltung und luxuriösester Ausstatttmg.
Das Bedeutungstollste aber bietet der OriginaUEinband: Die mit dickem Schweins-
leder überzogene starke Holz-Einbanddecke ist in der Mitte und an den acht ]<>ken
mit alten höchst merkwürdigen Messingbeschlägen und ebenfalls inessiogbeschlugenen
Verschlussbändcrn von starkem Leder versehen. Die ganze Vorder- und Hückseite
der Einbanddecke ist mit kleinen originellen Ornamenten geziert, Avelchc mittels
Stanze in das Leder eingepresst wurden ; alle diese Beschläge und Ornamente zeigen
in ihrem Stil romanische Motive.
Zwei Centimeter vom äussern Kandc des Deckels abstehend läuft ringsum auf
der Vorderseite eine lateinische, auf der Uuckseite eine deutsche Inschrift. Diese
Schrift ist unstreitig mit einzelne^i, beweglichen Typen oder Stanzen in da8 Pergament
hineingedrückt, denn man bemerkt zwischen jedem Buchstaben eine erhöhte Linie,
welche die kleinen Zirischenrüume der Typen kennzeichnet.
Aus der Schrift erfährt man, dass der Mönch Conrad Forster zu Nürnberg im
Jahre 14S6 das Buch eingebunden hat, und es geht also zur Evidenz daraus hervor,
dass man schon vor Erßndung des JBuehdrttcks bewegliche Metallbiichstaben gehabt
hat, und dass man bereits dicht vor der Thür des Geheimnisses stand, durch iielche
tTofuinn Outenherg in glücklicher Ideen- Combination nur zu dem befreienden
Gedanken seiner neltbewegenden Erfindung iiinaustreten durfte.
Die lateinische Schrift der Vorderseite lautet: Anno dnl. M.CCCCXXXVI liher
iste ligatus est per fratre Conradü forster de onolspach sacristS Conventus Nuiem-
bergcnsis ordls prcdicatorum." Nach der deutschen Inschrift der Rückseite ist da^
grossartige Manuscript das Werk der Schwester Maria Katharina Ursula Barbara im
Katharinenkloster zu Nürnberg.
An dem ganzen umfänglichen und herrlich geschriebenen Pergament -Codex ist
Alles Original, Alles aber auch ist gleichmässig gut erhalten und hat dem lan;,'en
Zeiträume von nahezu 450 Jahren Trotz geboten, ein Meisterstück der Buch-
binderkunst und der Kalligraphie. — '
— Handschriftliche Werke. — 5
40. ^uöfdjrnbfn beft OTonctlft ju V^titti, 1437. — iDctau-:3!FormÄt.
Kleine deutsche Handschrift von neun Blättern auf starkem Papier mit vollstän-
diger Datirung. —
41. dDompcnbium tl)eologic«f »tritatie. ^imo 1446. — 3^oUo - 3^onnat.
Ein umfangreiches Manuscript auf Papier. Alter Einband von Schweinsleder. —
42. Cörofjfft Utrinifd)« 53rtiiiarium in }wti 13änbcn, gefdjricben wnb
vollendet zu Nürnberg 1446 und 1452, in grösstem Folio.
Ein Riesenwerk der Kalligraphie und Miniaturmalerei auf ausgesucht schönes
Pergament geschrieben. Der Wintertheil dieses Breviarium enthtilt auf d^m ersten
Blatte folgende Inschrift: y,tlQ(t) fpi Qfpnrt M° ctct, jn be f lo} iar t)at bif) bud) qe j
fdjribr frara anna grnmperger || itt borQfrin c^n ttnr qn nn$ || bem dofter qn fant hat^rein|
in nur pbig'orbens. ptt gotll fnr fte."
Demnach scheint dieser Theil ein Geschenk der liürgerin Anna Grnmperger
an das Kloster St. Katharina gewesen xu sein. Jedenfalls im Aufkrage desselben
Klosters wurde später von der Nonne Margaretha der Sommerfheü dazu gefertigt,
denn dieser, in Ausstattung dem Wintertheil vollkommen entsprechend, zeigt auf
dem ersten Blatte folgende Inschrift: „Hod) 3fpi gepurt . || ill° . CCCC<> . }n bem Itj || Jjttt
bif; bOi^ gefdiribrn . ^toeflrr . |i illargaretl)a harten i| ferin . ®jn nn$ ire || doflrr . qti
3otit Äol.t^eriiia jn nnreiij jberg . prebiger or|!betiB .pit got furllfie."
Die beiden prachtigen Pergamont-Einbände sind abermals ein Werk des Bruder
Conrad Forster von Onoldsbach im Augustinerkloster zu Nürnberg, denn auch hier
zeigt wie beim Officiale unter No. .39 die gepresste Inschrift dieses an, woraus
die Thätigkeit dieses kunstreichen Mönches durch mindestens 16 Jahre erwiesen
wird. Die Schönheit und der Reichthum der Miniaturen und sonstigen Malereien
dieses kostbaren Schriftwerkes trotzen jeder Beschreibung. —
43. fateinifd)f$ löreiiiarmm uom M))xt 1447. — Ikitm ?Durtrt-;jFormat.
Schöne Pergament-Handschrift mit reizenden Initialen und Datirung. Branner
gepresster Ledereinband mit grün oxidirten Schliessen. —
44. 1öaiibfd)riftad)er Ablaßbrief uom ^al)re 1454. — JoUo-3?onnat.
Auf Pergataient geschrieben. Der Ablass ist ausgestellt auf Johanm Gerhard ,
Vicarius der Bartholomäuskirche zu Frankfurt am Main. —
45. ^,Jla» Pwd) fa^t uon ben ^t\)tn gcbotl)en gotteö.*^ — Jlwatt-JorTnat.
Pergament - Manuscript aus der zweiten Hälfte des 15« Jahrhunderts mit einem
schönen in Gold gehöhten Initialbuchstaben auf dem ersten Blatte. —
46. dohtr ?3ibliorum. ecfdjruben um hM 3al)r 1470. — |Uittel
Folio-Format.
Ein prachtiges Manuscript auf Papier in schöner kleiner Handschrift. —
47. I^enricuö pifloris: ^bmonitioneö ftl)ifae4 — JoUo-3^ormat*
Manuscript-Codex auf Papier vom Jahre 1475. Brauner gepresster Ledereinband. —
48. '^^enricuö ^rimencnpö« Sractahw be quatuor »irtutibu» carbtnalibus.
1475. — Quart-Foiinat.
I^ateinische Handschrift mit Datirung. Das Buch y^ron den vier Haupt-
Tugenden"- wurde um dieselbe Zeit in Strassbnrg auch bereits gedruckt. —
49. Jatrinifd)« ?3rcütanum »om ^aljre 1483. — SDuart-ßFormat.
Ein schönes umfangreiches Pergament-Manuscripi mit sehr vielen grossen und
kleinen Initialen und Musiknoten. Brauner Ledereinband mit reicher Pressung und
^rün oxidirten Messingschliessen. —
6 — Erste Abtheilung, —
50. €in Slatt aus einem pergÄment-piiffÄle be* 15. 3«l!)tl)untert$. —
Folio-Format.
Das Initial A ist eine 10 Centimeter im Quadrat messende Miniatnre in schönen
Farben tuad reicher Goldhöhung. —
51. €me kleine Jlergameitt^aiiöfdjrift be«« 15. ^al)rl)unbertfl. — JDuobej-
Format; zwkchen Dop^lglas und Messingrahmen.
Ein äusserst zierliches Mmiuscript mit 18 feinen Initialen in Farben und (lOld,
und zwei schönen Bordüren in geschmackvoller Ausführung. —
^ol}tafeb2)racfe*
52. ^Uleiiber beij ^oljanne» ht C5amimbia »om ^aljre 1439. ^^oljtafel-
Druck von der Originalplatte.
Der älteste bis jetzt bekannte deutsche Calender , von dem Astronomen Johann
von Umünden am Traunsee verfasst, und 1439 in Holztafeldruck ausgeführt. Die
Original-Platte wurde in Nürnberg aufgefunden. —
53. (XLVi) „J»ie kunfl Otiromanüa.^' ^on Jlr. ^oljann f)artUeb. |)ol)t«fel-
Druck von Jörg Schapff in Augsburg um 7450, mit der
Jahrzcdil 1448 versehen.
Die Kunst, aus der Hand »wahrzusagen, wurde im Jahre 1448 zuerst von Dr. Johann
Hartlieb aus dem Lateinischen übersetzt, und auf 48 Holztafeln xylographisch dar-
gestellt. Es giebt von dieser werthvoUen Seltenheit ersten Kaages nur noch 6 com-
plete Exemplare, von verschiedenen Ausgaben. Unser Exemplar ist jedoch insofern
ünictwn, als es der aller/rühesten Ausgabe augehört, und jedenfalls, bald nach
der Fertigstellung durch den Autor, von Oeorg Schapff in Holz geschnitten und
gedruckt, daher wahrscheinlich bis zum Jahre 14ßO tfoUetidet wurde. —
Dieses complete Exemplar ist daher auch noch ohne besondern Titel» ebenso
fehlen ihm die Signaturen der drei Blattlagen und am Schlüsse des letzten Blattes auch
der Name des Formschneiders „jorg schapff^ zu Augsburg. Dies Alles wurde erst
bei den späteren Auflagen in die Holztafeln eingefügt.
Da nun alle Bibliographen, welche das seltene xylographlsche Produet besehreiben,
nur die später gedruckten Exemplare der Staatsbibliotheken zu Wien, München, Wolfen-
büttel, Paris und bei Lord Spencer in Althorp kannten, so hat man angenommen«
dass das Werk erst um 1470 hergestellt sei, weil man namentlich Signaturen vor-
her nicht kannte und anwendete.
Es ist aber gar nicht anzunehmen, dass der Autor das Werk im Jahre 1448 für
den xylographiscben Buchdruck gezeichnet, und dann bis zwanzig Jahre nach Er^
findung des Drucks mit beweglichen Typen liegen gelassen haben sollte, ohne einen
so gesuchten Gegenstand zu verwerthen.
Unser prächtiges Exemplar löst daher — wie so viele seltene Gegenstände unsei*er
Sammlung — ein wichtiges bibliographisches liäthsel ; und den sichersten Ben eis für
unsere Annahme giebt von selbst der Umstand, dass unser Exemplar nicht erst auf
der Buchdruckpresse nach Guten bergs Erfindung, sondern nach dem ältesten Verfahren
des Holztafeldruckes hlos einseitig nUt dem Jieiber gedrueht, und di&
Blätter alsdann je swei und zwei mit den leeren Röcksraiten Sn Eins zusammen-
geklebt sind.
Eisen femeni Beweis für das grössere ATter unsers Unicum liefert der Umstand,.
di^LSii an Stelle des Titels, der sich bei den andern Ex«m01«ren auch am Sobhisse des
— Holztafel-Drucke. — y
jiuches wiederholt, hier zwei andere reichverzierte Blätter vorhanden sind, die den
Umschlag des Buches bilden. Jedenfalls ist unser Exemplar das werthvoUste von
allen noch existirenden , und bildet einen wahren Edelstein unter den Schätzen des
Kücberdrucks vor Einführung der betoeglichen Typen durch Johann Gutenberg. —
54. ^^jOer Srijurm bcr Ulmljcit.*^ "li^oljtaW-iDnidi au9 htm 15. ^al)r-
hunderte. — Gross Folio-Format.
Alt colorirt und zwischen (»las und Rahmen gefasst. Ein äusserst inhaltreiches
Blatt. —
55. iDer \}t\i\c^t ^ebaflian. Knbekaniiter "jtioljtafel - jOrudt au» htm
15. Jahrhunderte. — Folio-Format.
56. (Bin IBlatt in l^ai^tafd-iDruäi au« htm (üaUnber ht^ IKlagtltn:
Johann von Kungsperk, anno 1473. — Folio-Format.
57. jDonatuö in latcinifdjcr ^pradje. lijaljtafel-jDrudi uon Conrab
Dinckmut in Ulm, circa 1475. — Folio-Fwmat.
^ur noch in ein paar Fragmenten bekannter Hoktafel-Druck, und eines der frii-
hcsten Ulmer Druckerzeugnisse, obgleich wir nur erst das Jahr 1476 als muthmaes-
liches Druckjahr angenommen haben. Da hiernach Conrad Dincknmi, der bisher als
Drucker mit bew^cglichen Typen nur erst von 1488 ab bekannt ist, gleich seinem
Vorgänger Hohenicang ursprünglich jedenfalls Briefdrucker und Formschneider ge-
wesen, so ist sogar nicht ausgeschlossen, dass der Druck unsers interessanten Donat
noch in die sechsziger Jahre des fünfzehnten Jahrhunderts zurückreicht , wo der
Druck solcher kleinen lateinischen Sprachlehren besonders stark betrieben wurdo.
Wenn trotzdem selbst Fragmente solcher Holztafel-Drucke, wie der unsrige, zu
den Seltenheiten ersten Ranges zahlen, so erklärt sich dies leicht dadurch, dass
Schulbücher eben durch den starken Gebrauch völlig abgenützt wurden und dann
verschwanden. Auch von unserm schönen Donat - Fragmente existirt sicher kein
completes Exemplar mehr, und es ist als ein Glück zu betrachten, dass hier nicht
nur dass erste Blatt mit dem grossen Initialbuchstaben P, dessen Ausläufer eine
herrliche Bordüre um die ganze Druckseite bilden , sondern dass auch das leiste
Blatt mit der Druckfirma so schön erhalten ist.
Ohne dieses Colophon wäi*e der Ursprung dieses ehrwürdigen Druckdenkmals
kaum zu vermuthen gewesen. Das erste Blatt ist auf beiden Seiten mit je sieben-
nndzwanzig Zeilen bedruckt; dass letzte Blatt giebt noch zwölf Zeilen und das vier-
zeiiige Colophon: ,,®tto ßarriuin ffranoni«. II bffttHt«s , per (Itunrabum II btnckmnt
iJlmMis #pßibi. II Ciunn imerCWnS finit itYmV* Dieser prächtige Holztafel-Druck-
in sehr grossen Charakteren geseichnet, ist zugleich ein wichtiges Document zur
Ifuchdrucker-Geschichte von Ulm. —
58. :i'atcimrd)£r iDri9inal-.3^bUPntf uom .Sal)re 1482. — %\\vc ^FoUo-
Format.
Die grosse Ungleichheit der Buchstaben dieses seltenen Einzelblatt-Druckes lässt
deutlich erkennen, dass wir hier einen Holztafel- Druck vor uns haben, obgleich von
andern Seiten einzeln geschnitzte Typen angenommen worden sind.
Dergleichen Holzplatten wurden für bestimmte kleinere Drucksachen selbst noch
lange nach Erfindung der beweglichen gegossenen Typen angewendet, besonders von
I'.ricfdruckern und Formschneidern, die keine Schriftgiesserei besassen..
Die Form der Buchstaben zeigt übrigens eino auffallende Aehnlichkeit mit den
typograpliischen Erzeugnissen Friedrich Creussner's in Nürnberg und wir kommen
in der zweiten Abtbellung unter No. 74» hierauf noch näher zu sprechen. Die Be-
schaffenheit der leeren Rückseite des Blattes lässt darauf schliessen, dass es nicht
mit dem Reiber, sondern auf der Presse gedruckt worden ist.
8 — Erste Abtheilung. —
Verkauft wurde der Ablassbrief durch den Klosterbruder Petrus Ciaidianus von
München im Auftrage von Papst Sixtus dem Vierten. Das guterhaltene Exemplar
ist zNvischen Doppelglas in Messingrahmen gefasst.
59. jPie fünf Wmhtn QL^xxfil (gin ^bU^-?öilb uom 3fll)re USo,
dessen Original-Holzstock sich in unserer Sammlung befindet.
Dieses interessante alte Bild zeigt in der Mitte, umgeben von einer Dornenkrone,
ein Herz, aus dessen klaffender Wunde das Blut träufelt; in den vier Ecken des
Bildes sind die gleichfalls mit den Wundmalen bed^^ckten Hände und Füsse des
Heilandes veranschaulicht. In der Mitte oben befindet sich eine Tafel mit „tThs*^
und unten eine gleiche mit ^fXps", (Jhesus Christus). Die Unterschrift lautot:
Mpstr infajtnbigtr ^irthcl fn btm fetrt^: br^niijtt bie foar^afftigcn leng bitb
bmite |{ bcr baunbtn btr seittcn xpi foelc^t nxt it^lit^ nunst^ mit fcoarer refo bnb
ptk^t Ä' I ' mit anbat^t ansitbt btrbient bij jar bcrgebüg aUtr sunb linrc^ bcr-
itg^üg bcs I beiücten battrs bnnb ^ern f notencg ^t^ ac^tm pabst als üfft bas
bwcbrc^t 2*VQ". —
Veranstaltet wurde dieser Ablassbrief vom Papst Innocenss VIII. im Jahre 1485 zu
Nnrnherfj , doch zählt derselbe zu den sogenannten „unächten", die von späteren
Päpsten desavouirt wurden. Die Strassburger Bibliothek besitzt einen alten Original-
Druck hiervon. —
60. ^oljtaffl-Jlrutk auö bcm €nbc brs 15. ^al)rl)imbertö , gebnwkt >u
Augsburg durch Hans Hofer, Briefmaler. Lang Folio-Blatt.
]']s beweist dieses interessante mit sehr grosser Schrift gedruckte Blatt, dass
man sich für gewisse kleinere Drucksachen noch lange nach Gutenbergs Erfindung
des Holztafeldrucks bediente, nur dass man ihn nicht mehr mit dem Keiber, sondern
auf der Buchdruckpresse ausführte.
Unser Exemplar, zwischen Glas und Rahmen gefasst, ist wahrscheinlich Vnioni}
und dessen Drucker kaum bekannt; es ist aus zwei Stücken zusammengesetzt, weil
das (ianze jedenfalls eine zu grosse Holzplatte erfordert haben würde. —
61. (Kine Ifanbkartc uon |3alä|liiia, (Enbf bes 15. J^aljrljimbcrt"} ^ bcrnt
Original-Holzstock sich in unserer Sammlung befindet.
Es sind nur sehr primitive Umrisse Und Linien, die den Bestandtheil dieser Karte
bflden und man würde sicher nicht ahnen können, welches Land dargestellt werden
sollte, wenn die eingedruckten Ortsbezeichnungen nicht auf Palästina deuteten; ein
interessantes Zeugniss für die geringe Ausbreitung, welche die geographischen Kennt-
nisse damals noch gewonnen hatten. —
62. (gilt Jlu^blatt awf ^^arl IL »on (Sitjlanb/um tm 3«J)t^ 1660.
Das Blatt stellt in einem hügelichen Felde eine grosse Anzahl von Galgen vor,
an deren einem drei Menschen baumeln; an den andern sind einzelne mensdhliclie
Gliedmassen aufgehängt; links im Vordergrunde ist der Henker damit beschäftigt,
die todtcn Leiber mehrer Menschen zu zerstücken. Ueber der Abbildung steht in
einem Bande: y.E'xecution der Englischen Königs -Yerräther"-.
Das Blatt bezieht sich auf den Antritt der Regierung Karls II. von England,
der die Mitglieder des Parlamentes , welches seinen Vater Karl 1. hatte hinrichten
lassen, den Händen des Henkers überlieferte, ja sogar die Leichname der Haupt-
anführer der revolutionären Partei aus den Gräbern reissen, schleifen, zerstückeln
und an den Galgen hängen Hess. Der Original - Holzstock dieses schauerlichen
Blattes befindet sich in vmserer Sammlung. —
63. 5»d)ablonfn - Jirudi uom |Jrtl)re 1461; du 5d)mäl)bilb gegen einen
Grafen Niclas von Abensberg.
Schon lange vor Erfindung des Holztafel-Druckcs kannte man den Sehablonen-
DrueJc , und bediente sich dessen zur Darstellung von Bildern und Schrift B«-
— Holztafel-Drucke. — g
sonders die KamensuuterscUiHften wurden häufig mit einer Schablone oder Patronr-
in Form eines dünnen Blechbluttchens ausgeführt, in welchem die Buchstaben aus-
geschnitten waren und über die man einen mit Farbe getränkten Pinsel hinweg-
führte. Das Original dieses Schmähbildes existirt nur in einem einzigen Exemplare. —
64. (fTonfffponalf ou ,,?3eid)tfpu9el nad) bcn ?cl)n (Sfboten*% rcprobuit
en facsimile avec une introductioA par J. W. Holtrop . La
Haye. Klein Quart-Format.
65. ^^agmtntc oon bnitfd)«n (grbammgebüdjern. ^^arfimiUö uon ?jol|tafcl-
Drucken aus der Zeit vor Gutenberg-.
66. Cgin Sllatt au^ beti ,,Jfmfjel)n ^tx^tw be» jiini^flcn (!5cridit6'\
Holztafel-Druck vom Brief maier Junghanss in Xüniberg* vom
Jahre 1472. Facsimile nach dem Exemplar der Gothaer
Hofbibliothek. —
Ferner befinden sich in unserer Sammlung noch folgende
SolztCLfel-Dr liehe in getreuen Facsimiles, welche diese früheste
Art des Bücherdruckes vollständig vergegenwärtigen: 67: Der heilige
Christoph von 1423» nach dem Unicum in Lord Spencers Bibliothek.
Ferner 68: Einzelblätter aus der „Apocalypse" ; 69: „Ars memo-
randi"; 70: „Ars moriendi"; 71: „Entkrist"; 72: „Fünfzehn Zeichen
des jüngsten Gerichts"; 78: „Biblia pauperum"; 74: „Spie^ghel der
menscheliker Behoudenisse"; 76: „Das hohe Lied oder Historia
B. V. Mariae"; 76: „Defensorium inviolatae Virginitatis b. Virginis
Mariae"; 77: „Buch der Könige"; 78: „Symbolum Apostolicum" ;
79: „Confessionale oder Beichtspiegel**; 80: „Todtentanz"; 81: „Fabel
vom kranken Löwen" und 82: ,, Legende vom heiligen Meinrad",
die sich übrigens unter ^,Basel'* auch in der höchst seltenen Aus-
gabe mit beweglichen Typen ^ von Michael Furter 1496 gedruckt,
in einem vorzüglich schön erhaltenen Exemplare bei uns vorfindet,
in welcher die alten Original-Holzstöcke mit den Bildern nochmals
Verwendung gefunden haben. —
Swcite 2tbtbeitung<
Der ORuc^ktt^ mit ßetDcglidjm Sypen
in feiner ientwicfelunö ^a^•0cftc^t i»urcl? befcni>cr6 d7araPtcrifltifcl7e
unt> feltene jDrucfwerFe von (ßutenberöß 5«lt ab.
PorbcmcrEungen.
Im Nachfulgenden sind zuräclist die frühesten 18 Druckorte von 14M) bis 1470
in chronologischer Ordnung verzeichnet, ebenso sind ilire Typographen, soweit die
Jabre ihrer Wirksamkeit bekannt oder zu ermitteln gewesen, nach der Zeitfolge
aufgeführt.
Zu den Druckorten bis 1470 zahlt man zwar auch das Städtchen Trevi in Italien,
(loch war hier ein gewisser Johann Keynard aus Deutschland jedenfalls nur als
Wandet' - Ti/pograph vorübergehend thätig, und erscheint 1475 in Venedig. Auch
Verona galt bisher als Druckort von 1470 ab, doch haben bereits Dibdin und Deschamps
gerechte Zweifel angeregt, ob das Werk „Batracomiomachia'' Homer"« wirklich ein
Veroneser Druck sei. Dasselbe zeigt allerdings die Sclilussschrijt: „Verona, die
XV. Jannarii, MCCCC.LXX* ; allein es ist dies jedenfalls nicht das JOrueliJniir,
denn Charaktere, Druck uud Ausstattung sind ganz verschieden von dem ersten
Drucke Verona's, der zwei Jahre später den Namen des ersten dasigen Drucker^»
iiufweist. Aus diesen Gründen weisen wir auch der Stadt Verona ihren Platz erst
im zweiten Theile an, in welchem alle in unserer Sammlung vertretenen Uruckorte
nach 1470 in alphabetischer Folge verzeichnet werden sollen.
Die übrigen IS frühesten Druckorie sind folgende : Mainz mit Eltville — Bam-
berg — Strassburg — CÖln — Subiaco — Rom — Basel — Augsburg — Marienthal
hei Mainz — Venedig — Mailand — Ulm — Nürnberg — Foligno — Heromünster
— Paris und Lübeck. Es ist übrigens bei der Auswahl der hier zu verzeichnenden
Werke besonders darauf Rücksicht genommen, dass möglichst alle Typenformen zur
Anschauung gelangen.
Von mehr als hundertfünfzig Druckorten und besonders berühmten Typogruphen
sind sogar die ersten Ihrueke in unserer Sammlung vertreten; auch erscheinen
mehrfach Druckorte , die man bisher als solche nicht gekannt, während aus andern
wiederum Druckwerke vorliegen, durch deren Jahrzahlen die Einführung der Typo-
graphie daselbst oft in eine wesentlich frühere Zeit verlegt wird, als In der (<e-
scliichte dieser Kunst bisher angenommen und verzeichnet worden ist. Manche
andere bisherige Irrthumer klären sich leicht durch die Vergleichung der Druck-
werke auf, die man bisher selten oder gar nicht nebeneinander vorgefunden hat, und
gerade solche Vergleiche bilden ein Kriterium der bisherigen Forschung von nicht
zu tmterscbätzender Wichtigkeit. —
— Mainz. — II
dutenbrrg hn (Erftnkr
mit ^of^ann guft m (Bemeinfd)aft 1450 bie 1455; f 1468.
No. 1.
„1§iblta facta Bulgata/*
Mainz, Johann ^tenberg^ 1450 bis 1455.
Die zw eiundvier zig zeilige, auch Mazar in- Bibel genannt^ in 2 starken
Folio-Bänden auf Pergament gedruckt.
Ton diesem erhabensten Denkmale der grossten Erfindung des Menschon-
geschlecbts, das Johann Gutenberg sich selbst errichtete, haben \vir hier unter allpa
noch bekannten acht Pergament-Exemplaren das einzige mit Miniatur-Malereien, und
zugleich das schönste in jeder Beziehung vor uns , dessen wahrhaft fürstliche Aus-
stattung sich selbst auf die kostbaren Einbände erstreckt , die im Geschmacko der
Fräh-Renaissance aus verschiedenfarbigen Holzarten zusammengesetzt und mit starken
Silberbeschlägen reich ornamentirt sind.
Auf ausgesucht schönes grosses Pergament mit sehr breitem Rande gedruckt,
macht das herrliche Werk beim ersten Anblick mehr den Eindruck eines handschrift-
lichen Codex, da es ganz in jener luxuriösen Weise ausgestattet ist, in welcher
schon vor Gutenbergs Zeit hohe fürstliche Personen einzelne Manuscripte für den
eigenen Handgebrauch durch Maler und Schreibkünstler ersten Ranges herstellen Hessen.
Sämmtliche Zeilen des 641 Blätter umfassenden Werkes sind nämlich mit rother
Tinte unterstrichen, und jede einzelne Columne noch besonders durch doppelte
ruthe Linien höchst gleichmasslg eingerahmt. Da nun von den 1982 Seiten 5 leer
sind und auf der nur theilweise bedruckten Schlussseite des ersten Bandes die Quer-
linien Jedenfalls vergessen wurden, so waren auf den überhaupt bedruckten und
linirten 1276 einzelnen Spalten nicht weniger als lÜfdf752 Linien sorgfältig mit
der Hand auszuführen!
Jedes einzelne Buch durch das ganze Bibel werk beginnt mit einem grossen hunt-
gemalten und reich mit achtem Golde belegten Initial-Buchstaben, an welchen slcli
jedesmal eine prächtige Rand-Malerei in Gold und mehren Farben anschliesst, und
meist, über die ganze Länge und Breite des Blattes geht. Dergleichen grosse Initiale»
tjind 104 vorhanden, alle in ihrer ursprünglichen wundervollen Schönheit wie neu
erhalten.
Dazu gesellen sich aber noch eine ungleich grossere Anzahl von mittleren und
kleineren Initialen, alle ebenso schön in Gold und Farben gemalt. Mit einem solchen
Initial-Buchstaben beginnt nämlich jedes einzelne Capitel durch das ganze Bibel werk,
Ko dass sich ihre Gesammtzahl auf 1334 beläuft. Alle wechseln unter sich stets
in den Hauptfarben ab.
Ein w^ahres Unicum in seiner Art bildet aber unser Exemplar durch die hunderte-
von bildlichen Darstellungen des Bibeltextes, -wie sie nach Gutenbergs Zeit in ähnlicher
Weise durch Holzschnitte eingedruckt und dann zuweilen bunt ausgemalt w^urden.
In unserm Exemplare sind diese Miniaturen auf den untern breiten Rand der Blatt-^
Seiten mit der Hand gemalt, und jedesmal von reichen Arabesken in Gold und Farben
umgeben ; sie sind Jedenfalls das Werk eines nicht unbedeutenden Künstlers, und sicher
wurde unser Exemplar nur für eine holie fürstliche Person so prachtvoll ausgestattet.
In Bezug auf die typographische Arbeit gehört unser Exemplar zu den wenigen
noch existirenden ersten Abdrücken, wo die ersten neun Seiten nur 40 Zeilen , die
12 — Mainz. —
zehnte 41 und alle übrigen 42 Zeilen haben. Dieser merkwürdige Umstand beweist,
dasä Guteuberg auch bereits das sogenannte „DurchschiesseD des Satzes* erfand, denn
die ersten neun Seiten sind ganz, die zehnte grösstentheils dv/rchschossen und haben da-
durch fast genau dieselbe Spaltenhöhe, wie weiterhin 42 compress gesetzte Zeilen.
Ausser den acht Pergament - Exemplaren kennt man v«n dieser ehrwürdigen
Gutenherg - Bibel noch neun auf Papier, wovon das hübscheste bei Lord Spencer.
Das minderschöne Exemplar von Perkins in London ging 1873 für 77 000 Mark in
andere Hunde über. Nur vier Exemplare sind zur Zeit noch im Privatbesitz. Aber
leider nicht alle sind complet; selbst in dem Pergament-Exemplare der Königlichen
Bibliothek in Berlin, das im Uebrigen als eins der schönsten gilt, fehlen Blätter.
Tun den berühmten drei Mainzer Bibeln aus den Jahren 145Ö, 1462 und 1472 haben
viele Staats- und Stadtbibliotheken nichts oder höchstens einzeln^ Blätter aufzuweisen;
unser Museum gewahrt die Annehmlichkeit, diese typographischen Schätze alle drei
neben einander bewundern zu können.
Mit den Typen der 42 zeiligen Bibel gedruckt, haben sich nach und nach eine
Anzahl Donate vorgefunden ,- die zum grossen Theile nur fragmentarisch in ver-
schiedenen öffentlichen Bibliotheken aufbewahrt werden. Es giebt davon Ausgaben^
die in 24, 2.5, 26, 33 und ^5 Zeilen gedruckt sind. Indess müssen wir von dem
in Mainz befindlichen Donate zu 32 Zeilen, der ebenfalls mit Typen der 48 zeiligen
Bibel gedruckt sein soll, bekunden, dass dies nicht der Fall ist.
Die Typen desselben weissen einen merklichen unterschied auf, der schon bei
dem i zu Tage tritt. Während nämlich über dem i der 48 zeiligen Bibel stets ein
kleiner Halbzirkel steht , bemerkt man in dem Fragmente des 32 zeiligen Donats
dafür überall einen kleinen Schrägstrich, was neben andern Abweichungen den
aufFälligsten Beweis der Verschiedenheit beider Typengattungen liefert.
Wir haben dagegen die Entdeckung gemacht, dass die Typen dieses Donat-
Fragmentes vielmehr denjenigen vollständig gleichkommen, mit welchen Johannes
Xumeister seine „Meditationes Johannis de Turrecremata," vom Jahre 1479 in Mainz
gedruckt hat, die wir unter No. 46 anführen werden. Das betreffende Mainzer Donat-
fragment darf daher nicht als Gutenherg's, sondern als Xumeister'' s Druck gelten.
Unsere Sammlung enthält davon eine genaue photographische Abbildung. —
Wenn einige Bibliographen behaupten wollen, die 42 zeilige Bibel sei von Peter
Schoeffer gedruckt, weil ihre Typen denen gleichkommen, mit welchen er um 1407
den in Paris aufbewahrten Donatus gedruckt habe, so bekundeu wir: das Druck-
werkzeug Gutenberg's war schon 14.'>f) durch den Prozess Fust's gegen den Erfinder
in die Hände von Fust & SchÖffer gelangt, und konnte also Peter Schöffer mit
Gutenberg's Typen später ungehindert drucken, ohne doch der Schöpfer dieser
Bibeliypen zu sein. Behauptung steht hier gegen Behauptung, aber mit der über-
wiegenden Mehrzahl aller Kenner und Forscher halten wir daran fest, dass Johann
Outenberg der unsterbliche Schöpfer des herrlichen 42 zeiligen Bibelwerkes in der
That gewesen ist, und lassen jede andere Ansicht kampflos daneben bestehen.
Wie es aber Forscher ^iebt, die dem Erfinder den Druck der 42 zeiligen Bibel
absprechen, so giebt es auch solche, die in gleicher Weise ihm das j^Catholicon^
entziehen, weil mit denselben Typen später von Heinrich und Nicolatts Bechtermünze
das »Vocabularium ex quo" zu Bltvil gedruckt wurde; und so bliebe denn für den
grossen Erfinder Gutenberg nichts übrig, als die Idee, die ihm auch seine grossten
Widersacher nun einmal nicht rauben können, und allenfalls ein paar kleine Donate
oder Kalender als mühsame ei-ste Versuche, aber nicht Ein grösseres Werk, das den
zur That gewordenen grossen Gedanken der Erfindung verkorpertel Und doch giebt
hierfür die Schlussschrift des „Catholicon", zu dem wir uns nun wenden, auch in
ihren dunkeln Worten einen fühlbaren Ausdruck. —
— Mainz. — i
^
No. 2.
MainZy Johann GFutenberg, 1460« Gross Folio-Format.
Die viel bewunderte Schlussschrift dieseB herrlichen Druckwerkes besagt zu deutsch :
, Unter des Allerhöchsten Beistand, auf dessen Wink der Kinder Zungen beredt
werden, und welcher den Geringen oft plötzlich enthüllt, was er den Weisen verbirgt,
ist dieses vortreffliche Buch „Catholicon" im Jahre der Menschwerdung des Herrn
1460 im guten Mainz gedruckt und vollendet wurden, der ruhmwürdigen Stadt deut-
scher Nation , die Gottes Gnade mit so hohem Geisteslichte und freiem Gnaden-
geschenke den andern Völkern der Erde fortan voranzuleuchten gewürdigt hat.
Nicht mittels des Rohres, des (iriffels und der Feder ist dies bewerkstelligt, sondern
durch ein wunderbares Zusammenpassen, Verhältniss und Mass der Patronen und
Formen."
Wer anders als der Jürßnder hätte eine so edle un(i dennoch bescheidene Sprache
tinden mögen, in der hohe Begeisterung mit prophetischem Blicke die leuchtende
Gewalt der göttlichen Erfindung kündet, eine Erscheinung so ricsengross, dass der
Erfinder selbst sich demüthig nur als irdisches Werkzeug eines höheren Willens
t-rkennt !
Das vorliegende Exemplar des weltberühmten Werkes ist eines der schönatm
von allen existirenden , wie neu erhalten und mit Malereien von höchster Feinheit
geziert. Mit dem Titel ^Catholicon" wollte der Verfasser nur „die Allgemeinheit'^
bezeichnen, der das Werk dienstbar zu sein bestimmt war. Man kann es die entte
Real - Encyclopädie nennen, die verbunden mit einer lateinischen Grammatik vom
Dominikanermönche Johannes Baibus aus (ienua schon im vorletzten Decenium des
13. Jahrhunderts verfasst wurde.
Unser prichtiges Exemplar ist höchst geschmackvoll in dunkelrothes Ijeder ge-
l>unden und überaus reich mit achtem Silber beschlagen. Huin No. 2254. —
No. 3.
@:t)oma9 br ^quino: „.Summa be articulb fibri^^
Mainz ^ Johann Gutenberg, circa 1461* Klein Quart-Format.
Dieser höchst seltene lileine Tractat über die Glaubensartikel ist mit der Ciifho-
Ukon-Type gedruckt und muss daher den Erzeugnissen Gutenberg's zugezählt werden,
obwohl er weder Augabc des Ortes noch des Druckers und der Jahrzahl aufweist..
Der Einband dieser kleinen unschiit'/t aren Ginielie ist von dunkelgrünem Maroquin
und enthält den Namen dos berühuitgn Huchbinders Dtirii in Paris nebst der tlahr-
zahl 1854; er ist zudem mit ächten Silber-Beschlägen versehen. Das Werkchen selbst
ist wie neu erhalten. Hain Xo. 1425. —
Bis vor Kurzem schrieb man (jutenberg auch eine Keihe anderer Druckwerke
zu, die mit einer Type gedruckt sind, auf welche zuerst Fischer in seinem Essai
pag. 79 aufmerksam maclite. Dort wird einer handschriftlichen Xotiz in einem mit
diesen Chrakteren gedruckten „Tractatus de celebrutione missarum" Erwähnung ge-
than , nach welcher das betreffende Exemplar dieses Buches 14fi0 an die Kai-thause
bei Mainz durch Schenkung von Johann Gutenberg und Johann Xwneister gekommen
wäre. Mit den gleichen Typen ist ein »Kalender von 1460" gedruckt, den die herzog-
liche Bibliothek in Darm Stadt besitzt.
AUein der Engländer Hesseis hat in seiner neuesten Schrift über Gutenberg
pag. 108 bis 113 nachgewiesen, dass die Juhr-uhl dieses Kalenders gefälscht ist.
Ij^ — Eltwyl. —
indem darin mehrere Zahlen radirt vrorden sind, und er erhärtet auch aus dem
Inhalte des Kalenders, dass die Jahrzahl ursprünglich Ixxxii gelautet haben muss,
staXt Ix. Hierdurch nun erhellt gleichzeitig, dass auch jene handschriftliche Notn
ein Faleificat ist, da beide JahnEahlen nicht zu vereinbaren sind.
Wir besitzen die mit derselben Type gedruckte älteste Ausgabe von ,,Cl09en onlt
im|liit)e itxt onfj (jiemet^en befi^riebeiieti rtdjte«**, Hain No. 3727, die wir hier ohne
aparte Nummer ihrer grossen Seltenheit wegen anfTibren. Hesseis bat an derselben
Stelle 8 verschiedene Werke bezeichnet, die mit der gleichen Type gedruckt sind und
welche nunmehr wieder einem y^unbekannten JUainzer'* um die Zeit der achtziger
Jahre zugeschoben werden. Ueber Letztern können wir eine ziemlich sichere
Vermuthung aussprechen.
Da nämlich in der mit Erhart Betvich's Firma gedruckten holländischen Ausgabe
von „ Breydenbach's Reisen", untermischt mit den sonstigen Schwabaeher Charakteren
des Werkes, sämmiliche Majuskeln der oben bezeichneten Typen wieder zu finden
sind, so liegt es nahe, an diese überraschende Thatsache Combinationen zu knüpfen.
Da aber, wie man bisher anzunehmen berechtigt war, Erhart Rewich die Breyden-
bach^schen Reisen mit Schoeffer's Typen gedruckt hat, so würde auch in obigem
Falle Peter Schoeffer in Erwägung zu ziehen sein.
Diese letztere Eventualität möchten wir indess am wenigsten für annehmbar
halten; denn trotzdem, dass in den „Clo^en vnb ltn|li(^e Ure*' auch Typen von un-
verkennbar SchoeflFer'schem Ductus erscheinen, so sind der Druck und das ganze
Exterieur dieser Werke so schülerhaft und so gewaltig von den 5'cÄö//er'8chen Leistungen
nhweidiend, dass man Letzterem diese Arbeit unmöglich zutrauen kann. Es ist so zu
sagen ein Sammelsurium von allerhand Typenformen, als habe der Verfertiger alle
damaligen Mainzer Typen, gut und schlecht, nachgeahmt.
Wir glauben kaum zu irren, wenn wir annehmen, dass Johann Humeialei'^,
der Mitarbeiter Gutenbergs, noch während seines ersten Aufenthaltes in Mainz der
Urheber jener unvoUkonunenen Drucke ist, denn was er darin leisten konnte, beweist
sein erster Druck in Foligno noch im Jahre 1470, Jene Mainzer Typen Numei8ter*s
können ja später recht wohl in BewicVs Hände gelangt sein. Mögen unsere An->
deutungen zu weiteren Forschungen Anregung geben. —
CItttenberg in €ltnit)l bei plainj.
In Folge der im Jahre 1465 stattgehabten Ernennung Guten-
bergs zum Hof-Cavalier des Erzbischof Adolfs II., der seine Residenz
in Kltvil hatte, war auch Gutenberg veranlasst, dorthin überzusiedeln
und auch seine mit den Mitteln des Dr, Humery errichtete zweite
Drtickerei dorthin zu verlegen. Daselbst wohnten auch seine Ver-
wandten Heinrich und Nicolaus Bechtermünze , mit denen er nun
in geschäftliche Berührung kam.
Wir besitzen ein kleines Druckwerk, das den Bibliographen
schon viel Kopfzerbrechen verursachte, da man nicht weiss, wohin
es zu placiren ist. In neuerer Zeit will man dieses in nächster Nummer
näher beschriebene Werkchen wegen der Aeknlichkeit eines M und
eines S dem Arnold Therhoernen in Cöln zuschreiben , trotzdem
dessen kleinste Type ungleich grösser und mit jener kaum zu ver-
gleichen ist. Viel eher könnte man hierbei an die Druckerei der
— Eltwyl. — IC
Brüder des gemeinsamen Lebens in Brüssel denken, deren eben so
niedliche älteste Typen Holtrop in seinen ,,Monuments typographi-
ques 1868*^' auf Tafel 75 wiedergiebt, wenn man nicht auf den ersten
Blick ungleich mehr an die Catholicontype erinnert würde.
Auch die Brüder des gemeinsamen Lebens in Marienthal
führten eine ähnliche kleine Type; doch sprechen zu viele typo-
graphische Merkmale dafür, dass das nach verzeichnete Werkchen
früher entstanden ist, als die Klosterdruckereien in Brüssel und
Marienthal errichtet worden sind, und bevor auch Therhoernen in
Cöln gegen 1469 zu drucken begann. —
No. 4.
^ugultini „fibfr bc fancta IJirginitatr".
Ohne Angabe des Ortes, der Jahrzahl und des Druckers.
Octav-Format.
Diese Seltenheit ersten Ranges, von der nur noch fünf Exemplare bekannt sind,
ist mit einer der Catholicon-Type auffallend ähnliehen Schriftgattung von höchst
ungleichem Schnitte gedruckt, die nur wesentlich kleiner ist. Auch Panzer besass
davon ein Exemplar in seiner Sammlang, von dem er in den Annales lY pag. 89
Nr. 185 schreibt: „Dieses bisher von Niemand citirte Werkchen scheint der allet'-
ersien Typographie anzugehören. Die Typen kommen denjenigen am nächsten , die
in Maine gebraucht wurden."
Der Vergleich mit den Catholicon-Typen , denen sie allein von allen Mainzer
iSchriftgattungen ähnlich sehen, ist in der That interessant. Uebrigens ist das Werk-
chen eine wahre Schülerarbeit, sowohl in Hinsicht der höchst ungleichen Typenform
wie des Druckes, bei dem, wenigstens in unserm Exemplare, sogar auf jeder der
42 Seiten stellenweise die Driickschwärze versagt hat. Die Columnen stehen grossten-
tbeils schlecht im Register, und die Ungleichheit namentlich der Versalbuchstaben ist so
gross, dass man allein auf Seite 17 fünf verschiedene N sehen kann, ebenso noch mehre
anf Seite 27 und 28, während auf Seite 20 gleich nach einander fünf verschiedene B
stehen, darüber auch noch ein R statt B als Satafehler, wenn es nicht gar bloss an
einem sechsten B gefehlt haben sollte. Dieselben Verschiedenheiten kann man
durch das ganze Alphabet hindurch, selbst bei den Minuskeln und bei den wenigen
Ligaturen, wahrnehmen.
U Es wäre {nicht unmöglich, dass die Entstellung des seltenen Werkchcns in die
Zeit fällt, wo Quienherg mit seinem Verwandten Heinrich Becbtermüntse die neue
Druckerei zu Kltwyl begründete, wohin ja auch die Catholicon-Typen übergingen,
und dass es somit zu den ersten Rechtermfinzo'schen Druckversuchen des Jahres
1464 biB 1465 zu zählen ist. Hain No. 2078. —
No. 5.
^ücabularium Utitto-tctttomcum,
auch „Vocabularium ex quo" genannt.
Eltwyl, Nicoloas Bechtermüncze, 1472. Hoch Quart-Format.
Von diesem kostbaren Bibliothekschatze ersten Ranges haben nur noch einzelne
Staatsbibliotheken ein Exemplar aufzuweisen. Das ehrwürdige Druokdenknial ist
doppelt interessant durch seine Typen, die von den vorhergehenden beiden Auflagen
de.sselben Werkes, den Catholicon-Typen, völlig abweichen. Glücklicherweise ist
dasselbe aber mit Druckort und Jahrzahl verschen.
l6 — Mainz. —
Das „Vocabitlarium ex quo** — so genannt nach seinen Anlangsw orten —
wurde zuerst von Heinrich Becliternuinze in Elttvyl, auch ^Ituille oder Elfeld bei
Mainz, 1467 gedruckt, dann 1469 ein Neudruck begonnen und im November durch
Nicohms liechtennünze vollendet, nachdem der Bruder inzwischen gestorben. Auch
druckte Nicolaus eine dritte und vierte Auflage, 1472 und 1477, in welchem Jahre
tT ebenfalls starb und die Druckerei in Eltwyl erlosch.
Die erste Ausgabe von 1467 ist gleich der von 1469 mit den Typen des Guten-
berg'schen Cafholicon gedruckt. Da wir das Catholicon selbst besitzen, war die
obige Ausgabe von 1172 für unsere Sammlung viel wichtiger, denn sie ist mit einer
ganz neuen originellen Type gedruckt, gleich der von 1477, die übrigens ähnlich.
schon in den Ablassbriefen von 1454 und 1455 vorkommt, aber keineswegs die gleiche
ist, wie Mancho glauben, trotzdem sie sich .schon in der Grösse unterscheiden.
Das Vocabularium ex quo ist eigentlich ein kurzer Auszug aus Gutenberg's Ca-
tholicon unter Beifügung des Deutschen. Es ist demnach das erste deutsch-lateinische
\V<)rterbuch , das bei der damaligen Zunahme des Gebrauchs der deutschen Sprache
jedenfalls einem dringenden Redürfniss entgegenkam, und mit der weiteren Aus-
lireitung der Buchdruckerkunst auch eine Menge ähnliche Wörterbücher zur Folge hatte.
owcitc tHainscr JDrucfcrci:
JJol)attn /Uli ^ Pfter 3d)oetfer^
1456 bi6 1466.
No. 6.
„Pfalmorum ÖEobrjr/'
Das Mainzer Psalterium, Ton Fust & Schoefter 145 7 und i^oO,
von Peter Schoeffer 1490 und 1502 und von Johann Schoeffer 1516
durchgehends im Folio-Format gedruckt.
Das Mainzer Psalterium, in der Editio princeps vom Jalire 14o7 als das erste
mit Firma und Jahrzahl gedruckte Buch der Welt bekannt, ist ebenso hochgeschätzt,
wie von grösster Seltenheit, denn es existiren von allen /tm/ Ausgaben im (ianzen
nur noch circa zwanzig Exemplare, zumeist in Staatsbibliotheken.
Eine der seltensten Ausgaben, die nur noch in drei Exemplaren vorhandene
letzte von 1516, enthält unsere Sammlung in einem guterhaltenen Exemplare, und
da alle fünf Auflagen mit den gleichen Typen gedruckt sind, kann man sich danac*h
einen vollständigen Begriff auch von den übrigen machen, zumal von den Ausgaben
1457 und 1502, w^elche letztere Peter Schöffer's letzte Arbeit war, auch noch Original-
Blätter in unserer Sammlung vorhanden sind, ebenso von der Ausgabe 1459 die'
facsimilirtc Schlussschrift nach dem Exemplare der Mainzer Stadtbibliothek.
Es ist bei der Umständlichkeit des ganzen ursprünglichen Druckverfahrens übrigens
kaum denkbar , dass Fust mit seinem damaligen Diener Peter Schöf/er nach Aus-
gang des Processes gegen Gutenberg, Ende 1456, gleichsam im Handumdrehen nicht
nur die sämmtlichen Typen des Psalters in drei verschiedenen Gattungen, der
grossen Psalm-Type und zweierlei Choral-Typen, geschnitten und gegossen, sondern
auch den Druck des Werkes bis zum Monat August 1457 vollendet haben sollte.
Viel wahrscheinlicher hatte der Erfinder Giitenberg mit der Vollendung seiner herr-
lichen Btblia socra laiina im Jahre 1455 auch den Druck des Mainzer Psalters ganz
oder theilweise schon vorbereitet, als ihm in demselben Jahre das ganze Druckwerkzeug
von seinem Associc* Johann Fast durch schlau angelegten Procoss ahgepländet wurde.
— Mainz. —
17
Fust erntete eben die Frucbt des Outehberg^acben Fleiflses vnd seiner grossen
Erfindung!
Das Mainzer Psalterwm ist von allen Bibliographen als einM dAr kosCbanrtMi
Documente rar Erfindangsgeschichte der Buchdrackerkunst anerkannt, durob welcfeea
die Bhre der Stadt Main» als Wiege der grossen Erfindung unantastbar für alle
Zeiten feststeht. "Det merkwiirdige Umstand, dass die noch vorhandenen venigeB
Exemplare dieses Edelsteins der Incnnabeln th«ils im Texte, theils in der typö-
graphi«chen Ausstattung mehr oder weniger verschieden sind, lasst es ausser Zweiftl,
dass das Werk xumeist für einzelne Kirchen und lUöster auf befloadere BesteUung
gedruckt worden ist.
Ein solches scheint auch das in unserer Sammlung befindliehe Exemplar deb
Psalters von IM 6 zu sein, von dem es nur noch ein zweites auf Pergament ge-
drucktes in der National-BibUothek zu Pa/ris giebt, das in der Orthographie wie im
Texte genau mit unserem Exemplare übereinstimmt. Ein zweites, wie das unserige
auf Papier gedrucktes Exemplar Jener Bibliothek , stimmt dagegen in Orthographie
und Zeileneintheilung nicht überein, obgleich es dieselbe Firma und Jahrzahl trfigt.
Wahrscheinlich wurde dasselbe ebenfalls nur in wenigen Exemplaren wieder für eine
andere reiche Diözese in demselben Jahre gedruckt.
Der Preis ^Uies Psalters mag schon ursprünglich ein 'ziemlich bober gewesen
s^n. Aus der späteren Zeit sind die Ankaufspreise zum Theil bekannt. Das de»
Bibliographen zuerst bekannt gewordene Exemplar in der Königlichen Bibliothek su
Ih-08den vom Jahre 1467 wurde 1648 auf dem Chore der Domkirche zu Freibwg
entdeckt. Obwohl sehr defeot und durch langen Gebrauch entstellt, wurde es doch
1776 von der Königlichen Bibliothek für die damals sehr hohe Summe von 804 Thalem
und 4 Groschen erworben. Das Berliner Exemplar wurde noch vor 25 Jahren aus
der Königlichen Bibliothek in Stuttgart für nur 5000 Thaler angekauft.
Das ebenfalls defecte Exemplar der National-Bibllothek in Paris wurde 1817 für
12CO0 Franken, und dasjenige des Lord Spencer in London im Jahre 1798 für
3000 Bheinische Gulden angekauft. In Zukunft dürfte nur durch ganz besondere
Umstände jemals qoch ein Exemplar in den Handel kommen, denn alle sind in
festen Händen, und der französische Bibliograph Fournier spricht sich in seinem
DicUonnaire schon 1809 wie folgt aus:
,Moui ne serions point surpris qu^nn exemplaire de ce livre, s'il se pr^entait
en vente publique, füt adjug^ i 15 ou 20090 francs." Heute würde man diesen-Preis
gern mehr als dreifa(^ zahlen.
Das in unserem Ifuseum befindliehe Exemplar des Psidters von 1516 befend ^cb
bis 1810 in Paris und gelangte von da durch Verkauf zunächst nach der S^weis;
es ist kostbar in blaues Leder gebunden, mit Silber reich besehlagen und lAUt im
Ganzen zu den am besten erhaltenen« Exemplaren dieses ehrwürdigen Mainzer I^uek«
deftkmals. —
No. 7.
^^jBuranbi MatiouaU biiiinorum ofjtciorum/^
Mainz, Johann Fust & Feter Schoeffer 1459;
auf Porgament in Folio.
Wir haben hier wiederum ein seltenes und hochgeschätztes Mainzer Druckdenk-
mal vor uns ; es ist das zweite mit t)ruckfirma imd Jahrzahl Versehene Buch der
Welt, gedruckt nach Gutenber^^s neuei^ herrlicher Erfindung, wenn auch in der
Schlussschrift von Pust und Schöffer wohlweisslich verschwiegen wird, wer „die neue
künstliche Art Bücher zu drucken* eigentlich erfunden habe!
2
l8 — Mainz. —
Das Rationale ist aber das erste Werk, -welches mit Schö£fer's neuer Type ge-
druckt wurde. Die Form derselben ist der damals üblich gewesenen Handschrift
meisterhaft nachgebildet. Die Schriflgattung hat nach obigem Werke die Bezeich-
nung y^Durandus-Type* erhalten, der vir noch mehrfach begegnen werden.
Uebrigens ersdieint bereits in der Schlussschrift des Rationale, die 10 Zeilen
imifasst, zum Erstenmale die Bibel-Type von 1462, während man bisher annahm,
diese neue schöne Schrift sei jeden&lls für diese Bibel gegossen worden. Es ist
dies umsoweniger der Fall, als auch die Constitutiones von Clemens dem Fünften
1460 damit gedruckt sind, weshalb sie ja auch die Clemens-Type genannt wird.
Unser Exemplar gebort übrigens zu den wenigen, bei denen mehrere rothe Ini-
tialen nicht eingemalt, sondern mit in Holz geschnittenen Formen wohl mit der
Hand eingedruckt sind. Letztere sind Jedenfalls Peter Schofleres Werk, dem als
früherem Schriftmaler, Buchschreiber oder Clericus ein besonderes Talent nicht ab-
zusprechen ist.
Der Inhalt des Werkes glebt eine Kirchenordmmg, das beisst eine Beschreibung
der Gebrauche, welche in der Kirche schon im 18. Jahrhimderte üblich und bis in
das 15. Jahrhundert allgemein beliebt waren. Verfasst wurde das Werk im Jahre
1286 von Wilhelmus Durandus Episcopus St. Minatensis ecclesiae.'
Yon den vielen späteren Ausgaben des Rationale besitzt unser Museum die wich-
tigsten und schönsten von Mentelin in Strassburg von circa 1464, Johann Zainer in
Ulm 1473, ein wahres Prachtwerk; Anton Koberger in Nürnberg 1481 und Johann
Prüss in Strassburg 1486. — Unser Rationale von 1459 ist neu nach altem Muster
in azurblaues Leder gebunden, mit Schliessen, reichen Eckbeschlägen und Bukein
von vergoldetem Messing; ein Meisterwerk des Metallarbeiters. —
• No. 8.
^ancti ^tt9u|lint ^^jQe mU (^riflmtta^^
Mainz^ Fust & SchoefFer, circa 1461«
Klein-Quart.
Der Umstand, dass diese Seltenheit ersten Ranges nur in so wenigen Exem-
plaren bis auf unsere Zeit gekommen, und dass das Werkdien mit der Durandus-
Type gedruckt ist, berechtigt zu der Annahme, dass sein Entstehen in die früheste
Periode der Fust-SchÖffer^scben Thätigkeit bald nach dem Erscheinen von Durandi
Rationale f&llt, vielleicht schon in das Jahr 1460. Dafür spricht auch die Unvoll-
kommenheit des Schriftsatzes, denn die Ungleichheit in der Liänge der Zeilen ist
hier genau so gross, wie im Rationale von 1459.
Das Schriftchen umfasst 17 Blätter mit 28 Zeilen in Klein-Quart und beginat
mit: ,^ticij} ^logitB beati Xngitflini U uita rpiana'S Das zweizeilige Schlusswort lautet:
„CfpUcit iiber beati angnftini be nita f ptana || i^tt facienbo qnifq}. oita obtiliebit tUrnä".
Darunter steht das roth gedruckte Fust imd SchÖffer'sche Wappen. Der Inhalt giebt
eine erbauliche Anleitung zu einem christlichen Lebenswandel.
No. 9,
üuUe Iftatfer 2fttelrrid)0 III. jegrn iBietl)er [tian jTfettburg*
Mainz ^ Fust Sc Schoeffer, 10. August 1461.
Quer-Folic-Format.
Von den sechs interessanten Urkunden, welche sich auf den Streit Adolph^s von
Nassau gegen Diether von Isenburg beziehen , geben wir in obiger die erste , welche
•^ Mainz. —
19
In deutscher Sprache und mit der Clemens-Type gedruckt ist. Zur Geschichte dieser
Urkunden von hervorragend historischem Interesse das Noth wendigste :
Ersbischof Diether von Mainz hatte dem Grafen Adolph von Nassau die Be-
lehnnng aber das Eichsfeld und den Mainzer Hof zu Erfurt abgenommen. Adolph
gewann nun durch Klage den Papst für sich, welcher letztere die bisher nur vom
Kaiser bestätigte Wahl Diether's noch nicht sanctionirt und genügenden Grund sie
xa missbilligen hatte, da Diether sich der Zahlung des Kaufgeldes und des ge-
forderten Zehnten weigerte. Der Papst wirkte auf den schwachen Kaiser und dieser
willigte in der uns vorliegenden Bulle in die Absetzung Diether^s durch den Papst.
Dieselbe ist vom 10. August 1461 datirt; die darauf folgende päpstliche Entsetzung^-
ürkunde ist vom 21. August, welches Datum noch drei andere päpstliche Bullen führen,
von denen eine an Adolph von Nassau, eine an das Mainzer Domkapitel und eine
an die Geistlichkeit und Diözese Mainz gerichtet ist.
Doch vermochten alle diese Massregeln nicht, den von Erfurt unterstützten £k%-
hischof Dieiher von Isenburg seiner Würde zu entheben; in seinem vom 4. April
1462 datirten bekannten ^Mamfest*, welches wir in nächster Nummer kennen lernen
werden, appellirte er an ein Concilium, und erst am 27. October 1462 kam die Stadt
Mainz durch Verrath, Ueberfall, Zerstörung und Massenmord in die Hände Ädolpk's
von Nassau, imd Diether wurde flüchtig.
Diese Urkunden sind sammtlich von Fust und Schoffer und zwar, ausser der
obigen mit der Clemens-TTpe hergestellten, mit der kleinen Type des „Rationale"
gedruckt. Die vorliegende, im Original heute wohl unauffindbare Bulle Friedrich's III.
ist auf einem kleinen Bogen in Quer-Folio auf 88 Zeilen gedruckt und vermag in
dem getreuen Facsimile unter Glas und Messingrahmeo , welches unsre Sammlung
aufweist, eine hinreichende Vorstellung von dem interessanten Originale zu geben.
No. 10.
^Slanifrll beo ffrjbift^afa uan IMainj^ il9ietl)rr tjon ^fenburg,
gfjcn ^bolf oon ÄaffaM^ trlaffen am 4. ^pril 1462.
Mainz^ Fust & Schoeffer, 1462.
FolioMaximo.
Es ist dies die auf .einem Folio-Blatte mit den Typen des „Rationale" in 106 Zeilen
gedruckte Entgegnung des Erzbischoüs auf die gegen ihn von Kaiser und Papst ge-
richteten Massregeln, worin er aus staatsrechtlichen Gründen die ünrechimässigkeit
seiner Absetzung zu erweisen und Hülfe und Unterstützung gegen seine Feinde zu
erwirken sucht.
Von dem bisher nur in fünf Exemplaren — in Frankfurt, München, Strassburg,
Paris und bei Lord Spencer — bekannten Rarissimum bewahrt unsre Sammlung
eine dem Originale täuschend ähnliche Reproduction unter Glas und Messingrahmen,
welche eine Vorstellung des Originales durchaus zu ersetzen im Stande ist. Das
Manifest ist in deutscher Sprache abgefasst, aber — was für ein Deutscht Die am
Rande und zum Theil auch zwisdien den Zeilen ersichtlichen Correcturen sind jeden-
falls gleich nach dem Drucke bewirkt, noch ehe das Plakat öffentlich angeschlagen
und verbreitet wurde. Unser Exemplar g^ebt sie ebenfalls originalgetreu wieder ; es
ist nach dem am besten erhaltenen Exemplare der Kaiserlichen Bibliothek in Strass-
burg hergestellt, das uns in dankenswerther Weise zum Zwecke der Verviel-
filtigung überlassen wurde. —
2*
20 "— Maina. —
No. 11.
Hiblta ftLCXtL Utim. jBxt at^tunlrDier^tg^etltge fSibel.
Mainz ^ Johann Fast & Peter Schoeffer, 1402«
Auf Pergament in Gross-Folio gedruckt.
Auch Ton diesem BibliotheksobatM ersten Ranges enthält unser Museum eines
der schönsten Peigtunent-ExemplaTe. Der zweite Band enthält die vollständige Sohluss-
•chiift: ^Is 1)M opafCBlii 3lrtifidora ab innetiotie || imilintnbi ftn caracUrt^anbi • adf«}
(ftlavi U er«raci9 in mttate iH4»9tt«t9 effigtatn • tt {| ab cnfebii bti iabnflrit per 3ob'em
fall dw il ft yetrn i^oxffl^tt U gemflye^« dtrini M- 1| oUf tinfbem tfl confämatii}.
3liiao bäi «ilUlUaCflrii. 3n Qi)ilia affmnpcöis Qir|. morie/' Darunter wieder da«
Fust-SchÖffer^sche Wappen.
Merkwürdig ist bei der hier in Anwendung gebrachten neuen Type, die grosser
als die Durandus-Type ist» und mit welcher zuerst die Schlussschrift des Rationale
▼on 1459 gedruckt wurde, dase die Versal-Buchstaben sich in zweierlei ganx ver-
schiedener Gettaltung vorfinden; es sind dabei namentlich anfallend: 8, N, A,P, M,V'
welches letstere sogar in drei, und das Q, welches in vier diversen Formen vor>
kommt. Wir kommen auf diesen interessanten Gegenstand bei Besprechung der
mit denselben Typen gedruckten Mainzer Bibel von 1472 unter No. 25 zurück. —
No. 12.
StLXittx (Sgibii ^^^urra mxb^^K
Mainz 9 Fust Sc Schoeffer, circa 1463. Klein*Quart-Fonnat.
Der Umstand, dass nach der Verwüstung von Mainz durch Adolph von Nassau,
im Oetober 1462, erst 1465, also nach drei Jahren wieder ein grosseres Werk die
Mainzer Presse verliess, legt die Vermuthung nahe, dass Fust und Schöffer in dieser
Zwischenzeit nur mehrere kleinere Druckwerke ohne Firma und Jahrsahl zu Stande
gebracht, die zumeist mit der Bibel -Type von 1462 gedruckt sind, und wobei sich
wahrscheinlich neue Arbeitskräfte heranbildeten.
Da diese und spätere Drucke beweisen, dass die bis dahin vorhanden gewesenen
verschiedenen Typen bei der Verwüstung der Stadt und den Brand des Druckhauses
nicht verloren gegangen waren, so lässt sieh das Damiederliegen der Druckerei nach
14^ wohl mehr dadurch erklären, dass das Druckerpersonal bei der Belagerung von
Mainz nach allen Himmelsgegenden ausgewandert war, um in Strassburg» CÖln, Rom,
Venedig, Augsburg, Basel etc. Druckereien zu gründen.
Es ist aber wohl kaum anzunehmen , dass Fust und Sehoffer ihre bedeutende
Offizin so ganz und gar von Arbeitskräften entblösst haben sollten, um nicht wenig-
stens unbedeutendere Drucksachen herstellen zu können, und zu solchen Arbeiten
dürften wohl die kleinen undatirten Tractate zählen , die wir unter No. 12 bis 15
aufführen, und von denen die ersten zwei, die wir mit circa 1463 und 1464 be-
zeichneten, sogar ohne Druckeraeichen sind.
Wer weiss was die Herren Fust und Soh5ffer als Gegner des Beawingere von
Mainz veranlasste, in diesen beiden Jahren ihre Firma nicht an die grosse Glocke
zu hängen, wie sie es bei ihrem Ehrgeize noch in der Schlussschrift der Bibel von
1462 in grossspreeherischer Weise gethan. Jedenfalls war aber ihre Druckerei in
dieser Drangsalsperiode auch nicht besonders leistungsfähig, so dass sie wohl neben
kleineren Accidenz-Arbeiten eben genug zu thun hatte mit den obengenannten
kleineren Druckwerken von 1468 bis 1464, zumal in dieser Zeit auch schon die
grossem Werke .Cieero de officiis* und Bonifacius Vm. ,Liber seztus decretaliimi''
— Mainz. — 21
TOTKUbflreiten und auBcufuhren waren, da sie beide noch im Jahre 1466 er-
sohieBen. —
Der Inhalt obiger keineswegs orthodoxen Schrift g^ebt Abhandlungen über die
Tugenden Tom Stan^^MEokte praktischer Lebens weisheU^ Bei Paaier, Annales IV, 464» Ist
-das Werk unter den Bachern ohne Angabe des Jahres, Ortes und Druckers angeföhrt. —
No. 18.
^«ntti ISerttarki ^^Sptminm be ^tneßatt sitae ^^
Mainz ^ Fust Sc Schoefler, circa 1464«
In Klein-Quart-Format.
Das bei Hain L 9901 erwähnte, jedenfalls höchst seltene Schriftchen ist mit der
Bibel-Type ron 1462 gedruckt. Der Inhalt desselben giebt des Heiligen Bemard von
Olidryaux Betrachtungen über die Ehrbarkeit des Lebens, eine Abhandlung voll der
strengsten Observans und ascetischen Eifers. —
No. 14.
<9o^aimt9 it ^tLbxxttL^ ilitolat Mtc^arbt et ^nt^onim
^)9ractatu0 fufier beclaratione tnl»ttl0enttanim can-
cefTarum |iro animatma in fiurgatorio/^
Mainz ^ Fust & Schoeffer, circa 1404. Klein-Folio-Format.
Prfiher Maittser Druek von grösster Seltenheit, mit der DvroMduS'jype gedruckt,
jed^oiUls aber no<^ vor dem Cicero von 1465, als Fast und Schofler nach der Zer-
störung von Hains 1468 nur kleinere Druckwerke henntstellen vemochten, deaan
sie "weder Firma no<A Jahrsahl beifügten, wie es von 1465 ab wieder nat^weislleh Ist.
Diese drei, von der gottlichen Barmhenigkeit für die von Sünden geveiaigten
Geschöpfe handelnden Tractate, sind von Panser bei den undatirteo Druiden, Aa-
nales IX, pag. 828, und von Hain unter No. 6876 ungenau beschrieben. Errterer
w«Sdkt in den Zeilenangaben gans ron der Richtigkeit ab; Letiterer giebt nur 4en
Aofiuig des ersten Tractates. Wir geben daher die genaue Beschreibung:
FoL 1 beginnt mit dem vieraeBlgen Titel: „Crwtfttlis cüpsfltttB £ KttertttbK flUh
fiftfi n noflri Jlagiflnt 3«|«ntie he fobrica orbinis fratri miiiMi fscre^fivfttiftfflMre
fuM^nimv 9ftrifliu in pfaix ot^inii fcota regntte ftt£ btclococo II ne (sici) Sutatlgnttiani
tocf ffftri ji otiimoft} in inargatorio.**
Auf Fol. 9 verso, Zeile V7 •«^Hesst der Tractat des Johannes de Fiabriea und
«s beginnt der des Nicolaus Richardus mit dem vierzeillgen Tit^: „VrndatM ttft-
fitvs 2 Hettermbi «agiftti || noflri magiftrü nicoloi rid^arM fscre pagünt irffff^rtw famo-
finKamm || feaiiarm fnji eohe «ottrio itt^nigrntiitrtt tnc in vninrrlitatt pidasitn. H fftwdft
ncl^rem**.
Auf PoL 6, ZeQe 14 schliesst der sweite, und es beginnt der dritte Tractat ndt
den einleitenden Worten: ,^eqiritttr rtfolntio fmniiif Xnftrmrtvt ard|i-| fe^fcoyi flörtt-
ti«i% und endigt mit der 87. Zeile auf Fol. 6 verso: »g » 0t «Klto minus qvi fnt in
inftmo.*
Das gansse Werkchen nmfasst also nur 6 Blätter in Folio und mit Je 48 Zeilen,
«hne Signaturen, Custoden und Seitenzahlen. Die Dngleiehheit in der Zeitenlftng»
spridit ganz für das hohe Alter des kleinen interessanten Druckwerkes.
22 "" Mainz. —
No. 15.
^rrtini ^^^t amüre (Suiecarlri rt ^igiemunbaf pUae Sancrrti*^-
Mainz^ Fust & SchoefFer, circa 1465.
In Klein-Quart-Format.
Wieder mit der Bibel-Type von 1463 gedruckt. Dass man zu solch kleinei>
Werkeben diese grosse Type wählte, hängt wohl eben damit zusammen, dass es in
dieser Drangsalsperiode bei Fust imd SchÖifer an geschulten Schriftsetzern fehlte^
die mit der kleinen Durandus-Type zurechtgekonmien wären. Obiges Werkchen ist
die lateinische Uebersetzung einer Erzählung des berühmten Italieners Boecaccio,.
welche die unglückliche Liebe der Tochter Tancreä^s von Salerno, Sigtsmunde, zu
Quiscard behandelt. —
No. 16.
löarci ®uUü €icer0ni0 „Sfpcia rt parabo|ra*^
Mainz, Fust & Schoeffer, 1466. Klein -Folio -Format.
Cicero^s drei Bücher von den laichten nebst den Paradoxa repräsentiren in dieser-
zweiten Mainzer Ausgabe, auf Pergament gedruckt, einen hervorragenden Bibliothek-
schatz. Diese zweite Auflage ist seltener wie die erste, die 1465 erschien, während
die zweite schon im Februar 1466 die Presse verliess. Wahrscheinlich wurde nur
ein kleinerer Yorrath mit ganz geringen Abweichungen im Texte nachgedruckt, weil
Johann Fust im Frühjahre 1466 mit genügenden Yorräthen seine Geschäftsrüse nach
Paris antreten wollte, wo er in demselben Jahre an der Pest starb.
Die Typen sind die von ^Durandi Rationale" mit Yerkürzungen und Ligaturen
von zwei auch drei Buchstaben ; der Satz ist aber, was bislang wohl nur von JBemard
beobachtet wurde, im Cicero durchschossen und erscheint dadurch grosser, klarer und
viel ausdrucksvoller; es kommen auf 28 Zeilen der ^Officia*' nur 24 des ^Rationale"..
Es ist das ein Beweis, wie bald diese den Druck veredelnde und klärende Technik
den ersten Praetioanten schon offenbar wurde.
Die rothe, sechszeilige Schlussschrift ist mit den Typen der Bibel von 1462 ge-
druckt. Typographisch wichtig ist es, dass in den Paradoxa, welche auf der Rück-
seite des 75. Blattes beginnen, zum ersten Male griechische Typen vorkommen , mit
denen die griechischen Ueberschriften gedruckt sind. Wie primitiv diese Erstlinge
auch erscheinen, so sind sie doch als solche von Bedeutung.
Besonderes Interesse hat das Werk auch deshalb, weil es das erste ist, in dessen»
SchluBSSchrift Fust's Schwiegersohn Peter Schöffer mit der Bezeichnung «puer meus"
bedacht wird, obgleich seine Yerheirathung mit Fust's Tochter schon um 1454 statt-
gefunden haben dürfte. Klappern gehorte Jetzt zum Handwerk. —
Der Lihalt dieser bekannten Schriften des grossen Redners und Staatsmannes
Cicero ist ein philosophisch-pädagogischer. Die drei Bücher der ^Officia* sind an.
seinen Sohn Marcus gerichtet, von denen das erste Buch über das Gute an sich, daa
zweite über das Nützliche und das dritte von dem, was nach Umständen von beiden
das Vorzüglichere sei, handelt. Die »Paradoxa" entwickeln sechs verschiedene Sätze
der stoischen Philosophie.
Unser Pergament-Exemplar ist ganz complet und wohlerhalten, mit stark ver-
goldetem Initial-Buchstaben und Randmalereien auf der ersten Seite des Buches»
Auch der prächtige veilchenblaue Leder-Einband mit reichem vergoldetem Beschläge,,
nach altem Muster gearbeitet, schliesst sich dem kostbaren Druckdenkmale würdig an.
— Mainz. —
23
No. 17.
Smtlx ^ujiuHim ^,5f arte firebkanbi".
Mainz ^ Johannes Fust, wohl 1466* Klein -Folio -Format.
Diese mit der Ihirandus-T^pe gedruckte Ausgabe der ytKunst zu predigen'* von
Aurelius Augustinus ist als erster yachdrueh zu betrachten und deshalb besonders,
bemerkenswerth; sugleicb ist es der leiiU Druck mit Johann t\tBVs Namens welcher
auf Blatt 1 verso in der 88. Zeile vorkommt, wonach Schaab zu berichtigen wäre,
welcher in Band I, Seite 448 des Bonifacll „Liber sextus Decretalium'' vom Jahre
1465 als das letzte mit Fust^s Namen bezeichnete Werk angiebt.
Beschrieben ist das Buch namentlich bei Ebert, No. 1864, der dazu Folgendes sagt:
,Die zum Behufe des Registers an den Band [gesetzten Buchstaben, für welche
in der vorigen Ausgabe — Strassburg, Mentelin, vor 1466 — Raum gelassen war,
der in der vorigen fehlende Zusatz am Ende, und der Umstand, dass in dem Vor-,
berichte zwar Heidelberg, Speyer, Worms und Strassburg, aber nicht Mainz erwähnt
werden, setzt es ausser Zweifel, dass Fust's Ausgabe die spätere und blos Nachdruck
der vorigen ist. Da Fust 1466 starb , so muss sie wenigstens in diesem Jahre ge-
druckt sein.*
Der Nachdrucker Fust hat übrigens bei der Sache nichts weiter gethan, als dass
er den Druck des Prologus auf der Vorderseite des ersten Blattes anfing, statt wie
bei Uentelin auf der Rückseite, und dass er auf der zweiten Columne seinen Nunen
j^Johannes Fust in Mainz** an die Stelle von „Johannes Mentelin in Strassburg**
seilte. Er giebt uns aber damit wenigstens eine schätzbare Urkunde, dass er nicht
aPatist* geheissen, wie ihn einige Bibliographen beharrlich genannt haben. — Ein-
band von blauem Leder mit reichem durchbrochenem Silberbeschlage. —
©ritte ITTainscr SDrutfcrei:
Prter ß^o^tx allein
nad) Suft'0 lofee 1467 bie f 1502.
No. 18.
St), be ^quinm ^^Summae tl)eol09im frcunlra fecunbae |lartt0^^
MaillZ^ Petrus SchoefFer de gernssheim, 1467* Folio-Format.
Seltenheit ersten Ranges und der erste Mainzer Druck, den Peter Schöffer nach
Fust's Tode allein lieferte.
Es giebt hiervon zweierlei Exemplare; solche, die auf Blatt 458 eine neun-
zeilige Schlussschrift haben, in welcher Peter Schöffer als Drucker und das Jahr
1467 angegeben ist; dann Exemplare, wie das unsrige, in welchen die Schlussschrift
fehlt. Die letzteren sind viel seltener, und man möchte annehmen, dass sie zum
Verkauf als Manuscripte bestimmt gewesen sind. Vielleicht ist aber auch Schöffer
nach dem Tode Fust's wegen der Firma nicht sofort schlüssig gewesen und hat sich
erst spater für die Aenderung derselben und deren Beifügung entschieden.
Das Werk ist mit der Jhirandus-Type gedruckt, nicht — wie Schaab Band I,
Seite 446 sonderbarerweise angiebt — mit der Bibel-Type von 1462. Der Inhalt
dieses Hauptwerkes des berühmten Theologen und Scholastikers Thomas von Aquino,
welcher 1224 geboren wurde, giebt den ersten Versuch eines vollständigen iheolo-
24
— Mainz. — ^
gischen Systems, in welchem auf höchst geistvolle Weise die aristotelische Philo-
sophie auf die wissenschaftliche Behandlung der Theologie in Anwendung gebracht
wurde. —
No 19.
J^iifitmam ^^^\\^\ivA\mt% cum gloffa.^^
Malnz^ Peter SchoefFer, 1468* In Gross -Folio -Format.
Die erste Ausgabe der vom Kaiser Justinian un sechsten Jahrhunderte aus frü-
heren Rechtsschriften zusammengestellten und von ihm selbst vermehrten »Verord-
nungen*'. Bar Text ist mit der Bibel-Type von 1462 gedruckt, und die den Text
rings umgebenden Randbemerkungen oder Glossarien mit der Durandus-Type.
Dieses seltene Werk ist besonders interessant durch seine SchlussschrifteiL In
der roihgedruckten Endschrift von 18 Zeilen ist Peter Schaff er als Drucker genannt.
Du>auf folgen aber noch in Schwarsdruck 24 Zeilen, welche nim Theil für die Ge-
schichte der Buchdruckerkunst wichtig sind. Die Verleugnung des Erfinders Qnien-
berg durch Feter Schöffer nimmt hier ihren Anfang, wenn derselbe auch im Todes-
jajwe ijlutenberg's noch nicht ganz direct es wagte, die ganze Erfindung der Kunst
sich allein zuzusehreiben.
Der Versemacher spricht daher gleichnissvoll von zwei Johannes, welche die
Stadt MiUzkz als Meister der Kunst geboren, und einem Peiarus, der mit ihnen zum
Grabe gegangen und in das Geheimniss der Erfindung zuerst eingetreten sei, ot^leieh
er im Laufe der Letzte gewesen. Er habe ein vollkommenes Verfahren des Typen-
gusses entdeckt und dadurch mehr geleistet, als die beiden Johannes.
Es ist dies eine Anspielung auf Evangelium Johannes Capitel 80, Vers 3 bis 8,
wo die Apostel Petrus und Johannes zum Grabe Christi laufen. In obigem Gleich-
niss ist es nun unbestimmt gelassen, welcher Johannes der rechte „Magister der
Druckkunst* gewesen, ob Johann Gutenberg oder Johann Fust; aber beide hat der
Petrus, das ist der Peter Schöffer, überholt. — Dieses interessante Document findet
sich auch abgedruckt auf der lezten Seite in Gregorys Decretalen von 1478 unter
No. S7 unserer Sammlung.
Ein schönes Exemplar der Fortsetzung dieses Werkes: „Novellae constitutiones*
von 1477 werden wir noch unter No. 34 ebenfalls in unsrer Sammlung finden. —
Ko. 2a
Slt)0ma0 it ^quino: ^^@^o|ttt0 qmxXi libri fentmttarium^^
MainK^ Feter Schoeffer, 1469* In Gross -Folio -Format.
Seltenheit ersten Ranges. Prächtig erhaltener Foliant mit der Durandus-J^pe
auf starkes Papier gedruckt Das Werk ist ein Commentar zu dem vierten Buche
der Sententia des Petrus Lonibardus, um die Mitte des zwölften Jahrhunderts ver-
fusty worin die Ausspräche der Kirchenväter, besonders des Augustinus, ober die
Dogmen unter gewissen Titeln und mit Hinzufugung der Einwendungen gegen die-
selben und der Widerleg^mgen dieser Einwände durch kirchliche Autoritäten, cu-
sftnmiengebraoht sind; ohne eigenes Endurtheil hatte dieses Werk doch bis zur Re-
formation beinahe classischen Ruf.
Unser Exemplar ist in prächtigem altem Original-Einbande von braunem Leder,
wie neu erhalten, und reich mit durchbrochenen Metallbeschlägen geeiert. —
— Mainz. —
25
No. 21.
Müha^ Peter Schoeffer, 1470. In Gross -Folio -Format.
Bin oftloflsaies und pFa<ditroU«6 Werk, gans mit der Bibel^l^pe von 1469 ge-
dru^ct und mit vielen schönen Initialen ausgemalt. Es ist die aweite A.usg»)»e der
Briefe des ascetischen und im Bibeltexte vor allen Andern bewanderten Heiligen des
vierten Jahrhunderts; vrir werden der ersten Ausgabe in unsrer Sammlung unter
Rom, bei Sweynheim & Pannartz 146$, auch noch begegnen.
In der Auetion Didot zu Paris wurde 1879 ein Bxemplar des seltenen Werkes
um SOOO Francs versteigert. Der riesige Foliant unsrer Sammlung ist in unversehrtem
hellbraunem Ledereinbande mit Ifessingschliessen und grossen Bukein versehen. —
No. 22.
^o^annt0 llard^eftni ^vlttatnmotractud^^
Mainz ^ Peter SchoefFcr, 1470. In Folio -Format.
Seltenes Prachtexemplar, wie neu, mit der Durandus-Type gedruckt, nur die
fldilnssschrift hat die Paulus-Type; so benannt nach dem Oialogus Pauli de Sancta
Maria von 1478, welchen wir unter No. 36 kennen lernen werden. Sie ist etwas
grSflser und eckiger als die Durandus-Type, ihr aber sonst sehr ähnlich. In der
SeUussschrift des „Ifammotractus" tritt sie zum ersten Male auf, danach bis zum
Jabre 1478 in mehreren anderen Werken ; dennoch erhielt sie — sonderbar genug —
von jenem Paulus de Sancta Maria erst ihren Namen. Dieser ,Mammotractus* —
wörtlich: der Zug des Säuglings aus der Brust — ist ein biblisches Wörterbuch
und enthält eine Erklärung aller in der Bibel, den Gesängen und Legenden der
U^Ugen vorkommenden Ausdrücke. Der Verfasser lebte im Anfange des vier-
zeltBten Jahrhunderts in Italien.
Bei Schaab, I, 488, ausführlich beschrieben. Unser Exemplar ist in reich ge-
presetem rehbraunem Lederbande, mit eben so reichem Metallbeschlage versehen. —
No. 23.
St^omaa Irr ^quino:
^^3ummar ti^rologicae |iarttd fccunbac |irima |lar0^^
Mainz, Petrus SchoefTer, 1471. In Gross-Folio-Format.
Wahrscheinlich die zweite Ausgabe des ersten Theiles dor „Summa theologica",
deren Btce^em Theile wir bereits oben unter No. 16 begegneten; sie ist gleichfalls
mit der Duremdut-Tffpe, die Schlussschrift aber mit der Paulus-Type gedruckt.
Unser wohlerhaltenes Exemplar ist nach altem Muster prachtvoll in grfines Leder
gebunden und mit vei^oldetem Messingbesohlage versehen. —
No. 24.
1?at.|lllaytmu0 : ,^2Factorum et Mctorum mr morabilium Ubri IX^^
• Mainz, Peter Schoeffer, 1471. In Folio-Format.
Schönes Bxemplar einer seltenen Ausgabe, welche jedenfalls die erste datirte ist,
'wftlirend man die'Prioritat der wicht datirten von Mentelm in Strassburg um 1468
zeuchreibt.
In unserer mit der Bibel-Type von 1468 gedruckten Ausgabe erscheinen zum
ersten Male neben dem Punkte auch andere Interpunctattenen, Komma, AusruAiögs-
zeichen tmd Fragezeichen.
20 — Mainz. —
Dieses Werk eines römischen Bürgers und Gelelirten entstand um das Jahr 3.>
naeh Christus und behandelt in philosophiseh-p&dagogischer Form die verschieden^
sten Fragen und Erscheinungen auf moralischem sowie auf dem Gebiete des öffent-
lichen. Lebens. Ueber Tugenden und Laster bei seinen Landsleuten wie bei Aus-
ländem, die der Verfasser auf seinen Reisen aufsuchte, handelt er gleich unparteiisch.
Ein wohlerhaltener alter Ledereinband mit reichem Metallbeschlage giebt diesem
Bibliotheksehatie ein würdiges Gewand. —
No. 25.
$tblia facra latina.
Mainz, Peter Schoeffer, 1472. In Folio -Format.
Ein stariier Foliant, [Pracht-Exemplar wie neu erhalten ; auf starkes Papier ge-
druckt Diese dritte Mainzer Bibel- Ausgabe, ebenso selten wie die in unsrer Samm-
lung unter No. 11 besprochene zweite Auflage von 1468, ist ein genauer Abdruck der
letzteren mit den gleichen Typen; nur sind die in zwei- auch dreierlei Form vor-
kommenden Majuskeln hier anders angewendet, das heisst bei denselben Wortern
umgewechselt, was so manchen Gelehrten, der die Sache nicht genauer untersuchte,
zu der irrigen Annahme führte, dass beide Bibelwerke »zwar mit sehr ähnlichen»
aber dennoch verschiedenen üj^Qn'^ gedruckt seien.
Auch der Umstand, dass der Druck auf dem schonen kräftigen Papiere klarer
und schärfer hervortritt, als in der zehn Jahre früher auf Pergament gedruckten
Ausgabe hat schon manchen oberflächlichen Forscher irre geführt, und der gelehrte
Schaab sagt in seiner „Geschichte der Buchdruckerkunst*' Band I, Seite 496 über
die Bibel von 1472, im Vergleich mit der von 1462 aiisdrücklich : „ihre Lettern sind
verschieden, wie es schon Panzer bemerkt hat, und in dieser Auflage — von 1472 —
grösser und schöner."'
Beides ist nicht zutreffend; und wenn [die Ausgabe von 1472 schöner gedruckt
ist wie die von 1462, so hatte man eben in den zehn Jahren besser drucken gelernt,
oder den Druckapparat verbessert Wären dagegen die Typen wirklich grösser,
dann müssten doch auch die 48 Zeilen auf jeder Columne in den beiden Bibeln
einen verschiedenen Höhenraum einnehmen, auch müsste die Ausgabe mit der grösseren
Type mehr Blätter umfassen.
Beides ist nicht der Fall; die Hohe der Columnen ist in beiden Ausgaben ganz
gleich, das heisst sie schwankt zwischen 27'/« und 28 Centimeter von Grundstrich zu
Grundstrich gerechnet Diese kleine Differenz hängt mit der Verschiedenheit des
Materials zusammen, auf welches gedruckt wurde. Namentlich durch das Anfeuchten
der Bogen vor dem Drucke, das nicht immer gleichmässig erfolgt, läuft manches
Papier mehr, das andere weniger ein; und ebensowenig constant bleiben die ver-
schiedenen Pergamentarten nach dem Drucke. Beim Papiere kommt aber noch hinzu,
dass dasselbe früher erst nach dem Drucke „geleimt", also durch Leimwasser ge-
zogen und dann getrocknet wurde, was nicht immer ganz gleichmässig ausfiel.
Erwähnt sei noch bei diesem letzten Mainzer Bibelwerke des fünfiEehnten Jahr-
hunderts, dass in diesem sowohl wie in den Ausgaben von 1455 und 1462 die rothen
Versalien des Psalters sämmtlich mit der Hand gezeichnet, bei allen andern nBüchem*^
aber gedruckt sind, eine Besonderheit, die, so merkwürdig sie ist» bisher von keinem
Bibliographen bemerkt wurde, viel weniger eine Erklärung gefunden hat.
Ohne ganz besondere vielleicht rituelle Gründe dürfte man sich schwerlich die
ungeheure Mühe gegeben haben, die grossen Anfangsbuchstaben jeden Satzes durch
alle 150 Psalmen hindurch roth cinzumalen, anstatt sie gleich mit zu drucken, wie
bei allen übrigen Büchern der heiligen Schrift, da man doch die Typen daau in aus-
reichender Anzahl gehabt hätt«, um nicht die enorme Menge von 2S00 Versalbuch-
staben einzeln mit der Hand ausführen zu müssen.
— Mainz. — 27
Bass dies nicht ohne einen ganz besondern Orund schon von Gutenberg 1455
und Ton Peter Seboffer in den lateinischen Bibeln von 146S und 1472 geschehen sein
kann, beweist noch der Umstand, dass -wir [es auch in andern religlfisen Druek>
merken Jener Zeit vorfinden, wie lum Beispiel in dem seltnen Marienthaler ,Brevi-
arium Moguntinense* 1474 und den zwei gleichen Brevieren von Johann Schoflfer,
die sieh unter den Jahren 1509 und 1510 in unsrer Sammlung befinden.
Aber auch die früheste lateinische Bibel-Ausgabe von Anton Koberger in Nüm-
beigll475 zeigt jene Merkwürdigkeit, wogegen es in den alten Strassburger Bibeln
von Johann Mentelin 1460 und 1464 ebensowenig der Fall ist, wie in der alten
Bixsler Vulgata von Bernhard Eichel 1477. Waren etwa in einzelnen Diözesen be-
sondere Rücksichten vorwaltend, oder wurden von den Psaltern Exira-Ahdrücke ver-
anstaltet, die man mit eingeschriebenen Versalbuchstaben um so leichter als Ma^
wuscripte verkaufen konnte? Dann wäre doppelt zu bedauern, dass sich kein der-
artiges Buch bis auf unsere Zeit erhalten hat —
Unser herrliches Exemplar von 1472 ist nach altem Muster in dunkelgrünes
Ijeder mit reicher Pressung gebunden, und mit vergoldetem Meeslngbeschläge ver-
sehen, in welchem Engelsköpfe in erhabener Arbeit reizend schön angebracht sind. —
No. 26.
(Sratiatti ^^Öecrrtum cum jlofitö".
Mainz, Peter SchoefFer, 14 7 2. Gross -Folio -Format.
Die dritte Ausgabe der kirchenrechtlichen Vorschriften des Mönches Gratian.
worin er die aus früheren Kechtsschriften geschöpften Bestimmungen in eine ge-
wisse Ordnung brachte und durch Deductionen und Aufstellung von Rechtspiincipien
verband, um das Jahr 1150 vollendete, und hierdurch der Begründer des canoni-
schen Rechtes geworden ist. Das Werk ist im Texte mit der Bibel-Type von 1462
und in den Glossarien ^ welche den Text umgeben, mit der Paulus-Type gedruckt.
Von dieser seltenen Ausgabe, welche nach den beiden in Strassburg bei Egge-
stein 1471 und 1472 gedruckten erschien, besitzt unsre Sammlung leider nur ein
wohlerhaltnes Blatt auf Pei^ament gedruckt, aus der berühmten Bechstein^schen
Sammlung, welches in Messingrahmen mit Doppelglas vorliegt; dagegen sind die noch
seltneren Strassburger Ausgaben von 1471 und 1472 in schönen und completen
Exemplaren vertreten, welche wir später unter „Strassburg*' näher kennen lernen
werden. —
No. 27.
(&xt%mm IX,: i^ötJa compilatto iBecretalium cum jlcffa.^*^
Mainz, Peter Schoeffer, 1473. Gross -Folio- Format.
Die erste Mainzer und dritte daiirte Ausgabe dieses im Texte mit der Clemens-
Type und in den Glossarien mit der kleineren Paulus-Type gedruckten voluminösen
Folianten. Auf der letzten Seite vor der rothen Sohlussschrift finden sich die histo>
risch wichtigen 24 lateinischen Verse in ebensoviel Zeilen abgedruckt, von denen
wir schon unter No. 19 Näheres bemerkten. —
Das Exemplar ist von prachtvoller Erhaltung; der nach altem Muster reich ge-
presBte laubgrüne Ledereinband ist mit einem kolossal starken Messingbeschlage
versehen, dessen grosse Ecken und Mittelstücke zugleich riesige Bukein von 2 Centi-
meter Höhe bilden. Dieser ganze Beschlag stammt übrigens von dem alten Ein-
bände eines handschriftlichen Codex des dreizehnten Jahrhunderts, und ist sonach
hier nur passend wieder verwendet worden.
28 — Mainz. —
No, 28.
Srnüx ^tt((uflim ^fit cinttate f^ti cum contmentanb Sl^onme
Mainz 5 Peter Schoeffer, 14 7 S* In Gross -FoKo-Fönttat
Scbones Exemplar dieser ersten Mainzer Ausgabe mit vollständiger DaUrwig;
die Editio princeps werden -wir jedoch bei Stce^nkeim & BinnartZt in Subiaco unter
dem Jahre 1467 finden.
Die Mainzer Type für den Text ist die der Bibel von 1462 oder die Chmens-Tjfpe,
während die auf Blatt 285 beginnenden Commentarien mit der Durandtts-Tifpe gedruckt
sind ; die neunzehnzeilige rothe Schlussschrift hat wieder die grössere Clemens-Type.
Diese aus 22 Büchern bestehende theologische Schrift des AureUus Augustinus »Von.
dem Reiche Gottes" begegnet in ihrem Inhalte den Einwendungen der Heiden gegen das
Christenthum und ist zugleich die Hauptschrift des um 354 bis 430 lebenden Kirchenvaters.
Die Gelehrten Dominikaner Valesius und Triveth haben im vierzehnten Jahr-
hunderte zu diesem Werke ihre Gedanken niedergeschrieben, welche zu dieser Aus-
gabe als Commentar erschienen. — Unser Prachtexemplar ist in laubgrünes Leder
mit reicher Pressung nach altem Muster gebunden, und mit vergoldetem Messing-
beschlage in durchbrochener Arbeit geziert. Die Beschläge sind Original. —
No. 29.
Santfactua VIIL : i^lTtbcr ffyttt» iBfcretalium cum apjiarattt
^oannia ^nirear^^
Hainz^ Peter SchoefFer, 1473* In Gross- Folio -Format.
Seltenheit ersten Ranges, zugleich als Pergament-Exemplar ein Frachtstück von
bewundemswerth schöner Erhaltung, vielleicht das schönste von den etwa acht noch
existirenden. Es ist die dritte Mainzer und die fünfte datirte Ausgabe , im Texte mit
der Clemens-Type und den ringsum laufenden Glossen mit der Paulus-Type gedruckt.
Pabst Bonif actus Till, verfasste dieses „sechste Buch der Verordnungen* als
Ergänzung zu Gregorys IX. »fünf Büchern Decretalien", wovon wir einem schönen
Exemplare schon auf voriger Seite unter No. 27 begegneten, zu Ende des dreizehnten
Jahrhunderts. Die unbedingte Macht des päbstlichen Stuhles, welche beide Päpste
mit gleichem Ungestüm und gleicher Heftigkeit durchzusetzen trachteten, ist auch der
Canon dieser Verordnungen, weliche ihr Riehteramt auf alle Könige der Weh anedetanan.
Die Anmerkungen sind im Anfange des vierzehnten Jahrhunderts von dem ge-
lehrten Johannes de Andrea verfasst, der von seinen Zeitgenossen y,der Fürst des
canoniscken Rechtes'^ genannt wurde. — Das Exemplar hat auf dem ersten Blatte
eis sehönes, mit Gold gehöhtes Initial, welches in einer reizenden MiMatuie den
Papst Bonifacius, über seinem Werke beschäftigt, darstellt. Der prächtig •erhAltene
braune Lederband ist mit grün oxydirtem Metall reich beschlagMi. —
No. 30.
%vmxm 3|erp: ^^^peculum aurmm becem |irarcept0rttm ^ei.*^
Mainz^ Peter Schoeffer, 1474. Mittel -Folio -Format.
Vorliegendes ist die erste Ausgäbe dieses schönen und seltnen „goldenen Spiegels
der zehn Gebote Gottes", welchen -der Franciscanermönch Heinrich Herp zum Unter-
— Mainz. —
29
richte der Beichtväter und Prediger verfasste, wie es in der sechszeiligen rothen
Einleitungsschrift des zwölften Blattes heisst. Der umfängliche Band ist mit der
Suraa^tus-Type, die Sebhisschrift aber mit der Paulus-Type gedruckt.
Unser Exemplar ist so schon erhalten» als ob es eben erst die Presse verliesse,
und nicht minder ansprechend ist der rothbraune Lederband mit starken vergoldeten
Schliessen und Eckbescblfigea. —
No. 31.
ßamntB be Surtfcrcntata: ^^(ffnuj|itia fuper tota |Jfalterio/^
MaillZ^ Peter Schoeffer, 1474. Klein-Folio-Format.
Sehr seltene erste Mainzer und dritte datirte Ausgabe ^ da ihr die von 1471 in
Kom und 1472 in Augsburg erschienenen vorangingen.
Diese , Auseinandersetzung über den ganzen Psalter'' von Johannes de Turrec-
remata oder Torquemada ist mit einer eigenartigen Type gedruckt, welche in den
Minuskeln gleich der Clemens-Type ist; die Versalien aber von fetter und breiter
Form sind ganz eigenartig und finden sich nur in den beiden Auflagen des Münzer
Turrecremata, von denen die spätere von 1476 ebenfalls in unsrer Sammlung ver-
treten ist und imter No. 33 vorliegt
No. 32.
^ancti SSernarii ^^3frm0nc» be tcmpDrc et be fancti©/^
Mainz, Peter SchoefFer, 1475. Folio -Format
Seltenheit ersten Ranges. Ganz complet und gut erhalten. Es ist die erste Mainzer
Ausgabe ,der Reden über die Zeit und über die Heiligen" des Abtes Bernhard von
Clairvattx, in orthodoxer Tendenz gegen die philosophische Richtung des Abälard zu
Sens und Gilbert von Pettiers verfasst.
Das Werk ist ganz mit der schonen Clemens-Type gedruckt. Einige 'grossere
Initialen sind in Gold und Farben ausgemalt; die kleineren zum Theil roth oder
auch nur mit dem Stempel ohne Farbe auf das starke Papier vorgedruckt, also noch
nicht mit Tinte nachgeschrieben. —
No. 33.
<90antte0 be Surrecretnata : ^^(gjrpofittd fuper tota ISfaltmo/^
Mailiz, Peter SclioefFer, 1476* In Klein-Folio-Format.
Die zweite Mainzer Ausgabe des seltenen Buches, welches 'wir unter No. 31 in
erster Auflage kennen lernten. Die Typen sind ganz dieselben wie dort. —
No. 34.
J^ufttniam ^^HoueUar Conflitutioncs/^
Mainz 5 Peter Schoeffer, 1477. Gross -Folio -Format.
Seltenhdt ersten Ranges. Prächtiges completes Exemplar. Es ist die zweite
Ausgabe der „neuen Ordnungen" des Kaisers Justiniaa, von denen die erste 1476 in
Rom erschien. Das Buch bildet eine Fortsetzung zu dem imter No. 19 beschriebenen,
und ist mit denselben Typen gedruckt. —
30 — Mainz, —
No. 35.
iBeciflonra Antiquar rt iJooae Motae Motnanae^ a narüd
atictoribud coUrctae et rbttar.
Mainz 9 Peter Schoeffer, 1477« In Folio - Format.
Die Schöffer^sche Ausgabe der „Entscheidungen des Romischen Rota-Gerichtes",
welche von Guilielmus Horborch herausgegeben und um mehrere „Decisiones" ver-
mehrt ist Sie umfasst 289 Blätter, von denen vier leer sind; Schaab giebt sonder-
barerweise 174 Blätter an. Nach diesem Werke ist die kleine Durandus-Type , mit
welcher es durchgehends gedruckt ist, die „Rota-Type* genannt worden. Aus wel-
chem Grunde gerade dieses Buch dazu ausersehen wurde, der Type den Namen zu
geben, nachdem sie beinahe zwei Jahrzehnte vorher existirt hatte, ist freilich nicht
einzusehen. Wahrscheinlich hielt man sie durch die gelehrte Brille für eine andere
Typengattung und vollzog darauf hin nochmals die Taufe. —
No. 36.
Pau(u0 br <^attcta Itlaria:
^^Stalagua^ qtii TJ0catur fcrutinium fcrifituaruni.^^
Mainz^ Peter SchoeflFer, 1478» In Folio-Format.
Pracht-Exemplar des mit der Paulus-Type gedruckten Werkes. Diese „wissen-
schaftliche Untersuchung in Gesprächsform" zerfällt in zwei Theile; der erste Theil
enthält ein Gespräch des Paulus imd Saulus ; der zweite ein anderes zwischen Lehrer
und Schüler. Beide Dialoge behandeln in sokratischer Methode die Grundsätze der
Paulinischen Lehre vom Christenthume.
Verfasser des Werkes ist der spanische Prälat FOulus de Burgos, welcher um
1850 bis 1435 lebte. Unser Exemplar ist wie neu erhalten, mit sehr hübscher Ru-
brication und in geschmackvollem Lederbande mit Messingbeschlägen. —
No. 37.
1Sartl)olomaru0 br €l)at)mt0:
„Snterragatarium (toe (Konfeffionalr/^
Mainz^ Peter Schoeffer, 1478. In Klein-Quart-Format.
Schönes Exemplar eines seltenen Werkes, mit der Durandus-Type gedruckt, die
zehnzeilige rothe Schlussschrift mit der Clemens-Type. Das Werk handelt von Schuld
und Sühne aller Vergehen und Laster. — Alter schöner Einband mit Beschlägen.
No. 38.
^^aractatu0 be cäcepttane marie uirUginia ebitua a fratre fietr0
aureoU || orbinta mtnorü.*^
Mainz 9 Peter Schoeffer, circa 1480* In Octav- Format
Das äusserst seltene, im Jahre 1338 von dem Bruder Petrus aus Yerheria ver-
fasste Schriftchen über „die Empfängniss der Jungfrau Maria** ist im Texte mit der
Durandus-Type, die Ueberschriften aber sind mit einer grosseren Missal-Type gedruckt.
— Mainz. — ^I
No. 39.
Itttffalc ^loguntinunt.
MainZy Peter SchoefFer, 1483» In Gross -Folio -Format.
Dieses älteste der gedruckten Mainzer Missalen ist sehr selten und bei keinem
Bibliographen vollständig beschrieben. Nach Schaab, I. pag. 527, hatte Adolph von
Breitbaupt noch vor Erscheinen des grossartigen Werkes testamentarisch angeordnet,
dass aus seinem Nachlass ein Exemplar angekauft, gebunden und ehrbar illuminirt
Verden solle, falls er es nicht noch selbst erleben sollte.
Es sind in diesem Folianten dreierlei verschiedene Typen in Anwendung ge-
kommen, und zwar entsprechen dieselben — jedoch nur ihren Grössen nach —
hauptsächlich den Typen der zweiundvierzlgzeiligen Bibel, und der grossen Psalter-
Type, mit denen sie zum Theil auch Aehnlichkeit haben, besonders die letztere, mit
welcher der sechs Blätter upafassende Canon gedruckt ist. Zwei grosse in Farben und
Gold ausgeführte Initialen schmücken das Werk, welches auch viele kleinere , blaue
und rothe Initialen enthält, von ^.denen die ersteren mit der Hand ausgeführt, die
letzteren aber meist eingedruckt sind.
No. 40.
^^%txbmm cum l)crbarum jtgurie/^
Mainz^ Peter SchoefFer, gegen 1484. In Hoch- Quart -Format.
Diese lateinische Ausgabe ohne Datirung ist wahrscheinlich noch älter, doch
setzt man sie in das Jahr 1484, weil ein Jahr später der deutsche Hortus sanitatis
erschien, obwohl derselbe keineswegs blos eine deutsche Uebersetzung ist. Das
Werk ist das erste arzneim'ssenschaftltche Buch; es enthält 150 Abbildungen von
Pflanzen und Kräutern in Holzschnitt und ist mit der Paulus-Type gedruckt —
- Das Buch ist von grösster Seltenheit. Der Herzog de la Valliere besass übrigens
ein Exemplar mit der gedruckten Jahrzahl 1484, n^^bst Schoffer's Firma und Drucker-
zeichen, worüber De Bure unter No. 1555 ausführlicher berichtet. Hain citirt unter
No. 8443 und 8i44 ebenfalls eine undatirte und eine datirte Ausgabe, ohne eine der-
selben gesehen zu haben* Die undatirte Ausgabe, zu welcher unser Exemplar zählt,
ist sicher die erste und älteste.
No. 41.
3o^?anne0 von Cub^:
o6oxtn& fanitatia Dff tcutfcb cyn gart bcx gcfunbl^cit/'
Mainz 5 Peter SchoefFer, 1485. In Folio - Format.
Erstes naturwissenschaftliches Buch in deutscher Sprache und zugleich das erste
mit der von Peter Schöffer hergestellten Schwahacher Schrift gedruckt. Das Werk
ist eine sehr vermehrte Ausgabe des schon oben aufgeführten SchÖffer'schen Herba-
rius von circa 1484, jedoch mit durchweg neuen Abbildungen, deren Anzahl nicht
weniger als 390 beträgt, unser Exemplar hat 358 Blätter, während das von
Hain tmter No. 8948 beschriebene mit einem Holzschnitt auf dem ersten Blatte nur
356 Folien nach dessen Angabe enthielt.
Das Werk enthält sowohl Abbildungen von Pflanzen wie von Thieren in illumi-
nirten Holzschnitten, deren Hersteller wahrscheinlich der Maler Reioich ist, welcher
32 — Mainz. —
auch die in Breydetiback's Reisen nach dem gelobten Lande von 1486 vorkommenden
Abbildungen auf derselben Tour gefertigt hat. —
No. 42.
Bcrnartttö fcc Brcybctibacfe: „0pu6culum fanctarum
Pcregritiationum ab fepulcrum (H?rifli in ^icrufalcm/'
Mainz^ Druck von Erhard Rewlch, jedoch mit Peter Schoeffer's
Typen, 1486. In Mittel -Folio -Format.
Eän sehr schönes Exemplar des höchst seltenen, ohne Custoden, Slg^mturen und
Seitenzahlen gedruckten Werkes, welches als erste gedruckte Reisebeschreibung und
als Druck mit Retrich's Firma am Schlüsse doppelt bemerkenswerth ist. Es ist das
sveite Werk mit den Schicabacher Typen aus der Officia Peter Schöffer^s, die «um
ersten Male in der deutschen Ausgabe des Hortus sanitatis 1485 Verwendung gefunden.
Durch den besondem Umstand, dass sowohl das grosse wie das kleine d im
Texte des Hortus in zweierlei Form vorkommt , und dass in Breydenbaeh^s Reisen nur
eine Form dieser Buchstaben Verwendung fand, gewinnt der Satz beider Bücher ein
etwas verschiedenes Ansehen ; zimial bei dem häufigen Auftreten des verschlungenen
D im Hortus erscheint der Text des letzteren gegen den der »Heylichen Eeisen" viel
verschnörkelter und bunter ; die Type aber ist im Uebrigen ganz dieselbe und stimmt
in der Kegelhöhe auüs Haar überein«
Hier nun ist es nothwendig, auf einen Irrthum des Herrn Professor FauHmann
in seiner illustrirten „Geschichte der Buchdruckerkunst 1881 ** hinzuweisen, van. nicht
durch weitere Fortpflanzung die Verwirrung zu grösserer Ausdehnung anwachsen zu
lassen. Herr Faulmann giebt auf Seite 203 seines so fleissig gearbeiteten und schönen
Werkes ein Faosimile der Schoifer'schen Hortus -Type von 1486, und zwar da die
Original- Ausgabe des Werkes auf der Wiener Hofbibliothek nicht voiiianden ist, nach
dem Wetter' sehen Werke in einer gothiBehen Typet
In dem darauf folgenden Facsimile giebt Herr Faulmann uns nun eine Schrift-
probe und Alphabet von Rewich's Typen, welche hier allerdings einen ganz anderen
Charakter zeigen, als das Facsimile der Hortus-Type. Sieher wurde Herr Paidmann
sieh nicht zu weiteren falschen Conjecturen verstiegen haben, hätte er ahnen können,
dass das Wetter'sdie Facsimile der Hortus-Type ein ga/nK faleehe» ist; sicher wurde
er durch Autopsie des Schöffer'schen Hortus sofort ersehen haben, dass die
Schuabacker Type desselben mit keiner Idee den gothischen Charakteren des
Wetter^schen Facsimile entspricht.
Wer weiss, welcher obscure Nachdruck Herrn Wetter zur Herstellung seines
Facsimile gedient hat; ein Schöffer'scher 'HortuB \on 1485 ist es keinenfalls gewesen 1
Durch Vergleich beider Originalwerke w&re Herr Paulmann sicher zu demselben Re-
sultate gelangt, dass die Typen derselben gleich sind; er wurde femer nicht nölftdg
gehabt haben,; den Maler Rewich für sein einziges Werk besondere Schriften zeichnen
und die Typen von Peter Schöffer sehneiden, schliesslich aber Letsteien noch die
vermeintliche RetoicKsche Type für seine „Cronecke der Sassen" von 1493 abermals
copiren zu lassen; er würde im Gegentheil gefimden haben, dass die Schriften aller
drei genannten Werke gleich sind und alle dreh zweifellos der Officin Peter Schöffers
angehören. Dergleichen weitgehende Coi^ecturen sollten wenigstens stets nur auf
Grxind sicherer Original -Vorlagen gemacht werden. —
Die wahre Geschichte des uns vorliegenden kostbaren Druckwerkes des Bemardus
de Breydenbach lehrt uns Folgendes: Erhard Rewich aus Utrecht hatte als Maler die
Reise nach dem gelobten Lande mitgemacht, ebenso die Holzschnitte für das Werk
gezeichnet; um nun auch den Satz besser überwachen zu können, stellte Peter
— Mainz. —
33
Schoffer zweifellos den nöthigen Druckapparat in RewiclC» Hause selbst auf, denn
der Verfasser des Buches erzählt in der im seihen Jahre erschienenen deuischm
Ausgabe, dass bei der Beisegesellschaft Bernhard Brejdenbach^s auch ein Maler
Erhart Rmich gewesen sei „der all dis gemelt in diesem buch hat gemalet, vnd die
Druckerey in seinem huss volfuret*.
Auf Blatt 110 verso der vorliegenden lateinischen Original-Ausgabe ist Erhardus
Bericb de Traiecto inferiori ebenfalls als Zeichner und Maler aufgeführt Wir
unterlassen nun aus allen diesen Gründen, ihm einen besondern Plats unter den
Mainzer Druckern zu. geben; auch liegt ausser diesem und der nachfolgenden
deutschen, sowie einer holländischen Ausgabe desselben ein weiteres Druckwerk von
ihm nicht vor.
Unser Exemplar von Breydenbach's Reisen umfasst 152 Blätter', nicht 147, wie
Hain unter No. 8956 angiebt; und es finden sich darin 13 leere Seiten vor.
Die 18 zum grossten Theil illmninirten HolzschniUe verbildlichen Städteansichten,
Trachten und Thiere. Auf Blatt 80 bis 89 finden sich auch die mit sehr richtigen Typen
gedruckten Alphabete mehrerer orientalischen Sprachen: Sarracenisch , Hebräisch,
Griechisch, Chaldäisch, Surinamisch und Abessinisch. Blatt 2 recto und 108 verso
weisen Jedes ein mit Gold gehöhtes farbiges Initial auf; ersteres ist in Holz ge-
schnitten, das letztere mit der Hand gemalt
Die Abbildungen sind mit gleich lebhaften Farben ausgeführt, wie diejenigen
des vielbewunderten Exemplares der National-Bibliothek zu Paris, dem das unsrige
an innerer Schönheit nichts nachgiebt, im Aeusseren aber es wesentlich fiberbietet
durch den schönen hellgrünen Ledereinband mit reicher Goldpressung und mit ver-
goldeten Beschlägen. Die eben so schon erhaltene. deu^acAe Ausgabe von ,Breiden-
bach's heiligen Reisen" bringt unsre Sanmilung in nächster Nummer; auch werden
wir unter .Augsburg*' eine ebensolche Ausgabe von Anton Sorg gedruckt vorfinden,
die jedoch blos den Text bringt. —
No. 43.
25crnlS?arfe von Äreyöcnbacfe'e
„^eilige Ucifcn tiad) 3cr«falcm*"
Mainz^ bei Erhart Rewich 1486 mit Peter SchoefFer's Typen gedruckt.
In Folio-Format.
Hier haben wir die deutsche nicht minder werthvolle und höchst seltene Aus-
gabe vor uns , welche 4 Monate nach der lateinischen Original - Ausgabe vollendet
wurde. In allem Wesentlichen ist sie der letzteren gleich und es gilt von ihr Alles
das, was wir schon bei voriger Niunmer bemerkt haben. —
No. 44.
ddnrai 18otl)0: ,^(tronccCcn fecr faffcn'^
Mainz, Peter SchoeflFer, 1492« In Mittel -Folio -Format.
Bin prächtiges, ganz completes Exemplar dieses interessanten mit Schwdhacher
Bchrift gedruckten Werkes , welches in erster Linie historischen Werth hat durch
die vielen brauchbaren und hauptsächlich die niedersächsischen Ortschaften betreffen-
den Nachrichten , welche darin enthalten sind. Die Ausstattung mit gegen 700 Ab-
bildungen in Holzschnitt imd prächtigen Initialen ist ebenso luxuriös wie interessant
Auf dem Holzschnitte des dritten Blattes, welcher die Vertreibung des ersten
34
Mainz. —
Menschenpaares aus dem Paradiese vorstellt, findet sich in der Ecke unten links ein V,
jedenfalls die Känstlermarke des unbekannten Formsehneiders, von dem die Holz-
schnitte herrühren. —
Man darf indessen nicht glauben, dass zur Herstellung des Werkes, wie es
scheinen möchte, wirklich volle 700 verschiedene Holzstöcke in Anwendung gebracht
wurden. Die Naivetät unsrer Altvordern fand kein Bedenken darin, dieselbe Ab-
bildung im Werke sich für eine Menge verschiedener Begebenheiten, nur mit anderen
Bezeichnungen, wiederholen zu lassen, so dass es im Ganzen nur etwa 50 verschie-
dene Darstellungen sind, die abwechselnd für die manchfaltigsten Vorstellungen
immer wiederkehren.
Bibliographisch merkwürdig ist bei dem ohne Custoden und Seitenzahlen er-
schienenen Buche, dass die Signatur erst auf Blatt 67 -~ nicht auf Blatt 66, wie
Panzer unrichtig angiebt — mit iiij beginnt. Das ganze Werk hat auch nicht, wie
Panzer sagt, 281, sondern 284 Blätter; es scheinen also dem von ihm beschriebenen
Exemplare nicht nur das letzte Blatt mit der Schlussschrift, das gewöhnlich fehlen
soll , sondern noch 2 andere Blätter gefehlt zu haben. Zur Entscheidung der Streit-
frage , ob jenes Blatt mit der Schlussschrift, die Panzer nur nach dem Uffenbach'sehen
Cataloge geben konnte, überhaupt existire , geben wir dieses in 7 Zeilen roth ge-
druckte Colophon dem Wortlaute nach:
,,?Dufre frotiecfe van Feyferen vnbe anbexm \\ furfteii vnbe fteben bet
faffcn mit orert Wrtven || ^efft ^e\>xe\}t peter fc^offer van öemfs^eim | [
2n bet ebbeUn (tat XTTctics ♦ bie cyn rttiefatiöF II iö bet yretitcry • 3n
beme täte na cx'ifti gebort ♦ || JDufetit vietpvinbext Ixxxxü y>^pe ben
öeften || baO) be^ vncrcseti*"
Darunter steht das Fust - SchöflPer'sche Druckerzeichen ebenfalls roth gedruckt.
Der schöne Einband mit Beschlägen entspricht ganz dem Werthe des seltenen Werkes. —
No. 45.
iiMxfftLlt |Ö09ttntinttm/^
Mainz 5 Peter Schoeflfer, 1498« In Folio -Format.
Von dieser enormen Seltenheit besitzen wir leider nur ein Fragment von 8 Bl&ttem
auf Pergament und 1 Blatt auf Papier gedruckt. Das Werk wurde auf Befehl des
Erzbischofs Berthold von Henneberg verbessert, und von Peter Schöffer jedenfalls
nur in sehr kleiner Auflage gedruckt. Unser Fragment beweist aber, dass es sowohl
Pergament- wie Papierexemplare gegeben hat. —
Die folgenden Jahre des fünfzehnten Jahrhunderts weisen von dem gealterten
Peter Schöffer nur noch unbedeutende und wenig werthvoUe Werke auf, mit Aus-
nahme des Missale Wratislaviense von 1499, das er für die Schlesischen Kirchen
und Klöster druckte.
Die Concurrenz zweier neuen Buchdruckereien von Jacob Meydenbach 1491, imd
Peter Friedberg 1498 mochte ebenfalls auf die Schöffer'sche Offizin nicht ohne ESn-
fluss geblieben sein. Einen würdigen Abschluss fand Peter Schöffer's Leben und
typographische Thätigkeit im Jahre 1502 mit einer vierten Auflage des schonen
Mainzer Psalterium, das wir schon unter No. 6 mit den übrigen Auflagen dieses
ehrwürdigen Chorbuches aufgeführt haben. —
Mainz. —
35
Jot|anne0 ilttmet|ter
alB tJierter Wlainscr ZypoQvaipl)
^ 1478 uti6 1479 in maitis fclbfl tl^ätig.
No. 46.
J^o^nniÄ bc STurrecrnnata : ^^IHebttatiditfe^^
Mainz 5 Johannes Numeister, 1479. In Folio-Format.
Seltenheit ersten Ranges , von der man nur noch neun Exemplare kennt. Claudin
▼idmet in seinen ^ Origines de Vimprimerie d Albi en Languedoc 1480 d HSi** dem
Drucker Numeister oder Neumeister eine höchst gründliche Untersuchung, begleitet
ron vonüglichen Reproduetionen Nnmeister^scher Drucke , namentlich aus nnserm
Turrecremata. Das Claufh'n'sche Werk liegt neben unserem prächtigen Originale
selbst vor.
Danach druckte Numeister aus Mainz zuerst in Rom, dann in Foligno, ging
wieder nach Mainz zurück, avo er 1479 den vorliegenden Turrecremata mit einer
wunderbar glatten und eorrectcn Missal-Ti/pe vollendete, die grosse Aehnlicbkeit mit
der der 43 zeiligen Bibel Gntenberg^s hat. Dann wanderte er abermals ttas , um in
Albi in Languedoc , und später in Lyon seine Thätigkeit fortzusetzen.
Unser Turrecremata ist zugleich das wichtigste Denkmal des acht deutschen
MetaUschnittes , von welchem das 48 Blätter umfassende Werk in 48 Abbildungen
die schönsten Abdrücke von vorzüglicher Klarheit und kostbarer Brhaltung aufzu-
weisen hat. Unter Foligno 1470 werden wir Numeister resp. dessen eben so seltenen
nsien Druck von 1470 genauer kennen lernen.
Jedenfalls war Numeister einer der tftchtigsten Qebülfen Gutenberg^s und wahr-
scheinlich auch noch nach Gutenberg^s Trennung von Fust und Schöffer sein th&tiger
Mitarbeiter. Als selhstständigen Mainzer Drucker lernen wir ihn erst aus dem vor-
liegenden prächtigen Turrecremata kennen. —
Jacob |llei)ltenba(t)
feer fünfte ITTainscr Cypograpl? 1491 bie 1498.
No. 47.
^0|)antte0 br (Kuba: i^l^ortu» fanitatte".
Mainz 9 Jacob Meydenbach, 1491. In Folio-Format.
Es ist dies eine vervollständigte lateinische Ausgabe des Werkes, welches wir
schon unter No. 41 bei Peter Schöffer 1485 kennen lernten. Sie umfasst 458 Blatter
mit 1066 Abhildnngm in Holzschnitt, welche die verschiedensten Objecto des
Pflanzen-, Thier- und Steinreiches darstellen; viele andere verbildlichen den Ge-
brauch, welchen der Mensch von den Producten der Natur macht. Sieben von
den Holzschnitten sind in Blattgrosse.
Der Drucker Jacob Meydenbach ist der Sohn des Gehülfen Gutenberg's, der den-
selben Namen führte und die grossen Initialen des Psalters von 1467 geschnitten
haben soll. Die gothischen Charaktere, deren er sich für obiges Werk bediente, und
die, wie er in der Schlussschrift versichert, 8eine eigenen waren, sind sehr beachtens-
3*
36 — Mainz. —
wertli. Da aus derartigen illustrirten Werken nur zu häufig Bilder herausgerissen
wurden, ist unser prachtiges ganz completes Exemplar eine um so grössere Selten-
heit; es ist mit eben so schönem als reichbeschlagenen Einbände versehen. —
No. 48.
,3^Ätif|imi (Irejorij pafie || toctuö ecclUc luminia fi clartf|i
mi in fcpte fifalmoa fimtcnti||alf0 ejrplanatia abmobü util\^^
Mainz^ Jacob Meydenbacli, 1495.
Der zteeiie Meydenbach^sche datirte Druck, mit derselben Type und von
grosser Seltenheit. Nach allgemeiner Annahme der Bibliographen soll Meydenbach
ausser seinem „Hortus" und des Papstes Gregor vorliegender y,Erklärung der sieben
Busspsalmen'* kein weiteres Werk gedruckt haben, was man indessen wolil dahin-
gestellt sein lassen möchte, da der „Hortus sanitatis" die Jahrzahl 1491, das obige
kleine Werk aber das Druckjahr 1495 tragt, also eine grosse Zwischenpause statt-
gefunden haben müsste. Jedenfalls sind aber seine übrigen Drucke entweder ver-
schwunden, oder als solche noch nicht erkannt. —
Peter ^xlthbtx^
bcx fcd)fte ttTainscr ZypoQxa^l) 1493 bi6 1498.
No. 49.
iil^0l)anm0 be trittrnljcm ab-||batid fpanlientenfta orbtnid ||
fancti bctttbkti it obferuantia bur^felbenf! • Über lugu-Hbris •
br ftattt et rutna tnonaflici orbinia: omnibus rrli-||gio|i9
ac beuotia piria non minue tJtiltö q^ iucübua,^^
MainZy Peter Friedberg, 1493* Klein-Quart-Format.
Man nahm als erstes Druckjahr des sechsten Mainzer Typographen, Peter Fried-
herg, den wir nunmehr kennen lernen, das Jahr 1494 an; allein obiges Schriftchen
des Abtes Trithemius „ Ueher Bestehen tmd Untergang der Mönchsorden'*, datirt vom
Jahre 1493, stammt zweifellos von Peter Friedberg, wenn derselbe auch nicht als
Drucker angegeben ist.
Man kann die Friedberg^schen Drucke, alle aus derselben kleinen gothischen
Schrift und in gleichem Quart-Formate gedruckt, sofort daran erkennen, dass im
Texte hier und da gleichsam als Wahrzeichen ein ganz anderes Ä, und «war aus
fetter Antiqua, zwischen der gothischen Textschrift verwendet ist.
— Mainz. — X]
No. 50.
Miacobi Vt)nt|il)elin9t || 3Utflatten|t0 0!le9an-||tiarü mebull« •
oratomqT precrpta . ^n orbine || inueittu faciü . copiofc . da«
breutterq); rrbucta/^
Mainz^ Peter Friedberg, 1493. Klein-Quart-Format.
Jakob Winpheliog von Schlettstadt giebt in diesem lileinen Werkchen ^das
Wesentlielie eines eleganten StyW* in Beispielen und Regeln. Am Sctilusse des
letzten Blattes stellt die Datirung. Den Drucker erkennen wir aus dem anf Blatt 16
recto vorkommenden fetten S. —
No. 51.
M.9e laubibu0 fancttfftme || ntatrb anne tractatud )itr-||qua
otilid bomini ioannid || triUmi) abbatis f])ani)nnenft0 orbini^
biui fia-||tri0 bencbirti.^^
Mainz^ Peter Friedberg, 1494« Klein-Quart-Format.
Der zweite Druck Friedberg's mit Datirung und Druckfirma. Der Tractat des
Abtes Trifhemius handelt ,über das Lob der heiligen Anna". Er hat wie die fol-
genden die schon erw&hnten typographischen Besonderheiten. —
No. 52.
iidptgrämata fancti l^rofperi || rpt rr9ttnfi0 be oicij0 et
uirtu-||ttbu0 fjT bictt0 ^uguHint.^^
Mainz, Peter Friedberg, 1494. Klein-Quart-Format.
In diesem Drucke der , Epigramme des heiligen Prosper über Laster und Tu-
genden nach Sätzen des Augustinus", herausgegeben vom Abte Trittenheim, kommt
das charakteristische fette S nicht vor. aber das Werkchen hat duf&r Friedberg's
J^ruckßrma nebst Datirung. —
No. 53.
if8l)(ob(nci grefmübi ium0 || m tnoguntini luatbraciun
cuU bonarü frptetn arttutn liberatiü ^pologiam H eiufbemqj
cü p^ta bialogu rt orattone ab rerum || ftublicarum rect0rr0
in fe camplfctfntf0.^^
Mainz, Peter Friedberg, 1494. Klein-Quart-Format.
Die vom Abte Trittenheim herausgegebene Abhandlung des Gresmundus aüber
die sieben freien Künste' mit Firma und Datum zeigt an einigen Stellen wieder das
charakteristische Friedberg'sche S in Antiqua. —
xS — Mainz. —
No. 54.
^fit nmxMt rt nttfma l^uma-,'|ne mU • liber bni .So^ania
tritmtij abbatia ffianl^etnen^ || oxVim btui pntx'xB benrbicti/^
Mainz^ Peter Friedberg, 1495« Klein-Quart-Format.
Das kleine Schriftchen ^ilber die Leerheit und Erbärmlichkeit des menschlichen
Lebens'^ bietet keine neue Eigenthümlichkeit bezüglich des Druckes dar. —
No 55.
ifiBe profirietatr tnonad)orunt |l tractatua p qua Dtilis bo-
mini |j J>ol)anntd tritcmij abbatia fpanl)emrn|l6 orbintd fancti ||
beitebicti/^
Mainz^ Peter Friedberg, 1495» Klein-Quart-Format,
Mit Firma und Datirung. — In seiner Schrift „«&er das Eigenthum der Mönche'^
eifert der Verfasser, von dem dreifachen Gelübde: der Armuth, der Keuschheit und
des Oehorsams ausgehend, heftig gegen die Besitzthümer der Ordensbrüder. —
No. 56.
^,?ibeUu0 putili0 bf fratcrni-Htatc fancttf|ima et Hofaria
brate tnarie Virginia fratri» || ^oliänia be l'am^liepm Cano-
nici rejularie in '$tr^-||0arten prope Muormaciam.^^
MainZy Peter Friedberg, 1495. Klein-Quart-Format.
Dieses Schf-iftchen ^liber die heilige Brüderschaft vom Rosenkränze'* ^ welches
zur grösseren Verbreitung dieses Ordens beitragen wollte, hat ebenfalls Datirung
und Firma des Druckers. —
No. 57.
^^€atl)al09U0 illu|lriunt Dtror^ || gerntaniä fuid ingenij» et
lu-||cubrationibu0 ontnifariam eiromantium: bni ioi^annia ||
tritemtj abbatta fpani^entenfla orbinia fancti benebicti: || ab
J>acobü ISintpfelingü fletftatinü tljeologum/^
MainZy Peter Friedberg, 1495« Klein-Quart-Format.
Dieser Catalog des Abtes von Trittenheim enthält über 800 Namen von deut-
schen Gelehrten, von denen Jeder kurz nach seinen Lebensumständen beschrieben
ist. Auf Blatt 82 recto — nicht 81, wie Hain unrichtig angiebt — steht die Da-
timng, jedoch nicht die Drnckfirma, welche indessen auf leichte Weise durch die
von uns bereits gekennzeichneten Merkmale sofort zu finden ist, wenn sie auch Ilain
— No. 15615 — merkwürdiger Weise nicht kannte. Es gehören eben vielseitige
Vortheile dazu, einen ungenannten Drucker mit Sicherlieit festzustellen, und oft
genügt hierzu ein einziger charakteristischer Buchstabe, der nachweislich bei keinem
andern Drucker jener Zeit sich wiederholt. —
l
— Mainz. —
39
No. 58.
ßt ojirratione bittt am0n0 • || oratio bni joannift tritemtj
^bbatt0 f])anl)emenß • l)a-||bita cr))l)orbtr in cafil^a ^nnali •
Dj • kaUnbas ^ffitfm-||bri« . ^nuo rrtemptioniö nofii^
lÄ • CCCC • JfCDtj/^
Mainz^ Peter Friedberg, 149 7. Klein-Quart-Format.
lo dieser kleinen Rede des Abtes Trittenheim „über die göttliche Liebe^ erkennt
man an dem nur einmal auf Blatt 9 b erseheinenden fetten 8 wieder den Dioicker
Friedberg, welcher hier nicht genannt ist. —
No. 59.
,^?tber be trifiltci rcgione clau-,||lraüum et fpiritualt eycr-
citio II tn0na(i)0runt: otnnibud reli^iofid non minud Dtilta q;
nrcrlfanud • || <90 • tritemio abbate fpanlirmrnfr || ctnenbante
opufculunt/*
Mainz^ Peter Friedberg, 1498* Klein-Quart-Format.
Das Buch „üifer die dreifache Beschränkung und aber die geistige üebung der
Mönche'* ist Peter Friedberg's letzter Druck, der auch die vollständige Datirung und
die Druckfirma enthält. — Hiermit haben wir Friedberg^s vorzüglichste Drucke vom
Anfange bis lum Schlüsse seiner typographischen Thätigkeit kennen gelernt; die
noch dazwischen liegenden biieten eben typographisch nichts Anderes dar. —
Peter 6*5ffet'ö &UeHtv 6o|jn unb (ßefcfeäfWsVtadjs
folger, als fieb enter lypograplj »oti ttTains,
1503 W0 t 1531.
NB. Ein zweiter und zwar der jüngste Sohn Peter Schöffer's, also der jüngere
Bruder des Johann, hiess nach dem Yater ebenfalls Peier, Diesen Peter Schöfifer
den Sohn werden wir weiterhin sowohl in Mainz, wie unter Worms und zuletzt
in Venedig vorfinden, wo er nach kurzem Aufenthalte in Strassburg ebenfalls das Ge-
schäft betrieb, wie es datirte Drucke unserer Sammlung sowohl aus Worms wie
Venedig beweisen. —
No. 60.
„«jBmifd)e Hiporie || u^ Sito liuia || gejogen."
MainZy Johann Scfaoeffer, 1505«
Erste Auflage. Klein-Folio-Format.
Johaim S^ofier^s erstes grösseres Druckwerk ist zugleich ein wichtiger Zeuge
in der Erfindungsgeschichte der Buchdruckerkunst. Auf Blatt Ib, in der Dedication
•0 den Kadser Maxitnilian liest man die bedeutungsvolle Notiz:
40
— Mainz.
„3ti wel\d)n ftabt — Mains nämlich — mä) atifeti^fllc^ b\e wvmbex:
t^are funfit ber ZriKfetey, vi? 2^ erfteti rem ^etn lutifltrelc^en 5fo=
t^atin (ßuttenbcrgf, öo man 3^1 1 nac^ d^rtfti rnferö ^ercn gc:
t>mtf) iEaufent t)icrt;une»ert^ vnb funffsiö 3rtre erfunden, »n feamac^
mit »leyß fcflt vnb artjcyt 3o^an Sauften vnb petcr 04?6ffer0 3U
nienö öet>efTertt; rnö bcftenMö gemacht iflt werben,^*
Nach diesem völlig sachgemässen Zeugnisse von dem eigenen Sohne jenes Pif^er
Schöffer, dessen Ehrgeiz, so lange er lebte, bestrebt war, sich die Ehre der Er-
findung des Buchdrucks im Wesentlichen selbst anzueignen, ist es freilich unbegreif-
lich, diesen selben Johann Schoffer nar 4 Jahre später in der Schlussschrift des
sEnchiridion* vom Jahre 1509 seinen Grosstuter mütterlicher Seite, Johann Fust,
den riErßndsr der Kunst* nennen zu hören!
Stannenerregend ist es aber, dass diese kaltblütig in die Oeffentlichkeit ge-
schleuderte Lüge, unhaltbar in sich selbst, geduldige Hörer, endlich sogar Gläubige
gefunden, sodass hierdurch und durch die als Mitbewerber um die Ehre der Er-
findung aufgetretenen Städte Strassburg und Haarletn, die wahre Geschichte der
grossen Erfindung auf Jahrhunderte verdunkelt werden konnte und man endlich in
Büchern von deutschen Gelehrten kaum noch ein Wort von Johann Gutenberg, wohl
aber den Geldmann Johann Fust und seinen Schwiegersohn Peter Schöffer als die
Erfinder verherrlicht sehen konnte.
Obige erste deutsche Ausgabe der römischen Geschichte des Livius ist im ersten
und zweiten Theile von Bernhard Schöf erlin, im dritten Theile aber von Ivo
Wittig übersetzt worden, jedoch nicht wörtlich, sondern in freier Nachbildung. Das
Werk ist mit circa 950 Holzschnitten eines unbekannten Formschneiders geziert; es
kehrt jedoch ein und dieselbe Darstellung oftmals und an den verschiedensten
Stellen des Werkes wieder, wie wir dieses schon bei Botho's „Cronecken der Sassen*
unter No. 44 unserer Sammlung zu beobachten Gelegenheit fanden. Der Titel des
Werkes ist mit der grossen Psalter-Type, der Text mit Schuabacher Schrift gedruckt. —
No. 61.
Mainz^ Johann Schoeflfer, 1506« Klein-Quart-Format.
Ein höchst seltenes Werkchen mit Datirung und Angabe der Druckfirma. Unter
dem Titel befindet sich ein Holzschnitt, Avelcher den heiligen Martin, sein Gewand
zertheilend, darstellt. Bemerkenswerth ist, dass Titel und Schlussschrift mit der
grossen Psalter-Type von 1467 gedruckt sind, die Johann Schöffer auch noch 1516
zur letzten Auflage des Mainzer Psalterium benutzte. Der Inhalt des Werkes giebt
eine Anleitung zur Abhaltung des Gottesdienstes, besonders der heiligen Messe. —
No. 62.
^^?8^mber9ifd)e l^al^gmc^t» || vnb red)tlicfc (Drbenung, jti
peynlid)c fadjen suDolnfarn, aUtn Stetteti, (tommuncii||
Ucgimenten, Sfmptlcütcn, lOSgtcti, TOcrwefcrn, @d)ult::
cyßen, Qi^^^m tjn ricfctcrn 1| jDicnli*, fürfcerlicfe v\\
bc^ilff lid), jDarnac^ su ^anfecln vnb redjtfpre^c, gang
— Mainz. —
41
glicftsllformig gcmcyne gcfdjribcn Ucdjtcn tc. 5Dar aix$
and) bi$ büc^Iin gesogen vn ffeiffig |1 gemeinem nug
Swgut, gefammelt vnb vtvoxbmt ift.
Mainz^ Johann Schoeft'er, 1508. Folio -Format.
Die zweite von den dreien im selben Jahre erschienenen Auflagen mit Datirung
und Druckerfirma. — Die „Bamhergische Halsgerichtsordnung", zuerst im Jahre
3507 in Bamberg gedruckt, ist von dem Freiherrn und Bambergischon Geheimen
Rath Johann von Schuarsenherg verfasst, und als Vorläufer und Quelle der fürchter-
lichen ,Constitutio Carolina criminalis", der Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. zu
betrachten, welche von 1533 an ihre schrecklichen Gerechtsame über Deutschland
geltend machte.
Es befinden sich in obiger Ausgabe 10 Abbildungen in Holzschnitt, von denen
einige aus dem Livius von 1505, den wir bereits unter No. 60 kennen lernten, herüber-
genommen sind.
Dieser ziemlich seltene Mainzer Druck wird von den Sammlern hauptsächlich
gesucht und hoch geschätzt, weil nicht nur die grosse Titelzeile auf der ersten Seite
des Buches wirklich mit Typen des Mainzer Psalierium gedruckt ist, sondern weil
man auch in den Capitel-Ueberschriften durch das ganze Werk hindurch die Typen
der 42zeiUgen Bibel Gutenberg's zu erblicken glaubt.
Letzteres ist jedoch ein grosser Irrtfiwn; jene Schriftgattung hat zwar auf den
ersten Blick viel Aehnlichkeit mit den angeführten Gutenberg'schen Bibel -Typen,
doch erkennt man bei etwas näherer Untersuchung leicht einen himmelweiten Unter-
schied, indem nicht nur die Form, sondern sogar die Kegelhöhe, also die Grösse der
Buchstaben gänzlich verschieden sind; denn die Type der 42zeiligen Bibel Guten«
bei^'s ist nur V» so gross wie diejenige, aus welcher in der Bambergischen Hals-
gerichtsordnung die Capitel-Ueberschriften gesetzt sind, i^o dass eine solche Ueber-
schrift von 4 Zeilen die Höhe von 4Va Zeilen der Bibel repräsentirt.
Dies würde allein schon genügen, den Xrrthum nachzuweisen, selbst wenn die
Typen an sich genau dieselbe Form hätten, was aber bei genauer Untersuchung
eben nicht stimmt. Dass die älteren abgenutzten Typengattungen der Schöffer-
schen Offizin nach und nach durch neue ersetzt wurden, die den alten ähnlich, aber
doch nicht gleich waren, ist sehr natürlich, und man muss daher bei Beurtheilung
alter Drucke ungemein vorsichtig verfahren, um nicht in Trugschlüsse zu verfallen,
wie sie in der Geschichte der Typographie an der Tagesordnung sind und immer
wieder nachgeschrieben werden. —
No. 63.
^^Üt^nuale €urat0-{{rü . firebicäit pvtbtB \\ mobum : tarn U-
tino iqj uuljarl fcrinone practice iUuminatü : cum crrtta
altj0 ab curam animarü pertinentibuf : omnibua || curatid : tarn
C0nbucibili0 q^ falubria.^^
Mainz^ Johann SchoefFer, 1508* Klein -Quart -Format.
Der Verfasser dieses „Handbuch für Seelsorger über die Kunst zu predigen*
nennt sich in der Vorrede Johannes Ulricus Surgant Die vorliegende Ausgabe ist
mit Datirung und Druckfirma versehen. Die zwei ersten Zeilen des obigen Titels sind
wieder mit der grossen Psalter-Type von 1457 gedruckt. —
^2 — Mainz. —
No. 64.
^flBrcttiarium SWIaguntincn^ . || ^ouifftntr J^ntfirrffum . || emen-
batum : ac pluritnid lucuü-||tifftmi0 abbitamrtis con || grflum
ft abfolutü. ^Fflicitrr tnctpit/^
Mainz^ Johann SchoefFer, 1509t Folio - Format.
Diese sehr seltene und kostbare Ausgabe, welche 4 Monate später als das »En-
chirldion von 1509" erschien, hat dieselbe lügenhafte Schlussschrift vrie das letztere,
deren wir schon bei dem ersten deutschen Livius von 1505 unter No. 60 unserer
Sammlung Erwähnung gethan; die betreffende Stelle daraus laut«t:
„3mpre|fnm || ülogntttie imprnfis et Ofiera ^onefli i (ironibi oiri 3oatmii l| S^i^t^tx
tm% ülogittitti. Cnins antts prinns ortU 3ini)ref-| (forte fsit innentor > antor.*' Zu
deutsch also wörtlich: „Gedruckt zu Mainz mit Kosten und Mühe des ehrenvollen
und sorglichen Mannes Johann Schaff er, Bürger von Mainz, dessen Orossvater der
erste Erfinder und Urheber der Buchdmckerkunst war." Man staune! —
Die ersten beiden Zeilen des Titels und das erste Wort der nächsten Seite: Con-
betnnotio ^ind mit der grossen Psalter -Type gedruckt, im Texte finden wir die
Missal- Type wieder, welche zu den Ueberschriften der „Bambergischen Halsgericbts-
ordnung" von 1508 angewandt wurde und deren Aehnlichkeit mit der Gutenberg-
schen 42zeiligen Bibel-Type zu Verwechselungen Veranlassung gegeben hat. — Unser
prachtiges Exemplar ist höchst elegant in laubgrünes Leder gebunden und mit ver-
goldetem Messingbeschlage versehen. —
No. 65.
„18rrutariu0 SMajuntin/^
Mainz^ Johann SchoefFer, circa 1510« Klein -Octav- Format.
Dieses Breviarium bat ein besonderes Titelblatt mit obigen zwei Worten, aber
weder Datirung noch Druckfirma, es ist Jedoch mit einer niedlichen gotbischen Type
gedruckt, die sich genau in dem mit Schöffer^s Firma versehenen Placentinus: „De
varietate actionum" vom Jahre 1531 , ebenfalls in unserer Sammlung, wiederfindet,
und ist daher zweifellos 8chöffer*8eher Druck, aber aus früherer Zeit, denn es
finden sich weder Custoden noch Seitenzahlen vor.
Der schöne schwarz und roth ausgeführte Druck des zwar starken, aber nied-
lichen Buches , ist ein wahres Meisterstück des Druckers in Bezug auf genaues Re-
gister der Columnen, so dass die rotheingedruckten Sätze, oder einzelne Zeilen und
Worte, immer haargenau zwischen dem Sohwarzdruck eingefugt sind. In Eücksicht
auf diese Vollkommenheit des höchst mühsamen Druckes haben wir auch das Werk-
chen nicht in eine noch frühere Zeit als um IßlO zurückversetzt, zimfial die
gleichen Typen noch 1531 imversehrt gebraucht sind.
Bevor wir dies nachzuweisen vermochten, wurde von bedeutenden Fachgelehrten
angenommen, dass es kein Mainzer, sondern ein Lyoner oder Venediger Druck sein
müsse, Letzteres besonders auch aus dem Grunde, weil mihi oder mir als Dativ von
ego in dem Breviarium nu'chi laute und mithin auf Italien hinweise. Es wäre jedoch
im Uebrigen kaum denkbar, dass in der grossen Diözese Mainz seit den Marienihaler
Ausgaben von 1474 und 1478 kein einziges derartiges Breviarium in kleinem Formate
für den Handgebrauch wieder gedruckt worden sein sollte. —
— Mainz. — 43
No. 66.
^,^9fba PaöiTtin || cum DtiUfpmiö fcituq? btgiüfli-llmis
(prioriij tarnen non || inftrtis) qbufbä nota-|;bilib«f :iam
nomter || ac biliflcnter || jmpf.^. || 1513.^^
Mainz^ Johann Schoeffer, 1513* Klein-Quart-Format.
Dieses Werkchen, eine Ordnung der Sacramente, ist äusserst selten. Die erste
Zeile des Titels ist mit der grossen Psalter-Type von 1457, der Text mit der neueren
Missal-Type gedruckt, welche in der Bambergischen Halsgerichtsordnung von 1508
und in dem Breviarium Moguntinense in Folio von 1509 vorkommt. — Eleganter
grüner Einband mit Beschlagen und Bukein. —
No. 67,
,,'g0rtulu0 animae/^
Mainz^ Johann Schoeffer, 1514« Klein-Octav-Format.
Sehr wenig gekannte Ausgabe eines ascetlschen Gebetbuches. Bemerkenswerth
sind die reizenden Bordüren, Initialen und Miniatur-Bildchen in Holzschnitt. Der
prachtige Original - Einband von braunem Leder, gepresst mit reicher Ornamentik,
zeigt auf dem vorderen Deckel eine männliche, auf dem hinteren eine weibliche
Costümfigur. —
No. 68.
^,«SBmifd)e ^iftorü Sitl üuij || mentjUd) kur^weilic^ || wxi^
bienftlid) ju U fm • 1514/^
MainZ5 Johann Schoeffer, 1514* Klein -Folio -Format.
Die zweite deutsche Ausgabe des Livlus mit verändertem Titel und um einen
Titel-Holzschnitt vermehrt; sonst der unter No. 60 beschriebenen ersten Ausgabe
von 1505 gleich. — Reich gepresster dimkelbrauner Original-Einband nüt Beschlag. -
No. 69.
^,C0mjiebiü |!ue Sirrutariü
PRIMI VOLÜMINIS ANNALIVM SITE HISTOEIAßüM, || DB OBIGINE
EEGVM ET GBNTIS FBAN-||CORVM AD REVERENDISSIMVM |1 IN
CHRISTO PATRBM ET
principe dominu Lauren tiu || Episcopu vuirtzpurgen ||
orietalisq3 Fiancie || ducem • Joannis || Tritemij Ab-||batis."
MaiDZ5 Johann Sehoeffer, 1515* Klein-Folio-Format.
Seltenes und interessantes Werk, in Antiqua gedruckt; eine vom Abte Trithc-
mius verfasste frankische Geschichte, die aber nur bis zu Pipin fortgeführt ist.
Die erste Zeile des Titels und die Namen der Konige, welche als Capitel-Ueber-
schriften dienen, sind mit der grossen Psalter-Type von 1467 gedruckt. Zwei Holz-
44
— Mainz.
schnitte — der eine auf dem Titelblatte unterhalb des Titels den doppelten Reichs-
adler mit vielen Yenierungen darstellend, der andere das ganze zweite Blatt fällend,
zieren das Werk. Das Beiwort oriStalisqj im Titel ist falschlich „orieialisq3" gesetzt.
Die höchst merkwürdige, in Form eines Kelches gedruckte Schlussschrift er-
zählt die Erfindungsgeschichte der Buchdmckerkunst mit derselben lügenhaften
Tendenz, welche schon im „Enchiridion von 1509" den Johann Fusi an die Stelle
des wahren Biünders Johann Gutenherg setzte. Man sieht, dass die Oeschichts-
fülsclningen in Bezug auf die grosse Erfindung Gutenberg's schon sehr frühe ihren
Anfang genommen haben, und es gar kein Wunder ist, wenn über keine andere
grosse Erfindung bis auf unsere Tage soviel Unhaltbares gedruckt worden ist. —
No. 70.
Mainz^ Johann SchoefFer, 1516* In Folio-Format.
Dieses herrliche Mainzer Druckdenkmal, von dem nur noch ein Paar Exemplare
bekannt sind, wurde bereits auf Seite 16 und 17 bei den übrigen Mainzer Psaltericn
naher erwähnt. Es ist mit denseWen Typen gedruckt, wie alle früheren Aasgaben
von 1467, 1469, 1490 und 1502.
So wie man bei der Ausgabe von 1490 nur noch drei Exemplare kennt, die sich
in der Stadtbibliothek zu Trier, in der Nationalbibliothek zu Pari» und bei Lord
Spencer in London befinden, so dürften auch von der in unserer Sammlung befind-
lichen Ausgabe von 1516 kaum mehr als drei Exemplare auf unsere Zeit ge-
kommen sein.
Die beiden Exemplare in der Nationalbibliothek zu Paris zeigen übrigens auch
noch Verschiedenheiten in der Orthographie, doch tragen beide dieselbe Schlussschrift
mit Druckfirma und Jahrzahl. Mindestens die eine dieser Varianten wurde für die
berühmte Bursfelder Congregation der Benedictiner gedruckt, deren 75 Klöster in
allen Theilen Norddeutschlands auch wohl für die ganze Auflage dieser Psalter-
Ausgabe massgebend gewesen sein dürfte.
Die vom Concil zu Basel 1440 zuerst bestätigte Benedictiner- Abtei zu Bursfelde
im ehemaligen Fürstenthum Oöttingen wurde in Folge der Reformation säcularisirt.
Mit ihren 75 Klöstern sind auch die kostbaren Psalterien nahezu verschwunden, und
das Wenige, was davon auf unsere Zeit gekommen ist, gewinnt dadurch einen um so
höheren Wertb. Im Uebrigen verweisen wir auf die unter No. 6 auf Seite 17 über
diesen Bibliothekschatz gemachten Bemerkungen. —
No. 71.
^^^Jegiment ^fn-||rid)ftt 3tr0mfr^0 uä ^ur|lbac^ ... in-
Ijaltntbt wie pd) wibrr || bif pefttlen^ ju brtDaren || , . .^^
MainZ; Johann Schoeffer, 1517* Klein-Quart-Format.
Sehr seltene deutsche Ausgabe dieser Schrift des Leibarztes der Brüder Chur-
fürst Albrecht von Mainz und Churfürst Joachim von Brandenburg, von ihm selbst
zu Ehren der Churfürstin Elisabeth von Brandenburg aus seinem lateinischen Ori-
ginale übersetzt. Schaab kannte nur die im selben Jahre erschienene lateintsche
Ausgabe. Der Text ist mit Schwabacher Typen gedruckt! —
— Mainz. —
45
No. 72.
„T. LIVIVS PA||TAVINVS HISTO||RICVS.MOBVS || LIBRIS AVCTVS
CVM L. FLOßl II EPITOME . || BT AMOTATIS IN || LIBROS VII.
BELIILI MACEB. || CVM PRIVILEGIO AD || DECENNIVM."
Mainz, Johann SchoefFer, 1618. Mittel-Folio-Format.
Mit zwei scbonep Bordüren und einer Menge herrlicher Initialen eines leider
unbekannt gebliebenen Meisters — vergl. Butsch, Bilcher-Ornamentik, I, Tafel 77 a
b, 78 und 80. — Diese sehr wichtige Ausgabe der Macedontschen Kriege des Livius
ist nach einem alten Mainzer Manuscrlpte gedruckt und ist die erste, welche die
Bücher 83 und 40 nebst Varianten zu den übrigen Büchern der dritten Decade
enthält.
Da unsere Sammlung ausser obigem Exemplare noch ein anderes in der folgenden
Nummer besitzt, welches in demselben Jahre gedruckt, dennoch wesentliche Ver-
schiedenheiten zeigt, so wollen wir, da diese zwei Ausgaben desselben Jahres noch
nirgends witerschieden wurden, eine genaue Beschreibung folgen lassen:
Obiger Titel steht auf Blatt la; auf Blatt Ib die Dedication des Kaisers Maxi-
milian ; es folgt auf Blatt 2 a die Vorrede Ulrich's von Hütten mit der Signatur aij ;
Blatt 8 a die Vorrede des Erasmus von Rotterdam, beide mit der Datirung von 1519;
Blatt 3 b eine Rede des Vulphganus Augustus an den Leser, auf der 82. Zeile schliessend
mit dem Worte ,Vale*. Es folgt auf demselben Blatte eine Emendatio errorum
und reicht bis Blatt 4 a Zeile 13; hieran schliesst sich ein Verzeichniss der vor-
kommenden Jahreszahlen bis Blatt 4 b Finis.
Mit Blatt 5a beginnen: ,L. Flori epitome in qvattvordecim decadas" mit Signatur
aa, schliessend auf Blatt 26a; 26b ist weiss; Blatt 27a zeigt einen neuen Titel:
,T. LIVIVS PA||TAVINV8 HIST0I|RICV8 . DV0BV8 || V0LVMINIBV8 || REGENS
EX II VETVSTO II CODICE || MOGVNTIN. || BIBLIOTHECAE || AVCTVS." Auf
Blatt 27 b folgt ein Verzeichniss der von Livius benutzten Autoren und Bücher,
darunter ein Epitaph des Livius aus dem grossen Palast zu Padua; auf Blatt 28 a
mit Signatur Aij die Vorrede des Livius ; mit 28 b beginnt das ernte Buch ; das nächste
Blatt bat die Signatur Aüj und die Seitenzahl 1; die folgenden SO Bücher um-
fassen 730 Seiten.
Avd dem hiemach folgenden Blatte steht ziemlich in der Mitte die Schlussschrift:
,MOGVNTIAE IN AE||DIBVS JOANNIS || SCHEFPER, MENj SE NOVEMBRI. ||
AN.MDXVIII." Das nächste Blatt enthält eine Nachschrift des Nicolaus Carbachius mti
der Datirung von lßl9 und dann beginnen auf der Kehrseite dieses Blattes die Annotata,
welche noch 13 Blätter einnehmen und mit den Worten ^Hac cü praetoria naue"
schliessen. Nach der obenerwähnten Jahrzahl Iß 19 muss man auch annehmen,
dass beide Ausgaben erst in diesem Jahre fertig geworden seien. Denn obgleich am
Schlüsse des Werkes das Druckjahr 1518 steht, so ist dieser doch offenbar nicht zu-
letärt gedruckt worden, und der Zeitpunkt, wann das vollendete Werk die Presse ver-
lassen, wird, nach der wiederholten Datirung von 1519 zu urtheilen, erst in dieses
Jahr gefallen sein. —
No. 73.
„T. LIVIVS PipAVINVS HISTOJßlCVS.DVOBVS || LIBRIS AVCTVS ||
CVM L.FLOEI II EPITOME . || INDIiJCE COPIOSO . ET INNOTATISIN ||
LIBROS vn. BELIJLI MACED. || CVM PRIVILEGIO DECENfl."
Mainz^ Johann Schoeffer, 1518* Mittel-Folio -Format.
Eine Yariante des vorigen Werkes. Schon der Titel zeigt Verschiedenheiten'
sodann bis Blatt 8a übereinstimmend; aber auf 3b beginnt der Index, um welchen
46 — Mainz. —
dies« Ausgabe vermehrt ist, und schliesst «nf Blatt 56 b; daran schliesst sich erst
die Rede des Yolphganus Augustas und auf Blatt 56 a die Emendatio eirorum,
welcher das Verzeichniss der Jahreszahlen bis zum Ende der Kehrseite des Blattes
folgt.
Blatt A7a bis 78 a enthalten die Bpitome des L. Florius; auf Blatt 79 bis 82
kehrt der Titel der vorigen Ausgabe nebst dem Privileg, den drei Vorreden, der
Emendatio errorum nochmals wieder. Blatt 83 a enthält den auf Blatt 27 a citirten
steeiten Titel und von hier ab stimmt bis zum fichlnss die vorliegende Ausgabe mit
der zuerst beschriebenen überein. Beide Werke sind in alten schonen Original-Ein-
banden und mit Metallschliessen versehen. —
No. 74.
„HOC IN VOLVIMINE HAEC CONTINENTVß|i VLBICHI HVTTENI
EQV,"
Super interfectione propinqui fui Joannis Hut||teni Equ.
Deproratio. || Ad Ludouichum Huttenum fuper inter-
emptio II ne filij Confolatoria. j| In Vlrichum Vuirtenper-
genfem orationes V. || In eundein Dialogus, cui titulus
Phalarifmus. || Apologia pro Phalarifmo, & aliquot ad ami-
cos II epiftolse. || Ad Francifcum Galliarum regem epiftola
ne II caufam Vuirtenpergen . tueatur exhortatoria. Ad lec-
torem. || Res eft noua, res eft atrox, & horrenda, di-
fpeream || nifi legifle noles. Vale."
Mainz^ Johann Schoeffer, 1519« Klein-Quart-Format.
Höchst seltene Schrift des Ulrich ton Hütten mitDatirung am Schlwise; doppelt
gesucht als Druck Sdiöffer's, dessen Firma zwar nicht angegeben, der aber aus den
Typen imd Initialen bekannt ist. Das Buch ist in Antiqua gedruckt und enthält
Hutten^s j,]Cl(tge über den Mord seines Yertrandien Johannen Hutten*^^ „Trostworte
an Ludwig Hütten über den Tod seines Sohnes", nlfnni Reden an Ulrich von Württem-
berg*', „Gespräch, mit dem Titel Phalarismus*, .Yertheidigung desselben und einige
Briefe an seine Freunde*, »Brief an Franz, König von Frankreich, mit der Er-
mahnung, die Sache W^ürttembergs nicht zu schützen".
Ulrich von Hütten, empört über den Tod seines Verwandten Hans ron Hütten,
welcher vom Herzog Ulrich, der ihn mit seiner Gemahlin im Verdacht hatte, im
Jahre 1515 mit eigner Hand getödtet wurde, schlenderte zornentbrannt gegen den
Herzog von Württemberg mehrere Schriften, in welchen er ihn unter Anderen mit
dem berüchtigten Tyrannen Phalaris von Agrigent verglich; trat später dem gegen
den Herzog gerichteten Schwäbischen Städtebnnde bei und gab in Schrift und That
seinem Zorne gegen den zur Zeit höchst bedrängten Fürsten den leidenschaftlichsten
Ausdruck. —
Interessante Belege hierfür liefert der obige ColUciit-Band, eine Ausgabe, welche
die bezüglichen Schriften Hutten^s ans den Jahren 1515 bis 1519 vereinigt. Schon
das an den Leser gerichtete Wort: »Die Sache ist neu, die Sache ist wild und
forchterlich, ich mfisste des Todes sein, wenn Dn sie nicht lesen wolltest', lässt in
ihrer ganzen Heftigkeit und Schärfe des Beformators fenrige -Rednergabe erkennen.
— Mainz. —
47
Aoüfallend ist es, Butten'» Werke, sowie Schriften des JErastmts von Rotterdam und
Philipp Melunchüion's im »trengkatholischen Mainz bei einem der Schöffer gedruckt
za finden. —
Das Buch ist mit mehreren schonen Initialen, mit einem Holzschnitt, der die
Brmordung Hans von Hutten's darstellt auf Blatt 18 verso, und mit dem nach dem
Lieben gezeichneten und in Holz geschnittenen Portrait des Verfassers auf Blatt 84
verso geädert. — Schöner alter ponceaurotber Einband. —
No. 75.
„flVLDEßlCHI II HVTTENI EQ. GERM. || DIALOGI. || FORTVNA.
Febris prima. || Febris fecunda. || Trias Romana. || Infpi-
cientes."
Mainz 9 Johann SchoefFer, 1520* Klein-Quart-Format.
IMe berühmten Dialoge des genialen Reformators, in welchen er den Lastern der
Päpste, Fürsten und Geistlichen auf das Rücksichtsloseste zu Leibe ging; besonders
ragen Gespräche „über das Fieber* und »die romische Trias" durch den feurigen
Styl hervor, bei welchem Schärfe und Kraft des Gedankens sich mit ungewöhnlicher
Kenntniss der Dinge vereinigen. Hier auch findet man zuerst das berühmte ;,Jacta
est alea« — „tcÄ haVs gewagt!^
Diese Schriften in dem orthodoxen Mainz gedruckt zu finden, ist in der That
höchst seltsam und lässt wohl auf einen mächtigen reformatorischen Impuls in der
Geistesrichtung Johann Schoffer's schliessen. Das Buch ist in Antiqua gedruckt, mit
einem litelbildchen in Holzschnitt, die Fortuna darstellend, und mit melireren
schonen Initialen geschmückt. —
No. 76.'
^,FA]ffl[LI||ARIVM CÖLLOQjjVIORVM FORj MVLAE,
in gratia iuuetutis reco-||gnit8e, & auctse ab ERA||SMO Roter-
damo . . ."
Mainz 5 Johann SchoefFer, 1520« Klein- Ocfav-Format.
^Die Formen vertraulicher Gespräche* des gelehrten Erasmus gehören zu seinen
philologischen Sebriften, in denen er das Studium der beiden classischen Sprachen,
hier der lat^nischen, und ihre geschmackvolle Anwendung im mündlichen und schrift^
liehen Vortrage zu befördern trachtete.
Das Büchelchen ist datirt und mit Schöffer's Firma versehen; es ist mit An-
tiqua gedruckt, hat ein Initial auf Blatt 88 verso und eine Titelbordüre in Holz-
schnitt; auf der Letzteren in der Mitte unten ist das netie Johann Schöffer^sche
Druckerzeicheti, welches späterhin auch Ivo SchöflFer übernahm, sichtbar. In einem
Schilde das Zeichen eines steilen griechischen Lambda, A^ rechts und links oben
ein Sternchen und zwischen den Füssen des Zeichens eine kleine Blüthe; über dem
Schilde befindet sich eine schmale Tafel mit dem Monogramm $ ^ —
No. 77.
„iBÄ0 5|irid)n)0rt ^ || UTäii mu|f entmcr ein 1Ka-||m0 ober
aber ein narr ge || barn werben^ ITIit feiner auji^lllegutid,
48
— Mainz. —
von ^tvtn (Erafma || Hoterobamo bcfcferibcn || vnb a\x$i
gelegt, von btn tn^WQtnbttn einem (C^rift^HUcbe Sfirften
vnb II ^nxn 5tts|||leMg t>er || teutfcbt/'
Mainz ^ Johann SchoefFer, 1520* Klein-Quart-Format.
Eine von Oeorg SpaUztin besorgte Uebersetsung des Erasmus' „Moriae encomium*'
— Lob der Narrheit — jener schneidenden Satyre auf die kirchlichen und wissen-
schaftlichen Erbärmlichkeiten jener Zeit, welche er nach seiner Rückkehr aus Italien
zuerst um 1509 bei Gilles Gourmont zu Paris in lateinischer Sprache veröffentlichte.
Die Schriftgattung des kleinen Druckwerkes ist im Texte die Schwabacher, nur
der Titel ist, wie oben veranschaulicht, theilweise in gothischen Charakteren gesetzt,
ebenso vereinzelte Worte im Texte mit derselben Missal-Type. Auf Blatt 2 und 3
findet man zwei hübsche Initialen, und den Titel umrahmt eine schöne Holzschnitt-
Bordüre, welche unten in der Mitte das neue Johann Schöffer'sche Druckerzeiclien
mit den Sternchen und der Blume aufweist. Dessenungeachtet wusste Panzer in
den „Annalen der alteren deutschen Literatur" No. 970 den Drucker nicht zu nennen
dessen Name allerdings nicht extra dabeisteht. —
Das Werkchen ist mit JKelanchthon's „Verzaichnung vnd kurtzliche antzaigung*
von 1524 zusammengebunden, und zwar sehr schön in weisses Leder mit Vergoldung
und Metallverschluss. —
No. 78.
^,i0ic tjfrtfutfd)t (Spillel || ^trxn Ärafmue t>oti Hoter^am,
vor feinem l)anbtbüö^ltin von \\ btm (Ll^riftHc^en Hittcr,
mit vil (t^^riftli^en || vnterxoeyfnnQ \\ getsiert ||
xn. vi nh''
MainZ; Johann Schoeffer 1521« Klein-Quart-Format.
Uebersetzung einer Schrift des Erasmus, wiederum von dem verdienstvollen Kanzler
Spalatinus, deren lateinisches Original unter dem Titel ,Enchiridion militis Christian! *
im Jahre 1518 zu Basel erschien; eine theologische Schrift, die einen Abriss des prak-
tischen Christenthums liefert, unter Yergleichung des Christen mit einem Krieger.
Die erste Zeile des Titels und die des zweiten Blattes ist mit einer Missal-Type,
der Text mit Schwabacher Lettern gedruckt. Den Titel umgiebt dieselbe Holzschnitt-
Bordüre mit dem neuen Druckerzeichen, die wir bei dem verdeutschten .Lob der
Narrheit" in voriger Nimimer fanden. Auch sind zwei hübsche Laitial-Buchstaben
auf Blatt 2 und 3 zu erwähnen. —
No. 79.
^,(Sin ffr €ljriftlid)f pre-HMg bt^ I^eilige »if*off6 fant
(Bre^llgorittö vo VCa^an^J^ jDae man ^ie || armen lewt
foll lieb l)ahi. JDurd) || JDoctor i£coIampa^iu6 an$ \\ btt
Eriecftifcfte fprad) in || feie ftateinifcfee , vnnb volQtnb
bmdi ein || anfeerii jn feie || lefitfc^e geHsogen^
Mainz^ Johann Schoeffer, 1621. Klein-Quart-Format.
Seltene deutsche Piece aus der Zeit, wo das Latein noch so sehr die Oberhand
behauptete. —
Mainz. —
49
No. 80.
rid)tfii i«n-||lid|.1521."
Mainz^ Johann SdboefFer, 1521* Folio-Format.
Erste Ausgabe dieses seltenen Druckes. Obiger Titel ist mit einer grossen
Missal -Type gedruckt und von einer schönen Holzschnittbordfire eingetest, die
unten das Wappen des brandenbui^ischen Churfursten Albert von Maine vorstellt,
auf dessen Anordnung diese Hofgerichts - Ordnung von seinem Kanzler Johann
Pürderer entworfen und am Sl- Mai 1521 von Kaiser Karl Y. best&tigt wurde. Der
Text ist mit Schwabacher Typen gedruckt. —
No. 81.
f,^txt Ärafmuö von V^oUtbam, t>ertetttf(bte an^UQunQ,
über feae, gJttlid) trSfill^ wort t>nfer6 Heben ^txxn
vnnb feligma^ere (l^rlfii, Hement auff md) mein 3o(^,
vnb lernent von mir/'
Mainz^ Johann SchoefFer, 1521. Quart-Format^
Oline Druekfirma. Am Ende steht nur die Jahrsabl M. v^, xxj. Dl« Titelbordüre
enthält das Druckerzeichen. —
No. 82.
^^%$mtfd)er Jkti^^txlxd)tx \\ Hairftat ^eorbrnt €a-||mergertd)t
Hilf ^m II %eid)0t«0 ;u || Il90rm0 H || 3^nna - |M. d? jj ^^<9. |{
(Kunt prioilrgiü fpeciali || j^mpfratortB €aroU • d/^
Mainz^ Johann Schoeffer. 1521. Folio -Format.
Der Titel ist mit der grossen Psalter-Type gedruckt, welche sich auch noch auf
Blatt 2 in den Worten: J003v ftarl f^ findet; das ,y^wn jiritliUgio ....'* am
Schlüsse des Titels und die Ueberschriften der einzelnen Capitel mit der bekannten
KDssal-Type ; der Text des Werkes aber mit Schwabacher Schrift. —
No. 83.
„RBGINOIINIS MOMCHI PRO.||MIENSIS ANNA-||LB8, NON TiM
DB II AVGVSTO-IIRVM VI1|TIS, || QVAM ALIORYM GBRHMAITORVM:
6E-IISTIS ET DO-IICTE ET OOM||FENDIOSB || DIBSERENTEB, ANTB
SEXIN II GENTOS FEßE || ANNOS E-||DITL"
Cum privilegio Imperiali/*
Mainz^ Johann Schoeffer^ 1521« Mittel Folio -Format
Der Verfasser Regino, ein M6nch des Klosters Prüm, giebt in vorstahAndem
Werke eine allgem«ine Chronik vom Kaiser liberins an bis lom Jahre 907 nach
Christus. Das Buch ist in Antiqua gedruckt mit mehreren schSnen Initialen und
4
50
— Mainz. —
einer Titelbordäre in HolESchnitt, welche wir schon in Livii bellum macedonicum
von 1518 fanden ; ausserdem findet sich das sch5ne Portrait des Sebastian ron Roten-
ban und dessen Wappen darin, beide nach Albrecht Dürer in Holz geschnitten. —
No. 84.
,4NMCTU II APOSTOLI AD || COMNTfflOS.
Cu autem fubiecta fuerint || illi omnia, tunc & filius ipfe ||
fubijcietur ei &c, || De müdatone leprofi, de my||fterio
temarij, & cornu olei.
SBRMO B. JOiN-l|NIS CHRYSO-||STOMI || INTERPRETE JO. || OECO-
LAM-ÜPAWO. II MOGYNTIAE AN. XXH."
MainZ; Johann SchoefFer, 1522* Klein Quart -Format.
Eine Auslegung der Epistel an die Corinther von dem Kirchenvater Chrysost&muSf
der im 4. Jahrhundert nach Christus lebte, mit einem Vorwort von Johannes Oeco~
lampadius, dem Reformator und Freunde Ulrich Zwinglt's. Das kleine Bfichelchen
ist in' Antiqua gedruckt mit einer Titelbordüre und einem schönen Initial in Holx-
sehnitt auf dem dritten Blatte.
No. 85.
iilTanlitfn) II liurd) Tktix^\tx OCa-JIrol ben funprn: || off hm
Ärid)0-l|ta9 ju »0rm0. || ^mti • |tt. tit yyj. || auffgerid)!/^
Mainz^ Johann SchoefFer, 1523» Mittel Folio -Format.
• Inmitten eines schonen Holxschnittes, in welchem die Allegorien kriegerischer'
Feindseligkeit und die Segnungen des Friedens versinnbildlicht sind, steht der Titel,
dessen erstes Wort mit der grossen Psalter-Type, der im Uebrigen aber mit der
Missal-Type gedruckt ist. Die Psalter-Type findet sich noch in den Anfangsworten :
„WJr Karl" auf Blatt 2; die Missal-Type in den Ueberschriften der Capitel; sonst
ist der Text mit Schwabacher Schrift hergestellt.
Diese zweite Ausgabe von 1528 war bisher wohl ganz unbekannt und ist jedenfalls
noch seltener als der rare erste Druck vom Jahre 1581. — Das Exemplar befindet
sich in braunem Original-Ledereinbande itiit Pressung und Metallverschluss. •—
No. 86.
^^Il0inifd)e || ^iftorien || Siti liuij 1| mit etlichen newe Cranell
flation, fo Burtsuerfcftic^jlncn jarcn im ^^o^^c t^um ||
ötyfft 5tt tticnö jm la::||tein, erfunfecn, t)ni) t>ot^p)m
nit mcr gefeiert fein* || ^auon fud) im enM || fceö
ISlcgiflere/'
Mainz, Johann Schoeffer, 1523« Mittel Folio -Format.
Die dritte deutsche Ausgabe des Livius, welche um die beiden Bücher der Mace^
dönisiAen Kriege vermehrt ist, die schon in den lateinischen Ausgaben der letsteren
von 1518 nach dnem in Mains auj^efundenen Manuscripte Auftiahme fanden; man
vergleiche No. 72 unserer Sammlung.
— Mainz.
51
Die Holuchnitte sind in dieser Ausgabe durchweg andere als in den yorber-
gehenden Ton 1505 und 1614 und man kann in den Darstellungen der verschiedenen
Ausgaben den interessanten Wandel der Trachten Jener Zeit beobachten, welcher sich
in dem Abschnitte von beinahe zwei Decennien, vom Erscheinen der ersten Auflage
bis lUT gegenwirtigen, vollzog. Da man im Livius die alten Volker, deren Kriege
er besehreibt, in der Tracht und Kriegsrüstung des sechszehnten JahrhunderU dar-
stellte, fehlen den alten R5mem auch die Flinten und Kanonen nicht.
Die Typen sind dieselben wie in den früheren Ausgaben. —
No. 87.
^ „SANCTI II PROSPERI
prefbyteri Aqui || tanici aduerfus inlmicos gratisB || dei li-
bellus, in quo & de gratia, || & libero arbitrio fententia ||
diui Aurelij Auguftini || defenditur. EPISTOLA Aurelij Car-
thagi II nienfis epifcopi contra Pelagianos. || ROMANORYM
PON-||tificu authoritas de gra-||tia dei pro Profpero || aduerfus
Pela-||gianos.'*
Mainz 5 Johann Schoeffer, 1524. Klein Quart-Format.
Eine theologische Schrift des im fünften Jahrhimdert nach Christus lebenden
Prosper, welche für die Lehren des Heiligen Augustinus von der Dankbc^keii gegen
Oott und dem freien Willen eintritt.
Das in Antiqua gedruckte Werkchen hat eine hübsche Titelbordüre und einige
Initialen in Holzschnitt. —
No. 88.
„VLEICHI 11 DB HVT-IJTEN EQ. DE GVA-||IiCl MEDICINA \\ ET
MOEBO II GALLICO |1 LIBER |1 VMS."
Malnz^ Johann SchoefFer, 1524. Klein Qnart
Die zweite Auflage — die erste erschim schon 1519 — dieser Abhandlung über
die BeiJkra/t des Ouajacwn oder Pockenholees, durch welches Ulrich von Hütten
selbst von seiner schrecklichen Kranlüieit geheilt zu sein glaubte; dennoch fiel er
derselben in der Blfithe seines Alters im Jahre 1583 zum Opfer.
Diese zweite Auflage ist also nach seinem Tode edirt, wahrscheinlich infolge
des neu erwachten Interesses. Sonstige Besonderheiten sind bei dem- in Antiqua
gedruckten, mit einer Titelbordüre und einigen Initialen in Holzschnitt gesehmfickten
Bfichelchen nicht zu erw&hnen. —
No. 89.
„CANONBS APO-llSTOLOßVM. VETEßYM CONCIHLIORYM CON-
STITVnONES. II DECBETA PONTI-||PICVM AlJTI-ilQUIORA . . ."
Mainz 9 Johann SchoefFer, 1525* Folio - Format.
Yerfosser dieser kirchlichen Vorschriften ist Johannes Vuendelstmus. Das Werk
ist in Antiqua gedruckt, untermischt mit einer reizenden Owrsivschri/L Die Initialen
sind zahlreich yertreten. Der alte Original-Holzband mit braunem gepresstem Leder-
rücken ist mit grnnoxydirten Schliessen rersehen. —
4»
52
— Mainz. —
No. 90.
„PRO DIVO II CAROLO, EIVS NOMINIS
quinto Romanorum Imperatore In-||uictiffimo, pio, felice,
femper Augu-||fto, Patrepatrise , in fatisfactione qui-||dem
^ine talione eoru quse in illum || fcripta, ac pleraqj etiam
in uul||gum ^dita fuere, Apolo-| jgetici libri duo nu-||per ex
Hifpani-||is allati cum || alijs no-||nullis, quorum catalogos ||
ante cuius q3 exordi-||um reperies.**
Mainz 5 Johann Schoeffer, 1527« Klein Quart -Format.
Eine anonyme Schrift zum Schutze der Sache Kaiser KarVs des Fün/teti, gegen
vrelchen Papst Clemens VII. „die beilige Ligue" zur Vertreibung des Kiüsers aus
Ober-Italien errichtet hatte. In Antiqiia gedruckt, mit schönen Initialen und einer
Titelbordure in Holzschnitt.
No. 91.
„mVI IMP. jySTINIA-
ni Inftitutionum fiue || elementoru iurifpru-||denti8e libri
quatuor, || genuinae puritatia-|(deo reftituti, lon||geq3 caftiga-|j
tilTimi. II Hijs adiecti funt fepa-||ratim tarne Caij In-||
ftitutionü lib. IL || MOGVNT. AN. 1| M. D. XXIX."
MainZ; Johann SchoefFer, 1529. Klein Octav-Format,
Das merkwürdig kleine Format dieser in Antiqua gedruckten sp&teren Ausgabe
erscheint höchst eigenthümlich, besonders wenn man damit den mächtigen Pergament-
Folianten der Editio princeps yon 1468 in unserer Sammlung vergleicht. Der hübsche
schwarze Ledereinband ist altes Original mit MetaUbeschlägen. —
No. 92.
,,S)octor SO'||t|antt gabrt • ©l^riftenüd^e StMe^nung || fece
crfcl)r5(fcnli(ften yrrfal, fo || (tafpar fc^wecf felöcr in btx
©d)Ic::||fy, xcyb ^ie X0atl)cyt öce l[?od) || wiröigenn Sa?
cramente II leibe _x)n blute (llS?ri?||fti, auffsüricfe |l ten
vn^er^tä::||^cnn lS?at* H 9K. 3). jjij."
Mldnz^ Johann SchoefFer, 1529. Klein Quart -Format.
Die mit der Schwabacher Type gedruckte theologische Streitschrift hat Da-
tirung und Druckfirma. Dies ist der erste unserer Mainzer Drucke, in welchem sich
die neuentstandene Fraetur-Tupe zeigt; wo zur Auszeichnung in Schwabacher
Schrift ürüher die Gothische angewendet wurde, bürgert sich nun bei Titeln und
Ueberschriften ganz und gar die Fractwr ein. Wir werden von nun an, wie wir
es bisher bei den anderen Schriftgattungen gethan, auch die neue Type in der
Wiedergabe des Titels stets entsprechend kennzeichnen. —
— Mainz. —
53
No. 93.
„(SSKj Suttj Sefariö beS gro^^^Hmec^tigen erften 9iömifd^*»||en
Äe^ferS |)iftorien öom || ©aÜier t)n ber SRömer öurgerifd^e ||
frieg : fo er fclbft befd^riben : t)n burd^ || fonbere groffc
manf)et)t feiner || rttterlid^en tugent ge^Hfüret I)at ..."
MainZ; Johann Schoeffer, 1530« Folio -Format.
Diese deutsche üebersetzung der Historien des Cäsar ist ein Nachdruck der
ersten deutschen Ausgabe, die 1507 in Strassburg bei Grüninger erschien, und von
Pbiiesius besorgt wurde.
Die vielen Abbildungen wiederholen sich oft und sind zum Theil dieselben wie
diejenigen des Schoflfer'schen Livius von 1528. Das Werlc ist mit Scbwabacher Typen
gedruckt, der Titel mit der neuen, der Schrift des f^Theu&rdahkh'* ähnlichen Fractur-
Type, welche bei Schöffer^schen Drucken nun öfter wiederkehrt. — Alter dunkler
Original-Lederband mit Metallschliessen. —
No. 94.
„PLACEN-IITmi lYBISCON-
fulti uetuftiffimi de ua-||riftate Äcti0num übri ffir/^
Mainz^ Johann SchoefFer, 1531* Klein Octav-Format.
Placentinus, der älteste Lehrer des römischen Rechtes in Frankreich, gestorben
im Jalire 1192, wendet sich in obigen 6 Büchern „über die Verschiedenariigheit
der Rechtsfälle'*, eingeleitet von Nicolaus Rhodius, gegen das System des Juristen
Rogerius, welches er im Verlauf gänzlich tun sein bisheriges Ansehen brachte.
Wir begegneten der reizenden kleinen gothischen Type, mit welcher der Text
des Buches gesetzt ist, bereits bei dem Breviarius Moguntinus, ohne Jahrsahl, aber
jedenfalls wesentlich älter, unter No. 65 unserer Sammlung. Sämmtliche Initialen
des Werkes, sowie die Ueberschriften der einzelnen Capitel und auch theilweise der
Titel sind aus Antiqua gesetzt.
Schaab setzt in Band I, Seite 579, das Werk irrthümlich unter das Jahr 1580;
es ist aber datirt vom Februar 1S31 und somit einer der letzten Druck« Johann
Schöffer^s, da sein Neffe Ivo Schöffer schon im Monat August des nämlichen Jahres
in „Vitalis pro conservanda sanitate" mit seiner Druckfirma als Nachfolger auftritt. —
No. 95.
„9fiDntifd^cr Äe^fer^||Itd^er SRateftat Drbe=^||nung ün SRcfor*
matton || guter §ßoIlicet im ^e^HI^^Ö^^ 9iomifd|en 8tetd^ ||
3lnno 9K. 2). jj£- h^ Slugfjjurg t)ff:=||gerid^t."
Mainz 5 Johann SchoefFer, 15 3L Folio-Format.
Eine von dieser abweichende Ausgabe mit anderem Titel und 83 Blättern, wäh-
rend die unsrige nur 14 Blätter enthält, besctireibt Schaab, Band I, Seite 681 und
582. Die vorliegende Auflage desselben Jahres ist nirgends beschrieben, sie be-
«nsprueht daher zumal als eine der letzten Arbeiten Johann Schöffer's ein immerhin
grösseres Interesse. Sie ist in Schwabacher Schrift hergestellt und mit der bekannten
Titelbordüre der Macedonischen Kriege des Livius von 1S18 geschmflckt. —
54
Mainz.
Mit dem Jahre 153 1 und dem Tode Johann Schoffer's, von dem
wir nicht weniger als 3ß Druckwerke aufgeführt, geht das Ge-
schäft nunmehr auf Tvo^ den Sohn des jüngeren Peter Schöffer über,
dem wir jedoch erst weiterhin begegnen werden, da wir, um chrono-
logisch zu verfahren, nun erst diejenigen drei Drucker aufführen
müssen, die sich während Johann SchöfTer's zwanzigjähriger Thätig-
keit in Mainz neu etablirt haben: Peter Schaff er der Sohn, Friedrich
Hewmann und Mathias Auerbach von AschafTenburg, welchen letz~
teren man bisher kaum gekannt hat. —
Peter ^^l^tx kr 30l)tt
i)e6 3o^ann \tn^tttt Btuöer, ale a*tet XITainser
lypograp^, von 1507 bie na^ 1520*
lieber die Tb&tigkeit dieses Mainzer Druckers herrscht noch grosse Unklarheit;
man hat ihn nicht nur häufig mit seinem Vater Peter 8ch5ffer rerwechselt, sondern
auch angenommen, dass er wohl nur für Rechnung des Schöffer' sehen Haupt-
geschäfte» gedruckt haben könne, wenn auch in einem zweiten Druckhause, als
welches man bald das «Haus zum Korb", bald das „zum Sawlofiel*' anfahrt, das
früher dem Jacob Meydenbach zugeh5rte.
ürkimdlich verbürgt ist nur, dass dem Peter Schöffer junior von seinem Vater
das „Haus zimi Korb'' als Erbtheil zufiel, das er aber in Folge misslicher Yerh<-
nisse im Jahre 1512 verkaufen musste. Man hat angenommen, dass er in diesem
Jahre Mains verlassen und sich in Worms etablirt habe.
Beides kann richtig sein, doch tragt sein erster bekannter Druck: ,,€911 nol-
georbntt nttb nnt^lid) bii4ilitt, nie man Itergtoerk fit4itit unb finden fal^' die Schlnss-
schrift f,|0ormbs |ltttir 3ll)3|fer 1818'*. Er musste also vorher in Worms nur un-
datirte Drucke geliefert haben, oder die datirten sind verschwunden.
Daraus würde aber mit Sicherheit hervorgehen, dass er schon von 1518 ab so-
wohl in Worms wie in Mainz zugleich gedruckt habe, wie dies von 1518 ab fest-
steht, denn man kennt auch ein in Mains gedrucktes Werkchen von ihm: „Accessus
altaris*' mit der Schlussschrift „Moguntiae per Petrum Schoeffer ISfdO", wovon sidi
ein Exemplar in der Stadtbibliothek zu Frankfurt am Main befindet. —
Das Wahrscheinlichste ist nun, dass er nach dem Verkauf seines Hanses im
Jahre Ißlfd nodi einige Jahre im Hause „zum Sawloffel" gedruckt, dann aber eine
zweite Druckerei in "Worms errichtet, das Midnzer Geschäft aber noch mindestens
bis 1520 beibehalten habe.
In Worms finden wir Beweise seiner typographischen Th&tigkeit bis 1S99, von
welchem Jahre wir weiterhin unter „ Womur" ein Werk mit Firma und Jahrsahl
von ihm anführen werden. Auch in Worms scheint ihm das Glück nicht besonders
günstig gewesen zu sein, denn er zog nunmehr über Strassburg nach Venedig, wo
wir seine Firma ebenfalls wiederfinden werden, und zwar bis zimi Jahre 1548. —
Von dem, was Peter Schöffer junior in seiner Vaterstadt Mainz gedruckt, ist
nur noch Weniges bekannt. Wir besitzen von ihm die nachyerzeichneten beiden
Ausgaben der „ Wormser Reformation'^ von 1507 und 1509, die man übrigens bis
Jetzt fnst allgemein seinem Bruder Johann zugeschrieben Iiat, weil sie keine Druck-
firma tragen und «os einer Sohwabacher Schrift gedruckt sind, die man for die des
Johann SdiSffer angesehen hat.
Mainz. —
55
Bei genauer Vergleichung ergiebt sich Jedoch zur Evidens, dau diese Typen
bei Johann Schöffer nirgends vorkommen, dessen Scbwabacber Schrift in rielen
Eixoelheiten wesentlich anders ist. Dieselbe ,Wonn8er Reformation'' soll abrigens
auch ISlfd nochmals gedruckt und sogar mit der Firma des Peter Schoffer junior
▼ersehen sein, doch halten wir die Quelle dieser Brüsseler Notiz nicht für curer-
lassig genug.
Nach dem, was über Peter Schöffer den Sohn als sicher bekannt ist, schien es
uns schon ausreichend gerechtfertigt, ihn als wirklichen Mainzer Drucker hier auf-
zufuhren ; Tielleicht tragen unsere Notizen dazu bei, dass man sich auch von anderer
Seite angelegen sein lässt, über die typographischen Leistungen dieses Mannes melir
Licht zu schaffen.
No. 96.
^)iBrr 3tat Il9onn0 || )lrfarnt«cion : ftatute • orbtnüg || Sti(m%
Mf alle 5^tftte : cmnunm : Mfjlmeten : ^J^firfft-Iltlpim : 3|er-
fdyaffte : ^mptleute : nu^lid) furberlid) : Dttli || bei)UfUd) \txß:
Dttb ;u 0utrr xt%\txviXi% erfd)te|frn mö^e.
MainZ; Peter Schoeffer jnn., 1507« Folio-Format.
Die zweite Ausgabe des ^ormser Stadtrechtes, von welchem die erste, uns fehlende
1499, die dritte in unserer Sammlung vertretene im Jahre 1509 erschien. Alle drei
entbehren der Angabe des Druckers, aber wie die Typen der ersten Ausgabe un-
streitig auf Peter Schaff er den Vater hinweisen, so wird man bei den späteren auf
leichte Weise die Aehnüchkeit und wiederum die Unterschiede der Typen erkennen,
welche für die Selbständigkeit der Ofßcin Peter Schoffer''» des Jüngeren Zeugniss
ablegen. —
No. 97.
„iBrr 3tat IBorinö || llrfonnacian : ftatute . orirnüg etc."
Mainz^ Peter Schoeffer jun., 1509« Folio -Format.
Diese dritte Mainzer Ausgabe des Wormser Stadirechtes, deren wir schon bei
der vorigen Ausgabe imter No. 96 Erwähnung gethan , ist mit demselben Titel und
ganz geringen Abweichungen im Texte gedruckt. — Schwarzer Original-Ledereinband
mit reicher Pressimg und Messingbesclilag. —
feer neunte ttlainser €y|)ogtaf)^ 1508 unö 1509.
No. 96.
f^iSe W<^t nteretrictt in fuoB amat0-||re0. Htuftiü vmm
princiiiar Drbanitatta 3 facrde || caufa^ in frne qn0blibrtt
%v^t\btt%m^ beter || minata a mgro jtacobo 1|artUib fan-||
56
— Mainz. —
bonirnfi. Vionh qmbußtim ab)ii-||tiombu0 nu|ier tUuftrata.
^d) lieb «Ifi bi^ mir \)olV' \\
MainZ; Friedrich Hewmann, 1508« Klein Quart.
'Eine originelle Schrift „über die Treue der Dirnen zu ihren Liebhabern", deutsch
und lateiniseb, in Prosa und Versen ; von nur 10 Blättern Umfuig. Das Schriftchen
ist iusMrst selten und von den Heumann^schen Druclien auch der theuerste. Die
dixin vorkommenden deuUchefi Floskeln geben keineswegs eine vollständige Ueber-
setning des Latein; sie sind aber meist urkomisch und gewähren einen Begriff, auf
welch niederer Stufe sich damals noch unsere deutsche Muttersprache befand. —
No. 99.
^^J9^ffiom0 bominicr fermo ^i-||ftartali0 n0tabilt0 titq} pclat
nt0. I9enerabtli0 bni ^abrieli0 bul || ^rttü m^ri : facre
tljfologie licctiati."
Mai]lZ5 Friedrich Hewmann, 1509* Klein Quart
Es ist dies einer von denjenigen Heumann'schen Drucken, welche durch Un-
kenntniss oder oberflächliche Beurtheilung der Typen von Seiten der Herren Ge-
lehrten die unschuldige Ursache von gane falschen historischen Schlüssen ge-
worden sind.
Ueber obiges Werkchen schrieb sogar der rühmlichst bekannte Bibliograph
HeJbig in Brüssel 1865 eine eigene Broschüre unter dem gewichtigen Titel »üne
dicouverte pour Phistoire de l'imprimerie", worin er auf Seite 4 und 5 haarklein nach-
weist, dass die ziemlioh grossen Blatt- und Capitel-Ueberschriften des obigen Heu-
mann^schen Druckes mit Typen der 86zeil$gen Bibel gedruckt seien; auf Seite 14
liest man sogar noch ausdrücklich: „Ze titre est imprime avec les gros caractires
de Gutmberg sur quatres Ugnes!^
And«re Bibliographen gingen noch weiter, olme sich die Sache vorher selbst
anzusehen, und so liest man beispielsweise in der „Besclireibung der Grossherzog-
lichen Hofbibliotbek cu Darmstadt* pagina 88 als Beschreibung des Heumann^schen
Druckes „Directorium missae*' von 1509, dass dieses Buch y,mit den alten Guten-
herg'schen Typen gedruckt^ sey.
Wenn davon auch nur eine Silbe wahr wäre, wie hoch müssten die Heumann-
schen Drucke heute im Preise stehen, denn sie sind aUe mit den gleichen Typen
gedruckt. Von den in der ehemaligen Druckerei zu Marienthal angewendeten
Typen, die nach einer Bodmann^schen Erfindung 1509 von Heumann angekauft
worden sein sollen, ist aber darin keine Spur! Ebensowenig finden wir Bibeltypen
angewendet bei Bechtermünze in Eltwyl, durch den sie von Gutenberg gekommen
sein sollen.
Heibig ist aber keineswegs der Erfinder dieser Mähr , wenn er auch „so thuf^ ;
denn der Ankauf der MarienQialer Druckerei durch Heumann und die Gutetiberg-
sehen Typen in 8ein«D Druckwerken spuken schon seit fänfeig Jahren in den Ge-
schichten der Buchdruckerkunst, sogar in den „Hundert Merkwürdigkeiten der
Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel*^ von 18^9 , obgleich ein sonst tüchtiger
Fachgelehrter und zugleich erfiUirener Typograph der Verfasser ist.
Helfaig bat durch seine Broschüre nur dazu beigetragen, dass deutsche Gelehrte
der Sache blindlings Glauben schenkten, und dass man nun das Anecdotchen in
allen «Geschichten der Buchdruckerkunst" bis auf die neueste Zeit lesen kann! Es
sei aber nun hiermit ebenAdls zur wohlverdienten Ruhe bestattet. -~
Mainz.
57
Wahr Ist an der gansen Sache nur, dass einige Tersalbuehstaben in den Üeber-
schriften bei Heiunann denen der 36aeiligen Bibel auf den ersten Blick ähnlich
sehen , bei genauerer Untersuchung aber sich nicht decken. Einige derselben , wie
das 3, S, C ül und so weiter sind gatus und gar anders, und es w&re sonderbar su
glauben , dass Heumann die bedeutende Druckerei der Bruder des gemeinsamen
Ijebens in Marienthal gekauft luibe, ohne in seinen Drucken mehr als einige Versal-
buchstaben davon zu benutzen , abgesehen davon , dass ähnliehe Typen in Marien-
thaler Drucken gar nicht vorkoftwien !
Es liesse sich also höchstens annehmen , dass Heumann für seine Druckerei
sich die Typen der SGseiligen Bibel theiltoeise zum Muster genommen, oder dass
er überhaupt einem damals üblichen Ductus gefolgt ist. Man vergleiche nur genau
sein £ mit dem der Sßzeiligen Bibel ; welche Aehnlichkeit und doch -« welcher
Unterschiedi So ist es aber auch mit dem Heumann'schen kleinen Alphabete zu
Jenen Minuskeln; sie sind in Schnitt und Grosse sehr ähnlich, aber etwas schlanker.
Man vergleidie nur den innem leeren Raum des o, m und n; auch hat das i der
36 zeiligen Bibel als Punkt durchgehends einen zierlichen Halbkreis; bei Heu-
mann theils ein mehr rechts hängendes kleines Häkchen, th^ls einen Simpeln Punkt;
und das sollen dieselben Typen sein? —
No. 100.
^^jBirrctorium ^i|fr br nouo || perf)iectum 3 mtenbatum/^
Mainz 5 Friedrich Hewmann, 1509* Klein Quart.
Diese neuverbesserte Ordnung der heiligen Messe zählt vorzugsweise auch zu
denjenigen iTeumann'schen Drucken, in denen einzelne Typen die Veranlassung ge-
geben haben, dass seit Decennien so viel leeres Stroh gedroschen und so sehr viel
unsehuldiges Papier verdruckt worden ist. —
5er scl^nte Wlalnser ly^^ogtap^ 1529 unö 1530,
No. 101.
„ StSf c^ibt be^ II gfleic^ftagg || ju ©pe^er Slnno || 3K. 2). jEtj.
©ant^Jt ber feiferlic^cn ©onftitution SBie || gcbrfifecr obtx
f^wiflcr tynbtx jrc6 t>erflorbcn Vatttt obtt || mutter
brufeer o6cr fc^wcfter Ärbfc^afft t>nt)cr ^&j t\)ty\tn \\
foUen* II t)n6 einem Äeyferli^en tITanfeat ter VOxbzxi
tauffer l^alber Mx^i^Mt^tn, \\ "
Mainz^ Mathes Auerbach, 16 2^9« Folio-Format.
Also ein nefuer, bWUf tvoiil unbekannter Mainxer Drucker! Wir kSnnen seine
Existenz nicht nur durch dies eine Beispiel beweisen, sondern durch noch zwei
andere, die wir in den beiden nächstfolgenden Nummern kennen lernen werden.
c8 -*• Mainz. —
Obiger Folio-Druck enth&It auf der Kehrseite des Titels das Privileg KarPs V.;
in demselben auf Zeile 8 lesen wir Folgendes: //iDad Wir VflfetW t)ii||&eÖ xeid}^
Utbl getrewe tltat^eyfen %wetf>adf vö ^fc^ äffen :||burtf ben
%f>id)ibt i^ ief)alü reic^d ta^d 3U ^veyer in |Druce|| 5 übrige
t^euel^e laffen ^ftbe • « /^ und auf der ersten Seite des zwanzigsten und
o
letzten Blattes, am Schlüsse, steht: „(6ebtü(Xt 5U tHent)*^^
Wir entnehmen daraus die Gewissheit, dass Mathes Auerbach in Mains ge-
druckt hat. Die Typen , mit welchen das Werk gedruckt ist, kommen allerdings
mit den Schoffer^sohen nberein; sollte also Auerbach nur Besitzer des Privilegs und
Johann SchoefFer der Drucker gewesen sein? Dann konnte dies allerdings nur bei
diesem einen, dem ersten Drucke Auerbach^s, der Fall sein ; denn wir finden in den
beiden nächsten Nummern mit dem Privileg desselben eine fremde Type , 4ie bei
Schoeffer niemals vorkommt und wodurch wohl Jeder Zweifel gehoben sein dürfte. —
No. 102.
,,2ig5fc|t)ebt befe 3te^H|c|feta9^ tjfi SlugfeHH^i^i^S- II Slnno
3Ji. 3). jxj. getialten. "
Mainz^ Mathes Auerbach, 1530« Folio-Format.
Ein xtcetter Druck Auerbach's mit einer neuen Type von mehr gothischem
Charal^ter. Er nmfasst 82 Bl&tter in Folio; unter dem Titel befindet sieh ein Holz-
schnitt, den Kidser vor versammeltem Reichstage vorstellend. Auf der ersten Seite
des letzten Blattes steht das Privileg mit der bezüglichen auf Auerbach weisenden
Stelle. — ■
No. 103.
„9iDmtfd^er Äe^feerttd^er || SJimefetat Drbenung bitnb || 9le^
fomtattott, guter 5ßot||licet im ^e^Iigen 9lo*||mtf^cn
9ieic|. II Sltttto SR. ®. UJC, \\ ju 2lugf<3urgl || SBffgcrtc|t. "
Mainz^ Mathes Auerbach, 1530« Folio-Format.
Der dritte, 18 Folioblatter imifassende Druck Auerbach^s, mit derselben Type
wie der vorige und mit dem für Auerbach lautenden Privileg auf der Kehrseite des
Titels. —
300 3d)0efftr
Hacbfolger feince (D^eime 2ol)ann nnb btt elfte
tttainset ZyipOQxa^pl) 1531 bie f 1555*
No. 104.
„2)3e Sel^enred^t i)er||teütfd^t : aud^ in e^n ne^||toe önb
rid^tige orbUnung ber titel ge||fatjt:t)nb jufa^||nien brad^t . . .''
Halnz^ Ivo SchoefFer, 1581» Klein Quart-Format.
Von Schaab nicht gekannte seltene Ausgabe, mit Schwabacher Schrift gedruckt. —
— Mainz. —
No. 105.
59
,,aSfd^iebt beg SRctHid^fetag^ ju 3ieflen|!f)3ur8 Slnno
5ro. 3). jjftj. II getialten. || 9leformattott be^ fetifetHJltd^en
©ammergerid^tö, burd^ 9iomtfd^er || fe^ferttdjer SJiateftatt,
anä) ©tiur^'jlfurften, gurften öit gemeiner SRet^lJd^ftettbc
©ömtffarien t)nb retl)e, |j jü @)3eter ttii etiit önnb || bretf[ig=
ften jar auff*l|gerid^t."
Mainz 5 Ivo SchoefTer, 1532» Folio -Format.
Einer der ersten Drucke Jvo Schoeffer's mit Oatinmg und Firma. Der „9Pb'
fil^iebt" umfiMst 18 Bl&tter; die ^efonnation", welche noch einen aparten Titel hat,
nur 10 Blätter. Die mit der Schwabacher Type gedruckte Schrift weist am Schlüsse
das bisher Johann SchÖffler^sche Druckerseichen auf. —
No. 106.
„95Dn ben übertreff:^||Itd^iftett t)n 6crüm^)ttften fratt)]|cti,
5w6lff in btx gemeyni, vnb 5w5lff in funier^cyt
gcllsclt, famf)t jren rämlid^en t^atten ♦ . . von welchen
Äufctitt0, piutartf||cbtt0 vnnb anöcre zV. in jren f^iflorien
8e6e*tnu0 || t^un, ♦ . . 6ur* ♦ ♦ ♦ 3o^ann Pfclffclman
tP&nshirg^llifc&en Secretario zV. au^ bl Jtatcin || in
Ceutf4> tranffcricrt, y>Xinb \\ filrtcr bur* 2<>i)Ciri d<^||feU
ber0 6em 0emei;::||nen rmi^ 5U || gut an bM lit&it bra^^t^ ||
vnnö xnn jOrucC || vcrorbnet/'
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1533» Klein Quart-Format.
Diese Schrift von den historisch berühmten Frauen, aus lateinischen Classikem
suMunmengetragen, lless Johann Haselberg von Reichenow auf seine Kosten von
Sdkoffer drucken. Auf dem vorletsten Blatt befindet sich ein Holsschnitt. —
No. 107.
,, 3)®^ aEerburd^Ieud^ttg^llften grofemed^ttgfte bn*||ü6er*
tüinbüid^ftctt fe^^lfet fiarfö be^ füitfften : bnnb be^ || \^t\^--
Itgen SRotnifd^cn äietd^g )3etnKd^ getid^tö orb^ljnung, auff
ben JReid^fetagen ju ?lügf)3urgf || i)nb 3iegettf)3urgt tit jaren
bretfftg, \m jj jtoe^ bnb breiffftg get)alten, auff^lgertd^t bnb
befd^Ioffen. "
Mainz^ Ivo SchoefFer, 1583, Folio-Format.
Die erste höchst seltene Auflage der fürchterlichen peinUt^^n Gerichtsordnung
Kaiaer Karls des Fünften , die_ unter dem Namen der „OaroUnaf* eine schreck-
6o
Mainz. —
liehe Berühmtheit erlangte und deren wir schon unter Nr. 62 bei Beschreibung der
Bambergischen Halsgerichtsordnung von 1608 Erwähnung gethan. — Schaab, I,
585, hat das Buch ausführlich beschrieben. Unser Exemplar ist mit braunem
Original-Lederbande und Metallbeschlag verseben. —
No. 108.
„%^i\ Stutj be§ II aller rebtf^)red^ften ünnb tjod^be^^Hrüntptften
gefd^id^t f^reiber^ : 9io^||mtfd^e ^iftorien mit etlichen netüeit
tranflatton au§ bem || Satein, fo furtj üer jd^inen jaren ?iu
SJic^ntj im l^ol^en || C^umbflifft, ^cmipi tiun 6cm vxttbun
i\)tyl btt K^mifd^cn äiftoricn aufs || fftnff Jtatcinifc&cn
böd^ern Äiuij, jeßt nen>It^ im (tloflcr (Corfs genannt)
crfun&cn, gcmcyncm n\xii su gut \)xt sugctbon, im
\Xl.^.rtX\x\ iar t)er5||tctttfd)t, swcy brxxii Uicolaum
(tarbad^ium, bxt anbtx bxti bxxxii 3a5||cobttm XXlu
cyllum ♦ ♦ ♦ /'
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1533« Klein Folio.
Die inerte, abermals und zwar um die 5 Bücher der fünften Dekade Termehrte
Ausgabe des deutschen Livius , welche zum grössten Theile die Holzschnitte der
Ausgabe VGA 1583 enthält. —
No. 109.
„9iÖmijd)er fe^jer==||Iid^er SKaieftat öubgcmcy^Hner Stcn&c
bte ^cyligc Kcidjeor&nung || auff jungfl gebaltcn
T^cid)f5tagen gemalt, wie e6 in || fa(ften pnferö b^yligen
(t^rlftlid^en glauben du || religion betreffen , in btnx
^eyligen Keidb || tonfc befonöer teutfÄer Uation bifs
anff md)^ tünfftig gemeyn || (Concilium foU gel[?al||ten
wer&en."
Mainz 5 Ivo Schoeffer, 1533* Quart - Format.
Ein seltener kleiner Druck von 8 Blättern in Quart-Format, mit der Schwa-
bacber Type, den Schaab nicht erwähnt. Auf Blatt 7 finden wir Im Artikel f/OOtl
btV irrU(f erey^^ das erste hSchst interessante CenaurgeaetZf in welchem //tt(td^
^em 6ur^ Me || rtior&etiUd;e txwHtty t>i6 «nt?er vil ftbeW eiitflaii:|{
^tt\f^f das Verbot ergeht, etwas Neues zu drucken noch feil zu halten, //SC( fcl
^m 3Mttorll&ttrc^ Me felt> deyftU(^ öfter welttid^ o^erFeyt ftarsu [|
tjercrbetit, verfletibitfe v^xSow, \>t^d^iW, &ei> trucCerö 1| nomm vxiXib
sunameti/ auc^ ftie ftatt ftarin fclc^e£( cre=||tiru(ft/ ttiit tiemlic^en
Worten barin ^efe^t." —
— Mainz. — 6l
No. 110.
„SBnbergertd^tö orbnung || beö ©rtäftifftä äJte^ntj : || tix
tüdd^er gantj ftetffig attgeje^gt, tt)ie bnb n)eld)*||er gejtalt
an allen t)nb jeben obgemeltö (Srtäfttfftg || aud^ anbem
SBnbergertd^ten in redjt gel^anbelt, || ünb ^)rocebtrt njerben
foE önb mag, @d|uU| |tt)e^§en, ©d^offen, Sütd^tem, bit an-
bern, || fo an ©endeten jutianbeln l^aben, tl tJaft bienlid^ tm
be^tlfflid^, ictjt II netültd^ gemeinem nntj ju || gut gemad^t,
georHlbent tinb auffgertd^t. m. 3). XXX^SSS.''
Mainz 5 Ivo Schoeffer, 1534. Folio -Format.
Im Text mit Schwabacher Schrift gedruckt. Ein prachtvoller drei Zoll hoher
Initialbiichstabe Q) in Holzschnitt befindet sich auf dem zweiten Blatte. —
No. 111.
,,9S9ibergerid^tö orbnnng beö || ©rtäftifftö SJte^ntj, inn
tt)eld^cr gantj ftetffig an-Hgeje^gt, tüie bnb toetdier geftatt
an aUen bnb || jc&en obgemelte I£rt5flifft6 aud) anbtxn
Vnbtt^ttid^ttn in |i recfet Qtfyanbdt^ vnb proce&irt
werben foU vnb mag, || SAuU^eyfsen, Sd^Sffen, Ki*^
utn, vnb II an&ern fo an (Berieten su^an&eln || l[?aben,
vaft II bitnlid) vnnb bes||^ftlffltd^, fetst newlid) IJ gemrys
fiem nuts II 5^ 8&t gc^jlmacbt, || geor&ent vnnb \\ auffs
0erid)t. II m. JD. aesesex?/'
Mainz^ Ivo SchoefFer, 1535« Folio-Format.
Auf dem Titelblatte und der Kehrseite des vorletzten Blattes befindet sich je
ein Holzschnitt, die wir indessen schon im deutschen Livius vorfanden. Auf dem
zweiten Blatte bemerken wir den schönen Initialbuchstaben W, welchen wir schon
in voriger Nummer erwähnten, und auf dem Schlussblatte das früher Johann Schöffer-
sche Druckerzeichen. —
No. 112.
,,S)er Siomifd^en || Seifet ^tftorien : bon bem abgang || be§
Slugufti an : bi^ auff %\twxi || t)nb SSef)3afianum, bon
iar ju jar, burd^ (£orne==||Iium Xacitum befd^riben, Sit
tt)eld^en nit || oXityn b\t Mng, fo fid) su llom su öen
felbcn seitsjjten begeben, fonbern Mxif vx\ anbetet
vnb II ftembber Station, fonbetlicfe aber || bet teutf*en
gefcfeidjt, an=:||ge50gw vnb erseiet || werben* || Stern ba§
52 — Mainz. —
Süd^Iein t)on ber alten Xcufeüf^en hvand) vnnb leben,
aui) bnvd} btn \\ felben (Cornelium Cacitum || bef^ries
ben* II (ßetru* t 5U VUeynts bei 3tto Öd^^ffern mit
'Bityftr^4lid)tt freibeyt, 3m jar Ul. ID. XXXV."
Folio-Format.
Die erste deutsche Ausgabe des Taettua, übersetct von Jacobus Hicyllus, der
sich in der Vorrede nennt. Das Werk hat viele und schone grosse und kleinere
Initialen und eine schon aus dem deutschen Liyius bekannte figürliche Titelbordüre
auf dem Zwischentitel des Blattes <L87, aber sonst keine Abbildungen. Es ist der
erste Mainzer Druck, der die vollständige Angabe des Druckers und der Jahresxahl
auf dem Titel zeigt. Das Buch umfasst 12 unnummerirte und 452 nummeiirte
Blätter. —
No. 113.
„LATINISSI II MAE COLLOQVIOEVM || FOEMVLAE.
Ex Terentij Comcedijs felectae, || ae in Germanicam Lin-jj
guam uerfae."
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1537. Klein Folio.
Diese lateinisch-deutschen Formeln aus den Comödien des Terenz fahrt Schaab
nach Panzer''s Annales IX, Seite 640 unter dem Jahre 15S6 „Mense Julio" auf; wir
bezweifeln eine uidere Ausgabe , da auch die obige ^Mense Julio* datirt ist , ver-
muthen vielmehr einen Irrthum Panzer's, welcher sich wiederum «ai ^Zapfs BibUo-
ihek'^ beruft, in welcher wir die Ausgabe Jedoch vergeblich gesucht haben. Auf
dem Titel und der Rückseite des Schlnssblattes befindet sich das spitzwinkelige
8choe£fer^8che Druckeraeichen in zweierlei Grossen. —
No. 114.
„S^n üerantoortjltuttg 5ßobagrae || t)or bemSitd^ter : k)ber
t)itf altige Ätage ber || armen 5ßoba^||grtfd^en rott. || 5u
Xritynti bey 3ttO &d)&fftt \\ ANNO M. D. XXXVII.''
Klein Quart.
ißin launiges Gedicht in 17 Blättern, mit S hübschen Holzschnitten. Graesse —
Tresor Y, 374 — citirt ein Exemplar mit nur 16 Blattern ; Schaab kennt das Schrift-
chen gar nicht. —
No. 116.
^^^ibcrgertd^tö orbnung beg @r^||täftifftS 23^rter, butd^ ben
^od^tüirbigftcn tttn &0Ü \\ vatter, Sfirflcn vnb Ferren,
öerrn 3o^anfen Ättjbifdbouen su Ib^ier, bte 6^Tli0en
T^Smifdben llei*6 öurd) (ßaViitn, vnb 6a5 ESnigreic^
verdaten || Ärtscantsler vnb (Cburfftrflen zce, feiner
— Mainz. — 63
(H?ttrfarjllid)cn Qtiabtn \\ Vnbtnf^antn su gutem auf^
geriet, vnb gegeben, || 3m 3ate, M. D. XXXVII."
Mainz 9 Ivo Schoeffer, 1587« Folio -Format.
Auf dem Titelblatte befindet sich ein grosser rotb illuminirter Holsschnitt, das
Wappen von Trier, und auf der Kehrseite des «weiten Blattes eine andere Abbildung,
den Kl&ger vor Gericht darstellend, welche schon f&r verschiedene frühere Werke
verwendet war. —
No. 116.
,,5)®^ aller S)urd^Ieu(|tig5||ften grofemed^tigften t)n*|jüber*
imnbtlid^ften Äe^fer fiarfe || be§ fünfften, t)nb be^ I)et)tigen
Somifd^en JRe^d^S <3ein||Ud^ gertd^tö orbnung, auff ben
Sletd^tagen ju || 3lugfpurgl önb 9legcnf)3urgl in jaren ||
brcifftg i)nb ätoe^ t)nb bretfftg ge^|'l)alten, auffgerid^t t)nnb
bef^Ioffen. j| 5u WTeynts bei 3uo 0**ffer^ ttllt Rey::
fcrli<ber Xttay* \\ freybeyt begabt, nit na^sttörucCen*"
Mftiiiz^ Ivo SchoefFer, 1537. Folio -Format.
Die sweite nicht wesentlich veränderte Auflage der „Carolina*^ von 163S. —
No. 117.
,,»SRbergcrtd^tö orbnung be^ er^ltjfttfftö Sl^rter . . .''
MainZy Ivo SchoefFer, 1589« Folio-Format.
Zweite Auflage der Üntergerichts-Ordnung von Trier aus dem Jahre 1.537; von
Schaab nicht gekannt. —
No. 118.
„TTPVS BCCLB-IISIAE PRI0-||RIS.
änjcigung, tüte bie I)eilig Ä^rd^e || (Bottee, inwetiMg fiben
mb me^r ^un^Hbert jaren, nad) pnfere ^er^jlren Aufs
fart, geflalt || gewefen fey.||"
Mftiiiz, Ivo Schoeffer, 1540« Klein Quart.
Ohne Angabe des Druckers; die Type und das krunungestielte Bl&ttchen unter
d«m Titel weisen Jedoch auf Ivo Schoffer. Interessant ist die angewendete Mischung
dtt Sdneabcidier Schrift mit Cursiv , womit im Texte die lateinischen Citate ge-
settt sind. ->
64
— Mainz. —
No. 119.
,,3)er fietitgen SKejfenllbraud^, tote er in ber alten Ä^r-J
cfeen por taufenb jarcn || gewcfeti» || 2Cu6 0» 2o(^n*
CCbryfoflomo || per&eutfci^t.
Mainz 5 Ivo Schoeffer, 1540« Klein Quart.
Wie das vorige ohne Angabe des Druckers; aber die Type ist SchoSeriscta*
Der Uebersetzer der theoli^iscben Schrift nennt sich »Georg Vicelius zu Berlin." —
No. 120.
„ 3l95fd)tebt bejj 9ieid^fe*||tag§ ju giegenHIfrurg gefial^^Hten
AMO II M. D. III."
Mainz 9 Ivo Schoeffer, 1541* Folio - Format.
Der Drucker ist in der Schlussschrift nicht angegeben , steht aber auf dem
zweiten Blatte im Privileg KarPs Y. Die Ausgabe hat 8 schon öfter yorgekommese
Holzschnitte. —
No. 121.
„Zxü Sintj be§ || aller rebf)3red^ften t)nb I)od^beH|rüin<)ften
gejd^td^t jd^reiberfe, Siomtfd^e §tftorien ..."
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1541« Klein Folio.
Die sechste Auflage des deutschen Livius, welche nichts Besonderes darbietet,
da sie weder vermehrt noch verändert ist; sie erschien nur drei Jahre nach der
fünften Auflage und beweist, wie stark die Nachfrage nach dieser deutschen Ueber-
Setzung gewesen sein muss. —
No. 122.
„3)@fe aller 3)nrd)Iend^ttgften || grofemed^tigften : Unübcr-H
njinbtlid^ften fie^jer tarfe befe fnfften, t)nnb befe ^e^HIKs^«
3i6mif(|en SRetd^g )3etnli(| (Sertd^töorbnung ..."
Mainz, Ivo Schoeffer, 1542. Folio-Format
Die dritte Auflage der „CaroUna'^. Das Drucker-Privileg ist hier weggelassen. —
No. 123.
„Slbfd^iebt be^ SRctd^§tag§ ju ©pe^er auffgerid^tet : im jar
als man galt nad^ ber gebnrt (Sl^rifti 1544."
Mainz, Ivo Schoeffer, 1544« Folio- Format.
Mit Druckfirma und Datirung auf dem TiteL —
— Mainz. — . 55
No. 124.
,,2:iti Stüü aüomijd^e ^iftorien/'
Maihz^ Ivo Schoeffer, 1546. Mittel Folio.
Die siebente Auflage des deutschen LiYiiis, deren Bzistenz Schattb — I, Seite 609 —
uisweifelt. Im dritten Bande pagina 463 bestätigt er jedoch deren Existens, nach-
dem er das Buch inzwischen ausfindig gemacht. Er rügt hier nur noch mit Recht
dftSB der gelehrte Würdiwein dieseü Druck noch dem Pete*' Schöffer zugeschrieben. —
No. 125.
„?ß8fd^iebt ber II SRom. %f. ^SÄateft. t)nb geHlme^ner
@tenb, t)ff bent Sieid^fetag ju 3Iug*||fpurg vjf geriet.
Anno domini || M. D. XLVm.
Mainz 5 Ivo SchoefFer, 1548« Folio-Format.
Dieser „Abschiedt" enthält nebst der Einleitung die Resolution, wie es mit der
Reiigion gehalten werden soll; dann „die Reformation des geistlichen Standes*'
,den Landfrieden"; „die Kammergerichtsordnung" und „die Reformation der Polliei*.
Dem Bande , der diese Verordnungen des Reichstages zu Augsburg vereinigt, sind
auch die lateinischen Ausgaben der oben angefahrten „Resolution, die Religion be-
treffend", und der „Reformation des geistlichen Standes" beigefügt.
Die Thätigkeit der Schoffer^schen Officin wird, wie wir bemerken konnten, seit Jahr-
sehDten vorwiegend für den Druck der Beichsgeseise in Anspruch genommen, deren erste
A.usgaben vorzugsweise in Maine, der damaligen Metropole des Reichs, gedruckt wurden,
wie wir auch in den nächsten Jahren noch zu beobachten Gelegenheit haben werden. —
No. 126.
„AVREA BYLLA || CAEOELI QVAETI RO]ÄANO-||RVM IMPBRATORIS,
& REGIS BOHEMU! &c.''
Mainz^ Ivo SchoefFer, 1549* Folio-Format.
Die „goldene Bulle" Karls lY. wurde vor wie nach in vielen Auflagen und an ver-
schiedenen Orten in lateinischer und deutscher Sprache gedruckt, wovon unsere
Sammlung besonders die frühesten und seltensten Ausgaben aufweist. —
No. 127.
„Kotnifd^er Äe^ferli^^jld^er SKateftat, unb I| be§ tie^tigcn
Seidig fonbere Son^lflitutionce, t)ff cttlid)tn, ^icuor,
8e^^ab|jtencn llei^ßtagen vjfgcri^t || i>n6 bef^^loffen, :ct"
MailU; Ivo Schoeffer, 1549. Folio-Format,
No. 128.
„Slöfd^tebt ber Üiotrt. Äe^f. SKaieft bnb 9e*||me^tter ©tenb,
t)ff bent fReid^fetag ju 3lug==||fpttrg Dffgerl^^t, Anno Do-
mini M. D. LI."
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1551« Folio-Format.
5.
l
56 — Mainz. —
No. 129.
,,5ß. Dutbij S'lafonte bej5 aller @tn*|lretd^ften ^octen
METAMORPHOSIS, . . . . &txoan buxdf btti \\ Wolgelerten
ttlt 2tlbrcd)tcn von ^alhcxftatt inn Keime || weiß vm
teutf^^t, 3eö erftli* gebeffert vnb mit Si-Hguren fcer
Säbeln gesirt, bnxd) (ßeorg I| XVidxam 5u Colmar 7c/'
Mainz^ Ivo SchoefFer, 1551« Folio - Format.
Zweite Ausgabe dieser geschätzten Uebersetzung, mit zahlreichen Holzschnitten
geziert; von Schaab ausgelassen. —
No. 130.
,,2)e6 aller SJurd^^^HIeud^tigften, ®rofe^||mcd^ttgften, SStt^
ubertDtnbtHlIidiftett Äetjfer Äarfö be^ fünfften, ünb be^
^e^ttgen || TSl5mif*en Keidbe \>cmliö;) (Rcxid^t^ (DxbnnriQ,
anff btn \\ T^eidjß tagen su 2Cttgfpurgf vnb llegenfpurg,
in II 3aren fereißig vnb ycocy vnb ^reißig ge^Hbalten
auffgerict^t vnb \\ befc^^Ioffen || (ßetrutft in 6er (C^urs
fÄrftli^en Statt Wleynß, || bnxd^ 3uonem ©ASffer,
im 3ar || M. D. LV."
Folio-Format.
In dieser vierten Auflage der ^Carolina'*, welche bisher von keinem Bibliographen
gekannt war, erblicken wir zugleich den thatsachlich letzten IHttek des Ivo
Schöffer, welcher nach allen andern Bibliographen schon im Jahre 16S2 gestorben
sein sollte, weil sie von ihm keinen späteren Druck als „Des heiligen römischen
Reichs Ordmingen" vom $0. Januar 1552 kannten.
Wir wollen diese unbekannte Ausgabe daher ausführlicher beschreiben. Sie um-
fasst 48 Blätter, von denen 86 nummerirt sind; auf dem Titel befindet sich das Hols-
schnittbildchen, welches den Kaiser Karl in ganzer Figur, zwischen zwei Säulen
stehend, darstellt; darübersteht: ^Christo auspice^^PLYS VLTBA*^, darunter: ^Cum
ORATIA & Priuilegio ImperiaM*. Auf Blatt 2 verso erscheint ein Holzschnitt, den
Kaiser auf dem Throne vor den Gburfürsten darstellend; auf Blatt 6 verso wieder
ein Holzschnitt: Christus am Tage des Jüngsten Gerichts.
Blatt 7 beg^nt mit dem Motto: y,Christo auspice \\ PLVS VITRA'*, worunter sich
der doppelte Adler zwischen zwei Säulen in Holzsclmitt befindet; auf dem letzten
Blatte recto lautet die Schlussschrift: „^n\)e beg \>eXXÜi6)tn ^alggertd^tS. (SC-
brucft ju 3Jie^n| be^ 3üo ©d^öffcr, || aw man aalt nad^ bet gehurt
(tfjrifti rnfercl IJ^erWI, WT. JD» €♦ t)*" Auf der Ruckseite des Blattes steht
das lange Ivo SchÖfTer^sche Druckerzeichen. —
— Mainz. —
67
3ti0 3d)5ffer'0 fei. «rben
1556 bie 1557,
dann
welcher 6a0 (St\d)&ft ale 5w5lftcr Wlainser Zy\>Oi
Qvciy}) von 1558 ab fortführte*
No. 131.
,,2:iti 2m\ befe || aQer 9lebf)3rcdöftcn önb §od^bc||rpnH3teften
&t\djiä)t\ä)xtiia^, Sll^ömifd^e §tftoricn || ©ebrucft
in ber ©l^urfürfttid^eti ©tatt 3J?e^ntj, || öutd) 3ttotii6
e*5ffcr6 feiigen Ißrbem || im 3are || M. D. Lvn."
Am Ende: ,,®ebrudt ttt bct löMtd^eu t)nb || ©l^urfürftlid^en
©tatt SKc^ntj, burd^ ©eorgium || tPagner* VoVitnbtt
am miinbttn taQ 5e# 3enner6, || Äl6 mann 5alt nad)
6er geburt vnfere lieben (| ifttrtn 3eftt (Clj^rifli M. D. Lix."
Klein Folio.
Wahrend des Dnicks dieser achten und leieien Mainxer Auflage des Livius ging
die Scböffer'sehe Druckerei von den Erben Ivo's in andere Hände über, daher wir
in der Schlussschrift des Werkes schon Georg Wagner als Drucker finden,
welcher ißS9 das Werk sum Abscbluss brachte.
Mit dieser letzten Ausgabe des Livius, welche gerade 100 Jahre nach Erscheinen
des Mainzer Psalterium von den Nachkommen des ersten Peter Schöffer, des
Stammvaters der berühmten Druckerfiamilie, begonnen wurde, erlischt also die typo-
graphische Th&tigkeit des Hauses Schöffer in Mains.
Erwähnen woUen wir noch, dass die stattliche Reihe von Auflagen des Livius,
welche wir in unserer Sammlung vereinigt haben, in der DedicaUon an den Kaiser
Maximilian von 1505 ab durchgehends Johann OuHenberg die Ehre der Er-
findung der Bu^drutkerkwnst ausdrüeiUch einräumen, wahrend dacwisohen in den
Schlussschriften anderer Werke ihm dieser Ruhm auf jede Weise streitig za machen
gesucht wird ; ein Widerspruch, der cur Genüge kennseiohnet, wie unberechtigt Jene
neidischen Ansprüche der Familie Sdweffer allezeit gewesen sind. In einem an den
Kaiser gerichteten Documente wagte man Jedenfalls die Lüge nicht. —
bcv btti^e^ntt tüainsec ZyipOQvcapi) 1532 He 1536.
No. 13Ü.
„3ttnt>Alt Mffes Bfi*Ieytie : U (5^n lünftUd^e fonn|H)|>r
inn tynts ytbtn menf^ti Cincten ^An6t, || gte)>d> n>ie
68 — Mainz, —
o
in tymm (tompag, 5tt erlernen . . . Von 3<^cob Ä5beln
@tat)tfd)reybem 5tt (D^jpenbeym . . . Su VUents bey
Peter ^oxban, im tttertsen, || bt6 Xll. ^. dcXSlcJI.
3ar0/'
Klein Quart.
Das kleine Büchelchen umfasst nur 11 Blätter mit 6 Holzschnitten. Scbaab
kannte das Werkchen nicht. Es ist Peter. Jordan's erster Druck. —
No. 133.
,,3lHerIe^ SJiadel t)ttb || SledCen an^ (Btwant, öammat^,
Öeyfeen, (Dfil&inen |1 ftftcfen, Eleybern ic. su bringen,
l£0 feycn Öd^ntalQ || fle* en , 61 o&feer weyn fledCcn,
ofcfeer wie feie m^gen || Qtntnnt wer&en, X>rxb bae aUee
UyAitlid) on || fdjaben, mit waffern obfeer laugen, wie ||
ee bann inn fciffem »fid)leyn gelett || wirt, su poU
bringen* || jDasu aud) wie eynem yedClic&en ®ewant
feyn t)er:!||lorne färb wi&öer 5ubringen fey, jDeßglcydjen
wie II man garn vn leynwat^ aucfe bolö vnb beyn, ||
mandjerley färben, ferben fat || (BetrudCt 5U Uleinö bey
Peter3or5anim|| merßen öee m. JD. 36383611. 3ar6."
Klein Quart.
Der erste ,^Pleckenreiniger" ; ein interessantes Schriftchen von nur 6 Blattern
Inhalt, das Schaab ebenfalls nicht gekannt und nicht verzeichnet hat. —
No. 134.
,,93tblia, beiber || SlUt önnb 9letpen Xefta || menten, fleiffig,
treülld) vn (Cbriflljlid), nad) alter^ inn (tbriftlidjer ||
Eircben gebabter Iranfiation, mit aujisj|legttng etlicher
feundCeler ort, vnnb be(fej5||rung mler »erriidCter wort
vnb f|?rft<fe/ II fo biß anbere inn anbttnn furß auß^lj
gangnen tbeutfcben Bibeln gesUfpftrt vnb gefe^en ||
2)urd^ 2). SoI)att S)ieten||berger, new tjeröeutfcbt* (Bott
5« II ewiger ebre, x>nn6 wolfartb feiner || ^eiligen C^rifls
lid)en || Äircben ♦ ♦ ♦"
Mainz 5 Peter Jordan, 1534* Folio -Format.
Eine deutsche Bibel speziell fQr Katholiken. Der Uebersetzer ist der Domini-
kaner IHetenherger , welcher in der Dedication an den Markgrafen Albrecht von
— Mainz.' — 69
Brandenburg , im Vorworte an den Leser , sowie auch in den dem Texte hinsuge-
fagten „Adnotationes" seine Pfeile gegen Luther und dessen Bibelübersetzung richtet
und auch dem hebräischen Originaltexte keine Gnade angedeihen lasst.
Für die Ueberselasnng des alten Testamentes ist der Text der „Vulgata", für das
neue Testament die Emser^ache Uebersetzung , deren beide Ausgaben, Dresden 1587
und 1529, ebenfalls in imserer Sammlung vertreten sind, zu Grunde gelegt; vielleicht
haben auch die Bmser'schen giftigen Ausfalle gegen Luther unserem Dietenberger
als Vorlage gedient.
Bei alledem hat aber der eifrige Dominikaner sehr viel von Luther selbst
profitirt, dessen kraftvolles Deutsch man, trotz aller Anfeindung die ilmi sonst
wider£Uirt, höchst auffallend im Texte dieser katholischen Bibel wiederfindet Die
Ausgabe enthält 8 unniunerirte und 578 numerirte Blätter mit 107 Holzschnitten,
welche von Anton von Worms herrühren.
Auf der Rückseite des letzten numerirten Blattes 578 findet sich in einer Holz-
schnlttbordüre die Schrift: „(Scbturft tUtl bct Slfe Ibifd^offUd^Cltlt @tobt SKcinfe,
be^ $etcr i| 3ot*öati, 3nti :Koften vtiö verleduticT/ öeö iBrÖamen || vxixxh
9(c^tbaren fetten Peter (lXentelö,»ttr| der tJti&»Mc^trtttft;er3tttft^tten . ."
Drucker und Verleger sind hier also zwei verschiedene Personen. —
No. 135.
„Petrus Jordan Lectori S. D.
EN TIBI NraC ITEEYM CMDIDE LECTOR || COELESTIVM RBRVM
DISCIPLINAE, ATQVE TOTIYS SPHAERICAE
peritiflimi, Johannis Stoeflerini Juftingenfis, uiri Germäni,
uariorum Aftrolabi-||orum compofitonem feu fabricam . . .**
Mailiz^ Peter Jordan^ 1585. Folio- Format.
Von Peter Jordan selbst besorgte Aiisgabe des astronomischen Werkes von Jo-
hannes Stoeffler, welches zuerst 1513 Koebel in Oppenheim druckte. Von letzterem
sind auch die in dieser Ausgabe vorkommenden Liitialen des mit vielen astrono-
mischen Figuren und Tabellen ausgestatteten Werkes. —
/ran? IBeljem
ober »5bmc, CKVi^ Ulcißen gebürtig, 6cr tJierse^nte
ttlainscr lypograi)^, 1540 bie 1558,
ist als derjenige Drucker bekannt, bei welchem Arnold von JBergel oder
BergeUanus als Corrector tbatig war, und das nachfolgende berühmte lateinische
Lobgedicht cmf (He Erfindwng der Buchc^ckerkimst verfasste. Böhme druckte
zuerst in den Räumen des Klosters St. Victor bei Mainz, dann zuletzt „lim Maul-
havm\ wie mehrere seiner Drucke besagen. —
70 — Mainz. —
No. 136.
„DE CHALCO-IIGRAPHIiE INTENTIO-||NE POEMA ENCOMIA-||STICVM,||
JOANNE ARNOLDO || BERGELLANO AVTORE."
Mainz^ Franciscus Behem, 1541* Klein Quart
Ein schönes Exemplar des historisch überaus wichtigen Lohgedichtes in lateini-
schen Distichen auf die Erfindung der Buchdruckerkunst dttreh J'ohann Guten-
berffm Das Bändchen enthält 12 Blätter und war bei seiner Seltenheit selbst Schaab
nicht bekannt Da es genau 100 Jahre nach Gutenbergs ersten typographischen
Versuchen in Strassburg von einem Kunstgenossen in Mainz verfasst wurde, kann
man es wohl als Jubiläumsschrift betrachten.
Das Titelblatt enthält eine Buchdruckpresse nebst Setzerkasten, in Holzschnitt
dai^estellt — ein im Ganzen höchst interessantes Schriftchen, dem wir eine mög-
lichst genau deutsche üebersetzung angefügt haben. —
No. 137.
„COMMENTARIAIIJOANNIS COCHLAEI, DE ACTIS || ET SCRIPTIS
♦ MARTINI LYTHERI SAXONIS,
Chronographice, Ex ordine ab Anno Domini M.D.XVn. ||
ufq3 ad Annum M. D. HjVI. Inclufiue, fideliter confcripta ||
. , . Apud S. Victorem prope Moguntiam, ex officina ||
Francifci Behem Typographi. || M. D. XLIX."
Folio-Format.
Ein „Commentar zu Luthers Handlungen und Schriften", der ein beredtes Zeug-
niss giebt von der heftigen Gegnerschaft zwischen dem berühmten Gelehrten Goch-
laeus nnd dem Reformator Dr. Martin Luther. —
feer fftnf5e|?nte Ulainscr lypograpt? 1594 hie 1622.
No. 138.
„S)ret) Sc^))3ontfd^e ©d^reiben. || ®ag erft. || SBa^ tnaffen
26. ®eift-i|Itc|e ünb aBeltlic^e ^ßerfonen, ömb || ©^riftt
toiüen, am ©teufe grtöbt. || S)aS anber. |1 Snnl)att ctlid^er
Söunber t)nb fd^red^;jltd^en fürgelaufenen Qdä)en. \\ S)a§
britt II 3al)rf(]^retben, m^ bie ©octetet Sefu im 96. ^a^x
in befe || §@gi3i(SSR SBeinberg aufegerid^t. || %n ben ©. 5p.
(Slaubium Slquaninam, ©ocietet || Sefu ©eneratn, burd^
Subouicum ^toiS aujs || ^a)p)pon getl^on. || ?IuJ3 1| Stalieni-
— Mainz. —
71
[d^er, in bk ^od^teutfd^e || ©praad) überfe^t. || ®etrudt ju
2RctTt^, Bet| Sol^an 3llbtn. || M. D. XCIX."
Klein Quart.
Das ganze Buch ist in Fractar gedruckt. Johann Albin ist deijenlge Typo-
graph, in dessen Druckerei der gelehrte Jesuit Nicolaus Serraritts noch um das
Jahr 1600 ttUe gesehniiafte Molzlypen gesehen hat, wie er selbst in ^Reruni
Mogunh'acarwn Ubri V, Ingolstadt IfiOi** berichtet.
Diese Holehuchstahen sollten noch von €h*tenherg*s Zeit herstammen, und Jedem
in Mainz ansgelernten Jungen Typographen als Wahrzeichen oder zu seiner Legiti-
mation mit auf die Reise gegeben worden sein. Dass man ursprünglich mit Holz-
buchstaben gedruckt habe, ist wohl ausser Zweifel gestellt, wenn es sich auch nur
um die ersten rohen Versuche handelte, denen die gegosseneri Typen auf dem Pusse
folgten.
Herr Professor Faulmann in Wien giebt auf Seite 40 seiner „Geschichte der,
Buchdruckerknnst" 188S eine ganz respectable Bruckprobe mit aus Holz geschniteten
Typen und sucht damit eine andere Autorität zu widerlegen, die Alles, was von Je-
her über die Möglichkeit von Wolztypen geschrieben worden, einfach für — Unsinn
erklärt. Probiren geht über Studiren, und wir haben uns daher durch Versuche
selbst mit noch "kleineren Typen,' von der Ausführbarkeit recht wohl überzeugt. —
No. 139.
^^Drbnung bejs ^ettiltd^en ®erid^t§ || ®er Slömijd^en || Sat=
ferltd^en SRa^eftat 1| ©aroli be^ S^nfften, . . . Sn bcr
©j^utfürftltd^en ©tatt 3Äe^n|, burd^ SotiannSlIbtn, ||3m
3a^r e^rifti M. DC. XV.''
Folio-Format.
Eine neue Auflage der berüchtigten „Carolina", ganz in gewohnlicher Fraktur
gedruckt. —
No. 140.
))%antu0 (irrgoriano |Uo0ttntinu0 IStmiario romano accom-
mobatuö/^
Zwei riesige Bände in Folio maximo. MainZy Christoph Küchler, 1666*
Wir fähren diesen späten Mainzer Druck, den ersten Küchler' s, nur noch auf
wegen seiner grossariigen Ausstattung und seiner enormen Seltenheit, denn man
wird in den öffentlichen Bibliotheken Europas nicht so leicht ein Exemplar vor-
finden. In der That ist es das grossartigste Chorbuch des siebzelmten Jahrhunderts,
in zwei riesigen Foliobänden, mit eigens dazu gegossenen grossen Choral-l^pen
und Mus^oten gedruckt
Das Prachtwerk wurde nämlich mit einem enormen Kostenaufwande und nur
in wenigen Exemplaren für die reiche Benedictiner- Abtei Bursfeld hergestellt, für
welche J« audi das nur noch in drei Exemplaren bekannte Mamtier PsalUrium von
1516, unter Nr. 70 unserer Sammlung 1 eben&Us nur in kleiner Auflage gedruckt
worden war<
72
— Mainz. —
Durch solche F&lle erklart sich die heutige Seltenheit derartiger Druckdenk-
m&ler. Das prächtige Werk ist rotb und schwars gedruckt; die z'wei Biesenfblianten
theilen sich in Pars liiemalis und Pars aestiralis.
Die Original-Einbände sind von sollstarken Eichenbretem, mit hellem Schweins-
leder übersogen und eben so schon wie reich gepresst, mit Messingbukeln und
starken Schliessen. Das Exemplar scheint kaum in Gebrauch gewesen eu sein, denn
es ist in Allem wie neu erhalten. —
Der Drucker dieses Prachtwerkes war eigentlich in der Reihe der Firmen der
vierundzwatutigHe von Maine. Wir haben mehre seiner Collegen übersprungen,
da von ihnen typographisch interessante Werke nicht vorliegen. Nach Johann Albm,
den wir vorhin auf Seite 70 als den fünfzehnten Mainzer Drucker Yei;peiehneten,
folgten cunichst 16) dessen JB!rben, unter welchen das Geschäft fortexistirte bis
zur Occupation von Mainz durch die Schweden 1631.
Diesen folgen nun: 17) Balthasar Lippius um 1599. — 18) Johann Volxnar
um 1615. — 19) Anton Strohecker 1622. — 20) Hermann Meresius 1624. —
'21) Nicolaus fleyl 1649. — 92) Johann Peter Zubrodt 1676. — 23) Hieronymus
Bmser 1667. —
Küchler, der 24) druckte übrigens von 1666 bis 1691, wo er sein Geschäft den
Jesuiten abtraL Ihm folgten im siebzehnten Jahrhunderte noch Johann Baptist
Schönwetter 1670, und Johannes Meyer 1698. Damit schliessen wir die Reihe der
Mainzer Typographen 260 Jahre nach Gutenberg's Erfindung ab. —
A(s £rgän5ungs-£tteratur 5U Main^
wollen wir hier noch kurz anfuhren die in unserer Sammlung be-
findliche reiche Auswahl von älteren und neuesten Studien -TVerken
sowohl über Mainz selbst, wie über die Erfindung und Ausbreitung
der Buchdruckerkunst und über die wichtigsten Mainzer Druck-
werke; sodann Albums, Säcular Schriften und dergleichen, soweit
sie sich eingehender mit Gutenberg's Erfindung oder ihren Re-
sultaten beschäftigen.
Wir fuhren alle diese Schriften, in denen man auch über unsere
reiche Sammlung von alten Mainzer Drucken mit wenig Ausnahmen
SpecieÜeres nachlesen kann, ohne Rücksicht auf die Druckjahre
rein aiph€llhetisch hier auf. —
1. „Album typographique et La vie de Gutenberg." Paris 1840.
Festschrift mit Druckproben von eigens dazu gegossenen
Typen. —
2. „Als das dritte Jubeljahr der Buchdruckerkunst gekommen.**
Frankfurt a. d. Oder, zum Jubiläum 1840. — .
3. «Gepriesenes Andenken von Erfindung der Buchdruckerey.**
Leipzig, zum Jubiläum 1740. —
4. Bechstein: „Deutsches Museum." Jena 1842. —
— Mainz. ~
73
5. BemHart: „Meine Ansicht von der Geschichte der Entstehung,
Ausbildung und Verbreitung der Buchdrucker kunst." München
1807. —
6. Blancken: „Bildnisse berühmter Künstler, Buchhändler, Buch-
drucker und anderer Männer. Nürnberg." 1725. —
7. Bockenheim er: ,,Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz.^
Mainz 1874. —
8. Braun: „Notitia historica-literaria.^^ Augsburg 1788 — 1789.
Mit zahlreichen Schriftproben. —
9. Breitkopf: „Ueber die Geschichte der Erfindung der Buch-
druckerkunst." Leipzig 1779. —
10. „Bresslauisches Jubelgedächtniss der vor dreyhundert Jahren
erfundenen Buchdruckerkunst." Breslau 1740. —
11. Butsch: „Die Bücher-Ornamente der Renaissance." Mit 100
Tafeln, Leipzig 1878. —
12. Catalog der Incunabeln in der Universitäts-Bibliothek zu Greifs-
wald. 18 71. — ^
13. Delprat: „Die Brüderschaft des gemeinsamen Lebens." Deutsch
von Mehnicke. Leipzig 1840. —
14. Dibdin's „Tour in France and Germany." London 1829. —
15. Falkenstein: „Geschichte der Buchdruckerkunst." Leipzig, zum
Jubiläum 1840. —
16. Faulmann: „Illustrirte Geschichte der Buchdruckerkunst." Wien
1882. —
17. Fischer : „Geschichte der Buchdruckerkunst." Nürnberg 1801. —
18. Fischer: „Essai sur les monuments typographiques de Jean
Gutenberg,^^ Mainz 1802. —
19. Fischer: ,^schreibung typographischer Seltenheiten." Nürn-
berg 1804. —
20. Fritsch: „Geschichte der Buchdruckerkunst." Nordhausen, zum
Jubiläum 1840. —
21. Fuchs: „Geschichte von Mainz J-^ Mainz 1771. —
22. „Gedenkbuch an die festlichen Tage der Inauguration des
Crntenberg-Denkmals." Mainz 1837. —
23. „Gedenkbuch zur vierten Jubelfeier der Erfindung der Buch-
druckerkunst." Frankfurt a. Main 1840. —
24« »Gedenkbuch des in Mainz im Jahr 1840 gefeierten vierten
Buchdrucker- Jubilaei." Mainz 1840. —
25. Gesner: „Verzeichniss der vor 1500 gedruckten auf der öffent-
lichen Bibliothek zu Lübeck befindlichen Schriften." Heraus-
gegeben von Suhl. Lübeck 1782. —
26. Grotefend: „Geschichte der Buchdruckerei." Festschrift I840. —
74 — Mainz. —
27. Gutenberg -Album, Braunschweig, H. Meyer, zum Jubiläum
1840. —
28. Gutenberg-Album. Festschrift, Ulm 1840. —
29. „Jean Gutenberg n6 en 1412 ä KuttenJ^evg en Boheme."
Bruxelles 1847.
NB. Hiemaoh ist die Buchdruckerkunst in Stockböhmen erfunden! —
30. Harless: „Die Literatur der ersten hundert Jahre nach der Er-
findung der Typographie." Leipzig 1840. —
31. Heibig: „Une d^couverte pour Thistoire de Timprimerie."
Bruxelles 1855.
NB. Auf Seite 56 ausfuhrlicher erwähnt.
32. Heinecken: „Nachrichten von Künstlern und Kunstsachen."
Leipzig 1768 — 1769. —
33. Katalog frühester Erzeugnisse der Druckerkunst der T. O.
Weigel'schen Sammlung. Leipzig 1872. —
34. Klein: „Sur Gutenberg et le fragment de sa presse, trouv6
dans la maison oü 11 a etabli sa premi^re imprimerie."
Mainz 1856. —
35. Klein: ^^Ueber Gutenberg, den Erfinder der Buchdruckerkunst,
und das im ersten Druckhause aufgefundene Fragment der
ersten Druckerpresse,^^ Mainz 1857.
NB. Sowohl in dieser wie in der vorhergehenden fratuösischen Ausgabe von Pro-
fessor Kleines authentischen Nachrichten iiber die Aufßndtmg von Outenherg's erster
JBuchdruehpresse im ehemaligen Druckhause, dem „Hof zum Jungen*^ in Mainz,
ist der Haupttheil der Presse, nanüich der obere Querbalken mit der Inschrift
,^. MCBSJLI. fb.^ von dem unachtsamen Zeichner dergestalt abgebildet worden» dass
Jene Inschrift in der schönsten modernen CurHvachrifl erscheint, die allerdings
erst von Aldus Manutius fiinMg Jahre später erfunden sein soll.
Der Zeichner hatte sidi Jedenfalls bei seiner Arb^t nicj^tß weiter gedacht ; seine
in ganz anderem Ductus wiedergegebene Inschrift ist aber dJiB Yeranlassung ge-
worden, dass diese alte Presse von einem hervorragenden Bibliographen der Neuzeit
als Fälschung bezeichnet und lächerlich gemacht worden ist. Die Presse selbst ent-
halt aber keine Idee von Cursivschrift, weder im Monogramm Qutenberg's noch in
der Jahrzahl 1441.
Derselbe Schnitzer des Zeichners wiederholt sich auch in dem kostbaren Kulan(i'scl).en
y,Gutenberg-Albwn^, Mainz 1868, das wir weiterhin (53) anfuhren. Darin hat man
den Haupttheil der Presse einfach nach Jener unrichtigen 2teichnimg in vergrossertem
Maassstabe photographirt, trotzdem sich damals die Presse selbst noch in Mainz )»e-
fand, die wir vom früheren Besitzer des ehemaligen Gutenberg^scben pruckhauses
erst später käuflich an uns brachten. —
36. Koehler: „Hochverdiente und aus bewährten Urkunden wohl-
beglaubte Ehrenrettung Johann GuUnberg" s,** Leipzig
1741. —
37. Külb: „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst"
Mainz 1837.
r
— Mainz. — 75
38. Lange: ,,Peter Schoeffer der Buclidracker und Buchhändler.^^
Leipzig 1864.
NB. Enthalt auch die wichtigen Actenstäeke, wonach Schöffer einem Lübecker
Buchhändler 200 Exempl&re von JustmiarCs Decretalen 1478 zum Verkauf über-
geben, aber nichts dafür erhalten hat —
39. Lehne: „Diverse Geschichten über die Erfindung der Buch-
druckerkunst" Mainz 1823. —
40. Lessem: „Kurzgefasste Historie der Buchdruckerei" Leipzig,
zum Jubiläum 1740. —
41. Lichtenberger: „Erfindung der Buchdruckerkunst." Strassburg
1825. —
42. Von der linde: „Gutenberg. Geschichte und Erdichtung."
Stuttgart 1878. — .
43. Lorck: „Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst."
Leipzig 1882. —
44. V. Maasslieb: „Peter SchoefFer und die Erfindung der Buch-
druckerkunst." Neu-Ruppin 1880. —
45. Meermann: „Origines typographicae." Haag 1765. —
46. Mettaire: „Annales Typographici." Haag 1719. —
47. Müller: „Beschreibung des Festes dem Andenken des Erfinders
der Buchdruckerkunst Johann Gensfleisch zum Gutenberg
gefeiert." Mainz 1824. —
48. Nagler: Monogrammisten. 5 Bände. München 1858 — 1879. —
49. Oberlin: „Essai d'annales de la vie de Jean Gutenberg."
Strassburg 1801. —
50. Panzer: Katalog seiner Privat-Bibliothek. Nürnberg 1806 bis
1807. —
51. Petzold, Dr.: ,,Bibliotheca bibliographica." Leipzig 1866. —
52. Reichhart: „Die Druckorte des XV. Jahrhunderts und die Er-
zeugnisse ihrer erstjährigen typographischen Wirksamkeit."
Augsburg 1853. —
53- Ruland: Gutenberg- Album. Mainz 1868.
NB. Hit kostbaren blattgrossen Photographien Gutenberg'scher Drucke, denk-
würdiger GebSnde etc., nur in ganz kleiner Auflage hergestellt. —
54. Schaab: „Randglossen zu Gutenberg." Mainz 1836. —
55- Schaab : „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch
Johann Gensfleisch, genannt Gntenberg." Mainz 1831. —
56. Scheltema: „Bericht und Beurtheilung des Werkes von Schaab."
Amsterdam 1833. "
57- Schmidt -Weissenfeis: „Zwölf Buchdrucker." Stuttgart, ohne
Jahr (1800). —
58. Schneider: „Mittelalterliche Ordensbauten in Mainz," Mainz
1879. —
n(y — Mainz. —
59. Schoenemann : „Hundert Merkwürdigkeiten der Herzoglichen
Bibliothek zu Wolffenbüttel,*' Hannover 1849. —
60. SchÖpflin: „Vindiciae typographicae." Strassburg 1760, —
61. Schulz: „Grutenberg." Festschrift, Leipzig 1840. —
62. Schwabe: „Erfindung der Buchdruckerkunst. ^^ Festschrift, Leipzig
1840. —
63. Sotzmann : „Gutenberg und seine Mitbewerber." Leipzig 1837. —
64. Stoeger: „Zwei älteste Druckdenkmäler." München 1833. —
65. „Thüringisch -Erfurter Gedenkbuch der vierten Säcularfeier der
Erfindung der Buchdruckerkunst." Erfurt 1840. —
66. „Verzeichniss typographischer Denkmäler aus dem fünfzehnten
Jahrhundert, welche sich in der Bibliothek des regulirten
Korherrenstiftes zu Neusttft in Tyrol befinden." Brixen
1789. Mit zahlreichen Schriftproben. —
67. „Verzeichniss der Incunabeln, ausgestellt bei den' Guteriberg^
Jubiläen zu Frankfurt a, Main und zu Leipzig" 1840. —
68. Walther : „Beiträge zur näheren Kenntniss der GrossherzogUchen
Bibliothek zu Darmstadt." Darmstadt 1867. —
69. Wetter: „Kritische Geschichte der Erfindung der Buchdrucker-
kunst durch Johann Gutenberg zu Mainz." Mainz 1836. —
70. Wetter: „Facsimiles der Schriftarten besonders werthvoller und
seltener Druckwerke zu seiner Geschichte der Erfindung der
Buchdruckerkunst." Mainz 1836. —
71. Wetter: „Beantwortung der Frage: In welchem Jahre ist die
Buchdruckerkunst erfunden worden?" Mainz 1837. —
72. Wolf: „Monumenta Typographica." Festschrift, Hamburg 1740. —
73. Würdtwein: „Bibliotheca Moguntina.** Augsburg 1789. —
74. Zapf: „Annales t3rpographicae." Augsburg 1778. —
75. Zapf: ^Aelteste Buchdruckergeschichte von Mainz/* Ulm 1790. —
Weitere Materialien liefern die grossen allgemeinen Biblio^
graphien von Baumgärtner, Brunet, de Bure, Ebert, Götze,
Graesse, Hain, Hamberger, Helmschrodt, Panzer, van Praet,
la Vaüih'e und Anderen, die sich ebenfalls in unserem Museum
befinden.
— Bamberg. —
77
28amßerg
— Bamberga, Pabeberga, auch Pavonis mons. —
6cr crflc »ambergcr ZyipoQxaip\) um 1453 ble 1462,
t>or^cr al6 Soxnxfd^ntibtx nnb i^olitaftU^xnditx.
Pfister ist derjenige Typograph, über den vor allen anderen
fort und fort die meisten und verschiedenartigsten Conjecturen unter
den Herren Gelehrten entstanden sind. Mit der edelsten Beharr-
lichkeit sucht ihm seine Heimathstadt Bamberg den dritten Platz
als Mitbewerber um die Ehre der grossen Erfindung zu erkämpfen
und zu erhalten; zurück schleudern ihn die Streiter für Mainz,
ihm auch das kleinere Verdienst nicht gönnend, was Gutenberg' s
Grösse ihm gern und willig lassen dürfte!
Aber zu wenig Tkatsächliches ist bisher bei den combinirtesten
Tüfteleien gefordert worden; die widersprechendsten Conjecturen
mussten im Streite der Meinungen ihre Dienste leisten. Seinem
Systeme zu Liebe lässt hier ein Gelehrter den Albrecht Pfister von
Johann Gutenberg die Typen der SßzeUigen Bibel käuflich er-
werben; bei einem anderen hat er sie einfach mitgenommen, we-
nigstens ein Alphabet zum Zwecke der Vervielfältigung, und ein
dritter sagt, er habe sie gestohlen!
Der eine grosse Gelehrte behauptet, die Typen der ßözeiligen
Bibel seien schon in Mainz von dem geschickten Formschneider
Pfister in Holz geschnitzt, aber für Gutenberg, der sich natürlich
mit der Schnitzelei nicht habe befassen können, und so habe auch
Pfister mit Gutenberg gemeinsam die Ablassbriefe von 1454 und die
„Mahnung der Christenheit wider die Türken*' von 1455 gedruckt!
Da man nun aber nicht so viele Holzbuchstaben habe schneiden
können, um die 36zeilige Bibel damit zu drucken, so seien wahr-
scheinlich nur die ersten Versuche mit Holzbuchstaben in Guten-
berg's Besitz geblieben, die darnach gegossenen Typen habe
Pfister bekommen und damit bis 1462 in Bamberg gedruckt.
Den Nachweis geschnitzter Typen für die 36zeilige Bibel sucht
man in der aufTälligen Verschiedenheit oft eines und desselben
Buchstabens, selbst im Alphabete der Minuskeln, zum Beispiel des
m, das bald oben, bald unten mehr zusammenhängt, und des 0,
dessen innerer Raum bald grösser, bald kleiner ist* Obgleich nun
dieser Umstand leicht auch dadurch zu erklären wäre, dass man —
Tim mehre gleiche Buchstaben auf einmal giessen zu können —
78 — Bamberg. —
auch mehr als eine Matrize oder Gussform herstellte, und dass
schon diese Formen nicht ganz gleichmässig ausfallen konnten, so
findet sich doch ein noch grösserer Gelehrter, der auf Grund tech-
nischer Gutachten haarklein die pure Unmöglichkeit beweist, dass
man mit hölzernen Buchstaben Oberhaupt drucken könne!
Wie traurig es in Bezug auf die Geschichte der Buchdrucker-
kunst noch heute bestellt ist, weil seit Decennien meist Einer dem
Andern nachschreibt, ohne selbst zu untersuchen, davon kann man
sich aus den Widersprüchen überzeugen, wenn man ein Dutzend
derartiger Geschichtswerke aufschlägt und vergleicht«
Die französische, englische und hoUändische Literatur dürfen
wir hierbei zum guten Theile gar nicht in Betracht ziehen, sonst
bleibt uns am Ende nichts übrig, als schnurstracks sich wider-
sprechende leere Behauptungen, und man weiss schliesslich nicht,
hat Coster oder Mentelin die Kunst erfunden, wars der Gutenberg
von Mainz oder der von Kuttenher g in Böhmen, von dem uns ja
ebenfalls haarklein berichtet wird!
Wo es möglich ist, oft so ganz verschiedenartige Schlüsse ohne
die geringste Beurkundung in die Welt zu schleudern, da hat die
Forschung aufgehört und der wissenschaftliche Klatsch fängt an.
Man wird uns aber nicht verargen, wenn wir uns die Resultate
solcher Forschung hier nicht zu Nutze machen, sondern uns auf
die Benutzung des Thatsächlichen beschränken.
Thatsache ist aber, dass zuerst im „Buch der vier Historien"
von 14:62, mit den Typen der 36zeUigen Bibel gedruckt,
Albrecht JPftster sich als Drucker ausdrücklich genannt hat;
Thatsache ist auch, dass die Typen dieses Druckes genau denen
anderer Druckwerke entsprechen, welche schon frikhev entstanden
sind, und hiernach würden wir vom Jahre 1454 ab folgende Ar-
beiten dem Albrecht Pfister zuzuschreiben haben:
Die Ablassbriefe von 14:54: und 1450, welche in einzelnen
Zeilen bereits Typen aufweisen, die in Form und Grrösse denen der
l6zeüigen Bibel entsprechen, die ^^JUanug b* mflel)eit wibb* 5ie bttth?*
von 1455, den Kalender mit der Jahrzahl 1457, ^^ lateinische
Tfizeilige "Bibel von circa 1457 bis 1460, ,^oner*s Edelstein oder
Fabelbuch" mit gedruckter Jahrzahl 1461, „Die sieben Freuden
Maria" um 1461, die „Leidensgeschichte Jesu" desgleichen^ das
„Buch der vier Historien" 1462, mit Pfister^s I}rucf^rma
und tfaihrzahl, die „Armenbibel", lateinisch und deutsch, um
1462, „Rechtsstreit des Menschen mit dem . Tode" in zwei Aus-
gaben, und den „Belial oder der Trost der Sünder", beide um
dieselbe Zeit, der Belial vielleicht auch früher.
— Bamberg. — yg
Albrecht Pfister war ein geschickter Formschneider, dem man
sogar die Urheberschaft für die frühesten Holztafeldrucke „Ars mo-
riendi" und „Ars memorandi'* zuschreiben will, und als solcher war
er der erste Typograph, welcher seine späteren Drucke mit
Abhiid/Utigefl zu schmücken begann.
"Difi Ablassbriefe von 1454 und 1455, welche in ihrer kleinen Text-
Schrift von den grossen Typen der obigen Druckwerke gänzlich ab-
weichen, und nur einzelne Zeilen der grosseren Pfister'schen Type auf-
weisen, sind von mehreren Gelehrten für Holztafeldriicke erklärt wor-
den, was wir indess nach genauester Untersuchung, wie wir es weiterhin
näher darthun werden, entschieden in Abrede stellen müssen. Wären
die Ablassbriefe Holztafeldruck, dann wäre ja auf einmal der fünf zig'
jährige Gelehrtenkrieg dahin entschieden, dass nicht Gutenberg,
sondern Albrecht Pfister auch die berühmte SßzeUige ßibel ge-
druckt habe^ wie wir es als sicher annehmen möchten, denn nur auf
jene Ablassbriefe stützt man sich bei ^ex gegentheiligen Behauptung.
So lange nun aber die Gelehrten unter sich selbst ganz und gar
uneinig sind, selbst, über die muthmassliche Zeit des Erschei-
nens der ^6zeili§en Bibel, und so lange dieses Bibelwerk von
ebensoviel gelehrten Forschern dem Albrecht Pfister in Bamberg
zugeschrieben wird, während die Anderen für Johann Gutenberg
stimmen, so lange erlauben wir uns, dieses ehrwürdige Druckwerk
demjenigen Drucker zu lassen, der nachweissiich und auch von
allen Parteien unbestritten eine ganze Reihe €Mlclerer Werke
mit denselben Typen in Bamberg gedruckt hat!
So behauptet der gelehrte Verfasser der „Hundert Merkwürdig-
keiten der Herzoglichen Bibliothek zu WolfFenbüttel" auf Seite 64,
die 36zeilige Bibel sei von Gutenberg in den Jahren 14:ö7 bis
14:09 in Mainz gedruckt, also nach Gutenberg's Trennung von
Fust und SchöflFer; Andere lassen den Erfinder während dieser Zeit
nach Strassburg gehen, obwohl er schon 1460 sein umföngliches
Catholicon mit ganz neuen Typen in Mainz erscheinen Hess!
Femer tischt uns derselbe gelehrte Autor auf Seite 65 die alte
Fabel auf, dass in den HewmanrC sehen Drucken von 1509 ebenfalls
die Typen der ^bzeiligen Bibel enthalten seien, und auf Seite 67
erfahren wir ohne jede thatsächliche Unterlage, Albrecht Pfister
habe nach der Trennung Gutenberg's von Fust und SchöfFer „eine
kleine Anzahl der schon zum Bibeldruck gebrauchten Buchstaben
entweder gegen Zahlung oder als Abfindung erhalten**, womit
er die in Mainz erlernte Kunst in Bamberg ausübte 1
Hiemach müsste also Pfister jene „kleine Anzahl'* von Typen doch
erst vervielfältigt haben, um ganze Bücher zu drucken; gleichwohl
8o — Bamberg. —
verneint dies jener gelehrte Autor, denn er sagt nocli in dem-
selben Satze, dass die Typen, womit Pfister gedruckt, „keineswegs
nachgeschnitten, sondern wirklich schon gebratlchP^ gewesen
seien, was man an seinen Drucken erkennen will!
Andere Gelehrte sind derselben Meinung, ja sie finden die Typen
schon ,,so sehr abgenützt", dass Gutenberg unbedingt vorher die
36zeilige Bibel damit gedruckt haben müsse! Als ob die Typen,
die jedenfalls noch nicht vom besten Materiale waren, sich nicht
auch dann abgenützt haben könnten, wenn Pfister selbst jene Bibel
damit gedruckt hätte! Jedenfalls verstand doch nicht Gutenberg
allein die Kunst, Typen abzunützen!
Wieder andere Forscher stützen ihre Behauptungen auf die be-
kannten Nachrichten in der niederdeutschen .Cölner Chrenih
von 1499*), wo gesagt ist, dass Gutenberg schon 14:50 eine la-
teinische Bibel gedruckt habe ^^mtt txßxt groütr fdjrifft, ttfl i0 bte
fd)rlft, bae man mi Ji^trilfeboldjcr mit brückt^* Diese „grobe Schrift"
soll nun mit aller Gewalt gerade diejenige der 3ßzeüigen Bibel
gewesen sein, und folglich muss sie Gutenberg gedruckt haben!
Andere verstehen aber mit gleichem Rechte hierunter Guten-
berg's Typen der 4:2zeUigen Bibel, die 1455 beendet wurde, deren
Vorarbeiten aber sicher schon um 1450 begonnen haben, und deren
Typen ebenfalls völlig gross genug sind, um zu denjenigen zu
zählen, womit man nach der Cölner Chronik um 1499 „Messbücher
druckte**, denn um diese Zeit hielt man schon lange nicht mehr
jene ganz grossen Choral-Typen fiir nöthig, wie wir sie in den
frühesten Chorbüchern und Psalterien finden.
Einen ferneren Beweis, dass nicht Pfister, sondern Gutenherg-
die ^ßzeilige Bibel gedruckt habe, will man mit aller Gewissheit
in den beiden 27zeiligen Donat^Fragmenten erblicken, welche
Bodmann im ersten Decennium dieses Jahrhunderts in Heider sheim
bei Mainz als Umschläge alter Rechnungen von 14:01 und 1402
entdeckte, wie Schaab in Band I, Seite 193 und 194 berichtet, und
wie nach ihm bei fast allen Bibliographen zu lesen ist.
Auf das eine dieser beiden Donatblätter ist von älter Hand
einfach der Ortsname ^fSEeydersheym** geschrieben; auf dem
zweiten steht: „Vffgerichter vertrag wegen der aigen guetter zu
Heydersheym 1492.'*
Beide Aufschriften beziehen sich aber nut* auf das betreffende
Actenstückf dem die Donatfragmente als Umschlag dienten.
*) Man vergleiche diese Nachrichten im Originale selbst auf Blatt 3x2 der
in unserer Sammlung unter „Cölff' befindlichen imd auch weiter unten näher
beschriebenen Chronik. —
— Bamberg. — 8l
und welcher Letztere ebensogut weit spüter hinzugefügt sein
kann. Die Heidersheimer Acten beweisen also für das Alter
des Umschlages^ also der Donatfragmente, gar nichts; diese
können sogar sehr wahrscheinlich beim Ordnen der Acten erst 14:92
angeheftet worden sein. Wenn man aber dem Alter der Acten eine
Bedeutung beimessen wollte, dann könnte man ebensogut behaupten
das eine Donatblatt sei 14 51, das andere aber erst 14:92 gedruckt
und an das Actenstück geheftet.
Diese Fragmente befinden sich übrigens in der Nationalbiblio-
thek zu Paris, wo man so überaus freundlich war, uns von dem
werthvollen Unicum eine haargenaue photographische Copie
anfertigen zu lassen, die wir noch weiter besprechen werden.
Die Geschichte des angeblichen ,,Donatus von 1451" beweist
übrigens, zu welchen Geschichtsfälschungen es nach und nach führen
moss, wenn ein Bibliograph dem andern unbesorgt nachschreibt,
ohne der Sache selbst auf den Grund zu gehen, und wobei sich
Mancher so geberdet, als wisse er es ganz genau und schüttele das
Alles nur so aus den Aermeln, daher kaum ein Widerspruch da-
gegen gewagt werden dürfe. Da gerade jener angeblich von
Gutenberg schon 14Ö1 gedruckte Donat als Grund dienen musste,
unserm Gutenberg auch die Sßzeilige Bibel zuzuschreiben, weil
ja 1451 noch kein zweiter Drucker existirt habe, so wollen wir dem
schon ziemlich alten Schwindel etwas näher zu Leibe gehen.
Als Bodmann unter dem ersten Napoleon seine Stellung als
Archivar in dem damaligen französischen Departement Donners-
berg, mit Mainz als Hauptstadt, dazu benützte, sich in Heiders-
heim, oder jetzt Hattenheim, jenen alten Acten- Umschlag, also die
Donat' Fragmente, anzueignen und nach Paris zu spediren, da hat
wohl kein Mensch behauptet, dass es sich um einen schon 14Ö1
gedruchten Donat handele, imd die sehr tüchtige und musterhafte
Verwaltung der Nationalbibliothek ist heute noch so unbefangen,
nicht von einem 1451 gedruckten Donat zu sprechen.
Das 1879 und 1882 herausgegebene Verzeichniss der ältesten
Druckdenkmäler in den Schaukästen der Nationalbibliothek führt
jenen Donat unter Nu. 37 einfach so auf: ^,Fragment de
LHmat» D^sign6 quelquefois sous la d^nomination de Donat de
1451, parce que les 2 feuillets qui constituent ce fragment couvraient
un livre de comptes de 1451.*^
Von einer Aufschrift f^Heydersheym 1451^' ist hier also
gar keine Rede; erst unsere gelehrten Bibliographen haben diese
Aufschrift, soweit es als Hauptsache die tfdhrzahl betriflft,
hinzugedichtet y um darauf ihre weiteren trügerischen Conjecturen
6
82 — Bamberg. —
zu bauen und Geschichte zu machen. Keiner aber hat sich das
Ding in Paris selbst angesehen, denn sonst hätten ihm von selbst
die Augen aufgehen müssen!
In Wahrheit liegt die Sache so: das eine anscheinend mit den
Typen der 36zeiligen Bibel gedruckte Blatt des fraglichen Donatus,
dessen Aufschrift die Jahrzahl 1492 mit enthält, kann hier wohl
ganz ausser Betracht bleiben, soweit es nicht als Beweisstück dient,
dass das Exemplar eines Donatus erst im Jahre 14:92 für Acten-
Umschläge Verwendung gefunden hat, denn die Donatblätter stammen
ja aus demselben Exemplare.
Das zweite Donatusblatt — und jetzt stehen wir vor der
Hauptsache — trägt überhaupt gar heitie Jahrzahl, sondern
nur oben am Rande das Wort „Heydersheym" in einer Handschrift,
4ie eher an den rheinischen Ductus des siebzehnten Jahrhunderts
als an die Zeit um 1451 erinnert! Wo bleibt nun aber der Be-
weis für einen schon 1451 gedruckten JDonat ? Nichts bleibt
davon übrig als die viele Makulatur, die bis auf die neueste Zeit
darüber gedruckt worden ist.
Wer nun zuerst die Jahrzahl 1451 dem Worte „Heyders-
heym" hinzugedichtet, und auf den angeblichen f^DonatUS voti
1451^^ als ,,erstes Mainzer Druck- Er zeugniss mit beweglichen
Typen*' seine ganze Geschichte der Buchdruckerkunst gebaut hat,
ohne das Donatfragment je gesehen zu haben, der möge sich mit
seinen Nachschreibern trösten. Wir können nur constatiren, dass
wir seiner Zeit bei unserm eingehenden Studium der typographischen
Cimelien in der Nationalbibliothek von jener Jahrzahl 1451 nichts
zu entdecken im Stande gewesen sind.
Und mit diesem erdichteten Capitalbeweise hat man bisher die
ßözeilige Bibel dem Pfister abgestritten, um sie für Mainz zu
bergen, trotzdem man selbst nicht recht weiss, in welche Jahre man
sie verlegen soll, denn dass ein so grossartiges „erstes Druckwerk
der Welt" nicht in einem Jahre fertig geworden sein könne, sagt sich
am Ende jeder Buchdruckerlehrling.
Nun soll aber trotzdem in den Jahren 1450 bis 1455 auch
die herrliche 42zeilige Bibel Gutenberg's entstanden sein, wie es
auch kaum wegzuleugnen ist, und so müsste der schwergeprüfte
Erfinder in seiner actenmässig nachgewiesenen unausgesetzten Geld-
noth mit den primitivsten Werkzeugen gleich in den ersten fünf
Jahren nicht blos ein Bibelwerk, sondern zum Ueberfluss gleich,
zwei so riesige Bibelwerke hergestellt haben, noch dazu mit zweierlei
sehr ähnlichen Typen, wenn diese auch in ihrem Hauptcharakter
keineswegs für eine und dieselbe ausführende Hand sprechen!
— Bamberg. — 83
Daneben soll er aber zM^moch viererlei Ablassbriefe, Kalender
und dergleichen gedruckt haben, als ob er ein paar Dutzend geübte
Schriftgiesser, Setzer und Drucker nur gleich so hätte von der
Strasse hereinrufen können, während Papier und Pergament von
selbst fuderweise ins Haus geflogen kamen. Der sorgenbelastete
Erfinder wird sicher Gott gedankt haben, als er 1455 das eine
grosse Bibelwerk beendet hatte, und wer ihm weit mehr als die
doppelte Leistung ansinnen wiU, der hat nicht die leiseste Idee da-
von, was es heute noch zu bedeuten haben würde, ohne unsere
jetzigen technischen Fortschritte und Hilfsmittel das Material zu
einem grossen Bibelwerke herzustellen, und es auf der primitivsten
Handpresse fehlerfrei zu drucken!
Die angebliche Jahrzahl 14:51 existirt also für uns flicht;
der betreffende Iknuitus kann recht wohl in den fünfziger Jahren
oder um 1460 von Pfister in Bamberg gedruckt und nach Heiders-
heim gekommen sein, sowie man ja in weit entfernteren Städten,
in Würzburg, Erfurt, Neuss und Lüneburg auch zur Verwendung
gekommene Ablassbriefe kennt, die von Gutenberg oder von Peter
SchöfFer mit Typen der ^^zeiligen Bibel gedruckt sind.
Aus allen diesen bis jetzt noch kaum zur Erörterung gekommenen
Gründen, denen noch so manche hinzugefügt werden könnten, haben
wir Me 36zeilige Bibel nicht unter Mainz aufgeführt; soweit
wir sie. leider nur erst in Fragmenten besitzen, möge sie bei
Ffister in Bamberg stehen bleiben, bis vielleicht doch einmal
ein glücklicher Zufall sichere Kunde bringt über ihren Entstehungsort.
Alles aber, was bis jetzt gegen Pfister vorgebracht wurde, be-
ruht auf Conjecturen und Hypothesen. Mit gleichem Rechte und
viel mehr Wahrscheinlichkeit kann man annehmen, dass der HolZ'
tafeldrucker Albrecht Pfister bereits dieses sein Geschäft betrieb,
als Gutenberg's grosse Erfindung in Mainz perfect wurde, und dass
Pfister hiervon auf irgend welchem Wege schon in den ersten
Jahren der Gutenberg'schen Thätigkeit so weit Kenntniss erhielt,
um ebenfalls bewegliche Typen herstellen zu können.
Dass es schon 143G gravirte Schriftstanzen auch in Nürnberg
gab, die sehr leicht auf die Idee der beweglichen Typen führen
konnten, dies haben wir schon auf Seite 5 unumstösslich nach-
gewiessen, und sehr wahrscheinlich benutzte man auch nicht blos
in Nürnberg derartige Metallbuchstaben zum Aufdrucken von /«-
Schriften, wie es ja noch heute unsere Buchbinder in ganz ähn-
licher Weise thun. — Wir haben hiermit unsere unmassgebliche
Meinung ausgesprochen; wer Beweise dagegen besitzt, der bringe
sie nur herbei! —
6*
Sa — Bamberg. —
No. 141 und 142.
^^3lhla^-??rief >f0 |9ap|tf 0 «icolau^ bea ^fünften jtt «tttipen
>f0 Don ien afirkm bebrängten lkM%$ jJoljannr» 11. uon
ffi^pern^ uerbreitrt burd) bcn dffanbtrn Ißmlxn Cl)appe.*^
In zwei Varianten. BambergT» Albrecht Pfister, 14:54:, Quer Folio.
Das Original des einen dieser Ablassbriefe befindet sich in der Nationalbibliothek
«u Paris, es ist in 81 Zeilen gedruckt und in dem für den Namen des Empf&ngers firei-
gelassenen Räume mit der Bezeichnung desselben „3«bocnf ®tt 901t iUofvadl^; in der
für den Ort und das Datum gelassenen Lücke durch „ülosnnciae . • . ultima . . .
I>ecmbris" handschriftlich ausgefüllt; die Jahrzahl ,^cccclmi" ist^ dagegen gedruckt.
Ausgestellt ist dieser Ablassbrief von ^o. abb. monofttni fei btttifearM || ab ptt^
milfo beyntns*', also von: „Johannes, einem vom Abte des iüosters zum heiligen
Burekart zur Abgabe Ermächtigten", welcher in obigen zwei Zeilen sich hand-
schriftlich unterzeichnet hat.
Ein zweites Exemplar eines handschriftlich nicht ausgefüllten Ablassbriefes toq
1454, ebenfalls mit 81 Zeilen, weist im sonst ganz gleichen Satze einen Unterschied
auf, indem nämlich nach der achtzehnten Zeile, welche mit dem Worte „bntuti'^
endigt, ein Zwischenraum von ungefähr zwei Zeilen Hohe Jedenfalls für handschrift-
liche Zusätze gelassen wurde, wonach erst die in der andern Ausgabe sich un-
mittelbar anschliessende nächste Zeile mit dem Worte ,^tt{ta'' anfängt.
Nach und nach sind gegen 20 solcher Ablassbriefe bekannt geworden, von denen
Schaab und Wetter nur erst sechs kannten, unter denen aber der Pariser, nach welchem
unser genaues Facsimile an Ort imd SteUe photographisch angefertigt wurde» sich
nicht befand. Durch "Vergleich der verschiedenen Exemplare haben sich vier ver-
schiedene Ausgaben dieser Indulgenz-Briefe ergeben; die erste mit 30 Zeilen und
der Jahrzahl 14ß4f die ztoeite mit 31 Zeilen und der Jahrzahl 14S4, die dritte
mit 30 Zeilen und der Jahrzahl 14SS, die vierte mit 31 Zeilen und ebenfalls
der Jahrzahl 14SS.
Es hat sich nun herausgestellt, dass die Typen der Ausgaben mit 30 Zeilen von
denen der Ausgaben mit 81 Zeilen wesentlich abweichen. Indem nämlich die in
ersteren vorkommenden Missalbuchstaben kleiner sind und für Typen der d^zeiligen
Bibel gelten, die Missalbuchstaben der letzteren jedoch grosser sind und in ihrer
Form den Typen der 36zeiligen Bibel entsprechen. Erstere wären daher Outen-
berg, letztere Pfister in Bamberg zuzuschreiben.
Unser vorliegendes Facsimile eines Ablassbriefes mit 31 Zeilen würde also dem
Albrecht Taster zuzuweisen sein, sobald es festgestellt ist, dass die grossen Missal-
Typen sich in der That mit denen der 86zeiligen Bibel decken, was wir indessen
nicht absolut entscheiden wollen, denn die fragliche Missal-Type erscheint uns aller-
dings etwas kleiner als die der 86zeiligen BibeL Uebrigens finden wir, dass auch
Bemard auf Seite 172 des zweiten Bandes mit den unserigen ganz gleich gestimmte
Zweifel ausspricht, durch welche wir van. so weniger ermuthigt werden, ein be^
sUmmtes Votum für einen oder den andern Drucker abzugeben. Die Typen können
allerdings bei Pfister in dieser früheren Zeit noch neu und schärfer gewesen sein,
während sie sich später nach und nach auf ihrer Oberfläche etwas mehr breit ge-
drückt haben, und dadurch natürlich etwas dicker, ja selbst grösser erscheinen
können.
Nicht unberührt mögen wir indessen die Ansicht des gelehrten Süiaab fiber
diesen Gegenstand lassen, der ohne genauere Berücksichtigung der grösseren Tjf^e
die kleinere des übrigen Textes der Ablassbriefe als „die mit verbessertem Schöffer^
sehen Oussver/ahren hergestellte Catholioon-Type*' bezeichnet. Soviel Worte,
soviel Irrüiümerl \'ei'b(8sert sind diese kleinen Typen — wenn man sie mit den
— Bamberg. —
85
grossen Charaicteren, die bis 1454 verwendet wurden, vergleicht — allerdings schon
XU nennen, aber von einer „Catholicon-Type" haben sie nichts weiter, als was Herr
Scbaab ihnen andichtet, und das ISst sich vor den Augen des unbefangenen Be-
sehhauers in Nebel auf.
Indessen phantasirt Herr Schaab — auf Seite 890 und 891 — tapfer weiter: „Die
letzte Stufe war Schöffer's Facilitirung des Gussverfahrens. Diese fallt in die Jahre
1154 und 1456 und wer wird zweifeln, dass die Gesellschafter nicht gleich damit
sollten Proben gemacht haben." Wir fragen nur das Eine: Würde die Gatholicon-
Tjpe, wenn Schoffer sie noch bei Bestehen der Gesellschaft : Gutenberg, Fnst ft Schoffer
gegossen hatte, wohl Eigenthum Outenberg^s geblieben sein, als ihm nach dem be-
kannten Prozesse von 1455 von den beiden Biedermännern Alles genommen wurde,
er aber dennoch damit bis 1460 sein Catholicon drucken konnte?
Aber nachdem bei Schaab, wie oben citirt, die Gesellschaft um 14ß4 Proben
mit dieser Type gemacht hat, verrathen ihm die seiner Meinung nach gleichen Typen
beim Drucke des Catholicon um 1460, also 6 Jahre später, auf Seite 888 abermals
einen „ersten damit gemachten Versuch I" Beide unmittelbar neben einander
gestellte Notizen tragen die Kritik ihres Werthes in sich selbst und überheben uns
der Mühe, sie Verdientermassen zu würdigen. —
Thatsache ist, dass die kleinen Typen der Ablassbriefe in keinem andern Druck-
werke genau in derselben Grosse wiederkehren, demnach recht wohl erste Versuche
gewesen sein mögen, welche nach Anfertigung vervollkonunneter Schriften von dem
Verfertiger verworfen wurden. Vielfach hat aber der Umstand, dass diese Typen
in keinem andern typographischen Erzeugnisse wiedergefunden wurden, den Ge-
lehrten die Yermuthimg nahe gelegt, dass man es bei den Ablassbriefen nicht mit
Druck durch bewegliche Typen, sondern mit BoUitafeldruehen zu thun habe;
ein paar andere nebenher gehende Erscheinimgen wurden dann für das System
Kurechtgeschnitten, und hierdurch gestärkt, waren alsbald die Ablassbriefe „imbedingt
Holztafeldruckef*, Aber die Gründe, welche die Gelehrten Wetter, Lambinet und
Andere für ihr Holztafeldruck-System „fanden", sind ebenso leicht zu widerlegen,
als es uns unschwer gelingen soll, den Typendruck zu beweisen.
Der erste jener beiden Gründe ist, dass das grosse D in dem Anfangsworte
„Oviverfif'' über das n herüberragt, was die Möglichkeit eines vierkantigen recht-
winkeligen Kegels, mit welchem der Buchstabe gesetzt sein sollte, aussohliesst. Das
ist schon richtig. Allerdings können weder der Initialbuchstabe D noch die beiden
andern Initialen iU, welche in den Ablassbriefen vorkommen, mit der Type gedruckt
sein, wohl aber staimpirt, oder noch wahrscheinlicher mit Patronen hineingemalt {
deshalb bleibt aber alles Uebrigc mit beweglichen Typen gedruckt
Es folgt der zweite Grund: Der Buchstabe p in dem grosser gedruckten Worte
„yanlinns" ist absichtlich unten abgekürzt, um für das gerade darunter stehende
ff in dem Worte ^QCtiffim9^' Platz zu gewinnen. Auch richtig. Aber was beweist
das? Man hat eben den Typenkegel unten abgeschnitten, lun den Satz passend zu
machen, oder das fragliche p ist durch das Aufstossen auf die Typen der nächsten
Zeile bereits bei früherem Gebrauche unten ein wenig verletzt worden, was bei
weichlegirtem Metall recht wohl denkbar ist und wovon wir Beweise in dem ersten
ganz merkwürdigen Drucke von Numeister in FoUgno 1470 beibringen können.
Dagegen vergleiche man mm in den Ablassbriefen die in steter Gongruenz
wiederkehrenden Formen der ohnehin für Holztafeldruck nur äusserst mühsam her-
zustellenden kleifien Schrift, und man wird die Idee des Tafeldruckes aufgeben
müssen, auch wenn nicht noch andere Merkmale zwingend auf Typendruck hin-
wiesen. Aber man betrachte nur die am Ende der zwanzigsten Zeile stehende Jidir-
zahl ÜUcalni; Mer sieht man deutlich, dass naeh dem 1 ein m und dann ein i folgt,
welche aus Bequemlichkeit oder Noth für vier einzelne i gesetzt wurden. Hier sieht
man deutlich den Schriftsetzer seine Vortheile geltend machen.
86 — Bamberg. —
Interessant ist es aber noch, dass die kleine Textschri/t dieser Ablassbriefc grosse
Aehnlichkeit hat mit den Typen des „Yocabularium ex quo" von Heinrich Bechter-
münze in Eltwyl 1472; die ganz originell geformten Buchstaben II imd 3 sind
sogar genau übereinstimmend!, und dasselbe II findet sich auch in Gutenberg^s
Catholicon 1460 vor. Indess darf man bei aller Aehnlichkeit doch keinerlei
Schlüsse daraus ziehen, denn alle drei angefahrten Druckwerke haben zwar Typen
von ähnlichem Charakter, diese sind aber nicht einmal in der Grösse und Kegel-
hohe übereinstimmend, denn 16 compresse Zeilen der Ablassbriefe haben genau die
Höhe von 18 bei Bechtermünze 1472. Und Das soll beweisen, dass Gutenberg oder
auch wohl Bechtermünze die Ablassbriefe gedruckt haben müsse! —
No. 143.
^,(Si)n ttianüg b^ cri|tfl)fit mW bie burkr/^
Mit den Typen des Albrecht P fister in Bamberg 1455 gedruckt,
aber auch Johann Gutenberg zugeschrieben. Klein Quart-Format.
Das Original dieses aus nur 9 Quartseiten von 80 bis 81 Zeilen bestehenden
Druckwerkes befindet sich als Umcum in der Staatsbibliothek zu München. Das
vorliegende Facsimile gewährt eine genügende Vorstellung von diesem hochwichtigen
Druckdenkmale. Auf der untersten Zeile der ersten Seite befindet sich die Jahrzahl,
Das Bachlein stellt eine Art Kalender für das Jahr 14SS vor mit einer geist-
lichen Ermahnung icider die Türken, welche damals gerade Constantinopel erobert
hatten und das ehristllche Buropa zu überschwemmen drohten. Es beginnt mit
einem Gebete zu Gott; darauf folgt die Mahnung in zwölf Abtheilungen, deren jede
mit dem Namen eines Monats überschrieben ist; das Ganze schliesst mit dem Neu-
jahrswunsche: „dl)« gnt feiig numt 3or.** —
No. 144.
^,Sfr i0ottatu0/^
Nur noch in Einem Fragmente von zwei Blättern in der National^
bibliothek zu Paris vorhanden.
Mit Typen Albrecht Ffister's um 1460 gedruckt. Klein Folio-Format.
Wir haben über dieses berühmte Streitobject schon ausfuhrlich in den ein-
leitenden Worten zu Bamberg gehandelt. Unser photographisch genaues Facsimile
unter Glas und Bahmen möge nun auch durch den Augenschein die angebliche
Jahrzahl 1451 hinter dem Worte Heydersheym auf dem einen Blatte als fabelhaft
erkennen lassen.
TJebiigens finden wir soeben, dass aueh der rührige Forscher Mr. Hesseis in
seinem „Outen^erg : Was hi the Inventur of Printingf" es bezweifelt, dass sowohl
die Typen dieses Donaius, wie die ähnlichen im Ablassbriefe von 1454, identisch
seien mit denen der 86zeiligen Bibel. Wir lassen dies dahingestellt, wenigstens
in Bezug auf die Donatfragmente, die viel zu schlecht erhalten sind, um ganz be-
stimmt urtheilen zu können. Dagegen stimmen wir gern der Ansicht dieses Ge-
lehrten bei, der sich auch auf das Urtheil dreier angesehenen Archivare in Stuttgart
und Würzburg beruft, dass das Wort „Heydersheym" auf dem einen Donatfragmente
eher dem achtzehnten Jahrhunderte angehören könne, als dem Jahre 1451, wo man
auch sicher ein so kostbares Buch nicht schon zerrissen haben würde, wenn es
überhaupt bereits existirt hätte. —
— Bamberg. — gy
No. 145.
i^üihlia facta Dulgata/*^
Bambergr^ Albreckt Pfister^ um 1457 bis 1460^ aber auch Johann
Gutenherg zugeschrieben. Gross Folio-Format.
Diese sogenannte SßzeiUge Bibel, von ihrem ersten Ekitdecker auch die Schel-
horn'sche genannt, wird von Vielen für die erste Gutenberg-Bibel gehalten und selbst
von Solchen, welche die mit derselben Type gedruckte „Mahnimg wider die Türken"
dem Fftater lassen, ohne doch eine genügende Losung für diese Inconsequenz geben
lu können.
Die Motivirung, dass Gutenberg mit einer ähnlichen Type seine ersten Donate
gedruckt habe, ist gegenüber der Thatsache, dass Pfister eine ganze Reihe von Werken
mit derselben Type gedruckt, nichts weniger als zulänglich.
Yon diesem ehrwürdigen Bibelwerke besitzt die Nationalbibliothek zu Paris ein
Exemplar, welchem von der Hand des Bubricators die Jahrzahl 1461 beigesetzt
ist. Weitere Exemplare, welche aber zum Theil mehr oder weniger unvollständig
sind, besilzen nur noch die Universitäten zu Leipzig und Jena, dann London, Ant-
werpen, Stuttgart, Wolfenbüttel, Lord Spencer und Jenkinson in England.
Die Stadt Bamberg selbst hat von diesem Druckdenkmale, auf das sie stolz ist,
leider nur Fragmente aufeuweisen, und auch unsere Sammlung theilt mit ihr dieses
Schicksal. Schwerlich dürfte auch ausser den oben angeführten 9 Exemplaren noch
ein solches aufzufinden sein, wir müssten denn dasselbe Glück haben wie mit der
Gutenberg'schen 4/izeiligen Bibel, wo auch Niemand geglaubt hätte, dass ein so
herrliches Exemplar auf Pergament sich noch irgendwo finden imd plötzlich bei
uns auftauchen könne. —
No. 146.
„?80nfr^» «bflftrin ober 3fabelbud)/^
Bamberg^ Albrecht Pfister, 1461* Klein Folio-Format.
Dieses deutsche Reimbuch mit Holzschnitten weist in der Schlussschrift die
volle Angabe des Ihruehorles und des tTeihres auf. Es besteht aus 88 Blättern
mit 101 Holzschnitten. Jede Seite zählt 25 Zeilen.
Die Herzogliche Bibliothek zu Wolfenbüttel besitzt das einzige Exemplar dieser
Ausgabe und die Königliche Bibliothek zu Berlin conservirt ein Exemplar einer
andern Auflage von nur 77 Blättern, ohne Schlussschrift und Datum. Das in un-
serer Sammlung befindliche Facsimile des ersten Blattes mit einem Holzschnitte
dient zur Yeranschaulichimg von Satz und Druck hinlänglich.
No. 147.
^^Sielial ober brr aroft ber ihunber.^^
Bamberg^ Albrecht Füster, um 1462. Klein Folio-Format.
Dieses ist die erste Ausgabe der deutschen Uebersetzung des von Jacobus de
Theramo im 14. Jahrhunderte verfassten sonderbaren Werkes. Es soll jedenfalls
eine Prozessordnung sein und zwar nach canonischem Rechte. Was kann aber
wolil proj^er sein, als die dafür gewählte Form; es wird nämlich ein Prozess
verhandelt, in welchem Belial gegen Christus als Kläger auftritt, Moses dient als
Anwalt, Salomo ist der Richter, und dieser Prozess wird bis zur Appellation durch-
geführt.
88 — Bamberg. —
Wir haben zur Veranscbaulichung dieses nicht mehr käuflichen Werkes ein
Facsimile des ersten Blattes herstellen lassen, wozu uns das Exemplar des Gemian»-
sehen Museums in Nürnberg fireundlichst zur Yerfugimg gestellt wurde. Das Blatt
gicbt die Pfister'scben Typen, also die der 36zeiligen Bibel, so haargenau wieder,
als ob man den Originaldruck selbst vor sich bitte. —
Joi)ann ^enfenfd)mtit oon (Sger
btv 5 weite »amberger ZyipoQva^pl) 1481 bie 1490.
Nachdem seit 1463, wo Albrecht P fister verschwindet, in Bam-
berg keine Druckerei mehr bestanden, kam zuerst Johann Sensen-
schmid von Nürnberg herüber, wo er seine Künstlerlaufbahn be-
begonnen, und druckte in Bamberg zuerst allein, später in Gesell-
schaft Heinrich Petzensteiner* s seine berühmten ChorbUcher, von
denen wir das erste, seltenste und schönste in folgender Nummer
erkennen werden. Unter „Nürnberg," das chronologisch erst später
folgen kann, werden wir ebenfalls Sensenschmid*s ersten seltenen
Druck vorfinden, der zugleich der erste Nürnberger von 1470. ist.
No. 148.
^,|öt|Talf fabenbergenff/^
Bamberg^ Johann Sensenschmid von Eger, 1481«
In Folio auf Pergament gedruckt.
Ebenso schönes wie seltenes Missale und als Fevgame!ni,äx%Kk doppelt werthvoll.
Es ist zugleich der erste Bamberger Druck Sensenschmid' s, welcher von Nürnberg
herüberkommend, achtzehn Jahre nach erloschener Thatigkeit Albredit Ffister's zuerst
wieder eine Druckerei in Bamberg dauernd begründete.
Das vorliegende prachtvolle Missale Benediciinum mit dem grossartigen Canon
in der Mitte, dem ein blattgrosser Holzschnitt vorangeht, war also Sen8enschmid''8
erstes Meisterwerk in Bamberg, dem er am Schlüsse glücklicherweise Firma und
.Jahrzahl beigefügt hat. Der Canon mit seinen aussergewöhnlich grossen Typen ist
in der That noch eflfectvoller wie die Choral-Type in den Mainzer Psalterien.
Unser Pergament-Exemplar ist wie neu erhalten, und ebenso schon ist heute
noch der braunlederne Original-Einband mit reichem grün oxydirtem Metallbeschlage.
Joliatttt J8fenfettfd)mtl> ^ Heinrid) pe^enfletncr
1482 bie 1490.
No. 149.
^^^faltertum latinum.*^
Bamberg^ Johann Sensenschmid & Heinrich Fetzensteiner, circa 14 85«
Klein Folio-Format.
Dieses mit einer ziemlich grossen Missal-Type, aber ohne Angabe des Ortes,
Jahres und Typographen gedruckte ISmnberger JPstUteHum ist von Hain unter
No. 18466 seines Repertorium beschrieben, aber er wusste den Drucker nldlt an-
Bamberg. —
89
zugeben. Durch die yollkommene Üebereinstimmung der Typen mit den beiden
folgenden Werken, d<)m Missale Olomucense von 1488 und dem Missale Bam-
bergense ton 1490 gelangt man indessen zu der Einsicht, dass auch der obige in-
teressante Psalter-Druck zweifellos der obigen Firma angehört
Da aber die ganze Anordnung und Ausführung des Druckes weit weniger schön
und gelungen ist, als wir von dem geübten Meister Sensenschmid erwarten durften,
so liegt die Yermuthung nahe, dass Jenes Psalterium von Petzmsteitier allein ge-
druckt sein durfte und zwar im Jahre 1485, wo Sensenschmid vorübergehend nach
Regenshurg berufen wurde, um dort das prachtige Missale Ratisbonense zu drucken,
wodurch er sich in diesem Genre einen bedeutenden Ruf erwarb.
Der grosse Canon zvan Hissale Ratisbonense ist aber schon wieder in Bamberg
gedruckt, wie dessen Schlussschrift besagt, und es beweist dies wohl genugsam,
dass Sensenschmid bald wieder nach Bamberg zurückgekehrt sein dürfte.
Beaehtenswerth ist es, dass das nun folgende Missale Olomucense von 1488 nur
Sensenschmid^s alleinigen Namen tragt, während das Missale Babonbergense von
1490 wieder die Firma Sensenschmid & Petzensteiner nachweist.
Durch obige Feststellung der Typen ist es uns also gelungen, auch den Drucker
des so seltenen Bamberger Psalterium festzustellen, worüber sich schon mancher
Bibliograph den Kopf zerbrochen hat, ohne auch nur eine Yermuthung aussprechen
zu können. Dass ein vorsugsweise mit Missaldruck beschäftigter Typograph der
Drucker sein müsse, konnte man schon nach den grossen Typen annehmen. —
No. 150.
Bambergr^ Johann Sensenschmid, 1488« Folio-Format.
Erste Ausgabe dieses schönen und ungemein seltenen Chorbuches der Diözese
Olmütz in Mähren, aus dessen Schlussschrift wir zugleich ersehen, dass es in Bam-
berg auf Kosten des ebenfalls berühmten Typographen Peter Drach in Speyer und
zwar diesmal von Sensenschmid allein ohne Petzensteiner gedruckt wurde. Eine
eweite Ausgabe des Olmützer Missale druckte Oeorg Stuchs in Nürnberg im Jahre
1499. Unsere Editio princeps ist mit Firma und Jahrzahl versehen; der wohl-
erhaltene dunkele Einband mit Messingbeschlag ist Original. —
No. 151.
^i^tlfaU rcclfpac liambergenfte/^
Bamberg« Johann Sensenschmid & Heinrich Petzensteiner, 1490«
Folio-Format.
Mit denselben Typen wie das vorige Missale und im Ganzen ebenso schön in
Roth und Schwarz gedruckt. Blatt 186 ist bis auf einige Worte ganz in Rothdruck
ausgeführt. Die Firma Sensenschmid & Petzensteiner findet sich hier wie bei der
grosseren Anzahl der Drucke aus dieser 2^it wieder vereinigt Den schönen Ein-
band ziert ein reicher Messingbeschlag mit eingefügten Engelsköpfen. —
1497 biö 1512.
Falkenstein lässt diesen Typographen nur bis I5<X) drucken,
indessen widerlegt Dies unser Druck von 1512 unter No. 153. —
go — Bamberg. —
No. 152.
^^ürcDtarium IBabenbergtitfiö ecclefiae/^
Bamberg^ Johannes Ffeyl, 1501. Folio-Format.
Mit einer gothischen Type in zweierlei Grosse gedruckt ; ein seltenes und pracli-
tigos Werk des durch seine Chorbächer berühmten Typographen. Firma und Jo/ir-
zahl befinden sich auf Blatt 178 in der ersten Spalte, die dann noch folgenden drei
Seiten sind fast ganz in Roihdruck ausgeführt. Der schone Einband ist reich mit
vergoldetem Messing beschlagen. —
No. 153.
)f statuta iBiocefana (tue ^i^nobalia Urtierrnbifftmt || in
€^ri(lo patri0. SUttftrifqs principta et biit • bomtni || Jfo-
l)änm0 bei et ^^pl^ice frbi» gratia ^bmimBra-||tort0 ecclefie
Hatifponrn. Comttia palatint || ll)em ISauarieqs bttct$ •
noutffime || innuuata et pubUcata/^
Bamberg^ Johannes Pfeyl, 1512.
Unter diesem mit einer kleineren Missal-Type gedruckten Titel befindet sich
in Holzschnitt ausgeführt das von zwei Engeln gehaltene Wappen von Regenshurg
mit der Jahrzabl 1512. Der interessante gothische Druck wird von Panzer, ohne
dass er ihn gesehen, in seinen Annales, Band YI, Seite 172, kurz aufgeführt. Jeden-
falls ist das Werk höchst selten. Mit ihm schliessen wir die kleine aber kostbare
Sammlung von Bamberger frühesten Drucken ab. —
ergänjungs'ftteratur ju Xamöerg.
1. Heller: ,,Leben Georg Erlinger's, Bachdruckers und Formschneiders
zu Bamberg." Bamberg 1837. —
2. Jäck: »^Denkschrift für das Jubelfest der Buchdruckerkunst zu
Bamberg." Erlangen 1840. —
3. „Historische Nachrichten von Bamberg." Bamberg 1838. —
4. Pfeiffer: „Der Edelstein von Ulrich Boner." Leipzig 1844. —
5. Sprenger: „Aelteste Buchdruckergeschichte von Bamberg," Bam-
berg 1800. —
Viele andere allgemeine typographische Werke unserer Samm-
lung liefern werthvolle Beiträge für die Bamberger Buchdrucker-
geschickte, darunter besonders Falkenstein: ,,Geschichte der Buch-
druckerkunst, Leipzig 1840, worin Seite 128 bis 141 über Albrecht
Pfister besonders interessant zu lesen ist; -FwcÄ^r : „Typographische
Seltenheiten,*' Nürnberg 1801 — 1804, und Wetter : „Kurze Geschichte
der Erfindung der Buchdruckerkunst," Mainz 1836. —
— Strassburg. — qi
Argentina, Argentoratum. —
ßof^mn IHenttl ohtr IHentelin
1458 bi6 1478.
Diesem berühmten Strassburger Drucker ist ähnlich wie Albrecht
Fßster in Bamberg eine Zeit lang die Erfindung der Buchdrucker-
kunst zugeschrieben worden. Er war vielleicht ein Schüler und
Gehilfe Gutenherg*s, aber verbürgt ist es keineswegs.
Die Bestimmung der von diesem Typographen herrührenden
Drucke ist besonders schwierig, weil er mit wenig Ausnahmen es
unterliess, seinen Druckwerken die Firma und Jahrzahl beizufügen.
Glücklicherweise fanden wir andere Anhaltspunkte genug, die es
ermöglicht haben, die meisten seiner Erzeugnisse mit Bestimmtheit
feststellen zu können.
Es sind das unter Andern drei Verlags -Verzeichnisse
Mentelin's, von ihm selbst gedruckt, in welchen er eine Reihe
seiner Hauptwerke namhaft macht. Hierdurch lernten wir schon im
Ganzen vierzehn seiner Druckwerke auf das Bestimmteste kennen ;
durch Vergleichtmg der Typen dieser mit denen anderer gelang es
dann, den Bau mit logischer Folgerung weiter zu führen, sodass
von mehr als einem Viertelhundert der bedeutendsten Mentel'schen
Drucke, die wir bis jetzt in unserer Sammlung vereinigen, der fast
zweifellose Nachweis ihrer Herkunft zu führen möglich war.
Diese für die Geschichte der Typographie so höchst wichtigen
Verzeichnisse j welche zugleich die ersten primitiven Verlags-CdtCl-
loge sind, wollen wir unter No. 154 nachstehend genauer besprechen,
da sie einen lichtvollen Beitrag für die Strassburger Buchdrucker-
geschichte überhaupt abgeben. Uebrigens lassen wir — wie bei
Mainz und Bamberg - auch die Strassburger Typographen in der
Reihe nach der Zeit ihrer Etablirung folgen, soweit dieselbe über-
haupt festzustellen war. —
No. 154.
„Die Uerra^soerietcOrnffe oon Oo^anri SKenferin in SfragOurg;''
das nächstfolgende von 6 Zeilen nach dem einzigen noch vorhan-
denen, um 1473 gedruckten Originale in der Nationalbibliothek zu
Paris photographisch genau wiedergegeben,
02 — Strassburg. —
„(Cuvletiö i0itur vtactu volnmen crncreviiacü cetetle fubfcrivtiö betie eine
batlfi veiöt ab ^cfviciü Infra itotatum • et l;at>ebit laröü venbitoitm
Otem övccl'm ^iftoi'mle vlticenctj:
jtem fümam aftö;i:aTil •
5te (tvdjibyaconn fuv bccretiö
Item yff&ozü et^imoloölaril"
Die zweizeilige Ueberschrift dieses kleinen Zweitältesten Bücher-Cataloges lautet
zu deutsch: „Wer also das vorstehende Werk, ebenso wie die unten angeführten
sehr verbesserten kaufen will, der möge in das unten benannte Hospiz kommen, wo
er einen billigen Verkaufer finden wird."
Es ist hieraus leicht zu entnehmen, dass die Hauptanzeige — jedenfalls die einer
eben vollendeten neuesten Publication — dem Obigen vorausgegangen ist, sowie
auch der Name des Hospizes unten ebenfalls handschriftlich zu ergänzen war. Der
geniale Buchdrucker Mentelin war auch ein praktischer Geschäftsmann; er be-
schränkte sich nicht darauf, seine Publicationen in Strassburg selbst an den Mann
zu bringen, er sorgte auch dafür, dass sie weit und breit bekannt wurden und be-
zog mit ihnen Messen und Märkte.
Anzeigen wie die obige, in denen er die Liebhaber bat, in die Herberge zu
konunen, wo er oder sein Agent abgestiegen waren, dienten dem rührigen Gesch&fts-
geiste dazu, seine Bücher zu empfehlen. Dass er diese Praxis viel geübt habe, be-
weist die Existenz von noch zwei andern ganz ähnlichen Anzeigen, von denen
die erste, welche sich nur auf die um 1468 erschienene „Suntma Asteacani**
bezieht und sonach Jedenfalls die älteste ist, von Weigel in seinen „Anfängen der
Druckerkunst^' veröffentlicht wurde.
Das Original der zweiten befand sich noch im ersten Decennium unseres Jahr-
hunderts in der Königlichen Bibliothek zu München. Leider wurde aber dieses
werthvoUe Ünicum an die Jliord Spencer'sche Bibliothek zu Althorp in England zur
Anfertigung eines Facsimile „verliehen," und ist von dort Jedenfalls nicht wieder zu-
rückgekehrt, denn es findet sich in München nicht mehr vor.
Dieses Yerzeichniss war um so werthvoUer, als es schon über eine grössere A.n-
zahl Mentelin'scher Publicationen bestimmte Auskunft gab; es war auf einem Octav-
blatte in 19 Zeilen gedruckt und lautete nach der Veröffentlichung des „Neuen li-
terarischen Anzeigers," Nürnberg 1807, Seite 308, folgendermassen :
„t?cletiteö emere IBviftolaö %\xxeln ?tu0uftitii ^vonetifiü vrefuUö
bi^iffimU 311 quibuö non&ü Rumäne cloquentie facunMtt öonat.
verü etlam vturlml öacre öcrivture v<»fru0 ölfficlleö et ovfcurlffttni:
Inclbe e;i:votiuiitur» ^ereöeö qs et erroreö a recta ftbe bevil: quaft
malleo folibiffime reritatiö cöterutitur • et totiuö vite a^ebe norma
In ivfiö verftritiöitur • virtutü motifträtur inffötiia • et vicia queqs
ab ima meröctia iufta racöne culvötur.
Sovtaliciü
3tem ißviftolaö qxJ3 hü 3emotiiml
5ofevt;ü be antiquitatibuö et belle hxbaico
t?ir0ilü ^erenciü
6crutlniü öcrivtuartt2|.
€ibrtt cotifeffiotitt beati 2Cuöuftitii
Valexln xnaxinnu^^
„lOetiiat ab ^ofplciü 5u 5cm"
— Strassburg. — g^
Gans ähnlich wie in dem oben abgedruclcten Pariser Verzeichnisse heisst es
hier also: „Wer die Briefe des Aurelius AugiMÜfma kaufen will etc.*', — dann
fol^ eine ausgedehnte IdangvoUe Anpreisung derselben, der sich die Titel von den
vorstehenden ttoht andern Verlagswerken anschliessen — und zuletzt „der komme
in die Herberge Zu dem . . ."
Die Stelle für den Namen der Herberge oder Niederlage ist also auch hier wieder
für den handschriftlichen Zusatz offen gelassen. Der grammatische Fehler, welcher
In dem sich auf „volentes" beziehenden „veniat" statt „veniant" in der obigen
etzten Zeile .liegt, ist wohl nur auf einen Druckfehler zurückzufuhren, indem offen-
bar eine Abbreviatur vergessen wurde.
Die in den angeführten drei Mentelin' sehen \erlagsverzeickmssen aufgeführten
14: Druckwerke gehen bis zum Jahre 1473, wo die zweite Auflage des „Speculum
historiale" zum ersten Male Mentelin'a JB^rma und die tTahrzahl brachte. Die
meisten dieser alten Mentelin'schen Drucke sind — wie man sich in unserer Samm-
ong am besten durch den Augenschein überzeugen kann — umi^ngliche Folianten,
die von der Leistungsföhigkeit der Firma Mentelin den sprechendsten Beweis geben.
Da bei der Charakteristik der nachfolgenden Mentelin'schen Druckwerke auf
obige Verlagsverzeichttisse mehrfach Bezug genommen werden mnss, um einen ge-
naueren Einblick in das Ganze zu gewähren, wollen wir das oben zuerst abgedruckte
Yerzeichniss y,das Pariser", dagegen das zuletzt mitgetheilte „das Münchner" Ver-
zeichniss Hentelin^s benennen. —
No. 155.
^nbreas 1|tfpanu0: ^^Mühm canjttenbi/^
Strassbnrg, Johann Mentelin, circa 1460* Klein Quart-Format.
In diesem überaus seltenen Werkchen haben wir eins der interessantesten typo-
graphischen Denkmäler vor uns. Es ist sicher einer der frühesten Drucke des be-
rahmten ersten Strassburger Typographen, mit eigenthümlich «ckigen und steifen
gothlschen Charakteren von ziemlicher Grosse gedruckt, welche wohl in keinem
zweiten von ihm noch existirenden Werke wiederkehren.
Schöpflin hat ims glücklicherweise in seinen „Yindiciae typographicae, Strass-
burg 1760'* das Facsimile der Typen eines Werkchens aufbewahrt, dass sich im Be-
sitze dieses Gelehrten befand und jedenfalls derselben Zeit angehörte, wenn man
nicht gar die im Titel vorkommende Jahrzahl 1448 als Druckjahr annehmen will,
in welchem Falle dann ein Zehnerzeichen zu wenig eingesetzt sein müsste; denn
sieber kann man wohl annehmen, dass Mentelin seine Thätigkeit schon 14S8 be-
gonnen haben muss, um bis 1460 seine unter No. 157 mit erwähnte erste lateinische
Bibel zu vollenden.
Jenes Werkchen war des Lotharius „Liber de miseria l^umana", 58 Blätter
stark. Nach dem Facsimile, welches Schöpflin auf Tafel 1 seines Werkes giebt, war
es genau mit denselben. Typen gedruckt, wie imsere vorliegende 15 Blätter starke
Cimelie, mit dem ganz originellen fi und 3, die man bei Schöpflin sofort wieder-
erkennt.
Da dessen werthvolle Cimeliensammlung nach seinem Tode für die Strassburger
Universitätsbibliothek angekauft wurde, die beim Bombardement 1870 verloren
ging, so sind leider auch Schöpflin^s älteste Bücherschätze ein Raub der Flammen
geworden, .imd unser Exemplar des „Modus conßtendi" ist deshalb von um so
boherem Werthe. Ein zweites Exemplar des Werkchens dürfte sich wohl nur
noch in der Münchner Hofbibliothek befinden, von wo wir das imsrige als Doublette
erhielten. Jedenfalls zählt es zu den Seltenheiten ersten Ranges. —
94
— Strassburg. —
No. 156.
Jol)anne0 Balbua bc Janua : ^^Summa quaeoocatur Catl)oltcon/^
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1462. Gross Folio-Format.
Höchst seltene Strassburger Ausgabe des zuerst von Gutenberg 1460 gedruckten
Caäwltcon, ein riesiger Foliant von 870 Blättern. Die höchst merkwürdige Type
dieser MetUelin' sehen Ausgabe, deren Majuskeln romanischen, die Minuskeln aber
semigothischen Charakter haben, ist diejenige der berühmten ersten undaUrten
Ausgabe des „Speculum historiale", welche wir unter No. 163 in einem Pracht-
exemplare n&her kennen lernen werden, und deren Druck sicher ebenfalls noch in
die sechsziger Jahre fallt, da 1473 bereits die zweite Auflage mit Mentelin's Firma
und Jahrzahl erschien.
Wir setzen das grossartige Mentelin^sche Caüiolicon nicht ohne gewichtige
Grande in eine so frühe Zeit Wie bei Johann Gutenberg, Günther Züner and «n-
dem frühzeitigen Druckern das so vielbegehrte CathoUcon neben der Btbel einen
der ersten Gegenstande der typographischen Vervielfältigung bildete, so blieb sicher
auch der rührige Mentelin nicht damit zurück, nachdem er schon 1460 seine erste
Biblia sacra glücklich voUendet hatte, mit der er jedenfalls seine Thätigkeit schon
14S8 begann.
Dieser ersten Bibelausgabe folgte aber schon um 1468 eine zweite und um 1466
die grossartige deuts(^e Bibel Mentelin's. Endlich häufen sich in den nun folgenden
axiht Jahren eine solche Menge zmn Theil in wiederholten Auflagen gedruckter Fo-
lianten, dass man unbedingt genöthigt ist, einen guten Theil derselben viel weiter
zurück zu datiren, als es bisher geschehen ist, wo man die Mehrzahl dieser Druck-
werke meist in die ersten siebziger Jahre versetzte.
Wenn man eine Reihe dieser meist grossartigen Folianten vor sich hat, kommt
man zu der Gewissheit, dass dies Alles unmöglich blos in den mittleren Jahren der
Mentelin'schen Thätigkeit geschaffen werden konnte und dass man nothgedrungen
eine ganz andere Zeiteintheilung vornehmen muss, um annähernd das Richtige zu
treffen, unter Berücksichtigung der verschiedenen Typen und der sonstigen be-
stimmten Merkmale für das Alier eines Druckwerkes war uns dies recht wohl mög-
lich, nachdem es uns gelungen, fast alle bedeutenden Druckwerke Mentelin's in un-
serer Sammlung zu vereinigen. Die Datirung der nachfolgenden Nummern ist das
Ergebniss der reiflichsten Erwägungen. —
No. 157.
„Biblia sacra latina."
Strassbnrg, Johann Mentelin, circa 1468. Folio-Format.
Die zweite Strassburger lateinische Bibel, eins der ehrwürdigsten Denkm&ler der
Buchdruckerkunst und seltener als die erste Ausgabe, von welcher festgestellt ist,
dass sie schon im Jahre 1460 erschienen sein muss, da ein Exemplar der Uni-
versitäts-Bibliothek von Freiburg im Breisgau von der Hand des Rubricators am
Ende des Psalters das Datum von 1460 trägt.
In vorliegender Ausgabe haben wir das erste deutsche Druckwerk vor uns,
welches mit ramttnischen Chara^kteren gedruckt ist. Allgemein hat man
Sweynheim & Pannartz in Rom um 1468 den allerersten Typenschnitt der AnUquo
zugeschrieben, und Oünlher Zainer in Augsburg soU der Erste gewesen sein, der im
Jahre 1472 zuerst in J^eutsehland mit der romanischen Type seinen „Isidorus
Ethymologia/mm Über" gedruckt hat, aber in beiden Fällen gebührt MenteUn die
Priorität, denn sicher ist diese zweite lateinische 56zeilige Bibel schon im Anfang
der sechsziger Jahre von ihm begonnen worden.
— Strassburg. — g^
Diese sogenannte M'Bibel ist zugleich der erste Druck Mentelin's, in \7elchem
du bekannte „Merarr« R" abwechselnd erscheint, und welches man gleich am Kopfe
des ersten Blattes bemerken kann. Da ganz dasselbe eigenthämliehe R noch in
mehreren bedeutenden Druckwerken Mentelin's, selbst in der ersten undaUrten
Auflage des im Jabre 1478 mit Wirtna und tTethrzahl wiederholt gedruckten
„Speculum historial^* vorkommt, sr^ ist es unbegreiflich, wie unter den gelehrten
Bibliographen das selbst bei Hain unter No. 8034 ersichtliche Märchen entstehen
konnte, wonach Jene alten Dmcke mit dem „bizarren R" einem „unbekannten Cölner
Drucker** angehören sollen, ganz zu schweigen von der überlebten Version Meer-
nunm'Sf der in Cfüniher Zainer den Drucker vermuthete.
Der gewaltig starke „Typographus ignotus", dem man noch heute gern Alles
nisehiebt, was man nicht ketmt, schwindet Gott sei Dank durch neuere Forschungen
und so auch namentlich durch so manches Zeugniss unserer Sammlung (mehr und
mehr in sein Nichts. Wir werden gerade unter Strassburg mehrfach auf diesen
Gegenstand suroekkommen müssen. ^
Das berühmte sogenannte „bizarre R" hat folgende Form:/\ , die wir haargenau,
in eine Legirung von Zinn tmd Blei geschnitten, wiedergeben. ^«^
Eän zweites originelles R, sogar in zweierlei Grossen, hat diese Form : 1^, und
es lassen sich darnach ebenfalls Mentelin'sche Drucke leicht erkennen. Dieses
letztere R haben wir nach Mentelin's „Serutinitun scripturarum" von 1471 ohne viele
Mähe einfach in gewöhnliches Bimbaumholz geschnitzelt und glauben, dass es, ohne
stumpf zu werden, den Druck von einigen Tausend Exemplaren aushalten wird.
Unsere höchst seltene It-Sibel ist übrigens von schönster Erhaltung, in Eichen-
breter gebunden und mit starken Messingschliessen versehen. —
No. 158.
Eabanus Maurus: „Opus de Universo."
Stragsburgy Johann Mentelin, circa 1464. Folio-Format.
Ein seltener Druck mit derselben Antiqua-Type und dem „bizarren R", welche
wir schon vorstehend bei der Bibel von 1463 näher besprachen. Der ausgezeich
nete Gelehrte Rabanus, welcher im achten Jahrhimderte nach Christus lebte, giebt
in obigem Hauptwerke, welches „das ganze Weltall" in sich begreifen soll, einen
allerdings glänzenden Beweis der Universalität seines Geistes. Nicht minder be-
wandert zeigt er als Theologe sich in den Schriften der Heiligen, wie er als Philo-
loge in den Werken alter Classiker zu Hause ist. Da ist keine Wissenschaft, keine
Kunst, kein Handwerk und keine sociale Frage, über die er nicht mit gleicher
Kenntniss zu handeln wfisste. Für die geistige Entwickelung damaliger Zeit ist
das vortreffliche Werk sicher von bedeutendstem Einflüsse gewesen. —
No. 169.
Robert Caracciolus de Licio : „Sermones per Adventum/*
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1464. Klein Folio-Format.
Die erste Ausgabe der „Adventpredigten" in Antiquadruck und mit dem „6t-
iarren Jl", gleich der Bibel von circa 1463. —
q6 — Strassburg. —
No. 160.
Äancti ^^ttgufltni ^ßt arte prrtuanbt/*
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1464. Klein Folio-Format.
Des heiligen Augustinus „Buch von der Kunst zu predigen" zählt in dieser
ältesten Ausgabe zu den Seltenheiten ersten Ranges, und ist nur in wenigen Exem-
plaren auf unsere Zeit gekommen.
Als der älteste mit dem JVomen Johann Mentelin im Vorworte versehene
Strassburger Druck ist das Werkchen zugleich das erste, welchem die Ehre zu Theil
wurde, naehgedrueht zu werden, wie wir es schon unter Mainz No» 17 bei der
Ausgabe desselben Werkchens durch Johann Fk*8t nachgewiesen haben.
Am Anfange sind zwei Zeilen mit einer grossen gothischenType gedruckt, welche wir
nur noch in Einem Werke unserer Sammlung, in des Chr^sostomus HomiUae wieder-
linden, in welchem auch die sehr hübsche kleinere Type wiederkehrt, mit der im
Uebrigen das vorliegende Werk gedruckt ist. Dieselbe kehrt auch in der „Summa"
des Thomas von Aquino unter nächster Nummer wieder. Es ist ein Irrthum Eberfs»
wenn er bei Beschreibung dieser Ausgabe unter No. 1863 sagt, dass „die Typen der
zwei ersten Zeilen dieselben sind, mit welchen Mentelin den Terentius, Virgilius,
Valerius Maximus, Hieronymus und andere Schriften druckte." Die Type dieser
Werke, welche gemeinhin die grosse Gothische MenteUn's genannt wird, ist dennoch,
wie der Augenschein lehrt, wesentlich kleiner, als die in Rede stehende, welche
nach den Beispielen, die uns vorliegen, wohl nur hier und da zu üeberschriften
und sonstigen ausgezeichneten Stellen angewendet worden ist. — Reich verzierter
blauer Ledereinband mit Silberbeschlage. —
No. 161.
<$anctt St^omar ^quinatis ^^^ummae tl^eologicae partim
ffcunbae pars frcunba.^*^
Strassburg^ Jobann Mentelin, circa 1465. Folio-Format.
Höchst seltene erste Ausgabe und einer der wenigen ältesten Strassburger Drucke,
von denen man sicher weiss, dass er schon 1465 gedruckt, spätestens aber 1466
vollendet ist, denn die Königliche Hofbibliothek in München besitzt hiervon ein
Exemplar mit Inschrift des Rabricators, wonach das umfängliche Werk 1466 bereits
fertig rubricirt war. —
No. 162.
QEnnrabttö be Alemannia: ,^€oncorbanciaf SStbltorum.*^*
Strassbnrg^ Jobann Mentelin, circa 1465. Folio-Format.
Diese Bibelconcordanz ist eines jener Hilfsbücher für die Geistlichen, welche in
alphabetischer Ordnung alle in der heiligen Schrift vorkommenden Worte, gleich-
autende Stellen und Ausdrücke mit genauer Angabe, wo sie zu finden sind, auf-
führen, und sämmtlich in lateinischer Sprache nach dem Texte der „Vulgata" ab-
gefasst wurden.
Der riesige Foliant ist mit derselben kleinen gotischen Type gedruckt, die wir
später in Archidiaconi de Baysio „Bosarnim super decreto" und in Astexani de
Ast: „Siitmma de casibus consdenOae" finden werden. Letztgenannte Werke sind
beide in dem schon oben abgedruckten Pariser Verlagsverzeichnisse Hentelin^s auf-
geführt und legitimiren also auch das vorliegende Werk als Mentelin' sehen Druck.
Unser Exemplar befindet sich in einem prächtigen, mit Messingbeschlag versehenen
alten Original-Einbande. —
i
— Strassburg. — gy
No! 163.
Strassburg 9 Johann Mentelin, circa 1466. Folio-Format.
Auch die Briefe des Heiligen Hieronymus sind mit der soeben bezeichneten
grösseren gothischen Type gedruckt und finden sich ebenfalls in dem ytMünchener
Yerlagsherichte'^ Mentelin's erwähnt. Das obige bedeutende Prachtwerk ist die
EdiUo princeps dieser Briefe. Hain No. 8549.
Wir setzen in das Jahr 14ßß absichtlich nur dieses eine bedeutende Haupt-
werk unserer Sammlung, weil in diesem Jahre auch Mentelin^s deutsche Bibel er-
schien und jedenfalls auch schon die älteste Auflage der ebenso umfänglichen
„Summa Astexani" in Arbeit genommen werden musste, die wenigstens 1469 sicher
bereits erschienen war.
Aus letzterem Grunde darf man auch in das Jahr ^467 nicht mehr als zfrei
bedeutende Druckwerke setzen, die wir nachstehend folgen lassen, zimial es ja neben
diesen Hauptwerken sicher noch Accidenzarbelten der verschiedensten Art gegeben
haben dürfte, wovon nichts auf unsere Zeit gekommen ist. —
No. 164.
J>0l)annfs €l)ri)fo|lomtt0: „^nmiliae ?^^ in eoangrltum
3. jaatt!)aft^^
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1467. Mittel Folio-Format.
Der Herausgeber dieser Predigten ist Georgius Trapezuntius. Die kleine Type
des Textes ist dieselbe, welche wir in Augustini „de arte predicandi'^ von 1464,
und in der „ Summa'* des Thomas von Aquino 1466 kennen lernten. Auch die grosse
Tyi>e der Capitelüberschriften erblickten wir schon in den zwei Anfangszeilen der
»Ars predicandi' von 1464.
Es ist hier bemerkenswerth , dass diese Schriftgattung sehr ähnlich, in den Ma-
juskeln sogar vollkommen gleich einer andern Type Mentelin's ist, welche wir be-
reits in des Hieronymus Epistolae bemerkten, sowie später in des Augustimis Epistolae
und Confes^onum libri XIII. , im Yalerius Maximus und andern Werken kennen
lernen werden, aber sie ist dabei grösser. Es gehen nämlich auf 10 Zeilen der
Tjrpe des vorliegenden Werkes beinahe 11 Zeilen der Schriftgattung, mit welcher
die eben genannten Werke gedruckt sind.
Es kehrt diese grössere Type auch in keinem andern unserer Mentelin'schen
Dmcke ausser der schon genannten „Ars praedicandi*' unter No. 160 wieder, und
wurde wahrscheinlich ihrer QrÖsse wegen bald durch eine neue ersetzt, sowie man
Ja auch anderwärts von den grossen Typen, jedenfalls aus Rücksichten auf Papier-
erspamiss, bald mehr und mehr zu kleineren überging. Hain No. 5034. —
No. 165.
Al)il)0nfu0 be Spina: ^^FortaltctumFibei contra FU»ci (l)rißtanae
l)0(lC0".
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1467. Folio-Format.
Diese „Apologie des christlichen Glaubens'* bemerken wir als zweites Werk in
dem ehemals Münchner Verlagsverzeichnisse Mentelin's aufgeführt. Das Werk hat
eine eigenartige Type, etwas grösser al3 die der imdatirten Auflage des „8peculimi
7
g8 — Strassburg. —
historiale", aber die romischen MajusKeln sind in beiden Werken dieselben, nur
dass in vorliegendem das «bizarre R*' des „Speculum*' nicht erscheint. Dieselbe
Type findet sich in noch einem Werke unserer Sammlung, in Isidori «Etymologiarum
liber** von 1471, wo wir darauf zurückkommen werden. Hain No. 872. —
Na. 166.
Vinccntitt0 BeUooacenfta: ,,Spcculum Hifbriale^^
Strassbnrg, Johann Mentelin, circa 1468.
Zwei starke Bände in Gross Folio - Format.
Das Mentelin^sche „Speculttm historiale'^ existirt bekanntlich in zwei verschie-
denen Ausgaben, einer tmdaiirten ohne Ort und Firma und einer datirten von 147S
mit Menteliti's IVrma. Beide Auflagen enthält unsere Sammlung; vorliegende ist die
älUre wndaUrU Ausgabe.
. Das Werk ist ein Theil des von dem gelehrten Dominikaner Vincent zu Beau-
vais auf Veranlassung Ludwig's IX. für den Unterricht seiner Sohne verfasaten
„Si>ecnlum quadruplex** , welches eines der ersUti encyclopädisehen Werke war imd
in folgende an sich höohs tumfangreiche Theile zerfillt: „Speculum naturale*^ ^ worin
die gesammte Naturtnssenschaft; „Speculum doctrinale*^ , worin alle Künste und
Wissensdia/ten ; ^Speculwm historiale'*, worin die ganze Weltgeschichte bebandelt wird.
Der vierte Theil, das „Speculum moraW^ , ist nicht von Vineentius selbst ver-
fasst, sondern aus den theologischen Schriften des Thomas von Aquino , besonders
aus dessen „Summa" von andern Autoren zusammengetragen. Alle vier Abtheilungen
dieses Riesenwerkes sind von Mentelin gedruckt und in imserer Sammlung in aus-
erlesen schönen Exemplaren vertreten — eine Reihe machtiger Folianten in pracht-
vollen Einbänden, wodurch selbst der Laie in Erstaunen gesetzt wird. Bei Hain
fehlt das Speculum ganz; vergleiche Ebert No. 28612. —
No. 167.
lltcalau0 bf Jxfctn ^^pnfltUa fuper 39faltfrittm*^
Strassburg 9 Johann Mentelin, circa 1468* Folio-Format.
Dieses Werk hat dieselbe kleinere goünsche Type, mit welcher die in dem
„Münchener Verlagsverzeichnisse" angeführten Werke Archidiaconi de Baysio „Ro-
sarium" und Astexani „Summa" gedruckt sind , die w^ir übrigens auch schon in des
Conradus de Alemannia „Concordanciae bibliorum" von 1465 zu erwähnen hatten. —
No. 168.
i9almtt0 playtmua: ^^^Factorum tX butnrttm mrmorabUtum
Ubri ;l^«.
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1469. Folio-Format.
Erste und sehr seltene • Ausgabe , in dem „Münchener Verlagsverzeichnisse "
mit Yirgil und Terenz aufgeführt, welche die gleichen Typen haben, ims aber ber
ihrer grossen Seltenheit zur Zeit noch fehlen. Da ihr Druck ebenfalls in 1468 & 1469
zu setzen ist, haben wir in diese beiden Jahre auch nur Je zwei weitere Hauptwerke
eingereiht, die nach allen Anzeichen noch in dese ziemlich frühe Zeit gehören.
Prachtiger Original-Schweinslederband mit Messingverschluss. — Hain No. 15 773. —
— Strassburg. — go
No. 169.
St ^«Bttllim „«ontefponum Ubri jEJTc?^".
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1469« Klein Folio-Format.
Die jtdreteehn Büdier Beketmituisse'^ des heiligen Augustinus bilden eine in
Beichtform mit grosser Strenge und Selbstverleugnung abgefasste Darstellung und
Kritik seines eigenen Lebens. Mentelin hat diese „Editio princeps** mit seiner
grösseren gothischen Type drucken lassen. Hain No. 2080. •—
No. 170.
PlutarcM „Vitae illustrium Virorum".
strassburg 9 Johann Mentelin, circa 1470*
Zwei Bände, Mittel Folio-Format.
Die „Lebensbeschreibungen berühmter Männer", auch „Parallelae" genannt, weil
darin je einem bedeutendem Manne aus Griechenland ein solcher aus Rom ver-
gleichend gegenübergestellt wird, erscheinen hier wiederum in erster Attsgabe, welche
der verdienstvolle Mentelin mit der schönen romischen Type herstellte, die uns
durch das bixarre B bekannt ist. Hain No. 18 124. —
No. 171.
Vittcfntiuö BeUauacenfiö ,,Spfculum Naturale*^
Strassbnrg^ Johann Mentelin, 1470 — 1471.
Zwei starke Bände in Gross Folio-Format.
Auch dieser Theil der Encyclopadie des Ylncens von Beauvais ist mit der Type
des undatirten «Speculiun historiale" von 1468 (No. 166) gedruckt.
Man sollte meinen, die Druckerei müsse an diesen zwei machtigen Folianten
schon allein ein paar Jahre zu thun gehabt haben. —
No. 172.
|äaultt0 bf 3ancta JlÄaria: ^^^crutinium fcripturarum^^
Strassburg, Johann Mentelin, 14 7]« Klein Folio-Format
Diese Ausgabe ist in dem mehrfach schon erwähnten ehemals Münchener Ver-
lagsverzeichnisse Mentelin^s aufgeführt. Die Type kommt in keinem andern Werke
unserer Sammlung wieder vor; sie kommt nach ihrem Ductus und ihrer Grösse jener
Schriftgattang fast gleich, welche wir in des Oonradus de Alemannia »Concordanciae
Bibliorum*' von 1465 schon kennen lernten, aber in den Versalien weicht sie voll-
standig davon ab ; unter letzteren, welche überhaupt einen eigenthfimlichen Charakter
haben, ist besonders interessant das breite weitschichtige R, das wir schon auf
Seite 95 vorführten.
Von den zwei verschiedenen Ausgaben, welche Mentelin mit derselben Type
druckte, ist vorliegende dieselbe, von welcher auch die Münchener Bibliothek ein
Exemplar besitzt, dem, wie Eain berichtet, die Jahrzahl 1471 beigeschrieben ist.
In unserem wie neu erhaltenen Exemplare s^eht am Schlüsse von alter Hand die
Jahrzahl 1472, doch scheint ^dieselbe schonj corrigirt zu sein. Das Exemplar in
metallbescblagenem Lederbande ist übrigens wie neu erhalten und auf dem ersten
Blatte mit einer prächtigen Randmalerei versehen. Hain No. 10762. —
lOO
— Strassburg.
No. 173.
Smtti ^ttguftini „Ifibrr Cfpiflolarttm".
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1471. Folio-Formal.
Die ^Briefe des Heiligen Augustinus*' finden vir in dem „Münchener Verlags-
TeTzeichnisse" Mentelin's aufgeführt; sie sind mit der bekanntesten grossen gothischen
Type Mentelin^s gedruckt, deren Haupt - Charakteristicum die flotten, breitspurigen
Majuskeln sind. Hain No. 1966. —
No. 174.
Vincfntiu0 BelloDacmfia ,,8pfculum DoctrinaU^^
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1472, Gross Folio-Format.
Ist mit derselben Type wie das undatirte „Speculum Historiale" von 1468 ge-
druckt, woselbst wir auch über den Inhalt der vorliegenden Abtheilung dieser grossen
Encyclopädie das Nöthige sagten. —
No. 175.
Vincentius Bellovacensis „Speculum morale".
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1472« Gross Folio-Format
Die Type ist eine etwas grössere Antiqua, wie die unserer Mentelin'schen Bibel
von 1468, aber ohne das «bizarre R". Es existirt auch noch eine spätere Ausgabe
mit der Jahrzahl 1476 dieses vierten und letzten Theües der grossen Encyclopädie^
über deren Inhalt unter No. 166 schon das Weitere gesagt worden ist. —
No. 176.
Ipbori Hifpalenps ^,ltbfr Et^Tnalojtanim**.
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1472« Folio-Format.
Hauptwerk des Isidorus, Bischofs von Sevilla, eines der verdienstvollsten Ge-
lehrten des 7. Jahrhunderts, in welchem er eine Menge der wissenswerthesten
Kenntnisse, die sich auf das classische Alterthum beziehen, der Mit- und Nachwelt
überlieferte. Dieses encydopädische Werk ist mit derselben Type gedruckt, wie das
^Fortalicium fidei", unter No. 165 unserer Sammlung. Hain No. 9870. —
No. 177.
^fleyanue be ^ft: ^^Summa be cafibua canfcifnttar".
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1472. Folio-Format.
Diese Encyclopädie der geistlichen Wissenschaften, ein der ,^Summa'^ des Baibus
ähnliches aber specielleres Werk, ist in dem „Pariser Verlagsberichte" von Mentelin
als zweites Werk verzeichnet und hat dieselbe Type, wie das nachfolgende „Rosarium*.
Mentelin hat dieses grosse Werk dreimal gedruckt und Schöpflin beschreibt ein
Exemplar der ersten Auflage, welchem vom Rubricator die Datirung von 1469 und
Mentelin's Firma hinzugefügt war, so dass angesichts der umßnglichen Arbeit des
— Strassburg. — lOI
Rabricators anzunehmen ist, dass der mächtige Foliant von 448 Blättern bereits
1168 vollendet wurde. Unser schönes Exemplar ist die zweite Auflage des Werkes,
die auch Hain No. 1889 in circa 1472 setzt. —
No. 178.
^rc^ibtaconi be IBapfio: ^^Mofarium fuper becreto^^
Strassburg 9 Johann Mentelin, circa 1472« Gross Folio-Format.
Dieses grosse theologische Werk über das y^Decreium'^ ist in dem ^Pariser
Yerlagsverzeichnisse*' als drittes aufgeführt; wir lernten die kleinere gothische Type
desselben bereits in mehren andern Werken kennen. Hain No. 8713. —
No. 179.
Vincentius Bellovacensis: „Speculum Historiale".
strassburg^ Johann Mentelin, 1478*
Zwei starke Bände in Gross Folio-Format.
Dieses ist die schon mehrfach erwähnte zweite Ausgabe d«s „Speculum historiale"
mit MentelirCs Firma und Daiirung von 147 S; es ist also der erste datirte Xhttok
Mentelin's! Er ist mit einer andern Type gedruckt, als die erste Ausgabe,
welche -wir unter No. 166 aufführten, nämlich mit der römischen Schrift des vor-
hin besprochenen Speculum morale unter No. 175 unserer Sammlung. —
No. 180.
^Iberti lltapi ^Sf^» in dDangrltum: plt|fu0 efl dabricl
,ßc laubibu0 ISirgtme lÄariac/^
Strassburg^ Johann Mentelin, circa 1474 — 14 7 6« Folio - Format.
Die beiden wie gewöhnlich zusammengebundenen theologischen Schriften des
berühmten Albertus von Bollstädt sind mit der kleineren goihischen Type gedruckt,
welche wir schon Öfters erwähnten. Hain No. 461 & 467. —
No. 181.
Wolfram von Eschenbach: „Titurel".
strassburg, Johann Mentelin, 1477. Klein Folio-Format.
Unsere altern Bibliographen, welche die überaus seltene älteste Ausgabe des
gTiturel" wohl meist nicht gesehen, sondern nur nach Andern verzeichnet und be-
schrieben haben, führen Günther Zainer in Augsburg als Drucker an, mit dem ganz
unrichtigen Beifügen, das Werk sei mit der römischen Type des Zainer'schen Isi-
dorus von 1472 gedruckt Es hätte statt Zainer Johann Mentelin in Strassburg
heissen sollen, dessen Folio- Ausgabe des Isidorus ebenfalls um 1478 erschien imd
den unsere Sammlung unter No. 176 enthält.
Selbst Hain No. 6683 imd Ebert No. 6925—26 druckten diesen doppelten Irr-
thxun nach, welcher denn auch noch heute vielfach getheilt wird. Ein vergleichender
Blick in den aTiturel" und in Günther Zainer's Isidorus, ebenfalls in unserer
Sammlung, ergiebt aber sofort, dass beide Werke aus ganz und gar verschiedenen
Typen gedruckt sind.
I02 — Strassburg. —
Hofrath Zapf in seiner Geschichte der ,Biichdmckerei in Aagsburg" 1786, zweiter
Theil, Seite 216, beruft sieh auf Panzer^s ,AnnaIen der altem deutschen Literatur",
erster Band, Seite 102, wo ebenfalls Gün&er Zainer als Drucker des »Titurel« an-
geführt werde, und dies ,aIso keinem Zweifel unterworfen sei, wenn auch Helm-
schrot in seinen Druckdenkmalen des Benedictinerstifles zu Fuessen Seite 42 daran
zweifle und den Druck dem Johann MenteHn in Strassburg zuschreibe!"
Brunei und Falkengtein haben zwar denselben Zweifel genugsam angeregt, jedoch
ohne ihn zu beseitigen; man hätte aber ausser dem Mentelin^schen Isidortis auch
nur dessen „Speculum hlstoriale" mit Firma und Jahrzahl 1473 zu vergleichen
brauchen, um vollige Gewissbeit zu erlangen.
Uebrigens sind es nur die Mentelin'schen TersaUBtuihstaben , die man im ^Ti~
tureV^ genau wiederfindet; die Minuskeln sind andere Hentelin^sche Typen, die für
den ^Titurel" Jedenfalls passender erschienen, da dieser mittelhochdeutsch, das »Spe-
culum" des Yincentius imd der Isidorus aber in lateinischer Sprache geschrieben
und gedruckt sind.
Das Heldengedicht „liturel^ ist nicht das Originalwerk Wolfram^s von Sschen-
bach. Der Dichter Albrecht von Scharffenberg bearbeitete um das Jahr 1272, also
57 Jahre nach Wolfram's Tode, die von letzterem Unterlassenen Brudistücke des
Gedichtes über die Liebe der Kinder Schionatulander und Sigune, welche letsrtere
eine Urenkelin Titurel's ist. Er verband damit die Schicksale und Tbaten des
Oralkönigs Titurel und seines Sohnes Frimutel, und erlangte mit diesem unter dem
Namen „der neue Titurel" bekannten Gedichte das grosste Ansehen, zumal sich das
Gedicht den Namen Wol/ram's von Eschenbach anmasste.
Wie von so vielen würdigen Büchern hat auch von diesem werthvoUen Denk-
male deutscher Poesie der wackere Mentelin ims die «Edltio princeps" bescheert,
die man heute als kostbaren Schatz in unsern Bibliotheken bewahrt, und womit
wir nun den glanzvollen Ueberbllck abschliessen, den wir von der rühmlichen Thätig-
keit eines der ältesten deutschen Topographen zu geben im Stande waren. —
1464 big 1478.
Heinrich Eggestein war eine Zeit lang Mentelin' s Geschäfts -
genösse; Hieronymus Gebwiler — in seinen Panegyris Carolina
Strassburg 15 2i, folio 19 — hat noch ein Document gesehen, durch
welches Eggestein sich Mentelin verpflichtete, ihr gemeinsames
Verfahren geheim zu halten. Hieraus darf man wohl schliessen,
dass Mentelin es war, der Jenen die Kunst gelehrt hatte.
Die Genossenschaft hat aber nicht lange gedauert; durch einen
Schirmbrief vom 30. April 1466 nahm Kurfjirst Friedrich von der
Pfalz, Landgraf von Elsass, Eggestein und seine Arbeiter in seinen
Schutz, wonach angenommen werden muss, dass die Verbindunjj
mit Mentelin aufgehört hatte, und Eggestein bereits für sich allein
Geschäfte betrieb, was auch seine zwar nicht datirte, aber sicher
schon 1466 erschienene erste deutsche Bibel documentirt.
Der erste datirte Druck Eggestein's, wie überhaupt Strass-
burg^s, ist das Decretum Gratiani von 14:71 ^ der schönste und
— Strassburg. — IO3
wichtigste ist aber seine erste deutsche Bibel, von welchen beiden
Werken sich Prachtexemplare in unserer Sammlung befinden.
Wenn aber die erste deutsche Bibel 1466 bereits fertig war, kann
man wohl annehmen, dass Eggestein sich bereits 14:04: selbständig
etablirte. In den letzten Jahren stand übrigens schon sein Sohn
dem Geschäfte vor. —
No. 182.
„1@iblia (Scrmanica.*^ i0ie erftc brutfdje JlibeL
Strassburg^ Heinrich Eggestein, circa 1466* Gross Folio-Format
Eins der ehrwürdigsten Denkmäler der Buchdruckerkunst von enormer Selten-
heit und hohem Werthe. Die erste deutsche Bibel, deren Uebersetzer wahrscheinlich
IXicolaus Syberus, Canonicus zu Eisenach gewesen , wurde also bereits 17 Jahre vor
Luther's Geburt gedruckt.
Die Ausgabe hat weder Angabe des Druckers noch des Jahres, aber es ist durch
rubrizirte Exemplare erwiesen, dass Eggestein sie bis 1466 fertig gedruckt haben
muss. Der Druck ist, abweichend von mehren andern Eggestein'schen Enseng-
nissen, sehr schön und glatt, die Type nicht gross und sehr hübsch. Der pr&chtige
reich beschlagene Einband von grünem Leder entspricht ganz dem hohen Werthe
des ehrwürdigen Druckwerkes. Hain No. 3129. —
No. 183.
fonifacü Yin. „?tbrt fnXm brcrctalium cum appartu
^oljanme <3lnbrrar",
Strassbnrgr^ Heinrich Eggestein, circa 146 7« Folio-Format.
Ist im Teste mit einer gprösseren, in den umlaufenden Glossarien mit einer
kleinen Type gedruckt; beide Gattimgen haben einen steifen, rauhen Charakter und
der Druck entbehrt ganz der Sauberkeit, welche wir bei der deutschen Bibel be-
merkten. Dieselben Typen von zweierlei Grösse kehren auch in den folgenden
Nummern mehrfach wieder. Hain No. S588. —
No. 184.
„IBiblta ITatina.*^
Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1468. Gross Folio-Format.
Die ungemein seltene zweite lateinische Bibel Eggestein's ist mit einer mittel-
grossen gothischen Type gedruckt, welche uns bisher noch nicht vorgekommen.
Schöpflin hat in seinen «Vindiciae* auf Seite 43 das Exemplar der ehemaligen
'Strassbuiger Bibliothek beschrieben, welchem am Ende des Psalters von der Hand
des Rubricators die Jahrzahl 1468 beigesetzt war, wovon Schopflin auf Tabula V
»uch ein Facsimile giebt. Dieses interessante Druckdenkmal besitzen wir leider bis
jetzt nur unvollständig. Hain No. 3036, Panzer I Seite 81 No. 436 beschreiben die
höchst seltene Biblia näher. —
I04 — Strassburg. —
No. 185.
(^xt^oxms IX : j^UoDa compÜÄtto ä5ccrrtiiUum*\
Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1468. Gross Folio-Format.
Mit derselben Type von zweierlei Grösse gedruckt, -wie die jfDecretalen'^ des
Bonifadus unter No. 188; ziemlich seltener und früher Druck. Hain No. 7996. —
No. 186.
IBanaurntura: ,,30Ulaqmttm Brncrabilte^^
Strassbnrg, Heinrich Eggestein, circa 1469. Quart-Format.
Das Werk ist mit derselben Type wie die erste deutsche Bibel gedruckt; es ent-
halt religiöse Betrachtungen in Form eines Selbstgespräches, welches der Mensch
mit seiner Seele führt. Hain No. 3483. —
Wir kommen nun zu einer Reihe von Druckwerken, die seit mehr als hundert
Jahren auf das Conto des gerade in Strassburg ungewöhnlich starken „Typographus
ignotus^ geschrieben wurden; über die man hin und her disputirte und Irrthümer
auf Irrthümer häufte, sodass man sich noch heute im Zustande vollständiger Yer-
wirrung über diesen allerdings etwas verwickelten Gegenstand befindet. Eins nach
dem Andern durchnehmend, wollen wir uns bemühen, die Sache in ein möglichst
klares Licht zu setzen.
Die Druckwerke, um welche es sich handelt, verzeichnet Panzer I pag. 92 ss.;
Typen-Alphabete davon geben Braun I Tafel V No. VII und Gras I Tafel V No. 80.
Dass die mit dieser Type gedruckten Werke Strassburg angehörei\, beweist eine
Ausgabe von Henrici Ariminensis „Tractatus de quatuor virtutibus cardinalibus^, an
deren Schlüsse Strassburg als Druckort ausdrücklich angegeben ist. Dieses wichtige
Buch, No. 194 in unserer Sammlung, bildet also den Schlüssel zu der ganzen Aufgabe.
An einem weitverbreiteten Irrthume, nach welchem die in Rede stehenden Typen
auch Christoph Yaldarfer in Mailand zugeschrieben worden, ist Placidiis Braun die
Schuld zuzumessen. Dieser verdienstvolle Bibliograph hat nämlich — verführt durch
eine mit dieser Type gedruckte Folio - Ausgabe von des Bartholomaeus de Chaimis
„Interrogatorium sive Confessionale*' , welche am Schlüsse die nämlichen zwölf
Distichen aufweist, die Valdarfer in Mailand seiner Octav-Ausgabe von U74 beisetzte —
auch diese Ausgabe;, wie alle mit derselben Schriftgattung gedruckten Werke dem
Christoph Valdarfer zugeschrieben. Jene Verse aber, welche Valdarfer als Drucker
nennen, sind merkwürdiger Weise in fast alte späteren Ausgaben anderer Drucker
mit übergegangen und liefern zugleich ein olassisches Beispiel des in jener ersten Zeit
üppig blühenden Nachdruckes. Wir kennen ausser unserer Maineer Ausgabe von
Peter Schöffer 1478 unter No. 87, die ebenfalls dieselben Verse enthält, ferner Aus-
gaben von Martin Flach in Strassburg , Friedrich Creussner in Nürnberg 1477,
Bominicus de Vespolate & Jacobus de Marliano in Mailand 1478, R^naldus de
Novimagio in Venedig 1436, Erhard Ratdolt in Augsburg 1491 imd ausserdem mehre
ohne Druckfirma, welche alle die Valdarfer'schen Distichen enthalten. Welch' eine
heillose Wirthschaft würde nun daraus entstehen, wenn man, wie es vielfach ge-
schehen, alle diese Drucke und besonders diejenigen, welche die eigentliche Druck-
firma nicht extra aufweisen , auf Valdarfer übertragen' wollte. Dieser Fall beweist
eclatant, wie unentbehrlich es für den Bibliographen ist, sich eine gründliche Keant-
niss der Typen alter Druckwerke anzueignen, die ihn allein befähigt, in solchen
Fragen klar zu sehen.
Aber nicht genug an dem einen Irrthum, auf den schon Panzer I Seite 89 und 83
aufmerksam luachte; es kommt ein anderer dazu, dem gerade dieser Gelehrte das
Wort redete. In dem Verzeichnisse, das er Band I Seite 92 No. 497 bis 534 von
— Strassburg. — 105
den bezeichneten Strassburger Drucken giebt, mengt er unter diejenigen, welche
tbatsächlich mit derselben Type gedruckt sind, igrieder andere, die eine zwar frappant
ähnliche, aber desto nothwendiger zu unterscheidende Type aufweisen.
Der erste datirte Druck von Würzhurgt das ^Breviarium Herbipolense*^ von 1479,
gedruckt von Joharm Beckenhub, Stephan Bold und Oeorg Reyser, zeigt eine Type,
deren Aehnlichkeit nut unserer Sirasshwrger Typengattung eine so tauschende ist,
dass man sich allerdings schon ein gründliches Quantum Misstrauen auf diesem
Gebiete angeeignet haben muss, lun sich durch den Augenschein nicht unbedingt
bestechen zu lassen. Aber wie nothwendig ein solches Misstrauen ist, zeigt in
wunderbarer Weise der vorliegende Fall, so bald wir ihm mit Meterstab, Zirkel und
Loupe auf den Leib rucken. Alsbald wird die Sache klar, dass beide Schriftgattungen
trotz aller Aehnlichkeit nicht gleich sein können, denn die eine ist grosser als die
andere; es gehen nämlich auf 80 Zeilen des Strassburger Druckes 21 von denen des
Würzburger, wonach die letztere sich als kleiner herausstellt. Nachdem dies einmal
gewiss war, brachten uns dann emsige Vergleiche in der That auch ein paar factische
Unterschiede in der Gestalt der Typen/o fmen, nach welchen wir nun auch ohne An-
wendung des Meterstabes im Stande sind, die genannten Drucke auf den ersten Blick zu
unterscheiden. Da diese Merkmale besonders interessant sind, haben wir im Interesse
der Sadie eine genaue Nachbildung derselben anfertigen lassen. Diese Unterschiede
finden sich bei den Ligaturen ft und et; indem wir diese Unterscheidungs-Merkmale
hier nebeneinander setzen, bemerken wir, dass die in beiden Fällen zuerst stehende
Form des ft imd et die Strassburger, die zweite die Würzburger Type darstellt:
^\ f^ £^^ J^ ^ ^^^^ ^^ ^^ einzigen Merkmale, welche sich ausser
■*''^' V'lvl'* der Grossendifferenz zur Unterscheidung genannter Drucke
gefunden haben und sie dürften in der Folge für die Bestimmung derselben sehr zu
beaditen sein.
Aber es giebt auch noch eine andere Nachbildimg dieses Typencharakters, deren
Urheber man bis heute leider nicht hat feststellen können. Man weiss nur soviel,
dass es ein niedersächsischer Typograph gewesen sein muss, denn von ihm rühren
eine hochdeutsche und eine niedersächsische Ausgabe vom „Buch der Heiligen Väter"
des Hieronymus her, Hain No. 8603 und 8609. Die Typen dieser beiden Ausgaben
sind es eben, die eine so grosse Aehnlichkeit mit den vorgenannten aufweisen, dass
man unfraglich eine Nachbildung voraussetzen [muss. Die Grösse <lerselben ent-
spricht so ziemlich der WOrzburger Schriftgattung; das et und ft hingegen wieder
der Strassburger Type. Es giebt jedoch auch Merkmale, die sie von beiden Gat-
tungen unterscheiden. Dad sind vor Allem die Formen der Buchstaben f, f^, \, die
bei dem niedersächsischen Drucke von langer Figur sind und unter die Linie
reichen, während f, h, f in den Strassburger und Würzburger Drucken mit der
Linie abschneiden. Ausnahmen finden jedoch in dem niedersächsischen Drucke
bei den Doppelbuchstaben ft und ff statt, die ebenfalls mit der Linie abschneiden.
Ein zweites Merkmal bildet auch der Buchstabe W. Dieser kommt hier in zweierlei
Gestalt vor, ist aber wesentlich kleiner, als in Strassburg und Würzburg. Ein
Facsimile dieser Typengattung findet man in Bodemann „Incunabeln zu Hannover"
Tafel 816. Nach den angegebenen Kennzeichen wird man nun alle d^ei Schrift-
gattungen leicht unterscheiden können.
Wer aber, und wir kommen nun zu der Hauptfrage, wer war der erste Ver-
fertiger der schönen Schriftgattung, mit welcher eine so beträchtliche Anzahl von
Werken zu Strassburg gedruckt wurden ? Wir antworten : Heinrich Eggestein,
und werden den Beweis nicht schuldig bleiben. Zu diesem Beweise jedoch ist es
nöthig, dass wir noch eine neue, wenigstens noch zur Hälfte unentschiedene Frage
berühren, nach deren vollständiger Klarlegung es erst möglich ist, ein beweis-
kräftiges Urtheil über alle diese Gegenstände abzugeben und dadurch, wie wir hoffen,
die leider thatsächliche Verwirrung auf diesem Gebiete aus dem Grunde aufzulösen.
Io6 — Strassburg» —
Unter No. 196 werden wir die höchst seltene Editio princeps von Ludolphi
•Saxonis „Opns vitfte Christi" ohne Ort und Drucker 1174 aufführen, über deren typo-
graphischen Ursprung die verschiedensten Gerüchte verbreitet sind. Zunächst be-
schreibt De Bure unter No. 109 die Ausgabe und folgert aus der Schlussschrift, dass
sie in der Druckerei dsr Sartaufie untoett Strassburg gedruckt sein mochte. Gras I
pag. 13 citirt die De Bure^sche Ansicht. Panzer I pag. 19 & 80 No. 15 sagt, ,er
zweifle nicht, dass dies Werk zu Strassburg gedruckt sei, aber durch einen Typo-
grapben, dessen Namen annoch fehle". In Mac Carihy's Katalogue wird Eggestein
als Drucker angegeben, aber Ebert No. 12481 rügt, dass dies zu voreilig geschehen
sei, ,der Druck sei vielmehr von einem noch unbekannten Drucker". Gleichwohl
haben Hain No. 10 290 und Brunei III col. 1285 Mac Carthy's Ansicht acceptirt.
Graesse IV pag. 291 hegt wieder Bedenken und führt noch Sensenschmid und Pris-
ner in Nürnberg in's TreflFen.
Was ist nun richtig? Betrachten wir zunächst die Schlussschrift des Werkes.
Sie lautet in der Hauptsache: y^Et sie est finis huius operfs rita cristi nuncupaÜ et
a quodä Religioso fratre LudoJpho ordinis Carthusienf MonÜs Beate virginis extra
ciuitafe Argen • monacho ... et precellenti theologo cöpilati . . . Impressü Anno
dni ' 1 » 4 ' 74,*^ Hieraus ist weiter nichts zu entnehmen, als dass das Werk von
Ludolphus in dem Kartäuserkloster verfasat ist, und da»» es im tTtihre 147't
ffedrueht wurde. Aber wo imd von wem, steht nirgends geschrieben. Die An-
nahme, dass es die Klosterdruckerei der Kartau»e gewesen sei, deren Existenz nicht
einmal betciesen ist, ermangelt also jedenfalls der Segründung, Dagegen besitzen
wir einen durch Firma und Jahrzahl beurkundeten Druck Heinrich Eggestein's, in
welchem genau dieselben Typen vorkommen, mit denen Jene Editio princeps der
Vita Christi des Ludolphus gedruckt ist. Es sind das die „ Consuetudines Feudorum*^,
No. 194 unserer Sammlung, von Hain No. 9491 als Annex zu Justiniani JnsÜtiUiones
beschrieben, die jedoch ein selbständiges Werk bilden. Die kleine Type des Glossar's
ist hier mit allen Einzelnheiten übereinstimmend mit der des Ludolphus, und es ist
daher keinem Zweifel mehr unterworfen, dass auch der Letztere ein wahrhaftiges
Produkt der Eggestein'schen Officin ist
Dieses hochwichtige Buch liefert uns aber zugleich auch den unbezahlbaren
Beweis, dass ebenso alle jene zuerst genannten Producte des bisher „unbekannten
Strassburgers" keiner andern als einzig der Heinrich Eggesteih'achen Druckerei ent-
stammen können, denn gleich am Anfange der Vita Christi befinden sich seeh»
rothgedruekte Zeilen, deren Typen dieselben aind wie »ie jene „un-
bekannten Drucke** aufweisen. Damit ist es unzweifelhaft, dass wir mit gutem
Gewissen die ganze Reihe jener Drucke den Erzeugnissen der Eggestein'schen Presse
zufügen dürfen.
Noch eine allgemeine Betrachtung wollen wir uns hierzu gestatten. In dem
Explicit der Clementinen vom 21. November 1471 sagt Eggestein, es seien schon
vorher von ihm ^innumera divini humanique juris volumina'^ gedruckt, ohne dass
man bisher für diese „Unzahl von Bänden" eine andere Erklärung finden konnte,
als dass man volumina blos im Sinne von Exemplaren auffasste, da man von Werken
über göttliches und menschliches Hecht, die Eggestein vor 1471 gedruckt haben
konnte, nur sehr wenige kannte. Durch unsere Entdeckung dürfte aber die dunkle
Stelle ein neues Licht erhalten. Es sind der Werke, die wir durch Feststellung
jener Typengattung der Eggestein'schen Offizin zuzuzahlen haben, so viele, dass nun
das stolze Wort des Meisters im eigentlichen Sinne wahr zu werden scheint. Panzer
zählt an genannter Stelle nicht weniger als 28 verschiedene, mit derseUten Type ge~
druckte Werke auf, und wenn von dieser Zahl auch solche Drucke, die .der Reyser-
schen Presse in Würzburg angehören, abzurechnen sind, so ist das Verzeichniss auf
der andern Seite sicher noch nicht vollständig, denn die „Historia Scholostica«,
welche Panzer Band IX Seite 209 No. 518b anfuhrt, gehört ebenfalls zu diesen
— Strassburg. — 107
Druckwerken, and so Jedenfalls noch manches Andere. So erscheint denn Eggestein
allerdings als yollkommen ebenbürtiger Rivale des grossen Mentel und würdig des
besondern Schutzes, den sein Landesherr ihm und seinen Arbeitern angedeihen Hess.
No. 187.
|9ftru0 €omt|tar: „Hiptoria 5d)ola(ltca'^
strassburg^ Heinrich Eggestein, circa 1469. Folio-Format.
Jedeotfalls die älteste Ausgabe dieses Werkes, welches nichts Anderes ist, als
ebe bibliscbe Geschichte des alten und neuen Bundes bis auf die Apostel, nach
Anleitung der historischen biblischen Bücher geschrieben und eingetheilt. Die Type
der bei Panzer IX Seite 809 No. 518 b und bei Hain No. 5529 beschriebenen Ausgabe
ist dieselbe, von welcher wir in der obigen Einleitung ausführlich handelten. Alpha-
bete davon gaben Braun I Tafel V No. VII und Gras I Tafel V No. 30. —
No. 188.
ffmarblm be 3eni0 „atÄCtatua be contracttbue et ufuri«''.
Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1469« Folio-Format.
Des Heiligen Bernardinus „Abhandlung über Verträge und Nutzungen" ist mit
der gleichen Type wie die in voriger Nummer besprochene „Historia Scholastica"*
gedruckt. Man vergleiche Panzer I Seite 94 No. 504, Hain No. 2885. —
No. 189.
€^0ma0 it ^qutno: „^f ueritatc €atl)oltcac 3?tbfi".
Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1470. Folio-Format.
Mit derselben gothischen schönen Type gedruckt, wie die vorhergehenden. Diese
nndatirte Ausgabe des Werkes „über die Wahrheit des katholischen Glaubens'* ist
jedenfalls Editio princeps. Man vergleiche auch Panzer I Seite 95 No. 510 und
Hain No. 1385. —
No. 190.
,ßtx brutfd)-latftntfd)c Jäfalter mit ber dlaffe br» Micolaue
bf IT^ra/'
Strassburg) Heinrich Eggestein, circa 1470« Folio-Format.
Von grosster Seltenheit und 'erste Ausgabe. Die Typen sind dieselben wie in
den vorhergehenden Werken. Man vergleiche auch Panzer, Annalen der altern deut-
schen Literatur No. 14, dessen Annales I Seite 95 No. 514 und Hain No. 13 .'»08.
Panzer giebt an beiden Stellen 10 Blätter zu wenig an ; ein completes Exemplar muss,
wie Hain richtig feststellt, 404 Blätter zählen, während Panzer nur 894 notirt.
No. 191.
Sancti JBfrnarbi „(£pi|talae cum altte ejudbem tractatibus.''
Strassbni^^ Heinrich Eggestein, circa 1470. Folio-Format.
Schönes Exemplar des mit der deutschen Bibel -Type gedruckten Werkes. Das
erste Blatt ist mit 2 in Gold und Farben ausgeführten Initialen und einer schönen
gemalten Bordüre geschmückt, der Einband ebenfalls vorzüglich und mit Metall -
beschlagen. Hain No. 2870. —
lo8 — Strassburg. —
No. 192.
drattÄtii ,3^c^^^^wt cum apparatu".
Strassbnrg^ Heinrich Eggestein , 1471« Gross Folio-Format.
Erster dtUirter Druck Eggestein^s und zugleich StrasBburff'B , da Mentelin
seine Firma erst 1478 der Jahrzahl beidruckte. Das wunderbar schön erhaltene
Exemplar dieses riesigen Folianten ist auf der ersten Seite mit einer interessanten
Miniature und einem grossen in Gold gehöhten Initial - Buchstaben geziert. Der
Druck ist derselbe, wie in des Gregor und des Bonif actus Decretalen; für den Text
dient die grössere, für die Glosse die kleinere dort beschriebene Typengattung.
Dieser seltene und berühmte Druck ist gleichzeitig die erste gedruckte Atisgäbe der
von dem Mönche Gratianus tun 1158 gesammelten Kirchengesetee , welche wiederum
das erste Kirchengesetzbuch repräsentiren , aus welchem spater das y^Corpus jurts
canonici'^ abgeleitet wurde. Autor der Glosse ist Bartholomäus Brixiensis, welcher
dieselbe erst 100 Jahre nach dem Entstehen des Originals verfasste. Unser Exemplar
hat noch den alten schönen Original-Elnband und ist pompös mit riesig starken Mes-
sing-Ornamenten fast über und über bedeckt. Hain No. 788S. —
No. 193.
^ratianl „^rcrftum cum appartu^'.
Strassburg, Heinrich Eggestein, 1472« Gross Folio-Format
Die eweite Auflage dieses Riesenwerkes, welche wunderbar genug schon ein
Jahr nach der ersten nöthig geworden, wie die Datirung von 1472 beweist, ob-
gleich in demselben Jahre auch Schöffer in Mainz sich beeilt hatte, die Strassburger
Ausgabe nacheudrucken. Auch dieses Fxemplar ist im Geschmacke der Zeit
prächtig in Leder gebunden imd mit Messing beschlagen. Hain No. 7884. —
No. 194.
^^ConfuftwbhifÄ feubarum.'*
Strässbnrg, Heinrich Eggestein, 1472. Folio-Format.
Eine Sammlung der Lehnrechte mit Glossarien, welche als Supplement zu den
„Institutiones'' des Justinian gedruckt wurde, die Hain unter No. 9491 beschreibt.
Die grossen Typen des Textes sind dieselben, wie diejenigen der beiden Ausgaben
des „Decretum" unter den vorigen beiden Nummern. Die kleine Glossartype dagegen
ist uns bis hierher noch nicht vorgekonunen. Sie ist deshalb sehr wichtig, weil sie
den Beweis liefert, dass auch die Editio princeps von Ludolphi Saxonis ,Vita Christi''
unter No. 196 ein Druck Eggestein^s ist, wie wir auf Seite 107 schon erwiesen
haben. Dass die Consuetutines, wie einige Gelehrte fabeln, mit Holzbuchstaben ge-
druckt seien, würde am wenigsten auf Eggestein passen. —
No. 195a.
iJinccnltu» (Iruner: «?:poflti0 ?9f)icU |ötDae".
3^enricu0 ^riminrtt|t» „®ractatu0 be quatuar Birtutibu»
carbinaltbua".
strassburg, Heinrich Eggestein, 1472. Mittel Folio-Format.
Diese noch im Originalbande befindlichen beiden Werke sind zusammengebunden.
Die y^ Auslegung des Amtes der heiligen Messe'^, wovon Vincenz Grüner der anonyme
Verfasser ist, findet sich bei Hain unter No. 6808, der y^Tractat über die vier Cardtnal-
— Strassburg. — IOQ
ti^mden^ des Henricus Ariminensis bei Panzer Band I Seite 92 No. 497, bei Hain
No.1649 beschrieben. —
Das letztere Werk beginnt mit einer Einleitung, welcher sich ein Register an-
schliesst, an dessen Schluss auf Blatt 10 verso der Herausgeber Thomas Dorniberg
erklärt, dass er die Ausgabe mit dem Register im Jahre 1472 vollendet habe; am
Schlüsse des Werkes steht aber, das der Tractat — arte imprefforia 3lrgeittiite arti-
jirilirc effigiattts — zu Strassburg gedruckt ist. Beide Werke sind mit der gothischen
Type hei^esteUt, von der wir auf Seite 105 bis 107 ausführlich handelten und womit
auch die unter No. 187 bis 190 beschriebenen Werke gedruckt sind. —
No. 195b.
?lurtlU ^uguftim „fiber |irol0cutiani» rt mrtitationtÄ".
Strassburg^ Heinrich Eggestein, circa 1472. Klein Folio-Format.
Mit derselben Type wie die vorige Nummer gedruckt Einzige bekannte Ausgabe
des 15. Jahrhunderts. Panzer I Seite 95 No. 507. Hain No. 8109. —
No. 196.
?ttbol|il)i 5a^0tti0 yß^m utlae dljrtfli juyta frrirm
(Ktiangflt0rum*^
Strassburg; Heinrich Eggestein, 1474« Gross Folio-Format.
Höchst seltene Bditio princeps dieses Werkes und von grösster Wichtigkeit,
da aus ihr eine gp*osse Anzahl anderer Drucke nach ihrem Ursprünge erwiesen sind,
wie wir dies auf Seite 106 umständlich erörtert haben. Die roth gedruckte sechs-
Keilige Einleitungsschrift hat die Type des Tractatus Henrici Arimenensis von 1478
unter No. 195 a; der übrige Text aber die kleine Glossartype der „Consuetudinea
feudoram" mit JEggeatein's Firma, No. 194 unserer Sammlung. Hain No. 10 290. —
No. 197a.
fotl)arii „ftbfr mifcrtae C0nbittani8f l)umanac*\
Strassburg; Heinrich Eggestein, circa 1475« Quart-Format.
Diesen Druck, welcher weder Druckort, noch Firma und Datirung hat, müssen
vir gleich dem vorigen ebenfalls Heinrich Eggestein zutheilen, da er mit Jenem
Tollsommen übereinstinunende Typen aufweist. In merkwürdigem Widerspruche
schreibt Hain unter No. 10810 dieses Werk des Lotharius „üeber die Erbärmlichkeit
des menschlichen Lebens" dem Peter Schaff er zu, betonend, dass sich die Typen
fl««Är von denen Eggestein's unterscheiden'*, wiewohl er den mit ganz gleichen Typen
gedruckten Ludolphus zehn Seiten weiter unten No. 10890 dennoch richtig dem
Gestein lässt. Braun I pag. 80 hatte schon das Richtige getroffen; Panzer I
Seite 85 No. 454 zog hingegen Braun's Ansicht wieder in Zweifel , aber wie Hain
»uf Schoffer verfallen konnte, ist in der That nicht begreiflich, da man nicht einmal
Ton Ähnlichkeit der Typen sprechen konnte. —
No. 197b.
„Ill«|l«m malotum graiiÄtorum."
Strassburg 9 Heinrich Eggestein, circa 1476. Folio-Format.
Diese hochintercFsante Incunabel ist den Bibliographen so gut wie unbekannt
geblieben; Denis, Panzer und Hain No. 11654 kenneu davon nichts als den Titel.
HO — Strassburg. —
Sie hat weder Druckfirma noch Datirung; da die Typen jedoch mit denen der vorigen
beiden Nummern übereinstimmen, so ist der Druck von Heinrich Eggestein. Das
Werk ist von einem anonymen Verfasser, der darin unter dem eignen Titel „Most
schlechter Granatäpfel" christliche Unterweisungen nach den Schriften der Kirchen-
väter und Scholastiker ertheilt. Uebrigens erinnert der Titel an das „Buch Granat-
apfel'^ oder y^Malogranatus*^ des berühmten Geiler von Keisersperg, wovon wir eine
Ausgabe unter No. 279 noch anführen werden. Es ist glaublich, dass der grosse
Kanzelredner die Anregung dazu durch das vorliegende ältere Werk empfangen hat.
Das erste Blatt beginnt: „Q® babo tibi mit|lnm ntalorittn || granatorn meorum
(Han. tJiij. || ** Der Schluss lautet; ,,. . . ^bucot tt08 bomittiis «ofler li 3t\va crifltts qui II
cum patre i fpi fancto oiuit t regnat ptt inftnita || fecnla feculornm kirnen (SrpUctt*^
Das Werk ist in 2 Columnen zu 54 Zeilen gedruckt und enthält 215 unbezeichnete
Blätter, von denen 13 verso imd 14 leer sind. —
auch
ISedintbattb oon lllatnf^
1473.
Huszner war ursprünglich Goldschmied und heirathete 1470 die
Tochter des Nicolaus von Hanau, der gleichfalls Goldschmied und
Buchdrucker genannt wird. Bekenhub nennt sich „Clericus Mogun-
tinus'*\ seine Thätigkeit wird wohl zumeist die eines Correctors
und Herausgebers gewesen sein. —
No. 198.
CßmUelmi iSuranbi „Speculum ^JubtctÄlc^^
Strassburg^ Huszner & Bekenhub, 1473. Folio-Format
Diese Ausgabe, ein colossal umfänglicher Foliant, enthält am Schlüsse die Firma
und Datirung. Der Druck ist von wundervoller Accuratesse, die Type ebenso originell
als geschmackvoll. Das Explicit dieser Ausgabe des „Spiegels der Bechtstoissensdia/t^t
das Hauptwerk des Bischofs Durandus, ist auch noch wegen der darin erwähnten
y,ai4S Kupfer (?) gebildeten Typen"" — exsculptae aere literae — bemerkenswerth,
Hain No. 6506. —
Ein weiteres Produckt der Societät Huszner & Bekenhub zu Strassburg ist nicht
bekannt, wir werden jedoch noch auf die Leistungen Huszner^s in Strassburg, welcher
von 1476 hier allein druckte, zurückkommen. —
ÄÄrger »on ötrafiburg, nacb Unbtvcn aud) = <tonr<ib
Wolf«*, um 1473 bis 1478.
Dieser geheimnissvolle wahrscheinlich vierte Strassburger Typo-
graph hat uns von seiner ziemlich kurzen Thätigkeit doch ganz
— Strassburg. —
111
respectable Zeugnisse hinterlassen, namentlich in dem unter No. 200
verzeichneten Folianten, an dessen Schlüsse wir lesen: ^^3^imt . . .
per €. W. Cioon ^Ärgetitinntfetn . . . WTS.**^
Dass er nicht Conrad Wolf ach geheissen, auch nicht Ce-
phakteus Wolfius, wie ihn andere getauft, geht aus einer alten
geschriebenen ,,Chronik der Strasshurger Familien** hervor, wo-
nach ClaSf Claus oder Nicolas Wencker 1465 das Bürgerrecht
erhielt. Er soll ausser den drei nachverzeichneten Werken unserer
Sammlung auch noch das bei Hain Nr. 5023 aufgeführte Buch des
Chrysopolita gedruckt haben. Schon 1474 soll Wencker die Druckerei
bereits auf Andreas JEEarttnann übertragen haben, was jedoch
nach den von uns festgestellten Druckwerken wohl einige Jahre
später geschehen sein dürfte; auch war Andreas Hartmann von
Eppingen 1478 noch Corrector hei Eggestein, wie aus dem Explicit
auf Folio 404 in den Decretalen Innocenz IV. (Hain No. 9191) her-
vorgeht.
Soweit diese älteren Strassburger Nachrichten; dagegen leitet
Schmidt in seiner „Geschichte der Bibliotheken und Buchdruckereien
Strassburgs", 1882 pag. 99, Anmerkung 2, aus der Schlussschrift des
unter No. 200 folgenden Werkes merkwürdiger Weise ab, dass dieses
Werk gar nicht in Strassburg, sondern in JParis 1473 gedruckt
und 1474 ausgegeben sei. Wir werden unter No. 2CX) die Schluss-
schrift noch genauer anführen und bemerken nur noch, dass Braun
und nach diesem auch Panzer und Hain infolge ungenauer Vergleiche
die Typen des „C. W." dem Richard Paffroedt in Deventer zu-
schreiben, worauf wir sogleich näher zurückkommen werden. —
No. 199.
l^ttja bf 5'ancto 19ictorf : „3oltloqmum in mobttm bialagi".
Strassburg, „C. W.« = Clas Wencker, 1478. Klein FoUo-Format.
Der Drucker dieses seltenen theologischen SchrÜtchens, worin der Autor ein Zwie-
gespräch mit seiner Seele pflegt, konnte bisher von keinem Bibliographen festgestellt
werden. Nach Famer, „Annales** IT, pag. 144, soll es „vielleicht" von Richard
Paffroedt in Deventer gedruckt sein, der aber nur eine täuschend ähnliche Type führte
und nicht vor 1476 druckte, während das Exemplar der Münchner Hofbibliothek
Tun obigem Soliloguium die Kubrication 1473 tragt, die wir auch als ganz zutreffend
nachweisen können.
Hain No. 9028 erkannte den Drucker hier ebenfalls nicht, schreibt aber gleich-
wohl tmter No. 391 die genau mit denselben Typen gedruckten Distinctiones Alani,
die wir unter No. 201 besprechen werden, fälschlich ebenfalls dem Richard Paffroedt
zu, obgleich er das rubrizirte Münchener „Soliloqium** mit der Jahrzahl 1473 vor
sich hatte.
Schöpflin bezeichnet in den «Vindiciae typographicae" 1760 das obige Werk so-
gar als einen selteneti alten Strassburger Druck von tTohann Guienberg und gicbt
*la2u auch ein recht gelungenes Facsimile der ganzen ersten Seite.
112 — Strassburg. —
80 -wie man nun die Drucke von Anton Koberger in Nürnberg und Richard
Paffroedt in Deventer verwechselte, so geschah es auch mit dem Strassburger «C. W.',
mag man denselben nun Clas Wencker oder Conrad Wolfach nennen wollen. Wir
können aber das Ganze sofort ins klarste Licht stellen und ebenso beweisen, dass
trotz der augenscheinlichen Gleichheit der Typen, um die es sich hier handelt, doch
wesentliche Yerschiedenheiien bei allen drei Typographen zu erkennen sind, sowohl
in der Form, wie namentlich in der Kegelhöhe ihrer Charaktere.
Der Vater dieser schönen leicht leserlichen Type ist Anton Koberger in Nürn-
berg, denn bei ihm finden wir sie schon 1471 in der ältesten gedruckten Geschichte
der Philosophie des Walter Burleigh, Hain No. 4112, dem bei unserm Exemplare
unter No 720 und 721 auch des Honorius älteste Geographie, Hain No. 8800, an-
gebunden und ebenfalls von Koberger mit denselben Typen um 1471 gedruckt ist
Jedenfalls gefielen diese Charaktere unserm Strassburger Typographen „C. W.^
und er copirte sie 1473 für seine neu errichtete Druckerei; er wählte jedoch die
Kegelhohe seiner Typen etwas kleiner, sodass bei ihm im comjiressen Satze 30 Zeilen
— von den äussersten Punkten der langen Buchstaben gemessen — in der Höbe
nur 15^10 Centimeter betragen, während sie bei Koberger 17*lio messen; auch
fielen seine Gussformen weniger schon aus, denn seine Drucke haben nicht ganz das
gefiillige Aussehen, wie die des Koberger, der namentlich auch seine erste lateinisch«
Bibel 147 ß (in unserer Sammlung) noch mit derselben frühesten Type herstellte.
Später copirte auch Richard Paffroedt in Deventer um 1477 diese Type, doch
traf er die Kegelhöhe noch kleiner, denn 30 Zeilen messen hier nur 15*/io Centi-
meter, auch sind die Majuskeln etwas kleiner, wie bei den andern beiden Druckern.
Auf den ersten Blick findet man übrigens bei allen drei Druckern nicht den
geringsten Unterschied in der Typenform, zumal wenn man zunächst die Majuskeln
vergleicht. In der Koberger'schen Bibel von 1475 finden sich bereits zwei etwas
verschiedene 9 und IS vor, und wenn man länger und länger das Ganze vergleicht,
dann ist der Eindruck für das Auge entschieden nicht mehr derselbe. Jeder Fach-
gelehrte sollte derartige Studien durchgemacht haben, ehe er über Incunabeln über-
haupt etwas schreiben wilL
Wir finden endlich sogar noch eine vierte täuschend ähnliche Gattung dieser
Type in Nyder's „Manuale confessorum'*, welches von Hain unter No. 11834 dem
Koberger zugeschrieben wird, der es aber nicht gedruckt hat; denn die dazu ver-
wendete Type hat auf 30 compresse Zeilen nur 17 Centimeter Höhe, auch finden sich
mehrfache Verschiedenheiten selbst in der Form der Typen. Das D ist bei Koberger
breiter, hier hoher, das 0 bei Koberger ebenfalls breiter und sein tl erscheint im
obem Bogen eckig, während es hier ganz abgerundet ist — kurz, es liegt bei der
täuschendsten Aehnlichkeit doch eine vierte Art dieser Type vor, deren Schöpfer
wir ebenfalls noch zu ermitteln bemüht sein werden. —
No. 200.
|9etru0 %txd)oxxm: ^^fiber blbliae moratid^^
Strassburg^ Clas "Wencker, 1474« Folio - Format.
Fälschlich hat man diesen datirten Druck früher auch dem Wolff Köpffei alias
Cephalius Wolphius zugeschrieben, indem man die in der Schlussschrift angegebenen
Initialen »C. W." in dieser Weise glaubte deuten zu müssen ; allein WolflF KopffePs
Thätigkeit gehört einer viel spätem Zeit an, wie wir weiter unten erfahren werden,
denn dort lernen wir seine Drucke vom Jahre 1524 und 1525 kennen.
Wir wollen nun hier die schon auf Seite 109 kurz erwähnte Sehlussaeh'rift
dieses interessanten Druckwerkes näher erwähnen. Dieselbe lautet: ,,^intt Xporotillfj
3it8tt)) A integer Kehn|;ctorii moralis febedmns Über ftgurara biblie || «enerabilis boni
— Strassburg» — II j
ifhs ptui bertt^ortj fact3 aoinione, parisins correctns, d iom ci)ro||9ra)i|)ata n scrip-
tnra: Utterns rebnctus ah \\ prtstas biligenti correctnre abuttncia d 9ttu|,ctiirt yer ®. 10.
einem Xrgetttinefem <Sr||annts bomtif ittcarnacöis iUittesimoqiuibn || sentesinofeptna-
gtlimo ttrtio elapsiB ^iniiltns 3liitto feqvtuti : i|bi>ns feiitembriBm %tpiini»***
Das dem Werke vorgedruckte 29 Bl&tter starke Inhaltsverzeichniss schliesst
noch ausdriicklich mit der Jahrzahl 1474» Aus dem (jauEen geht jedenfalls nur
hervor, dass Petrus Berthorius , der im 14. Jahrhunderte lebte, das Werk in
Avignon verfasst, in Paris verbessert hat, und dass es endlich durch „C. W. Civem
Argmtmensem*^ gedruckt wurde, nicht aber, dass dies in Paris geschehen sei.
Bekannt ist ja auch genugsam, dass in Paris von 1470 ab zunächst nur die drei
dahin berufenen Deutschen: Ulrich Gering, Martin Crantz und Michel Friburger in
der Sorhonne druckten, die wir unter ^Paris'^ wiederfinden werden, dass ihnen
aber bis 1476 nur noch Peter Kaiser, Johann Stol und Pasquier Bonhomme als
Typographen gefolgt waren. Es dürfte also wohl genugsam erwiesen sein, dass wir
in obigem Prachtwerke einen Strassburger, aber keinen Pariser Druck vor uns haben.
Der obige starke Foliant ist nüt der ziemlich grossen Type gedruckt, die yrir
schon auf Seite 112 naher besprachen, auf der ersten Seite wie an mehren andern
Stellen mit reizenden Initialen und alten schönen Randmalereien geschmückt; das
Ganze ist selbst bis lauf den schwarzen reichgepressten und messingbescblagenen
Originaleinband vorzüglich gut erhalten. Hain No. 2798. —
No. 201.
?llanu0 ab J)^nfuU5: ,^9t|lincttone0 bictionum tl)rolo9icaUum*^
Strassbni^, Clas Wencker, 14 7 6« Folio-Format.
Braun hat in seiner, „Notitia historico-littararia" Band I Seite 70 diese Aus-
gabe dem Richard Paifroedt zugetheilt, und seinem Beispiele sind alle spätem Biblio-
graphen gefolgt. Allein unsere genaueren Untersuchungen, welche wir schon bei
den vorhergehenden Nummern ausführlich veröffentlichten, führten dahin, dass wir
auch diesen Druck als ein Strassburger Erzeugniss erkannten, welches der anonyme
Typograph C. W. geliefert haben muss.
Das Werk giebt ein alphabetisches Verzeichniss mit Erläuterungen deijenigen
Ausdrücke der heiligen Schrift, welche bei den Theologen und Kirchenvätern nicht
vorkonunen. Vorliegende Ausgabe ist die einzige bekannte. Hain No. 891, der auch
Paffroedt als Drucker angiebt, ist demnach zu ändern. —
Partm ^^4
latinifirt CKHicf Wlartinue ©imue, 1475 bl6 1501|.
No. 202.
Strf^SsburST, Martin Flach, 1475« Klein Folio-Format
Diese lateinische Ausgabe vpm „Spiegel des menschlichen Lebens'* gilt als der.
9fste Druck des fünften SirassiMrger Druckers, liarÜn Flach aus Basel, der sich
latinislrt auch Marünus Simus n^nte , wie wir unter No. 311 finden werden. Er
var nicht nur berühmt als Drucker, sondern auch als Schriftgiesser. Seine frühesten
1'ypen zeigen jedoch so sehr den eigenthümlichen Baseler Ductus, dass man wohl
annehmen kann, er habe bei seiner Uebersiedelung nach Strassburg diese nicht be-
sonders schönen Typen mifc von Bsisel herübergebracht.
3
114 — Strassburg. —
Eine ganz besondere Eigenthümlichkeit dieser Flach^schen Typengattung bestebt
darin, dass die Silben ffa, fft, ffi, ffo, ffn gleich in Eins zusammengegossen sind, wie
man dies bei keinem andern Drucker in so eigenthnmlicher Form wiederfindet.
Dieser Umstand — abgesehen von andern Kennzeichen — giebt uns aber den
Beweis, dass auch die nachfolgenden drei wenig bekannten Drucke von Mariin Flach
sind, denn selbst bei der deutschen Ausgabe der ,,Goldnen Bulle Karls IV.'^ finden
sich Jene zusammengegossenen Buchstaben, wenn sie sich auch im Deutschen nicht
80 oft wiederholen.
Aber auch die originelle Form mehrer Versalbuchstaben spricht entschieden für
dieselbe Druckerei. Man vergleiche nur in der Goldenen Bulle die haargenau auf-
einander passenden Buchstaben !X, D, € und das lateinische M, das in der Goldenen
Bulle zuweilen auch mit einem mehr deutschen iU abwechselt ; dann aber namentlich
das ganz charakteristische II mit dem innem Häkchen am Rundbogen; ebenso das
ganz unverkennbare )l, das K, 3, 9 und Q.
Ganz entscliieden massgebend für die Bestimmung des Druckers ist aber noch
der Umstand, dass in unsern vier ältesten Flach^schen Drucken der Buchstabe jS in
drei ganz verschiedenen Formen auftritt, bald mehr in die Breite gezogen und oben
tiach links überhängend, bald unten mehr zusammengezogen und senkrecht stehend.
Auf noch andere höchst interessante Merkmale in den Flach'schen Alphabeten wollen
wir bei nachfolgenden beiden Drucken auiinerksam machen. Auf dem drittletzten
Blatte findet man die Firma und Datirung. Hain No. 13944. —
No. 203.
^,JBie j|ul«n bull HftÄtlr V üiftt/^
Strassbnrg; Martin Flach, um 1475« Klein Quart-Format.
Von dieser höchst seltenen und jedenfalls ältesten deutschen Ausgabe der Gol-
denen Bulle Kaiser KarVs IT. ist uns bis jetzt nur noch ein Exemplar in der
Incunabeln-Sammlung des Germanischen Museums in Nürnberg vorgekonunen ; den
Bibliographen blieb diese sprachlich höchst interessante Ausgabe unbekannt. Mit
der von Hain No. 4077 angeführten stimmt sie nicht fiberein , denn sie beginnt mit
den Worten: ,,()l8 regifler ber gulbin bnlHlen nie Jbas geUit füllt ftn ||ber fivrffirfltn b3
(rfle callpittel", und schliesst: „Her oierb ift faljbnrg'*. Das Werkchen enthält 74 un-
bezeichnete Blätter mit 28—34 Zeilen.
Obwolü. dasselbe weder eine Druckfirma noch Ort oder Jahrzahl trägt, sind wir
doch durch Vergleich des vorhergehenden sowie des nachfolgenden Druckes in der
Lage, festzustellen, dass nur Marlin Flach in Strassburg diese Goldene Balle, und
zwar um das Jahr 1475 gedruckt habe, weil die hierzu verwendeten alten Typen
in «pätern Flach'schen Drucken nicht mehr vorkommen.
In unsern vier seltenen Incunabeln No. ^SOS bis 205 erkennt man aus der Ver-
sclüedenbeit mehrer Typen eine gewisse Vielseitigkeit der Formen, wozu wohl sdion
der Umstand Veranlassung gab, dass der Drucker bemüht war, der Gtoldenen Bulle
durch Verwendung mehrer abweichender Buchstaben etwas weniger den Charalcter
eines lateinischen Druckes zu geben. Wir finden daher in der Goldenen Bulle auch
einige Verschiedenheiten, namentlich sind die Versalbuchstaben jB« 4» und 3 anders ;
das ül ist meist dasselbe, kommt aber noch in einer zwriten Art vor, während das
komische tt und das 10 und 3 überhaupt nur in dem deutschen Drucke vorkommen.
Auch in den Minuskeln, also im kleinen Alphabete, finden sich mehrfache Ver-
schiedenheiten , wie z. B. in der Form des g und ^ , wogegen aber andere ganz be-
sonders charakteristische Typenformen unverändert und völlig Hbereinsiimmend in allen
vier Druckwerken vertreten sind, so dass ein Und derselbe Drucker gar nicht zu ver-
kennen ist. Dahin gehören die gan£ sicher aus derselben Form gegossenen Ver-
— Strassburg. — Ije
salbuchstaben 3t, «, D, «, ^, €, 11, 9, K, ;5» C und ü, sowie die gleich in eins
gegossenen Typen ff mit den angehängten Voraien a, e, i, 0 und tl. In der deutschen
Bulle ist sogar gans wie im Lateinischen das V noch als t( verwendet und das 3 tritt
ebenfalls^ sowohl in der Goldenen Bulle, wie in den lateinischen Drucken in dreierlei
Formen auf, die sich vollständig decken. —
No. 204.
<Sacobt be €tufn be |9ardbtfo ^^Sractatua be ortitate bicenba
aut tacfttba/^
Strassburg, Martin Flach, circa 1476. Klein Folio-Format.
Wi6 schon bei den vorigen beiden Nummern nachgewiesen, stammt auch dieser
alte undatirte Druck den Typen nach von Martin Flach. Ausser den schon an-
geffihrten untrüglichen Merkmalen spricht hierfür ganz besonders auch der Umstand,
dass der Drncker in obigem Tractatus genau dieselben ganz und gar originellen'
Buchstaben 6 und 3 anw^endet, die zwar nicht in No. 202, wohl aber in der .Cluldin
Bull" No. 203 vorkommen, während fast alle übrigen Versalbuchstaben dieselben
siod. Das höchst bizarre (6 findet steh in obigem Tractatus nur ein einziges Mal,
auf der sechsten Seite von hinten, angewandt.
Es ist daher gar kein Zweifel, dass auch der vorliegende Tractatus von Martin
Flach gedruckt wurde. Die Verwendung von verschiedenen Versalbuchstaben finden
wir übrigens auch bei den meisten andern Druckern Jener Zeit. Selbst schon bei
Fust ä Schoffer und fiel Peter SchofTer tritt es in den Rit)eln von 1462 und l472
angenscbeinlich hervor, ffain allerdings schreibt unter No. 9386 diese Ausgal)e
fiihchh'ch dem Bernhard Eichel in Basel zu. —
No. 205.
5ancti 1Brrnl)arbt ^,i0e l)ottr|latf uitae/^
Slrassburgr^ Martin Flach, circa 1477. Klein Quart-Format.
Ist ebenso selten, wie die vorigen aus gleicher Type gedrückten Werke, die wahr-
scheinlich unmittelbar hinter einander erschienen, >>evor Flach sich geschmackvollere
Typen zulegte. Diese vier Seltenheiten durften kaum ein zweites Mal vereinigt an-
getroffen werden. Hain erwähnt diese Ausgabe unter No. 2900, kennt aber den
Drucker nicht.
In den Flach'sehen Drucken der folgenden l>ciden Decennien werden wir nun
ganz andern Typen begegnen, in denen wir kaum denselben Drucker wiedererkennen
würden, wenn wir darnach urtb eilen w^oUten. —
No. 206.
iitöfff|t0nale bomt||ni ;3lntljontni ard)i || epifcopi^ftorentini/^
StrassburgT; Martin Flach, 1488. Klein Quart-Format.
T)or Druck dieser Abhandlung y^Uebcr die Beichte'^ zeigt ganz neue gothiscbe
Typen, welche in ihrem viel gefälligeren Schnitte denen der vorhergehenden Werkd
ganz unähnlich ist. Die in der Folge sich allgemein verbreitende neue gofhische
Sdm'jiform finden wir in allen spätem Flach'schen Drucken und wir werden unter
Coln noch Gelegenheit haben, auf diese Typen-Gattung, welche viel Veranlassung
«i yericechgehmgen, besonders mit denen des Colner Druckers Queniel gegeben hat,
tttrficktukommen. Am Schlüsse steht die Druckßrtna unrf Datining. Hain No. llVf>^^
8* .
1j5 — Strassburg. —
No. 207.
^^3ancti ISonuitttre tra||ctattt6 t libri q3 plurimi-*^
Strassburg, Martin Flach, 1489. Mittel FoUo-Format.
Gesammelte theologische Schriften des Heiligen Bonaventura. EbenMls mit Da-
tirung und Druckfirma am Schlüsse. Hain No. 8405. —
No. 208.
^,3umma ^ngclica be || capbua confcientic/^
strassburg, Martin Flach, 1489. Mittel Folio-Format.
Verfasser des encyclopadischen Werkes ist Angelus de Clavasio. Mit Datirung und
Druckerfirma am Schlüsse. Der uemlich starke Foliant ist in braunes Saffianleder
mit hübschem Silberbeschlag gebunden. Hain No. 5S88. —
No. 209.
^^Manipultta curatorü offi{|Cia rdcrrbotü f3m orbints || fepti
facrametorü perbrcj uiter complcctena/^
strassburg, Martin Flach, circa 1490. Klein Quart-Format
Eine Ordnung für die sieben Sacram^nt'e, verfasst von Guido Rotherius. Hain
No. 8166. —
No. 210.
^f^ennotu0 i|uabra9r|tmale0 || Sf^rfauri nout/^
strassburg, Martin Flach, 1491« Klein Folio-Format
Eine Sammlung von lateinischen Fastenpredigietif mit der Datirung und Dntck-
Jirma am Schlüsse. Fehlt bei Hain ; Panzer I, Seite 46. —
No. 211.
^^urcUi ^ttgtt|ltni || opufcula plurima/^
Strassburg, Martin Flach, 1491. Klein Folio-Format.
Eine Ausgabe der gesammelten Schriften des Heiligen Augustinus. Am Schlüsse
steht die Druckfirma mit Datirung, darunter folgen noch fünf lateinische Distichen,
in welchen sich der Drucker nochmals» hier aber latinisirt Martinu» Simus
nennt Hain No. 1960. —
No. 212.
fi^pva infignr be laubibuB || btate maric Dtrginid alias |1
IHariaU apprllatü/^
strassburg, Martm Flach, 1493. Mittel Folio-Format
In diesem .Mariale*' aum Lobe der Jungfrau Maria nennt sich Kach in der
fioUusssehrift wieder Martinus Simus, Hain No. 10768. —
— Strassburg. — 117
No. 213.
,,3umma ^ngrlica br || cafibua confctrntie cu || abbittonibus
nottiter || abbitte/*
Strassburg, Martin Flach, 1495. Mittel Folio-Format.
Eine cweite, etwas vennehrte Auflage des enoylopädischen Werkes von AngeluR
de Clavasio, mit Datirung und Druckfirma am Schlüsse. Hain No. 5897. —
No. 214.
„Ittarialf tfimix mxx 1Brm-||arbim be buptt orbinte ffra|
)tl)ict ^xmtiftx : br ftnguUa frfttuitatibtta beate otrgintd per
Tnobü II frrmonu ttactane . . /*
Strassbnrgy Martin Flach, 1496. Mittel Folio-Format.
Ein ahnlicbes Werk wie das unter No. 212 aufgeführte, mit Druckfirma und
Datlrung am Schlüsse. Hain No. 4t61. —
No. 216.
^^t(^loi^ti naturalw fiue li-||brr rrratttrarum fpectaliter ||
bf \}üvxm rt bf natitra nm inqiiantum Ij0ma • et [br bt«
qttf II funt ei nece(faria ab C09n0fcettbum fttpfum t beum •
(t omrte || bebitu ab quob_l)omo tenetur et obttgat tarn beo
qj grimo.^*
Strassburg, Martin Flach, 1496. Mittel Folio-Format.
Verfosser dieser ,^Natv/r-Religion'* ist Raymundus de Sabunde. Vorliegendes
Exemplar ist interessant durch einen grossen Druckschnitzer, der sich beim zweiten
Blatte bemerkbar macht. Dieses enthält nämlich recto statt der ersten Seite der
«Tabula", welche hier beginnen sollen, den Abdruck einer Seite Text,, die man im
Werke auf Blatt z recto wiederfindet.
Diese Verwechselung wurde jedenfalls erst bemerkt, als bereits mehrere Exem-
plare verkauft waren und ist später erst geändert worden, wie man aus Hain unter
No. 14089 ersehen kann, der ein reciificirtes Exemplar beschreibt. —
No. 216.
w^trmoneÄ fancti ISemarbt abbatia clareualltÄ fuper Äätica
citiwn II Serm0ne0 (SUbettt fujier €anttca canttc0rutn,**
Strassburg^ Martin Flach, 1497. Mittel Folio-Format.
Biese Ausgabe der Predigten des Bernhard von Clairvaux „ Ueber das hohe Lied
Palomonit'*^ mit der Fortsetzung des Gilbert de Hoilandia, hat am Schlüsse gleich-
falls; Angabe der Druckfirma und die Datirung. Hain No. 2859. —
Ilg — StraSsburg. —
No. 217.
^)^t)(oto9ia ttaturalia |iue U||brr crraturarum fpectalitrt {|
be l^omine et be natura nu9 inquantiim t^omo.et bc l^ia
que \[ funt rt necepria ab cognofcenbum fr ipfum t brum •
et 0mne || bebitü ab quob l)omo tenetur et obligat tarn beo
q} primo/^
Strassbnrg^ Martin Flach, 1501. Mittel Folio-Format.
Flach's letsfter Druck. Zweite von Panzer VI. pag. 26 aufgeführte Ausgabe der
^Theologia naturalis** des Raymund de Sabundia, welches vir in erster Auflage
bereits unter No. 215 kennen lernten.
Damit schliesst die reiche Wirksamkeit eines der bedeutendsten Strassburger
Typographen ab, den aber auch die Stadt Basel zu den Ihrigen zählt, obwohl nicht
nachgewiesen werden kaön, dass er auch in Basel schon selbständig gedruckt habe.
In Strassburg, wo er das Bürgerrecht schon 1472 erlangt haben soll, schrieb er sich
noch lange „Martin Flach aus Basel". —
tiad) 2(ufIofutig 6er (ßefcUfd^.ift öufs^i^r & Zclcn\)uh,
von 1476 biö 1498 aUein.
No. 218.
<Jol)anne0 l^eroU: ^^?tber be erubitione QL\)x\^x 3^ibelittm.*^
Strassburg^ Georg Huszner, circa 14 70« Klein Folio-Format.
Dieses „Buch über die Unterweisutig im christlichen Glauben'^ entbelirt zwar der
A^gabe des Druckers und der Jahrzahl, aber man erkennt leicht die höchst originelle
Type Huszner^s, mit welcher auch das grossartige „Speculum Judiciale*', No. 192
unserer Sammlung, von Huszner & Bekenhub 1473 gedruckt ist. Hain No. 8617. —
No. 219.
ITaurentuiö 19aUa: „i0e Ubero arbUri0/^
Strassburg^ Georg Huszner, circa 14 7 8« Klein Folio-Format.
Qleichfalls ohne Angabe des Druckers und der Jahrzahl, mit derselben Type
wie dfts Torige Werk gedruckt. Diese Schrift eines der berühmtesten Humanisten
des 15. Jahrhunderts und Förderers altclassischer Literatur „ üeber dm freien Willen*^,
ist gegen das fünfte Buch der berühmten „Consolatio philosophiae" des Boeting
gerichtet, wovon wir weiter unten noch eine interessante Ausgabe Johann Schotfg
vom Jahre 1500 finden werden. Hain No. 15830. —
— Strassburg. — Hq
<iudf Unobloßer, Änoblißer unb Knoblocbger, um
1477 bi6 1485.
Dieser Typograph betrieb sein Geschäft in der Knoblauchgasse
^Zum Knobloch tzer Hofe** in Strassburg. Er druckte namentlich
■deutsche "Werke von geringerem Umfange, unter denen der nach-
stehend beschriebene „Belial" eine hervorragende Stelle einnimmt;
auch kennt man von ihm einen deutschen Kalender auf das Jahr
1483. Ein paar Jahre später übersiedelte er nach Heidelberg , wo
Avir ihn wiederfinden werden. —
No. 220.
^acobufl bf 8il)tram0: ^,i9a0 1@ttd) Jirltal jtnaitnt.*^
Strassburg^ Heinrich Knoblochzer, 1481« Klein Folio-Format.
Seltenheit ersten Ranges mit höchst interessanten Holzschnitten. Eine frühere
Auflage des BeUal hatte er schon 1477 herausgegeben. Das Werk, bereits 100 Jahre
früher verfasst, soll vohl eine Prozesiordnung nach canonischem Uechte sein.
Die eigenthumliche Foi'm des Inhaltes besprachen wir bereits unter No. 147 bei
Alhrecht Pßgter in Bamberg. Das Werk ist prachtvoll in rothes Leder gebunden,
mit theils vergoldeten, theils silbernen Beschlagen. Diese Ausgabe blieb den Bihlio-
ip*aphen unbekannt. —
1478 bis 1489.
Adolph Rusch war zuerst Gehilfe, dann Schwiegersohn von
Johann Mentelin» der 1478 starb. Man würde kaum einen Druck
mit' völliger Sicherheit als den seinigen anführen können — denn kein
einziger hat sich noch gefunden, der seinen Namen trägt — wenn
nicht glücklicher Weise ein gelehrter Zeitgenosse von ihm, Ru-
dolph Lange, in einem bereits 148ß in Münster gedruckten la-
teinischen Gedichte das enthusiastische Lob des Meisters und
Schöpfers eines neuen grossen Bibelwerkes in vier Theilen ver-
kündet hätte.
Aus jedem Worte dieser Ode, welche dem Werke und den Um»
ständen, unter denen es entstanden ist, eine ausführliche Beschreibung
widmet, geht hervor, dass jenes Meisterstück der Typographie in
vier riesigen Foliobänden und aus vier verschiedenen Typen-Grössen
zusammengesetzt — ein ,,immensum opus", wie Lange selbst es-
nennt — identisch ist mit dem kostbaren Bibliothekschatze, den
120 — Strassburg. —
wir in einem wie neu erhaltenen Prachtexemplare in nächstei
Nummer besitzen und durch den wir Adolph Rusch als Meister der
Strassburger Typographie und Chef einer grossen Druckerei daselbst
kennen lernen.
Die Forschungen des Kammergerichtspräsidenten v. Strampf in
Berlin, dem wir die Belehrung über diesen Gegenstand verdanken,
sind im „Serapeum" von 1852, Seite 135 fF. und 1853, Seite 236 ff.
niedergelegt. Von beiden Artikeln, deren erster auch den Abdruck
des Lange' sehen Gedichtes bringt, besitzen wir sogar die Originale-
Manuscripte des verdienten Forschers, sowie die zwischen ihm selbst
und dem damaligen Königlichen Oberbibliothekar Pertz einerseits,
dann mit Herrn Culemann in Hannover über diesen Gegenstand
geführte wissenschaftliche Original-Correspendenz.
Von Interesse sind auch die im Basler Stadtarchive aufbewahrten
und in C. Schmidt's Schrift „Zur Geschichte der ältesten Biblio-
theken zu Strassburg 1882" abgedruckten acht Originalbriefe des^
Adolph Rusch an den Baseler Drucker Johann Amerba^h, aus denen-
hervorgeht, dass beide Drucker in Wechselverbindung verschiedene
"Werke für einander gedruckt, sich auch Typen und Papier geliefert
haben; so erklärt es sich leicht, dass Atnerbctch' sehe Druckwerke
die Typen der Ofücin von Adolph Rusch aufweisen, womit derselbe
vorher jenes grossartige Bibelwerk gedruckt hat. —
No. 221.
^)1@tblta tatina cum gloffa orbinarta 199alafnbi <3trab0ni0 rt
intfrlinrari ^nfelmi faubunrnlia/^
Strassburg; Adolph Rusch, 1478 bis 1480.
Vier Bände in Gross Folio-Format.
Ein bewundern8\perthes Denkmal für die Ausdauer und Geschicklichkeit des
Kunstfleisses damaliger Zeit. Zum Druck dieser [glossirten Bibel wurden viererlei
Typen benutzt: 1. die Textschrifk, 7. die kleinere Glossenschrift, 8. die noch kleinere
Inierlinear-Glossenschrift und 4. die Missal-Type zum Druck einzelner Worte, der
Ueberschrüten der Columnen und der ersten Zeile des Textes von jedem CapiteL.
Den Bibeltext umgiebt auf jeder Seite die «glossa ordinaria" des Walafrid Strabo,.
während zwischen die Zeilen desselben die Interlinear -Glosse des Anselm von Laon
eingeschoben ist. Unser schönes Exemplar dieses grossartigsten aller Bibelwerke
befindet sich noch im wohlerhaltenen alten Original-Einbande und scheint kaum Je-
mals in Gebrauch gewesen zu sein.
Frfiher wurde dieses Werk allgemein dem Johann Amerhadi in Basel zu-
geschrieben, weil derselbe um 1480 mit denselben Typen nachweislich gedruckt hat.
Wir haben jedoch oben bereits nachgewiesen, wie dieser merkwürdige Umstand eu
sammenhfingt und worüber die historischen Belege glücklicher Weise sich bis auf
unsere Zelt erbalten haben. Ilatn No. 3178. —
— Strassburg. — 121
Utartin 3d)ott,
jwfiter @d)iricgcrfo^n WTcntcIin'6 unb Uad^folger bt^
%bolf Ättfd) im wcilanfe WTcntcIin'f*en (ßcfcbÄftC;.
1481 bi6 1498.
No. 222.
iiBtxmmt^ ptx tAmntn bomini || cu muUia alita inclu|!0 •
frrmocid || nanti prr tittlee • famoftfftmi )}rr||bicatort0 IMaijflrt
Hubcrti it Ucio italtri orbtnt© min0ru/*
StrassburgT; Martin Schott, circa 1481« Klein Folio-Format.
Ohne Druckort und Firma; aber die vollständige Gleichheit der Typen dieser
«Adventspredigten* mit denen des Augustini „Canonum opus" mit Schotfs Firma
▼om Jahre 1490 lasst auch dieses Werk als zweifellosen Druck von Martin Schott
erkennen, ffain wusste unter No. 4471 den Druckort, aber nicht den Drucker eu
nennen. —
No. 223.
^o!)annf0 it aiirrccremata : ^^€]rpo|ttiö fuprr toto pfalterio/*
Strassburg; Martin Schott, 1482. Klein Folio-Format.
Vorliegende hübsche Ausgabe des Turrecremata hat am Schlüsse die Daürung^
von Slrasshurg 1482, und durfte wohl dem Martin Schott zuzuschreiben sein,
da man annehmen muss, dass derselbe nach Uebernahme des Geschäftes von seinen^
Schwager Adolf Rusch auch theilweise n^te Typen herstellen Uess, denn weder bei
Hentelin , ncch bei Rusch kommt die hier verwendete Type bereits vor, ebenso-
wenig stimmt sie aber mit einer Schriftgattung der übrigen StrassburgerTypographenp
damaliger Zeit überein. Hain hat das Werk unter No. 15703. —
No. 224.
^t$i^ bud) ifl grnant btc ttirr onb jtoen^ig alten ober bcr
9uibtn II tron grfr^rt mn brubrr ^ttrn 0011 )iaD0t0e rttoan
Ugmeipter ber || minbrrn bruber barfü||>r clo|ler0 brr (lat
?iaffl mit 0il fc^Snrr bf||rid)tt9un0f brr Irrer ber Ijeillgen ge-
f4)rifft bie minnenbe frle ^u be; |{ eniigen gitttid^en t00t9euaUen/^
Strassburg; Martin Schott, 1483. Klein Folio-Format.
Diese Ausgabe ist von den älteren Bibliographen nicht gekannt, wir wollen si»
daher etwas näher beschreiben. Obiger Titel steht am Kopfe des dritten Blattes ia
fonf rothgedruckten Zeilen; das Blatt ist von einer schonen illuminirten Randleiste
umrahmt, welche sehr ähnlich derjenigen in Boccaccio „berühmte Frawen" von
Joh. Zainer in Ulm ist, vorher gehen 2 Blätter Register und es folgen noch 149"
BUtter ohne Custoden, Signaturen und Seitenzahlen. Auf Blatt 151, dem vorletzten,
steht die Schluseschrift : ,,ISebrftifcet ni «oUenbet bttri|| ittarttn i$dpot;|tett an bonflag^^
flfd^ft nor faitt iKIortttis tagl|3Cttno bni x'v ül. tcrt. Irrriij. iare^; die Kehrseite des
Blattes ist weiss, und auf dem letzten Blatte (152) folgt noch eine Seite mit Inhalts-
122 — Strassburg. —
verzeichniss. Das Buch enthält 24 AbMldungen in Holzschnitt, in welchen aber
nur zwei verschiedene Darstellungen immer wiederkehren. Höchst interessant ist
auch der Typencharakter, welcher in dem Seltenen Druckwerke bemerkbar ist, und
den wir auffallend ähnlich, aber nicht ganz gleich, bei Heinrich Knobhchtzer unter
Wo. 220 bereits vorfanden. —
No. 225.
^^C!tK UrbUd)r l)))flor)) oon brm || ^od)9rlrrtcn metftrr
luctbario/^
Strassburg; Martin Schott, circa 1484. Folio-Format.
Eine den Bibliographen unbekannt gebliebene Ausgabe dieses primitiven Lelir-
buches, welches wir seinem Inhalte nach schon unter der Sammlung ' unsrer Hand-
schriften, Seite 2, kennen lernten ; sie hat weder die Angabe von Druckort und Firma
noch Jahrzahl, aber wir sind aus der Gleichheit der interessanten Typen mit dem in
voriger Nummer beschriebenen Werke des Otto von Passau in der Lage festzustellen,
dass die Ausgabe aus Martin Schotts 0/ßcin stammt.
Auch die ganz einzigen Initialen aus Menschen- und Thiergebilden sind ein
charakteristisches Merkmal. Obiger Titel ist mit ziemlich grossen Buchstaben ganz
in Holz geschnitten; auch befinden sich ausser den erwähnten Initialen in dem
interessanten Druckwerke noch fünf Holzschnitt- Abbildungen. Prächtiger Holzband
mit vergoldeten Beschlägen. —
No. 226.
i^Bn gratia lH9ilt)rlmo^ || cpua €))ftrtrn • 3^tbelt noflro bilrct
0 nii)9r0 II platl)if roalckrr ie Reutlingen, ^alutem fla-j
ttttorü noftrorü ^^nobalium ac puincialcu no || tumina que
a nobts fümia prrcibns prti» . . .*^
Strassburg, Martin Schott, 14:86« Quart-Format.
Das Buch ist von Hain unter No. 15031 beschrieben, aber wie es sc4ieint, nach
einem incompleten Exemplare. Unsere Ausgabe stimmt mit der Hain'schen Be-
schreibung bis zum Ecde der Tabulae mit der leeren Seite auf Blatt 40 b iiberetn.
Das folgende Blatt beginnt aber nicht mit No. XXXXI wie bei Hain, sondern mit
No. XXXIII, indem es die nur durch acht unnumerirte Blätter Tabulae unterbrochene
Numerirung bis zum letzten vorhergegangenen Textblatte XXXII wieder aufoimmt.
Die folgenden numerirtejn Blätter 83—40 fehlen demnach bei Hain, im Keat
stimmen die Exemplare wieder überein. Diese bei Hain fehlenden acht Blatter ent-
halten aber gerade einen interessanten Tbeil des Buches. Hier findet sich nämlich
mitten in dem lateinischen mit gothischen Typen gedruckten Texte des Werkes
etn deutscher Abschnitt, welcher aus Schwabacher Schrift gesetzt ist; er enthält
eine Botschaft des Bischofs von Eystet an alle Pfarren seines Bisthums, das Sacra-
ment des Fronleichnams betreffend, beginnt auf Blatt 88 mit den Worten //^t ^UCV
liebfiten hl gOt", und schUesst auf Blatt 36 recto wie folgt: „fcaö ej* W'tbeV
fellieö beid^tuaterö verbot |1 emvftt^et," Blatt sc verso beginnt mit: „|>rO-
l^ibitiovfs a cöiotte facta" und Blatt 40 verso schliesst mit: „firvt tnbas et be offt .||
öfc. fi fttcerbos."
Als Druck von Martin Schott ist das Buch an den grossen Typen der Ueber-
— Strassburg. — 123
schri/tm kenntlich, welche wir bereits in der Bibel von Adoif Rusch unter No. 231
fanden und die mit auf Schott übergingen, was zugleich den interessanten Beweis
giebt, dass sein Vorgänger im Gesch&fC doch nicht alle Jene Typen des Bihelwerkes
an Amerbach nach Basel verkauft hatte. —
No. 227.
„^urelU ^ugufttni (Eanonrs jit^rta triplicem quam rbibtt
rrgttlam/*
Strassbnrg^ Martin Schott, 1490. Mittel Folio-Format.
Mit Druckfirma und Datirung. Auf Polio VIII verso und CXIII recto befindet
sich Je ein blattgrosser Holzschnitt. Dieselbe Ideine gothische Type Schottes trafen
wir schon in Caraccioli „Sermones" unter No. 222 an. Hain Nu. 2076. —
No. 228.
^)^j)Utpptca II Jacobi Vuimpfelingi Sletftatini : In laudem & |
defensionem Philippi Comitis Rheni Pala-||tini Bauarie
Ducis &c."
Strassburg^ Martin Schott, 1498. Klein Quart-Format.
Diese Schatz- und Lobrede auf Philipp, P/alzgrafen vom Uhcin, ist in Anti<jua
gedruckt Falkenstein lasst Schott nur bis 1493 drucken, indessen beweist die
lUUirung des vorliegenden Ideinen Schriftchens seine Thätigkeit bis zum Jahre 149 H,
Am Schlüsse befindet sich das originelle £ncA^rucA:er£eiW(«}t Schottes : eine kugcl-
iurdiige Artischocke zwischen den Initialen M. S., zu dessen Wahl Martin Schutt
wohl durch die Consonanz mit seinem Kamen bestimmt worden sein mag. Hain
No. 16186. —
3ol)ann prt)^ ^um @:t)tergarten,
auch Briese, Pryse, Priiscius, Priis, Prues, Prus, Pryhs und Prusz
gedruckt,
um 1482 bl6 1508,
^'on da bis 1321 unter gleicher Firma von Johann Pryss junior
geführt.
No. 229.
^,5tatuta }jrouincia' Ua ijetera rt naua.*^
Strasgbnrg; Johann Pryss, circa 1482. Klein Folio-Format.
Diese „Statuta" für Mainz sind ohne Ort, Firma imd Jahrzahl erschienen; aber die
a'ypen, besonders das merkwürdige 3 mit den beiden schrägen Querbalken, welches
bei keinem andern Drucker vorkommt, deuten unstreitig auf Pryss. Hain No. 15041
cltirt wohl diese frühe Ausgabe der Mainzer Statuten, kennt aber den Drucker nicht.
Man hat sogar diese Auflage mit einer andern unter gleichem Titel verwechselt,
124
— Strassburg. —
die alfl ebenso wenig beliannt dem Johann Outmberg siigesehrieben und die deshslb
bei Vorlcommen im Handel mit bolien Summen besablt worden ist, zumal selbst
Hain unter No. 150S9 diesen Irrtbum bestärkte» indem er seiner Notix den Zusatz
gab: jjortasse Johannes Outenberg*^, wenn auch mit zwei Fragezeichen versehen.
Wenn man jedoch das angeblich Gutenberg^sche Produet mit dem ersten Reuilmger
Drucke, der j, Summa Fisani^ ron 1482 rergleicht, so gewinnt man bei der eigen-
thfimlichen Form der Typen sofort die feste Ueberzeugung, dass nur Johann Ottmar
in Reutlingen der Drucker gewesen sein kann. Unter „Reutlingen" werden wir mit
beiden Druckwerken den Nachweis noch genauer führen. —
No. 280.
^ßxtw 5amtatt0 || fBt Ijerbt» et pUntie • || i8f ^tiimali-
bu9 ^ reptitibus || jBr ^uibua rt oolatiltbua || fBt ptfctbua i
natatittbu0 || ^t fapibibua ^ in trrre ornid nafce||(ttbu9 |i
i9e WmxB et rar3 ffiectrbus || S^abula mebtcinalia Cum ix-
rfctö-|riö generali per omnea tractatua.*^
strassburg, Johann Pryss, circa 1483« Mittel Folio-Format.
Die erste Ausgabe des Pryss^schen „Hortus" mit 1058 Holzschnitten; der Autor
des Werkes ist, wie wir von der Mainzer Ausgabe her unter No. 41 wissen, Johanne»
de Cuba, das ist Caub am Rhein. In obiger ersten Strasslmrger Ausgabe findet
sich derselbe TitelholzsckntU, wie in der mit Firma und Datirung versehenen Aus-
gabe der ^Formulare und Tütach Rhetorica* von 1502, weshalb wir den Druck,,
abgesehen von andern ganz untrüglichen Kennzeichen, dem Johann Pryss zu>
erthellen müssen.
Hain No. 8941 wusste keinen Drucker anzugeben ; er führt ebenso noch zwei
ihm unbekannte und wenig von einander abweichende Ausgaben an. Wir besitzen
deren vier aus derselben Offizin, und wie wir also wohl sagen dürfen ^^aUe vier'^;
sie sind durchgehends ohne Firma und Jahrzahl gedruckt, allein durch sorgfaltige
Vergleichung der Typen und der Holzschnitte konnten wir den sichern Nachweis
liefern, dass nur Johann Pryss in Strassburg der Drucker von allen vier Ausgaben
dieses Hortus gewesen; und indem wir sie ungefähr auf gleiche Zeiträume des Er>
scheinens wahrend der geschäftlichen Thätigkeit dieses Typographen vertheilten»
konnten wir annähernd auch die Zeit ihres Erscheinens bestimmen.
Jedenfalls ist die obige erste Ausgabe des Hortus sanitatis älter als der Mainzer
Herbarius von 1484 und „(l^n gart ber gefvnb^eit" von 1485, und vielleicht wurden
diese Mainzer Ausgaben erst hierdurch veranlasst. Unsere Editio princeps trägt
übrigens alle Zeichen eines hohen Alters, und das Jahr 1483 ist sicher nicht zu früh
gegriffen, zumal man unbedingt annehmen muss, dass zwischen dem Erscheinen der
r««r Auflagen doch immer mindestens ein Zeitraum von vier bis fünf Jahren gelegen
haben wird.
Alle vier Ausgaben dieses Hortus sind aus der im fünfzehnten Jahrhunderte
schon so viel verbreiteten mittelgrossen goihischen J^pe auf Corpuskegel gedruckt,
die wir namentlich in den frühesten Drucken folgender Typographen ganz ähnlich
wiederfinden :
Bei Martin Flach, Johann Grfininger, Peter Attendorn, Martin Schott und Ma-
thias Schürer in Strassburg; Heinrich Quentel und Cornelius de Zyrychzee in Cöln;
Benedict in München 1488; Heynberger in Tübingen 1499; Jacob Meydenbacb,.
Peter Friedberg und Friedrich Hewmann in Mainz; Caspar Hochfeder in Nürnbergs
Heinrich Gran in Hagenau; Friedrich Misch in Heidelberg und Andern.
— Strassburg. — 125
Die grosse Aehnlichkeit der Schriften dieser Typographen hat nun bei unbezeicb-
neten Drucken zu vielfachen Täuschungen und unrichtigen Angaben der Bibliogra-
phen geführt. Weil die Typen meist bis auf geringe Abweichungen einzelner Buch-
staben dieselbe Form zeigten, glaubte man oft Druckwerke eines und desselben
Typographen vor sich zu haben, obwohl es nicht im Enferntesten der Fall war.
Die Typen der genannten Drucker, denen wir auf Grund unserer reichen Sammlung
noch viele liinzufugen konnten, sind nämlich bei gleicher Form doch fast durch-
ijehends von verschiedener Segelhöhe, also eigentlich von verschiedener Grosse, ob-
jjleich die Differenz meist so unbedeutend ist, dass man sich nur durch genaues Aus-
mmen der Höhe von einer gewissen Anzahl compresser Zeilen davon überzeugen kann.
Da viele der betreffenden Incunabeln nur in kleinem Quartformate von etlichen
dreissig Zeilen pro Blattseite gedruckt sind, so haben wir 34 Zeilen ais Xass-
sUxh für unsere Untersuchungen angenommen, und sind dadurch zu höchst wichtigen
Besultaten gelangt, die uns so manchen anonymen Drucker mit Leichtigkeit fest-
stellen liessen.
Die ganze Höhe von 34 Zeilen Jener kleinen jjoüiischen Corpus -Type schwankt
nämlich zwischen 11 utid 14 Centimetern, bei den meisten Typographen bewegt sie
«ich ab^ nur zwischen 12Vs und 18^/a, so dass man auf den ersten Blick einen
Unterschied meist gar nicht wahrnimmt. Legt man aber den genauen Massstah
mit UiUimeter-Eintheilung an, und misst die Hohe von 34 Zeilen bis auf den Milli-
meter genau aus, so erkennt man sofort jeden Unterschied.
Die Ausmessung geschieht stets vom höchsten bis zum tiefsten Ende der
Zeilen. Die Versalbuchstaben, sowie das kleine lange f, das f und 1 ragen gewöhn-
lich am meisten über die Vocalbuchstaben hinaus, während in der Tiefe ausser dem
liuigen f und dem |l namentlich die Buchstaben g, p und q am meisten unter die
'Clrandstriche der Vocale herabgehen. • Man muss also immer eine Stelle suchen , wo
sich zufiUlig oben und unten ein langer Buchstabe befindet.
Zu berücksichtigen ist aber bei dieser Ausmessung, dass fast in jedem Druck-
werke bei compressem Satze dennoch kleine Differenzen vorkommen ; denn an ver-
schiedenen Stellen eines und desselben Buches ist oftmals das Papier jedenfalls nach
<iem Anfeuchten nicht ganz gleichmassig eingelaufen ; einzelne dünnere Bogen mancher
Papiersorten mögen sich durch das Anfeuchten auch wohl ausgedehnt haben, und
man findet daher in manchen Druckwerken die Höhe einer gewissen Zeilenzahl
^llenweise lun 1 bis IV» Millimeter grösser oder kleiner.
Um daher sicher zu gehen , muss man die Höhe von 84 Zeilen stets an ver-
^ehiedenen Stellen eines Buches ausmessen, und dann die am misten vorgefundene
Höhe als die richtige Durchschnittshöhe annehmen. Hierdurch geht man völlig sicher,
-denn die Differenzen finden sich meist nur an vereinzelten Stellen.
Nur bei wenigen frühen Typographen stimmt nun bei dieser gotblschen Schrift
die AoA« der Typen von 84 Zeilen ganz überein, und wo dies ja der Fall ist, da
giebt es stets andere zuverlässige Merkmale und Eigenthümlichkeiten des Schriftsatzes,
bei deren Kenntniss ein Verwechseln der DruckAr völlig ausgeschlossen ist. Da nun
gerade die interessanten vier Strassburger Hortus vielseitigen Stoff zu vergieiehen-
den Typen-Studien darbieten, wollen wir sie gleich an dieser Stelle einer nähern
^fitrachtung unterziehen.
Die erste Auflage von circa 1483 zeigt verschiedene Merkmale eines hohem
Ahers. Custoden und Blattzahlen fehlen noch gänzlich, dagegen sind bereits Signa-
turea vorhanden. Alle Initialen sind noch mit der Hand abwechselnd blau und roth
mitgeschrieben. Die Seiten haben mit ganz wenigen Ausnahmen 55 Zeilen, die vom
höchsten bis zum tie£sten Ende der längsten Buchstaben b, f, l, f und q eine Gesammt-
höhe von SS Centimeter ei^ebeb.
F6r unsere Untersuchungen behufs späterer Vergleiche mit andern auch weniger
Zeilen umfassenden Druckwerken nehmen wir, wie schon oben bemerkt, nur
126 — Strassburg. —
34 Zeilen ah Jdaimstttb an, und diese 34 haben hier bei Pryss eine durchschmttUche
Böhe von 13^/t Centimeier. An vielen SWlen findet man auch ^'2 Millimeter mehr,
was von der nicht immer ganz gleichmassigen Behandlung der einzelnen Papierbogen
beim Anfeuchten und Glätten herrührt, zumal die Bogen schon in ihrer Stärke ni^Iit
ganz. glMch sind.
Da es in jener Zeit nicht gebräuchlich war, im fortlaufenden Texte viele sogenannte
Aufgänge zu machen, das heisst, einen neuen Satz auch mit einer nmien Zeile anzu-
fangen, so sind an diesen Stellen sogenannte Rubricationsz eichen in der Form eines
kleinen Kannenhenkels eingesetzt. Der Setzer hat aber in obiger Hortus-Ansgabe
die , Ausgange*' auch noch besonders durch Budtstaben X, 6, C und so weiter numerirt,
die er seitlich auf den weissen Rand des Blattes setzte; hier und da ist dies aber
auch unterblieben.
Diese Ausgabe von 1488 zeigt ferner auf der Rückseite des achtzeiligen Titeln
einen ziemlich blattgrossen Hohitchm'tt, welcher den Docenten auf seinem Lehrstuhle
und vor ihm vier Studenten in der Tracht der Zeit vorstellt, den einen mit langen
Schnabelschuhen.
Dieser, wie die nun folgenden mehr als tausend Holzschnitte, wiederholen sich
nun auch in der moeUen Ausgabe von circa 1487 (Hain 8942). Auch die Typen
des Textes wie der grossem Blatt- und Capitel - Ueberschriften sind wieder genau
dieselben, und sie wiederholen sich als sprechende Zeugen auch noch in solchen
Druckwerken des Johann Pritss, die seine Druckfirma tragen.
Auch bei dieser ztreiten Auflage sind alle die zahlreichen Initialien noch mit
der Hand geschrieben, jedoch öfter roth als blau. Die Höhe der 55 Zeilen einer
Spalte betragt auch hier genau 22 Centimeter, und die von 34 Zeilen 13^1*, oft mit
dem kleinen Plus von V> ^^^ 1 Millimeter.
Die dritte Auflage von 1492 (Hain 8948) hat mit Ausnahme der letzten 16 Text-
seiten dieselben Typen für Text und Ueberschriften, dieselbe Zeilenzahl der Columnen
und folglich auch dieselben Höhenmasse. Aber ein wesentlicher Unterschied und
ein Merkmal der inzwischen fortgeschrittenen Kunst liegt darin, dass sämmtliche
Initialen nicht mehr mühsam mit der Hand eingemalt, sondern gleich mit dem Texte
schwarz gedruckt sind.
Ein fernerer Unterschied dieser Auflage besteht darin, dass das vorhin beschriebene
Titelbild durch einen andern eben so grossen Holzschnitt ersetzt ist. Das Ursprung--,
liehe Bild mag entweder abhanden gekommen, zerbrochen oder durch Krummlanfen
des Holzes unbrauchbar geworden sein, wie das .<a heute noch sehr oft vorkommt.
Man benutzte nun hier als Titelbild einen Holzschnitt, der schon in den vorigen
beiden Auflagen als Vortitel zum letzten Abschnitte des Werkes ^.De Urinis" gedient
hatte, der aber hier in Wegfall gekommen ist Statt dessen findet sich nun über
dem Abschnitte „De Urinis" auf Blatt 4K(|| nur ein ganz kleiner Holzschnitt in Spalten-
breite vorgesetzt, hinter welchem unmittelbar der Text mit „Quoniam medicus est
artifex sensitifus" beginnt; der Holzschnitt zeigt den Medicus am Tische sitzend, die
Urinflasche in der Hand und vor ihm eine Frau.
Merkwürdig ist nun bei dieser dritten Auflage, dass der letzte, IG Seiten umfassende
Abschnitt „De Urinis" bereits aus einer andern tauschend ähnlichen, aber etwas
kleinem gothischen Schrift gesetzt ist. Die Höhe der Blattseiten beträgt hier zwar
wieder genau 22 Centimeter, aber es befinden sich darauf nicht blos bft, sondern
62 Zeilen, während auf 34 solcher Zeilen nur 12 anstatt 18V> Centimeter HÖhL*
kommen.
Untersucht man diese neue kleinere Type genauer, so erkennt man auch noch
einen Unterschied in der Form einiger Versalbuchstaben im Texte. Die Buchstabon
jß und M sind ganz anders; beim £ fehlen am vordem Hanptstriche zwei kleine-
Federchen, die bei dem Ä der vorigen etwas grossem Typengattnng eine Art Ver-
zierung bildeten ; im (Bl fehlen zwei kleine Schrägbalken, und das II ist viel schlanker
Strassburg. — 127
und schmäler, auch felilt ihm der borizontalc Querbalken in der Mitte, dagegen hat
66 zwei kleine Häkchen am vordem Grundstriche als Ausputz. Im Uebrigen ist
diese kleinere Schrift der vorigen tauschend ähnlich, ob-wuhl man bei näherer Ver-
glelchung auch den Unterschied in der Grosse leicht wahrnimmt.
Jedenfalls war die bisherige etwas grossere Textschrift durch die drei Auflagen
des Hortiis, und wohl auch in andern Druckwerken durch Abnutzen und Ausrangiren
vieler einzelner Typen bereits stark reduzirt; sie kehrt daher auch in der vierten
Anflage des Hortits von circa 149S gar nicht wieder, wohl aber bleiben die grossem
Typen der Blatt- und Capitel-Ueherschrifien immer dieselben, und beurkunden schon
allein den Drucker ebenso, wie die abermals zur Verwendung gekommenen zahl-
reicben Holzschnitte.
Als Titelbild dient bei der vierten Auflage wieder derselbe Holzschnitt wie bei
der vorigen; er wiederholt sich aber nochmals auf der Rückseite des Vortitels zum
letzten Abschnitte „De Urinis" Blatt ftg, während auf der Vorderseite dieses Vor-
titels ein ganz neuer Hobsschnitt erscheint, der einen Patientep auf dem Krankenlager
und vier Männer vergegenwärtigt, wahrscheinlich Aerzte.
In dieser vierten Auflage tritt uns nun wieder eine ganz neue, aber bis auf
einen einzigen Versalbuchstaben ganz gleichgeformte gothische Type für den Text
entgegen, während alle Ueberschriften und Initialen wieder dieselben sind, wie in
der vorigen Auflage.
Die Textschrift unterscheidet sich in der Form nur durch ein anderes- II , das
hier niedriger und ohne Schrägbalken in der Mitte ist. Dagegen ist die Schrift im
Ganzen wieder ettras grösser als die obenbeschriebenen beiden Typengattungen.
Die Columne hat nämlich wieder BS Zeilen^ diese sind aber nicht mehr 22, sondern
23 Centimeter hoch, und auf 34L Zeilen kommen nicht blos 13'/-' > sondern volle
14 Centimeter Höhe.
Diese gothische Type ist mithin etwas grosser, wie die der vorigen drei Auflagen,
und zwar lässt sich leicht berechnen, dass die Kegelhohe jedes einzelnen Budistaben
hier um ^ja Centimeter höher sein muss. Für das Auge ist dies kaum bemerkbar,
und doch kann es selbst bei der vollkommensten Uebereinstimmung in der Form
der einzelnen Typen unmöglich derselbe Schriftsatz sein; denn wenn bei der einen
Type auf 22 Centimeter Columnenhohe Sß compresse Zeilen gehen , die bei einer
andern Type , ebenfalls compress gesetzt , 23 Centimeter Höhe erfordern , so muss
die letztere Type eben grösser sein wie jene. —
Wie wichtig die Kenntniss dieser an sich einfachen Vortheile für jeden Sammler,
Bibliothekar und Antiquar bei Feststellung anonymer Drucke ist, bedarf wohl kaum
einer weitern Auseinandersetzung, nmsomehr als gerade jene gothische Type bei den
meisten Druckern des fünfzehnten und sechszehnten Jahrhunderts vorkommt, aber
anch bei allen andern Typongattimgen jene Vortheile in derselben Weise in Anwen-
dung gebracht werden können.
Wir wollen aber hier nur noch an einigen Beispielen zeigen, wie verbreitet gerade
jene zierliche goünsche Type gewesen, wie sie sich aber auch bei fast jedem Drueker,
trotz der scheinbar genauesten Uebereinstimmurg , doch durch ihre Kegelhöhe, also
durch ihre Grosse, in Etwas uiiterscbeidct, so zwar, dass man im Stande ist, den
Bntcker mit Sicherheit festzustellen, sobald man nur einen einzigen »iiY Firma ver-
sebenen Druck desselben mit dieser Type dagegen halten kann.
Uerkwürdig ist ferner, das sich diese vielgebrauchte gothische Type, die eigentliche
damalige „Brodschrift", selbst bei zufällig übereinstimmender Kegelhöhe doch immer
durch Etwas unterscheidet, wodurch ein Verwechseln unmöglich wird. Diese Unter-
scheidungszeichen beschranken sich meist auf einzelne Versalbuchstaben, die man
nur zu leicht übersieht, wenn man nicht schon darauf vorbereitet ist. Es mögen
daher ioji Nachstehenden einige instructive Beispiele folgen, unter Anwendung der
*on ntiM zuerst geübten Praxis bei Untersuchung der Typen.
128 — Strassburg. —
In der Regel variiren bei Jener gothischen Schrift die Versalien IC, € und II.
Das tt hat oft bei dem einen Druclcer in der Mitte zwei Icleine in feinen linien be-
stehende Schrägbalken, die bei andern Drucicern fehlen, während im Uebrigen dieselbe
Form vorhanden ist. Zuweilen unterscheidet sich das K aber auch noch dadurch,
tiass es viel niedriger ist, ganz so, wie wir es schon in der dritten Auflage des Hortus
▼on Johann Prysa circa 1492 fanden.
Das € erscheint bei den Druckern zuweilen mit zwei kleinen sogenanten Federchen,
^ie am vordem Hauptbalken nach links herausstehen, während bei andern Typo-
graphen diese Federchen nicht vorhanden sind, der Buchstabe aber im Uebrigen
dieselbe Form hat.
Das 11 kommt in 6 Hauptarten vor, die man sofort entdeckt, wenn man es
weiss. Das eine 11 ist von reichlicher Breite, wir wollen es wenigstens in den nach-
folgenden Beispielen als „br^t" bezeichnen zum Unterschied von einem „mittel-
leiten" und einem viel schmäler vorkommenden, das wir ,fäehnuMV* nennen
werden. Jedes dieser H hat wieder zweierlei Arten ; bei der einen hat es in der Mitte
der beiden senkrechten Hauptbalken einen horizontalen Querstrich mit einem Punkte
in dessen Mitte, die andere Art hat diesen Querbalken einfach nicht. Zum Studium
mag man nun folgende meist seltene Druckwerke vergleichen.
Ausser den drei, schon oben im Hortus sanitaüs beschriebenen Schriftgrössen,
finden wir in Nicolai de Lyra „ Posiilla'^ von 1492 bei Johann Pryss noch eine vierte
kleine Gotlüsch; sie ist hier bloss fnr die Glosse verwendet und es gehen davon auf
nur 19 Centimeter 84 Zeilen. Von der im Hortus 1498 verwendeten genau ebenso-
gössen Gothisch unterscheidet sie sich durch meist andere Versalien, wodurch sie
-auch in ihrer ganzen Erscheinung einen etwas andern Charakter zeigt. —
Bei Johann Qrüninger findet sich in Boetii »De discipline scolarium*' 1495
{Hain 8424) eine der kleinsten gothischen Typen, bei welcher 84 Zeilen knapp
<iie Höhe von 1 1 Centimeter erreichen ; sie ist deshalb auch hier nur zur Glosse ver-
wendet, für den Text dient eine mittelgrosse Gothisch, die aber so starlc durch-
schossen ist, dass sie um so grosser erscheint. Dass Grüninger hier der Drucker
ist, beweisen die grösseren Tyen der Blatt- Ueherschrif teil, die sich auch in andern
Druckwerken Grfininger^s wiederfinden.
Eine dritte Grfininger'sche Gothisch von Mittelgrosse finden wir in „Oratio contra
Invasores Sacerdotum" von circa 1490 (Hain 13027). Die Höhe von 84 Zeilen be-
trägt hier 13*lio Centimeter; das II ist mittelbreit, mit Querbalken und ziemlich
schlank, das £ hat nach links die schon näher besprochenen zwei kleinen Federchen
und das K hat die zwei feinen Querbalken in der Mitte. Als weitere Unterscheidungs-
iteichen von der gleichen Type anderer Drucker finden sich hier die Versalbuchstaben
Siy 3 und D in zwei verschiedenen Arten vor.
Noch eine Gothisch hat Grüninger in Antonini j,Repertorium'^ 1496 (Hain 1S49) ;
bei dieser beträgt die Höhe von 34 Zeilen genau 12 Centimeter, daher sie zu den
ftleineren Arten zählt, obwohl sie hier noch als Textschrift verwendet ist, wobei
■allerdings auf die gewöhnliche Spaltenhöhe in Mittel-Folio nicht weniger als 67 Zeilen
kommen. Das H ist hier schmal, das U ohne Sehrägbalken und das t ohne Federchen.
Ausserdem hat das JA eine andere Form wie bei den meisten gothischen Mittel-
Typen. —
Wir kommen nun zu Martin Flach in Strassburg, der bei seiner reichen Aus-
wahl von Typen die gewöhnliche Gothisch besonders in zwei Mittelgrössen viel ver-
wendete, und dessen anonyme Drucke oft mit solchen von Heinridi Quentel h% Cöln
verwechselt werden, wenn man nicht genauer untersucht.
Eine mittelgrosse gothische Textschrift, bei welcher sich auf 84 Zeilen eine Höhe
von 18*/io bis 18'/io, im Durchschnitt aber 13^*1» Centimeter ergeben, findet sich
bei Martin Flach in folgenden Druckwerken: Antonini f,Confeftionale^ 1488; Bona-
venturae i,Opuscula'^ 1488; im ffMariaW 1498 und in Raimundi de Sabunde ^Theo-
— Strassburg. — 120
iogia naturalis'* 1501« Bei dieser sehr hübschen Gothisch ist das £ ohne Federchen,
das n schmal mit Querbalken und Punkt in der Mitte, das tt ohne Schrfigstriche.
Ausserdem erkennt man den Drucker an den grossem oft ^wiederkehrenden Typen
der Blatt- und Capitel-Uebersehriften.
Bei Martin Flaches kleinerer Gothisch kommen auf die H5he von 34 Zeilen nur
lJ^/10 CenUmeter. Das 11 ist hier ebenfalls schlank, aber ganz ohne Querbalken,
das IC ebenfalls und das € ist ohne Federchen, das üt ist ein anderes. Diese Type
kommt unter andern vor in Bemardini de Busti j,Mariale'* 1496 und in Angeli de
Clavasio ,, Summa'* 149S. Es ist anseheinend genau dieselbe Type, wie in Johann
ihümnger's «Repertorium Antonini* 1496; Selbst das abweichende itt ist ganz wie
bei Flach, und man würde die Drucker kaum unterscheiden können, wenn sich nicht
ergäbe, dass die Grüninger'sche Type noch merklich kleiner ist, indem liier 84 Zeilen
nur 12 Centimeter hoch sind, anstatt 12", 10. Das Alles haben Hain und andere
berühmte Bibliographen nicht bemerkt, imd so blieb es in der Regel bei dem bekannten
«Typographus ignotus.*' —
Bei Peter Attendorn in Strassburg ist die gothische Type mittelgross, und kommen
auf die Hohe von 34 Zeilen 13^ Iva CenUmeter. Das H ist schmal mit Querbalken in
Form eines langgezogenen Striches; das tt hat die zwei Schrägstriche und das £ die
zwei Federchen. Ausserdem finden sich die Versalien P, 3, M und S in zweierlei
Arten vor. Man findet dies in Wimphelings „Directorium statuum" 1498. —
Auch Martin Schott in Strassburg führte die gothische Type, aber mit vielfach
andern, mehr g^chnörkelten Versalien. Das )l ist hier breit, mit Querbalken und
Punkt iu der Mitte, und vom mit doppeltem Grundstrich. Die Hohe von 84 Zeilen
betragt hier 13^fio Centimeter. Man findet die Type beispielsweise in Augustini
,Opus canonnm«' 1490 mit Schottes Firma. —
Noch weisen wir hin auf Matthias Schürer in Strassburg, dessen anonyme Drucke
oft mit solchen von Chrünmger und Heinrich Quentel verwechselt werden. Sein Vi ist aber
viel s(M4inker und mit Querbalken, der im IC fehlt, auch ist das € ohne die zwei Feder-
Hsben nach vom. Man sehe die Type in Geiler von Eaisersperg: „De oratione dominica"
1510, und vergleiche sie besonders mit Drucken von Orüninger und Quentel. —
Auch bei Cornelius de Zyrychzee in Cöln finden wir die gothische Type, und
zwar ganz ähnlich wie bei Heinrich Quentel und dessen Erben von 1502 ab. Genauer
betrachtet ist aber Zyrychzee sehr leicht zu unterscheiden. Das £ hat bei ihm nic^t
die zwei Federchen nach vom, auch findet sich noch ein zweites ganz anderes € bei
ihm vor, und das )l ist viel schlanker. Das (ffi findet sich sogar in dreierlei Formen
vor, überhaupt erkennt man leicht mehrfache Verschiedenheiten in den Versalien.
Man vergleiche von Zyrychzee y^Mensa phHosophica** 1508, mit dem niedlichen colorirten
Titelbilde. Uebrigens findet man bei genauem Ausmessen auch noch einen Unter-
scMed in der Grösse des Schriftgrades, indem bei Zyrychzee auf 84 Zeilen IS^/ao bis
I8V10 Centimeter kommen, bei Quentel aber nur IS^io Centimeter im Durchschnitt. —
Der QuentePschen Gothisch noch ähnlicher und selbst in der Hohe von 84 Zeilen
i&it 18^/io Centimeter übereinstimmend, finden wir sie bei Heinrich Oran in Hagencm
in Holkot ,Super saplentiam Salomonis*' 1194 (Hain No.'8761). Hier hat auch das
-t die zwei Federchen, das U ist eben so breit, auch das V ist dasselbe, und man
würde sie für genau dieselbe Type erklären müssen, wenn sich nicht ein unterschied
vorfinde, der trots der völlig gleichen Kegelhohe und der Form der Typen den
Beweis giebt, dass es nicht dieselbe Schrift sein kann, denn das kleine i hat bei
Quentel und Andern den gewohnlichen JPunhi, bei Gran dagegen einen kleinen
Strich, der häufig sogar mit dem Grundstriche des i so zusammenhängt, dass er
gar nicht als Punkt erscheint
Man vergleiche nur genau die mit Firma versehenen Drucke von Quentels »Trac-
tstus Alberti Magnl* 1498, und Grands HoJkot ^Opus super sapientiam Salomonis*' 1494.
Beide Drucker haben sogar als Trennungszeichen bei getheilten Worten am Ende
l^o "^ Strassburg. —
41er Scalen ^oen idemMch grossen, unsenn heutigen Komma ähnlichen Sckrägstridt,
der Jedeeh bei Gran nicht ganz so lang, auch mitunter doppelt ist und dann unsenn
heutigen „Divis" gleichkommt.
Es liegt uns nun von Emirich Gran ein zweiter, aber anonymer Druck vor,
den noch kein Bibliograph festzustellen wusste, den man aber an den schon angegebenen
Merkmalen sofort erkennt, wenn man ihn mit Gran's HoTkot «Opus super sapieotiam
Salomonis" 1494 vergleicht: es sind die in klein Quart gedruckten y^Semumes SaneU
AugtMtmi'^ circa 1490. Selbst alle die zahlreichen Abbreviaturen sind genau dieselben,
von denen übrigens nicht wenige auch bei Qnentel vorkommen, dem man daher auch
Jene „Sermones Angustini" mitunter zugeschrieben hat, während sie Hain unter
No. 1996 fälschlich dem Martin Flach vindicirt.
Interessant ist aber, dass man die gleichen Typen und vielfach auch die gleichen
Abbreviaturen im ersten Tübinger Drucke von Friedrich Me^nberger : Gabrielis Biel
„Bpitoma expositionis canonis missae" 1499 vor&ndet. Die Typen sind aber bei
Meynberger um ein Geringes grosser, denn 84 Zeilen haben IS^/io Centimeter Höbe.
Auch hat er als Theilungszeiehen unser gewöhnliches Divis, sonst ist aber in den
Typen selbst kein Unterschied zu entdecken; der Punkt über dem i ist übrigens
wie bei Qi/ientel, nicht wie bei Oran. —
Auch in Mainz finden wir die fragliche Gothisch mehrfach vertreten. P^o'
Friedberg hat sie in seinen schon unter „Mainz" aufgeführten Drucken bis 1498, doch
ist sein II viel schlanker und das V ohne die zwei feinen Schrägbalken ; auch ist sie
etwas grösser, denn die Höhe von 34 Zeilen schwankt zwischen IS^io und l&^io Centi-
meter, kommt also in der Grösse ziemlich der von Johann Pryss in Strassburg gleicta
Dasselbe ist nun auch der Fall bei Friedrich Heumannn, dessen Drucke vir
ebenfalls unter Mainz beschrieben , und in denen 34 Zeilen an den meisten Stellen
auch 13^/10 Centimeter Höhe ergeben; doch ist sein )l mit Querbalken breit, das £
bat die zwei Federchen imd das V die zwei feinen Schrägbalken.
Bei Johann Schaff er findet sich die Gothisch ebenfalls täuschend ähnlich; die
84 Zeilen sind aber nur 13^/io bis 13^/io Centimeter hoch, also im Mittel Jd^/ao. Dabei
ist das )l schmal, das U ohne Schrägbalken und das £ ohne die zwei Federeben
nach vom. Man vergleiche zum Beispiel dessen j,Mawuale curatorum'* von Sttrgatit
1508. Schon die gänzliche Verschiedenheit der angeführten drei VersalbudisicAen
würde hinreichen, um die gothischen Drucke Johann SchÖffer's von denen Heumum^s
sicher zu unterscheiden, trotzdem die Typen im Uebrigen sich aufs Haar gleichen.
'Wenn man überhaupt die von uns angegebenen sehr einfachen Vortheile kennt,
und sich nebenbei für besondere Fälle eines sehr starken Vergrösserungsglases bedient,
wird man nie in die Lage kommen, einen anonymen Druck falsch zu bezeichnen,
oder den Drucker nicht bestimmen zu können. Natürlich gehört dazu audi eine
Incunabeln-Sammlung, die für die Autopsie aUes nöthige Material bietet.
Besonders rathsam ist es, zunächst die ersten Drucke der berühmtesten Typo-
graphen und frühen Druckstädte gehörig zu studieren, dann zu untersuchen, welche
neue Typen etwa im Laufe der Jahre bei diesem oder Jenem Typographen auftauchen.
Es ist dies nothwendig, um unter Umständen nicht etwa falsche Schlüsse zu ziehen,
was leicht geschehen könnte. Ein einfaches Beispiel wird dies sofort klar machen.
Wenn man nämlich die so ungemein ähnlichen gothischen Typen yon Qaentel,
Flach imd Andern mit dem ersten Hagenauer Drucke von Heinrich Gran : CormUus
magistri Joanms de Garlandria 1489 vergleichen wollte, weil man weiss, dass
Heinrich Gran ganz ähnliche Typen geführt haben soll, dann würde man sich getäuscht
sehen, denn Jener Erstlingsdruck enthält zwar auch schon eine sehr hübsche gothisetae
Type, aber sie ist schon durch ihre niedlichen und meist verzierten Versalien gänzlich
verschieden von Gran's späterer Brodschrift, die der gothischen so vieler andrer
Typographen täuschend ähnlich ist, und unsere berühmtesten Typographen zu ganz
falschen Schlüssen führte.
— Strassbnrg. — Iij
So schreibt zum Beispiel ffain unter Nr. 1998 die Sermones Augusüni von dtrea
1490 dem Martin Flach zu, der allerdings in Bemardi Sermones 1497 eine täuscbend
Ihnlicbe Type aufweist; doch wird sie Niemand für die gleidie halten, der sich die
liübe nimmt, naher zu untersuchen. Denn die schon öfter angeführten Versalien £
tt und 1( sind bei Qran und bei Flach ganzlich verschieden; auch findet man Ja
leicht das schon oben angeführte hauptsachlichste Unterscheidungszeichen in dem
Buchstaben t, der bei Flach einen wiridichen Punkt, bei Gran aber nur einen feinen
Strich als Punkt aufweist. Wer nur einigermassen nicht ins Blaue hineinschreiben will,
möchte sich doch wohl ffir die Folge etwas mehr um so auffallige Merkmale kümmern,
üebrigens hat vrohl Hain, obgleich er das Werk selbst gesehen, die Notiz bezuglich
Flach nur dem frühern Irrthum Panzer's unter No. 484, Band I Seite 90 seiner
,A.iiQales*< nachgeschrieben.
Wir konnten Hunderte von derartigen Beispielen anfuhren, wollen aber den
künftigen Bibliographen nicht allzusehr das eigene Forschen und „Finden* verderben.
Nur mögen noch einige wichtigere Typographen des fünfeehnten und vom Anfange des
sechszehnten Jahrhunderts hier Erw&hnung finden, deren ähnliche gothische Typen
mit mehr oder weniger Abweichungen ein besonders interessantes Studium bieten.
£b sind dies namentlich folgende : Johann Amerbach in Basel, Arnold de Colonia in
Leipzig, Peter Berger in Augsbui^, Laurent Bornemann in Münster, Michel Furter
in Basel, Lucas Antonius de Giunta in Venedig, Nicolaus Götz in Coln, Bartholo-
mäus Gothan in Lübeck, Johann Froschauer in Augsburg, Gregorius de Forlivlo in
Venedig, Michel Gryff in Reutlingen, Conrad Hist in Speier in seinem Donatus von
1498, Nicolaus Jenson in Venedig, Nicolaus Eesler in Basel, Heinrich Knoblochzer
in Heidelberg, Anton Kobei^er in Nürnberg, Peter LÖslein und Hermann Liechten-
stein in Venedig, Martin Landsber^ und Melchior Lotther in Leipzig, Friedrich
Misch in Heidelberg, Kilian Piscator in Freiburg, Baptista de Tortis in Venedig,
Erhart Batdolt in Venedig und Augsburg, Bernhard Richel in Basel, Johann
SchÖnsperger in Augsburg, Johann Schopser in München, Sensenschmid & Friesner
in Nürnberg, Simon de Luere in Venedig, Anton Sorg in Augsburg, Arnold Ter-
hoemen in Cöln, Ugo Rugerius in Bologna^ Peter Wagner in Nürnberg, Paul Wider
in Erfurt und Andere.
Die gotfaischen Typen dieser Typographen, die mit wenig Ausnahmen natürlich
auch noch aadere Schriften führten, bieten in ihren Einzelheiten sehr interessante
Abwechselungen dar, besonders in den Versalbuchstaben, den ligaturen und Abbrevia-
turen. Indem wir in Bezug auf den obigen y^Hortus sanitaüs'^ von Jobann Pryss
den Naehw^ des Typographen durch seine Typen führen mussten, haben wir nicht
unterlassen vollen, auch noch einige andere interessante Beispiele dieser Art passend
uzusehliessen. —
No. 231.
i^3Martil0{ittt itx fjnlxitn \\ Vidi) htm kalenber/^
Strassbnrg^ Johann Pryss, 1484. Folio-Format.
Interessanter alter Druck in eigenthümlicher Schrift, mit Druckfirma und Jahr-
•alil; ftflWkpid sind M* schl^BfC^ht ansgodmokten Initialen von eigentbüiiüi€jt^r^<)^pqB.
Der Titel ist in Holz geschnitten. —
No. 232.
^^Skxmtmtis 8l)efattri || noui br 5ttictte/^
Strassburg^ Johann Pryss, 1484. Folio-Format.
Bas Werk hat nur die Angabe des Druckortes und der Jahrzahl; die Firma
feihlt Aber durch Vergleichung mit andern legitimirten Drucken von Pryss ^ z. B.
9*
1^2 — Strassburg.
mit dem „Martyrologium der Heyligen" von 1484 mit Firma findet man, dast die
Typen der grossen Capitelüberachriften. vollständig gleich sind, aueh weisen Eiiuel-
heiten der damals allgemein gebräuchlichen Gothiscb des Textes deutlich auf Jo-
hann Pryss. Fehlt bei Hün, steht aber bei Panzer I, Seite 26. —
No. 233.
^^Äationalf biuinoHrum officiorum/^
Strassbnrgy Johann Pryss, 1486. Folio-Format.
Diese nur mit Druckort und Jahrzahl versehene Ausgabe des Durand! y^RaUonaU*
ist ohne Zweifel dem Johann Pryss zuzuertheilen, denn die Typen sind dieselben
wie in vielen andern Drucken von ihm; auch ist das originelle JS das sicherste
Kennzeichen. Hixin beschreibt das Werk unter Nr. 6491 nach dem Münchner Exem-
plare, kannte aber den Drucker nicht. —
No. 234.
^,?Brtuff fanitatia . . .^^
Strassburg, Johann Pryss, circa 1487.' Folio-Format.
Die tmeüe Auflage des Pryss^chen Eortus, von welchen wir die erste unter
Nr. 280 kennen lernten. Hiün fuhrt sie unter Nr. 8942 an, wieder ohne Drucker,
aber mit der Notiz, dass diese Ausgabe wahrseheinlich aus der*Offizin der vorigen
stamme. —
No. 235.
^^fUtXitm malfllftcanim/*
Strassbni^, Johann Pryss, 1487. Folio-Format.
Yerfasser dieser berüchtigten Schrift, welche zu Deutseh „Hexen-Hammer" ge-
kannt wird, sind die beiden Inquisitoren HenricM Insütoris und Jacob Sprenger;
sie enthält eine Sammlung der auf die «Hexerei* bezüglichen Gesetze. Die Typen
der Ausgabe sind dieselben wie die in den Pryss^schen ^fforttis'^f weshalb wir diesen
nndatirten Druck ohne Firma auch diesem Drucker zutheilen müssen, obgleich Hiün
unter Nr. 9288 schon eine andere Ausgabe ohne Druckfirma dorn Pryss zuschrieb,
dagegen von vorli^ender, welche von ihm unter Nr. 9239 beschrieben ist» den
Typographen nicht zu nennen wusste. —
No. 236.
3triil)anu0 ?li||fm0 it 30ntin0: ^^Vamtatc» fcntmtiantm
Strassburg, Johann Pryss, 1487. Klein Quart-Format
Das Werkehan, eine Sammlnng von Bedensarten und Phrasen mit Berück-
siflbtigung ihrer Yerschiedenheiten und Synonymität in deutscher und lateinlseher
Sprache, hat am Schlüsse Firma und JahrzaU. —
— Strassburg. — 133
No. 237.
^Jafctculu0 tttapon omnt^ anfi{|i|utorum cromca0 c0nqUectm0.^
Strassburg^ Johann Pryss, 1488. Folio-Format.
Mit Druckort, Finna und Datimng. Der Verfasser des bekannten, oft auf-
gelegten Werkes, einer Chronäc von Anfang der Welt bis zum Jabre 1484, ist der
Cartäuser-MÖncb Werner Bolevinck. Die Ausgabe ist mit einigen kleinern Holz-
scbmttchen ausgestattet Unter dem Jabre 14tS7 dieser Cbronik befindet sich eine
Notiz über die ssu Mainz erfimdene Buckdriickerkunst. —
No. 238.
Strassburg^ Johann Pryss, 1488. Klein Folio-Format.
Eins der ältesten deutsoben Formular-Bücber, in Scbwabacber Scbxift gedruckt.
])ass Johann Pryss der Drucker ist, beweisen seine Typen; auch trägt die spätere
Btmte Auflage des Werkes von 1502 die Dnuikfirma. Diese Ausgabe ist zwar
wiederum aus einer etwas andern Type gedruckt, aber zum Titel des Buches, der
bis auf das grosse F ganz in Holz geschnitten ist, hat man 1502 wieder ganz den-
selben Holzstock benutzt, und nur ein anderes, ebenfalls in Holz geschnittenes, aber
nicht so grosses JP vorn angesetzt, weil hier das hinzugefügte originelle Titelbild
weniger Baum für den darübergedruckten Buchtitel übrig liess. Eine Ausgabe des
Johann Pryss von 1483 beschreibt Panzer ausführlich in seinen „Annalen" unter
No. 181; die vorliegende citirt er nur kurz unter No. 260, Jedoch besitzt München
ein Exemplar, welches .Hain imter No 7263 beschreibt, ohne den Drucker zu kennen.
Interessant ist femer eine Yergleichung der Ausgabe des Johann Pryss von
1502 mit derjenigen des Johann Knoblock von ISll, Beide sind gleichlautend
und man könnte die letztere für Nachdruck halten, wenn Knobloch nicht merk-
würdiger Weise zum Tltelbilde seiner Ausgabe genau denselben Holzstock benutzt
bätte wie Pryss neun Jahre früher. Man kann also nur annehmen, dass Johann
Pryss das Verlagsrecht sammt dem Holzstocke an Knobloch abgetreten habe. —
No. 239.
Strassburg^ Johann Pryss, 1489. Klein Folio-Format.
Der anonyme, von Hain imter 8105 beschriebene Druck ist unzweifelhaft von
Pryss in Strassburg) denn die Typen sind genau dieselben wie bei dem unter
No. 887 angeführten „Fasciculus temporum* von 1488 und andern mit Firma ver-
sehenen Drucken. Man vergleiche besonders das originelle jS mit den zwei Schräg-
balken, das bei keinem zweiten Drucker in dieser Form vorkommt. Am Ende der
Apocaiyps« steht nur die Jahrzahl M. CCCCLXXXIX. —
No. 240.
i^Stblia fiaufierum a bo||inmo ISünauenfura ebi|{fa tmnxbg
jirfbicatari-||btt0 ptxnXxlx^^^
Strassburg, Johann Pryss, 1490. Klein Quart-Format.
Das Werk hat nur die Datirung von 1490, aber keine Angabe der Druckfirma;
das charakteristische S jedoch lasst die letztere erkennen. Hain Nr. 8502. Bisher
begnügte man sich mit dem beliebte ) „Typographus ignotus". —
1^4 — Strassburg. —
No. 241.
Strassburg^ Johann Pryss, drca 1492. Folio-Format.
Die dritte Auflage des interessanten Werkes. Hain No. 8948 hat diese Ausgabe
angefahrt, aber nicht selbst gesehen. —
No. 242.
^i%mxtn ptLxa im Vtcolat br firaUcum fuie abbtttonibus,
beqa rrpUcia || tractan^ fttper toto corpore biblie/^
Strassburg, Johann Pryss, 1492. Folio-Format,
Dieser vierte Theil der „Postilla über die Bibel" mit den Erg&nzungen des Paulus
Btii^ensis enthalt das neue Testament. Der Dmcker ist nicht angegeben, w<dil aber
Ort und Jahrzahl« Erstem erkennt man an den grossen Typen der Ueberschriften,
welche wir schon in andern Werken antrafen. Hain No. 3169. —
No. 243.
^QRn €rotttca uon anfang ber weit • btj^ || uff ble jar Cljrtfti
pl. cccc. IjTTfiij. Cle-i|nattt ^Fafctcttlus temjiorttitt • CKn bttrt
lin ber }^t • fagt tion allen Itppn • m \\ IKet^fem P9ud) von
nxl mar^fftigrn gr||fd)td)ten. Uni mt mm H» nerven jj
fol fud) am er^en jilat nad) be regtftfr/*
Strassbnrg, Johann Pryss, circa 1498* Folio-Format.
Diese Ausgabe ohne Datirung und Druckfirma setzt Hain unter No. 6940 und
auch Brunet in Band II, Columne 1189- unter Strassburg, ohne den Drucker an-
geben cn können. Letzterer ist unzweifelhaft Pryss; das beweisen die Holzschnitte
dieser Ausgabe, welche dieselben sind, wie die seiner lateinischen und mit Firma
versehenen Ausgabe vom Jahre 1488; nur dass hier noch einige Abbildungen hinzu-
gekommen sind. Da die Chronik in obiger Ausgabe bis in das Jahr 1498 gebt,
dürfte der Druck kaum vor 1493 vollendet worden sein.
Die Schwabacher Schrift des Textes und die grössere gothische des Titels imd
der Ueberschriften sind ebenfalls dem Pryss angehörig. Ein grösserer, eigenthümlicb
roher Holzschnitt, einen Pilger mit dem liosenkranze darstellend, bekleidet die Rück-
seite des Titelblattes. Auf dem numerirten Blatte 126 dieser deutschen Ausgabe liest
man unter dem Jahre 1457: ,/?E)ie ^rutfcr bet hÜ6:)et WUtbent jiemevW
Möglicherweise hat das Erscheinen des grossen j^Mainzer Psalierium'* , welches mit
dieser Jahrzahl zuzammentrifPt , erst diese nachhaltige Wirkung auf die grossere
Verbreitung der Kunst ausgeübt.
Win man annehmen, dass nach der Trennung Gutenl>erg'8 von seinen undank-
baren Gesellschaftern um 1456 sich schon die erste Auswanderung der Mainzer Ge-
hilfen ereignet hat, welche gegen Fust und SchÖflfer wohl nicht dieselbe Verbindlich-
keit hatten, wie gegen Gutenberg, so bildet diese Stelle der Chronik eines gleicheeitig
•und in der Nähe von Mainz lebenden Autors, Werner Rolevinck von Laer, ein be-
deutsames Zeugniss und ein wichtiges Document für die Erfindungsgeschichle der
typographischen Kunst. —
— Strassburg. — l^j
No. 244.
8tniB8burg, Johann Fryss, circa 1498. Folio-Format.
Die vierte und leiaste Auflage desselben Druekers, die vir sclion bei der ersten
unter Ko. 280 ausfütirlicli mit besprochen haben. Hain hat sie nicht au%efulirt. —
No. 245.
„t)M ifl fant Paule leben || bte crften tynfibtle • vnb
ifl aud) bM leben btB \\ beyligen mattere fant %nt\)iniQB
wie iy in btt \\ wftfte warcnt vn fy got fpyfet butd^
ein tappen || Vinb wie fy ix leben geffitt i^aben . vnb
wie fy vfs || Mfer weit vtxfdiybtn fynb/'
S^trassbnrgj Johann Pryss, 14$8* Klein Quart-Format.
Ein 'biteressaaiter Druck, in' Schwabacher - Typen ausgeführt. Die Majuskeln
geboren aber der gothiaohen Type des Johann Pryss an; unter dieser kommt anoh
das bekannte S vor. Diese Legende hat nur Datirung und Druckort, aus genannten
Merkmalen war der Drucker aber leicht zu erkennen. Das Werkchen ist mit 21 hüb-
sehen Holzschnitten geziert. Hain führt es unter No. 12474 iein, ohne den Drucker
zu kennen. Panzer hat das Werkchen nicht gekannt. —
No. 246.
,,3F0rmttUre unb || Sfitfd) r^rtorica.^'
Strassbvrgr^ Johann Pryss, 1502. Klein Folio-Format.
Die zweite mit Druckfirma und Jahrzahl versehene Auflage des Werkes, von
T^elchcr -wir schon bei der ersten von 1488 unter No. 238 sprachen. Der Titelholz-
Bchnitt ist derselbe, den wir schon bei der ersten Ausgabe des „Hortus sanitatis'
unter No. 280 zu erwähnen hatten und der uns mit in den Stand setzte, den Hortus
und eine Reihe anderer bisher unbestimmter Drucke auf Johann Pryss zurück-
xufübren. —
No. 247.
),Margarita poetica.'^
StrassbHFgy Johann P^yss, 1508. Quart-Format.
,Die Perle Dichtkunst' ist das bedeutendste Werk des Albrecht von Eyh, eines
Schriftstellers im fünüzehnten Jahrhunderte, den seine Zeit als Staatsmann, Redner
und Dichter gleich hodiachtete. Das Werk ist eine Verherrlithung der DicMkunst
ond Zugleich eine gelehrte Prosodie; der erste Theil giebt die Theorie, der zweite
die Ausübtmg der Kirnst in Anfuhrungen aus den Werken der berühmtesten Redner
und Dichter des Alterthums.
Der starke Quartband ist in Antiqua gedruckt mit Angabe des Drückortes, der
Pinna und Jahrzahl. —
136 — Strassburg. —
No. 248.
^^IBajlttße l&antutant || Bucolica feu adolescentia in decem
SBglogas II diuisa : Ab Jodoco Badio Ascensio fami||liariter
exposita : cum indice edictionu."
Strassburg, Johann Pryss, 1508. Klein Quart-Format.
Diese mit langen Conunentaren versehene bukolische Dichtung auf die Jugend
ist in Antiqua gedruckt und tragt die Jahrzahl, sowie Dmokort und Firma. Daran-
gebanden ist desselben Yerfassers kleines Schriftchen „De vita beata** von nur
16 Blättern Inhalt, gleichfalls mit Pryss' Firma und mit der Jahizahl 1507. —
No. 249.
^^Sranf^latjton || ober tfitrd)un9e bre l)0d)9ead)tetrn %ico{{lai
Dan mtjle : \itn jijten ^tatfc^riber ber Stat (Effflingen : rtUd)tr
büd)cr (Enrc ftljluij : läajij Horcttni : || 3Ff Itcia \)mtxlxn :
boc||tori0. |Mtt fampt anbern fd^r^fltm : btrn || püj. nad)-
fiitanbcr Dnbfrfd)5benUd)ftt || mit trm ftgurfn Dub titeln bt-
griffen flnt/^
Strassburg, Johann Pryss junior, 1510. Folio-Format.
Diese Verdeutschungen von 18 verschiedenen Erzählungen und Novellen erschienen
zuerst im Jahre 1478 zu Esslingen, von Conrad Fyner gedruckt Vorliegende Ausgabe
iiM im Texte mit ziemlich grosser Schwabacher-Schrift, in den Ueberschriften mit
einer kleinen Missaltype gedruckt
Mit einer etwas grossem Missalschrift ist der Titel bis auf das, die erste Zeile
beanspruchende Wort ,,Q!rQltf}lat{oit'' gesetzt; letzteres ist in Holz geschnitten • und
der schöne Initialbuchstabe T ist sehr bemerkenswerth. Das Werk ist mit 19 Holz-
schnitten geziert; unter denselben befindet sich einer auf Blatt 101 verso, welcher
einen auf einer Bank sitzenden, zum Tbeil in einen Esel verwandelten Mann vorstellt
vor welchem eine Frau steht; hier sieht man links unten in der Ecke ein Monogramm,,
welches auf den Künstler Hans Baidung Orten deutet. In der mit Druekort, Firma,
und Jahrzahl versehenen Schlussschrift nennt sich diesmal det Drucker Johannes
Bryse ohne den Beisatz yjunioris'^ , den er in einigen seiner Drucke von IßOS
ab anwendete. •—
No. 250.
^^9ocabulariu0 || gtntnta gemmaru || nouiter tmfire|[u0 : ab-
bltianeqa multa||rum btctionunt ejrljarnatu».^*
Strassburg) Johannes Pryss junior, 1612. Quart-Format.
Diese Auflage des lateinisch - deutschen VocabuUrium kannte Putzer, der eine
solche von 1505 imd eine zweite ' von 1508 auffährt, nicht Sie trägt am Ende die
Firma „Johann Prüs junior'^, was bei nur wenigen Drucken der Fall ist die aus
der Offizin des jw^fem Pryss hervorgegangen sind, der es in den meisten FäUea
vorzog, einfach die alte Firma seines Vaters zu führen. —
— Strassburg. — ixj
ßof^mn drümnger alias ^etni)arltt^
1483 bie 1528.
Der ziemlich bedentende Strassburger Typograph Johann Rein--
hardt nannte sich nach seinem schwäbischen Geburtsorte gewöhnlich
Grüninger oder auch Greninger ; seine vielen Druckwerke sind
grossentheils ohne Firma, aber glücklicherweise mit Druckort und
Jahr%akl versehen.
Die meisten anonymen Drucke Grüninger's fallen in die ersten
Becennien seiner typographischen Thätigkeit, und sind meiste ntheils
aus einer sehr schönen gothischen Type gesetzt, welche an Klarheit
und Ausdruck allen andern Strassburger Schriften den Rang ab-
läuft. Jedenfalls brachte Grüninger diese schöne Schrift von Basel,
wo er Professor war, nach Strassburg herüber, denn es offenbart
sich in ihr unverkennbar der Baseler Ductus, — Gras hat in seinem
„Nachtrag" auf Tafel II Nr. III und IV Alphabete dieser Schriftart,
wenn auch unvollständig gegeben, da viele in doppelter Form vor-
kommende Versalien von ihm nur einfach wiedergegeben wurden ; auf
Seite 60 beschreibt Gras die Ausgabe der Werke des Dionysius Areo-
fagita vom Jahre 1503, welcher er diese Alphabete entnommen, ohne
jedoch auf den Drucker derselben geführt zu werden.
Auch in unserer Sammlung befindet sich ein schönes Exemplar
dieser Ausgabe, welche zugleich von dem Typen-Reichthum der
Grüninger'schen Of&zin Zeugniss ablegt, denn wir zählten darin nicht
weniger als sechs verschiedene Typen- Alphabete, sämmtlich aus go-
thischer Schrift, wobei also seine Schwabacher- und Antiqua- Alpha-
bete, die er später auch einführte, noch nicht in Betracht kommen.
Eine • andere gothische Type Grüninger's, mit welcher er nächst-
dem vorwiegend druckte, ist ganz ähnlich derjenigen von Martin
Flach und Johann Pryss, über die wir schon auf Seite 128 und 129
Specielleres gesagt haben, doch unterscheidet sie sich glücklicher-
weise von Beiden namentlich durch den Grad ihrer Grösse oder
Kegelhöhe, denn sie misst auf 34 Zeilen nur i3*/ao bis i3'^/io Centi-
meter, während bei Johann Pryss durchschnittlich 13V10, bei Martin
Flach i3*Vjo bis 13V10 Centimeter sich ergeben. Die Ginininger'sche
ist also von den dreien die kleinste.
Auch geben die Versalbuchstaben % II und 1K bei den genannten
drei Druckern ein wichtiges Unterscheidungszeichen ab. Bei Grü-
ninger und bei Pryss hat das *% vorn die schon mehrerwähnten
zwei kleinen Federchen, bei Flach fehlen sie. Das Hl ist bei Flach
und bei Grüninger schlank und schmcUf bei Pryss dagegen breit
geformt. Das HC ist bei Pryss mit zwei feinen Schrägbalken in der
1^8 — Strassburg. —
Mitte ausstaffirt, bei Flach fehlen diese Schragbalken, wäbrend in
Grüninget's Offizin beid^ Arten des H vertreten sind, w^nn sie
auch nicht in allen seinen Druckwerken zugleich vorkommen.
So findet man in Petri Alliaco ,^Qti£stiones'' 1490 (Hain No. 841)
nur das IC ohne Schrägbalken, während in „Modus Legendi" 1494,
No. 264 unserer Sammlung, die beiden 1K mit und ohne Schräg-
balken zahlreich abwechseln, wie man es schon auf der ersten Text-
seite Blatt d 4 nach dem Register sehen kann.
Das hauptsächlichste Erkennungszeichen dieser Grüninger'schen
Drucke sind aber die grossem Typen der JSldtt^ und C/CLpitelr
TJ eher Schriften, da diese bei keinem zweiten Strassburger Typo-
graphen vorkommen, und also von selbst auf Grüninger führen,
auch wo kein Druck mit dessen Firma für ihn spricht. Namentlich
das J) ist in jenen Rubriken besonders charakteristisch, und findet
sich nur noch ähnlich in der grossen Biblia latina von Adolph
Rusch; aber auch hier ist es nur beim ersten Anblick für dasselbe
J) zu halten, denn man erkennt schliesslich, dass es von ganz an-
derer Zeichnung und nur der augenblickliche Effect der gleiche ist.
In den späteren Drucken Grüninger' s werden wir natürlich auch
noch andere grössere Typen für Titel und Rubriken vorfinden.
Das oben angeführte charakteristische grosse |3 findet sich übrigens
nebst den andern Typen dieses Alphabets in den nächstverzeichneten
frühesten Drucken Grüninger's ebenso angewendet, wie in den spatem,
die aus einer ganz andern Gothisch gesetzt sind, welche so oft mit
derjenigen von Flach, Pryss, Quentel, Gran und Andern verwechselt
wird, und es spricht auch dieser Umstand dafür, dass alle von uns
festgestellten Grüninger'schen Drucke wirklich von ihm herrühren. —
No. 261.
,,$fiu0 |9ofttUartt et 3ermo||num Jtorbant be Semiiore/^
Strassbnr^^ Johann Grüninger, 1488, Folio-Format.
Dieses voluminöse Predigtbucli der Jordanus von Quedlinburg ist mit der prÄcli-
tlgett Qothisch gedruckt, deren igcir oben im Eingange gedachten, tind hat am Schlosse
die Angabe des Druakortes und der Joäirzahh Hain Nr. 9496 bezeichnet das Werk
näher, ohne sich um einen Drucker zu bemühen. —
No. 252.
t,Cll0fÄ jifaltfnj J^a|||)anm0 br turre ctfUtnata.^*
Strassblirg^ Johann Grüninger, 1485. Folio-Format.
Dieselbe Type. Der Druckort und die Jahrzahl befinden sich auf der vorletzten
Seite des Werkes. Hain No. 15706. —
— Strassburg. — 13Q
No. 263.
if3colafHcft iH^ift H pl^iftxi )ßttxi comc |||l)0Vi0 f«are ficrifi-
luvt II fettem breitem ttumtf et || ejrpoftti erpottetttts.^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1485« Folio-Format.
MH der n&mlichen tehonen Type gedraokt. Draekort und JahTx«hl befinden
sieh am Schhuse des Werkes , vrelehes wir dem Inhalte naek bereits an anderer
Stelle kennen lernten. Hain No. 5588. —
No. 254.
üStxmontB iBormi fecure • || «el iöormt (ine cura.**
Strassburg^ Johann Grüninger, 1485» Folio-Format.
Kit derselben Schrift gedruckt. Der Verfasser dieser „Nachtgebete" ist nicht
bekannt Das Buch enthält am Schlüsse die Angabe des Druckortes und der Jdhr-
zahl Fehlt bei Hain. Panzer hat es in Band I, Seite 27 No. 69 aufgeführt, na-
türlich ohne den Drucker zu ermitteln. —
No. 255.
^fxhtv ht iiroiirietati||bw0 rerum ?8artl)al0||mel angltcl/^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1485. Folio-Format
Dieselbe Schrift Der Verfasser dieses encyclopädischen Werkes ist Bartholo-
maem de GlanviUa. Am Schlüsse stehen wieder Druckort und Jahrzahl ohne An-
^be des Druckers. Hain No. 3506. —
No. 256.
^3|lorta ^le^räbri || magttt rt^is mace{|bottte be pxtlxjü.^^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1485« Folio-Format.
Abermals ein Druck mit der schönen frühen Type Grüninger^s. Eine Geschichte
Alexanders des Grossen von einem unbekannten Verfasser; wiederum ohne Angabe
des Druckers, aber mit Druckort und Jahrzahl. Hain No. 779. —
No. 257.
^ilBptt0 ruraUum C0m||m0b0rum |9ctri be || cre|ctttttj0.^^
Strassburg^ Johann Grüninger, 148(t. Folio-Format.
Dieses höchst interessante Vy^'erk über die Annehmlichkeit des Landlebens ist ein
vorzugfiehes und umfassendes Lehrbuch für die Landwirthschaft, worin Haus und
Garten, Wiese und Wald, Vieh- und Vögelzucht, Jagd und Fischfang mit gleicher
Ansführliehkeit behandelt werden. Am Schlüsse ist Druckort und Jahrsahl ange-
geben. Hain No. 6881. —
I40
— Strassburg.
No. 258.
5iJBratio querulofa contra || ßnm^m» StLttxictnvü^
Strassburg^ Johann Grüninger, circa 1488» Klein Quart-Format
Ein kleines ttieolog^isehes Schriftchen von nur 8 Blattern, welches Hain anter
Nr. 12027 erwähnt, ohne es gesehen zu haben. Es ist ohne Firma und Datirong,
hat aber zweifellos Grfininger'sche Typen, welche jedoch kleiner wie die in den bisher
beschriebenen Werken, und auch uiders geformt sind, wie die bisherigen, die wir
schon in der Einleitung Seite 187 kennzeiclineten. —
No. 259.
^^Äafua Ungi JimtarM || fufifr bfcrftaU0/^
StraSSburgT) Johann Gnininger, 148$* Folio-Format.
Des Bemadus von Parma y,ti>eitläufiige Erwägungen über die Decretalen* tragen
wie die meisten Grüninger'sohen Drucke am Schlüsse ebenfalls nur Druckort und
Jahrzahl, aber nicht die Firma des Druckers. Hain hat das Werk unter Nr. fSß6
verzeichnet, natürlich ohne Drucker. Die Typen sind die nämlichen wie in dem.
vorhergehenden und dem folgenden Werke. —
No. 260.
^^€omuni loi|tu fiue fuma C0l||lationu ^ol)ant0 gallenfiB.^^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1489. Folio-Format.
Hat w^ieder nur am Schlüsse die Angabe des Druckortes und der JahrcahL
Hain Xo. 74<*4 beschreibt das Werk specieller, aber ohne Drucker. —
No. 261.
^y%xfimtL ^Uirabriilmagnt • regia macf||bomf be prelij«/^
StraSSbnrgr^ Johann Grüninger, 1489* Folio-Format.
Oline Dmckfirma, aber gleich der Ausgabe von 1486 (No. 25<>) zweifellos mit
Reinhardts Typen gedruckt. Hain No. 780. —
No. 262.
„3ermonf0 br fan||ctt0 bormi fecure/^
Strassbnrgr^ Johann Grüninger, 1489* Folio-Format.
Ein zweites Buch mit Gebeten für die Nacht, wie wir eins schon unter No. S54
fanden; ohne Grüninger^s Firma. Fehlt bei Hain. —
No. 263.
„Stuffttonr« tnagißri Järtri be || ^iUtaca carbinalis
camrracen||ft0 fujirr libroa fententiarü/^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1490. Folio -Format.
Einer der zahlreichen und umfänglichen Conunentare des berühmten Weikes
von Pel/rus Lombardus: »vier Bücher Aussprüche der Kirchenväter*. Am SchlaBse
findet sich Druckort und Jahrzahl. Hain fuhrt unter No. 841 ein Exemplar auf, ohne
es gesehen zu haben. —
— Strassburg. —
141
Angebunden ist das ,f^tViftVLb\vin t||e| oUgice oeritatif*', dessen Herausgeber Tho-
mas Jk/rnberg in der Schiussschrift genannt wird, -welche aach die Jahrzahl 1489 und
-Stnisburg als IhMckort aeigt. Der Dmcker des Compendium ist aber nicht Grü-
nisger, sondern Johann Pryss, dessen gothische Type awar tauschend ähnlich, aber
um ein Geringes grösser ist, denn 34 Zeilen haben hier die Höhe von 18Va> zuweilen
IS^V« Centimeter, bei Grüninger nur 18*/» bis höchstens 18Va- Hain No. 442.
Ausserdem finden sich auch noch die Unterschiede in den Versalien €, U und K^
die wir in der Einleitung auf Seite 137 & 188 n&her besprochen haben. Das Com-
pmdium des Albtrtm Magma ist eben von einem ehemaligen Besitaer hinten an-
gefagt worden, und das Werk befindet sich auch noch heute in dem alten schön
jepresBten Original-Binbande. —
No. 264.
i^üiUB Ifgenlri abbrruiaturaa in || utxoqs iure fiur
Strassburg^ Johann Grüninger, 1494« Folio-Format.
Eine Process-Ordnung für canonisches und römisches Recht. Mit Ort und Datum
Schlüsse. Fehlt bei Hain und Panzer. —
No. 266.
iiüoefius it Mfrifilina fcola Iriurn nt (tömito natabili/^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1495« Klein Quart-Format'
Dieses bei Hain unter Nr. 8424 beschriebene Werk über die „Disciplin in den
Sehulen*' ist Alschlich dem Boetius beigelegt worden. Wie Jacob Thomasius aus
der Cölnischen Ausgabe von 1509 erwiesen hat, ist der wahre Verfasser Hiovnas
Brdbanimut, der um die Mitte des 18. Jahrhunderts lebte und , um dem Werke ein
grösseres Ansehen zu geben, ihm den Namen des Boetius vorsetzte.
Am Schlüsse dieser Ausgabe befindet sich folgendes Colophon mit einem
I>niekfehler in der Jahrzahl: ^Cfylictt jBoetiBS be MfcipUna fcolarlnn 3»vre|rits||
Irgestise 3llllto Itomitli . ÜL tttan" Jedenfalls ist vor dem g ein c in der Jahnahl
ausgelassen. Andere Druckfehler desselben Typographen erwähnt Falkenstein auf
Seite 16» und 170. —
No. 266.
)i3tnitonc0 meitocree || fancti %mmtxAvxt bt tmjiore.^^
Strassburg^ Johann Grüninger, 1496« Qaart-Format. '
Ohne Firma, aber mit Ort und Jahrzahl. Ham No. 8628 führt das Werkjwie
gewöhnlich ohne Drucker auf, den er nicht festaustellen gewusst. —
No. 267.
iiSt)irrtorin tottti0 funtme || bütnim ^ntontni ard^tefii || fcqti
ftoritim orMnia jirebi.*^
Strassburg, Johann Grüninger, 1496« Folio-Format
Dieses ▼oluminSse theologische Compendium ist am Gchlussa mit Druckort,
Jahnahl und Firma rersehen. —
1^2 — Strassburg. —
No. ^8.
^f^lM^rifmi com)iuHctto||nt0 t^rolofiicale^ • 3ii^0||ny°äi ^^
düng : artiu et mediciaKi) doctoris &c. |j Ad reuerendiflimu
in xpo patre et dnm : dnm || Eridericum (sie !) prefulem
Auguftenfem &c.**
Strassburg^ Johann Grüninger, 1497. Klein Quart-Format
Bin kleiaes Scbriftchen geiBtlicfaen Inhaltes, welches, ausgenommen die mit
Missaltypen gedruckten zwei ersten Zeilen des Titels und die Capitelüberaohriftca,
in Anti^pta gedruckt ist. Am Schlüsse steht die vollständige Datirung und die
Firma. Im Texte befinden sich 10 unbedeutende Holzschnitte. —
No. 269.
Strassbnrg, Johann Grüninger, 1499. Klein Folio-Format.
Ein Compendium des Kanonischen Rechtes; am Schlüsse sind Drackort and
Jahrzahl angegeben. Hain No. 5558. —
No. 270. _
iiPttWij Vwfilij mfxm i^iiera/^
Straasbvrg) Johann Grüninger, 1Ö02. Folio-Format
Der Herausgeber dieser seltenen und hochgeschätzten Ausgabe von YirgiVs W^rkm
ist der berühmte Dichter, Gelehrte und Staatsmann Sebastian Brant, der einen er-
staunlich fleissigen, rings um den grosser gedruckten Text laufenden Glossar lieferte.
Auch besonders wegen der interessanten und bedeutsamen HoUfsehnUte, deren
sich 192 verschiedene in dem an 500 Blätter umfassenden Bande finden, ist dw
Werk gesucht.
Der Künstler, der die Abhildtmgen lieferte, ist leider nicht bekannt; wir bemerkten
auf der Kehrseite von Blatt 6 in der zweiten Nummerfolge ein Täfelchen mit den
Initialen C. A., die auf einen Strassburger Formschneider deuten, und welchen in.
Nagler*8 Monogrammisian Band I, No. 2186 ein kleiner Abschnitt gewidmet ist.
Man erfiUirt hierin, dass dieselbe Abbildung sieh in Marsilius Ficinns „Buch des .
Lebens", Strassburg bei Qrüninger 150t), auch befindet. —
Das Werk ist in Antiqua von zweierlei Grösse gedruckt; die Ueberschriften mit
Missaltypen. Am Schlüsse befindet sich die vollständige Angabe defi DToekoftas mit
Jahrzahl und Firma. Unser selten schön erhaltenes Exemplar hat noch den altea
prächtigen Original-Einband. —
No. 271.
^^äBjirra ^Bionifti • Ueteri» et noue tranfUtionis • etiam
xum\^m ifiiu0 parßlij fldm cum com||nuntnrij« Hxgmi» *
^Ibfrtt . ®l)amf • Mbrofij oratarU » ITmcornrnfte • t «er-||
cfUenfta."
strassburg) Johann Grüninger, 1503« Folio-Format
Bine nicht häufige Ausgabe der Werke des Dioti^siHS Areopaifita, der am 54
nach Christus als Bischof in Athen lebte und dort den Märtyrertod starb, dessen
Strassburg. — 1^3
hier vorliegende Werke aber yoo den Gelehrtea «us flnfhliehen Gründen ins fü%\fU
Jahrhundert Tersetet wurden, wonacli sie also dem Dionysius nur nominell auigehören.
Diese pseudodionysius'schen Schrillen erlangten grossen Einfluss auf die abendländische
Mystik, indem sie sich bestrebten, die heidnischen vorhandenen Mysterien mit Znbilfe-
nahme neuplatonischer Anschauungen in das CIiristenthTim sn übertragen, und sind
dadurch für die Einführung des Chn'stenÜmms von nicht gering zu schätsendem
Weithe gewesen. — Der Typen - Reichthum dieser Ausgabe, welche auch Gras in
seinem Nachtrag auf Seite 60 naher bescbreiM-^ ist v«n uns schon in den einleitenden
Worten Seite 187 naher gekennzeichnet.
No. 272.
ifiit }t\)( 9^1 bot in bifcm || bfld) ercUrt unb uf^ge JUgt burd)
rtlid^ l)0d)||berttmbte lerer, Vnb fragt btx iftngHer öen
meifter, 6er lert xoit man bit \\ gebot gotted l)alun vnb
fid) t)or II toöfönben träten vn fear |5u wie ob' W5 man
bette fol ♦ ♦ /'
E2 Strassburg, Johann Grüninger, 1516« Folio-Format.
Ein schönes Buch, im Texte mit Schwabacher, in den Uebcrscbriften mit Missal-
typen gedruekt. £ine reizende Titelbordüre und 10 werthvolle Hohschwtie von Hans
Bülthmg Orün, dessen Monogramm sich mit Ausnatmie der achten und zehnten Ab-
bildung darauf findet, schmücken das Werk.
Wfar bemerken mit dem Auftreten des Hans Baidung in der Grüninger^schen
O&san einen ausserordentlichen Aufschwung in der Behandlung des Formschnittes,
ersidttlieh unter Dürer'schem Einflüsse. Dem Buche ist angehüngt ,,(Siit lti| |] lil^e
Im tn^ mbenottftttiQ »5 onb »9 || man f>etteti fcl. Vnb auf3le0Uticre t>e&
^eiligen PateV tlOftCrö", mit einem Titelholzschnitte. —
No. 273.
liSfUitl ber II S^rfftir) bea || 9elrid)en oormald nie || 00 keine
boctor in tüt||f(fo Djigange ifi nftglid^ vn pit alle || öenen
fo btt arßet rabt begeret, andf \\ btn geftreiffelten leye,
welche ftcb Dnb||winben mit av^my vmh segon. 3n ||
welchem btt ftnbeft berieft aller |?enb||el ber arftnev,
SQoge üß bcn fÄrne||ften bfidjern b' alten, mit fd)5ne ||
bewerte (lft*en w BftrßwyHgen reben, gemalt von jj
taurentio Pf^ryefen vo [\ b' Pbilofo||p^y vnb %x^nty
jDoctor/'
Strassburg^ Johann Grüninger, 1^1 8* Folio-Format.
Das interessante Buch ist mit Schwabacher Schrift gedruckt; die Ueberschriften
mit einer Missaltype. Es enthält 12 illuminirte Holzschnitte. —
IAA — Strassburg.
um 1485.
No, 274.
Ättb0ljil)tt0 rertor in 3ud)fn: ^^iBe terra fancta et itlnere
jl)crofal0mitanff/^
Strassburg^ Nicolas Pistoris de Berasheim & Marc Reinhard,
circa 1485* Folio-Format.
Die handschriftliche Jahrzahl 1485 am Schlüsse dieser Reisebeschreibimg als
ungeßhres Druckjahr angenommen, können nur Bistaris & Reinhard die Drucker
sein, die auch 1478 die EggesieirCsche Druckerei übernommen haben sollen, denn das
Buch ist mit der bekannten kleinen Type Heinrich Eggestein's gedruckt, die derselbe
schon in der ersten deutsehen JBibel von 1466 verwendete, daher auch wohl
Hain unter No. 10607 das obige Reisewerk des Ludolphus dem Heinrich Eggestein
zuschreibt.
Während Schöpflin Seite 104 und auch spätere Autoren den Marcus BeinhaH
von Strassbui^ und seinen Associö Nicokms Pistoris aus Bernsheim zu den Sirass-
bttrger Druckern zählen, führt Schmidt in seinen „Bibliotheken und Druckereien zu
Strassburg*' 1882 an, dass diese beiden Drocker 1479 in Lyon thätig gewesen, 148S
aber nach Paris und nicht nach Strassburg gegangen seien. Nach anderweiten Unter-
suchungen sollen sie jedoch, wie schon oben bemerkt, 1478 die Eggestein'sebe
Druckerei übernommen haben.
Richtig ist, dass die Firma Reinhard & Pistoris bis 1482 in Lyon besteod.
Dieser Reinhard war angeblich der Sohn des Johann Reinhard, dessen vorzüglichste
Druckwerke wir schon oben kennen lernten, und der von 1488 ab ebenlsUs io
Strassburg druckte, sich aber nach seinem Geburtsorte OrUninger nannte, wohl
zum Unterschied von seinem Sohne, dessen Geschäft er 1483 übernommen haben
soll, um es bis 1525 fortzuführen.
Diese Daten sind entweder ungenau, oder Qrüninger hat ausser dem Sohne noch
einen andern gleichnamigen Verwandten gehabt, da ja der eine als Associö des
Pistoris bis 1482 in Lyon thätig gewesen ist. Wir wollen uns über den Zosammen-
hang des Ganzen kein bestinuntes Urtheil erlauben und führen nur die Daten an,
wie sie vorliegen. Gewiss ist aber, dass das obige Werk des LudolphM mit der
Eggestein' sehen JBibeltype von 1466 gedruckt und nach der lateinischen Insehrift
von alter Hand, die sich in unserm Exemplare befindet, im Jahre 1485 erschienen
ist, wo Eggestein und auch sein Sohn und Nachfolger bereits nicht mehr druckten. —
Peter ^ttetti0rtt,
1489,
No. 275.
,iiBirectoriü ^tatuu • 3en|)Derm0 • aribulatio fcniU/^
[ [^Strassburg, Peter Attendorn, 1489. Klein Quart-Format.
Bin höchst merkwürdiges, nur 86 Blätter umfassendes Werkchen, welches ver-
sehiedene Reden und philosophische Abhandlungen der bekannten Schrifkstellar
— Strassburg. —
145
Wihphflmg, Geiler von Keisersherg , Jodocus Gatticus enthält. Eingeleitet wird
die kleine Schrift durch ein Schreiben Wiinpheliim's an Peter Attendorn und des
leteterö Antwort darauf, wonach dem Attendorn die Herausgabe des kleinen Werk-
chens äbertragen w^ird.
Dieser seltene, mit drei interessanten Holzschnitten gezierte Druck ist wohl der
einzige bekannte dieses Strassburger Typographeii und Buchhändlers, wenn derselbe
Sboi-baupt nicht blos Letzteres gewesen ist, da ihn ^uch Wimpheling in seinem
Sch'iben y,Bibliopola Argentineusis'^ titulirt. Hain No. 6274. —
aud) Unoblott^;, Martin Slaäi'e Uad)foIgcr,
1497 bie 1528.
No. 276.
„^acobi tömpdeiingt || j0f j^ntfflritatf || fibcUtts."
Strassbnrg, Johann Knobloch 1505. Klein Quart-Format.
Das kleine Schriftchen des bekannten Autors »über die Keuschheit" enthält
nur 19 Blätter und ist am Schlüsse mit vollständiger Datirung und Firma des Jo-
hann Knobloch versehen, eines Typographen, welcher nicht unwahrscheinlich eiUen
Th»;! des Druckapparates von Johann Pryss übernommen haben dürfte; denn wir
finiT.'ü in seinen Publicationen Pryss'sche Typen und Holzstöcke wieder, wie wIj:
seh- 11 bei folgender Nummer sehen werden. —
No. 277.
^,3Formularr !9nb || tütfd) 1SI)rtorica.**
Strassburg^ Johann Knobloch, 1511. Fölio-Format.
Diese mit vollständiger Firma und Datirung versehene Ausgabe ist Ehert und
Pm.zer unbekannt geWieben. Das Titelblatt zeigt denselben Holzschnitt, wie die.
Ausgabe des Johann Ptyss von 1502 und die verschiedenen Ausgaben von dessen
»Hortus sanitatis". Die Schwabacher Text-Type ist der Pryss'schen sehr ahiÜich,
Jedoch in Einnebelten abweichend. Der Text beider Ausgaben stimmt Blatt für
BlatT überein. —
No. 278^
,,flauicttla fiuf fpccul'lutn fatuorü |9rr(lantif|tmi facraru U-
tfraru II jQoctom ,30anni0 (Seiler IReiifrrfbrrlJgij Qüanciona-
tovifi ^rjentitifn • |j a J^acobo ?9ttljfro || callccta || dompcn-
btctfa mtc nufbitn befcrtfiUo ; per || $ratiim Hiidtannm
3flc|lattrmm.**
Strassburg^ Johann Knobloch, 1518«
Dieses Werk des Geiler von Keisersberg, „Schiffchen oder Spiegel der Narren",
besteht «08 no Predigteu über Sebastian Brandts „Narrenschijff^. Am Schlüsse be-
findet sich die Lebensbeschreibung Geiler'Si Diese Ausgabe ist selten, aber nioht
die' erat^denn es ging ihr die von ^attlttas Schürer im Jahre 1511 voraas. —
lO
146 — Strassbttfg. —
No. 279.
ffjBfta bu(^ dranatafifel • im U-||tnn gmant JStalo^ratuifitc •
l)fU in im gar oil mi manig f^tilfam vnb fftffer vnbn^
weifung »n6 leer, 6cn anbebenben, t>ffne || mertben »nb
voltonim menfd)en^ mit fampt geifllidber bebefitung
bea II v(igang6 ber Finber 3frael von Cgvpto* 3tem
ein mercCn^e vnber$||ri(btung ber geiftlicbrn fpinnerin.
3tem etlid) prebigen »on be l>a5||fen im pfeifen Dnnb
von iyhen (Äwertern^ Dtinb fcbeiben^ nach || geiOUcber
x)jilegung« tHerere ttylB geprebigt burd) btn f)odis\\
gelerten boctor 2ol)ctnnem (ßeylcr vonn Ueyferfperg tu'*
Strassbiurg, Johann Kiiobloch, 1516. Folio-Format.
Unter obigem Titel befindet sich ein grosser illiuninirter Holsschnitt, weicher
den Verfasser Otüer von Keiierib&rg auf der Kanael im Mfinster mit sieben Zn-
hfirem Torstellt ; weiterlün enthalt das Werk 6 schöne Holaschnitte von Han» BaUkmg
Qrien, welcher seine Kunst noch mehreren Schriften des berühmten Kanselredners
SU ihrer Yerschönemng geliehen hat. Der Text des Werkes ist mit Schwabacher
Typen hergestellt. Am Schlüsse steht die Firma mit yollst&ndiger Datirung. I>er
alte Holaband mit reichen und starken Messingbeschlagen ist OriginaL —
No. 280.
iiiB^e f9bm 9u^-||fifalme ^it trfitfd^tr att^leg-||ung, \Xad9
bem fcbrifftlidben fynne 5U (C^?ri||fli vnb öottte ^nattn,
mht fein0 felbe • || n>are erCanntnftf, grunbtlid) ge^
rlc^Ä||teu jDurd) btn i)OdfQtUtun || JDoctore tTlartinS
iutl)tt II ÄttgttfHner su tPitsjjtemberg/'
Strassbnrg^ Johann Knobloch, 1519. Klein Quart-Format
Mit einem Holzschnitt ,unter obigem Titel: David knieend vor dem in Wolken
erscheinenden Gott Vater. Selten und gesucht. —
No. 281.
,^TH ÖBLIILn NOCTIYM ATTI-||CARYM . LIBM TN || DBYIGINTL"
Strassbnrgy Johann Knobloch, 15 21. Octav-Format.
Die »Attischen Nichte«* des Römischen Schriftstellers Auktt OMUiu, welcher um
die Mitte des »weiten Jahrhunderts lebte, enthalten in 81 Bfichem eine Beihe ▼•&
Ezaerpten aus den verschiedenartigsten Schriftstellern, ohne bestimmtes Priaeip m-
sammengesteUt; sie sind deshalb wichtig, weU ein grosser Theil der von ihm «r-
■erpirten Schriftwerke vtrioren gegangen ist Den Titel erhielt das Werk von den
langen Wintemichten, welche der Verfasser bei seinen Studien in Athen rabiaohte.
— Strassbarg. — i^j
Die erste, sehr 'werthyolle kvafpbe ist die von 1489 bei Sweynheim * Pannaiik ift
Som, wdeber eine grone Zahl ^M^Mterholungen in Deutschland und Italien folgte.'
Vorliegende Oetav-Ausgabe ist im Texte mit Cuniy-Typen gedruetct. —
1499 bi0 1520.
No. 282.
,^iBer IBntnn be» rabts.**
Stnusbnrg^ Mathias Hüpfuff, 1504. Klein Quart-FonnaU
Kit Scbwabacher Schrift gedruckt; ein kleines 8ehriftchen in gepresites Schweins-
leder gebunden. Am Ende Tollstandige Datirung und Firma. «—
No. 283.
)i1K(?9ferUd) mb 1lunt9||iid)e tm\ mh Itlftnxt^i \\ m^ gr-
mflncm ftttr unb gebrud) ber rrdjtcn/^
Strassbur^^ Mathias Hüpfuf, 1507 oder 15121 Folio-Format
Die erste, höchst seltene Ausgabe des Sdiioäbischen Land- und Lehnre^ie»,
Unter obigem Titel befindet sich das kaiserliche Wappen und auf der Rückseite des
Titelblattes ein blattgrosser Holsschnitt, welcher den Kaiser auf dem Throne mit
den sieben Kurfürsten vorstellt, dem iwei knieende Männer den Geset»-Codex über-
reichen. Das Werk ist mit ziemlich grosser schwabacher gedruckt Die durch ihre
eigenthümlich fehlerha/ie Datirwng merkwürdige Schlussschrift lautet: (SmtXVkiJtt
hl der feiferUcl;e Srev^'e ftatt 6tra0bur8f öurd? mat^te || ^upfuff vff
fönt Zart^olcm^va abtnt.'vm \ax als ma aalt tn«9^ vxu v*^
No. 284.
^<Ex Ujct br0 |9af|!om9. || fSbrr libtitd d)nßi • au^ ben
w niangel.liflen suiammen inn eyn fym brad)t mitt
fd)5ncn ftgurcn/'
Strassbarg, Mathias Hüp.uff, 1518. Klein Folio-Format
Diese deutsche Ausgabe der Passion ist noch seltener als die früher erschienenen
deutschen Ausgaben von 1&06, 15()7 und 1A09, sowie die lateinischen von 1M)7 und
l^OS, sämmtlich bei Johann Knobloch in Strassburg gedruckt Sie entli< einen
Titelholzschnitt und 9S blattgrosse, höchst bedeutsame EoUschnttt-Abbüdungen des
Künstlers V 0; nach Dr. His in Basel, dessen Forschungen über diesen Künstler
in den „Jahrbüchern für Kunstwissenschaft'', Band V pag. 857 ff. und Band VII
P«g> 14!^ fL niedergelegt sind, kommen sie dem Pormschneider Urs Graf zu, der
swisohen 1486 imd 1490 in Solotiium geboren wurde,
lO*
1^8 — Strassburg. —
Die HolsBchnitte sind identisch mit denen der firnheren Ausgaben, nur daas hier
da£ Torletzte Blatt derselben, -welcbes der Passion von J. Wachtelin entnommen ist
und die Auferstehimg vorstellt, ausgefallen ist, so dass hier 25 und dort 96 Ab-
bildungen vorhanden sind. Der" dänne Foliant zählt nur 83 Blätter und ist mit
Sohwabacher Typen gedruckt. —
Wlartin SAott'a ©o^n nnb tHentelin'e itrtUh
von 1500 ab*
No. 285.
^ifüottxm irr l)od)brrfimpt || metflrr mi Port vi brm tr0|l
brr Tori^ljrit^*.
Strassbnrgr^ Johann Schott, 1500* Klein Quart -Format.
Eine interessante deutsche Ausgabe des berühmten Werkes des unglücklichen
Boetins, der sich in seiner Kerkerhaft über das Wandelbare alles irdischen Glückes
tröstet und in der Weise eines platonischen Philosophen die Tugend als das einzig
Sichere und Bleibende preist. Diese ^ConsolaÜo philosophiae'^ war seine denk-
-würdige Hinterlassenschaft, als ihn Kaiser Theodorich im Jahre 524 in Folge no-
begründeten Verdachtes der Yerrätherei hinrichten Hess.
Unter obigem Titel befindet sich in unserer Ausgabe ein illuminirter Holzschnitt;
er zeigt den Boetius auf einem Ruhebette ■ liegend ; vor ihm erscheint die Philoso-
phie in Gestalt einer königlichen Frau mit den Bachern der Weisheit, während im
Hintergrunde die in Gestalt leichter Dirnen erscheinenden Musen vergeblich za
locken scheinen.
Dieser Holzschnitt kehrt noch- zweimal, in der Mitte und als letztes Blatt wieder.
Der 'Druck des Textes ist in Schwabacher Schrift ausgeführt unter der Schliiss-
Bchrift auf dem vorletzten Blatte, welche die vollständige Datirong imd Firma gieH
befindet sich das originelle Druckerzeichen: die Kugel- Artischocke zwischen den
Initialen J. 8., welche schon Martin Schott als Signet führte. Hain No. S850. —
No. 286.
ii^u ntcr t)nb || jTornjig altrn/^
Strassbnrg, Johann Schott, 1500. Folio-Format.
Der obige Titel ist mit sehr grossen Buchstaben in Holz geschnitten. Auf der
Rückseite befindet sich ein Holzschnitt, der den Heiland, von den Köpfen der viei^
undzwanzig Alten umgeben, darstellt Tm Uebrigen hat diese Ausgabe dieselben
Abbildungen als die frühere , welche wir bei Mariin Schott zu verzeichnen hatten.
Die Schrift ist die nämliche Schwabacher, die wir unter voriger Nummer in
Boetius Trost der Weisheit fanden. Am Scirnnse steht die Datirung mit Druck-
finna. Hain No. 19t8a —
— Strassburg. — jm
|llattl)ia9 3d)ürfr ööer 3d)ttrfr,
1500 bie 1521.
No. 287.
^^ÜitlJtbrrrtmt facrantm Utr|;rarttm iBactoris jtoannis (Setltr
Sfiftrfbergij : ^rgcnttnrnfitt €oruiom\oxxi btnt mrri-||flt
|f oraüottf biiicÄ ^ermoncB. || |9fr ^Mohü ^H^m Hnne-||
Cf ufern l)ac forma || €oUfcti/^
Strassburg^ Matthias Schürer, 1510. Klein Quart-Format
Klf gesammelte Reden des beruh mten Kancelrednero &Ml&r von Keisersberg
Aber ageistliiAe Beredsamkeit." Bezüglioh der Typen Schürev's vird man anneluöen
därfen, dass letzterer dieselben von Mariin Flach übernommen hat, welcher mit
ganz gleichen Charakteren um 1497 seine Bernardi „Sermones" druckte. Flach, der
durch die 'wesentliche Yerbesserung des Typenschnittes berühmte Typograph, mag
wohl noch far andere Drucker gemeinsame Quelle gewesen sein; so auch wohl für
Qiuntel in Cöln, der dieselbe Type hat, nur mit andern £, K und U , was yielleicht
auf besondem Wunsch des Bestellers zum Unterschiede von Flachs eignen Typen
geschehen sein dürfte. —
No. 288.
„HIEROCLIS STOICI PHILOSOPHI
in aurea Pythagorse carmina || Commentarius."
Strassbnrgr^ Matthias Schürer, 1511. Klein Quart-Format.
Der stoische Philosoph Hierocles gab im fünften Jahrhundert diese Erklürung
der „Goldenen Sprüche*' des Pythagoras heraus, sehreibt sie aber nicht dem Pytba-
goras selbst, sondern seinen Schulern zu. Die Typen des Druckes sind römische. —
No. 289.
ii^auicula |9emtcnttr || |9er rjrceUenttfftmum facre paginr
iortanm j>a||anttfm IReijfrrfpcrflium ^rgentinenlium || Con-
ctonatorrm prebicata. X .3a-||cobflf ^U\)txo CoUecta.**
Strassbnr^^ Matthias Schürer, 1512. Klein Quart-Format.
Dieses ist die zweite lateinische Ausgabe des j, Schiff der Pönitenz und üuss-
Wirkung'^, ein Nachdruck der Augsburger Ausgabe von 1511. Eine deutsche Aus-
gabe erschien daselbst erst 1514. Obgleich Geiler von Keisersberg seine Predigten
in deutscher Sprache abhielt, so erschienen sie im Druck stets zuers;t lateiniseh.
So auch die in vorliegendem Werke enthaltenen 13 Predigten, welche zum Zweck
des allgemeinen Verständnisses erst später aus der lateinischen Uebertragung in die
deutsche Sprache zurückübersetzt werden mussten. Die kleine Gothisch des Textes
weehselt auf Blatt 1 verso und 2 recto in den Widmungen des Urbanus Rieger und
des Jacobus OtÜterus mit romanischen Charakteren ab. —
150 — StnMbwf. —
latfnifirt 2ol)annt9 ^ervagfu«,
1522 bie 1528.
Sirvagtus ist derselbe Drucker, der im Jahre 1528 nach Basel
aog and dort lant Rathsprotocoll das Bürgerrecht als Dmcker er-
warb. Er wurde geboren 1497 und starb dort 1560. In Basd
druckte er bis 1531 in Gemeinschaft mit Bieronymus Frohen und
Nicolaus Episcopius. In Panzer VI, Seite 220 No. 348 ist eine
Ausgabe der nK^etorica et poetica** des Aristoteles an%efahrt^
welche Henragins schon 1520 in BtLsel gemeinschaftlich mit dem
damals 19jährigen Hieronymns Froben gedruckt haben soll, aber
dieselbe ist apokryph. —
No. 290.
,4M0-||TATI0NES FHILIFFI
Melanchthonis in Epiftolam Pauli || ad Romanos una. £t
ad Corinthi Jos duas, diligentifs recognit». |{ ITEM FRAEFATIO ||
Methodica in Epiftolam ad || Roma . Lutheri. || CYM INDIOK
AD II calcem Libelli addito.'*
Btrassbnrg, Johann Hervagius, 1524« Klein Octav-Format
Btne Mhr hfibscbe Ausgabe der »AnmerkuDgen IfeUnchthon^s m den Briefea-
dea Apoatal Panlna an die Römer und Corintber" mit einem Vorworte LntherB.
Die Text-Type iat eine höclut reinliche Cursiy, der Sats seichnet sieb durch höchst«
Aeenrateeae ans. Eine bübeebe Titelbordnre und desgleichen 8 InitialbuchsUbe&r
J und Q» *^ Blatt 1 Terso undT^ecto sind bonerkenswertb. —
10ol|f $o))|fel alias ISolfgangua Ce))l)alaett0^
von 1524 ab.
No. 291.
,/jDie weyfe vnb (Drs||feenutig 6er Wle0, Dtitib || wie
man bM i)o6Ds\\xo\xb\% Sacras|metit meffen || foH
JD, mart «utbere- 1| WT- JD- icjciii^ || t»ittenberg/'
Strassbnrg^ Wolff Köpffei, 1524. Klein Octav-Format.
BüM des Bibliographen .unbekannt gebliebene, jedenfalls seltene Ausgabe und
'vahraehelalieh Haehdmek der Wittenberger Tom selben Jahre. —
— Strassbnrg. — lej
No. 292.
,,IMP£RA|{TOBYM BOMANOBYM || UBELLYS.
Vnä cum imaginibus, || ad uiuam effigiem || exprefjis.*'
Strassbnrg^ Wolff Köpffei, 1525. Klein Octav-Format.
Ist mit «iner kleinen CuniT-Type gedruckt. Der Yerfaafer ijit Johamtet Hui-
UAiut. Das Werkehen enthalt die Portndts der rSmisohen und deuteehen Kaiser
und Kaiserinnen bis auf Carl Y. in Holsschnittnaohbildungen alter If finaen ; alle
ireiss auf schwaaraem Grunde, also in Tiefsciinitt ansgefOhrt. —
1529 mb 1530.
No. 298.
//MDßgebrente vnnb JDi|||liaierte wajfer, wie fie $tt
ieöem ge||breflen feea ttlenfc^enleiba; vnb xoatin fünft
bereit gebrauch || f&xttiQlidf, bietien« 3eg mxvUd^ nach
(DtbnnriQ, mit groffem flelß sufamen braAt ♦ ♦ ♦"
Strassbnrg, Christian Egenolph, 1580. Klein Quart-Format.
Bin höchst originelles Receptbuch mit einem lltelholssclinitt, den Chemiker in
sehiem Laboratorium vorstellend. Am Schlüsse findet sich die vollständige Firma
nnd JährMohl, Es ist wohl als sicher anzunehmen, dass Egenolph 1580 nach Viratih-
fm^ a»n Main sog, um dort die Typographie einsufuhren, denn hier finden wir
Bchon in einem der ersten Drucke: „Die Heymlicheytenn Alberti Magni* 15dlsfimmt-
li«be TffpengaUungen wieder, die in dem obigen Strassburger Dntcke von IfiSO
enUialten sind; eine Entdeckung, die bis heute woU noch keiner der Herren Biblio-
graphen gemacht haben durfte; auch wfirde s. B. Falkensttfn auf pag. SOS den
Egenolph nicht schon von 1Ö18 ab in Frankfurt drucken lassen. —
um 1530.
No. 294.
„^xonka, \\ ßeiitbüd^ önb gefd^ijd^t || bibct öon anbcg^n U%
itttt bi§ ge||getttt)erttg SR. S). jjji. jar. i)arin beibe ©otteS
J)nb II 6er weit lauff, \)tnbtl, att, wort, wercf, tbun,
Iftifen, Briegen, wefen vnb leben || erfe! en vnb begriffen
Wirt ♦ ♦ ♦ in ♦ lij* CbronldE ob b^ubtbti er, || t)erfa#t •
JDurd) ©ebafilanum Sracf en von \\ Wirb, votmalB in
tefitfdjer sun^ ||gen, nie gebart nod) ges||iefcn/'
Strassbnrg, Balthasar Beck, 1581* Folio-Format.
Das erste Wort des obigen Titels mit dem schönen Initial <S ist gans in Hois ge^
admitten. Im Uebrigen ist das umfEngÜche Werk mit Schwabacher Schrift gedruckt. ~>
152
Strassburg.
No. 295.
„Sofe^}{|i be§ §odE)6e|jrümptett t)nb daft nugüd^-lien ^iftoxku"
Strassburgr^ Balthasar Beck, 1535* Folio-Format.
Dies ist die zweite deutsche Ausgabe der Werke des berühmten GesobichtB-
schreibers der Jaden, Flavius Josephus: die erste erschien schon 15S1 ebenfalls in
Strassburg bei Michael Meyer & Balthasar Beck. Vorliegende Ausgabe enthält:
.Die Jüdischen Alterthümer" in 20 Büchern, den „Ersten Krieg der Römer mit den
Juden" in 7 Büchern, „Die Vertheidigungsscbrift für seine jüdische Geschichte ge^n
Apion" in 2 Büchern; ferner ein Buch „Von der Meisterschaft der Vernunft", und
endlich eine kurze , Lebensgeschichte des Josephus" nach den alten Quellenäclulften
des EusebiuB, Hieronymus, Suida und Volateranns". Das Buch ist mit Sch\v:i ..eher
Typen gedruckt. —
1536.
No. 296.
,,®art ber gefuntfjeit || Qu latein, HORTVS n SANITATIS . Sagt
in vier || »ud)cren xvk l)cxnad) folgen
3m traten.
Dierffigfigen vnb Rtidicnöcn
3m ^fn beten*
Dogicn vnb bm SItegenbcn
3m JCvittcn
t?ifd)cn vnb @d)n?immenbcn
3m TDicrbem
JDem ftbUn (ßeftcym xmb allem fo in
btn 2Cfeeren feer erben \rad)fen ift*"
Strassbnrg^ Mathias Apiarius, 1536. Folio-Format
Mit einer schönen Titelbordüre und sehr vielen Holzschnitt -Abbildungen aus-
gestattet. —
Von {
t^ierc
WtnM ltl)fl,
aud) tPenbelin J\id)el, ein nad)fommc bee berühmten
»ernl^arb J\id)cl in BATel,
um 1535 bie 1555.
No. 297.
,,S)3l§ 9ldertt)erd II Sucii Solumeüc önb ^ßaHabij || äUctjer
l)0^erfarner $Römer . . . gartenwercC . ♦ . Vnb av^nty ♦ » ♦
— Strassburg. — I^^
Dcrteütf^^et |I jCurd) ttttd^ael {)txv^n, licb^abcrn 6er ||
freien UÄnflen vnb ar§nei/'
Strassbnrgr, Wendel Rihel, 1588. Folio-Format.
Mit Seh wabacher- Schrift gedruckt. Die erste Zeile des Titels ist in Holz ge-
schnitten. — Angebunden ist dein Werke ein Exemplar des Bocaccio, gedruckt von
Paul Messerschmidt in Strassburg 1561, das wir weiterhin noch besonders aufführen
werden. Alter Originallederband. —
No. 298.
„S)6r SRid^tertid^ Stagfpiegcl • || @itt nul^bartid^er begriff,
SBte man feiert t)ttnb for'||micreit fol nad) orbnung feer
Vitijttti ein ytbt Clrtg, ^fntwurt, vnb aug- |fprc*ene
Vnclltn ' (ßesogen au0 (DciflUcfcen vnb XVcltliiien
T^ed)r|'teit ♦ ♦ . JDurd) )ro::|jctorem Sebaflianu Srant,
wibtx öurd) ftd)tiget, vnb mit merernt fleiß von \\ newcm
5wm tbeyl gebeffert/'
Strassburg^ Johann Albrecht & Wendel, Rihel, 153$.
Folio- Format;
Diese Ausgabe des oft aufgelegten Rechtsbuches enthält zwei schöne Holzschultte
eines nicht ersichtlichen Künstlers. —
Xo. 299.
„^xc alt önb Ttett) @d)et||men 3ii^ff^- II ®i^ ftä^öne ©at^ra,
baS tft, ftraffbüc^lleiti piler baiibt lafler, We allentbalben
in ber votlt || vbtxl)Cinbt genumen ittixoann burdb
5), Z\)o\[mae ttTurnar 5u Stanctfurt am WTeyti ges
pre||bigt, jeberman 5u leer, vnnb niemanta 5ur || fAmacfe,
ieftunt tx?iber von ncwem ver::||lefen vnnb gebeffert
nad) ber ]6i'|igen VPelt laiiff/'
Strassburg, Wendel Rihel, circa 1540* Klein Quart-Format.
Biese mit 42 Holzschnitten und auf jeder Seite mit ganz originellen Randleisten
reich illustrirte Ausgabe der berühmten Murner'schen Schelmensunjt ist von grosser
Seltenheit. Leider ist sie weder mit Drucker noch mit Jahrzahl versehen ; wir finden
aber in den vierziger Jahren des sechszehnten Jahrhunderts dieselben Typen bei
"Wendel Richel in Strassburg, der mit denselben Typen auch den „Spiegel menschlicher
Blödigkeit* 1549 druckte, den unsere Sammlung enthält, und an dessen Schlüsse
■ich der Drucker , Wendel ßeihel" nennt.
Allerdings findet sich dieselbe Typengattung auch in dem nicht minder sejtcuen
l>rncke: «Aussgebrennte vnd distillierte Wasser«, von Christian Egenolph in Strass-
burg IpSO, doch ist hier namentlich das L ein anderes.
154 — StraMbnrg. —
Muraen bflrQhmte Sobelmeniiuift, die «äs seiara in FnmkAirt un llidii gehal-
ienen Predigten hervorging und die Laster aller St&nde seiner Zeit demlieh giob
geisselt, wurde zuerst ebenlUls mit Holsschnitten nnd Randleisten im Jahre 15U
gedruckt« dann 1618 und 1514 in Augsbni^, 1518 wieder in Strassbnrg Ton Johann
Knobloch; und wenn wir obige etwas veränderte und rermehrte Ausgabe ungefibr
in das Jahr 1540 setsten, so ist dies sicher nicht xu früh gegriffen. Eine späten
Ausgabe ist nicht bekannt. Das seltene Werkchen ist übrigens auch in sprachli^er
Hinsicht von besonderem Interesse. Es befindet sich in schönem grünem Led«r>
dnbaode. —
No, 300.
„WiCQd ber aRenfd^Hlli^^^« Möbigfeit || . . ."
Strassbnrg^ Wendel Bihel, 1546. Klein Quart-Format
Die kleine gegen die Eitelkeit imd Yermessenheit der Menschen und besonden
der Fürsten polemeeirende Schrift lehnt sich an die Tendens sweier in deutscher
'Bearbeitung mit 'Unfgenoquonenen Qedichte des griechischen Dichters Ludamu: de»
»TyrannuB*' und „Charon*'. Das Werkchen ist mit bedeutungslosen Holiaobntttea
ausgestattet —
um 1532.
No. 301.
,,aSaIeriu8 3Kajt*|]mu§ öon gefd^id^ten ber || Äimer nnb^
au^tvB t?oIcf6 ♦ ♦ ♦"
strassbnrg^ Jacob Cammerlander, 1&4U FoUo-Format
Ziemlich unbekannter Strassbuiger Typograph. läne Bigentbümlicbkeit seiner
Drucke sind die liin und wieder und nicht recht passend angebrachten ZierleMenr
▼on welchen auch der Titel vorliegeuder Ausgabe eingeschlossen ist Diese dentsebe
Ausgabe des Yaierius Mazimus, übersetzt von Petrus von Selbet, erschien soerst
^533, dann 1585 bei demselben Drucker. Auf dem fünften Blatte findet man ein
Initial D aus einem Alphabet nach Albrecht Dürer, welches zuerst Bneharins Hirtihom
in Cfiln anwandte. —
No. 802.
„®n ttetoe SBantung, || SBie bie bä^}ft aHtPegen tt)tbcr bic
ieut^jfdien Äcyfer geweßt, auff 5a5 Rireefl ane allen
(Cbro^llnicfcn gesogen Ä* VU. ffirsubringen ♦ ♦ ♦"
Strassbnrg^ Jacob Cammerlander, circa 1542. Klein Quart-Format
Interessante Schrift wider die Päpste ohne Druckort Firma und Jahruhl, roa
der wir durch die yollkommene Uebereinstimmung der Typen mit Toriger Nvnuner,
einiger gleichen Zierleisten nnd Initialen den Drucker in Jacob Ckumnerkmdir Mr
gesteUl haben. —
— Strassburg.
155
€rato |lli)litt0^
um 1540.
No. 803.
»PHILIPFi;|XELMGHTHONISHO-||raHsPhilosophi»||£pitoine..''
Strassburg, Crato Mylius, 1540. Octav-Format.
^ODOOI II YTILLIGHn BE SELLUNI EBOTE || mafum Dialectices
Slrassbnrgr, Crato Mylius, 1540. Octav-Format
Obif^ beiden Werke mit Firmii und Jabnahl sind in Format, Dmek, Pikier
ToUniiidig gleich augestatket, und befinden sich noch im Original- Sohweinslederbande
wiammengebunden. Der Druck ist Cursiv und Antiqua. Zu bemerken ist das
vierfwh Terschleden Torkommende Druckeneichen. —
Paul |lte|ferfd)mtM^
1561.
No. 804.
^ßcnto SftoucHa So||]^anntö »ocatij . || S)a« tft ^unbcrt
Jlctocr ^iftorien, toc^Hd^e ein ©rbare gefclfd^afft, öott
btc^cn SRänncm, ön || fifebcn tPelbern, fßebetit ein gro#
flerben su Slotenö. jufanien gereM, H**/'
Strassburg, Paul Messerschmidt. 1661. Folio-Format.
Kit l&r die Zeit sehr geringen Holiscbnitten ausgestattete Ausgabe des „Deco-
«Mron* Ton Boetiecio. Das Exemplar ist susammengebunden mit dem j,Aekerwerk'^
fon Wendel Bihel 1588 unter No. 297 unserer Sammlung. —
VOtnbtl TMbtVB Qobn nnb nachfolget,
um 1565 bl0 1600,
[No. 805.
^CHIDOIA FHnJFPI THEO-FHBASTI FABAOELSI BOH-
boft-bcS l^od^erfa^rnen, önnb bc-Htül^mfteften 5ß]^iIofo^)f|j[,
t)nb be^ber 3IrfeHl^^i S)octori8, Sßott l^e^müd^f entert ber
SRatur, II 3e^cn öüd^er."
Strassburg^ Theodosius Rihel, 1570. Octav-Format.
Obigem Werke des berfihmten Arstes und Chemikers sind noch swei kleinere
Sehrlften: ,De tinetura physioorum* und «De oeculta philosophia* angehingt Das
Claose befindet sich in altem Original-Schweinslederbande. —
1^6 "~ Strassburg. —
»Ott 1578 rtb,
später
ßobm fei €rbftt^
1597.
No. 306.
„SBinenforb || 2)eö §e^I. SRömif^en Snten=|jfd^tüarm§, fetner
^umeföäeUen (ober || ^immeföäcllcn) ^urrnaujsnäftcr, 8rä*
Tnen^||gefd)wiirm xmb tPdfpengcrcß* || ♦ ♦ ♦ 3" ©l^rift«
lingcn, Anno 1579."
StraSSbnr^^ Bernard Jobin, 1579. Klein Octav-Format
Ein literatuT- und kulturhistorisch interessantes Werk, dessen holländisches
Original von Bnlipp Marnix de Adelgonde verfasst und um 1569 unter dem Titel
„De Bienkorf der H. Roomsche Kercke Ac." ohne Ort und Jahr herausgegeben wurde.
Vorliegende deutsche Uebersetzung hat der berühmte Satiriker Johann Fisdiart ge-
liefert, der sich in obiger Editiu princeps nicht nennt, aber in den spatem Aus-
gaben, wovon wir die vom Jahre 1581 in nächster Nummer auffuhren, mit dem
Pseudonym „Jesuwalt Pickhart" vorkommt.
Der ebenfalls Pseudonyme Druck ort ^CJiristlingen" ist Strassburg und der
Drucker ist des Dichters Schwager Bernhard Jobin aus Basel, obgleich letzterer
hier garnicht und in den spätem Ausgaben in halb latinisirter, halb verstellter
Umbildung „Ursinus Gottgwinn" genannt wird. Die Typen aller folgenden Jobin-
sehen Drucke bis zu dem „Ehezuchtbüchlein" aus der Offizin von Jobin*s sei. Erben
stimmen überein. —
No. 307.
„SBincnforb || 3)e§ |)e^l. 9iömifcf)en Smen||fcf)tt)arm^\ . . .
JDurd) 3efun)alt picEl^art, fcce (Laiionifd)cn Äecfes^tcn^
ßanonifirten ober ® ett)ürbigten , 2c. || . . . ®etrudEt ju
(£l)riftüngen. || Am Ende: bet) 9Srfino ©ottgtütnn.
M. D. LXXXI."
Strassburg^ Bernard Jobin, 1581. Klein Octav-Format.
Dritte Auflage dieser sensationellen Schrift, von welcher GÖdeke in seinem
Grundriss Band I, Seite 393, nicht weniger als dreizehn Auflagen citirt, von deaen
acht mit und fünf ohne Jahrzahl innerhalb eines Decenniums erschienen. Das hol-
ländische Original selbst erlebte einige zwanzig Auflagen ; auch giebt es noch melii ere
andere Uebersetzungen, Angriffe und Nachahmungen. —
No. 308.
„S)cr |)et)Iig95rotIorb || 2)cr §. SRömi-Ufd^enStcliquien, ober
SBürbigen ^etiligHittjum^ proden : || 2)ag ift, || JüHANNIS
— Strassburg. — jcy
CALYINI I! Wottücnbtge tjermanung, t)on bet || IßaJpiften ^c\jlliQ^
t^iifn : ®arauJ5 äufcl)en, tüaS || 6amlt für SCbgSttcrey vnb
Betrug getrie5[|bcn woröen, 5cm C^rifllicben Cefet ]|
5« gure perfeeutfd)t, (SebrudEt ju SI)riftItngen, SBe^
Sßrfu||no (ßutwino . 1584/'
StraSSbnrg^ Bernard Jobin, 1584* Klein Octav-Format
Die Üebersetzung dieser Schrift des berühmten Calvin ist von Jacob Eysenherg.
Aaf der Kehrseite des letzten Blattes der Vorrede befindet sich ein Gedicht, dessen
Anior der satirische Johann Fischart, und welches folgendennassen betitelt iit:
/PSefc^ldge 3uni >6eindt^utiib0 Pdfltleiti. || ^eiligt^umbd fpong || gefu;:
»qIH ^icf^art, ju bcfcfilaöung || gcgentocrtigS §ciltgtf)uinb8 fäfÜeinS
ober Ij »rotPorbö, feer nierPlld7eti ^eillgr' t^umba partitfel"» —
No. 309.
M^ 5ßPofopl)tfc^ e^cäuditbüc^lin || ober || ®ie «er-
nunfft II gemäfc 9?aturgefd^etbc || ©l^ejud^t, fan^)! ber Ätnber*
ju^t. II 3lu§ be^ SBerütimbftcn ünnb §od^er==||Ieud^ten,
®vied)tjd^en ^ßl^itofopl^i $ßtutard^i, || üernunfft gemäfen
Sljegcbotten . . . burd) . . . öcrrn So{|ann gifd^arten ge^?
nonbt TOen^er . . . tjertcutfcfjt, ünb äufammen getragen. **
Strassbnrgr, B. Jobin's seL Erben, 1597* Octav-Format.
Ein originelles Bfichlein mit vielen Holzschnitten, in blauem Lederbande mit
Goldpressung. ^
No. 310.
,^enebergische Chronica."
Stransbnrg^ Bemard Jobin's sei. Erben, 1699. Folio-Format.
Die Hennebergisehe Chronika mnss fnr Jene Zeit ein besonderes Interesse ge-
boten habe'», da sich Unternehmer fimden, die den Folianten wiederholt druckten. —
8cOfu߻35cincrftimflen.
Der Vollständigkeit wegen führen wir noch folgende Drucker
in Strassburg an, deren Leistungen aber wohl nicht genug typo-
STtiphisches Interesse bieten dürften, um sie ebenfalls eingehender
M besprechen. Es druckten Johann Albrecht oder Albertus von
mi ah; Renatus Beck um 1511 bis 1526; Mathias Brant umT5CX):
1^8 — Strassboig. —
Patd Götz am 1514; Hüronymus Greff um 1502; Conrad Kermr
um 1517; Peter Kornmann am 1526; Jörg Kunnast um 1520;
Bartholomäus Kystler am 1497 ^^ 1506» Heinrich Sybold am 1529
bis 1530; Ulrich Morhard um 1519 bis 1522, der später auch in
Tübingen druckte; Wilhelm Schaffener de Raperschwiler um 1500
bis 1515; Johann Schwan um 1524; Georg Ulricher von 1529 ab;
Johann Wahinger um 1502 bis 1504.
Der uns schon von Mainz her bekannte JPeter Schöffer der
tFilngere druckte mit Johannes Apronianus gemeinschaftlich von
1530 bis 1531 in Strassburg; als ihre Producte kennt man: Albinos
seu Alcuinus: „De Trinitate ac Mysteriis Christi" und Valentini
Cratoaldi „In tria priora capita libri Geneseos annotata", 1Ö30; "
„Epistola Apologetica adversus Erasmum Roterodam**, 1531*
Von da ab druckte Peter Schrffer-,- der sich wie sein Vater
auch fj OpUio^^ nannte, noch einige Jahre allein ; bekannt sind ans
dieser Zeit: „Syria, Pulaestina, Arabia petraea, Aegyptus, Schondia,
Holmiae . . . cum Regionum singulis Tabulis Geographicis*' 1532,
und Cornelii Agrippae ,.Kpistola Apologetica" 1535» Dann sie-
delte er nach Venedig über, wo wir ihn wiederfinden werden. —
Als im Anfange des 16. Jahrhunderts die neue Kunst mehr uid
mehr industrieller ausgebeutet wurde und immer breitere Bahnen
betrat, bemerkt man, wie allmählig von 'der eigentlichen Kunst das
Geschäft sich abzweigt; wie sich Leute finden/ die ohne praktische
Typographen zu sein, ihren Geschäftsvortheil durch Vertrieb typo-
graphischer Erzeugnisse zu finden wissen, und wie sich so im Gefolge
der grossen Kunst durch Ertheilung von Aufträgen, Bestreitung der
Kosten und ausgedehnte Verbreitung der Druckwerke ein neuer
grosser Berufszweig heranbildet.
Der hoch angesehene Stand der VerltlOHbuchhünffleTf durck
deren speculativere Vermittelung die Lilepatar mehr und mehr Ver-
breitung fand, wurde im.Vcrfeiufe der Zeit zur einfiussreichen Macht,
zur causa movens der ganzen Typographie. Von jenen Erstlings'
Verlegern finden wir auch in Strassburg zu Anfang des 16. Jahr-
hunderts bereits einige in Thätigkeit, die wir wegen ihres innigen
Zusammenhanges mit der typographischen Geschichte hier auch noch
auffuhren wollen.
Da ist Dr. Georgius Uebelin oder Maxillus, der bei Johann Schott
drucken liess; dann die Brüder Leonhard und Lucas Alantsee, die
auch in Nürnberg, Basel, Venedig und Wien, hier in Strassboig
aber bei Matthias Schürer drucken Hessen. Ferner Paul Götz, der
vier verschiedene Strassburger Offizinen beschäftigte, nämlich: Johann
Knobloch, Johann Schott, Johann Prüss jr. und Christian Egenolph.
— - Stratsburg. — I^g
Noch ist der berühmte Typograph PeUr Druck in Speier zu
erwähnen, der — wie wir es in Bamberg schon beobachteten —
auch in Strassburg, and swar bei dem nicht minder namhaften
Johann Grüninger drucken liess.
Bei Knobloch liess auch Johannes Haselberg aus Reichenan bei
Constanz drucken, der ebenso in Mainz bei Johann SchoefFer, in Nürn-
berg und Oppenheim Aufträge ertheilte. Noch mancher andere Name
könnte hier seinen Platz finden, doch legen uns die Grenzen unserer
Arbeit hier eine Beschränkung auf; möge das Weitere einer „Special-
geschichte des Buchhandels'' überlassen sein, wozu unser Biblio'
graphisches Museum das ausgiebigste Material bieten würde. -^
Hiermit schliessen wir die lange Reihe yon nicht weniger als
^ Strassburger Typographen des fünfzehnten und sechsnehnten
Jahrhunderts ab, nachdem wir von den spätem Druckerfirmen
immer nur Einiges angeführt, was in typographischer Beziehung
interessant erschien.
Die typographischen Leistungen der so hervorragenden Druck-
stadt Strassburg sind hierdurch in mfhr als 150 I>ruck^
werken ebenso vollständig zur Darstellung gelangt, wie wir es
in Bezug auf Mainz mit gleicher thunlichster Vollständigkeit er-
möglicht haben. Jedenfalls stehen die typographischen Leistungen
Strassburgs in keiner Weise hinter denen von Mainz zurück,
während sie in Bezug auf Menge und Vielseitigkeit entschieden den
Vorrang behaupten. Ziehen wir aber in Betracht, dass die erste
Idee der grossen Erfindung Gutenberg's unbedingt m Strassburg
entstand, und selbst die erste Buchdruckprease der WeU
nicht in Mainz, sondern in Strassburg erfunden und gebaut wurde,
so ist wohl nicht in Abrede zu stellen, dass die alte Druckstadt
latraes^rg in Bezug auf Gutenberg's grosse Erfindung einen
weit hohem Rang beanspruchen darf, als man ihr in der Greschichte
gemeinhin angedeihen lässt —
(frgän^ungs^Ctteratttr &u StragOurg.
1« nStrassburgische Chronik oder kurze Beschreibung von ankunfift,
Erbaw : vnd Erweiterung der Stadt*' etc. Strassburg, Johannes
Carolas, 1626.
HB. Diese kleine Beim-Chionik eDtbil» anf Seite 100 auoh eine interessante
J'otb ober die ErfMuang der BuckdrudterkwHMi m 8traaib¥rg unter dem Jahre 14iO. •
l6~y — Strassburg —
2. „eiöscner^s Strassburgische Chronik von 1362". Stuttgart 1822.—
3. „FÄtes de Gutenberg ä Strasbourg". 1840. —
4. „Gutenberg, Erfinder der Buchdruckerkunst**. Strassburg 1840. —
5. Heitz: „Biblioth^que Alsatique". Strasbourg 1868. —
6. „Zum zweiten Jubiläum der Buchdruckerkunst in Strassburg
1640.'* Strassburg 1640. —
7. Laborde : „Debüts de l'imprimerie ä Strasbourg". Paris 1840. —
8. Lichtenberger: „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst".
Strassburg 1825. —
9; Niesert : „Ueber Mentelin's „De arte predicandi'* . 1825. — ^
NB. Eine yergleichung dieser >Schrift mit den beiden Ausgaben des OriginiLs,
Strassburg circa 1464 und Mainz circa 14C6, ist von besonderem bibliographiscbem
Interesse. —
10. Schmidt: „Bibliotheken und Buchdruckereien in Strassburg".
Strassburg 1882. —
11. Schöpflin: „Vindiciae typographicae". Argentorati 1760. —
12. Steinberger: „Literarisch -kritische Abhandlung über die zwo
allerältesten gedruckten deutschen Bibeln". München 1787. —
13. „Urkunden und Belege zu Gutenberg's Erfindung der Buch-
druckerkunst." Strassburg 1840. —
14. Wolfram von Eschenbach: „Parzival". Nach der Urschrift neu
gedruckt 1783. —
NB. Der ^TarzimV^ wurde M77 gleich dem ^TiiwreV^, den wir auf Seite IO8
unt^r No. 181 ausführlicher besprachen, ebenfalls von Ufenleltn gedruckt, und ist
80 ungemein selten geworden, dass wir selbst ein Exemplar noch nicht erlangen
konnten. Yorstehendc Ausgabe von 178S ist aber ein buchstiblich genauer Abdruck
des Orjiginala« das hierdurch wenigstens dem Inhalte nach ersetzt wird. —
15. Wolfram von Eschenbach: „Parzival und Titurel". Heraus-
gegeben von Karl Bartsch, 3 Theile. Leipzig 1870 —
16. Wolfram von Eschenbach: „Parzival, Lohengrin und Titurel".
Uebersetzt von Karl Simrock, 2 Theile. Stuttgart 1842. —
17. „Zur Geschichte des Strassburger Buchdrucks und Buchhandels,"
im „Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels" V.
1879. —
Kurz gedenken wollen wir auch der früher schon angeführten
Schriften und Bibliographien, in denen gleichwohl auch für Strass-
burg vieles Wichtige enthalten ist : Baumgärtner, Bernard, Braun,
Brunet, de Bure, Eberi, Falkenstein, Faulmann, Fischer, Gras,
Graesse, Hain, Hamberger, jffarless , von Heinecken, von der
Linde, Maittaire, Panzer, van Praet, Reichhart, Schoenemann, la
Valli^re, Wetter und Aridere. —
t
— Cöln. —
i6i
ööfn am QR^dn
' — Colonia Agrippina; Colcesitria. —
Vlrtd) ^rU ii0n %iM%
1464 bis 1494.
Ulrich, auch üdalricus Zell, druckte im Hause der Herren von
Lyskirchen, welches ihm diese für sein Geschäft eingeräumt hatten.
Wenn in verschiedenen Drucken Cölns die Anzeige „apud Lyskirchen"
jjelesen wird, so ist kein anderer als Ulrich Zell der Drucker, der
blos seinen Namen nicht beisetzte.
Dass Zell der erste Typograph Cölns gewesen und die Kunst
bei Gutenher g in Mainz erlernt habe, steht historisch fest. Wie
wir schon in seinem datirten Drticke von 14^7 unter No. 314
sehen, nennt er sich selbst ,,Clericus Moguntinus" ; auch bestätigt
die Colner Chronik von 1499 auf Blatt 312, dass Ulrich Zell der
Erste gewesen, der die Kunst von Mainz nach Cöln gebracht habe.
Jedenfalls geschah dies aber bald nach der Verwüstung von
Mainz durch Adolf von Nassau, 1462, und man kann mit Sicherheit
annehmen, dass er spätestens 1465 schon seine ersten undatirten
Drucke vollendet habe, die wir nachstehend verzeichnen. —
No. 311.
3ol)annc0 derfon: „Sractatuluö br poUuttone nocturna."
Coln, Ulrich Zell, circa U64— 1465. Klein Quart-Format
Kostbare Erstltngsatisgabe dieser merkwürdigen Schrift, und einer der frühesten
Zell^Bchen Druclie von grosster Seltenheit, wahrscheinlich noch vor 1465 gedruckt.
Obiger Tradat ist mit denselben ältesten Typen gedruckt, wie die iwei ersten bereits
»rtY Firma tmd Jahrzahl versehenen Zell'schen Drucke von 1466 und 1467^ die su
den Bibliothekscbätzen ersten Ranges zahlen; den schon etwas grossem Druck von
J467 findet man unter Nr. 314 unserer iSammlung, während der Chrisostomus von
1466 nur 10 Blätter umfasst. Falkenstein giebt auf Seite 153 und 154 Proben dieser
«testen Zell'schen Schriftgattung. Hain Nr. 7695. —
No. 312.
dregorii ^,llfflula paftüraUö.*^
Cöln, Ulrich Zell, circa 1465. Klein Quart-Format.
Eine« der frühesten und seltensten Druckerzeugnisse ZeWs, in seinen Typen mit
dem Gerson^schen Tractatulus übereinstimmend und gleichfalls ohne Firma und
Oatirung. Hain lifo. 7981 —
U
l62
— Cöln.
No. 318.
3anctt IBemarbfni ^^fit gloriofa oirginr |Maria/^
CSln^ Ulrich Zell, circa 1466. Klein Quart-Format
GleidifaUs ohne Firma und Datirung ; mit derselben Type wie die vorhergehenden
f ednickt. Ein kleines Schriftchen von grösster Seltenheit. Hain citirt unter No. S8SS
diese Ausgabe, ohne sie gesehen zu haben. —
No. 314.
€lfricorum.*^
Cöln, Ulrich Zell, 1467. Quart-Format.
Beide Schriften, obgleich von Hain unter verschiedenen Nummern — S088 und
209i — aufgeführt, hängen typographisch susammen; die erste umfasst 19 Blatter,
dann folgt ein leeres Blatt; die zweite enthält SS Blätter, denen sich zwei leere an-
schliessen. Die weissen Blätter fehlen also bei Haines Anführungen, die er nach
dem Exemplare der Münchner Bibliothek gegeben. —
Als zweiter daürter Druck mit ZelFs Firma, welche sich am Schlüsse der zweiteit
Schrift befindet, ist das Doppelwerkchen, das dieselben Typen wie die vorhergebenden
aufweist, höchst werthvoU und wichtig. Der ersten bekannten Abhandlung begeg-
neten wir bereits in einer nicht minder werthvoUen frühen Ausgabe unter Mains
mit No. 8 bezeichnet; die zweite „Ueber die Ehelosigkeit der Geistlichen" ist EdiUo
princeps und die einzige bekannte des 15. Jahrhunderts. Der kleine Bibliotheksehatc
befindet sich, dem hohen Werthe entsprechend, in elegantestem braunem Lederbande
mit vergoldeten Beschlägen. —
No. 315.
i,5fnn0nc0 be fanctta."
Cöln, Ulrich Zell, circa 1468. Folio-Format
Dieser Dmck giebt eine Yorstellung einer andern Typengattung Ulrich ZelPs.
Es ist dieselbe, mit welcher er seine lateinische Bibel druckte, auch j,d4e ffrotse
Zeirscke Type* genannt ; hier offenbart sich in noch höherm Maasse der Mainzer
Ductus und giebt Anregung zu naheliegenden Yergleichungen mit den Typen der
Mainzer Bibel von 1462 unter No. 11 unserer Sammlung. Die Typen sind sich
täuschend ähnlich und stimmen selbst in der Grösse überein, wobei indess doch
manche kleine Erkennungszeichen übrig bleiben. Die Ausgabe ist von den Biblio-
graphen nicht gekannt. Sie hat 3.'>9 Blätter, in 2 Spalten und 34 Zeilen gedruckt.
Blatt la ist leer; Blatt Ib enthält die Tabula. Blatt 2a beginnt mit ,f3ncipint der-
montf per II notabilts bifcipnli U fäcHsUptr auni drculü- 3n qnornm || qnoliba tria
pjniiitxTimt bellbncntnr mnnbra". Der Schiuss lautet: ^.djcplictt tatmU (mptttorij ||
(feplort f3 orbitit olp^abtti'*. —
No. 316.
j>obanttf0 derfon: ^^Conclultonea be bberpa mÄteriia
tttoralibu0."
Cöln, Ulrich Zell, circa 1470. Klein Quart-Format.
Hat die Type der imter No. 811 bis 814 verzeichneten Schriften. Die fünfEeiUge
Binleitungsschrift zeigt dagegen die sogenannte „grosse** Type Ulrich ZelPs. Die
— Cöln. — 163
Aiu^^abe iat von Hain nicht. besehriebeD. Sie entb< 89 Bl&tter mit 87 Zellen auf
der vollen 8eit& Der Anfang lantet: ,,3itciyit yrolo^M fw^ COttClnflOlief |) be hittt^.
natiriif noralibnt vU||lej valbe pofltf jftr mgm iol^onve |l f fon . . /* Die 4 aeilige
ädüusssehrift: „tfrytUittttt covclvfionej . . . eccie bti norie yoriflei^.
No. 317.
j ... . ' ' :
.^ancti ^"luguflini ^^^rnno fuper orattonrm bomtnicam/^
C^hkf Ulrich Zell^ circa 1472. Klein Quart-Format
Des heiligen Augustinua ^Predigt über das Vater -Unser'*. Ein nur 8 Blitter
nJüeader seltener Druck mit der bekannten Zell^schen Type. Von Hain unter
N«. 1990 ohne Angabc des Druckers beschrieben. —
No. 318.
Ätcolai; it ITtjra: ^^|9ofltUa fuprr fibnim jafalmorum."
Cöln, Ulrich Zell, circa 1473, Folio-Format.
Dieses seltene typographische Product blieb seihst Hain gänzlich unbekannt.
Wiewohl ohne Ort und Firma, erkennt man doch auf den ersten Blick Ulrich ZelVs
kleinste gothische Type mit dem bei keinem andern Drucker übereinstimmend vor-
kommenden 3, Avährond die Capitel- und Blatt -Ueberschriften aus der genugsam
bekannten sogenannten grossen ZelPschen Bibel-Type gesetzt sind , die Ja auch in
Drucken mit ZelPs Firma vorkommt. Die Ausgabe enthält 443 Blätter mit Signaturen,
in i Spalten mit 52 Zeilen gedruckt. Am Kopfe des ersten Blattes steht in Zwischen-
numen : , JIref fttio - IHolliliiitom - 3» - Ufalterinm''. Alsdann : ,,Po|liUa Denerobilis iUgrii |
tt|C0Ui9 )e e^ra r«£ CUmm || flfalmon Sncipit ^eliciter:-'' Am Schlüsse Blatt 443 a
Spalte 2 Zeile 42: „Qti q3 effet meMocrit' puldire** Die letzte Seite ist leer. —
No. 319.
nicoUii0 be Jtfcn: i^poflUla fuper quatuor eDangeliflad/^
Cöln, Ulrich Zell, circa 1474. Folio-Format,
Von grösster Seltenheit, selbst Main und Ebert unbekannt. Mit der kleinen
Zell'sehen Type gedruckt. Die Ausgabe enthält 269 Blätter mit Signaturen, in
2 Spalten und 50 Zeilen gedruckt. Am Kopfe des ersten Blattes steht in zwei
Spalten: ^proiogvs fn^ qntnor rngäl. und ,^Uicolai be lira orbts minort*^ Dann beginnt
der Text mit „PofliUo fttp Mai^tvi friB m,|colQi be llro . orbts frm mlnon". Das
Werk schliesst mit Zciile M) auf der ersten Columne des BlaUes 269 b: „iiiCi||)lit
feHinitas feqsenrt biei^^ Die letzte Columne ist leer. —
No. 320.
dmllrrmus: ^^]ßofixU fuprr eptftolaa et euangelia/^
Cöln, Ulrich Zell, 1482. Folio-Format.
Ist mit den schönen kleinen Typen Ulrich Zell's gedruckt, denen wir in den
Ausgaben der Postilla des Nicolaus de Lyra begegneten; die Capitel-Ueberschriften
II*
164 — Cöln. —
sind aus der sogenannten Mgrossen* 2^ir8chen Type. Auf dem dritÜetEten Blatte
findet sich die Angabe des Druckortes und der Jahrsalil. Haines Besebreibung unter
No. 7259 ist dabin su ergansen, dass FoL la leer ist und das erste Wort nicht
,yitaxn' sondern «Itam" lautet. —
No. 321.
^ü^mntB (Serfon: ^^Sractatue be ntebttattone et e^rpofitto
fuprr frptem pfalntos poenitrnttales/'
CÖI1I5 Ulrich Zell, circa 1485. Klein Quart-Format.
Diese beiden zusammen gedruckten Abhandlungen „über das Nachdenken" und
„über die 7 Busspealmen" haben die Type der in JNr. 311 bis 314 ▼erseiehneten
Werke. Dem von Hain unter No. 7628 beschriebenen Exemplare fehlt ein letztes,
leeres Blatt —
No. 322.
eSol)annf0 ^tbrr: ^^Sractatus br morali lepra.**
Cöln, Ulrich Zell, circa 1486. Klein Qnart-Format.
Seltene Ausgabe dieser Abhandlung „über moralische Bande", mit der nämlichen
Type gedruckt wie das vorhergehende Werk. Die Ausgabe ist von H^n nicht
beschrieben; sie umfasst 80 Blätter, von denen die beiden letzten leer sind, mit
9B bis 28 Zeilen. Der Anfang lautet: ^3ncipit trflCtotnB «rverabtr nagiflri. 3ol|ö litis
Itihrr orhinis "iihicatort. he morali itTfia**, Der Schluss: „^r^ilicit tractatss he lemrt
morali . Tottis . 3oi|t)äitiB . Iti)hrr focre ti^eologie inrofefTods orhi'.'nis inrehiratonrm**. —
In den bisher beschriebenen 12 kleinem wie grossem Zeirsehen Druckwerken
von 1465 bis 1485 haben wir genugsam alle ZeWschen TypengaUungen vorgeführt,
um diesen berühmten Typographen in seinen Leistungen genauer kennen zu lernen. —
^rnolh @:t)erl)oernrn)
1469 biß 1483,
der zweite Cölner Typograph und Niederländer von Geburt, druckte
seinen Namen selbst so verschieden, dass man eigentlich nicht sicher
behaupten kann, welches sein richtiger Name gewesen. Wir lesen
da in verschiedenen seiner Werke auch ter hoemen, ter hoymen,
ter huemen und therhumen. Wahrscheinlich gab es unter dem
Setzerpersonale dieser Oflficin so verschiedene Landsleute, die je
nach ihren eigenen Dialecten sich den Namen zurechtlegten, ohne
dass dagegen eine Einwendung erhoben worden wäre. Wir finden
dies ja auch bei vielen andern Typographen.
— Cöln. — 165
No. 823.
^omAB it ^quino: .^lltobua procrbenbi in fermonta 1^
facramrnto oic^artfliar/^
Cölliy Arnold Therhoernen, circa 1469« Folio-Format.
Diese sAnweisang für Dispositionen von Predigten über das Sacrament des
Abendmahls' ist muthmasslich der ertfte Jhrttck des zweiten Cölner Typographen,
der, wenn aucli an ProductiLvitat, so doch nicht an Würdigkeit dem Ulrich Zell etwas
Daciigiebt. Die Ausstattung seiner Druelcwerke ist besonders auch in Becug auf das
Ptpier TOrsfigUch.
Die eigenthflmlich scharfen Formen der Therhoet'nen' sehen Typen mit ihrem
besonders charakteristischen, verschlungenen 3 verrathen in ihrem Ductus unver-
kennbar ihre imd ihres Yerfertigers holländische Abkunft. Als Erstling offenbart sich
der vorliegende Druck schon durch die schlecht im Register stehenden Zeilen.
Nicht unerwähnt dürfen wir das Verdienst lassen, welches Therhoernen sieh
durch die Einführung der JBiaUmeiehen erwarb, und das zweite grossere Verdienst,
dass er zu allererst in Deutschland sich der arabischen Ziffern in gegossenen,
bewqslichen Charakteren bediente; hiervon giebt ein Zeugniss der dem vorliegenden
Werke vorangehende Index, in welchem die Verweisung auf die betreffenden Capitel
durch arabische Ziffern in der damals üblichen, uns heute besonders in den Zifllsm
4, 5, 7 g^mdich fremden Form ausgedrückt ist
^ne geschmackvolle, in Farben ausgeführte Bordüre dient dem ersten Blatte
des höchst seltenen, ohne Angabe des Druckers und der Firma erschienenen Werkes
»un Sclunucke. Der schone Einband mit Messingbesehlag ist dem Gänsen ent-
sprechend. Hain No. 1396. —
No. 324.
,i7ibrr it rmubüs utriuaquc fortunar proffirnir fcilicet et
aburrfae.**
Coln^ Arnold Therhoernen, 1471« Klein Quart-Format.
Verfasser des Buches »Von den heil wirkenden Mächten des Geschickes, des
günstigen wie des feindlichen", ist der Kartäaser Adrianus, dem wohl ein ähnliches
Werk des Petrarca dazu Anregung gab. Die vorliegende höchst seltene Original-
Ausgabe enttiält am Schlüsse die Firma und DaUrung ; die Blätter sind in der Mitte
des rechten seitlichen Randes mit den arabischen Zahlen von 1 bis 148 bezeichnet;
oar för die arabische Ziffer von Blatt 1 ist ein grosses 3 in Anwendung gebracht.
Auch Sggestein in Strassburg hat eine Ausgabe desselben Werkes ohne DaUrung
geliefert, welche nach Panzer I Seite 226, No. 448 mit der vorliegenden übereinkommt
und auch dieselben Blattzeichen enthält. Die Meinung ist gerechtfertigt, dass die
eine Ausgabe Nachdruck der andern sei ; doch sollte, was wir indess bezweifeln, der
Bggestein'sche Druck auch das Original sein, so wäre die Annahme, dass Eggestein
auch die Priorität bezüglich der Blattzeichen gebühre, dennoch nicht motivirt, da
das vorliegende Buch nicht das erste mit Blatteahlen ist, sondern schon der mit
Pinna und Jahrzahi versebene ,8ermo ad populum predicabilis" von 1470 die
TOD Thaiiloemen eingefülirten Blattsahlen entlialt und zugleich dessen erster daMr~
ter Druck ist.
Hoelist interessant ist in vorliegendem Werke, dass die in zweierlei Form
von Blatt 1 bis 46 wechselnden rothen Rubrikationszeichen nicht wie gewöhnlich
roth eingeschrieben, auch nicht auf der Presse eingedruckt, sondern einzeln stampirtt
<Us heisft, mittels in Holz oder Metall geschnittener Stempel einzeln mit der Hand
l66 — Cöln. —
eingedrückt sind und daher oft ganz scAt«/ stehen. Merkwürdig ist ferner, dass man
nur bis Blatt 46 sich dieser Mfihe nnteraogen hat; auf Blatt 56^68 erscheinen dann
mit der Hand geschriebene Rnbricationen ; im gaasen übrigen Theile des Buches sind
'cdeselböh aber ausgefallen.' Haih Nb. 96. . • • * • •
In seinem hübschen Origfnal-iEinbande von hellbraunem Leder mit Tergoldeten
Beschlägen in sierlichster Zeichnung bildet der kleine Quartband eine interessante
Biblioihekzierde. —
No. 325.
8tl)onta0 be ^quino: ^«ilBe corpore (STt^rifti^ cum llicolai be
ftyra bictts be ^acrantrnto rt r^o|!ttone oralionia bomimcar/^
Cdln^ Arnold Therhoemen, circa 1471* Qaart-Format
Sehr früher und seltener Druck mit Therhoemen^s Type, ohne Ort, Druckfinu
und Jahnahl. In der Schlussschrift befindet sich der interessante Druckfehler „fiii^*
statt mro. Hain No. 1S73. —
No. 326.
%mxKm be Maffia: ^^(Sirpolttio fitfier ane ntaria.^^
^uguflint ^^Qfjrpofttio fuper ^^mbolutn.^^
QFjttabrm ^^^ermo fuper orationem bontinicant/'
Cöln^ Arnold Therhoemen, drca 1472. Klein Quart-Format.
Dieser, drei verschiedene theologische Abhandlungen, aber nur 19 Blatter um-
fassende kleine Druck hat weder Firma noch Jahrzahl. Die originelle Type erweiat
Jedoch den Drucker. Fehlt bei Hain. Die Ausgabe hat 27 Zeilen auf der vollen
Seite. Der Anfang lautet: ^^f^oficio l)enrict be Maffia fni^ ane moria || ( )Qf iiuuia.(8ic!)
^oQil bttbio. Mnm fävcte (sici))|inafris »cUfte'cöMvbiüF:''' DerSchluss-'^^rilicit
ftrmo brati Xitgitflini || be orociont bominica;»'* —
No. 827.
f^Sractatue be emptiontbua et uenbitionibua rcbbituum
perpetuorum/^
Göln^ Arnold Therhoemen, circa 1473* Folio-Format.
Juristische Schrift „Ueber Kauf und Verkauf lebenslänglicher Einkünfte*. tSebr
seltener Cölner Druck mit der altem grossem Type des Arnold Therhoemen und den
meisten Bibliographen unbekannt, ohne Firma und Datirung, aber nUi Si^^nahiren.
Hain No. 6066. —
No. 328.
Jfanctt ^u^uftlm ,,SoUloqutum/^
Cöln^ Arnold Therhoemen, circa 1475« Klein Quart-Format
Die kleine nur 7 Quartblätter umfassende Abhandlung ist den Bibliographen
unbekannt geblieben. Ein mit derselben zusammen gedruckter Tractat des HiomaB
Toü Aquino, „ait Uttat vti 3nbtci{s aftrormn^, „ob es erlaubt sei» die Gestirne in be-
rathen«*, bildet das achte Blatt der kleinen ohne Firma und Jahntkhl, Aber mit
— Cöln. — 167
der Type Tkerhoemen^s gedruckten Schrift; sie hat 27 Zeilen auf der vollen Seite.
Der Anfang lautet: ,,3ttci)iit foiiloqttittm beoti 3i«9V|liiii epifco)ii", der Schluss: ,,Cc-
flicit bt iBbicifB afton || bmti ti^ome/'
Einige Biblio^aphen wollen dem Therhoernen auch das kleine seltene Sehriftchen
des Augustinus: f^Liber de sancta Yirginitatt^ zuweisen, das andere dem Johann
Gutenberg oder dem Bechtermüfuse in ICUvU vindiciren, wo auch wir es n&her an-
geführt haben. Nicht weil Therhoernen die gleichen Typen geführt, sondern weil
einige seiner Versalbuchstaben, besonders JS und M den gleichen holländischen Charakter
haben, soll er auch der Drucker Jenes Werkchens sein!
Wie viele anonyme Drucke mit „ahnlichen Typen" müsste man dann aber dem
Tberhoemen zuschreiben! Wurden doch nicht wenige Bücher mit holl&ndischen
Typen in verschiedenen DruckatSdten des 1&. Jahrhunderts hergestellt. Weit eher
könnte man dabei an die Druckerei in Marietithal denken , wo sich eine nicht blos
ganz ähnliche, sondern sogar noch kleinere Type dieser Art in einem der Marien-
tbalsr Breviarien vorfindet, während die kleinste Type bei Therhoernen noch wesent-
lich grösser ist als in dem angeführten Schriftchen des Augustinus. Der holl&ndische
Charakter der Typen ist so vielfach vertreten, dass man daraus sichere Schlüsse
niemals ziehen kann. —
1470 bi» 1500.
Nicht minder berühmt als dritter Cölner Typograph, der wie
der vorige seine Firma ebenfalls verschieden druckte. Wir finden
daher auch Koelhof de Lubick, ColhofF de lubec und Coelbeff. Von
seinen ziemlich vielen Drucken fähren wir ebenfalls nur diejenigen
auf, die zur Darstellung seiner sämmtlichen Typen erforderlich
■waren. —
No. 329.
^,iBwta falttttö.^*
Cöln^ Johann Koelhoff, 1474« Folio-Format.
Dieser Tractat fehlt bei Hain ; er ist Jedoch in Denis Supplement Pag. 86 ge-
nügend beschrieben.
Wie Arnold Therhoernen der Erfinder der Blatteeichen, so wurde der dritte
CöUier Typograph Johann Koelhoff oder CoUioff — wie er sich in der Bndschrift
obigen Werkes „Ueber den Weg des Heils*' nennt >- der Erfinder der Signaturen,
welche er mm exsten Male in „Nideri praeceptorium divinae legis" 1472 vi wendete.
Für die bibliographische Forschung wurde diese Erfindung, welche den Buch-
bindern eine Erleicht^nng ihrer Arbeit verschaffen sollte, von nicht au unterschitaender
Wichtigkeit, indem das neue Merkmal Anhaltspunkte für die Zeiten undatirter
^^cktoerke abgab, die natürlich nicht vor 1472 entstanden sein können, sobald
Signaiwren vorhanden sind.
Koelhoff ist auch der Drucker der für die Geschichte der Buchdruckerkunst so
wichtigen Cölner Chronik, die wir weiter unten näher besprechen werden. —
l68 — Cöln. —
No. 330.
Sl^omaa be ^qutno: ^^pluaelliones bisfiutatar be Deritatr.^^
Göln^ Johann Koelhoff, 1475. Quart-Format.
Die K Streitfragen über die Wahrheit gehören su den weniger berühmten philo-
sophischen Schriften des Thomas von Aquino. Der sehr starke Quartband ist mit
denselben Typen wie die „Düta salutis*^ gedruckt, auch mit Firma und vollständiger
Datirung versehen. Hain JNo. 1419. —
No. 331.
^flHargarita iBecretaltum.^^
CÖln^ Johann Koelhoff, 1481. Klein Folio-Format
Hat dieselbe Type wie die vorhergehenden, aber der Satz ist hier durrh»cho»»en.
Die Ueberschriften sind mit grössern Charakteren gedruckt, die denselben Ductus
haben. Am Schlüsse steht die Jahrzahl, aber ohne Ort und Firma. Zur Ergänzung
der dürftigen Notiz Hains unter Nr. 1084^, welcher die Ausgabe, ohne sie gesehen
zu haben und auch ohne den Drucker nennen zu können, citirt hat, sei noch gesagt,
dass sie in zwei Columnen mit 28 Zeilen gedruckt ist. Die Schlussschrift lautet:
^into bonivi. M. cccc Ifiri. hit || vero fabbati fecnnba mettp 3n \ifl bc quo laabetar
bnif gloril ofss in fecnta fecnlort". ^
No. 332.
^^^ümariu trytuaU t €oncltt(!o||nf0 fuprr Ärytum.*^
if^ümariü tejrtualr t €onclufto|{ne0 fu|ier Clemrntinas.^^
CÖI1I5 Johann Koelhoff, 1484« Quart-Format.
Es sind dieses zwei Werke mit verschiedenen Titeln; aber stets zusammen-
gebunden und Jedenfalls auch zusammen gedruckt, wenngleich die Druckbogen nicht
zusammenhangen und die Signaturen im zweiten Werke von Neuem beginnen. Die
sehr grosse Üeberschrift-Type im ersten Werke zeigt wieder ganz den KoeJiwff' sehen
Ductus, der vorzüglich beim 31, D und U zu Tage tritt.
Im zweiten Werke diente zu den Ueberschriften eine andere Type, an Form und
Grosse der 42 zeiligen Bibeltype Qutenberg's vergleichbar. Der Text ist mit der damals
gewöhnlichen Gothisch gedruckt. Auf Blatt o3 verso des zweiten Werkes findet man
die Druckfirma und Jahrzahl. Der Autor dieser Conuuentare der päpstlichen Decxetalen
und Clementinen ist Johannes Koelner de Yanckel. Hain No. 9786. —
No. 333.
„;>0l>annf0 djrijf0fl0|]!nu0 fuper |aattl)cü.^^ 1487.
^^^ottirUe (iri)ri)fo|lomt || fuper iol)anne.^^ 1486.
Cöln, Johann Koelhoff, 1486 bis 1487. Quart- Format.
Diese beiden Homilien des Chrysostomus über die Evangelien des Matthäus und
Johannes sind in aufeinanderfolgenden Jahren gedruckt, erscheinen aber gewöhnlich
zusammengebunden, wie auch hier. Beide haben die Firma und Datirung am Schlüsse ;
über die Typen ist nichts Neues zu sagen. Hain No. 50S5 und &037. —
— Cöln. — l5g
No. 334.
f)jBu • n^tUi • 3^[hm of bie 9ul-||be tro^n • mit 09! fc^ointe
Irre || mtfli^t ii)t ba fagm nä ben lieiü feü/^
Cöln, Johann Koelhoff, 1492. Folio-Format.
Auch in vorliegender Ausgabe dieses Erbauungsbuches von Otto von Passau
lernen wir einen den Bibliographen unbekannt gebliebenen Druck kennen, wie wir
es schon bei der Ausgabe desselben Werkes von Martin Schott in Strassburg 1483
erfuhren. Die vorliegende ist vor Allem sprachlich höchst interessant, da sie Im
Cölner-Niederdeutschen — nicht Niedersäcbsischen — Dialecte geschrieben ist. Die
Holssebnitte sind in beiden Ausgaben die gleichen, aber doch von andern Stöcken
gedruckt, wie an kleinen Yerschicdenheicen der Technik leicht zu erkennen ist.
In dieser Ausgabe ist noch ein Titelholzschnitt dazu gekommen: Christus auf
dem Throne, umgeben von den 34 Alten. Dieses Titelbild ist mit Gold und Farben
ausgemalt. Die Type ist die 8chwabacher der Cölner Chronik von 1499, welche wir
in nächster Nummer kennen lernen. Am 8chlu88e steht die Druckfirma und voll-
ständige Datirung. —
No. 335.
^tiBie (Eronica oan ber |i billiger 3tat oä €orUr/^
Göln^ Johann Koelhoff, 1499. Folio-Format.
Es ist dies die berühmte und von den Gelehrten unzählige Mal citirte Chronik,
welche auf Blatt Sil und 312 die bekannte Nachricht von der Erfindung der Buch-
druckerhiUMt durch Johann Gutenberg in Mainz um 1440 und deren YoUendnng im
Jahre 14S0 enthält. Das seltene Werk ist mit Schwabacher Typen gedruckt und
enthält drca 400 Abbildungen in Holzschnitt, welche in unserm Exemplar zum
grössten Theil in Farben ausgemalt sind.
Zur CoUation, welche uns von mehreren Bibliographen falsch, von keinem präcis
gegeben zu sein scheint, das Folgende : 12 unnumerirten Blättern, Titel und Register,
und S50 numerirten Blättern müssen noch 4 hinzugezählt werden, da zwischen den
numerirten Blättern 67 und 59 noch 5 unnumerirte Blätter mit heraldischen Abbil-
dungen eingeschaltet sind ; es würde von diesen also ein Blatt dte feiende Blati-
nummer 58 abgeben, die übrigen vier aber müssen der Gesammtzahl einverleibt werden,
so dass ein completes Exemplar im Ganzen 866 Blätter zählen muss.
Binxer, der übrigens ein incompletes Exemplar beschreibt, und Hain bringen
Verwirrung in die Sache; Ersterer, indem er von 801 numerirten. Letzterer, weil er
von 813 Blättern im Ganzen spricht. Beide sind in denselben Irrthum verfallen,
die Zahl des letzten Blattes CC(S.l für ®C€.i ku lesen. Hain zählt nur flüchtig die
12 unnumerirten Blätter des Registers hinzu und erhält somit die Zahl 318.
Die Schluss-Schrift, welche Koelhofif als Drucker nennt, drückt die Jahrzahl durch
/^%nt10 t>Urf5^' — das vorgenannte — aus, indem sie sich auf das, den ächluss
des Inhaltes der Chronik bildende Jahr 1499 bezieht Unser Exemplar ist geschmack-
"voU in blaues Leder gebunden und mit vergoldetem Messingbeschlage versehen. —
I70
— Cöln. —
petrr $rrgmann oon 0ipt^
1470 bi6 1477.
No. 336.
i^dwcixtAt i|uatuor noDifftmomm.'^
Cöln, Peter von Olpe, 1477. Folio - Format.
Von diesem Drueker finden sich nur wenige Zeugnisse seiner Thaügkeit; sviscben
1471 und 1476 ist sogar nicht ein einnges Werk von ilim bekannt Die ner Utztm
Fragen, welebe in diesem ^CardiaU^ bebandelt werden, sind Tod, Verdamniu, jmgit»
Oericht und ewige SeeUgkeit Es scheint, dass speciell Cöln ein gutes GescfaÜt mit
dem Werke gemacht hat, denn Hain citirt bis 1500 sedis verschiedene Colner Aoa^
gaben; die vorliegende unter No. 5700 ohne sie gesehen su haben. —
Conrad WinXtr wn ^ombnrg^
aud) einfad) Conrad von ig^^^^i^fl Qtl)ti$tn,
1472 bi6 1489.
No. 337.
Iteonarbi be Vtino: ^,3rrmone0 quabragrßmalcB.^^
GSlny Conrad von Homburg, circa 1473. Folio-Format.
Diese Ausgabe der Fastenpredigten wird von Hain unter No. 16116 dem ülri^
Zell Bttgeschrieben ; allerdings verführt auch die auffallende Gleichartigkeit der Typeo-
form vorliegenden Werkes und der Zell^schen Schriftgattung, von welcher Falkenstün
auf Seite 158 und 164 Proben giebt, leicht zu der Annahme, dass man es hier mit
einem ZelFschen Producte zu thun habe. Es ist aber dennoch ein wesentlicher
Unterschied vorhanden. Misst man nämlich die Höhe von 97 Zeilen der Zell'schen
Drucke dieser Typengattung, so wird man bei Vergleich des vorliegenden Druckes
finden, dass hier /ii9 2Seilen derselben Höhe entsprechen; ein betrachtlicher Unter-
schied, der auf die verschiedene Kegelhöhe der Typen zurückzuführen ist, und der
also der Annahme einer vollkommenen Gleichheit des Druckes entgegensteht.
Auch Jü&rt sich die Sache sehr leicht durch eine mit den ganz gleidien Typen
gedruckte und in der Zeilenhöhe haaigenau nbei einstimmende Ausgabe der ^Legenäa
sanctorum awrea^ des Jacobus de Yoragine vom Jahre 1476 auf, welche auf Blatt 48
die vollständige Datirung imd Angabe des Druckers Canradus de Hoemborch aufweist
Wir schliessen daraus, dass Letzterer die beliebte ZelPsche Type auf etwas kleinerem
Kegel nachgebildet und damit eine beträchtliche Anzahl von Werken gedruckt liat»
von denen unsere Sammlung noch drei andere aufweist. —
No. 338.
Stomas be ^quino: ^ßt ^rtiotUa fibri.^^
Cöln^ Conrad von Homburg, circa 1474* Klein Octav-Format
Diese Abhandlung über die Glaubensartikel imd Sacramente ist mit derselben
Type wie die vorbeigehende Nummer gedruckt. Die Ausgabe blieb den Bibliographen
unbekannt, sie umfasst 16 unbezeichnete Blätter, von denen das letzte ein leeres ist»
— Cöln. — Ijl
mit 27 Zeilen auf der vollen Seite; der Anfang lautet: ^utipii flinma tMtft X fancto
t|ona bi II llqnittö . be :Xrttcnl{f filti.i'9ttit 3o(ra| |nf tttiJ*^ Der Schluss: ^(h-
^itidt ßm ebtta . % fancto t||oma 1 be aq] vo . be llrtioiiis fibei . Ct tccUfie faarainttts*'»
Zirei abweichende Ausgaben werden von Hain No. 1488 und 1424 dem Ulrieh
Zell Bugesohrieben. —
No. 339.
$o^mfm Mtixiftpxi ^^lüantmotractua (iu|ier bibliant.*^
(j^htf Conrad von Homburg, 1476« Mittel Folio-Format
Sehr seltener iind Hain unbekannt gebliebener Druck mit Jahrzah). Die Type
eotspriehk den beiden vorhergehenden ; dem folgenden, mit Firma versebenen Werke
«ftrtsprieht auch das. Format und der Satz in Höbe und lireite der Spalten und
^i^tomnen.
Die Ausgabe umfasst 903 unbezeichnete Blatter mit 2 Colomnen k 40 Zeilen
auf der vollen Seite. Der Anfang lautet: „. . MpütitUB jgipxit iilt|»ericie ac rttbi [tati
ibwiatinij pattpert clericon || qni ob prebicacöis offtciv promo;.neittttr''. Von der sehn-
wiligen Bchlussschrift mögen hier Anfang und Ende genügen : ,,€iber rtUgiofi potris
initii Muvü^ifmi: (sict) bi farro orbine || minorn benotiffimi : . . . er pltdt felicitrr .
ttti a najltiititate bin. itt. CCflCUrfer to . in uigilia fcH nataiis bm.'^
No. 340.
<9acobu0 be l^oragine: ^?rigrnba fancforutn aurra/'
Göln^ Conrad von Homburg, 1476« Folio-Format.
Diese Ausgabe der „Legenden der Heiligen" ist von dem Drucker, wie er selbst
Mif Blatt 48 des Werkes erzahlt, um 38 Legenden vermehrt. Nur dieser Notiz, in
welcher die Angabe der Firma und der Jahreahl enthalten ist, haben wir es zu
Linken, dass wir den Besitzer dieser der Zell'schen so täuschend ähnlichen Type
keinen lernten und nachweisen konnten. Der ganze Artikel „Yoragine" ist bei
tfaih ausgelassen, obgleich er unter „Jacobu8" nach No. 93r>3 darauf verweist. Ver-
^eiche Panzer I Seite 280 No. 37.
Mtcolaua %ot^ non 3ct)lettftitbt^
1474 bi« 1478.
Der vierte Cölner Typograph, dessen anonyme Drucke meist
Andern zugeschrieben werden, nennt sich auch Götz von Slettstadt.
So schreibt man heute noch die berühmte Cölner Bibel in nieder^
sächsischer Mundart dem Heinrich Qttentel zu, während sie nach-
weislich das Prachtwerk des Nicolaus Götz ist, auf das wir an be-
treffender Stelle näher zurückkommen werden. —
No. 341.
Cöln, Nicolaus Goetz, 1475. Folio-Format.
Aas dem Vergleich der Typen dieses mit Firma und Jahrzahl versehenen Druckes
mit der anonymen Cölner niedersäohsischen Bibel miisste man schon auf die
Cemeinichaftliehe Quelle beider Werke schliesson können, wenn nicht schon Heinrich
172
— CÖln. —
Lemperte im J*hre 1839 dargethan hatte, dass Nicolaus Ooetz auch der Urtteber dleaer
seltenen Bibel sei, weil sie in Format, Papier und WassermariLe mit dem ersten
datirten Dmcke aus dessen Offisin: „Lutholphi Carthusiani Vita Jhesu Christi'
von 1474 am meisten übereinstimmt.
Es scheint uns aber für diesen Beweis die Gleichheit namentlich der originellefi
Yergal'Buchiiahen viel sprechender su sein, als Jene immerhin relativen Folgerongea
Das in dieser Form ganz einsige % mit dem nach links herüberragenden Balken,
das breite II, das JS, jQ, #, tt geben in dieser Frage den entscheidenden Bewds.
Wir werden in nächster Nummer ein schönes Exemplar dieser äusserst seltenen
Bibel noch näher kennen lernen. Hier noch ein paar Worte über das obige Werk.
Die lfiOu*^6^> welche man darin findet, sind sämmüich von zweierlei Gtostalt*
Die gotliische imd romanische Form wechseln durch das ganse Buch ad libitum ab.
Es finden sich wohl auch dreierlei Charactere, so sum Exempel bei "X^ C, tt. Hodut
merkwürdig ist das schief auf dem Kegel stehende Q, welches nach rechts herübei^
hängt. Zwar findet sich auch ein gerade stehendes Y vor; dieses aber ist von dem
vorigen durch die Anordnung des vordem Strichelchen schon ohnedem unterschieden.
Das Werk ist ein alphabetisch geordnetes Handbuch beider Rechte und hat am
Schlüsse ausser der schon erwähnten Endschrift das hübsche Dmckeraeichen Gioetoen's
mit der Inschrift: ,^ola fyei mta || inte «irgis ^xä**' JSdiiio princeps; von Hain unter
No. 11153 citirt, ohne dass er sie gesehen hat. —
No. 342.
,^xt txfU (üolntr IBibtl in nirberfäd^ltfd^er lütunbart/^
CÖlliy Nicolaus Goetz, circa 1476« Zwei Bde. in Gross FoUo-Format
Dieses grosse Bibelwerk in zwei Foliobänden ohne Firma und Jahrzahl gedruckt,
ist, wie wir in voriger Nummer erwiesen haben, ein Product unseres vierten Cölner
Druckers, nicht wie früher angenommen wurde, Heinrich QuenteVs, des fünften.
Ueber 100 Holzschnitte, wie die Vorrede sagt: alle nach Originalgemälden vieler
Ivirchen und Klöster hergestellt, geben dem Werke einen kunsthistorisch bedeutenden
Werth, um so mehr als die Originale der altcölnischen Maler-Schule zum grossen
Theile inzwischen zu Grunde gegangen sind.
Wir finden dieselben Abbildungen in der nicht minder wertbvoUen neunta^
deutschen Bibel von 1483 bei Koberger in Nürnberg, und zwar von denselben Stöcken
gedruckt, wieder. Letztere wurden also wahrscheinlich dorthin verkauft. In vor-
liegendem Exemplare ist ein Theil der Abbildungen sauber mit der Hand colorirt
Der prachtvolle Einband von hellbraunem Leder mit den überaus luxuriösen Beschlägen
nach Originalen des 18. Jahrhunderts zeigt auch äusserlich die Bedeutung des ehr-
würdigen Druckwerkes an. Hain No. 3141. —
No. 343.
?otl)arii ,,$r miferia l)umanar conbittonie.^
Cöln^ Nicolaus Goetz, circa 1477« Hoch Quart-Format.
Dieser Druck ohne Firma und Jahrzahl zeigt die charakteristische Type des
Nieolaus Goetz mit dem schiefstelienden V. Es wäre noch auf das merkwürdige Zeichen,
welches hier als Punkt dient, ein wie aufs Kleinste redudrtes z hinzuweisen. Bei
Hain ohne Angabe des Druckers unter No. 10211. —
— Cöln. —
173
No. 344.
^(mäi it ^qtttno: ,,Sractatu0 bc corpore (ü^rifli/^
Göln^ Nicolaus Groetz, circa 1478. Klein Quart-Format.
Die theologische Abhandlung des berühmten Kirchenlehrers ^Ueber den Leib
Christi* ist mit denselben Typen wie die CÖlner Bibel gedruckt, ohne Firma und
Dkünmg. Dem von Hain, der leider die weissen Blätter grundsätzlich selten angab.
nnter Nr. 1872 beschriebenen Exemplare von nur 80 Blättern fehlen das vordere nnd das
hintere Uere Blatt, mit welchen die Ausgabe in 82 Blättern erst complet ist. —
Jiartt)olomarit0 ht Hnrkrl^
1476 bie 1483.
No. 346.
JßttxvLB ?8frtl)oritt0 : ^iTtber IBtbltat ntoralw.*'
Göllly Bartholomaeus de Unckel, 1477* Folio -Format.
Seltene Ausgabe des beliannten Werkes von einem Typographen, der nicht sehr
productiv gewesen ist, nach dem Wenigen zu nrtheilen, was von ihm auf unsere
Zeiten gekommen ist. Am Schlüsse befindet sich die Firma mit der vollständigen
Datinmg. Hain No. 2797. —
1477 biß 1487.
No. 346.
Antonius 1l4tm)ii0oUt9: 4,^una fSiblta ftoe ^rprrtartum
Htbliontm.''
Cöln^ Johann GuldenscbafF, circa 1477. Folio-Format.
Sicher einer der frühesten noch undatirten Drucke Guldenscbaffis von Mainx.
D«88 derselbe wirklich der Drucker dieser „Goldnen Bibel" ist, beweisen andere mit
denselben Typen gedruckte Werke, die seine Firma tragen und die wir nächstdem
vetEeichnen. Man findet bei Hain unter Nr. 19680 eine Ausgabe mit 37 Zeilen,
velche GuldenschaflF zugeschrieben wird und die er nach Panzer^s Angabe in Band IV
>^«ite 281 aus dem Cataloge des Bolongaro Crevenna nur dürlftig citlren konnte, ohne
dan einer der Beiden sie gesehen hätte.
JedenhUs ist damit die vorliegende Ausgabe gemeint; sie umfasst 112 nnbezeich-
nete Blätter mit 87 Zeilen auf der vollen Seite. Der Anfang lautet: ^3tt flgvrari
kiklic frnctnoftt t utile cöpenbin tinoh i flnre||vin alias biblie reperlorin nicnpatnr: |)log9
ftlicit . ittitioat'' • Der Schluss: .ftdittran biblie fmctnofn t sttle cöpenbinm anrenm biblie |
rejjertorlam «r^)lidt feltciter". Die Worte ^repertorium Explicit« sind nicht aus-
gedruckt und von der Hand des Rubricators mit rother Farbe ergänzt. —
No. 347.
^^Slcnfa pl)ilofopl)tca.^*
CSln^ Johann GuldenschaflF, circa 1481« Klein Quart-Format.
Soll nach dem Urtheile älterer Bibliographen mit geschnitzten Holz-Typen gedruckt
■*ein und Guldenschaff eine Typengiesserei niemals besessen haben. Woher man dies
174
Cöln. —
ableiten will , ist nicht recht ergichtlieh , denn die Typen sind weder unschön noeb
nngfleich, und wenn er selbst keine Sdiriflgiesserei besass, so gab es um 1480 sdion
Gelegenheit genug, sich in Strassburg, Nürnberg oder Augsburg Typen giessen m
lassen.
Dass Quldenschaflf wirklich der Drucker der f,Men»a philosophica'* oder «I^kk^
ordmmg* von Theobaldns Anguilbert ist, beweist seine Firma: ^ Johannes Quldenscboeff
civem Coloniensem" in „Auctoritates Aristotelis" etc. 1487, welches Werk ganx vat
denselben Typen gedruckt ist. Hain führt dasselbe unter No. 1987 an, die Meosa
philosophica unter Nr. 11075 als erste unter den undatirten Ausgaben. —
No. 848. _
l^ifloria be traflatione bratifl jtmorü trium rrgü/^
Cöln 5 Johann Guldenschaff, i486« Klein Qaart-Format
Dieser Druck zählt im Ganzen 110 Blätter; auf Blatt 88 schliesst die „OesdiidkU
von der Heise der heiligen drei Kömge^t deren Verfasser Johannes, Bischof too
Hildesheim ist, und es folgt die Schlussschrift mit Datirung utid Firma Guldenscbaffi.
Die übrigen Bl&tter enthalten das Register und noch zwei Reden des Albertns Ifagnus
und des Helligen Augustinus über Epiphanias. Hain No. 9388. —
No. 349.
,,^uctoritatf» ^riftoteliö Srnrce || ISoectj JSlatonis ^pulri)
africani || J90rp^irij et dtlberti porritani.**
Cöln, Johann Guldenschaflf, 1487. Mittel Folio-Format
Krste daUrte Ausgabe dieses seltenen Druckwerkes, zugleich aber der UbiU
Druck von Johann Guldenschaff, dessen zehnjährige Thätigkeit mit 1487 absehliesst.
In der Schlussschrift zeichnet er sich hier Johannes Guldenschoeff. Hain No. 1987. —
%tm\^ jöuftitfl,
1479 biö 1502.
No. 350.
^|lryanu0 be %,p, ,^3uma be capbua confcimtiae.**
Cöln, Heinrich Quentel, 1479. Folio-Format.
Erster und sehr seltener QuentePscher Druck, mit vollständiger Datirung und
Druckfirma, ein Riesenwerk von 1030 grossen Polioseiton, mit 66 Zeilen in der
Spaltenhohe. Da Quentel um 1479 die Druckerei von Nicolaus Götz übernahm, so
ist es kein Wunder, wenn man in vorliegendem Opus die Typen wiederfindet, mit
welchen die Cölner Niederdeutsche Slbel gedruckt ist, woraus nun gefolgert wurde,
dass Quentel auch der Drucker dieser berühmten Bibel sei.
Allein dem wiederspricht, dass Quentel in sämmtlichen Producten seiner OfBxin
von 1479 an 8ign€Uuren in Anwendung brachte, welche in der Cölner Bibel nicki
vorhanden sind. Dieses, zusammengehalten mit den Untersuchungen von Heinrich
Lempertz, deren wir unter Nr. 341 schon Erwähnung thaten, dürfte für uns die Frage
endgültig entscheiden. Hain No. 1894. —
— CÖln. —
175
No. 351.
derarbud be lutpl^aiiia: ,,Sractattt0 be fpiri||tualtbua
afcf(!0ntb3.*'
),9e mta t benrftcijd || faluatoriB «Sefu d^riHflt beuotifftme
mebi||tationf9 cum gratia||rum actione/^
fj^oroloQtum bruott||om0 circa mtam jrpi/^
GÖI1I5 Heinrich Quentel, circa 14 8 4« Klein Octav-Format
Die Bestimmung der folgenden, mit der zu Jener Zeit allgemein übllcheQ Qotkisch
gedruckten Werke QuentePs wärde die grössten Schwierigkeiten bieten, da sie zum
grossen Theil ohne Firma und Datirung gedruckt sind, wenn nicht glücklicher Weise
aus ein paar mit Firma erschieneneft Werken seiner Offizin sich bestimmte Wahr-
seichen gefunden hätten, aus denen man die Urheberschaft Qiuintels zugleich mit
Unterscheidung der auffallend ähnlichen Drucke Peter Friedberg's imd Friedrich
Hewmann'8 in Mainz, sowie Mariin Flach's in Strassburg sicher bestimmen kann.
Die nächsten, mit gleicher Type gedruckten Nummern werden uns Gelegenheit
zu interessanten Typenstndien bieten, während hier noch einiges über das Werk
selbst zu sagen ist. Hain beschreibt unter Nr. 16294 ein Exemplar des Werkes,
welches auf 104 Blättern nur die erste Abhandlung „ lieber geistige Vervollkommnung'*^
enthält, während die zweite „Ueber das Leben und die Wohlthaten des Heilandes
Jetu Chrish^ und die dritte mit dem sonderbaren Titel „Die Uhr für den Gottes-
dienst, gerichtet nach dem Leben des Heilandes** bei ihm fehlen, obgleich sie mit
dem ersten Tractatus zusammengedruckt sind und die Signaturen durch alle drei
fortlaufen. Die zweite Abhandlung zählt 112, die dritte noch 80 Blätter, der ganze
Band zusammen also 296. Hain ist zudem in seiner Beschreibung nicht genau; in
seiner Anführung der Einleitungsschrift auf Blatt 2a heisst es: Inctpit deuotus
trallctaius; das letzte Wort muss aber heissen: ^allctatuli*s.
Nodi wäre anzuführen, dass für die roth und blau eingemalten Initialen jedesmal
zur Bequemlichkeit des Rubricator^s in den ursprünglich leeren Platz ein gang kleiner
Bucksiabe vorgedruckt wurde; schliesslich, dass auf der Kehrseite des Titels 'der
dritten Abhandlung sich ein kleiner, den gekreuzigten Christus darstellender Holzschnitt
befindet, der durch das Colorit besonders auffällig ist. —
No. 352.
„<Sn l)oc libfUa C0nttnenf|]trffi tractatuU |9rimu0 eft fancti
ai)omf ^(juinatiö || be mirabiU quibbttate t ffecacia ucne-
rabilia facramen||ti r«d)ari(lif StVs eft magiplri Äpcolai
^t li)ra br || ibonro minrflrate t fufctpicte ibe facramrtum
S(r-{|cm0 rpt alicuiud bocti coUectom br e^o|ttione bomi-|{
nicf oratiottt» • fcilicrt JSater nofter || €fffctu0 \jax\xm trac-
tatum t (|ur|lianf0 mate t f0-||l«tf in rifbem annotantur in
rf0ipr0 quobam in ultimo || folio I)nin0 libri . Sibr ibibrm."
Göln^ Heinrich Quentel, circa 1492. Klein Quart-Format.
Diese, drei verschiedene Abhandlungen, zwei „über das heilige Abendmahl" und
eine ,über das Gebet des Herrn" enthaltende Schrift wird von Hain unter No. 1369
1^6 — Cöln. —
unreehtmissig dem Peter Friedberg in Maim zugeschrieben. iDdem wir zur Präfang
der allerdings geringen Typen-Unterschiede auffordern, welche wir nachstehend ver-
zaichnen. theilen wir auch diesen Druck mit Ueberceugung dem Heinridi Qimäel
in Coln zu : Bei Friedberg h&ngt das 3 rechts oben ganz zusammen , hier ist es
getrennt und erseheint Oberhaupt etwas grösser; Friedberg^s U ist sc^mä2«r als hier;
sein S ist innen leer, hier hat es zwei Schrägsiridt e ; endlich stimmt die Kegedkoh
der Typen nicht nberein, da die Höhe von 34 Zeilen des vorliegenden Druckes gleieh
33 der Friedberg^schen Zeilen sind; wogegen die vollkommene Uebereinstimmaog
mit den von uns schon besprochenen QuenteFschen Typen (^en entscheidenden Hinweis
für den CÖIner Ursprung des Druckes giebt —
No. 353.
^^tiattuor nottifftma cu3 || multta eirrmplia fittld^rrrimis q
funt occa|!o falutia."
Göln^ Heinrich Qnentel, 1492. Klein Quart-Format
Diese unter dem Titel „Cordiale* bekannte Schrift, welche die vier leisten Fragen:
vom Tode, von der Yerdammniss, vom Jüngsten Gericht und von der etcigen Seeligkeit
behandelt, erscheint hier in einer von Quentel mit seiner Firma und mit Datimng
gedruckten Ausgabe. Unter obigem Titel befindet sich ein Hobeschnitt: Der Lehrer
mit zwei Schülern. Die Texttype ist eine sehr kleine Oothisch, auffallend durch die
häufig vorkommenden fetten Majuskeln. Hain Nr. 5707. —
No. 354.
,,]9ntitea9 cito Ubrllue ifte || ntincupatur • tractans comfien-
biofr be penitmtia rt || eine circüftanttja ac Dttam peccatid ^t
prauatä emr-||barr ntpientibud tntiltum Dt\U0 et necclfams/^
Cöln^ Heinrich Qnentel, 1495« Klein Quart-Format
Dieser sogenannte y^PoenitenUonarius^ , gleich Bitssordnung , scheint ein Buch
gewesen zu sein, mit welchem die QuentePsche Ofüzin ein sehr lohnendes Geschift
gemacht hat, denn in fünf Jahren erschienen nicht weniger als vier Auflagen, 1491.
1492, 1498 und 1495. Es finden sich darin die uns schon bekannten gothiscben
Typen von zweierlei Grösse; ein illuminirter Holzschnitt auf dem Titel: der Lehrer
mit zwei Schülern und die Schlussschrift mit Firma und Jahrzahl. Hain eitirt die
Ausgabe unter No. 13162 ohne sie gesehen zu haben. Ist zusammengebunden mit
Boetius No. 356 und Äquino Tractatus No. 355 unserer Sammlung. —
No. 355.
^^j)n ^0C libfUo cantinentur || trrs tractatuU/^
Vergleiche No. 352.
Cöllly Heinrich Quentel, circa 1495* Klein Quart-Format
Hier ist eine neue Auflage der schon unter No. 352 besprochenen drei Tractate.
In ihr taucht eine neue Eigenthümlichkeit Qnenterscher Drucke auf. Es ist da«
Jenes halbromanische JD, welches neben dem gothischcn stellenweise auftritt; ähnlich
wie bei Friedberg in \fainz das fette Ä auch gleichsam als Wahrzeichen vereinzelt
in seinen Drucken erschien. Wir werden diesem originellen D sp&ter in Drucken
— Cöln. —
177
Qoentels mit Firma und Jahnabi beg^egnen. Vorliegender Druck entbehrt der letstem;
Hain theilt denselben unter Nr. 1S70 iK-iederum irrthämlich Peter Friedberg in Mains
xu; er ist übrigens zusammengebunden mit Boetius No. S56 und Poenitentionarius
No. 864. —
No. 356.
i,1ioftij mx crlrbrrrimi be 9f0-||latiöf ji^i)lof0jil)tf Über cu
O)i-|{tim0 oratio bratt Strome. || (Eolonia/^
Cöln, Heinrich Quentel, 1497. Klein Quart-Format.
Eäne commentirte Ausgabe von des Boetius ^Trost der Weisheit'^, dessen Inhalt
vir schon unter Strassburg No. 286 näher berücksichtigten. Hier ist der Text ge-
druckt mit der schon öfters besprochenen gothischen Corpus, die Glosse mit den
kleinen Typen, die in dem CordiaU unter No. f53 unserer Sammlung zu bemerken
waren. Interessant ist es, das der Text hier dto'ehaehosaen ist; die fün&eilige
Schlnssschrift, in welcher Firma und Jahrzahl vorkonunen, ist aber compress. Unter
dem Titel befindet sich ein in Farben ausgeführter Holzschnitt: Der Lehrer mit Tier
Acbülem. Hain No. 8390. Ist zusammengebunden mit den zwei Tractaien unter
Nr. 354 und 355, —
No. 357.
y^^XB loqucbt rt || tacenM/'
Cöln, Heinrich Quentel, 1497. Klein Quart-Format.
Dieses nur 13 Blätter umfassende Schriftchen des AIbertanu8, eines Brescianer
AdTocaten , „dt« Kunst zu reden und zu schweigen'* , enthält die Angabe des Ortes
and der Jahrzahl, des Druckers aber nicht. Die Typen sind die bekannten Quentel-
schen, auch mit dem vereinzelt vorkommenden fetten JD. Dem von Hain ohne An-
gabe des Druckers unter Nr. 41S beschriebenen Exemplare von nur 11 Blattern fehlt
da« letzte Blatt, welches leer ist, —
No. 358.
i^^lbfrti magni bo||:ton0 laubatif|imi tractatua • || qui
«pprllatur parabifud anime tractans be mrtutibud am|{mr
0rri0 rt perfrctte/^
Cöln, Heinrich Quentel, 1498« Klein Quart-Format.
Dieser mit vollständiger Datimng und Druckfirma versehene Tractat „über die
Tugenden*^ giebt den sichersten Anhalt für die genaue Bestimmung so mancher
vndaUrter Drucke, die man wegen der auffallenden Aehnlichkeit der Typen falschlich
andern Druckern und besonders Martin Flach in Strassburg zuschreibt. Hier auch
finden wir das originelle D wieder, das wir schon bei einigen Drucken ohne die Firma
Quentel's bemerken konnten. Hain No. 482. —
No. 359.
i)S^craruj |I Uttcrarum pro-||ff|for rirtmtuö ^rrnanbu« .
3aitcttq3 palactj ^poftoUci magifler bene-j|mrrttii9 • $iui
12
178 — Cöln. —
orbinta prebicatonj frater || rrligtofud • fit brclaratione
btffiä||ltum trrmtnorum • tarn Sl^eologtcaltum q| |9i|il0||f0pl)ie
ac f Oßicf/^
GÖI1I9 Heinrich Quentel, 1502. Klein Quart-Format.
•. f Diese Ausgabe ist jedeofalls der letzte Druck Heinrich QuentePs, den Falken-
stein nur bis IßOO drucken lasst, obgleich Panzer die Jahrzahl richtig angegeben.
Die vorliegende, den Bibliographen unbekannte Ausgabe enthält 109 Blatter und auf
Blatt 100 verso die vollständige Datirung mit der Firma. Hain citirt eine Quentel'sche
Ausgabe mit der Datirung Xnno profimo ante inbtlen ceuteftmä« also von 1499.
Das Buch giebt eine Erklärung der schwierigen Ausdrucke in der Theologie,
Philosophie und Logik. ' Die Typen sind die bekannten in zweierlei Grösse ; das
bekannte 0 findet sich in der sechsten Zeile des Titels, gleichsam als WahrzeicheD
Quentels. Das Werkchcn ist geschmackvoll in rothes Leder gebunden und mit
Messingbeschlag.
Von 1502 ab setzten übrigens Quentels Wittuc, Kinder und Kindeskinder das
Geschäft fort, so dass der Name Quentel selbst noch im 17. Jahrhunderte in CSlncr
Druckwerken vorkommt.
Das Hauptgeschäft übernahm jedenfalls zunächst die Wittice Quentels; wir vrerdeD
sie weiterhin in einem Drucke von 1518 kennen lernen, worin sie merkwürdiger Weise
„Helisabet vidua*' firmirt, also nur ihren Vornamen anglebt, jedoch unter Beifügung
des Quentel'schen Druckerzeichens, das wohl die Firma der ^Wittwe Helisabet" er-
gänzen sollte. Neben ihr begegnen wir aber in einem Drucke von 1504 auch einem
Arnold Quentel, w^ährend nach ihr Peter Quentel, Johann Quentel und „Johann
QuenteFs Erben" nach und nach folgen, wie wir weiter unten finden werden. —
,,Äfttd)fn^^,
1484 biö 1501.
No. 360.
^^^ureum remtmf-||cenbi mrmoräbtq; prrbrcuc opufculü mtrum
in mobum naturali TfxtpLXiB me-||morif Dbcrrimum fuffra-
gium . • /^
Cöln^ Ludovicus Renchen, 1501* Quart-Format.
Dieses kleine Schriftchen von nur 8 Blättern Inhalt liefert [uns mehre hoch-
interessante Daten der Buchdrucker- und Literaturgeschichte. Der Typograph Zttrfo-
ticus de Renchen war bisher nur durch einen einzigen von Panzer in Band I, Seite
293 No. 128 aufgeführten Druck, ein Psalterium latinum von 1484 bekannt, das
Panzer nicht einmal fselbst gesehen hatte, sondern nur nach Denis Supplement
pag. 191 oitirte, der es wiederum aus Maschas Bibliothek, Halle 1778 entnommen hatte
— Cöln. — IjQ
Dass dieser nahezu unbekannte Drucker, aus Renchen im Radiscbcn gebürtig,
■eine ganze Keihe von Jahren in Cöln thä'ig gewesen sein muss, wird durch vor-
liegenden bisher allen Bihiiograihen unbekannten Druck von IßOl erwiesen, an
dessen Schlüsse man die Firma und Jahrzahl findet. Das Werkchen selbst ist eine
von dem geistvollen Dichter und Gelehrten Herman von dem Busche verfasste „Oe-
dächtntsskunst*^ , ein in gleicher Weise fast unbekannt gebliebenes Product dieses
bocbgescbätzten Gelehrten und Freundes von Reuchlin und Ulrich von Hütten.
Man kennt durch die kurze Notiz aus Maittaire^s Index I, pag, 217 nur eine
einzige Ausgabe dieses Werkchens von Zwolle 1502; und so ist denn die vorliegende
von ISOl als Ediiio princeps zu betrachten; sie wird auch durch ihre vielfach
interessanten Daten die Aufmerksamkeit der Bibliophilen mit Recht auf sich lenken. —
Auch typographisch bietet das mit 2 Holzschnitten ausgestattete Werkchen ein
Interesse darch die holländischen Typen, welche darin mit einer kleinen Gothisch
abwechseln. Die Stelle der Schlussschrift , in welcher sich der Typograph nennt,
lautet: „. . . 3mD»ffnM in felici Cinitote || «olottienfi per Ijontflum uirum fioöowicnm ||
Hend)» morotttem in Itoua plotra in Vota. || Xnno oirgttioltfi portns illiU(|imo qnin-
cinite II limo primo becima Me bte menf:> JDecembris.'* —
Cornelitt» tjon Ji)ri|d)jee,
1489 bis 1517,
druckte Anfangs auch blos unter der Firma der „Fratres Predi-
catores", wie schon das nächstfolgende Schriftchen zeigt,
No. 361.
i,SScabulariu0 partijlcu» 5iue (£lucibari||u0 Öiarmittum et
Hiftoriarum • cantincnö fabula» • ^^iftoria» prouinctae Mrbcs
Infula« 3?lttutoö rt || Ittontrs tUufirfa ft cetera. Am Ende:
etmprefTum €o||lome apub prebi |catareö/^
Circa 1489. Klein Quart-Format.
Eine Art Wörterbuch der schönen Wissenschaften. Seltener CÖlner Druck mit
schönen kleinen Typen einer wenig bekannten Druckerei im Kloster des Prediger-
ordens in der Stolckgasse zu Coln, die unter Leitung des Cornelius de Zyrychzee
sland, der später auch seinen Namen beisetzte, wie die folgende Nummer zeigt. —
Fehlt hei Hain. — .
No. 362.
,i!I^turale» quefiianeö an|(tiquonim pl)ilofapl)ortt || tractätes
ie bttter(i0 9e||neribu6 cibarü t poHtite que Ijüane || nature
faniora atqs obucilii||lt0ra funt • ob cöttalefcen||ttä feruatibas •
W0t3 II queftiöibt • earüqa II folulioibsr ab||tuttctt0 fttc-||ctncte
be II claran||tur. Am Ende: J^mpreflum in Calonta apub can-
«entü preljbicatorum per me ÖEornelium be |t)rpd)jee.*^
Circa 1495« Klein Quart-Format.
12*
l8o — Cöln. —
Ein seltenes 8chriftchen „Ueber verschiedene Speiaen und Qeirünke, die dem
Menseben am zutr&gliebsten sind/ welches den Bibliographen unbekannt blieb bis
auf Grässe, der eine Ausgabe desselben Druckers von 1489 mit 2 HoUisdnuttm er-
wähnt, welche letztere aber unsere obige, nur 10 Blatter umfassende Ausgabe nidit
enthalt.
DasB die obigen Quesüones aus derselben Druckerei stammen, wie das vorher-
gehende Werkchen Tpn circa 1489, trotzdem beide in der Hauptsache aus ganc ter-
»chiedenen Typen gesetzt sind, erkennt man namentlich an dem j^Impressum'^, das
sich am Schlüsse beider befindet, und aus ganz gleichen Typen gesetzt ist, besonders
sofort an dem Buchstaben 3, der von ganz eigenthümlicher Form ist Aber aach
auf dem Titel des unter No. 361 beschriebenen Werkchens kommen noch drei
Zeilen vor, welche ebenfalls aus der grössern gothischen Corpus gesetzt sind, und
die sich auch in dem nachfolgenden Drucke von 1508 wiederfindet. —
No. 363.
^^^ l|0clBpufculo tra-||ctatur br i|t0 quibud || Dtimur i menf$
iBe naturiia rerum Dtbcltcet ctbi t po|{tu0 iBc queftionibus
menfaltbtt0 t)arij0 ac iucunbid || . . . Euare i|oc opus merito
appellatur || Ittenfa |9t|ilofopt|tca/^
Colli; Cornelius de Zyrychzee, 1508« Klein Quart-Format.
Auch dieses Schriftchen behandelt denselben Gegenstand wie das vorige, bildet
Jedoch in mehr praktischer Ausführung das Ganze einer ^Tischordnung* oder eine
philosophische Anweisung, wie man beim £^sen und Trinken seine Gesundheit und
sein Vergnügen befördern soll. Eine frühere Ausgabe lernten wir schon unter
No. 347 bei Guldenschaff kennen. Auch hier ist der Drucker wieder in Verbindung
mit den Brüdern vom Predigerorden angegeben. —
^ermann Paumgart^ liomgart oher liungaert
1495 bis 1509.
No. 364.
^^Manuale confeD'orum || metricU) epud t)tiq3 omenbabilr t
fuccinljctu fjT bitter|t£( autenticia boctoribus fttt-Hbiofr coUectü
nebtt cuittfUbet |lat^ cöfeffa |ribu0 Dcrt rt rfUijiofia (sici) ac
facerbottb^ cf-||ter^ jutiU binofcitur Dt clare patet ^mS ||
prolo0um infpicienttbtt0 >c/^
Cdln^ Hermann Baamgart de Ketwicb, 1498« Quart-Format.
In dieser „Ordnung für Beichtiger" kommen nicht weniger als sechs verschiedene
Sohriftgattungen vor. Die erste Zeile des Titels ist mit kleiner Missalsohrift, die
übrigen sechs mit einer Type holländischen Schnittes gedruckt. Auf der Kehrseite
desJTitels in der Inhaltsangabe erscheinen schon zwei andere Schriften, eine grössere
— Cöln. — l8i
und eine kleinere Gothisch gewöhnlichen Schnittes. Auf dem folgenden BUtte ent-
halt der Prologus wiederum Stellen, wo eine ganx originelle Schwabacher in hollän-
dischem Ductus erscheint, und schliesslich sind Initialen und Blattsahlen durch
Bachstaben altgothischen Charakters vertreten.
Ein blattgroaser Holzschnitt findet sich auf der Kelirseite des letxten Blattes,
die Anbetung des Jesuknäbleins vorstellend. Diese Darstellung befindet sich swischen
zwei Pilastern, auf welchen die beiden wilden Männer, das Druckerzeichen Baum-
gart^s, stehen. In einem Bande unter der Abbildung liest man: „Cfbrnikt in Collen
09 bm II 3libmort • $0 li »qllbi man qbrm biigart'* und weiter unten: ,,0 £t[h
Coltmia.** Hain No. 10,718. —
No. 365.
,,Coin))nibiunt ^uxxs ciuiUa bnt || jBoctom Jßttxx Hauennattd
cü||inttlti0 ^bbtttötbu0 X ^wcm bt|icti0 que non |unt in
))nmo €om|{ptnbto etufbrm jSoctom.^^
Cöln^ Hermann Baumgart de Ketwich, 1506» Klein Quart-Format.
Die eigentliche Texttype dieses Juristischen Handbuches ist die originelle hoUäu-
dische Sclacahacher des vorigen Werkes; der Titel ist wieder mit noch einer andern
kleinem Missal-Type gedruckt; femer bemerken w^ir auch die holländische Gothisch
in der kurzen Vorrede, welche sich unter obigem Titel befindet und in den Ueber-
Schriften. Auf der Kehrseite des letzten Blattes finden wir das Druckerzeichen mit
den beiden wilden Männern. —
Metro plinort»,
KlofltcrbrucCerei, 1501 bis 1504.
No. 366.
^JBiffalf ;?ti- Inetattum • fru |ai|]> pcculiarea Dal-| be beuote :
que fequuntur.*^
Cöln^ Retro Minores, 1503« Klein Octav-Format.
In den Drucken dieser Brüderschaft erblicken w^ir ein interessantes Beispiel fi'ir
die Beobachtung, dass die alten Typographen mit ihren Schriften mancherlei Geschäfte
gemaclit haben müssen, sei es durch Verleihen, Verkauf oder sonstige Abtretung.
Wir erkennen nämlich in diesem mit Firma und Datirung versehenen Werke, welches
sonach keinen Zweifel übrig läset, dass dasselbe wirklich in der Druckerei dieser
Brüderschaft hergestellt wurde, mehrerlei uns schon sehr bekannte Typen : Da findet
»ich 1. eine Missaltype, 2. eine gothisdie, welche beide unzweifelhaft dem Drucker
Guldenschaff in Cöln angehören ; 8. die bekannte goüiische Corpus und 4. die Meine
PeUi-Qo&isch, beide Gattungen ebenso leicht erkennbar als 0(«n^«r«cA0n Ursprunges.
Wir werden in diesem Falle annehmen dürfen, dass die Retro Minores sowohl
von Guldensehaff, der Ja um 1R08 längst nicht mehr druckte, als auch von Heinrich
Qitentei resp. dessen Erben Schriften ertcorben haben. Zwar führten die Erben
Quentels, dessen letzten Druck von 1502 wir imter No. 359 kennen lernten, das
Geschäft fort, sie haben aber wahrscheinlich die alten viel gebrauchten Typen ver-
kauft, um sie durch neue zu ersetzen ; und in der That erblicken wir in den uns
bekannten Drucken von QiienteVs Erlen jene alten Typen nicht mehr. —
l82
Cöln. —
No. 367.
^,3Fttnbamfttttt tUxnt ff-||ltcitatis • (£vl Itbro be miff||rw ccn-
bitiöi» liumanr/^
CÖI1I9 Retro Minores, 1503« Klein Octav-Format.
Diese beiden Erbauungsschriften sind mit denselben Typen wie die vorige Nummer
gedruckt; am Schlüsse steht die Firma mit Datirung; auf dem Titel befindet sich
ein Holzschnitt, der die Junf^frau und die heilige Anna mit dem Jesusknaben vor-
stellt. Ist mit nach.ster Nummer zusammengebunden. —
No. 368.
Colli; Retro Minores, 1504« Klein Octav-Format.
Diese Schrift von 150 Blättern Umfang beginnt ohne Titel mit 5 Seiten Tabula;
auf Blatt 145 schliesst das Hauptwerk und es folgt auf 8 Seiten ein kleiner Tract*t,
,.De construetione tabemaculi*', eine Beschreibung des Zeltes Mosis, welche mit f/mw
und Datirung schliesst. Eine Nachschrift von 2 Seiten und auf der letzten Seite
derselbe Holzschnitt, der sich auf dem Titelljlatte voriger Nummer befand, bilden
den Schluss des Werkes. - .
1502 bt6 1520.
No. 369.
^,^Äbort triü cä || fanguinitatie afpnati» . co-Ugnationifqs
fpualia . . . bni || Wca|]j bcUorrba plat^limeii ... Am scwusse:
ÖCalonif in (Kbibo. Suentell . . . JIH . ccccc • mij."
Quart-Format.
Der ^Baum der Verwandschaft" ist ein oft gedi-ucktes Werk, welches die Erbfolge
in ihren verschiedenen Graden behandelt; wir werden unter Augsburg eine interessante
sehr alte Ausgabe Johann Bümler's besprechen, —
No. 370.
iiH'äeuiflres fpt-|||lolf ;?lntontj ^abcUtci || . . . Am scwusse:
(Kf fbipa Slufntf Itanis ^nm tc . yiy.**
IHartitt non ^txbtn oher he löerhena,
1504 bie 1516.
No. 371.
i,l»5^0t(lri Taurelltij €orumt Houo forenpö : uiri lfpibt|]tmt ||
(Kom^imbtofa et facili» biurrforum ciar-||minum ftructura : cü
— Cöln. —
183
r^empUs aptifftmis ac ab DitguF elaboratta : et pofhremo
bre-||utbu0 cognofcmbarum ft)Uabarum pre-cqitia/^
Cöln^ Martin von Werden, 1508* Klein Quart-Format
Auch dieser Drucker scheint gleich den Retro Minores QuenUrsche und Oul-
denschaff*8die Typen erworben zu haben, welche in diesem interessanten Drucke,
-einem Lehrbuche der Poetik, abwechseln. Am Schlüsse steht die Datirung mit
Firma, darunter ein Holzschmtt: Der Lehrer mit vier Schülern. —
No. 372.
i^^b Krurrfbifftmü bitm bnm || ptitlippü fancte rcclr|ie €olo-|{
nunft0 arc^iriim • Sractat^ magt-ßralid brclarana iqt gtamtrr
]trccrt II qitrrentea au^liü a maleffcia • com||pUat^ ab tpvm
facrr tlieologie Ti||fe|f0re t artiü magißro necnö l|fr(-||ttce
pmtati0 inquilttore mgro <9a-||cobo t|oed)flra|fm orbtnid
Järrbi-Ilcatort ouentus ^olomcnps.**
€dln^ Martin von Werden, 1510« Klein Quart-Format.
Dieser Tractat über die siebente Bitte des Vater ünsers zeigt, wie die vorige Nummer,
die Tjrpen Quentels und Ouldenschaffs. Am Schlüsse des letzten, achten Blattes, ist
Firma und Datirung, und auf der Ruckseite derselbe Holzschnitt wie im vorigen
Druckwerke. —
1509 bis 1515.
No. 373.
11$))^ aurnim ac no{|uum et a bocti» Dtmbiu ejrpectatum
biit Uictoris be Carbeti olim iubeifs m ji^iam i facerb0t3
in qua oh tubeort errorr» manife^ant . . ."
Colli; Henricus de Nussia, 1509« Klein Quart-Format.
Diese Schrift des Victor de Carben, eines gelehrten zum Christenthum über-
getretenen Juden f der die Irrthüiner der Jüdischen Lehre aufdeckt, ist ein seltener
Druck, interessant durch Typenreichthum und durch die Abbildungen; von letztem
sind drei blattgrosse in Holzschnitt ausgeführt; die vierte, auf Blatt 87 verso, ist
ein werthvoller MetaUaehniU in sogenannter „geschrotener Manier*. —
No. 374.
iilUobud otDenbt || amnium €i|rifti ffbeliu iB0||ctom (^ri|lia-
niflimtlttagtfln jro||anm0 derfan €ancel-||larij parifien-||p0/^
Colli; Henricus de Nussia, 1510« Klein Quart-Format.
Eine wie es scheint unbekannte Ausgabe. Sie enth< nur 8 Blätter. Auf dem
Titel befindet sich ein Holzschnitt: das Sudarium von zwei Engeln gehalten, und
feeto und verso des letzten Blattes sind ebenfalls zwei schöne Holzschnitte. —
184 — Cöln. —
1516 biö um 1540.
iNo. 375.
„PHILO-I STRiTI LEMn SE||
niorü Hi/iorm de uiia Apollinij // lihri VIII. // Alemano
Rhinuccino Florentino \\ interprete. \\ Eufebii Ca/arien/is
aduer/us Hieroclemj qui ex \\ Philo/trati hifioria Apollo-
nium Chrifto OBgui-'jlparare contendebat ^ con/utatio, /tue
Apologia, II Zenobto Acciolo Florentino interprete . . ►
Colonicß excudebat Joannes Gymnicus . ANNO ML D. XXlll/"
Klein Octav.
Herausgeber dieser beiden Schriften ist Gybertus Longolius. In Cursiv gedruckt. —
No. 376.
„DES . EM-IISMI ROTERODAMI, DE DY-
plici Copia Verborum ac Rerum || Commentarij duo . . r
COLONIAE Apud Joannem Gymnicum || ANNO . M, D. HITI."
Klein Octav.
Ist in romischer und in Cursiv-Scbrift gedruckt. Herausgeber ist M. Yeltkircb,
Professor in Wittenberg. —
No. 377.
„HOMILIAE II ORTHODOXAE.
5ßoftilI, ober || ^rebigbud^, burd^ö gan||^e Sar . . . Georgij
VVicelij Theologi." Am Ende: „(Sebrud ju 6öln, burd^ || So^
^annem (ä^mnicum. 1539."
Folio-Format.
Der Titel dieses seltenen Buches ist von einer schonen Bordüre umgeben. —
<ltt(t)artttd f|ir^l)Qnt^
c^ev latittifirt Cervicornu6,
1517 biß 1536.
Um 1536 finden wir diesen Drucker in Marburg wieder.
No. 378.
,^CRO|Bn AYRELH THEODO-iJSn VIRI CONSVLARIS || IN SOM-
NIYM SCIPIONIS LIBRI DVO : ET SEPTEM EIVSDEM || SATVRN'A-
LIORVM."
— Cöln. — 185
Cöln^ Eucharius Cervicornus, 1526* Folio-Format.
In dieser Ausgabe sind die zwei Bücher philosophischer und physikalischer
Betraehtungen des Macrobius, welche er unter dem Titel, y,der Traum des Scipio'*,
herausgab, mit den sieben Bachern „Satumalien" vereinigt, ein Werk, ähnlich ^vie
,die attischen Naohte" des Gellius. Es ist die zweite Auflage desselben Druckers,
welche er nach der ersten von 1521 neu revidirt herauszugeben sich bewogen fühlte.
Das Werk ist in Antiqua gedruckt und hat eine schöne Titelbordüre. —
No. 879.
,^ GELLH II LVCTLENTISS • || SCRIPTOMS || NOCTBS ATTI||CAE-"
Cölliy Eucharius Cervicornus, 1526* Folio-Format
Hat dieselbe Titelbordfire und dieselben Typen wie das vorige Werk. Diese
Ausgabe ist hochgeschätzt wegen der wundervoUen Initialen nach Zeichnungen von
iUtretkt Dürer, die auch spater in Nürnberg copirt wurden, in der Offizin des Colner
Eucharius Hirtzhom aber zuerst erscheinen. —
No. 380.
„HENBICI II CORNELH AGEIPPAE || AB HETTESHETM ||
De incertitudine & vanitate || feien tiaRo declamatio ||
inuectiva: || . . .**
Apud Eucharium Agrippinatem, || Anno M. D. XXXJ. . .**^
Klein Octav.
Es ist dies die zweite Colner, noch un verstümmelte Ausgabe dieser berühmten
Saiiyre des Agrippa gegen den Stand der damaligen Wissenschaft. Von Ebert sind
unter No. 284 sämmtliche Ausgaben mit Unterscheidung der castrirten aufgeführt,
von denen jedoch Bnmet die beiden ersten: Cöln 1527 und Paris 1529 für apokryph
hält. Die spater ausgelassenen Stellen zeigt Clemetit in der Bibliotheque curieuse»
Tome I, pp. 81—89 an. —
Pte l^ittme l^eitfabet ^ueittei,
1518 & 1519.
Als Repräsentantin der Firma „Jleltsabet vidua", unter welcher
nur zwei bekannte Dnickwerke erschienen, nennt Panzer in seinem
„Index ürbium et Typographorum« Band XI Seite 608 der „Annales*^
die Wittwe Heinrich Quentels, Diese Annahme bestätigt das unter
nächster Nummer aufgeführte Werkchen, welches ausser der Firma
»Melisäbet vidua" auch das QuenteVsche Drucker%eichen aufweist^
das einen Leser vorstellt, der am Pulte vor einem geöffneten Buche
sitzt —
l86 — Cöln. —
No. 381.
„HER-BV||SCfln PASIPHILI. || DECIMATIONVM PLAV||TINAßVM
ilEMTAS II SITE QYINTANA SECVNDA |1 Am Schlüsse: „Colonise
in platea ciuica apud Helifabet viduam . . . M. D. XVIII . . .**
Quart-Format.
Der erste bekannte Druck der Witwe Heinrich Quentels ist von grosser Seltenheit.
Das in Antiqua gedruckte Schriftchen von nur 18 Blättern Umfang enthält gesammelte
Sentenzen aus fünf Comodien des romischen Lustspieldichters FUmius, und zwar
aus EpidicuSt Bacchides, Musiellaria, Miles gloriosus und Mercator. Der Titel ist
von einer hübschen Holzschnittbordnre eingeschlossen; am Schlüsse steht das schon
oben erwähnte Druckerzeichen. —
^oi^mnti ^oitx alias %tU^
1518 bie um 1536.
Dieser Typograph druckte um 1536 auch in Solingen.
No. 382.
,^BBßTI KRANTZ WANDALU ET SAXONU."
Cölliy Johannes Soter alias Heil, 1519 — 1520* Folio-Format
Dieses sind die ersten Ausgaben der beiden geschätzten Geschichts werke über
-die Yandalen und über die Sachsen, in schönem Antiqua-Druck. Auf dem Titel
befindet sich eine herrliche Bordüre nach Hans Holbein. —
1519 biß 1523.
^No. 383.
„BEATISI SIMI PATRIS NILI || EPISCOPI ET MAE
tjnris antiquiffimi Sentetise mo-||rales egreco in latinum ||
uerfse • || Bilibaldo Pir-||cheimero Norimbergenfi || Inter-
prsete . . .**
CÖI1I5 Conrad Caesar, 1522. Quart-Format.
Der Verfasser dieser moralischen Sentenzen ist wahrscheinlich der Erzbischof
Nilns Cabasüa in Tessalonich, der im 14. Jahrhunderte lebte, wenngleich Bestimmtes
hierüber nicht zu sagen ist. In der Widmung an seine Schwester Clara erzählt
Pirkheimer nur, dass er den griechischen sehr alten Codex durch Jacob Bannisius
«rhalten hätte, der ihn von Griechenland aus der Gefangenschaft mitbrachte. Die
Bibliographen schweigen von der interessanten Schrift gänzlich. Am Schlüsse steht
Firma und Datirung. —
— Com. — 187
■|ero 4^ttd)0 ober ^lopecma,
1520 bis 1532.
*
No. 384.
DmiiAYEELn AVIIGVSTINI „DE SPIEITV || ET LITERA LIBER |
VNUS."
CÖI1I9 Hero Alopecius, 152 7« Klein Octav-Format.
Hübscher Antiquadruck eines selten vorltomraenden Typographen, dessen ehr-
licher deutscher Name eigentlich Fuchs lautet, und welcher eine ziemliche Anzahl
Bücher gedruckt hat. —
1520 bie um 1540,
No. 385.
„ASSERTIONIS i LUTHERANAE CONFVTATIO . . .
per reuerendum patrem Johan-||nein ROFEENSEM."
Cöln, Peter Quentel, 1524. Folio-Format.
Verfasser dieser antilutherischen Schrift ist John Fisher, Bischof zu Rochester
und Kanzler der Universität Cambridge ; einer der gelehrtesten Theologen und Günstling
Heinrich VIII., den letzterer auch bei Abfassung seiner Schrift „Adversio VII. sacra-
mentorum adversus M. Lutherum" zu Käthe zog, ihn aber später, als der achtzigjährige
Gelehrte in der Ehescheidungssache des Königs anderer Meinung >var, enthaupten
Hess. —
No. 386.
•i^{0)(B tintrrattottc || fancton • Ubri buo jtuboci Qrit(^-||tourt •
1}eO|SOrt]trft0'ejrcrUrttf|t-]mi Parifienfis academise Theologi..."
Cöln, Peter Quentel, 1525. Quart-Format.;
Firma und Datirung stehen am Schlüsse dieser in Antiqua gedruckten Schrift
j^über die Yerthrung der Heiligen'*. Das D am Anfang des Titels ist ein in Holz
geschnittener Initialbuchstabe. —
No. 387.
„D-HA-IIYMONIS EPISCOPI HAL||
berftattenfis in Efaiam Commenj|tatoriuin Ubri tres . . .
Colonise, Per honeftum einem Pe||trnin Quentell . An .
M. D. XXXI.**
Klein Octav - Form at.
Eigenthümlicher und Jedenfalls auch seltener Druck in Antiqua mit Gothisch
vermischt. —
l88 — Cöln. —
1524 bxB 1529-
Druckte auch in Paris, Antwerpen und Hagenau, wo seine Firma
vorkommt.
No. 388.
„RVPEETI ABIIBATIS MONASTEEU |i TYITIENSIS OKDINIS
S. BENEBICTI THEjI
ologi antiqui, Opera duo . . . IN MATTBIEVM || Je glorla t
liottorf pltj I|ommt0 LIBRI xm. || BE GLOEIPICATI-||ottf erint-
tatiö t pracffftone fpirttuft fancti LlBRl K."
„EVPERTI AB-I BATIS . . .
Commentariorum, in || Euangelium || Johannis || libri.XIlI."
„RVPERTI AB-IIBATIS...
Commentariorum, in || Apocalypfim || Johannis || libri • XII."
„Rvperti Abbatis ... De diuinis || Officiijs || libri • XII.**
Colli; Franz Birckmann, 1526. Folio-Format.
Erste Ausgaben dieser vier in schönen Original-Schweinslederband lusammcn-
gebundenen Werke, sämmtlich mit schönen Initialen ausgestattet; die Erklärung der
Apokalypse enthält auch Holzschnitt- Abbildungen, welche man dem Anton von Worms
zuschreiben möchte. Herausgeber ist Johann Cochlaeus. —
^ane prael^
1530 bie 1533.
No. 389.
„B • HAYMO-;|NIS EPISCOPI BAL- BERSTATTENSIS, BE VAREBTATB
librorum, fiue de Amore cceleftis || patriae, libri . III. nunc
primü II typis excufi.**
Colli; Johann Prael, 1531. Klein Octav-Format.
Editio princeps eines seltenen theologischen Schriftchens. —
No. 390.
„RABANI MAYRI MOGVNTI-||
nenfis Archiepifcopi, de Clericorum || inftitutione & cre-
monijs Ecclefiae, ex || Veteri & Nouo Teftamento, ac Hei-||
ftulphum Archiepifcopum || libri XIII . . . EXCüDEBAT JO-
HANNES PRAEL II COLONIAE M. B. XXXH."
Octav-Format.
'Mit einem Holzschnitte, Rabanus am Studiertische, auf der Rückseite des Titel-
blattes, Initialen und dem Druckerzeichen Praels auf der Rückseite des letzten Blattes. —
— Cöln. —
189
|lleld)ior non l^tm^
ober latinifirt Hotjcfianue,
1530 bt6 1538.
No. 391.
„CONCnJVM i! DELECTORVM C1RJ)IN1LI-|
Tim & aliorum Praßlatorum de emendanda EC||CLBSIA, S.
D. N. D. Paulo III. ipfo || iubente confcriptum, & ex-
hibitum, ANNO M. D. || XXXVIII.V*
C0I1I9 Melchior Novesianus, 1538« Klein Quart-Format.
Das kleine Scbriftchen von 8 Blättern, in hübscher Antiqua gedruckt, enthalt
die Resolutionen der von Papst Paul III. einberufenen Commisaion cur Darlegung und
Hdhug der Schäden und Gebrechen der Kirche. Unter dem Titel befindet sich ein
Holsschnitt mit den päpstlichen Insignien. —
um 1540 bie um 1550.
[No. 392.
^yDe Traditione Apo-^^stolica el Eccle/ia/tica • || . . . 2)Utd^
©eorgium SBicelium, Su (tSln 6urd> 3of?ati (liuentel, ||
Anno M. D. XL1X>*
Quart-Format.
Gegen die Neuerungen der Reformation gerichtete Schrift far die Autorität der
Kirchenväter und Concilien. In Schwabacher und Antiqua gedruckt« —
No. 393.
^Seftenbige 2lnts||n)ort luiber ber Suterifi^en jSE^eoIogen
Sebentfen, || tocld^e fic toiber^ || Interim gef(^rie*||6en, ||
CEOR- VICELÜ FACCHENSIS -
(Bcbrucft 5u CSln bur* 3o^?an (Euentcl, || im ttTcrß
6e6 3ar8 1549."
Quart-Format.
Das^seltene Werkchen ist in Scbwabacher Schrift gedruckt. — \
igo
— Cöln. —
Pte €rben hti ^o\)Amts d^mnicua^
um 1540.
No. 394.
„EVANGEI LIA ET BPISTOLIE |i
BREVIVSCVLIS QVIBVSDAM Hermanni Torrentini
fcho-\\lijs illuftrata,
ColonicB hcBredes Gymnici excude-\\bant ^ Anno
M. D. XLIIIIi'
Klein Octav-Format.
Als Druck der Erbeti des Johannes (lymnicus ist dieses sonst bedeutuns:s!ose
Werk von Interesse. —
^enrictt» llUmerami» vV ^furirua ^rtopaeus^
um 1550.
No. 395.
„CATALO-I.GYS EXPEMTIO-i NIS REBELLIVM PRINCIPYM ,
ac Ctuitaium Ger7na, fuh duohus potifsi'\\mum generalib,
Praefectis ^ \\ Jahanne Friderico^ Duce Electore Sa-\\xoni(R'.
Et Philippo Lantgrauio He/sicB // CONTRA || CAROLYM • V • KOI-
DDP • AVG • II confriptcR er productce , Anno . 1546. // Per
NIC MAMERANYM || Lucenburg . collectus.
COLONIAB Typis CT impenfis Henriei Ma'\\merani in platea
Judaica prope Proelorium, Hen-l'ricus Artopceus excudebat •
Anno . 1550."
Klein Octav-Format.
Dieses kleine in Cursiv gedruckte Schriftchen behandelt die unglückliche Unter-
nehmung Jobann Friedrichs von Sachsen und Philipps von Hessen gegen Kaiser Karl V. —
3ol|annf0 1lotif|tantt9,
um 1550.
No. 396.
„OPERA D.INNOCEN-||Tn PONTfflCIS JIA-||nMI, BIVS
NOMINIS III .. .
Colon:<ß excudebat Joannes Nouefianus . // Anno M, D, LII}^
Folio-Format.
Es ist dies die w%U Ausgabe der Werke des Innocentius III., mit Initialen nach
Dürer und Andern. —
Cöln. —
191
um 1550 bi6 um 1560,
später mit
^txmnui Calentu»
xusammen.
No. 397.
„CHORYS II SANCTOßVM OMNIVM |
ätüelff Sudler ^^ftorien 2lIIcr || ^eiligen ©otteö ... bc:=
f^rteben burd^ |1 GEOGIUM WICELIVM.||... 5U C6Un am
lßi\)tin, feurd) ^ie iErbcn 6e8 itrhavn 3o&an (Etucntcle . . .
1554.
Folio-Fonnat.
Mit Schwabacher Schrift gedruckt, noch im Original Schweinslederbande befindlich
Auf dem Titel der mit dem Löwen k&mpfende Herkules als Druckerzeichen. —
No. 398.
„...FßlDERICIJI...
cognomento Naufese Blancicampiani, . . . Catholicarum
Poftillanim & Homiliarum in || totius anni tarn de Tem-
pore quam II de Sanctis Euangelia, || epitüme fiue compen-
DiUM . . . Colonige ex officina hseredu Joannis Quentel, . . .
M. D. LV.**
Klein Octav-Format.
Antiqua- Druck mit dem Druckerzeichen des Herkules auf der Rückseite des
Titels. —
No. 399.
„OECONOMIi I BBLIORVM || . . AVTHOßE HD- GEOßGIO EDEßO . .
COLONIAE AGRIPPINAE\ Apud Geruuinum Calenium,
cT heredes Johannis Quentelij, Anno M, D. LXVIII.'^
Folio-Format.
Das Werk ist eine hxi Bibel-Concordam, schon gedruckt in Antiqua und Cursiv-
schrift, ond in geschmackvoll gepresstem Originallederbande vom Jahre 1577 vor-
zfiglieh erhalten. —
192
— Cöln. —
um 1566.
No. 400.
„F . LBANDRI ALBEETI || BONONIENSIS • |i DESCKIPTI0||T0TIVS1
ITALIAE . . ."
CÖI1I5 Nicolaus Graphaeus, 1566« Folio-Format
Schöner Antiqua-Druck mit bübscben Holzschnitt- Initialen. DerOriginallederbuid
ist vom Jahre 1676. —
um 1568 bi6 um 1600.
Arnold Birckmann selbst druckte von 1532 ab in Cöln. _
No. 401.
„PBIMVS TOMVSIILIBRORVM OMi|NIYM NATYRALIS PHILOSÖ-I
PHIAE ARISTOTELIS . . .
Interprete Joanne Ar- Jgyiopylo, addita e regione Joachimi
Pe-||rionij verfione, ex caftigaftione (sie !) || Nicolai Grouchij .. .
COLONIAE||ApudhaBredesArnoldi Birckmann i . M.D.LXVIU."
Quart-Format.
In Antiqua und Cursiv gedruckt; mit dem Druckerzeichen eines , Birkhahns*
auf dem Titelblatte. Der Herausgeber ist Raijanus Welsdalius, Professor der Mediein
zu Cöln, —
No. 402.
„QYmCTVS II HOKATIVS ;| FLACCYS AB OMNI||OBSCOBNITATB
PYE-IIGATVS.
COLONIAE AGRIPPINAE, || In Officina Birckmannica fumpti-||
bus Arnoldi Mylij • Anno M. D. Lxxxviii."
Klein Octav-Format.
Vorliegende Ausgabe des „gereinigten" Horaz ist von den Bibliographen nicht
citirt. Graesse erwähnt eine Ausgabe von 1589 in Sedez von demselben Drucker,
wozu er treffend bemerkt, sie sei jnur interessant bezüglich der Schwachköpfigke'*
ihres Herausgebers. —
No. 403.
„R. P.|| VINCENTIIj BRVNI, SOCIE- .TATIS JESY, MBDITATIONBS, |
IN SEPTEM PRAECIPVA JFE\\/ta B, Virginis . . .
— Cöln. — igj
COLONIAE AGRIPPINAE, | in Officioa Birckmannica , fumpti-
bus Arnoldi Mylij . M. D. XCIX."-
Duodez-Format.
Angebunden ist diesem Werkchen noch desselben Verfassers kurzer Tractat,
,pe Saeramento poenitentiae", wek;ker in dei]aaett)en Jahre ebenfalls von der mi^-
mann^hen Officin gedruckt wurde. —
|ltiiternu0 Ct)olinu0^
um 1570 bi5 1575.
No. 404.
„PÄEATITLAIIIN LIBKOS QVIN-||^K^6^/A^7:^ 2>/-//
geßorum feu Pandecta'\\rum Imperatoris Ju-\\ftiniani • //
OPVS JACOBIl|CVIACn.||
COLONIAE . Apud Maternum Cholinum // Anno M. D, LXX,''
Duodez-Format.
In römischer Schrift gedruckt; hübscher Original-Schweinslederband. —
No. 405.
„PAYLI II OROSn PRES-IIBTTERI HISPANI, || ADVERSVS PAGANOS
fflSTORIARVM LI||bri Septem . . .
COLONIAE II Apud Maternum Cholinum || M. D. LXXim.'^
Klein Octav-Format.
Herausgeber der sieben Bucher Qeschichte des Orosius ist Fabricius Marcu-
duranus; es ist der Ausgabe auch des Verfassers „Apologeticiis contra Pelagtura''
beigefögt. In romischer Schrift gedruckt. —
(iotefribttö ^lempettfia^
\xm 1577 M6 1579.
No. 406.
„fflERONYMI 1 1 OSORH ... IN ISATAlff : |' LIBRI V.
Apud haeredes Arnoldi Birckmanni Anno D. M. LXXIX. ||
Am Schlüsse: COLONLiE AGRIPPINAE, Excudebat Gotefridus
Kempenfis . || Anno Salutis, M. D. LXXVII fed 1679."
Mit dem Drucker-Zeichen der Birckmann, aber wie man sieht, von einem andern
Drucker. —
13
l
t04 "" Cöln. —
Peter Sorfl,
um 1580.
No. 407.
,JACOBI SADOliB-||TI . . . BPISTOLAßVM \Ä-\\BRI SEXDECIM,..
COLONIAE AGRIPPINAEW Excudebat Petrus Horst || . . . 1580."
Klein Octav-Format.
In Cursiv gedrucktes Werkchen «Ines sehr selten vorkommenden Cdlner Typo-
grftphen. —
No. 408.
„BPISTOLOEVM |1 PAVLLI . MANVTn || libri xii.
COLONIAE, II Apud Pelrum Horst . . . ClDlDLXXXVI.'*
Klein Octav-Format.
Den Briefen des berühmten Gelehrten imd Typographen sind hier auch die ron
ihm verfassten „Vorworte" zu den von ihm herausgegebenen gelehrten Werken
beigefügt. —
ScOrugöemer&ungen.
Hiermit haben wir die typographische Tbätigkeit auch der alt-
berühmten Druckstadt Cöln bis zum Ende des sechszehnten Jahr-
hunderts verfolgt. Zur Vervollständigung des Bildes, das wir in
Vorstehendem gegeben haben, führen wir in Kurzem auch noch
diejenigen Druckfirmen auf, welche gleichfalls Antheil an dieser
Thätigkeit hatten, wenn auch ihre Leistungen für uns weniger wichtig
erschienen und wir darauf verzichten dürfen, diese einzeln aufzufahren.
Wir finden da als Cölner Drucker noch : Gerardus ten Raem de
ßercka 1478; Conradus de Bopardia i486; Johannes Landen 1490
bis 1521; Arnoldus Quentel 1504; Johann Helmann 1505; Johann
Pfefferkorn 1508, der getaufte Jude, von dem es übrigens zweifel-
haft ist, ob er selbst eine Druckerei besessen, oder ob Johann von
Landen für ihn gedruckt hat; vergleiche Weller's Repertorium
No. 454 und 455. Ferner: Anton Keyser 1511; Hermann Guitschai ff
1512; Arnt von Aich 1514 bis 15 19; Henrtcus Novesiensis 1517 bis
1522; Johannes Potkenaur , der auch in Rom druckte, 1518; Nico-
Laus CoLesar 1518; Conrad Burger 1518; Servatius Cruftanus, der
vorher auch in Basel vorkommt, 1520 bis 1531 ; Johannes Dorstius 1532.
Als erste Verlag shuchhdndler finden wir in Coln zu
Anfang des 16. Jahrhunderts schon mehrere etablirt, deren Greschäfte
von grosser Bedeutung gewesen sein müssen; dahin gehört vor aLen
— Cöln. — 195
Gotfrted Hittorp, der zahlreiche Werke in den Officinen von Johannes
Soter, Eucharius Cervicornus, Hero Alopecius und Caspar Genne-
paens drucken liess, aber auch in Basel, Leipzig und Paris Geschäfte
hatte. Femer Franz Birckmann , der neben seiner Druckerei auch
Verlagsgeschäfte in Cöln, Antwerpen, Paris und Hagenau betrieb.
^uch Peter QuenteVs bedeutende Offizin beschäftigte je und je einen
andern Drucker, darunter auch den Johannes Soter und Hero Alo-
pecius. Arnold Mylius beschäftigte die A. Birckmann*sche Officin,
während letztere auch wieder bei Gotfried Kempensis drucken liess.
Auf den Einfluss, den Cöln auf die Entwickelung der Kunst
aach in andern Städten und speciell in den Niederlanden geübt hat,
wies schon Falkenstein in seiner Geschichte der Buchdruckerkunst
auf Seite 155 treffend hin. Dass die berühmten Buchdrucker William
Caxton in London und Colard Mansion zu Brügge unter Colnischem
Einfluss ihre Kunst geübt; dass Richard PaflTroet aus Cöln die
Buchdruck erkunst in Deventer eingeführt; dass Johannes, Bernhard
und Heinrich, alle drei aus Coln, zu Venedig, Brescia und Bologna
ihrer Kunst zum Ruhme verhalfen, — das sind alles unstreitige
Thatsachen, aus welchen das Verdienst der Stadt Cöln um die Ver-
breitung und Veredelung der Kunst für alle Zeiten sichtbar hervor-
geht; —
Srgnn^ungs'Ctteratur 5U (Cdrn.
I* Falk. Die Druckkunst im Dienste der Kirche bis zum Jahre
1520. Cöln 1879. —
2. Goezen's Versuch einer Historie der Niedersächsischen Bibeln
vom Jahre 1470 bis 16 21. Halle 1775. —
3' Lempertz. Bilderhefte zur Geschichte des Bücherhandels. Cöln
1853 bis 1865. —
4« Lempertz. Bibliograpische und xylographische Versuche. Cöln
1838. —
5. Merlo. Kunst und Künstler in Cöln, 1850.
6. Niesert. Literarische Nachricht über die erste zu Cöln gedruckte
niederdeutsche Bibel. Coesfeld 1825. —
Im Uebrigen verweisen wir noch auf die schon Seite 160 namhaft
gemachten Werke zur allgemeinen Bibliographie. —
13
IQÖ
— Subiaco und Rom. —
S)nU(ico äf '21lom
Sublacense coenobium; Sublacium; Sublaqueum.
— Roma. —
Conralr ^toeiinljeim k ^rnollr pannarlf
in tttonaflcrio 6ttbUccnfe
1464 bie 1467.
Zwei wackere J^eutsche^ muthmasslich Gehilfen Gutenbergs
waren es, die bald nach der Verwüstung von Mainz 1462 gleich
andern Collegen auswanderten, und zu allererst in lUxiien die
Buchdruckerkunst einführten. Das nahe bei Rom gelegene Augusti'
nerkloster des Städtchens SubiäCOj wo sie unter besonderer Begünsti-
gung ihre Pressen herstellten, wurde dadurch der eVSte Druck'
ort atisserhatb Deutschland. —
No. 409.
€xttxmxü ^^e oratore ab qutntum fratrem Ubri trcö.**
Subiaco^ Sweynheim&Pannartz, 1464 bis 1465« Hoch Quart-Format.
X}r8te8 ErzeugnisB der Buchdruckerkunst in Italien und eine Seltenheit ersten
Ranges, da nur noch et>^a vier Exemplare desselben existiren. Unser Exemplar ist
aber hiervon das einzige mit der höchst werHivoUen Sehlusasehrift des Rubricaiors
und der JaJirzahl 1465, in welchem Jalire der Druck spätestens vollendet wurde.
Den specieUern Nachweis über das Alter des noch vor dem Lactantius ton
146ß erschienenen imd mit den gleichen Typen gedruckten Cicero findet man
in der für die Bibliographie höchst wichtigen Schrift: „Dei primi libri a stampft in
ItaUa 6 specialmente di un Codice Sublacense impresso avanti il Lattanzio e finore
creduto posteriore".
Dem Verfasser, Carlo Fumagalli in Lugano, lag bei dieser ausführlicben Ab-
handlung unser Macemplar vor, das sich damals im Privatbesitze dieses Gelehrten
in Lugano selbst befand. Die Eröffnung des St. Gotthardt-Tunnels im Mai 188S
führte uns den seltenen Schatz für eine allerdings sehr hohe Summe zu. Jedenfalls
haben wir hier den historisch interessantesten und werthvollsten aller itaüemsckfn
Drucke vor uns. Hain führt denselben unter No. f098 nach dem Münchner Exem-
plare an. Ausser in München soll sich je 1 Exemplar dieses Bibliothekschatzes in
Paris und London befinden. Man vermuthet ein solches auch in der Vaticanischen
Bibliothek zu Born, doch dürfte es schwer sein, darüber Gewissheit zu erlangen.
Die erwähnte Schlussschrift, welche ein so wichtiges Docimient für die
Geschichte dieses Druckes liefert, lautet nun wörtlich: „Correctuf & emendatuf
fideliter hie codex peT\\A, OTridentone conferente optimo doctiffimo||pre meo fratre
Johanne Tiburtino pridie Kal| joctobref. M . cccclxv".
Woraus also hervorgeht, dass der gelehrte Atitonios Tridenione mit demBeirath
des Bruder Johannes Tiburtinus das Buch schon am SO. September = pridie Kalendas
Octobres — des Jahres 1465 corrigirt hatte; und in derThat findet man in dem Exemplare
zahlreiche Correciuren, welche mit derselben Handschrift an die Rander gesetzt sind.
— Subiaco und Rom« — igy
ScboB die über allen Zweifel stehende Gleichheit der aUen Handsehrift, welche
In den Correcturen und in der Schlussschrift bemerkbar ist, wurde kaum einen
Zweifel an der Echtheit derselben zulassen, allein der überaus gprfindliche und gewissen-
hafte Verfasser der vorerwähnten Schrift hat sich damit noch nicht genügen lassen
Denn nachdem er diese Schlussschrift entdeckt, ging er in seinen Bemühungen weiter
und war so glücklich, alte Originalhandschriften des Gelehrten Antonios Tridentone
aufEufinden, durch deren Yeitglelob mit obiger SdUusseohrift die Echtheit der letzteren
unanfechtbar documentirt wurde.
Der Bibliothekar zu Parma Federico Odorici bestätigt in einem Schreiben, welches
in der Schrift des Carlo Fumagalli gleichfallB abgedruckt ist, dass die auf der National-
bibllothek zu Parma aufbewahrte Handschrift des Parmenser Gelehrten Antonio
Tridentone mit der Handschriit, welche sich in dem Exemplare des Cicero gefunden,
tollkommen übereinstimmt.
Es steht dadurch also zweifellos fest, dass diese Ausgabe des Cicero, da sie schon
t/or dem 30, September 1465 gedruckt vorgelegen haben muss, äUer ist als der
LaetanHus desselben Jahres, dessen Schlussschrift bezeugt, dass er erst am
29, Oelober 146ß vollendet worden ist. Uebrigens muss man dem Gelehrten
Panzer die Ehre lassen, eine gleiche Vermuthung schon viel früher ausgesprochen
zu haben, wie man sich in den Annales II Seite 406 überzeugen kann. —
No. 410.
Äujjupim ii^t cbitate ^n^K
SnbiacO; Sweynheim & Pannartz, 1467. Gross FoKo-Format.
Ist mit derselben Type von semigothischem Schnitt gedruckt, die schon der
Antiqua sehr nahe kommt und ist der letzte Druck von Subiaco. In demselben
Jahre folgten die beiden Typographen dem Rufe der Marchesen Pietro und Francesco
de Maximis nach Rom und druckten dort zunächst Ciceros Briefe. Vorliegende
JEdüio princeps ist von grosster Seltenheit; sie steht bei Hain unter No. 8046.
Bei der kostbaren Ausgabe von Peter SchofFer in Mainz vatL 1473 haben wir das
Werk unter No. 28 schon ausführlicher besprochen. Der höchst werthvolle Foliant ist
geschmackvoll in braun Leder gebunden und reich mit Silber beschlagen. —
3iöet)nl)eim ^ pannart? in Höm^
1467 bie 1473.
Von 1473 bis 1478 druckte Pannartz, der sich in letzterem Jahre
Arnold Biicking nennt, allein, während Sweynheim mit Domitianus
Calderinus die Herausgabe der Geographie des Ptolemaeus, des
ersten Werkes mit geographischen Karten begannen, welches aber,
als beide nach drei Jahren starben, noch nicht vollendet war.
Erst Pannartz übernahm nun die Weiterfiihrung des Werkes,
welches er dann 147^ zu Stande gebracht; eben die Schlussschrift
dieses Werkes ist es, in welcher er sich Arnold Bucking nennt,
wonach einige Bibliographen auf einen andern deutschen Kupfer-
Stecher, der das Werk vollendet habe, schliessen, obwohl schon
Raidel in seiner „Commentatio critica literaria de Caudii Ptolemaei
Iq8 — Subiaco und Rom. —
Geografhia" Nürnberg 1737 den klaren Nachweis der Identität
dieses Arnold Bucking mit Arnold Pannartz geführt hat. —
No. 411.
Lactantii „Opera".
Bom^ Sweynheim & Pannartz, 1468« Folio-Format
Dies ist die moeiie von Hain unter Nr. 9907 angeführte, sehr -werthvolle und
prächtige Ausgabe der Werke des berühmten Kirchenschrifcstellers und Redners,
von denen die erste Ausgabe schon 146.5 in Subiaco erschien. Hier ist schon die
neue Type von rein römischem Schnitt in Anwendung gebracht, mit welcher zuerst
die Briefe Cicero» von 1467 gedruckt wurden und deren Brfindung man diesen
Druckern allgemein suschreibt, obwohl mit unrecht, denn wir haben unter Strassburg
gesehen, dass Mentelin Jedenfalls schon früher in Antiqua gedruckt hat
In Falkensteins Geschichte der Buchdruckerkunst liesst man auf Seite 210 eben-
falls, dass Sweynheim und Pannarts „der Ruhm gebührt, die Antiquatype U67'io
Rom eingeführt zu haben **, dagegen erfahren wir schon auf Ssite 2 14 desselben Werkes,
dass Nicolaus Jenson in Yenedig „wegen der Umgestaltung des Typenschnittes in die
Antiqua eine neue Epoche herbeiführte und sich den Ehrennamen eines neoen
Daedalus erwarb". Man hat nun die Wahll Für uns ist Deutschland die Wiege
auch der Antiqua- Schrift.
Unser Lactantius von 1468 ist übrigens wie neu erhalten, mit prächtig gemalten
und in Gold «rhöhten Initialen ausgestattet, wozu auf der ersten Textseite noch
•ine Randmalerei in Qold und Farben konunt, deren Schönheit Jeder Beschreibung
spottet Merkwürdig ist der Umstand, dass mehre der prachtigen Initialen Jedenfalls
des stark aufgelegten Qoldes wegen herausgerissen waren, und zwar sammt einem
Theile des Textes und der mit rother Farbe geschriebenen mehrzelligen Ueberschriften.
Beide sind aber — nachdem die Stellen durch gleiches Papier wieder ergänzt waren —
so kunstvoll wieder mit der Hand nachgeschrieben, dass Niemand die Ergänzung
gewahr wird , wenn er nicht darauf aufmerksam gemacht worden ist. Das pompöse
Werk ist in roth Maroquin gebunden und mit vergoldetem Messing reich beschlagen. —
No. 412.
Hieronymi „Epistolae".
Born, Sweynheim & Pannartz, 1470. Zwei Bände in Folio-Format
Mit derselben'^Antiqua gedruckt wie der Lactantius von 1468« Die zwei starken
Foliobände dieser werthvoUen und seltenen Ausgabe sind in gepresstes Kalbleder
gebunden, dessen schöne Ornamentik eine bedeutende Künstlerhand verrath. Hain
No. 8S68. -
No. 418;
Caecilii Cypriani „Epistolae".
Born, Sweynheim & Pannartz 1471. Folio-Format.
Mit derselben Type gedruckt wie voriges Werk. Dieses ist die aüerertte Aus-
gabe (der Briefe des Heiligen Cyprianus, der um die Mitte des dritten Jahrbunderl»
lebte. Die Seltenheit des Buches ist erklärlich, da überhaupt nur S75 Exemplare
davon gedruckt wurden. — Hain No. 5896. Das seltene Werk befindet sich noch in
altem Original-Lederbande mit Messingbeschlag. —
— Subiaco und Rom. —
199
No. 414.
Nicolaus de Lyra: „Glossae super Psalmista".
Rom^ Sweynheiin & Pannartz, 1472. Gross Folio-Format.
Dieses ist der zweite Theil der in fünf Volnmina edirten ersten Ausgabe der
BibeUErklärungm. Er ist dstirt 70m 26. Mai 1472, Der mit der nämlichen Type
gedruckte starke Foliant ist im Origlnallelerbande und (schön beschlagen. Hain
Nr. 10362. —
No. 415.
Nicolai de Lyra: „Glossae super libros novi testamenti".
Rom^ Sweynheim & Pannartz, 1472« Gross Folio-Format.
Dieses ist der fünfte Band der Bibel-Erklärungen des Nicolaus de Lyra, welcher
auf dem Eweiten Blatte den für die Geschichte der Buchdruckerkunst so hochwichtigen
Brief des päpstlichen BibUothecars Johannes Antonius de Buxiis an Sixtus lY. enthält,
welchen Ersteren die meisten Bibliographen Johannes Andrea nennen, obgleich Götze
sehon im Jahre 1744 in seinen „Merkwürdigkeiten der Königlichen Bibliothek zu
Dresden" Band I Seite 36 diese heillose Verwechselung ausführlich erwiesen hat
Weil nämlich der obige Gelehrte, welcher der Herausgeber und Corrector fast
aller bei Sweynheim & Pannanz in Rom gedruckten Werke war, seinen Namen, wie
auch in dem vorliegenden Briefe, nur mit den Silben Joan. An. Episcopus Alerten.
andeutete, so hat man sich eingebildet, dass er Johannes Andrea geheissen, und in
der Folge ihn sogar mit dem alten gleichnamigen Juristen von Bologna , der doch
hundert Jahre zuvor gelebt, verwechselt,' ihm auch einige seiner Werke zuge-
schrieben.
Der erwähnte wichtige Brief enthält die Aufzählung fast aller bei Sweynheim
<fc Pannarte gedruckten Werke, welche man vervollständigt und verbessert in dem
schon erwähnten Schriftehen von Fumagalli: „Dei primi libri a stampa in Italia*',
^ite 85 und folgende nachlesen kann; der eigentliche Inhalt der Epistel aber ist
eine Bitte an den Papst um Unterstützung der in äusserste Bedrängniss gerathenen
Dnickergenossenschaft, die durch grosse Unkosten und Mangel an Absats ihrer so
hochverdienten Ausgaben in der Weiterfährung ihrer Officin gehemmt wurden.
Die zweizeilige Ueberscbrift dieses Briefes lautet: „Jo. An. Alerien Epifcopi.
8. D. n. Pape Biblio*hecarii i| ad Xyftum. IUI. fummum Pontificem Epiftola". —
Tt^yftus'* ist eine andere, häufiger vorkommende Schreibweise für y^Sixius'^.
Bei diesem letzten Werke, welches wir ans der Offizin der Sweynheim & Pannartx
^ auffahren, sei auch noch der hervorragenden Eigenthfimlichkeiten ihrer Antiqua^
Drucke gedacht, in welchen allen das i ohne Punkt erscheint, am Ende der Wörter
aber das s stets ein langes ist, wie sie überhaupt das runde s gar nicht anwenden.
Das dritte Blatt unseres Exemplares ist von einer farbigen, reich mit Gold gehöhten
Bordüre von wunderbarer Erhaltung umrahmt. Der alte Sfthweinsledereinband ist
geschmackvoll und reich mit Silber beschlagen. Hain Nr. 10362. —
Vlritt) %m olter (üaUus te l$mm^
1467 bis 1478.
Ulrich Han ist aus Ingolstat gebürtig, schrieb sich aber „Bürger
von Wien". Einmal nennt er sich auch in einer Schlussschrift eigen-
thümlicher Weise „Barbatum." —
200 — Subiaco und Rom. —
No. 416.
Cicero: „Tnseulanae quaestiones".
Bon, Ulricus Han, 1469. Hoch Qnart-Format.
Erste Aufgabe ron ausserordentlicher Seltenheit, am Schlüsse mit Firma, Ort
imd Jahrsahl versehen, und mit einer ganz originellen kleinen und unregehnissigen
romanischen Tyi>e gedruckt Es existiren nur noch -wenige Exemplare dieses firfiben
romischen Druckes mit der Schlussschrift: „Fioiti sunt libri Tullii TuTculananin
Queftionum || Rome per Mgfm Ulricum han de -wienna Anno dni || Mcccclxviüi Die
nero Prima mensis Aprilis**.
Den «Unterredungen zuTasculum" angefügt sind no«h Ciceros «Paradoxa", ,C«
amicitia", «De senectute*' und «Somnium Scipionis" ; sammtlich ohne Datimog, ab»
mit denselben Charakteren gedruckt ; auch in gleichem Formate und auf gleichem
Papier, dessen Zeichen, der Anker, durchweg dasselbe ist. Jedoch enthalt die
Columne der „Tusculanae quaestiones" S5 Zeilen, während die der übrigen Schrien
nur deren 82 zahlen. Dessenungeachtet halten die Bibliographen Laire und Audiffredi,
die ein Exemplar kannten, welches ausser den obigen Schriften auch noch die aOfida*
enthielt, die datirten „Tusculanae quaestiones*' für den zweiten Theil einer Gesaouat*
Ausgabe der philosophischen Schriften des Cicero, deren ersten Theil die «officia*
mit den übrigen Abhandlungen bilden sollen.
Dass diese über 100 Jahre alte Notiz von den späteren Bibliographen nur dtirt
-wird, ohne dass einem derselben Gelegenheit gegeben war, ein zweites Exemplar lu
sehen ; ferner die nicht übereinstimmende Zeilenzahl , sowie der Umstand , dass die
„officia" in vorliegendem Bande nicht enthalten sind, scheinen uns Beweise dafiir,
dass gedachte «Gesanuntausgabe" gar mcht existirt, vielmehr die Schriften einseht
wenn auch um dieselbe Zeit gedruckt sind. Hain Nr. .5312; vergleiche auch seine
Anmerkung zu Nr. 52.M. —
No. 417.
Paulus de Sancta Maria: „Scrutinium scripturarum".
Rom, Ulricus Han, circa 1470* Gross Quart-Format.
Hier neiint sich der Drucker mit dem latinisirten Namen Vdalri<ms Qaütts. Von
dem Antiqua-Texte des Werkes heben sich die fetten gothischen Ueberschriften, welebe
am meisten Aehnlichkeit mit den Typen Koelhoffs in Cöln haben, charakteristisch ab.
Das Interessanteste an dem werthvollen Druckerzeugnisse ist jedoch eine mit
rother Tinte geschriebene Notiz am Schlüsse des Buches, welche besagt, dass Jobannes
Franciscus Ajrdianus das Werk am 11. Juni 1471 im Auftrage des Papstes Paul U>
gekauft hat. Diese Inschrift lautet: »Emptum fuit iXtud fcmtiniu £ me Jo. Fran
Ardian || Bomae Ajino. d. Mcceclxxi die xj. JuniJ || ponti. S. d. n. d. Pauli diuina
prouidentia pap«e || fecundj Anno feptimo". Hain Nr. 10764. —
1470 bi6 1481.
No. 418.
„Chrysostomi Homeliae super evangelio Johannis".
Born, Georgias Lauer, 1470« Folio-Format.
Einer der frühesten Drucke des dritten Typographen Borns, der aus WüiAurg
stammend im Jahre 1469 von dem Cardinal Caraffa dahin berufen -wurde, um in dem
— Subiaco und Rom. — 20i
Oolestinerkloster zam heiligen Eusebius eine Druckerei einzurichten. Einer seiner
Gebilfen oder Mitarbeiter dürfte Johannes Numeister aus Mainz — ein Mitarbeiter
Gntenbei^s — gewesen sein, dem wir im Jahre 1470 in FoUgno begegnen, von
weloftem aber bekannt ist, dass er vorher soipn in Rfm thitig gewesen. Vielieieht
▼w er dem Georg Lauer nur bei Einrichtung der Druckerei behilflich, namentlich
bei Herstellung der Typen; denn Numeisters erster Druck in Foligno, Aretins ,De
Belle italioo adversus Gothos" 1470, zeigt mit den Lauer^schen romanischen Typen
des yoTÜegeBden Werkes eine so überraschende AehnUchkeit im ganzen Character,
dass man jedenfalls auf dieselbe Künstlerhand schliesen darf.
In der Schlussschrift ist gesagt, dass das Werk „im Kloster des heiligen Eusebius"
im Jahre 1470 geschrieben und corrigirt wäre ; daraus ist der Drucker Oeorg Lauer
zu entnehmen, welcher zu jener Zeit daselbst thätig war. Hain Nr. &0d6. Das Werk
ist geschmackroU in Hokdeckel mit grünem Lederrucken gebunden, mit Schliessen. —
(£ud)$nu0 3tUirr alias ßxmk^
1478 big 1512.
Dieser Typograph war nach seiner eigenen Angabe „Clericus
moguntinus" und aus JVürzburg. Nachdem er selbst über 30 Jahre
in Rom thätig gewesen, setzte sein Sohn Marcisllus das väterliche
Geschäft noch 15 Jahre, von 15 13 bis 1527 fort. —
No. 419.
„MODESTI LIBELLYS DE YOGABY||LIS REI MILITARIS AD
TACITVM,"
Boni; Eucharius Silber, 1487. Klein Quart-Format.
Uit romischer Schrift gedruckt Mit obigem Titel beginnt das kleine Schriftchen
des Modestus „über die Kriegführung«', das nur 6 Blättchen k 84 und 35 Zeilen ent-
hält. Hain No. 11444 hat das seltene Werkchen nicht gesehen. — In demselben
Jahre gab Eucharius Silber auch die Schriften der drei andern alten Autoren »Vege-
^'AeUanus und Frontimts über denselben Gegenstand heraus; und 1494 erschien
bei ihm eine Collectan-Ausgabe, die alle vier Schriften enthält, von denen man nicht
▼eiss, welche das Original gewesen ist. —
dlelietme päp|llt(l)e ^ruikeret^
um 1520.
No. 420.
,3ttlla contra ®rro-||re0 Söartini Ttttljeri et fequatmm/^
fiom, Päpstliche Druckerei, am 17. Juli 1520. Quart-Format.
Bs ist dies diejenige Päpstliche Bulle, welche Dr. Martin Luther am 10. Decem-
ber 1520 in Wittenberg öffentUck verbrannte. Wir haben also hier ein höchst
wichtiges historisches Document vor uns. —
202 — Subaico und Rom. —
No. 421.
^ßit Drrteutfl^ || IBulte unbrr htm na-||inen it9 ISapfl ?ro
its ^e^ntben. Wtfitt bo||ctor |nartt-{|ntt0 || ftttl)rr auf-
janflm/*
Born 9 Päpstliche Druckerei, am 17« Juli 1520« Quart>Fonnat
DeuUehe Ausgäbe iemelbeTi^ Bulle, von eben so grosser historischer Wichtigkdt
-wie Seltenheit. —
^te Congregation irer propaganha^
um 1630.
No. 422.
mSSALB II EOMAMM |1 SLAVONICO IDIOMATB || IVSSV S. D. If.
VRBANI OOTAYI || EDITVM.
BomsB, Typis & impensis Sac. Congr. de Propag. Fide,
MDCXXXI. 2 Bände in Quart.
Dieser sp&tere Druck möge wegen der interessanten glagoUtischen Ti/pen^
mit denen er gedruckt ist, hier ebenfalls eine Stelle finden» Diese altslaviscben
Charakterö bilden den Gegensatz zu dem cyrillischen, dem eigentlich russischen Alpha- ^
bete, welches von Cyrillus, dem Apostel der Slaven im 9. Jahrhundert aus dem
griechischen Alphabet mit Hinzufiigung von 12 neuen Zeichen gebildet wurde. Das
Wort «Qlagol" bedeutet Rede. Das Alter dieser Schrift, welche vornehmlich von
den slavisch- katholischen Priestern in Dalmatien gebraucht wird, ist zweifelbaft;
doch ist es wahrscheinlich, dass sie nicht älter ist, als das cyrillische Alphabet,
-welches vielmehr dem Urheber des glagolitischen zum Muster gedient zu haben
scheint. —
Ueber die Geschichte glagolitischer Typographie ist im Allgemeinen Folgendes
zu sagen: Hans Ungnad, Baron ;von Sonneg aus Kämtben floh vor der reUgiöseo
Verfolgung und Hess sich in Urach in Württemberg nieder. Im Jahre 1!)61 etablirte
er zum Zwecke der protestantischen Propaganda eine Druckerei in Tübingen unter
der Leitung des Primus Trüber aus Rastshitz und des Stephan und Anton ab Alexan-
dro Dalmata, aus welcher eine Reihe glagolitischer Drucke hervorgingen.
Die Typen wurden in Nürnberg von Johannes Hartwach geschnitten und von
Simon Auer gegossen« Hans Ungnad starb alsdann 1564 zu Wintritz in Böhmen
und die Druckerei wurde geschlossen; die Büchervorr&the wurden confiscirt und
in der Festung Neustadt aufbewahrt, wo sie zu Grunde gingen. Die Typen gingen
im 17. Jahrhundert in die Druckerei der CongregaUo de Propaganda fide in Rom
über, und in ihr ist gegenwärtiges Missale 1631 mit denselben Typen gedruckt
ScOruB '%emer6ungen.
Nachdem die Typograhie 1464 in Italien eingeführt war, ver-
breitete sie sich dort viel schneller als in Deutschland; so entstan-
den auch in JRom bald zahlreiche Druckereien, die wir nicht alle
einzeln auffuhren; wir nennen nur folgende wichtigere:
— Subaico und Rom. —
203
Joannes Philippiis de Lignamine 1470 bis 1481; Adam Rot
1471 bis 1474; Leonardas Pfiügel, der mit Georg Lauer zusammen
druckte, 1472 bis 1474; Simon Nicolai de Luca, der bis 1474 mit
Ulrich Han zusammen arbeitete, 1472 bis 1479 ; Vindelinus de Villa
1473 bis 1475 ; Theohaldtis Schenckbecher 1473 ; Johannes Reynardi
de Eningen 1473 bis 1476, der auch mit Paulus Leenen 1474 bis
1476 zusammen druckte und als wandernder Typograph vorher in
dem Städtchen Trevi^ wo er die Buchdruckerkunst einführte, zu
bemerken ist. Femer: Johannes Gensherg 1473 bis 1474; Georgius
Sachsel de Reichenthal zusammen mit Bartholomaeus GoUsch de
Hohenbart 1474; Johannes Nicolaus Hanheymer de Oppenheim 1474
bis 1475 zusammen mit Johannes Schurener de Bopardia 1474 bis
1478; Arnoldus de Villa 1474; Bartholomaeus Guldinbeck de Sultz
1475 ^is 1481; Vitus Pücher 1475 bisi478; JVolfyang Gallus 1^76 .^
Johannes Bremer alias Bulle 1478 bis 1479; Stephanus Planck de
Patavia 1479 bis 1499; Georgius Herolt de Bamberga 148 1; Johannes
Hugo de Gengenba^h 1482 bis 1485; Johannes Besicken 1484 bis 1506,
den wir schon in Basel kennen lernten und der in Rom auch mit
Sigysmundus Mayr de Marchfam um 1493 bis 1495, und mit Mar-
tinus de Amsterdam um 1500 zusammen druckte; Letzterer druckte
vorher auch in Neapel.
Femer: Petrus de la Turre 1490 bis 1497; Andreas Fritag,
der vorher in Gaeta war, wo wir ihn in seinem ersten Drucke von
1487 noch kennen lernen, 1492 bis 1496; Jacobus Mazochius 1506
bis 1524, später in Zürich; Stephanus Guüereti de Lotharingia
1506 bis 1524. Der grosse Venediger Typograph Bernardinus
Venetus de VitaUbus findet sich um 1508 ebenfalls in Rom, wo er
für den Buchhändler Evangelista Tosino die prächtige Ausgabe der
Geographie] des Ptolemaeus druckte. Hercules Nani, 15 11 bis 15 14,
druckte mit Guilereti zusammen.
Wir finden ferner in Rom: Johannes Beplin de Argentina 15 12;
Marceüus Silber alias Franck 15 13 bis 1527; Stephanus Caliergus
1515 bis 1523; Augustinus Cisius 1515; Bartholomaeus Zanetus
1516; Angelus CoUotius 1517; Die Brüder Isaac , Jörn Tov und
Jacobus Avigador 1518; Angelus Barbatus 1520; Antonius Bladis
de Asula 1520 bis 1536; Ariotus de Trino 1521; Franciscus Mini-
tius Calvus 1524 bis 1531; Ludovicus Vincentinus 1524 bis 1527,
zusammen mit Lautitius Perusinus 1524 bis 1525; Ludovicus degli
Arrighi 1524; Demetrius Ducas 1526; Nicetas Pistophüus 1528 und
ohne Angabe des Jahres Francesco da üdine, —
Wie wir schon einen Druck kennen lernten, der nur die Be-
zeichnung: „in monasterio 5. Eusebii" als Druckangabe enthielt,
204 — Subaico und Rom. —
von dem wir aber wissen, dass Georg Lauer der Drucker war, so
giebt es auch noch Druckwerke mit ähnlichen unbestimmten An-
gaben,* von denen über den Drucker jedoch nichts Gewisses be-
kannt ist. Da giebt es in den Jahren 1473 ^is 1474 Werke mit
der Notiz: ,,/« domo Antonii du Raphaelis de VtUteriis ap. S.
Eustachium" ; um 1475 bis 1478 solche mit ,^pud Sanctunt Mar-
cum*' — hier dürfte vielleicht Nicolai de Luca der Drucker sein -— ;
femer um 1479 mit „In domo Francisci de Cinquinis*' ; um 1517 ,*t«
Gymnasio Medices ad Cäbaüinum montem" und „in Gymnasio
collis Quirinalis in do?no Angelo Collotii",
Für Werke, welche die Notiz „In Campo Flore** fähren, wer-
den wir nicht fehlgehen, Eucharius Silber als ihren Drucker anza-
nehmen, welcher oftmals seinem Namen diesen Zusatz gegeben, dea
er dann auch ab und zu ohne seinen Namen angewandt haben mag.
Noch wollen wir einige Namen anführen, deren Träger sich
als erste Verlagsfmchhändler Mom's um die Typographie
verdient machten; da ist: Johannes Fhilippus de Lignamine, der
neben seiner eigenen Druckerei auch noch andere Of&cinen be-
schäftigte; im Jahre 1481 finden wir einen Drucker Georgius
Theotonicus für ihn thätig, der entweder mit Georg Lauer oder
Georg Herolt identisch ist. jfacobus Mazochius besass neben seiner
Druckerei einen bedeutenden Buchhandel, wie er sich auch selbst fast
immer „hihliopola** nennt; für ihn druckte Johannes Besicken. I-etz-
terer wurde auch von dem Typographen Guilereti beschäftigt, den
wir deshalb gleichfalls zu den frühzeitigen Verlegern zählen dürfen
Ferner finden wir um 1534 Johannes Baptist de Maximis,
wohl ein Nachkomme der Brüder de Maximis, welche Sweynheim
& Pannartz unterstützten; für jenen druckte Antonius Bladus de
Asula. Ervangelista Tosino, für den Bernardinus Venetus de Vita-
libus druckte, erwähnten wir bereits. Für Johannes Fotkenius, den
wir auch schon in Cöln als Verleger kennen lernten, druckte Mar-
cellus Silber. Auch Johannes Jacobus Fazot wäre noch zu nennen,
in dessen Hause und «auf dessen Kosten die Brüder Avigador ihre
hebräische Druckerei betrieben. Johannes Mazochius, der zu Fer-
rara eine Druckerei besass, auch zu Mirandula druckte, liess im
Jahre 15 21 bei Ariottus de Trino in Rom drucken. Schliesslich
erscheint auch noch ein Geistlicher, der Bruder Thomas Strozius
aus Florenz, auf dessen Kosten in Rom des Pagnini „Enchiridion*
gedruckt wurde. Damit glauben wir nun auch eine genügende
Uebersicht der Typographen Roms im fünfzehnten und bis weit in
das sechszehnte Jahrhundert hinein gegeben zu haben. —
— Basel. ■ —
205
2Bal'el'
Basilea Rauracorum -^ Colonia Munatiana. —
«m 1464 W« 1478.
Bertholdus de Basilea war ein früherer Gehilfe Gutenbergs und
druckte wohl mindestens schon von 1464 ab, da nach einer sehr
glaubhaften Tradition die Buchdruckerkunst in Basel wenige Jahre
nach der 1460 erfolgten Gründung der dasigen Universität eingeführt
sein mag. Was auch sollten die nach der Eroberung der Stadt
Mainz um 1462 dort ausgewanderten Druckergehilfen Gutenbergs
und Fust & SchöfiFers in der Zwischenzeit getrieben haben? Ist
es nicht natürlich, dass sie die erlernte Kunst, deren Einträglichkeit
sie kannten, alsbald für sich auszubeuten suchten, nachdem Krieg
und Plünderung ihnen Grund zur Lösung des Contractes mit ihren
Meistern geworden war?
Ganz ungerechtfertigt ist daher die Aengstlichkeit , mit welcher
man sich scheut, die vielen vorhandenen undatirten Drucke in eine
frühere Zeit zu setzen. Man ist darüber einig, dass gerade in den
frühesten Zeiten die Typographen es unterliessen , den fertigen
Prodw^en ihre Firma und die Jahrzahl beizusetzen; ganz natürlich
befolgten sie dabei die Weise der Schreiber, die ja fast nie den von
ihnen gefertigten Copien einen derartigen Zusatz anfügten.
Da nun die neue Kunst die alte ablöste und zudem aus vielen
der früheren Schreiber oder „Kleriker" geradezu Drucker wurden,
so -war es selbstverständlich, dass man die alte Manier vorläufig
beibehielt und dass die Gewohnheit, in einer Schlussschrift den Ort,
die Zeit und den Namen des Verfertigers auszudrücken, mit weni-
gen Ausnahmen erst eine spätere Usance der Typographen wurde.
Es ist damit nicht ausgesprochen, dass oMe undatirten Druck-
werke älter sein sollen als die datirten; die Entscheidung über den
einzelnen Fall wird jedesmal von äuseren Merkmalen bestimmt sein,
über die der Kenner leicht klar wird. Betrachtet man zum Exempel
das in nächster Nummer näher beschriebene Opus, so kann man
gar nicht übersehen, dass der Druck ein noch höchst unvollkommener
und unregelmässiger ist; das Register der Zeilen ist ganz ungleich
eingehalten; die Druckerschwärze dick, klecksig, ungleich aufgetragen
T— mit einem Worte: man bemerkt alle Unebenheiten und Un-
2o6 — Basel. —
fertigkeiten , die man von einem der frühesten Druckdenkmäler
nur erwarten kann.
Wie sollte man sich nun da bedenken, diesen undatirten Druck,
der dieselben Typen hat wie das mit dem N'afnen Rttppels ver-
sehene „Repertorium vocabulorum", in der Zeit dem letzteren noch
voranzusetzen, da dieses ofifenbar schon mit viel grösserer Voll-
kommenheit gedruckt ist !
Wiederum können wir nicht umhin, auch dem „Vocabularium"
— denn auch von diesem seltenen Bibliothekschatze besitzt unsere
Sammlung ein Exemplar — für die Zeit seines Erscheinens mindestens
das Jahr 14:ßß anzuweisen, jenen undatirten Druck aber^ näm-
lieh des Gregorius ,,Moralia in Jobum'S dann schon um 14tß4 — 65
zu setzen, indem wir uns nicht ungern der Ansicht Brauns anschlies-
sen, der in seiner Notitia I, pag. 53 ff. der Thätigkeit Berthold
Ruppels in Basel schon um 14:H0 — 1460 das Wort redet.
Dass wir übrigens den frühesten schweizerischen Druckstädten
nicht das Städtchen Beromünster voransetzen, wo nach der irrigen
Meinung berühmter Bibliographen in der Schweiz zuerst gedruckt
worden sein soll, wird man uns nicht verargen. Dass ein Druck
von 1470 mit Jahrzahl von Beromünster existirt, beweist eben nur,
dass man dort zufallig früher begonnen hat, Ort und jfahrzahl
beizufügen. Wir kommen übrigens auf Beromünster weiter unten
ausführlicher zurück. —
No. 423.
C®ori I^agni ^,|aoraUa 0fu Äfpafltior in j>0bum/^
Basel ^ Berthold Kuppel, circa 1464. Gross Folio-Format
Schönes Exemplar dieser Editio princeps, welche in Brienne^s Exemplar die
von einem Käufer notirte Jahrzahl 146B aufwies, die aber jedenfalls noch älter ist,
wie wir es oben in den einleitenden Worten schon ausführlicher motivirten. Die
Ausgabe ist von den Bibliographen Bräunt Denis, Helmschrott, Panzer, Hain (No. 7936)
Brunet, Ehert etc. mit Ausführlichkeit beschrieben, und wenn man von der Aosfohr-
lichkeit auch auf gewissenhafte Sorgfalt schliessen darf, so ist zu sagen, dass allen
bisher beschriebenen Exemplaren ein in seiner Art wichtiger und interessanter Be-
standtheil gefehlt hat.
In unserm Exemplare folgt nämlich nach dem letzten Blatte noch ein halbes
Blatt, auf dessen beiden Seiten in Höhe der übrigen Columnen des Werkes sieh ein
Yerzeichniss der EmendoMda et Corrlgenda, also ein J>r%iek fehler - VtT'
zeiehnia» befindet. Es ist dies nnsers Wissens das erMte JElrzeugnit8 dieser
Art, das bisher bekannt geworden ist und bietet daher nicht weniger an sich als
historisches Denkmal, wie im Zusammenhange mit dem hierdurch erst ganx voü-
ständigen Werke selbst ein hervorragendes Interesse. Dieses Yerzeichniss beginnt:
„ttenerfittiniiiio (sicl) tii . j . elapfns qpp*** ^^<^ schliesst auf der Kehrseite mit Zeile
47 in den Worten „Deo Sracias'*. Wir glauben sicher, dass der prachtig erhaltene
Foliant zu den ülUaten. Druckdenkmälem der Stadt Basel zählt, wenn das Werk
nicht den frühesten Baseler Druck überhaupt bildet. —
— Basel. —
207
No. 424.
dmxtiim it Hture, 9[urtcen|i0 ecle|!ae (Kantor: ^^Urpertorium
^ocabttlorum/*
Basels Berthold Rnppel, circa 1466. Klein-Folio.
Dieses ist der von uns ebenfalls in den Einleitungsworten schon erw&hnte
seltene Bibliothekssohatz , dessen Existenz wir allein die Bekanntschaft mit dem
ebrenwerthen j,Bertoldus in basilea'^t wie er sich in den einleitenden Versen nennt,
verdanken. Ueber die Docimiiente, aus welchen herrorgeht, dass er (und der spätere
Nürnberger Heinrich Kefer) Gehilfe Outenberg's gewesen sei. sowie eine ausführ-
liebe Beschreibung des vorliegenden Werkes m5ge man in Stockmeyer & Reber
«Geschichte der Basier Buchdruckerkunst* 1840, nachlesen.
Auch in Haines Repertorium findet man die Ausgabe unter No. 11642. Das
Werk selbst giebt in alphabetischer Ordnung Worterklärungen auf dem Gebiete
eUasischer Literatur mit besonderer Berücksichtigung doppeldeutiger Stellen. —
um 1469 bi0 1491.
Wenssler druckte zuerst in Verbindung mit Friedrich Bielf
dessen Name sich nur in Einem Werke findet, das wir in nächster
Nummer kennen lernen werden; später arbeitete er allein und mit
Bemard Michel zusammen.
Q^ Wenssler war von Strassburg [gebürtig und erhielt das Basler
Bürgerrecht im Jahre 1473. Man hat jedoch den Beweis, dass er
bereits im Jahre 1462 in Basel gewesen ist, denn in der „Matrtcula
Studiosorum Unvversitatis Basileensis" liest man unter dem Monat
Mai des Sommer- Semester's 1463 ^ dass er dort das Immatricula-
tions-Geld entrichtet habe, mit folgenden Worten: „Michahel Wen-
senler (sie!) de Argentina dedit totum." Ihm war ein ähnliches
Schicksal wie Gutenberg aufgespart; die Erfolge seines Fleisses
blieben aus, und zum Schlüsse war er genöthigt, seinen Hausrath
und die ganze Werkstätte den Gläubigern zu überlassen.
£r ist darauf nach Frankreich ausgewandert und kam zunächst
nach Cluny in Burgund, dann nach Macon und starb schliesslich
2u Lyon. Wir verdanken diese interessanten Daten der vortreff-
lichen Schrift A. Claudin's: ^Origines de Timprimerie ä Albi en
I-anguedoc** , Paris 1880, wo sie in einer Anmerkung auf Seite 61
gegeben sind, und der Verfasser zugleich eine Special- Studie über
den Typographen Michael Wenszler in Aussicht stellt. —
2oS — Basel. —
No. 425.
<$«fpatutu9 1liar;i}iu9 ISergamfiiftd : ^^ITtber €ptfloUntm^
Basel^ Michael Wenzler & Fridericus Biel, circa 1469.
Klein Folio-Forraat.
Seltener Baseler ErstUnggdruck mit den ältesten Typen, die man von diesem
Druckorte kennt. Bei Reichhart „Druckorte des 15. Jahrhonderts" findet maa dM
Werk sogar als erften Baseler J>rueh veraeichnet, doch ist die dort angenommme
Jahrzabl 1472 jedenfalls eine viel zu späte, sowie man überhaupt die undatixtes
alten Baseler Drucke nicht weit genug zurückversetst
Auf Blatt 1 verso werden dieee Briefe des Barsiadus mit sehn Oistiehen er-
öffnet, in welchen Mains die Stadt genanat wird, in der die Druckerkunst erftmdm
wäre, die Jedoch Basel erst zu Ehren gebracht hatte; weiterhin nennen sich ,^ik*-
liel tapiomut 9tnf}in** und ,,6iel fribmcns" als Drucker des Werkes. Hain No. J69&.
In Stockmeyer & Keber''s ,Buehdruckergeschichte von Basel" liest man auf
Seite 7 von einem Exemplare, welchem der Käufer die Jahrzahl 1472 beigeschriebea
hatte. Es wird daran die Bemerkung geknüpft: , Sonach w&re also dieses Jahr das
früheste, aus welchem Basel mit voller Gewissheit eine Leistung in der Buchdrucker^
kunst aufzuweisen hat**
Man mus« gestehen, viel Mühe haben sich die Herren zur Ehre ihrer Yatentadt
nicht gegeben, sonst hätten sie finden müssen, dass eine ähnliche Inschrift is
Briennes Exemplar von »Gregorii Moralia in Jobum* (No. 428) von Bertold Ruppel
gedruckt schon vom Jahre 14tC8 existirte, von der auch Brunet und Ebert berdts
20 Jahre vor Erscheinen der «Baseler Buchdruckergeschichte" berichteten.
Der berühmte Wackemagel knüpft daran in der Vorrede, die er zu dem Werke
Hchrieb, sogar die stolzen Worte: es fehle in genannter Buchdruckergeschichte «aach
keineswegs an solchen für die Grelehrten- und Bücbergeschiehte immertiin bedmien-
den Resultaten, Daüiin gehöre die Feststelliing des Jahres 1479 als dasjenistn,
in welchem der älteste Baseler Druck spätestens erschienen sein müsse." —
Leider ist das Resultat dieser berühmten „Feststellung" ein durchaus negatives,
indem es zur Verwirrung und Hemmniss wie kein anderes auf dem Gebiete biblio-
graphischer Forschung gesciiaffen ist. Es ist wie im vorliegenden Falle sehr natür-
lich, dass man einem Autor, der sich ein enghegrenztes Specialgebiet zu wissen-
schaftlicher Bearbeitung vorgenommen hat, ein grösseres Vertratten entgegenbringt
als man bisher in sich selbst und in die schon über diesen Gegenstand vorhandenen
Resultate zu setsen pflegte, und dass man an dessen Autorität, die er von vornherein
beaniprudit, auch gerne glauben möchte.
Man setzt voraus, dass sich ein solcher Autor bevor er das Wort ergreift, nicht
nur mit dem Vorhandenen abgefunden, das heisst gelesen, verglichen, gesiebtet,
sondern auch sein bestes Theil daran gewendet hat, es zu vervollkommnen: and
nun begegnet man auf dem manchmal recht muhevollen Wege Sehriftstellem von
Namen und Ruf, deren grosse Absichten an mangelhafter Durchdringung des sebon
vorhandenen Stoffes scheitern müssen, und- statt Vertrauen fassen zu können, moss
man doppelt misstrauen , *umsomehr wenn man die üble Erfahnmg, auf solche Art
missleitet zu werden, mehr als einmal zu machen genöthigt war.
Niemand wird sich aller Irrthümer zu entschlagen vermögen, aber man wird
von Special - Historikern verlangen können, dass sie sich die schon vorhandene be-
kannteste und wichtigste Literatur zu Nutze gemadht haben, ehe sie die Feder er-
greifen. Man wird femer verlangen können, dass Autoren, welche sich zu gemein-
schaftlicher Bearbeitung Eines Stoffes verbinden, ihre Meinung derart in Einklang
bringen, dass in dem was sie schreiben nicht Aussprüche und Widersprüche un-
vermittelt nebeneinander bestehen und sich gegenseitig paralysiren.
— Basel. —
209
80 lesen "wir aueh in der Vorrede Wackernagers noch auf derselben SdHä:
,Die Jahreszahl 1470 in der Unterschrift des zu Beromünster gedruckten Manuno-
trecius Ist samint dem ganzen Buche nur der Mainzer Ausgabe desselben von 1470
DMbgedruckt und das wahre Druckjahr ist frühestens 1474. So bleibt auch für
Beromfmster kein <eres Datum als 1472, das Datum der ersten dort gedmekteti
Ausgabe Ton Roderici Specnhtm vitae humanae. Der Slteste Basier Druck ist
tpütesiens von 1472« *).
Dagegen schreiben auf Seite 7 die Herren Stockmeyer & Reber das Folgende :
^Schwer zu trösten -werden diejenigen sein, welche die typographische Ehre unserer
Vaterstadt Basel darin suchen, dass sie der erste Ort in der Schweiz gewesen, wo
ein Buch unter der Presse hervorgegangen sei. Diese Ehre macht uns das KloMer
Beromünster im Aargau streitig, welches ein topographisches Monumetit aus dem
Jahre 2470 aufweisen kann ** —
Wie soll sich nun ein Unbefangener, wohl gar ein Lernender zu diesem Ge-
wühle von Unzulänglichkeiten und Widersprüchen, das autoritätsvoll als Special-
Studie auftritt, verhalten ? Sollte man den Herren wohl gar Glauben schenken, wenn
sie weiterhin auf Seite 87 von der Antiqua - l^pe als einer plumpen Mlfnehs-
sehriftf einer eckigen aehwerfälligen nogenannten gothischen Schrift
sprechen? Oder thut man da nicht besser AUp8 zu bezweifeln, was man nicht
selbst gesehen hat? Wir gestehen, dasa wir bisher auf letztere Weise, und mit den
Originaldrucken In der Hand, am klarsten haben sehen gelernt. —
No. 426.
^^19ocabulariu0 juris utrtuöque.**
Basels Michael Wenszler, circa 14 7 3* Klein Folio-Format.
Dieses juristische Wörterbuch eines unbekannten Verfassers hat weder Firma
noch Datirung, aber die Typen stimmen mit denen, des Michael Wenseler nberein,
und wie Helmschrott in seinem Yerzeichniss von 1790 berichtet, ist in dem Exemplare»
welches sich in FüMen befindet, von ganz alter Hand die Jahrzahl 1478 eingeschrieben.
Eine Besonderheit Wenszlerscher Typen ist ein eigenthümliches Y, welches am
Fasse eine nach links gehende Schlinge hat. Aber nicht in allen Drucken Wenszler^s
kommt dieses V vor; so ist b^spielsweise in den mit Datirimg und Firma ver-
sehenen Constitutiones ClemeQtis V. von 1476 ein anderes V in Anwendung ge-
kommen, welches diese Schlinge nicht hat. Vergleiche Nr. 429 unserer Sammlung. —
Eine oflüene Frage bleibt, ob der Gesellschafter Wenszler^s, Friedrich Biel, den
wir bei voriger Nummer bemerkten, auch Antheil an späteren Werken gehabt; sein
!Name findet sich bei keinem mit Firma gedruckten Baseler Buche wieder. Der Ar-
tikel , Vocabularius* fehlt bei Hain gänzlich ; die Ausgabe Ist Jedoch von den Biblio*
graphen Loire, Braun, Helmsclirott, Panzer (L Seite 196) zur Genüge beschrieben. —
No. 427.
^i9]taepitcmc0 Sr^eologicae be <9ncarttatione et ^anramentta/^
Basels Michael Wenszler, circa 1474. Gross Folio-Format.
Höchst seltener Druck mit den Wenszlerschen Typen und dem charakteristischen
V, den Denis auf Seite 647 des Supplementes anonym anf&hrt; nach ilun geben
*) Mit dem oben festgestellten ^ahre 1468 für Basels Priorität würde der Ver-
^Mser vermöge einer kleinen Mühe des Nachschlageos vollends getröstet worden
•ein. — Die bizarre Idee, den Beromünster „Mammocrectus* für einen Nachdruck
der Sehöfierschen Ausgabe zu halten, werden wir unter ^Beromünfie** in nähere
Betracbtong dehen. — >
14
210 — Basel. —
PUiser IV, Seite 182, unter den Dzticken «sine loco, anno et typographo", und Hain
unter Nr. 13641 kurz den Titel, ohne das seltene Werk gesehen su haben.
Diese , theologischen Fragen über die Menschwerdung und die Bacramente*' ent-
halten 770 Blätter in 2 Spalten gedruckt und beginnen auf Blatt 1 mit: ,,Qia falnator
mrll bis i||'Bi rpvM\\(Uflt ängelo) || pöynl« fnn fal-Hatt fadens a i^tcH cutis tor}, nii
9t B ritotis ift ipfo || btauw|lrasit.*^ Blatt 2G5 verso, Spalte 1 schUesst: „^ fU t|i fmt,
IX^. Dann folgen b Blatt Register.
Dieser auch Stockmeyer A Reber unbekannte Druck war also, wie es scheint,
hundert Jahre hindurch verschollen, und wir freuen uns um so mehr, ihn als
Wensderschen Druck den Lebenden wiedergeben su können, unser wohlerhaltenes
Exemplar befindet sich noch im alten schönen Original -Ledereinbande mit reirbom
Metallbeschlage. —
No. 428.
Ci)rtUt ,^5prcttlum fapirntmc.**
Basel ^ Michael Wenszler, circa 1475* Klein Folio-Format.
Der Verfasser dieses ursprünglich in gpriechischer Sprache erschienenen »Spiegel
der Weisheit**, eines Fabelbuches mit moralischen Anwendungen, ist nicht CTrillus,
Bischof von Jerusalem, wie Hain unter Nr. 5903 angiebt, auch nicht der gleich*
namige Bischof von Basel, wie Panzer in seinen Annalen der alteren deutschen
Literatur, sich auf Jocher^s Gelehrten-Lexicon berufend , glauben machen will , son-
dern CyriUuB axts Tessalanich, Apostel der Slaven, -welcher im 9. Jahrhunderte
lebte. Vergleiche hierüber auch die Untersuchungen in Millin^s Magasin encydo-
pÄdique, Paris, 180*<, tome U, Seite 17 und folgende.
Das Werk gehört ebenfalls den ohne Angabe des Typographen und der Jabnabl
erschienenen Arbeiten der Wenszlerschen Offisin an, und ist mit denselben Typen
wie das vorhergehende gedruckt. —
No. 429.
<2riementt0 9. .^Coufltttttioned.'^
Basel, Michael Wenszler, 1476. Gross Folio-Format
Der Text ist mit der schon bekannten Type gedruckt, aber mit einem andern
Y, — vergleiche Nr. 42ß unserer Sammlung — ; die Glossarstype ist eine kleinere.
Hin und wieder treten römische Majuskeln auf. Auf Blatt 70 recto befindet sich
in der achtzeiligen rothgedruckten Schlussschrift die Firma und vollständige DaU-
rung. Auf Blatt 70 verso befindet sich ein Register und dann folgen noch 4 Bttktar
mit den Constitutiones Johannis XI i. Hain No. r>419. —
No. 430. ■
^ttttlü ^uBufltni „IBf «tuttatt 0tV'
Basel, Michael Wenszler, 1479, Gross Folio-Format.
Dieselbe gothische Schrift in zweierlei Grosse; auch bemerkt man im Mi^uskei-
Alphabete neben den Qothischen Buchstaben wieder solche in runder oder romischer
Form, sowohl in der grossen als auch in d^' kleineren Schrift Mit Pinna and
Datirung am Schlüsse. Hain Nr. 2058. -
— Basel. — 211
No. 431.
|Ktd)ÄeUö bf Äarel)Äno: ^^^tmonartuni tripHcatum per ab-
»mtum rt prr bnae quatragcfimaa/*
Basels Idichael. Wenszier, 1479. Folio-Format.
Dieses Predigtbaeh für die AdTents- und Fastenzeit ist im Texte mit der kleinen
Type, In den Ueberschriften mit der grösseren gedruckt. Von den auch hier im
Texte eingestreuten römischen Minuskeln tritt besonders häufig las 8 auf. Mit
Pinna und Jahrzahl am Schlüsse. Hain No. 4509. —
No. 432.
(Srattattt ,)l9rcretttm cum apparatu^^
Basels Michael Wenszler, 148h Gross Folio-Format.
Mit neuen verbesserten go^S(^en l^pen gedruckt, bei denen wir vier Grössen
unterscheiden. Die kleinste dient für den Glossar, eine grössere bildet den Text,
die dritte Grösse die Titel der Glosse, und die gprosste giebt die ueberschriften der
Seiten, welche roth gedruckt sind. Der durch solche Verschiedenheiten wohl sehr
compliflirte Druck imponirt durch Correctheit und Bleganz. Hain No. 7895. —
1472 bis 1486.
Der dritte Baseler Typograph, welcher zuerst mit J^uppel, auch mit
Wenszler gemeinschaftlich gedruckt hat. Seine Nachkommen druck-
ten in Strassburg, wo wir ihnen bereits unter Nr. 297 bis 300 &
No. 305 begegneten.
No. 433.
,)1Btblta facta tJuljata.*^
Basel) Bernhard Richel, circa 1472* Zwei Bände in Folio.
Die älteste der drei lateinischen Bibelausgaben Bernhard Bichels, welche der-
selbe bis 1477 selbststandig zuwege gebracht, nachdem er auch schon mit Ber&iold
Suppel oder Rodt gemeinschaftlich eine Vulgata gedruckt haben soll, indem er dazu
den zweiten Band lieferte. Man kann also sicher annehmen, dass die Entstehung
der obigen frühen Ausgabe in die Zeit von 1470 bis 1472 fallt, und eben so wahr-
scheinlich ist es der evMte selhstständige RicheV^che Druck.
Unser in Jeder Beziehimg prachtig erhaltenes Exempli>r ist in zwei Bände ge-
bunden; die Originalbände sind sorgfaltig restaurirt, so dass das Ganze wie neu
erscheint Die schone Biblia ist so selten, dass nach Reber's „Baseler Bnchdrucker-
gescbicbte*' die Stadt Basel selbst kein liSxemplar davon besitzt. Die Type ist der
älteren des Michael Wenszler sehr ähnlich. Jedoch etwas kleiner. Hain No« S041. —
14*
212 — Basel. —
No. 434.
drttttni ffjircretum cum a^iarttii^^
Basel 5 Bernhard Richel, 1476« Gross Folio-Format
Der Text ist mit derselben Type -wie die vorstehend beschriebene Bü>€l, die
Olosse mit eioer kleineren gedruckt. Hain No. 7889* —
No. 4a5.
„Äitt bürbltn ber jit/*
Basel, Bernhard Richel, 1481* Folio-Format
Die erste Ausgabe der deutschen Uebersetzung des bekannten ,Fa8ciealiis tempo-
rum", wovon wir rine lateinische und eise deutsche Ausgabe bereits unter No. 837 ft
848 kennen lernten. Verfasser des Werkes ist bekanntlieh Werner Rolevinck von
Laer. Die Ausgabe entibilt einige unbedeutende Holzschnitte.
Die naive Schiassschrift mag hier noch Fiats finden: ,,|»tbnufct Ober ^tnifi f«to
«üb reis bttr4 ^mnn^fler flrmliart )tiil|el Imrgrr ;ii || flaftl al0 moTjatt «o4|t ber setart
4riflL A. cccc . itni. ior pribit fit. iSeytnubrtf .** Hain No. «959. ^ unser pridi-
tiges Exemplar ist in Deckel 7on fächenholz gebunden und mit stark vergeude-
ten Scbliessen versehen. —
No. 436.
1|u9ani0 OTarbinalid ^^|3ofltUa fttper qitatitor <SDattgelia^^
Basel 9 Bernhard Richel, 1482. Folio-Format.
Bei dieser „Evangelien-Erklärung« kommt schon eine neue Type von verbesser-
tem Schnitt in Anwendung; sie findet sich in dreierlei Grösse vor. Firma and
Jahrzahl stehen auf Blatt 1 verso und auf Blatt 108 recto am Schlüsse des Matthias.
Hain No. 89TO. —
No. 437.
),?africulti0 tempontm.^^
Basels Bernhard Richel, 1482. Folio-Format
Diese Ausgabe des lateinischen Fasciculus, merkwürdig durch die viel&eh eitirte
Nachricht von Erfindung der BucMruckirkumt , die sich hier auf der vorletiten
Seite, nicht aber in der deutsehen Ausgabe von 1481, welche wir oben beschrieben
haben, vorfindet, ist der letzte JDruek Bernhard Richers, mit Firma und JahnahL
Die Ausgabe hat dieselben Typen und Holssohnitte wie die vorige. Hain No. C9SIL —
(£bfrl)art /romolt,
1481.
No. 438.
Solfanne0 be Surrrcrrmata: ^^Iftuaeflionea mangelicontm tarn
be tcntfiore quam be fanctis et ftos tt)ealo9iae/^
Basels Eberhard Fromolt, 1481. Folio-Format
Der erste Druck Fromolt's, von dem man überhaupt nur »wei Produete kenm,
beide von 1481. Der zweite Druck ist Oldradi ,De laude consilia Juridica« vom
— Basel — 213
19.NoTaiiber desselben Jabies, während der vorliegende Druck vom 84« Juli datirt.
Hidn 15716b Das Exemplar ist vonfiglich schön in rothes Leder gebunden und mit Me
l^beschlag versehen. -»
1478 bie 1518.
Amerbach erlangte im Jahre 1483 das Baseler Bürgerrecht. £r
ist einer der berühmtesten und gelehrtesten Drucker dieser Stadt;
sein jüngster Sohn Bonlfadus wurde ein hervorragender Rechts-
gelehrter und Alterthumskenner, zugleich der vertrauteste Freund des
Erasmus von Roterdam. Später druckte Amerbach auch mit Johann
JB'roben und Johann Petri von LangendorfF gemeinschaftlich. —
No. 439.
^anctt ^itrelü ^u$iußtiti |,|9falmontm eirfilanttior^^
Basels Johann von Amerbach, 1489* Folio-Format.
Bditio prineeps dieser Psalmen -Erklärung. Mit goihisohor Schrift gedruckt.
Firma und Datirung befinden sich auf dem letzten Blatte. Hain Nr. 1971. Das
gttterhaltene Exemplar hat noch den alten Original-Ledereinband. —
No. 440.
^uguftinu0: ^ßt €tui||tate jBti cum commento.^^
Basel^ Johann von Amerbach, 1490. Folio-Format.
Hit gothischerType gedruckt Es ist dies die aweite Amerbaoh^sohe Ausgabe, denn
im Jiüire vorhw schon erschien eine Auflage dieses mit dem Comm^ntar von Thomas
▼alesiuB und Nicolaus Triveth verbundenen Werkes. Auf der Kehrseite des Titels
befindet sich eine Holzschnitt- Abbildung. Bis auf die veränderte Datirung am Schlüsse
stimmen beide Ausgaben völlig überein. Hain No. 2066. — Unserm Exemplare in
altem Original- Ledereinbande ist noch eine Ausgabe von ,De Trinilate" 1490 an-
gebunden; sie kommt hier nicht in Betracht, weil die nächste Nummer ein zweites
Bxemplar davon bringt — ,
No. 441.
^uguHiTitt«: ,^8e 8:ttnitate^^
Basels Johann von Amerbach, 1490* Folio-Format.
Zweite Auflage dieses schon 1489 bei Amerbach erschienenen Werkes mit
goflktscher Typ^ gedruckt ; mit der Jahrzahl am Schlüsse des letzten Buches , und
mit Fbcaa am Ende des noch folgenden Registers. Hain No. 2039l —
No. 442.
Cafpobori «ariffimi 5ena||t0rt0 ^,tn ppilteriü fJrpo(itio*^
Basel ^ Johann von Amerbach, 1491« Folio-Format.
Mit gofhischer Type gedruckt und mit Datirung und Firma am Schlüsse. H&in
Ä. 4W4. —
214 — Basel. —
No. 443.
^ancti ^mbropt ^^Spcra^^
Basel^ Johann von Amerbach, 1492* 3 Bände in Folio. W^-
Die erste Gesammt-Ausgabe der Werke des heiligen Ambrosius ^^oi^ '^'"^^^'^
und gothischen Typen gedruckt. Im dritten Bande findet sidi am Schlüsse der
ftEpistolae" und wiederholt am Sohlasse der „Sermones'* die Firma imd DatiruDg.
Hain Nr. 88d. —
No. 444.
Fransciscus Petrarcha: „Opera."
Basel ^ Johann von Amerbach, 1496* Folio-Format.
Die Werke des Petrarcha sind ganz mit romischer Schrift gedruckt. Am Schlüsse
auf Blatt 867 stehen Firma und Datirung, wonach noch 81 Blfitter Register Mgen.
Hain No. 1«749, —
^of^umti ht |Br|!dtrn ober ^rftdiein,
. 14^3.
Dieser wenig bekannte Drucker aus dem württembergischen
Städtchen Besigheim erhielt 1478 das Baseler Bürgerrecht, siedelte
aber 1492 nach Rom über, wo er mit Sigmund Mayr, dann mit Martin
von Amsterdam gemeinschaftlich druckte. —
No. 445.
<3ot)anne0 inoefd): ^,Slractatu9 br l^ons canamcia bicenbtB".
Basel^ Johannes de Besickein, 1483. Klein Quart- Format.
Der einzige von seiner Wirksamkeit in Basel bekannte, höchst seltene Drae
dieses TyjMgraphen, denn eine Ausgabe desselben Werkes von 1489, welche Maittaire
Seite &11 dtirt, ebenso die von Hain unter No. 115S2 ohne Jahr angeführte sind
wohl fabelhaft und wahrscheinlich identisch mit der vorliegenden von 148S. Hain
Nu. 11588. —
i486 bi0 1509.
Wurde schon 1480 Bürger von Basel; 1496 Meister zum Schlüssel;
1500 Deputirter. In einem Gedicht, welches Sebastian Brand dem
Kesler'schen Drucke mit Firma ohne Jahrzahl: „Margariu Decre-
talium" vorangesetzt hat, lautet ein Vers: „Consule te gaudet Basüea
et cive probato.'* Aus diesem Consul folgert Denis, das Kesler
auch „Bürgermeister** gewesen ist, ohne die geringste Bestätigung
durch die Archive hierfür zu finden. Der kühne Schluss wird wohl
mit Recht von Schweighauser in seinem Manuscript über die Baseler
— Basel. — 215
Buchdrucker, welches die Herren- Reber & Stockmeyer zur Abfas-
sung ihrer schon erwähnten „Baseler Buchdruckergeschichte'^ be-
nutzten, als unrichtig bezeichnet. Die Frage der Letzteren, „was
Brant alsdann durch den Titel Consul habe andeuten wollen'S be-
antwortet sich ja von selbst dahin, dass „ein Meister vom Schlüssel*'
und „Deputirter** einer Stadt vom Dichter auch sehr wohl ihr „Be-
rather" genannt werden kann. —
No. 446.
Petri l^ombarM ^»Sefttta Senlftitiamin^^
Basel 9 Nicolaus Kesler, i486« Folio-Format.
Der erste datirte Druck Keslers. Am Schlüsse des mit sehr Bchöner gothisoher
Type gedruckten Werkes befindet sich seine Firma und die Jahnsahl, wonach
17 Blätter Register folgen. Hain No. 10190. —
No. 447.
„toncorbilie liiblu i €anonü cü' Sli-||tuUft irrcretaliü to-
tittfqj ^ttrifctttiltd/'
Basels Nicolaus Kesler, 1487« Folio-Format.
Diese Ausgabe der Bibelconcordanz des Johannes, Abt von Nivelles, hat gothische
Schrift und Firma mit Datirung am Schlüsse. Hain No. 9416. — Angebunden ist
in dem alten gut restaurirten Holzbande noch „Margarita decreti", Strassburg 148*?,
welches hier nicht in Betracht kommt. —
No. 448.
,,1@iblta facra lattna.^*
Basels Nicolaus Kesler, 1487. Folio-Format,
(idthischer Druck. Nach der Apokalypse steht das Colophon mit Druckfirma
und Datirung; auf dem nächsten Blatte folgt noch eine Abhandlung von den Ueber-
setzero der Bibel; auf den folgenden sechs Blättern sind die Episteln und Evangelien
für das laufende Jahr verzeichnet und den Schluss bilden „Interpretationes" hebräi-
wher Namen, welche noch 22 Blätter einnehmen. Hain No. 3l(J0. —
No. 449.
^jCafuö bfcret0rum 13ari|ll)0lomfi ISriirtenfi».*^
Basel 9 Nicolaus Kesler, 1489« Klein Folio-Format.
Einer der vielen Commentare über das Decretum Gratiani, welches noch «ur
2eit des Verfassers, Bartholomaeus von Brescia im Anfange des 12. Jahrhunderts
eine grosse literarisobe Bewegung in der theologischen Welt ausübte, zumal erst
ein balies Saculum nach seinem Erscheinen verstrichen war. Das Werk ist mit
gothiscber Type gedruckt, hat die Firma des Druckers und Datirung am Schlüsse.
Hain citirt die Ausgabe unter No. 2472, ohne sio gesehen zu haben.
2l6 — BascL —
No. 460.
^fSwttx Sporne it ^qttino fcrqitd || ab ^anibalbn tjfxpfi
fviftr qitat||titot Ubro« fententiarttm/'
Basel, Nicolaus Kesler, 1492« Folio-Format.
Diese Anegabe dee Commentars fiber die vier Büdier SetUeneen des Petrus
Jbosibardas ist nit gotiüscber Type gedzuckt und liat am Schlüsse Pinna und Datirung.
Hain f&hrt diese Ausgabe nicht an ; Panser I Seite 171 No. 141 halt sie för einen
Theil des „Textus sententiarum cum conclnsionibus Henrici Gorichem*' , von Kesler
ebenfUls 1493 gedruckt. Wir besitsen diese Ausgabe zur Zeit noch nicht, besveifeln
aber Panser's Ansicht und bitten Besitzer der genannten Ausgabe zu yergleicben:
Obiger Titel steht auf dem ersten Blatte; das zweite Blatt beginnt: Söfitt a2»«U||oef
qni com-, lyifcitif uu i a graeratöil» n nHi impUni.^ Am Schlüsse des Registers steht
unter dem Druckerzeichen: ^yScriyto beati S|^onu ab i^anibolbitm tyitni in gutur
Ubrof fenUiitiarti fininnt ftUciter in offi- cina Hicolai ktPitr dnii iBafilieiilif inpreffi.
31« II «0 0 portn oirginis falntifero. M. cccc . wdl" Das Werk z&hlt 158 Bl&tter mit
Signaturen in 8 Columnen gedruckt; die vier letzten Blatter, welche das Register
aufweisen, sind jedoch in 3 Columnen getheilt —
No. 451.
ftinraiflui beuotifltlmiq; beati $rmar||bi abbatta Clareual-
'le|i0 . tnftgne opua || Sttmtfm be trmpr firrcipuifq^ fr|)tui|i
tatibua nc qntbufbam ffiectalibue ina-||tertj0 3^eliciter inctpit.^^
Basels Nicolaus Kesler, 1495. Folio-Format
Am Schlüsse dieser mit gothischen Typen gedruckten Ausgabe der Predigten
des Bernard von Clairvaux befindet sich Firma und Datirung; dann folgen noch
7 Blätter Register. Hain No. S848. —
^acob von Pfor^l)rtm^ aud) Pforl^rn^
|^l)orc|rn^ pforr^rn^
1488 bis 1518.
Ein aus Kempten, nicht wie man glauben konnte aus Pfortzheim
gebürtiger Typograph, der schon im Jahre 1482 das Baseler Bürger-
recht kaufte. —
No. 452.
^fiitt bucetort rt triginta fummort || fiotttifim: a brato |9rtvo
aiioftolo||Dfq3 ab «Suliü fecunbü mobernum || |9ontt(icrm/^
Basel 5 Jacob von Pfortzheim, 1507» Folio-Format.
Uat«r obigem Titel befindet sieh ein Holzschnitt, welcher den Papst thronend
darstellt. Das Werk giebt eine Ijebensbeschreibung der P&pste yom Apostel Petrus
bis Aut' Julius II. Auf der vorletsten Seite des mit gothischen Charakteren gedruck-
ten lluehes befindet sich die Druokfirma und ToUstandige Datirung« —
— Basel. — 217
No. 458.
Basel^ Jocob von PfortzheiiDy 1510* Folio-Format
Pr&chttg roth und schwarz gedrucktes Chorbuch für die DiSsese Salzburg, welches
man zuerst in Nürnberg, dann in Basel und später in G51n drucken liess. Vor
Bhtt 162 befindet sich ein 13 Seiten langer Canon auf Pergament gedruckt mit aus-
gemalten figürlichen Initialen, vor diesem ein blattgrosser Holzschnitt, die Kreuzi-
gung Christi vorstellend. Der Canon ist mit einer sehr grossen schonen Psalter-
type gedruckt —
No. 454.
^f(!ldirieU0 ISiel facre tl)eofofil)te ltce|{ttati noftre temfiepiatis
pfunMffimt: facti || canottb ini|fe tarn m])|ttca q3 l{Uera-||U9
tjnfß^Xm itmia fumma cü Mlil^entia itcrü atq3 itcrü rruifa
iticorrecta: ml)tl be pnoribuejlamiffid: aliquibuef ttt tii ||
in (olünid: tu in mar{|9mibu0 abbttis: q-|bu0 facilius ra
q II nitit Irctor in-||ttfnirt jiöt/*
Basel ^ Jacob von Pfortzbeim, 1510« Folio*Format.
Bine gesichtete imd verbesserte Ausgabe der Mess- Ordnung des Qabriel Biel.
Vor dem 18 Blätter starken Register befindet fleh am Sehlusse des Werkes die Firma
und Datirung. —
|«lid)ael /urter,
1490 feie 1517.
Durcb einen Druckfehler in einem seiner Werke: „Reforma-
torium vite morumque et bonestatis clericorum saluberrimum",
worin er am Schlüsse die Jahrzahl M. CCCC. XLTIII — statt
M. CCCCXCIIII — gesetzt hat^ erhielt Michael Furter eine Zeitlang
den Ruf nicht nur des ersten Baseler , sondern des alUr frühesten
Buchdrucker'' s überhaupt. Bald aber, als ein gelehrter Baseler selbst,
der Professor der Theologie Dr. Jacob Christoph Iselin, in seinem
historisch-geographischen Lexikon unter dem Artikel „Buchdruckerei"
den Irrthum gründlich erwiesen, hatten Basel und Furter auf diesen
leicht erworbenen Ruhm wieder Verzicht zu leisten. —
No. 455.
„iöf nioribu0 et || facttija mrnft/^
Basels Michael Furter, 1490* Klein Quart-Format.
Dieses seltene Bfichlein trägt zwar keine Druckfirma, ist aber suverlässig einer
<der ersten Drucke Michael Purter's in Basel, der von 1490 ab daselbst druckte.
2i8 — Basel. —
Dieselben Typen , aus welchen hier das gaose 20 Blätter umfassende Werkchen ge-
druckt ist, finden wir haargenau wieder in Gregorii Libri dialogorum von 1496,
wo der Drucker sich am Schlüsse nennt. Dort sind dieselben Typen cu den Cafit^
l'eherachriften verwendet. t
Dieses MTischbnchlein*' enthalt in launigen Hexametern eines unbekannten lata-
nischen Dichters die Anweisung, tote man sich bei Tische zu benehmen hat Za Jeder
einzelnen dieser poetischen Regeln hat der berühmte Sebastian Brant eine deulsek»
l'eberiragung in achtfüssigen Jamben hinzugesetst. Die Schlusssehrift bexdcbnet
Brant als den Uebersetzer imd setzt das Jahr 1490 dazu. Fehlt bei Hain, ye^
gleiche Panzer's Annalen No. 804. —
No. 456.
^jlTibri bialogorum fan| cli (ürrgarij papr."
Basels Michael Furter, 1496. Klein Quart-Format
Die vier Bücher Gespräche des Papstes Gregor des Grossen sind bis auf den
Titel, der in Missalschrift gesetzt ist, mit noch zweierlei gothischen Typen gedrack^
^on denen wir die grössere, welche zu den Ueberschriften dient, bereits in Sebastiaa
Branfs „Tischbüchlein*' antrafen; die Texttype ist äusserst klein und zieriicb« Am
Schlüsse steht die Firma mit der Jahrsahl. Hain No. 7966. —
No. 457.
^,|9aftorale brati || <5nr|ortj papf/*
Basels Michael Furter, 1496. Klein Quart-Format.
Trotzdem dieser Druck mit seinen äusserst niedlichen und schönen Typen nur
mit Druckort und Jahrzahl bezeichuet ist, erkennt man doch sofort den Drucker,
wenn man es mit dem ▼orbergehenden im gleichen Jahre hergestellten Werkchen
mit der Firma Michael Furter's vergleicht. Hain No. 7988, der beide Drucke in
Hunden hatte, sagt von einem Drucker nichts, obgleich schon Braun IL Seite 280
111) 1 nach ihm Panzer den Drucker genannt hatten. —
No. 458.
„JJaffia fancti llle^nrabi marti)ri0 et Ijerrmitr."
Basel ^ Michael Furter, 1496.
Seltenheit ersten Ranges, wovon nur noch wenige Exemplare bekannt sind.
Das unsrige stammt aus der berühmten Bibliothek von Firmin Didot in Paris. Es
giebt von dieser mit 81 Holzschnitten reich ausgestatteten Legende nur diese einiigo
mit beweglichen Typen gedruckte Ausgabe des 15. Jahrhunderts, und von einer
andern xylographischeti Ausgabe derselben kennt man nur noch ein einziges Exemplar.
In einer deutschet!, Ausgabe mit verändertem Texte, gedruckt von Abraham
(lUmperlin zu Freiburg in der Schweiz 1587, findet sich merkwürdiger Weise
der grösste Theil der Holzschnitte aus der vorliegenden Baseler Original - Ausgabe
wieder, und es ist wohl anzunehmen, dass sie von Basel aus dahin gekommen nnd.
In dem am Schlüsse stehenden drei lateinischen Distichen Sebastian Branfs, der
jedenfalls Verfasser oder Herausgeber des Büchleins ist, wird Michael Furter als
Drucker und das Druokjahr U96 angegeben. Die erwähnte deutsche Ausgabe von
1587 «-erden wir unter „Freiburg" ebenialls näher kennen lernen. Hain No. 12458- —
— Basel. —
219
No. 459.
^jKronica i^on itx || loblid^cn (£])bt|{9nofd)afl $x l)ar|{kömen
tinb fuft II fel^am (tritt mit || tiitb 9rfd)t(^ten/^
Basel, Michael Furter, 1507. Folio-Format
Verfasser dieser Chronik der Eidgenossenschaft ist Peterman Etterlyn, Gericht-
schreiber zu Luzern. Obiger Titel mit zoUgrossen Buchstaben ist ganz in Holz ge-
schnitten. Das Werk ist im Texte mit Schwabacher Schrift, bei welcher ganz auf-
fällig ein gothisehes V erscheint, in den Ueberschriften mit einer kleineren Missal-
type gedruckt. Mehrere Holzschnitte und Initialen bilden die |künstlerisch nicht
bedeutende Ausstattung des Werkes. —
1491 bl6 1527.
Der berühmteste und zugleich gelehrteste Baseler Drucker, von
Hammelburg in Franken gebürtig; sludirte in Basel und lernt«
dort den grossen Drucker Johann von Amerbach kennen, bei dem
er als Corrector thätig wurde. Nachdem er 1490 Bürger von Basel
geworden, begann er 1491 seine selbständige "Wirksamkeit, deren
Verlauf ihn zeitweilig mit Johann Amerbach und Johann Petri von
Langendorf als Socien, und mit den gelehrtesten Männern seiner
Zeit in intimen Verkehr, mit dem berühmten Erasmus von Roterdam
aber in die innigste Freundschaft brachte, und welche der Nachwelt
durch mehrere Grabschriften des grossen Gelehrten , die er nach
dem Tode Froben's verfasst hat, sowie durch zahlreiche Stellen in
seinen Briefen, als ein rührendes und erhebendes Denkmal über-
liefert wurde.
Trotz Froben's rastlosem Eifer und bewundernswerthem Streben,
womit er bis an seinen Tod mit Hilfe von 4 und später von 7 Pressen
über 300 meist sehr bedeutende Werke gedruckt hat, bemerken
wir gleichwohl ihn an der gewaltigen Bewegung der Reformation
durch Luther keinen Antheil nehmen. Rücksichten auf Erasmus
mögen dabei hemmend auf ihn gewirkt haben, eine Verläugnung,
die er sicher mit finanziellen Nachtheilen bezahlen musste, denn
der Absatz seiner Bücher blieb bald hinter den grossen, ihm auch
durch Beschäftigung von Künstlern wie Holbein, Urs Graf und
Anderen erwachsenen Kosten zurück, seit Luther's Werke in Schwung
gekommen. So ist denn Froben auch bei allen seinen Anstrengungen
kein reicher Mann geworden ; es ging ihm eben der Stolz auf seine
Kunst und die Ehre, welche er darin fand, Vorzügliches zu leisten,
über den Erwerb vergänglichen Gutes. —
220 — BaseL —
No. 460.
^^ütblia tnteora : fummatt : bt|,^nct« : «cmrathift rermeba-l
ta : Qtrinfqa trftantrnti cöicor-||banHj9 tllitftrata^^
Basel^ Johannes Froben, 1495« Klein Octav-Format
Diese seltene Bibelausgabe ist mit ganz feiner gothischer Diamantschiift gedruckt
und in Original -Schweinslederband mit interessanten Ornamenten gebunden. Haio
No. S118. —
No. 461.
„OPBM DIVI CAEICILn CTPEIANI EPISCOPII CABTHAGI-Hnenris,
ab innumeris mendis repurgata, adiectis || nonnullis libellis
ex vetuftiflimis exemplari-||bus, quae falR) uidebantur
infcripta, uni cu annotatiun||culis. Atqß haec omnia no
bis praeftltit ingen|;ti labere fuo || ERiSMYStRO |T£RODAMTS,
uir iu-||uandis optimis ftudijs natus. || IPVD INOLTTAM BA8I-
LBAM EX I ( OFFICINA PROBENIANA." Am s^^imse :2„ANN0, M. D. H."
Folio-Format.
Obigen Titel umgiebt eine schone Holzschnittbordüre ^von AmbrosiuefHolbeio,
dem alteren Bruder von IHans Holbein dem Jüngeren« Diese von {Brasmus jtod
Roterdam besorgte Insgabe der Werke des Heiligen Gjrpriaaus ist die erste Ge-
sammtausgabe. Der schöne Druck in römischer Schrift ist durch zahlreiche loi-
tialen höchst geschmackvoll ausgestattet. —
No. 462.
„OPBRA|i Q • SBPTmn FLOREN |TIS TERTYLLIANI INTBR LiTINOS
BOOLESIiB II fcriptores primi, fine quotü lectione nuUum diem
intermittebat olim di-Juus Cyprianus, per BBATYM RHfiNA-
NYM Seletftadienfem . ."
Basel^ Johannes Froben, 1528* Folio-Format.
Die zweite Ausgabe der von Beatus lUienanus herausgegebenen Schriften des Ter-
tnllianns, vrelche Johann Froben zuerst im Jahre 1521 druckte. Die sehr fehlerhafte
erste Ausgabe, welche nach zwei Manuscripten der Klöster Päterlingen und Hirs(^a^
gedruckt wurde, fand erst in einer dritten Ausgabe durch Heranziehung eines dritten
ManuBcriptes eine Berichtigung.
Der schöne Antiquadruck ist mit zahlreichen Initialen geziert, von denen einige
der Meisterhand des unbekannten Metallschneiders mit der Marke I. F. eatstanunea,
welche letztere von Einigen auf den Drucker Johannes Froben selbst, von anderen
auf Hans Frank gedeutet wird. Alter Original-Lederbaad mit Schliessen. —
— Basel. — 221
^oi^mme ^tx^mmn von 0ipt^
1494 W8 1499.
Bergmann aus Olpe ist besonders bekannt durch die früheste
Ausgabe von Sebastian Brant's „Narrenschiff* vom Jahre 1494. —
No. 463.
^)ilrrmanon oeterum fimctpü ;e-{|lu0 et frruor in d)n|ltanam
religi-llonmt brti|3 mmflxoB.^
Baself Johannes Bergmann von Olpe, 1497* Folio-Format.
Verfasser dieser Schrift y,über den anfänglichen Ei/er und die Hitze der alten
Oermemen gegen die chrittUdie BeUgion und deren Verbreiter'^ Ist Lupoid von Beben-
biiig, wie aus den luater obigem Titel befindlichen Distichen Sebastiui Brant's her-
vorgeht. Der schöne und interessante Druck ist bis auf den Titel und die Ueber-
scbriften, welche mit ziemlich grosser Missal schrift gedruckt sind, durchweg aus
glatter Antiqua gesetzt Hain No. S7S5. —
30l)aitnr0 pttri von ^jtngrttirorf^
1494 bis 1514.
Druckte das Meiste gemeinschaftlich theils mit Johann Amerbach
Tmd Johannes Proben, theils mit letzterem allein, nachdem er schon
1484 Bürger von Basel geworden war. —
No. 464.
f^3ttntma magilln ^ü\)inxfi || be fancto drntiniatto orbi-|{m0
fratrü {irebtcaton be er||em)iU0 t fttitubinibus rert/^
Basel, Johannes Petri von LangendorfF & Johannes Proben, 1499«
Klein Quart-Format.
Dieses mit Ueiner gotWaoher Type gedruckte compeodiose philosophische Werk
tragt am Schlüsse die Coalitions-Firma von Langendorff & Frohen. Hain No. 7546.^ —
Htcülaita jTatttpartfr^
1505 W6 1519.
No. 465.
„iBoctor ürantö Äarrenfdjtf || fü. accc, uttij. || «üt on
Btfac^/*
Basel, Nicolaus Lamparter, 1509« Klein Quart-Format
Diese immerhin seltene Ausgabe ist ein Abdruck der ersten vom Jahre 1494
ohne die sp&ter ron Andern hinsugefagten Verlängerungen. Unter obigem Titel
222 — Basel. —
befindet sich ein Holsschnitt, der ein mit Narren gefülltes Schiff yorstellt; es Iii
dies derselbe, den man auf dem Titel der lateinischen Üebersetzung findet, die 1497
Jobann Bergman von Olpe herausgab, wie denn auch die Jahizahl 1497 darauf be-
findlich ist. Unmittelbar darunter steht die gereimte Protestation Sebastian Brant^s
gegen die seinem Narrenschiff beigefügten Verlängerungen. Die Firma des Drucken
findet sich auf dem drittletzten Blatte des gothisch gedraekten Werkes. HeUer
Ledereinband mit reicher Pressung und Metallschliessen. —
^Hm ^ftri Bim fm^tnhox%
1509 bi0 1528.
Ein Neffe des Jobann Petri von Langendorff. Hervorrapend
durch seine zahlreichen Drucke Lutherischer Schriften, durch welche
er zu Reichthum gelangte. —
No. 466.
f,iBa0 pUnarinm || ober (Sman^rlii buod): JNnn||mer vn
XVintnttyl, öurd) bM gatift iat in eine tefee Sotisl
tag, ron feer seyt^ vnb von bi ^e iligen ♦ ♦ ♦ ."
Basel) Adam Petri von Langendorff, 1516. Folio-Format
Dieses mit Sehwabaeher Schrift gedruckte Evangehenbuch enthalt 186 schone
Holzschnitte; davon 6 blattgrosse von JSans Schäu/eldn mit seinem Monograoun,
einen von gleicher Gröese ohne das letztere, 40 von Urs Oraf, wovon die meisten
mit Monogramm, und 89 von einem unbekannten vortrefflichen Meister, sammtlich
io schönen Abdrucken. Die von Urs Qraf umfassen die vollständige kleine Passion
dieses Künstlers. — Schöner hellbrauner Lederband mit Messingbnkeln und
Schliessen. —
No. 467.
ii]9rtn ITombarbi || |9arr^9ftfnfi0 rcclrfir quon-||bam anttflittd:
uiri btuinarü reri fnt-'|bttttf!mt: drntntttannn Sr^us: jJft
capitula ac ca])itttm || « § . rrcrtttrr bifUnctttd: (EuUibrtqs
biptncttont %txix\a (SQri||d)nntj ppofittoitfe: (fgtbtj br ^oma
elunibratiäre : ||en{!nct be Primaria abbitiöes: • . }^
BftSely Adam Petri von Langendorff, 1516« Folio-Format
unter dem Titel befindet sich das Kolner Wappen mit dem Namen des Bach-
händler Ludwig Homken, auf dessen Kosten das Werk von A.dam Petri gedruckt
wurde. Der ganze Titel steht in einer Einfassung. Am Ende der .Distinctiones',
deren im Ganzen fün&ig sind, steht eine ausgedehnte Schlussschrift, worin nebst
der Angabe des Druckers der Verleger Ludwig Hornken genannt und die vollständig
Datirang gegeben ist. Darunter nochmals daaselbe Gölner Wappen.
— Basel. —
22
1509 big 1522.
Der Drucker Gengenbach war auch zugleich ein productiver
Dichter und der erste Dramatiker des i6. Jahrhunderts, dem Karl
Goedecke — Hannover 1856 — eine umfängliche Special-Unter-
nichung von XXVIII und 699 Seiten gewidmet hat. —
No. 468.
,,.IXlobu0 rli()rnbt ||
Creandi in coronandi Imperatore cüjjrorma iurameti necnö
tituli omnium || Regü Patriarcharü & Car."
Basels Pamphilus Gengenbach, 1519« Quart-Format
Höchst seltenes-, den Bibliographen unbekanntes Sohriftchen von nur 4 Bl&ttern
Umfang. Der Titel steht in einer von sechs Stocken gedruckten Holxsohnitt - Bor-
dire und ein weiterer Holzschnitt befindet sich am Schlüsse. Es enthält die Be-
adireibung der bei Wahl und Kronang des Kaisers üblichen Qebr&uche und die
Titulaturen aller weltlichen und geistlichen Ffirsten. —
No. 469.
Basel^ Pamphilus Gengenbach, drca 1522* Quart-Format.
unter dem Titel befindet sich ein Holsschnitt imd ein zweiter auf der Rückseite
desselben, welcher sich auf der Rückseite des letzten Blattes wiederholt. In den
Initalen P und G, welche über und unter dem Spruche: ^^iSpet nta itt bto rfl'' am
Sohlttsse des Sebriftcbens stehen » kennzeichnet nch der Drucker, welcher hier auch
sogleich Verfuser ist; unter dem Spruche befindet sich eine hübsche Querleiste. —
^nltreaa Cratanbrr^
1518 bj0 1536.
No. 470.
„BE ORIGINB GYELPHORYM, ET |1 GIBELLINORYM, QUI||BVS
OLH GERMANIi, ||^VNC ITALIA EXAR;|DET. LIBBLLYS 1| EEV-
BITYS. II In quo oftenditur, qnantum hac || in re CJarifs.
224 — Basel. —
fcriptores, Bartho-jjlus, Panormitanus, Blondus, Piatina &
Georgius Merula Alex| drinus, ä ueritate aberrauerint."
Baoel^ Andreas Cratander, 15 19. Klein Quart-Format.
Diese kleine Schrift von (nur 6 Blattern ^nber den Ursprung der Weifen und
Waiblingen mit Naehweisung der Irrthfimer älterer Historiker* ist mit rombeber
Type gedruckt und bat eine bfibsche 'Htelbordüre. —
No. 471.
„ALEXANIIDRI AFHRODISEI, SYPER ||
nonnullis Phyficis qu8eftio| nibusSolutionum || Liber. || ITBM||
Plutarchi Cheronei ArDa-||toriae narrationes. || ANGELO POLl-
TIANO INTERPRETER
Basel; Andreas Cratander, 1520. Klein Quart-Format
Eigenthfimliche Vereinigung der- tief philo8ophis<Aen Schrift des Alexander
Aphrodiseus mit den ,Liebe8geschicbten<' des Plutarcb zu Einem Druckwerke. Niebt
weniger bizarr ist die Bordüre des Titelblattes. —
No. 472.
^^i0a0 ber mifjuer-Uftatiö JD* ttlartin fiut^ere, rff We
ewig^llbftenötge wort, jDa6 ifl mein leib, || nit befton
mag* jj i6if anirr billid)f ant-||wört3oanni0i6coIampaMj*^
Basel; Andreas Cratander, 1527. Klein Quart-Format
Eine der Schriften des Johannes Oecolampadius, des Freundes ZwinglTs, welche
über dem Streite mit Luther betreffs der Abendmablslehre entstanden; sie ist mit
Schwabacher Typen gedruckt. —
1519 bi6 1535.
No. 478.
,,(Befpre* bied)Iin tteilw || *&avft\)an^''.
Basel, Thomas Wolf, 1621. Klein Quart-Format
Wie [alle in deutscher Sprache erschienenen Schriften Ulrich von HutUiCs ist
auch diese Reformationsschrift von grosser Seltenheit. Bei der Schwabacher Type,
mit welcher die kleine Schrift gedruckt ist, fällt das nach links herüberhangende J>
imd das in zweierlei Form vorkommende L sehr ins Auge» Drucker und Jahnahl
sind nicht angegeben. Vergleiche Bocking XLI, 1. —
Basel. —
225
No. 474.
,,SBerjaid^nüg mh || Äurglid^e anö^igung || in 65 iEuan^
geliu II 3oati. pi?ilippi || ttTeland)^||t^^cnd/'
Basel; Thomas Wolf, 1624. Klein Quart-Format.
Die Erkluning des Evangelisten Johannes ist wie alle deutschen Sohriffcen Melanch
thons von grosser Seltenheit Der Drucker ist nicht angegeben; am Ende steht nur:
Geendet im Äugst Monat |1 1.524. Im unteren Theile der Titelbordüre befindet sich
dM Drackerzeichen des Thomas Wolf: ein zwischen zwei Säulen stehender Mann,
der den Zeigefinger der rechten Hand auf den Mund leg^, mit der Ueberschrift:
„DIGITO C0MPE8CB LABELLVM«.
I^alentitt Curio^
1521 bi0 1535.
No. 475.
„VRBANI II GßAMMATICAE INSTITV||tiones, Graßcse, nunc denuo
fumma di||ligentia excuffse, & ä mendis || hactenus minus
obfer| uatas uindicatae, || Adhec|[quid operae (praeter fufficen-
tem principa]|lium locorum nunc additum indi-| cem) ex-
pectabis, epistola || fubfequenti re-||peries."
Basel, Valentin Carlo, 1530. Klein Quart-Format.
Diese Ausgabe der griechischen Grammatik in lateinischer Sprache ist mit
geringen Aendernngen Reproduction der Aldine von 1497. —
geinrid) petri,
1523 bi8 1579.
Der Sohn von Adam Petri von Langendorf. In Anerkennung
seiner Verdienste wurde er von Kaiser Karl V. in den Ritterstand
erhoben. Zum Unterschiede von den anderen Petri's nannte er sich
dann Henric-Petri und veröffentlichte unter diesem ritterlichen
Namen 1566 sein erstes Buch. —
No. 476.
„BN DAMS II DIODOM || SICVLI || HISTORICI GßAECI, QVAE NYNC
QYIDEM EXTARE NO-IJSCVNTYE OPERA, |1 NEMPE."
Basel; Henricus Petrus, 1581. Folio-Format.
Diese lateinische Ausgabe der Werke des griechischen Historikers Diodorus ist
nach Ebert's Meinimg ein Nachdruck der ersten sehr seltenen Ausgabe von Hierony-
mus Vietor in Wien 1516. —
^5
226 — Basel. —
No. 477.
„STEPHANI NI-IIGM QVAE QVIDBM PRAESTABE SVI|NOMmSiC
STTDIOSIS VTILIA NOVE-|;rimus monimenta, nempe
translatiönes."
Basels Henricus Petrus, 1532. Klein Quart-Format
Der Band enthält die lateinischen Uebersetzungen verschiedener Schriften griechi-
scher Autoren, des Ffiilostratus, Pythagoras, Athenaeus, Isocrates und Anderer. —
No. 478.
„BABANl MAVEIliMOGONTINENSIS ARCHIEPISCOPI COM-|MEN-
TABIA IN HIEREMIAM PROPHETAM. ITA CVM |1 Apoftolicis literis
confententia BASILEAE EXCUÜEBAT HEN-||RICVSPETßyS.||
M. D. xxxnn."
Folio-Format.
In Antiqua gedruckt. Auf dem Titel und am Schlüsse steht das Drudcerzeicben, die
feuersprühenden Hammer & Amboss. —
No. 479.
„P. OTI-llBn NASONIS OPERA, || YETERTM EXEMPLA-||mw
auxilio ah infiniiis mendis emendata. HENRICI GLABEANI ANNO- 1
tationes in metamorphoin cJ ad uerha ei ad res \\ intelligenda
magni u/us, PrcBierea Logolij, // qucB leciorem plurimum in
impeditis locis iuuare pof/unt, //ITEM, FEAGMENTA QVAE-|//flW
Ouidij ex libris^ qui magna ex parte perie-\\re Epigram-'
mation. Et non male natum // Carmen ad Pi/onem*^
Basel^ Henricus Petrus, 1537. Octav-Format.
Diese Ausgabe der Werke des Ovid ist den Bibliographen ganz unbekannt
geblieben. Panzer zeigt in den Annales VI Seite 239 eine Ausgabe Petri's von 1523
an; Ebert kennt ausserdem eine von 1587, zu welcher er bemerkt, sie „muss von
vorzüglicher Seltenheit sein". Nicht weniger selten dürfte die vorliegende, ganz
imbekannte Ausgabe sein. Sie ist in Cursiv gedruckt. Das Exemplar hat noch den
alten wohlerhaltenen Einband von Schweinsleder. —
t>on 1523 a\\
Druckte theils mit Andreas Cratander zusammen, wie die fol-
gende Nummer zeigt, theils mit Michael Isengrin, aber auch allein. —
J
— Basel.
227
Xo. 480.
..nJOYTAPXOr \\ nAPAAjilUA EN BI0I2 EjUH\\
NQNTE KAI PQMAWN, \\ PLUTARCHI QVAE VOCANTVR
PARAIi-lllela: hoc eft, uitae illuftrium uirorum grseci nominis
ac |[ latini, prout quae que alteri conuenire uide-| batur,
accuratius quam antehac || unquam digeftae.**
Basel^ Andreas Cra tander & Johannes Bebel, 1533. Folio-Format.
Diese griechische Textausgabe der Lebensbeschreibungen ausgezeichneter Griechen
und Römer des Plutarch, auch Parallela genannt, weil darin je ein Grieche und
ein Romer mit einander verglichen werden, ist von Simon Qrinaeus besorgt und
mit einem lateinischen Vorworte versehen. Es ist ihr der Text der Aldine von 1619
7.U Onmde gelegt. Die typographischen Fehler der letztem und die durch schlechtes
Manuseript entstandenen sind darin beseitigt. Ebert kennt vorliegende Ausgabe
nicht, führt aber eine mit Bobel's Firma vom Jahre 1530 an, welche sich auf der
Königlichen Bibliothek in Dresden befindet. —
1531 bt0 1561.
Hieronymus Froben ist der älteste Sohn des Johannes Froben;
Nicolaus Episcopius ist der Schwager des Hieronymus. Von 1528
ab hatte Ersterer schon gemeinschaftlich mit Johann Herwagen, der die
Wittwe seines Vaters geheirathet, gedruckt; doch löste sich schon
1531 das Verhältniss mit Herwagen, welchem 1521 Nicolaus Episco-
pius beigetreten war, durch das Ausscheiden des ersteren auf; wir
werden diesen im nächsten Drucke wiederfinden. —
No. 481.
„Rechnungsbuch der Froben & Episcopius, Buchdrucker
und Buchhändler zu Basel, 1557 — 1564. Herausgegeben
durch Rudolf Wackernagel.**
Basels Benno Schwabe, 1881. Grross Octav-Format.
Die Originalhandsohrift dieses für die Geschichte BaseVs sowohl als des ge-
rammten Buchhandels jener Zeit bedeutsamen Rechnungsbuches befand sich vormals
im Besitze eines Nachkommen des alten Nicolaus Episcopius, Dr. Gottlieb Bischoff
in Basel, und ist seitdem der öffentlichen Bibliothek daselbst übergeben worden.
Durch interessante Personal- Nachrichten über die Baseler Drucker, denen das Rech-
nongsbuch diente, und erläuternde Anmerkungen zu dem reproducirten Originale
hat der Verfasser dem ohnehin wichtigen Documente ein gesteigertes Interesse zu
verleihen gewnsst. —
15*
228
— Basel. —
Jiol)ann(0 ^rctoagen^
1531 bl0 1555,
den wir schon in Strassburg von 1523 bis 1528 antrafen. In diesem
Jahre wurde er laut RathsprotocoU Bürger von Basel, vermählte
sich mit des verstorbenen Johann Froben Wittwe, Gertrud Lachner,
und wurde Geschäftstheilhaber seines nunmehrigen Stiefsohns Hiero-
nymus Froben, zu welchen beiden sich noch Nicolaus Episcopius
gesellte, welcher des Hieronymus Schwester geheirathet hatte. Im
Jahre 1531 schied Herwagen aus der Gesellschaft und druckte nun
allein. —
No. 482.
„L. PLOBI DB GBSTIS || ßOMANORVM LIBBI QYATVOE A MENDIS
ACCV-llratiffime repurgati, unA cu adnotationibus JO. CAMEß-
TIS, qu8B II commentarij uice in omne Romanam hiftoriä efle
poffunt. II AD HAEC, SEXTI RVFFI VIBI CONSVLABIS DB Hill
ftoria Ro. epitome multo quam antehac emaculator. || ITEI,
MESSALAE COßVINI ORATOBIS DISERTIS-fimi de progenie AV-
6VSTI CAES. libellus, nunc primü excufus. || His acceffit
rerum copiofiffimus index."
Basel^ Johannes Herwagen, 1532« Folio-Format.
Schon in Strassburg gab Herwagen 16'^8 die Schriften des Lucius Floros in
einer Octav-Ausgabe heraus. Gegenwärtige schöne Folio-Ausgabe ist mehrfach nach-
gedruckt worden; su Cöln, Paris und in Miünz von Jvo Schöffer. Der Original-
bchweinslederband enthält angebunden die Werke des Diodorus, gedruckt von H. Petri
15S1, die wir unter No, 476 schon besonders verzeichneten. —
No. 483.
„DIVI CAECim CY-I.PRIANI EPISKOPI CARTHAGINENSIS BT||
martyris opera iam quartum accuratiori uigilantia ä men|i-
dis repurgata, per DES. ERASMYM ROTEROD. || Acceffit liber
eiufdem apprim^ pius ad Fortunatum De du-||plici martyrio,
antehac nunquäm excufus»
BASILEAE, EX OFPICINA HERVAGIANA || AMO M. D. XL.
Folio-Format.
Diese Ausgabe der Werke des Heiligen Cyprianus ist den Herren Stockmeyer &
Reber, den Verfassern der „Baseler Buchdruckergeschichte", unbekannt geblieben. —
r
— Basel. —
229
von 1531 ab*
Druckte anfangs mit Johann Bebel zusammen, dem wir auf
Seite 226 & 227 schon begegneten. —
No. 484.
,,®(£n SRieutüen §er6ariu§, || bat ig, bboed Dan ben cru^^H
ben, int tüdde met groote neerfti^||dE|e^t befcreuen i^ niet
otteen bie gantfe Ijiftorie, bat i§, bie namen, || tfaetfoen,
notuere, cradE|t enbe operatte t)an niccften beel be crn^:=||ben,
bie ^ier enbe in anber lanben tüaffenbe [ijn, mibtfgaberg
ber plccCen oft fttbt, tnbt 6cti tijt waer cti6c wantieer
ftj Waffen* ♦♦♦♦♦♦♦ ®oor ben §oodE|gt)eIeerben ©octoor
in SKcbicijnen |! Seont)aert gndE|§."
Basel^ Michael Isengrin, 1543. Folio-Format.
Auf der Rückseite des Titels befindet sieb ein blattgrosser Holsschnitt, das
schöne Portrait des Verfassers Leonhart Fuchs in ganzer Figur. Die zahlreichen
Abbildungen von Pflanzen, welche sich in dem Werke finden, sind von Veit Rudolf
Speckle sehr sauber in Holz geschnitten. Vergleiche Heller, Gesokichte der Holz«
Schneidekunst Seite 142. —
t?cn 1533 aK
No. 485.
,^. VEßGILnilMAROmSilBüCOLICOßVM, GEORGICO-|!RVM ET
AENIDOS. il Cum accurata fimul & fideli Seruij || Mauri
Honorati expofitione. ||
BISILEAE APÜD JOAN VALDERRVM. | ANNO- M. D. XXXim."
Quart-Format.
Vorliegende Ausgabe der Hirtenlieder, der Bücher vom Äckerbau und der Aeneide
Tirfjifa sind im Texte mit romischer, im Commentar mit Cursiv-Schrift gedruckt. —
No. 486.
,4)ICTI0NARIVM II LATINAE LINGVAE || AMBROSH CALEPINI BER-
GOMATIS PRIMO||deinceps aliorum quoq3 hominum || docto-
230 '— Basel. —
rum opera & ftudio, Ex || omnium tum ueterum, || tum
recentium in || hanc diem La||tinorum || COMMENTARÜS |,
collectum, & in fuum ordi(lnem defcriptum.
Basel; Johannes Walder, 1540« Folio-Format.
Mag dieses unzahlige Mal aufgelegte lateinische Wörterbuch nunmehr ganz
veraltet sein, immerhin beansprucht diese den Bibliographen unbekannte Ausgabe,
welche mit einer reizenden Italique gedruckt ist, ein grösseres Interesse. Das
Exemplar hat noch den alten dnrabeln Ledereinband mit Schliessen. —
Mobert HJittter^
von 1533 ab*
Dieser Typograph war der Schwager des Johannes Oporinus. —
No. 487.
„JOANNIS II LODOVICI YIVIS VALEN-||TINIDECLAMATIONESSEX.
SYLLANAB QVINQVE. || SEXTA, qua refpondet Parieti \\ pal-
mato Quintiliani. |1 EIVSDEM JOAN. LODO. YIHS OE || prsefenti
ftatu Europse, & bello Tur-||cico diuerfa opufcula. || ITEM. I
ISOCRATIS ORATIONES DVAE, || Areopagitica&Nicocles, eodem
JOAN. II LODO. VIYE INTBRPBETE. || Omma per ip/um auto-
rem nunc demum // CT aucta ct recogmta. // Adiecto etiavi
rerum cT uerborum // Indice diligentt/jimo. || BASILEAE."
Basels Robert Winter, 1638. Klein Quart-Format
Die Ausgabe der gesammelten Schriften des Ludovicus Vives scheint, vie dies
alle Druclce Winter's sind, sehr selten zu sein. Auf dem letzten Blatte befindet sich
das hübsche Druckerzeichen: Athene mit der Eule. —
@:i)oma0 platter^
t)on 1536 ah.
Dieser merkwürdige und vielseitige Mann, der aus einem Seiler-
gesellen ein berühmter Gelehrter und Pädagog geworden war, be-
sass auch eine ziemlich bedeutende Druckerei, als deren ersten Theü-
haber wir im Jahre 1536 Balthasar Lasius finden. Bei Johann Oporin
mit dem er eine Zeitlang ebenfalls vereint war, werden wir noch
auf ihn zurückkommen.
— Basel. — 2^1
No. 488.
,ßlAECELLI II PALINGENE STELLATI POE || tSB doctifsimi, Zodia-
cus uitae, hoc eft, de Hominis Vita, studio, ac moribus
optixne instituendis Libri Duodecim . . . BASILEAE
M. D. XLm."
Basels Thomas Platter, 1543, Klein Octav-Format
Den Drucker erkennt man aus dem sich auf der Rückseite des letzten sonst
leeren Blattes befindenden Druckerzeichen: die mit Schild imd Lanze gerüstete
Uincrra. Hübscher Cursivdruck in altem Schweinslederbande. —
von 1536 ab«
No. 489.
„SSDn ber toaren || (£t)riftenlt(i^en , t)n crba(i^*»||ten ünu
(briftifdbe Eirdje, 6erf ^aubt || 6tatt1S?aIter, (Bvoalt vnb
Sd)lftffcL 2Cttcb rca& || ein Ädgcr, recbter vnb falfcfecr
Äan, II Wnfcen vnb cntbin&en fej^ zc, || 2oanm& Qptts
terue Uctwtlenft5."
Basel; Bartholomäus Westheymer, 1543, Klein Quart-Format.
Seltenes Schriftchen von nur 18 Blattern Umfang, in Schwabacher Schrift ge
druckt. —
auch vereint mit
|iartt)olomaeu0 €alt)baeu0^
x>on 1537 ab.
No. 490.
„POETARYM OMNIVM SECY-IILOßYM LONGE PRINCIPIS p HOMEM ||
OMNU QVAE QYIIIDEM EXTANT OPERA, GRAECE, ADIECTAYEB-
BIONB LATINA AD YEKBVM, ex diuerfis doctiflimorum uirorum
translationibus concinnata. • . /'
Basel; Nicolaus Brylmger & Bartholomaeus Calybaeus, 1551*
Folio-Format.
Wenig bekannte griechisch-lateinische Ausgabe des Homer, mit dem Drucker-
zeichen Urylinger's auf dem Titelblatte. —
232 — Basel. —
1540 bi« 1568.
Neben Johannes Frohen, dessen Gehülfe er eine Zeitlang war,
ist Oporinus, zu deutsch Herbster, der berühmteste und gelehrteste
Baseler Drucker. Dr. Streuber hat in seinen „Neuen Beitragen
zur Baseler Buchdmckergeschichte" , welche in den „Beiträgen zur
vaterländischen Geschichte" III, erschienen sind, einen Aufsatz über
Johann Oporinus geliefert, der aber in den Daten nicht ganz zu-
verlässig ist. Wenn dort gesagt wird, dass im Jahre 1539 Johannes,
Oporinus, Robert Winter, Thomas Plater und Balthasar Ruch
zuerst mit einem Druckergeschäft begonnen hätten, so ist das dabin
zu modificiren, dass in diesem Jahre Oporinus sich mit den anderen
zu gemeinsamer Action vereinigte, welche letztere schon früher,
Robert Winter nämlich schon von 1533 , Thomas Plater und Balt-
hasar Lasius (idelleicht identisch mit Balthasar Ruch?) von 1536 zu
drucken begonnen hatten.
Wenn Thomas Plater in seiner Autobiographie selbst die Ge-
schichte seiner Buchdrucker-Unternehmungen in der von Dr. Streu-
ber dtirten Weise geschildert hat, so muss man annehmen, dass
dem alten Manne, der seine Erinnerungen nach dem Gedächtnisse
hinschrieb, die Einzelheiten selbst nicht mehr treu geblieben
waren; denn Thatsache ist, dass sowohl Winter* sehe Drucke von
1533 an, als auch Plater'sche von 1536 bekannt sind. Panzer citirt
sogar in Band VI Seite 316 bis 318 neun verschiedene Drucke,
welche Thomas Plater aUe im Jahre 1536 mit Balthasar Lasius
producirt hat, was doch einen schon bedeutenden Um&ng seiner
Druckerei voraussetzen lässt. •»—
Oporin hatte Indessen kein Glück mit den Genossen. Gegen
allmählige Abzahlung des Kaufpreises von 800 Gulden hatten sie
dem Andreas Cratander sein gesammtes Druckwerkzeug abgekauft,
aber das Geschäft ging nicht nach Wunsch ; die Schulden mehrten
sich, und bald trennte sich die Gesellschaft wieder, Schriften und
Werkzeug theilend. Kurze Zeit war nun Oporin mit seinem Schwa-
ger Winter allein verbunden, dann druckten beide einzeln; und als
Winter, nachdem er Alles verthan, gestorben war, zog Oporin dessen
Officin für 700 Gulden an sich, wodurch seine schon bestehende
Schuldenlast beträchtlich vermehrt wurde.
Später erscheint Oporin mit Bernard Brand und Johann Her-
wagen dem Jüngeren, dessen Wittwe er nachmals heirathete, zu-
sammen, und in letzter Zeit stand er auch mit den Episcopius in
Basel —
233
Verbindung. Trotz der grossen Ausdehnung seines Geschäftes und
der immensen Productivität seiner Druckerei , welche in den 28
Jahren ihres Bestehens über 750 "Werke lieferte, starb Oporin, da
er nicht Haus zu halten wusste, in zerrütteten Vermögensumständen. —
No. 491.
j^VRIPIDES POETA 1 1 Tragicorü princeps, in Latinum || fer-
monem conuerfus, adiecto j| eregion^ textu Graßco: CVM
AMOTATIONIBVS ET PRAEFA-||tionibus in omnes eius Tragoe-
dias: autore || aASPARO STIBLINO. 1' Accefferunt JACOBI MI-
CYLLI, De Euripidis uüa, ex diuer-jl/is autorihus collecta:
item^ De Tragcßdia et eius \\ partihus ngoXsyofisva quae^
dam. 11 Item^ JOANNES BRODAEI Turonen/is Annotationes \\
docii/j, nunquam antea in lucetn ediioß, jj Adhaec, Rerum
CT uerborum loio Opere prcBciptü memora-jjbilium copio/us
INDEX,"
Basel 9 Johannes Oporinus, 1562« Folio-Format.
Grieehisch-lateinische Ausgabe der Tragödien des Euripides, ron Stiblinus über-
«etkt, in Acte getbeiit und mit Inhaltsangaben zu den einielnen Acten versehen.
Die Noten des Brodäus sind nur für elf von den neunzehn Stücken verfasst, nämlich
ni: Resvfi — Troades — Bacchae — Cyclops — Heraclidae — Helena — Jon —
Hercules furens — Supplices — Iphigenia in Aulide — Iphigenia in Tauride. —
No. 492.
,,rPHrOPIOr tot NYSSHI \\ imaxoTiov &avfiaaT^ ßCß-
Ao^, n^ql xa-Wjaaxevtjg aV^^V». || OPYS ADMIRANDYM || GRE-
GOmilNTSSENI ANTISTmS, II DE HOMINIS 0PI-||FICIO: Inter-
prete JOHANNE LEVVBNKLAIO:||Annotationibus etiam necef- ||
farqs additis. || Liber MedicinoR^ Philo fophitz ^ Sacrarum q. //
litterarum ftudiofis peruiilis/*
Basel 9 Johannes Oporinus, 1567. Octav-Format
Des GreogoriuB Nyssenus, Bruder Basilius' des Grossen, Schrift über den Beruf
des Menschen in griechisch-lateinischer Ausgabe. —
234
— BaseL —
3arobtt0 parnt0^
1552.
No. 493.
„Chronicornm snmma || ancta & emendata/'
Basel; Jacobus Parcus, 1552« Klein Quart-Format
Dieser kleine Druck, eine nach Jahrzablen geordnete Chronik in Tabellenfonn
von Erschaffung der Welt bis zum Jahre 1552, stellt uns einen bisher unbekannten
Basler Drucker vor. —
1557 H» 1564.
"Wir lernen ihn in der Gesellschaft Bemard Brand's um 1557
kennen, der wahrscheinlich nur einen finanziellen Antheil hatte;
späterhin druckte er gemeinschaftlich mit Johannes Oporinus, welcher
nach Herwagen's Tode dessen Wittwe heirathete. —
No. 494.
„L. ANNAEI SENECAE || Philofophi Stoicoium omnium acu-
tifsi-||mi Opera quse extant omnia, Coelii Secun||di Curio-
nis uigilantifsima cura caftigata, || & in nouam prorfus
faciem, nimirum pro-|'priam & fuam, mutata: quorum lectio
non II modo ad bene dicendum uerum etiam ad || bene
beat^que uiuendum prodef- || fe plurimüm proteft."
Basel) Johannes Herwagen & Bernard Brand, 1557* Folio-Format
Revidirte Ausgabe nüt vielen Varianten iind Conjecturen versehen. —
No. 495.
„D. BPIPHANn EPI-l.fcopi Conftantise Cypri, contra ( octo-
aginta hserefes opus, Panarium, fiue || Arcula, aut Capfula
Medica appellatum, || continens libros tres, & tomos || fiae
fectiones ex to-jlto feptem. || ^ANO CORNARIO MEDI-^co
Phy/ico interprefe,^^
Basel) Johannes Oporinus & Johannes Herwagen, 1560* Folio-Format
Das »Panarium* oder »Hausapotheke* ist die Hauptschrift des selotischen Bischöfe
Too C jpern £piphaaius ; er giebt darin Mittel für aehtiig Ketzereien an, deren Erfin-
dung seine Hauptstirke ^irar. Man findet dies« latdniscbe Uebersetzung vom Jahre
1^<X> bei den Bibliivgraphen nicht aufgefulirt. Alter interessanter Schveinslederband
mit SehUes$en. —
Basel —
235
von 1564 aK
No. 496.
„ IBLIA II SACRA || VETBRIS j| BT NOVI || Teftamenti, \\ fecundüm
editionem || vulgatam.**
Basel; Thomas Guarinus, 1578« 2 Bände in Octav-Format.
Die zahlreichen schönen Holzschnitte dieser lateinischen Bibel sind von Tobias
Stimmer. —
Sthnfiim ^ftirtc-petri,
1574 bis 1627.
Der jüngste Sohn des Heinrich Pelri und Enkel des Adam
Petri von LangendorfF. —
No. 497.
„SBelt (Spiegel, ober || SRarren ©d^iff, || bartii aller ftänbt
f^anbt önb II Uftcr, rppigce leben, grobe narte(btc ||
fitten t)nb ber SBcItlauff, gleich at§ in einem || Spiegel
gefcj^en uti6 geftrafft ireröcn: allce || aujf Sebaflian
»ranöe Keimen || gerichtet. || , . . SBcilanbt || jDurd) 6en
Mgelerte 3CDö*iCn (BtM£V,, \\ SDoctore bor §. ©d^rifft,
in ßateinifdEjcr \pxad) befd^ricben, jcfet aber mit fonberm
fkife auB bcm Satein inn baö || red^t IjodEj Sentfc^ gebradjt,
t)nnb erftmat^ im || 2;rud aufegangen, || JDurd), || Hicctaum
-ö^ntger x>on lausjlber USnige^^offen/'
Basel; Sebastian Henricpetri, 1574. Klein Oclav-Format.
Es ist dieses eine deutsche Uebersetzung der lateinischen Predigten Qeyler's über
Brandts Narrensehiff, denen der Originaltext des Dichters beigesetzt ist. Die nicht
gerade bedeutenden Holzschnitte sind neu gefertigt. —
No. 898.
,,ßofmograj)t)et|: || baö ift, 1| Sefd^reibung || Silier Sänber,
§crrftf)afften ünb für || ncmeften ©tettcn beö ganzen (&xi>'
bobenö, fampt il)ren || ®clegent)eiten, || S^genfrtjaften, 9{eli=
gion, ©ebränd^en, || (Befdjicbten vnb öanfetierungen, zc ||
SvftUd^ burdl) §crrn ©cbaftian 3J?nnfter mit groffcr 2lr=
236 — Basel —
bett in fedE|§ || öüd^er öerfaffet: S)emnac^ an SBelt önb
9?atürüd^en ^iftorien buxäj \f)m felbö gebeffert: || Se|t
aber mit allerlei ©ebed^tnu^tntrbigen ©ad^en bife in§ M.
D. XCVIII. jar gemelrret, || mit netoen Sanbtaflen, t)ieler
Stetten t)nb fürnemmen SJiännern Sontra^ Ifracturen, SBoa-
pen, t)nb ©eburt^ünien, fo ober bie alten || l^erju fommen,
gelieret. "
Basel^ Sebastian Henricpetri^ 159$*
Die berühmte, zuerst im Jahre 1544 erschienene xCosmographie*' Sebastian
Münster^s, an welcher der Verfasser 18 Jahre hindurch im Verein mit den namhaftestem
Künstlern Deutschlands, welche bei den Holzschnitten thätig waren, gearbeitet hatte.
Die vielen Auflagen, von denen über 20 in deutscher Sprache bekannt sind, bezeugen,
welch' eine Verbreitung dieses verdienstvolle Werk, das erst durch die Topographien
Merian's an Schätzung verlor, zu jener Zeit gehabt hat. Alter Ledereinband mt
Schli essen. —
No. 499.
„OTFEIDI II EVANGELIORVM || LIBER: || ueterum Germanorum
gramma-||tic8e, poefos, theologise, || praßclarum inoni-||men-
tum. II (guangelien öudi, in att* frencfifcfeen reimen, bmii
(Dtfris'löen von tPeiffetiburg^ ntön* su || &. (ßaUen,
vor ftbenl?ttn^|]5ert jaren befcbrisübett: || 3e$ aber mit
gutifl 6e0 geftrenge || el^renueften })zxxr\ 2C6oIpben ^r^
man Hieöe^lfel €lbmarfd)alc8 su ö^ffen, 6er alten
Ieut*| fd)en fpraad) vnb gotteöfordjt suerlerne, in trudP
verfertigen"
Basels Josias Münsch (?), 1671. Klein Octav-Format.
Dieses ist die erste, höchst seltene Ausgabe des berühmten Gedichtes Otfiried's
von Weissenburg, in welchem er als erster rein christlicher Dichter eine poetische
Geschichte des Heilandes giebt, welche er gegen 865 vollendete. Die Schwabaeher
Type des Textes ist interessant und erscheint älter als die Jahrzahl sie bezeichnet.
Wir werden wohl nicht fehlgehen, wenn wir als Drucker dieser Ausgabe, welche
nur die Angabe des Ortes und der Jahrzahl enthält, den Josias Münsdi annehmen,
der zu damaliger Zeit der einzige bedeutendere Drucker BasePs war, dem man diese
hübsche Ausgabe zuschreiben konnte, was wir jedoch eben nur als Vermutbung
von grösserer Wahrscheinlichkeit ausgesprochen haben wollen. Das vorzfiglich
erhaltene Exemplar ist in eben so schönem altem Schweinslederbande befindlich
und reich mit v^ergoldetem Messing beschlagen. —
— Basel. —
ScOfugOemerßungen.
237
Von Typographen die wir nicht einzeln aufgeführt, wären in
Basel noch folgende zu nennen: Leonhard Ysenhut 1489; Gre*
gorius Bartholomaeus 1509; Johannes Faber Emmeus, der später
in Freiburg druckte, von 1526 bis 1529; Polycarpus Gemusaeus
um 1560 bis 1572; Conrad Waldkirch von 1585 ab; Johannes
Schroetter 1597. Auch der Strassburger Johann Schott kommt um
1508 in Basel vor, wo er mit Michael Furter zusammen druckte,
nachdem er auch schon um 1503 und 1504 zu Freiburg gewirkt hatte.
Es ist bekannt, dass der berühmte Nürnberger Typograph und
Buchhändler Anton Koburger , wie in Lyon so auch in Basel und
zwar bei Johann Amerbach drucken Hess; sein Neffe Hans Kobur-
ger^ der auch in Hagenau, Lyon, Strassburg und Paris drucken
liess, gab dann mehrfache Aufträge in die Offizin des Adam Petri
von Langendorff. Der letzlere war ein von Verlegern vielbeschäf-
tigter Drucker; seine Pressen arbeiteten für die Brüder Leonardtts
& Lucas Alantsee, welche auch in Strassburg, Hagenau, Venedig
und Wien zu finden sind ; ferner für Ludwig Hornken in Cöln, der
auch in Paris drucken liess^ für den bedeutenden Gotfried Hitorp,
der hauptsächlich zu Coln^ aber auch in Paris und Leipzig verlegte ;
für Conrad Hysch und Johann Riem von Augi^burg.
Ein rühriger und gelehrter Verleger war Wolf gang Lachner,
dessen Tochter Gertrud den berühmten Johann Froben und nach
dessen Tode den Johann Herwagen heirathete. Lachner beschäf-
tigte in Basel </r« Typographen: Michael Furter, Jacob von Pfortz-
heim und Gregorius Bartholomaeus. Christoph Thum liess bei
Jacob von Pfortzheim drucken ; Servatius Cruftanus, dem wir auch
schon in Cöln als Verleger begegneten, bei Andreas Cratander;
Conrad Resch, der in Paris einen bedeutenden Verlagsbuchhandel
betrieb, liess in seiner Vaterstadt Basel bei Thomas Wolf und
Henric-Petri drucken.
Auch Johann Rynmann von Geringen, der ein ausgedehntes
Verlagsgeschäft in Augsburg, Ilagenau , Venedig und Nürnberg
betrieb, findet sich in Basel, wo er Aufträge an Jacob von Pfortz"
heim ertheilte. Letzterer war es auch, der für Jacob Kilchen oder
Kirchen druckte.
Noch wäre JcLcob Rechburg zu nennen, welcher Theilhaber an
der Ausgabe des Hieronymus von 1516 war, die Johann Froben
für die Söhne des eben verstorbenen Amerbach: Bruno, Basilius
and Bonifacius in Druck gab. Auch beschäftigten Henric-Petri
und Michael Isengrin die Officin Johann Bebel's. —
238 — Basel. —
Man sieht, dass in Basel auch der Verlagsblichhandel
bald ein blühendes Geschäft wurde, und dass die Stadt für Aus-
bildung und Verbreitung der Kunst Ausserordentliches geleistet,
wozu sie denn auch als Sitz der bedeutendsten Gelehrten, aus deren
Mitte ein Erasmus von Roterdam mit seinem universellen Ruhme
hervorragte, in erster Linie berufen war.
CrflänjunflS'Citcratur ju Kafef.
T. Catalogus librorum tabernae Hervagii, Frobenii et Henrici Petri.
Original-Handachrift voui Jahre 1554:.
NB. Dieses 15 engbeschriebene Blatter umfassende Manuskript in Octav-Format
enthält in 3SO Nummern 3 alphabetische Verzeichnisse der wahrscheinlich damals
vorzugsweise im Handel befindlichen und bei den obigen drei Druckern verkäuflichen
Werke, und wird daher einen höchst wichtigen Beleg zur Geschichte der Buch-
druckerei und des Buchhandels bilden. — Eine Original -Notiz des berühmten Re-
nouard, in dessen Besitz das werthvoUe Vnicv/m vordem gewesen zu sein scheint,
besagt, dass der kleine Katalog von Herwageti's eigener Hand herrühre. —
2. Dr. Sebastian Brand's Narrenschiff nach der ältesten Ausgabe
von 1494 erneuert von Karl Simrock. Mit Holzschnitten der
ersten Ausgabe und dem Bildnisse Brandts. Berlin, 1872.
3. Otfrid*s Krist. Das älteste im neunten Jahrhundert verfasste
Hochdeutsche Gedicht nach den drei gleichzeitigen zu Wien,
München und Heidelberg befindlichen Handschriften kritisch
herausgegeben von E. G. Graff. Königsberg, 183 1.
4. Otfried von "Weissenburg Evangelienbuch von Johann Kelle.
Regensburg, 1856.
5. Stockmeyer & Reber. Beiträge zur Baseler Buchdruckerge-
schichte. Basel, 1840.
6. Dr. Streuber. Neue Beiträge zur Baseler Buchdruckergeschichte
mit Anhang einiger Briefe von, an und über Oporin (1844;
aus den „Beiträgen zur vaterländischen Geschichte III). —
7. Claudin. Origines de Timprimerie ä Albi en Languedoc (1480
bis i486). Paris, 1880.
8. Gedichte zur Feier der Buchdruckerkunst am Johannistage des
Jahres 1840. Basel, 1840
— Augsburg. — 23g
SCugöBurg
Augusta Vindelicorum sive Rhaetorum. —
(&üntl)er ^nmx um ^(utitngen^
1466 biß 1478.
Die schon im Mittelalter hoch berühmte alte Augusta bot als
Sitz des Handels, der Wissenschaft und Kunst auch für die Ein-
führung der Typographie daselbst ein günstiges Terrain; denn wie
Mainz und Cöln in geistiger Beziehung für ganz Niederdeutschland
ihren dominirenden Einfluss übten, so waren es für Oberdeutsch-
land in gleicher "Weise die alt ehrwürdigen Städte Augsburg und
Nürnberg und es ist die bisherige Annahme, dass die Typographie
erst 1468 in Augsburg eingeführt worden sei, jedenfalls eine irrige,
wenn auch der erste datirte Augsburger Druck „Bonaventurae Me-
dicationes vitae Jesu Christi* die Jahrzahl 1468 trägt.
Jedenfalls erschienen bereits zwischen 1466 — 1468 die 12 diver-
sen Druckwerke, die wir unter nächster Nummer vereinigt aufführen,
und deren Schöpfer der erste Augsburger Typograph Günther
Zainer aus Reutlingen war, welcher übrigens von den Bibliographen
mehrfach mit Johann Zainer in Ulm verwechselt wurde, der eben-
falls aus Reutlingen stammte. Der gelehrte Herr Geheimrath Zapf
schrieb 1803 sogar eine Broschüre über die Krakauer Ausgabe des
Turrecremata , worin er in Folge unrichtigev Beurtheilung der
Typen haarklein nachweist, dass Günther Zainer jenen Turrecre-
mata schon 1465 in Krakau gedruckt haben müsse. Wir werden
nnter „Krakau" diesen allgemein verbreiteten Irrthum spezieller
nachweisen und richtig stellen,
Günther Zainer war nicht nur der evste^ sondern auch wohl
der bedeutendste Augsburger Typograph des fünfzehnten Jahrhun-
derts. Er war ursprünglich Beisitzer — comanens Augustensis —
und wurde erst 1472 Bürger von Augsburg. Für die plausible
Annahme, die namentlich auch Zapf vertrat, dass Günther Zainer —
anch Ginther Z einer und Zayner — früher Gehilfe bei Gutenberg
in Mainz gewesen sei, giebt es zum Mindesten keinerlei Nachweise ;
der Umstand würde aber nur noch mehr für unsere Meinung sprechen,
dass Zainer nach dem Weggange von Mainz 1462 nicht erst von
1468 ab in Augsburg gedruckt habe. —
240 — Augsburg. —
No. 500.
iiVmti anttquorum t^eologorum fcrtyita/^
AagSbnrgr^ Günther Zainer, 1466 bis 1468. FoUo-Format.
Inhalt:
1. Hieronymus & Grennadius: „De viris illustribus". 37 Blatter.
3. Hieronymus: .De essentia divinitatis.'' 1 „ ,« ^,.
l Zusammen 16 Blatter.
8. Thomas de Aquino: „De articulis fidei*. j
4. Augustinns: „De quantitate anlmae". 29 Blätter.
5. Augustinus: „Soliloquium". 29 Blatter.
6. n Spekulum peccatoris." 5 Blätter.
7. Thomas a Kempis: „Quatuor libri de Imitatione Christi*'. Mit Zainer$ Firma
am Schlüsse. 76 Blätter.
8. „Errores judaeorum extracli ex Talmut. " 4 Blätter.
9. »Probationes nori testamenti ex veterl testamento." 8 Blatter.
10. „Processus Judiciarius ipsius Mascaron contra genus humanum.* 9 Bl&ttw.
11. „Liber de arte moriendi.*' 81 Blätter.
12. „Donatus allegoricus." 7 Blätter. —
Der in dieser Vollständigkeit und prächtigen Erhaltung ganz ausserordentlich
seltene Miseellan-Druck enthält die ersten typographischen Producte der Zainer-
schen Offizin ohne Datirung. No. 2 und 3 hängen typographisch zusammen; idle
übrigen waren jedenfalls auf den Einzelverka'Uff berechnet imd sollten, dem altoQ
Geheiomisse der ältesten Drucker gemäss, wahrscheinlich als Manuscripte gelten.
Nur am Schlüsse der hier in erster eminent seltener Ausgabe erscheinenden ^ImiU-
tatio Christi'^, dem nächst der Bibel populärsten und naeh und nach über die guue
Erde verbreiteten Andachtsbuche, findet sich der Name des Typographen ; aber die
vollständige Uebereinstimmnng der fetten gothischen Typen in allen zwölf Drucken
ergiebt Günther Zainer evident als Drucker aller dieser Werke.
Unser schönes Exemplar im wohlerhaitenen mit vergoldetem Messing beschlagenen
Lederbande stammt, wie auch das Wappen auf dem Rücken des Einbandes beweist,
«US der ehemaligen ku/rfürstUchen Bibliothek zu Berlin. Beim YerscImielzeD jener
kurfürstlichen Sammlung mit der gegenwärtigen öffentlichen Berliner Bibliothek wurden
die sich ergebenden Doubletten versteigert ; das Exemplar gelangte, laut einer eigen-
händigen ausführlichen Inschrift auf den Vorsatzblättern des Buches, zunächst in den
Besitz des berühmten Sammlers Bamheim, und von diesem in unatr Museum. Fnauet
hat sämmtliche zwölf Traktate unter Einer Nimuuer in Band I Seite 131 and 132
näher beschrieben. —
No. 501.
Augsburg, Grünther Zainer, circa 1467« FolioFormat
Diese jedenfalls früheste typographische Ausgabe der „Kunst zu sterben* ist von
grösster Seltenheit. Wir besitzen sie noch einmal in 4em Sammelbande dieses Druckers
imter Augsburg No. 500.
No. 502 & 503.
5lu9tt|llm ^,1tiber be animae quantitate^^
^,ttber 30Ul0qttt0rum/^
Augsburg, Günther Zainer, circa 1468« Folio-Format.
Diese zwei seltenen, in dem Miscellan-Bande No. 500 schon enthaltenen Traetate
Augusiins: „Von der Seelengrösse* und „Selbstgespräch mit seiner Vernunft* befin-
den sich einsein gebunden und in vorzüglich schönen Exemplaren nochmals in un*
serer Sammlung. —
— Augsburg. — 241
No. 504.
^3umma laagiflri be ^urbad), Dtcarij IBambergenliJ/^
Angsbnrgr^ Günther Zainer, 1469. Folio-Format.
Hain No. S194. — Zweiti^ Augsburger Druck mit Jahreahl and Firma des
berühmten Typographen. Prachtexemplar auf starkes pergamentartiges Papier mit
sehr breitem Rande gedruckt. Die Typengattung ist wesentlich kleiner wie diejenige
der ersten Zainersehen Druclce, die wir oben mit 1466—68 bezeichneten.
Das Werk enthält eine Anweisung für die Geistlichen bei ihren Amtsvorrich-
tuQgeo; so zum Beispiel bei der Beichte auf Blatt 6 recto: „satlsfaetio consistit in
tribas, scilicet, oratione, jejunio & elemosina . . . oratio sit contra superbiam, jejunium
contra carnis concupiscentiam & elemosina contra avariciam . . . • Elemosina com-
pletias habet vim satisfactionis quam oratio yel Jejunium I* Zu deutsch: „Die
Genugthuang besteht in Dreierlei, nämlich: Gebet, Fasten und Almosen; das Gebet
gegen den Hochmuth, Pasten gegen die Begierde des Fleisches und Almosen gegen
den Geiz. Almosen aber haben grössere Kraft bei der Qenugthuung
ols Gebet und Fasten !** Das Werk ist seinem Werthe entsprechend vorzüglich
scbön in rothes Leder gebunden und reich mit Silber beschlagen. —
No. 506.
Angsbargr^ Günther Zainer, 1469« Gross Folio-Format.
Von diesem Catholicon, das noch weit seltener als das' Gutenberg'sche von 1460
geworden ist, besitzen wir wenigstens einige wohlerhaltene Blätter, und zwar auf
Pergament sowohl, wie auf Papier. Dieses Werk gilt als das eweite gedruckte Catho-
licon, imd Jedensfalls ist es die zweite daUrte Ausgabe, wenn auch das grossartige
CathoUcon Johann Mentelin's mit dem bizarren R bereits 1467 erschienen sein dfirfte,
obschon es, wie die allermeisten Mentelin'schen Drucke, leider keine Jahrzahl trägt.
Die Type des obigen stimflMnit derjenigen der , Summa' von Aurbach uberein. Hain
No. 2256. —
No. 506.
Guilielmi Durandi „Kationale divinorum offlciornm".
Augsburg' 9 Günther Zainer, circa 1470* Gross Folio-Format.
Diese seltene zweite datirte Ausgabe des RtUionale ist mit derselben Type
▼ie das „CaihoUeon" desselben Typographen gedruckt, welche übrigens ftnppirende
Aehnlichkeit hat mit der Type des „Mationale*' von tTohann Zainer in ITZm
and sog» in der Orösse nüt ihr übereinstinomt , denn die 50 Zeilen der Columnen
sind in beiden Werken 29 Centimeter hoch. Offenbar hat die eine der andern zur
Vorlage gedient, und es bleiben nur geringe Merkmale zur Unterscheidung beider
iSchriftgattungen übrig, weshalb es nicht zu verwundem ist, dass beide gleichnamige
Drucker um so häufiger verwechselt worden sind. Kleine Differenzen in den Typen
finden sich namentlich bei der einen Gattung des M und des JP. Günther Zainer^s
H ist nach unten mehr rundlich geschlossen, das des Johann dagegen mehr offen.
^)ie beiden P unterscheiden sich nur in der Lange des kleinen untern Querhäkchens.
Hain No. 6472. —
No. 507.
®utUfrmu0: ^,^o(liUa fuper rpiftolaö et cDangrUa."
Augsburg^ Günther Zainer, circa 1470* Folio-Format.
Dieses Werk hat weder die Angabe des Druckjahres noch des Typographen,
4ber die dicken gothischen Typen Zainer^s sind ein unverkennbares Zeichen für den
1.6
242 — Augsburg. —
Drucker. Der Theologe Guillennus oder Guilerinus sammelte im 18. Jahrhundert
diese Predigten zur Benntsung für den unerfithrenen Clerus und nennt in der Vor-
rede die Quellen derselben. B.ain Nr. 8288. —
No. 508.
Sobfricu0 |amorfn|t0: ,^5|ifculttm Dttae t)ttmanaf.**
Augsburg^ Günther Zainer, 14 71, Folio-Format
Mit der fetten Type Zainers gedruckt. Am Schlüsse befinden sich Firma und
Datirung, worauf noch 8 Blätter Tabula folgen. Der Autor ist ein Spanier, Bisehof
zu Zamora. lieber die Veranlassung zu diesem Werke, welches zuerst in Rom 1468
bei Sweinheym & Pannartz gedruckt wurde, erzählt der Verfasser selbst: »Nacb
geendeten Studien zu Salamanca sollte er einen Lebensberuf wählen; es wird darnber
▼on Rodericus, seiner Mutter und Anverwandten eine Berathschlagimg gehalten und
daraus entstand das Werk. Nachdem sie alle Stände durchgegangen sind und m
von der guten und schlimmen Seite betrachtet haben, fehlt es zum Schlüsse doch an
der Entscheidung, welcher Stand der beste sei". Hain Nr. 13940. Das Exempltr
befindet sich noch im alten Original-Lederbande mit Messingbeschlag. —
No. 509.
$er }m\U btdtjer gau; unbekannt genirfenr ^ugsburger
Ikütnbtx in bmtfdjfr 3firad)f auf bas H^x 1472.
Angrsbnrg^ Günther Zainer, um 1471. Ein Blatt Quer-Folio.
Unter Kalas in Messingrahmen. Das höchst wichtige Fragment ist wahrscheinlich
Uriicwn. Bisher kannte man nur den ersten deutschen Kalender Günther Zalner^
auf das Jahr 1470, welchen der Hofbibliothekar Steigenberger im Jahre 1784 in der
kurfürstlichen Bibliothek zu München an der Decke eines alten Buches klebend fand
und an das Licht zog, das ihn freilich, in Deutschland nicht lange beschien, — denn
er befindet sich gegenwärtig in der Nationslbibliothek zu Paris.
Die Typen imsers Kalenders sind genau dieselben, womit Qünther Zainer sein
ebenfalls nahezu verschwundenes ,Catholioon<' mit Firma und Jahrzahl 1469 druckte,
dem wir schon oben unter diesem Jahre begegneten, und das Hain unter No. 8866
richtig bezeichnet. Da der Kalender nach der Ueberschrift ffir das Sdialljahr 1478
bestimmt war, geschah der Druck Jedenfalls noch im Jahre 1471. —
No. 610.
jjpbori Hifjjalcnps ,^(ffti)mol09iarum librt ^^/^
Augsburg^ Günther Zainer, 1472. Folio-Format.
Hain No. 927?. — Diese Ausgabe des Isidorus hat in zweifacher Hinsicht n
Lrrthümem der Bibliographen Veranlassung gegeben. Einer Nachricht MeermamCs
in seinen „Origines typographicae<' II, ind. 8 Seite 386, No. 9 zufolge soll die obige
Ausgabe des Isidorus das erste Buch m Deutschland gewesen sein, in welchem dU
römische Schriftgattimg angewendet wurde, und somit Zainer derjenige Tjpograph,
welcher dieselbe naoh dem Vorgange Italiens durch Sweinheym & Paonarts in Rom
m Deutschland eingeführt habe.
— Augsburg. — 243
Wir haben bereits unter Strassburg auf Seite 103 bewiesen, dass diese beiden
Nachrichten, -welche seitdem von neuem und neuesten Bibliographen tapfer colporürt
wurden, ganz falsch sind; denn fast ein Jahrzehnt früher, als Günther Zainer in
Aagsburg und ein Lustrum eher wie Sweinheym & Pannartz in Rom, druekte schon
der berühmte Mentelin in Strassbui^ mit einer schonen römischen Type, welche wir
in zahlreichen Drucken seiner Offizin angetroffen haben.
Den zweiten Irrthum hat Panzer hervorgerufen, der in seinen ^Annalen der
altern deutschen Literatur" Seite 102 bei der Beschreibung des Parzival und Titurel
ausspricht, dass die Typen ganz mit denen übereinkämen, welche Günther Zainer
zu denisidori Etimologiarum libri XX von 1472 gebraucht habe. Wie falsch auch
diese Nachricht ist, kann man bei nur flüchtigem Typen vergleich des Titurel von
■2477 und des Zainer^schen Isidorus von 1472 einsehen, wie wir dieses auch schon
an anderer Stelle bei dem unter Strassburg beschriebenen Titurel, welcher .von
Johann Mentelin gedruckt ist und sich unter No. 181 unserer Sammlung befindet,
ansführlich begründet haben.
Hier genüge dieser nodimalige Hinweis auf den grossen Schnitzer, welcher von
vielen Bibliographen nachgeschrieben und unsers Wissens nur von Brv/net vermieden
worden ist.
Das Facsimile der römischen Charaktere dieses Werkes, welches Braun in
seiner „Notitia" auf Tafel II Nr. 7 giebt — zu schweigen von den unglücklichen
Schrift -Alphabeten, welche Herr Hofrath Zapf seiner „Augsbuiger Buchdruckerge-
geschichte" beigegeben hat — ist in den Minuskeln unrichtig. Unter No. 6 giebt er
ein Majuskel -Alphabet, welches wir in Thomas de Aquino: Catena aurea unter
nächster Nummer finden werden, und zu welchem die semigothischen Minuskeltypen
seiner No. 7 passen würden, obgleich sie etwas grösser scheinen. Wahrscheinlich hielt
Braun beide Minuskel-Alphabete des Isidorus und der Catena für übereinstimmend
nnd gab deshalb zu zwei Majuskel- Alphabeten nur ein Alphabet kleiner Buchstaben;
es ist dies aber ein grosser Irrthum. wie man bei gewissenhaftem Vergleich ersehen
kann. Das am Schlüsse mit Druckfirma und Datirung versehene Werk hat den
Original-Schweinslederband mit schönen Messingbeschlägen. —
No. 611.
St)oma0 be ;?lquino: ^^Satina aurea ^m conttnuum in qua-
luor fDangeliflas.*^
Augsburg) Günther Zainer, circa 1472« Folio-Format.
Dieser dickleibige Foliant hat weder Angabe des Druckers noch Datirung. Der
Text ist mit der fetten Zainer^schen Type, die Erklärungen mit einer halbrömischen
kleineren Schrift gedruckt, von deren eigenthümlichen Majuskeln Braun in seiner
,Notitia" auf Tai. II No. 6 ein entsprechendes Facsimile giebt; die Buchstaben H, I,
L, M, N, T zeichnen sich durch kleine runde Buckel aus, die ihnen angesetzt sind;
beim Isidorus No. 510 finden wir ein solches H.
Mit diesen ganz merkwürdigen Formen steht Günther Zainer ganz einzig da;
ein ähnliches H findet man nur bei Reyser in Würzburg und Husner in Strassburg,
bei letzterem hat aber das H denselben Buckel unterhalb des Querbalkens, während
er sich bei Zainer oberhalb desselben befindet Die obige Ausgabe der , goldenen
Kette" oder Evangelien - Erklärung ist Editio princeps. Hain No. 1328. Einband:
hellbraun omamentirtes Leder mit Buckeln und Schliessen. —
16*
244 "~ -A-ugsburg. —
No. 512.
,,9if fünflf icutfdjf 3\btV'
An^sbur^^ Günther Zainer, circa 1473* 2 Bände Gross Folio.
Diese, alle andern Bibeln durch ihr überaus grosses Formai überragende, nacb
dem Text der Yulgata verbesserte fünfte deutsehe Hibel hat am Schlüsse die
Angabe des Druckortes. Die fette Zainer^sehe Type , mit welcher sie gedruckt ist,
stellt nnsem ersten Augsburger Drucker als rühmlichen Erzeuger des schönen
typographischen Denkmals ausser Zweifel.
Jedes „Buch" des schonen Bibelwerkes fangt mit einem schönen 9 Centimeter
hohen und 7Vi Centimeter breiten in Holz geschnittenen Initial-Buchstaben an, in
welchem eine auf die Geschichte des Buches bezügliche Abbildung vorhanden ist
Kleinere Initialen sind roth eingedruckt. Der würdige Einband des grossen Folianten
besteht aus braunem Juchtenleder mit schweren Messingbeschlägen und Buckeln.
Hain No. 8183.
No. 513.
Smtti %txmxi\ ^^(ffptflala it cura et mobo rft fainiliarw*^
Au^sbnrgTy Günther Zainer, circa 1478« Ein Blatt in Gross-Folio.
Diese höchst seltene Ausgabe des Briefes des Heiligen Bernardi*s an seinen Enkel
Eay1mlnd^l8 „über Verwaltung des Hauses und der Familie" ist auf einem grossen
Folio-Blatte mit der kleineren gothischen Type Günther Zainer^s gedruckt. Zapf er-
wähnte davon ein Exemplar Band II No. 111 , aber ungenau. Panzer und Hün
haben indessen keine Notiz davon genommen.
Das Blatt ist in 60 Zeilen auf einer Seite gedruckt. Der Anfan» lautet:
,,3itcipit epiflola ütuti bemarbi ab ttaiimmtbit nepoUm || fttom He ntra ft mobo retfun-
iiaris Dtilitu gnbernanbo.** Der Schluss: ',,3mpr(|ra tfl prefens tvVa in angsflo • ptr
ffint^entm jaincr be Ketttlittcien.'' Es ist dies jedenfalls die erste Ausgabe dieses
spätestens 1478 gedruckten Briefes, ein enorm rarer Einblattdruck , der sich unter
Glas und Messingrahmen in imserer Sammlung befindet. —
Mit den bisher angeführten fünfundzwanzig hervorragenden imd seltensten
Druckwerken Günther Zainer's sind die Leistungen dieses berühmten Typographen
genugsam documentirt. —
^ojjannea 3d)tteper,
1470 bis 1472.
Der zweite Augsburger Drucker, dessen Drucke sich durch
schönes weisses Papier und durch gefallige Typen auszeichnen.
Von Letzteren wird behauptet, dass sie frühere Zainer'' sehe Typen
wären, wofür aber zum Mindesten keine Belege vorhanden sind.
Die Druckerei Schüssler'' s ging laut einer Urkunde vom Jahre 1472
schon in diesem Jahre durch Kauf mit Lettern und allem Zubehör
für 73 Gulden an das Kloster St, Ulrich <St Afra über, dessen
typographische Leistungen wir später kennen lernen werden. —
r
— Augsburg. — 245
No. 514.
3flat)m0 J>0fept)U0: ^^ftbri antiquitatum ^^^^
,St beU0 jttiatco libri »^JT/^
Augsburg*^ Johannes Schuessler, 1470* Folio-Format
Diese Ausgabe der ^Jüdischen Alterthümer* und des „Jüdischen Krieges mit
den Bomern*' ist die EdiUo princeps, und Exemplare derselben sind nach De Bure I
Seite 464 und Supplement No. 2840 höchst selten und gesucht. Zugleich ist
die Ausgabe der erste Druck Schüssler' 8 , dessen letzten Druck wir bereits in
oicbster Nunmxer antreffen, da seine tyiragraphische Thätigkeit nur eine kurze war.
Das Exemplar des Josephus ist mit mehreren in Farben und Gold ausgeführten
Initialen und schönen Bordüren geziert. Der schöne braune Lederband ist mit
geschmackvollen Beschlägen ausgestattet. Hain Nr. 9451. —
No. 515.
lacobttd be Sb^^^mo: «^Confolatto pKcatorum |toe iSialops
IBflial/^
Augsburg^ Johannes Schuessler, 1472* Folio-Format.
Der letzte Druck Schüsslers und die erste daUrte Ausgabe dieses zu damaliger
Zeit sehr verbreiteten originellen Prozessbuches, von dem wir schon unter Bamberg
«af Seite 87 eine Beschreibung gaben. Das Werk ist in sehönem Einbände mit ver-
silberten Beschlägen und Buckeln versehen.
Bei Hain sucht man den Artikel „Theramo" vergeblich, obgleich er unter „Belial-'
and „Jacobus" darauf verwiesen hat. Es folge daher eine genauere Beschreibung:
Die Ausgabe enthalt 115 unbezeichnete Blätter mit 85 Zeilen auf der vollen Seite.
Der Anfang lautet: Hentrrnbi patris bowini 3acobi be 31)cramo Comptnbin pbretu |
Confolatio ptccatomm itnncapatttin : (St apub nonnnllos £tUal || oocitatnm . ab papäQrbann
feita« Mttfcriptttm: 3ttcipit ftlicittr." Der Schluss: „grpUcit lib' bellal ttücttpQt9 al's
Dcton jfolatio Der 3o^\ ädiUVt || eine Sing*, impfftts . Uno bni üiocccclrrii. 3nlti oero
ttj«as tjj." —
€l)n|lmann ^(t)ni)^
1471 bis 1481.
Dieser sehr wenig bekannte Typograph, dessen ersten Druck
wir besitzen, hat wahrscheinlich seine Druckerei mit Günther Zainer
zusammen betrieben, denn sowohl der in unserer Sammlung befind-
liehe Druck als auch das zweite von ihm bekannte Werk, welches
Gras in seinem „Verzeichniss typographischer Denkmäler zu Neu-
stift in Tyrol" I. Sammlung, Seite 52 verzeichnet: „Das sacrament
d' heiligen Ee" vom Jahre 1481, sind mit Zaiiier's fetter gothischer
Type gedruckt. —
246 — Augsburg. — •
No. 516.
(ßuibo be monte 1lotl)em: ^iMAtivfXLluB curatorum/^
AugnsbnrgTj Christmann Heyny, 1471. Klein Folio-Format.
Dieses Buch, eine „Anweisung für die Priester bei allen Handlungen des Gottes-
dienstes", hat unter der Geistlichkeit eine grossartige Verbreitung genossen. Hain
citirt davon unter No. 8157 bis 8215 nicht weniger als Ö9 Ausgaben, welcb« bis
1500 ers<dilenen sind und wovon die obige Ausgabe unter No. 8171 die erste datirU
und sehr selten ist. —
1472 bie 1495.
Johann Bämler zählt ebenfalls zu den bedeutenderen Augs-
burger Typographen des fünfzehnten Jahrhunderts. Ihm gebührt
namentlich das Verdienst, in seinen Druckwerken besonders die
deutsche Sprache gepflegt zu haben. Seine eigenthümlichen Typen
nähern sich der Fractur-Schrift; aus einzelnen Buchstaben, M, N, A
und andern scheint sichtlich französisch-holländischer Einfluss hervor-
zugehen. —
No. 517.
Angsburg, Johann Bämler, 1472« Folio-Format.
Die erste daiirte Ausgabe dieses Werkes, dem wir schon wiederholt in andern
Ausgaben begegneten. Es sei hier noch angefügt, dass der Verfasser Johmmes Nyder
diese geistlichen Aufs&tze den y^Collationes patrum XXI V* des CSMSüznu« entlehnt hat,
welche er in freier Uebersetzung theils mit Verkürzungen, theils mit Erweiterungen
in die deutsche Sprache übertrug. Am Schlüsse des Werkes befindet sich die Druck-
firma nebst Datirung. Hain No. 11847. Das Werk befindet sich in altem schönen
Lederbande mit Schliessen. —
No. 618.
,8ol)anne0 ^nbrra: „jBer IBoin brr jfpptcn frfint fdjafft.^^
Angnsblirg, Johann Bämler, 14 74, Folio-Format.
Ist mit einer kleinen Type von holperigem Charakter gedruckt. Der dünne
Foliant um&sst nur 6 Blätter, von denen das letzte eine Tafel, den Baum derVer-
wandtscha/t j,Arbor consanguinitatis* vorstellt. Am Schlüsse befindet sich die Fiims
und Datirung. Hain No. 105S. —
Panzer besass nach den „Annalen" No. 57 eine Ausgabe ohne Firma und Datirung,
welche eine deutsche Uebersetzung von dem „Tractatus Jo .Andreae super arboribiis
consanguinitatis, affinitatis, cognationis spiritualis nee non legalis** war.
Unsere Ausgabe, welche nur eine kürzere Bearbeitung des lateinischen Trsctstus
des Andrea ist, besass Panzer nicht und führte sie auf Seite 81 nur nach Zapf s „Buch-
druckergeschichte von Augsburg" an; er knüpft daran die Fragen: „Vielleicht ist
— Augsburg, — 247
b«i der gegenwärtigen auch eine Uebersetzung des im lateinisohen befindlichen
arboris consangutnitatis legaUsf Vielleicht ist diese unter der ,t„vnver8ckaffien
Erbschaft"" zn verstehen?" —
Wir wissen nicht, ob Panzer die Antwort bei Lebzeiten erhalten hat; aber Beides
ist nicht der Fall. Die Consanguinitas legalis» das ist: eine Verwandtschaft durch
Toriiergegangene Adoption, ist auch in dieser Ausgabe nicht enthalten; die ^vnver-
ichaffte Erbschaft^, wie die Schlussschrift sagt, bezieht sich auf den Inhalt der
guzen Abhandlung, und soll wohl die rechtmässige Erbfolge ohne anderslautende
teBtamentarische Bestinunungen bedeuten. —
No. 519.
Hlid)ael Ät^rirk: ^^Uon au^gfbrantten nja|fern*^
AQgsbnrgr, Johannes Bämler, 1482. Klein Folio-Format
Die Schlussschrift dieser noch nicht beschriebenen Ausgabe lautet: ^Cebnükt
isttb QoUtnnbit oon 3o-|,l>oniti ItfimUr ^n Zu^fpitrs. ün fanct || Ülargaretieit abent.
3I1110 bonini. || Ül. cccc . Irrttj. \ta. icl'* Sie umfasst 14 unbezeichnete Bl&tter mit
S8 Zeilen auf der vollen Seite.
Zapf und Pamer kannten folgende Augsburger Ausgaben: Bämler 1478; Blau-
birer 1481 und 1482; Sorg 1488; Schoensperger 1484. Hain citirt noch Ausgaben
▼on Schönsperger 1488 und 14SS; Froscbauer 1496, ohne sie gesehen zu haben.
Gnesse citirt auch die vorliegende, aber nur ganz kurz. Die Type ist die schon
bekannte grossere. —
No. 520.
^^^u^Ugung itB amyitre ber tjetfligen mrlJe/^
Augsburg, Johann Bämler, 1484. Folio-Format
Wenn Zapf in seiner „Buchdruckergeschichte von Augsburg" I Seite 78 bei
Beschreibung dieses ohne Firma , nur mit der DaÜnmg gedruckten Werkes von
den Typen desselben urtheilt, dass sie „den Sorgischen sehr nahe kommen", so
müssen wir hingegen bemerken, dass gleich der erste Anblick des Buches uns auf
Bämler schliessen liess. Bestätigt wurde unsere Ansicht auch durch ein Alphabet,
welches Braun auf Tafel I No. 6 des zweiten Theiles seiner „Notitia" von Charakteren
Johann Bämler^s giebt, mit welchen Letzterer nach der Vorrede desselben Theiles
den mit Firma und Datirung versehenen ,4>eutschen Kalender** von 1488 gedruckt
luit. Hain hat unter No. 2144 die falsche Vermuthung Zapfs nachgeschrieben. —
No. 521.
^jjBie Hier Vixib ^metncjtg gulbin l)ar)))fen/^
Augrsburgr, Johann Bämler, 1488« Folio-Format.
Da Zapf zwei verschiedene Ausgaben des Werkes vom Jahre 1488 anfuhrt, geben
wir nachfolgend die Schlussschrift de? vorliegenden: ,,Das Idblil^ oi nttQli4) bBdl ^ot
^rtruAt 3ol|ati-||nes fifimter jn ZngfpnrQ. Vnb uoleibet %m. freii-Htag oor fant M\i^ti%
tsg. 3lnno xt, 3« bi, Ifnriii/'
Uebrigens ist die von Zapf aus dem Museum Helveticum Tomus VI, Particula XXIII
pag. 377 — 878, dtirte Ausgabe vom „sant Bartholmäus Abent" desselben Jahres auch
siAter von Niemand gesehen worden, so dass man an der Existenz der sonderbaren
248 — Augsburg. —
ztoM Auflagen in zwei aufeinander folgenden Monaten wohl nieht unbedingt fest-
halten dar!
Panzer beschreibt die Torliegende, zwei colorirte Holzschnitte in Blattgrösse ent-
haltende Ausgabe genau. Ihre grossen Typen finden wir bereits früher. Hain
No. 11852. Das Exemplar hat noch den alten wohlerhidtenen Schweindederband mit
starken Schliessen. —
1472 bi8 1516 (1).
Die von Vielen angezweifelte Existenz dieser Druckerei liat
der Geheime Rath Zapf in seiner „Augsburger Buchdruckerge-
schichte** in hartem Kampfe mit andern Meinungen urkundlich
bewiesen» Nach dem dort mitgetheilten Facsimile jener Urkunde
erwarb das Kloster im Jahre 1472 fünf Pressen der Schüssler schtn
Druckerei nebst allem Zubehör für den Preis von 73 Gulden.
Durch einen handschriftlichen „Catalogus Abbatum monasterii
SS, Vdalrici & Afrae** eines zu derselben Zeit im Kloster leben-
den Schriftstellers Wilhelm JVittwer, ist ferner nachgewiesen, dass
der gelehrte Abt des Klosters Melchior de Stamphain oder Stein-
heim, auch Stanham, den ,,Dialogum beati Gregorii in moralibtis
in vulgär i", beendet 1473, und die „Sermone s aureos Magistri
Leonardi de Utino de sanctis" , beendet 1474, drucken Hess, und
dass er ferner die Vollendung des letzteren und eines dritten Werkes,
des „Speculum historiale" von Vincentius in drei Bänden, nicht
erlebte, dass vielmehr beide durch seinen Nachfolger zu Stande ge-
bracht wurden, nachdem er bereits 1474 gestorben war.
Hierdurch wurden Anhaltspunkte gegeben, auch andere Drucke,
welche im Kloster producirt wurden, von denen aber kein einziger
eine darauf bezügliche Angabe enthält, durch Typen-Vergleichungen
aufzufinden. In Nachfolgendem werden wir drei dieser typographi-
schen Cimelien näher kennen lernen. —
No. 622.
Leonard! de TJtino „Sermones aurei de sanctis".
Augrsbnrgr^ im Kloster St. Ulrich & Afra, 1474. Folio-Format.
Des Leonardus von Utino „goldene Predigten von den Heiligen" haben wir
bereits in dem kurzen Vorworte über die Druckerei des Klosters St. Ulrich & Afra
als eines der Werke genannt, die in dem gleic4izeitigen Manuscripte des WUhelm
Wittwer als solche erwähnt werden, welche der Abt des Klosters Mdchior von
Steinheim hatte drucken lassen; die vorliegende Ausgabe, welche am Schltisse die
Datirung enthält, ist daher als Druck des berühmten Klosters von vornherein legitimirt.
Von der schonen römischen Type hat Braun in seinen Notitia auf Tabula III No VI
ein treffendes Facsimile gegeben. Hain No. 16180. —
r
— Augsburg. — 249
No. 528.
^ntoniue 1Sam])tgoUta : ^^i3tr brutfd) gulbtn ISibrl nad)
AngfSburgj im Kloster St. Ulrich Sc Afra, circa 1475. Klein Folio.
Diese ungemein seltene Uebersetzung der „Aurea BibliA" oder des ^Repertorium
Bibliae' — von dem italienischen Professor des canonischen Rechtes Antonius Rampi-
gollns, AmpigoUus oder Rampelogus im 14. Jahrhunderte veräisst — hat als Schluss-
scbrift die Worte : ,,!){( enbrt bi( gtilMn 6{iiel gebmdit }vi Zugsimri)/' Wer sie aber in
Augsburg gedruckt haben könne, dies festzustellen ist man bis heute in Verlegenheit
gevesen. Es kann indessen hierüber gar kein Zweifel sein, wenn man sie mit dem
prächtigen Werke Salemonis ^Oloisae ex ittustrisgimis collectae auctoribus'^ vergleicht,
das spätestens 1476 mit denselben Typen wie die Sermones Leonardi de Utino in
der Druckerei des Klosters St. Ulrich & Äfra hergestellt und mit prachtigen, sehr
geschmackvoll gezeichneten Initialen verziert wurde, die heute noch vielfach als
Muster dienen.
. Eben diese Initialen nämlich finden sich auch in der y^Quldin BiheV^ und obwohl
die übrigen Typen der beiden seltenen Werke verschieden sind, so wird hierdurch
der gemeinsame Ursprung beider Werke aus derselben Offizin dennoch zur Evidenz
ersichtlich. Wunderbar genug ist es, dass ein so charakteristisches Merkmal bisher
allen Bibliographen entgehen konnte.
Nachdem wir nun einerseits den Beweis für die Zugehörigkeit dieses seltenen
Druckwerkes nach Augsburg und speciell zur Druckerei des Kloster St. Ulrich & Afra
geführt haben, müssen wir andrerseits etwas näher auf die Conjecturen der Gelehrten
eingehen, welche es von dort zu entführen sich unendlich viele Mühe gegeben haben.
Schon Seemiller soll nach Panzer III Seite 588 die Unterschrift der „guldin Bibel*',
aus welcher hervorgeht, dass sie in Augsburg gedruckt ist, für y^verdächUg'^ gehalten
haben und daran knüpft Herr Professor Hassler in seiner Buchdruckergeschichte
nim's vom Jahre 1840 eine Reihe von Scheinbeweisen für die Yerstärsimg dieser
Hypothese; er glaubte dadurch den seltenen Druck für sein Ulm und besonders für
seinen Liebling Ludwig Hohenwang gewonnen zu haben.
Hiemach nämlich soll nun „die Endschri/t nicht gleichzeitig mit der Presse gedruckt,
sondern mit einzelnen Buchstaben später aus freier Hand eingedruckt se*«"; die
Beweise aber, die dafür unterstellt werden, sind alle aus der Luft gegriffen. Es
sollen nämlich nicht nur das nächste Blatt, sondern noch mehre Blätter rückwärts
die Spuren des Drucks unverkennbar an sich tragen. Wir können aber nur sagen,
das» wir selbst mit der Loupe keine Spur dieser Spuren zu entdecken vermochten.
Die Buchstaben sollen grober und zum Theil von ungleicher Dimension, namentlich
das H grösser sein, als in der Schrift des Textes. Unsere genauesten Untersuchungen
vermochten aber nur die vollkommene OrössenübereinsUmmung in den Typen der
Endschrift mit denen des übrigen Textes zu constatiren.
Wir begnügen uns damit, diese beiden Hauptbeweise zu dementiren, während
die Nichtigkeit aller andern daran geknüpften Combinatiönchen ebenso klar zu Tage
liegt, und kommen nur zu der Frage: Wer in aller Welt sollte überhaupt ein Interesse,
wer auch nur Gelegenheit gehabt haben, diese Unterschrift durch die ganze Auflage
des Werkes zu f&lschenl? Denn in sämmtlichen bekannten Exemplaren lautet ja
diese Schlussschrift gleicht Die Ungereimtheit und Unmöglichkeit dieser Hypothese
liegt so sehr auf der Hand, dass man sich wirklich wundern muss, wie ungleich sie
sich zur geraden Denkkraft des Menschen verhält, und dennoch nur ausgesprochen
KU werden brauchte, um sofort Anhänger zu finden; denn wir lesen dieselbe Unge-
reimtheit bereit« in der Schrift des Professor Mezger: , Augsburgs älteste Druckdenk-
male" 1840, wo sie auf Seite 70 und 71 sogar ohne Angabe der Quelle benutzt wurde.
250 — Augsburg. —
Die Ursache, wodurch man zu jener Vermathung gelangte, liegt in der von den
Gelehrten festgestellten Gleichheit der Typen dieser „Guldin Bibel" , mit denen der
^ Summa hostiensis" des Heinrich von Susa, welche Ludtvig Hohenwang im Jahre 1477
mit Firma und Datirnng, wenn auch ohne Angabe des Ortes gedruckt bat Obwohl
wir nicht selbst Gelegenheit hatten, die Typen beider Werke zu ve^leichen, so wollen
wir ihre Gleichheit zwar nicht bestreiten, lassen sie jedoch vor der Hand dahingestellt,
da wir hierin schon schlimme Erfahrungen machten.
Diese Uebereinstimmung der Typen aber als richtig angenommen, konnte ja
immer noch das Werk in Augsburg von Hohenwang selbst gedruckt sein, zumal keim
Urkunde beweist, dass er um jene Zeit wirklich in Ulm gewesen ist, wenn anders
nicht die Initialen des Werkes auf das Kloster St. Ulrich wiesen, während sie bei
Hohenwang in keinem Drucke vorkommen.
Wir wollen Herrn Professor Hassler's sehr wahrscheinlich klingende fieweise für
Hohenwang's Zugehörigkeit nicht weiter anfechten, aber warum sollte sich Hohenwang
nicht vorübergehend in Augsburg, der Hauptstadt des Schwabenlandes, aufgehalten
haben? Wäre dies auch nur gewesen, um dort die Typen des Klosters St. Ulrich
für seine Druckerei zu erwerben , wie wir es auch nur annehmen könnten, wenn es
eich bestätigte, dass die Gleichheit jener Typen in der That vorhanden ist.
Möge jedoch Ludwig Hohenwang immerhin in Ulm verbleiben, deshalb verbleibt
die „Guldin Bibel" dennoch Augsburg und der Druckerei des Klosters St. Ulrich als
ihrer Schöpferin. Denn auch die weithergeholten Erwägungen Professor Hassler^s,
der in <lem Uebersetzer der Bibel den Autor des. verdeutschten Yegetius, also wieder
Hohenwang erkennen will, sind lediglich vom Standpunkte seines übereilten Strebens
für sein Thema zu betrachten. Wenn beide Uebersetzungen schülerhaft erscheinen,
beide im schwäbischen Dialekte gehalten sind , so ist dies einmal ein Zeugniss für
den betrübenden Stand damaliger philologischer und specieU deutscher Sprachkennmiase,
und zum Andern beweist es die gemeinsame Quelle des Landes, in welchem beide
Uebersetzungen entstanden sind; aber aus der ängstlichen Abhängigkeit von der
lateinischen Construction , welche diesen Uebersetzungen in schülerhafter Weise ge-
meinsam ist, die womöglich berechtigte Originalität eines bestimmten Sprach-Meisters
herauszufinden, dies muss man erst wollen, um es zu können!
Schliesslich sei auch noch die Ansicht Professor Hassler's, dass die Uebersetzung
der „Guldin Bibel" nach der bei Johann Zainer zu Ulm im Jahre 1475 gedruckten
Ausgabe des lateinischen Originales gefertigt sei, in kurzen Betracht gezogen. Die
lateinische Original-Ausgabe Johann Zainer's ist allerdings die erste datirte, und wenn
die Uebersetzung nach Ulm verlegt werden sollte, so war es ganz bequem, die erstere
das Original dafür sein zu lassen; aber schon viel früher waren undatirte Ausgaben
des lateinischen Originales in Cöln und Augsburg, hier sogar in der Klosterdruckerei
zu St. Ulrich selbst erschienen, und es erklärt sich also daraus das Erscheinen einer
bald darauf (gedruckten deutschen Ausgabe in dieser Druckerei um so leichter; wir
können daher auch in Betracht aller Kennzeichen eines hohen Alters, welche unsere
„Guldin Bibel" aufweist, den Druck mindestens in das Jahr 1475 versetzen, obwohl
sie eher noch um 1473 bis 1474 entstanden sein dürfte. Hain No. 13690 ist bezüglich
des Formates zu corrigiren, welches nicht Quart, sondern klein Folio ist. —
No. 6U.
Salemonis ecclesiae Constantiensis episcopi „Glossae ex
illustrissimis coUectae auctoribus".
Augsburg, im Kloster St. Ulrich & Afra, 1476. Gross Folio-Format
Die vollkommene Typengleichheit des vorliegenden höchst seltenen Werkes mit
den Sermones Leonardi de Utino unter No. 622 macht es als einen Druck des
Augsburg. — 251
berühmten Klosters kenntlich. Aufifiallend ist es, dass Hofrath Zapf, der in 'seiner
Augsburger Bnchdruckergesobichte von 1786 sich das Verdienst erwarb, die Druckerei
des Klosters St. Ulrich & Afra recht eigentlich ans Lebenslicht zu ziehen, in den im
^&hre darauf Ton ihm herausgegebenen „Merkwürdigkeiten der Zapf sehen Bibliothek"
L Stück Seite 130 und folgende den Drucker dieses Werkes nicht herauszufinden
vusste, obgleich die inüme Beschäftigung mit diesen Drucken noch kurz vorher ihn
Auf leichte Weise zu dieser Erkenntniss hätte führen müssen.
Das obige Werk enthält gesammelte Citate aus berühmten Schriftstellern und ist
Ton hervorragend philologischem Interesse. Berühmt sind die wundervollen Initialen
in Holzschnitt, welche darin enthalten und in unserm Exemplar höchst abwechselungs-
Toll mit lebhaften Farben ausgemalt sind. Das lexicalisch eingerichtete Werk enthält
im Ganzen 287 Blätter; auf Blatt 239 fängt ein neues Alphabet oder Glossarium an,
velcbes als zweiter Theil gelten kann. Auf diese Weise findet sich bei den Initialen
Jeder Buchstabe des Alphabetes zweimal vertreten ; nur im ersten Theile ist das P
ausgefallen und hierfür ein mit der Hand gemaltes gesetzt; im zweiten Theile fielen
die Buchstaben K und Y aus, weil der Text des Werkes sie nicht brachte. Hain
«itirt das Werk unter No. 14134 ohne es gesehen zu haben und die Druckerei zu
kennen. —
1475 bi0 1493.
Einer der productivsten Augsburger Drucker, der sich nicht
weniger durch den Werth seiner Druckerzeugnisse verdient machte,
aus welchem das von ihm im Jahre 1483 herausgegebene „Concilium
zu Consranz" als das erste gedruckte Wappenbuch mit 1200
Abbildungen besonders hervorragt, von dem ein Prachtexemplar
auch in unserer Sammlung eine Stätte gefunden hat. Interessant
ist es, dass Anthon Sorg sich zinnerner Typen bedient hat, wie er
in mehreren Werken durch die Schlussschriften selbst bekundet.
No. 525.
3anrti ^Jlttgttftim: ^^Jxbtx qut nocatur j&uinquagtnta."
AngTSburgr^ Anthon Sorg, 1476. Folio-Format.
Der erste Druck Anthon Sorg's mit der Firma und Datirung vom Februar 1475 ;
«igleich im 15. Jahrhimdert die einzige bekannte Ausgabe dieser 50 Homilien des
heiligen Augustinus, welche von Hain unter No. 1987 beschrieben ist. —
No. 526.
;?ol)annt0 pitl)fam „?ibfr ie oculo Tnoralt*^
Augsburg^ Anton Sorg, circa 1475« Folio-Format.
Des Johannes Pithsanus, Erzbischof von Canterbury „Buch über das moralische
Auge« ist mit der gleichen, interessanten .Type gedruckt, wie das in voriger Nummer
beschriebene Werk, hat aber weder die Angabe des Druckers noch der Jahrzahl.
^«52 — Augsburg. —
Zapf chirt in der Augsburger Bachdruckergeschichte 1 Seite 1S9 das Werk mit
folgender Schlussschrift: „Tractatns (Johannis Pithsani Archiepiscopi Cantuariensi«)
de oculo morali finit feliciter Auguste per Antonium Sorg.* Allein die letxten vier
Worte befinden sich nicht bei dem Colophon unseres Exemplares; ancb bat kein
anderer Bibliograph dieselben wiedergegeben ; wir müssen also ein Falsum vermutbeo.
Hain No. 9426r—
No. 527.
^,iBa0 id ber feie trofl genannt.*^
Augrsbnrgr« Anthon Sorg, 1478« Folio-Format.
Aelteste Ausgabe dieses Andachtsbucbes mit der Erklärung der Zehn Gebote;
zu deren Jedem ein blattgrosser Holzschnitt gegeben ist, wovon in unserm Exemplar
die meisten in Farben ausgemalt sind. Die Type ist eine viel grossere wie in den
frühem Nummern, ähnlich der fetten Zainer^schen Schriftgattung* Hain No. 14582.
Unser schönes Exemplar hat dunkelbraunen Ledereinband mit versilberten Buckeln
und Schliessen. —
No. 628.
^mbropi ^^ÖEfplanatto in corpus eDangclü 5. ?^^cae*^
Augsburg, Anthon Sorg, 1476. Folio-Format.
In dem Colophon „der Erklärung des Evangelisten Lucas", welches Firma und
Datirung enthält, kommt auch die Notiz vor, dass Sorg mit zinnernen Typen —
y^stagneis Karacteribus*^ — druckte. Da es dieselben Typen sind, wie bei den vor-
he^ehenden Werken, so sehen wir, dass er von Anfang an mit solchen Charakteren
gedruckt hat. Hain No. 900 hat unrichtig „aUuineis*' geschrieben. Der schöne
braune Ledereinband unsers Exemplars hat versilberte Buckeln und Schliessen. —
No. 529.
„^eiftfrlieb Dom Stob als ?8rttelmann in bes JJorj
Sd)tll)fr «Briff/*
Augsburg^ Anthon Sorg, circa 1480* Fragment eines Einblatt-
Druckes in Folio-Format.
Wahrscheinlich Unicum eines hochinteressanten typographischen Productes und
eines, wie es scheint, Goedecke unbekannten Meisterliedes, welches zu unserm grossten
Leidwesen nur Fragment, wenn auch ein grösseres und gut erhaltenes ist. Es ent-
hält 13 Strophen von meist sechs, aber auch acht Versen, und es ist nur der Anfang,
von dem ein Theil fehlt, das Ende ist unversehrt. Die erste Strophe des Fragmentes
lautet :
,,IOommb klaibc/l bn bid) fo in woniger geflalt • M on ba; rei^titiig vnb gcnalt •
gar bolb l)in tl^St fd)U9tf»i • mit xtiö) nitb mSditig er ba ifl • in Ifilfft nidft rridjtnng ntii
ktin lifl • b' tob tut in btgreijfen." Die vierte giebt den Anhaltspunkt für den Dichter
d^ Liedes; sie lautet: „Das laßt tnd} }u ^(rqen gan • tr »erben criflenleftte, brr retik
«nb ani4 ber karge man • t^unb w% bie teiirnnq beftten • bie l^at «aria «nb ir liebes
kinb bitigefdioben • bes foU loir got banken onnb loben «im oller l^oibflen prt^^ • bei
rot ttb in bes iörg fdjilljerw'iß.
Möge noch die letzte Strophe hier Platz finden: Des lob toir bilb ba roine mo^b •
bie ibefnm bot getragen • bn ijofl keinem ffinber nm oerfotit • ber fein fiinb tl)lt et-
«lagen • nnb aolget naib \itB prieflers rot • fo wirb im gnob tljnt nnß flltte|ler fngen,**
r
— Augsburg. — 253
Der Druck dieses Rarissimum stammt zweifellos aus der Officin Anihon Sorg*8,
«bgleieh besilgliche Angaben nicht vorbanden sind; die Typen entsprechen aber genau
denen, welche Braun in seinem zweiten Theile auf Taf. 1 No. II durch ein treffen-
des Alphabet facsimilirt hat, die auch in mehren Druckwerken unserer Sammlung,
unter No. 583 bis 584 vorkommen. Die einzelnen Verse des Liedes sind fortlaufend
gedruckt; die Strophen aber abgesetzt. Das Ganze betragt 28 Zeilen im Druck. Auf
der Kückseite findet sich von alter Hand geschrieben : ^^Dos bai^ ge^drb yiM l^e^Hscn ||
trefi} jn ngtnfynrg prebiger orbens.'* Unter Doppelglas und Messingrahmen. —
No. 530.
^ßtiB Conciliumbud) 9Cfd)el)fn ju Co|tencj/^
Augsburg 5 Anthon Sorg, 1483« Folio-Format.
Die berühmte erste A-usgabe dieser Beschreibung des Concils zu Constanz,
von einem Augenzeugen in allen seinen Begebenheiten treu wiedergegeben, erhält
neben ihrem historischen Werthe ihren besondern Vorzug durch die darin abgebil
deten UM Wappen aUer der vornehmen Männer, welche aus der ganzen Christenheit
«uf jenem Ökumenischen Concile vom Jahre 1414 versammelt waren. Es ist dadurch
zugleich das erste ziemlich vollständige Wappetihuch und für die heraldische Wissen-
schaft von hervorragendem Interesse.
Weitere 44 Holzschnitte dienen zur bildlichen Veranschaulichung aller Au£Eüge,
Feste und Begebenheiten, welche sich auf dem Concile zugetragen. Der Original-Codex
dieses Buches befindet sich in der Kanzlei der Stadt Constanz, nach welchem Anton
Sorg die Ausgabe mit ihren trefflichen Malereien herstellen liess. Die Type in dem
mit Firma und Datirung versehenen Werke ist dieselbe wie im »Seelentrosf unter
No. 527 unserer Sammlung. Hain No. 5618. —
No. 531.
^^^5|l0ri öon bfm jrofffn ^Irjranber.^^
Augsburg 9 Anthon Sorg, 1483« Klein Folio-Format
Dieses Werk ist eine deutsche Uebersetzung des lateinischen „Liber Alexandri
magni regis macedonie de preliis" — erste Ausgrabe: ohne Ort und Jahr, mit den
Typen von Kettelaer & Leempt in Utrecht gedruckt, ein Werk, das auf historische
Treue den geringsten Anspruch macht, vielmehr die Geschichte Alexander's roman-
haft in die Ritterzeit des Mittelalters übertragt. Panzer, der die vielen Ausgaben
dieser von Dr. Hartlieb besorgten deutschen Uebersetzung in seinen Annalen aufführt,
urtheilt in sichtlichem Aerger über den Inhalt des Werkes als „einer abgeschmack-
ten und einfaltigen Fabel" und stellt den vom Uebersetzer der Ausgabe proponirten
Autor des Originales Eusebivs entschieden in Abrede.
Der wirkliche Autor ist indessen unbekannt geblieben. Die Uebersetzung wurde
znerst 1473 von Bamler in Augsburg gedruckt und erschien darauf noch oftmals in
Augsburg uud Strassburg. Die vorliegende Ausgabe enthält 27 in unserm Exemplar
illuminirte Holzschnitte, am Schlüsse Druokort, F^rma und Jahrzahl und ist mit der
grossen Type gedruckt. Dasselbe hat geschmackvollen grünen Ledereinband mit
silbernem Beschläge. Hain No. 789. —
No. 532.
^,ö?in wäre nad)-||ttol9ung Cl)ri(lt/^
Augsburg 9 Anthon Sorg, i486. Klein Quart-Format.
Erste sehr seltene deutsehe Auttgabe dieses berühmten und im fünfzehnten
Jahrhunderte vielfach lateinisch und deutsch gedruckten Gebetbuches von Thomas a
254 — Augsburg. —
Kempifl, dessen allererste Ausgabe des lateinischen Originaltextes gleichfalls Augsburg
lieferte, wie wir bei Gänther Zainer bereits unter No. 500 gesehen haben. Die Type
ist von derselben Gattung, mit welcher das Meister-Lied unter No. 529 gedruckt ist,
und die nun häufiger wiederkehrt. Am Srhlusse steht die Datirung mit der Dmckfirma.
Original-Lederband mit vergoldetem Messingbeschlag. Hün No. 9116. —
No. 533.
^^i0if fart ober vttf^ ihn merr || ju bcm IjfijUöf grab unfcra
i)fr II xtn ß\)tfn crifli gen jJljrrufaUm || ^uc^ ju in \)tr)[\^n
tttnckfral|ttJfn fant lRatl)mnfn grab auf bem brrg Sj^mV^
Augsburg, Anthon Sorg, 1488« Klein Folio-Format.
JSin schönes, wohlerhaltenes Exemplar dieser deutschen Ausgabe der „Reisen des
Bemardus de Breydenbach" , mit Druckfirma und Jahrzahl und mit den nämliclieD
Typen wie das vorhergehende Werk gedruckt. Es enthält auf 193 Blättern auch
8 colorirte Holzschnitte, die aus der Mainzer Original- Ausgabe von 1486 — vergleiche
No. 42 unserer Sammlung — entlehnt sind. Der Original-Holzeinband mit Leder-
irücken ist sehr hübsch vait Messing beschlagen. Hain No. 8960. —
No. 634.
ISrtolf uon bcijfrlant; ,^^rcJne^bud)*^
Augsburg, Anthon Sorg, 1488. Quart-Format.
Dieselbe Type wie in vorigem Werke, mit Druckfirma und Datirung am Schlüsse.
Ueber den Inhalt des medicinischen Werkes und über den Verfasser, welcher sich
in der Vorrede wie oben angeführt nennt, sehe man die Untersuchungen Fanzer's
bei den verschiedenen Ausgaben des Werkes, die er in den Annalen der altem
deutschen Literatur besprochen hat. Hain Nr. 12116. —
No. 535.
,)€urfU0 bfootionaUd oarit cum feptcm JSfalmid porniten-
tialibud uigtUtd mortuorum/^
Augsburg) Anthon Sorg, 1489. Klein Octav-Format.
Dieses kleine aber ziemlich starke Buss- und Andachtsbuch ist mit einer gotbi-
schen Type verbesserten Schnittes gedruckt. Am Schlüsse steht die Firma mit
Datirung. Auf der Innern Seite des hintern Deckels befindet sich in dem Exemplare
ein historisch höchst wichtiges Holzschnittbild, den Ablass betreffend, auf welchem
zu lesen ist: ,,liali|l ÜUiabtv b'oi . Ijat gebe eim ielTellbrr biß gebet asbeditig breimtl
ryriibtlloor fanct Slnnabilb, f. m. iar ablas t9t||H4er fttnb, on. ir. m. tfiglidier . . ." —
Original-Lederband mit Messingbnckeln und Schliessen. Hain No. 5860« —
No. 536.
y^^AB bud) uon beut U||bfn mi pttm itx t^tijinillfdjfnmatflfr.**
Augsburg 5 Anthon Sorg, 1490. Quart-Format.
Die interessante Schlussschrift auf Blatt 160 dieses Werkes lautet: „Hit »btt
fii^ ba} bttib ber le',|beit, ber notilrlidien moifler, mit fren }ftd|- |t(n: leren, onb fvvi^
— Augsburg. — 255
^er IltUtt naß {res || bnditxü utSse^oge«. Qnsb l^qeiitn bnrd) || 3(itti)oiii forgett }n Slngf-
btrg mit gtiicjc || fltiß onb oai^enber arbeit von nene ang || bem lotein in teiltf4 gcf^ribett
nb (jema |d)et, getrnAtt nnb ooUenbet am offtermö || tag nad) fatit £ti\ctn tag. Dnbtr
)en iarllonfcrs \^trrtn 3i)efa (Srifli tanfenb tii(rbn-| bert onb nefincjig 3ar/'
Man ersieht daraus, dass der berühmte Drucker Anthon Sorg auch die lieber^
Sitzung des Werkes geliefert hat, dessen lateinisches Original der gelehrte Engländer
Walter Burley wohl in den ersten Decennien des 14. Jahrhunderts rerfasste. Diese
»Vitae Philosophorum" erwähnt Hornberger in seinen „Nachrichten" IV Seite 584 ia
einer wenig schmeichelhaften Kritik als eines Werkes ,¥011 von den sonderbarsten
Fehlern, die bei den Quellen, deren sich der Verfasser bedient hat, mit der Unwissen-
heit der damaligen Zeiten nicht entschuldigt werden können". Alter Original-Leder-
band mit Messingbesehlag. — Hain No. 4185. —
3ol)ann Wxtntx be H^ienna^
1475 bis 1479.
Ein Typograph, von dessen näheren Lebensumständen Nichts
bekannt ist. Es ist fraglich, ob er mit dem Johann von Wien, der
auch im Jahre 1476 in Vicenza eine Officin hatte, Eine Person sei. —
No. 537.
Augsburg^ Johann Wiener, circa 1475* Folio-Format
Der Drucker dieser Ausgabe ohne Druckfirma und Datirung ist durch die Typen
festgestellt, welche auf den ersten Blick viele Aehnlichkeit mit der fetten Schrift des
Gänther Zainer haben; aber es giebt bei genauerer Prüfung viele unterscheidende
Merkmale, von denen wir einige anfuhren wollen: Das 3 hat hier vorn 2 Häkchen,
bei Zalner nur eins. Beim £ ist die obere Schlinge hier nach oben gebogen, bei
Zainer nach unten. JD, It und (A erscheinen hier viel breiter, als bei Zainer. Ganz
abweichend ist das £, welches hier drei Federchen, bei Zalner nur deren eins hat.
Gras führt auf Seite 228 seines Verzeichnisses das Werk an und giebt auf
Tafel IV No. 17 ein ziemlich treffendes Facsimile der Typen des Johann Wiener.
Bin gleiches giebt auch Placidus Braun auf Tafel II Nr. VIII seiner „Notitia",
sehreibt die Type aber unrichtig dem Qünüier Zainer zu. Es ist indessen aus
15rucken, welche die Firma Wieners tragen und mit gleicher Type gedruckt sind,
«um Beispiel S. Alberti sermones de tempore et de sanctia, ohne Datirung — vergleiche
Helmschrott II Seite 16 — unwiderleglich Johann Wiener als Drucker des Werkes
festgestellt.
Herr Bibliothekar Ö'ras] behauptet am angeführten ^Orte, dass dieser Traktat
„über verschiedene moralische Gegenstände" fälschUch dem Pariser Kanzler Johannes
Person zugeschrieben würde, ohne Jedoch sich auf Begründung seiner Ansicht ein-
nüassen. Fehlt bei Hain. Die Ausgabe enthält 23 gezählte und 2 ungezählte Blätter
mit 34 Zeilen auf der vollen Seite. Der Anfang lautet: „3(cnntlir cöclnflones i>e
iiserfis vottriis mOToUhl «ti || Uf ualbe . . ,^ und das hintenanstehende Register
sehliesst: „dcios etiam in Svn^tx qi malta initenits notahila in ))ro|;ctfrn rtgularum.
«IM non continent regiflrttm pfcriplum.*» —
256 — Augsburg, —
1478.
Ein Drucker, der nur durch ein einziges mit Firma versehe-
nes Werk als Augsburger Typograph bekannt ist. Indessen hat
der verdienstvolle Bibliothekar Gras in seinem Verzeichniss Seite 57
ein Werk unter dem Titel „Viola Sanctorum" mit der Jahrzahl 1482
namhaft gemacht, von dem er behauptet, dass die Typen vollkom-
men mit den Johann Keller'schen zusammentreffen. —
No. 538.
„!9acabttlariu0 rerum latinoteutomcus/^
Augsburg^ Johannes Keller, 1478« Folio-Format.
Als Verfasser dieses „Vocabularius" wird von mehreren Bibliographen falschlich
Weiizeslatis Brack angegeben. Das ist aber eine Verwechselung mit einem andern
Vocabularium , von dem wir Johannes Schoensperger's Ausgabe von 1495 besitzen,
und welches zusammengesetzt ist, wie der Verfasser selbst angiebt, aus: 1. Isidon
eüiymologiae libri X; 2. einem alphabetisch geordneten latetntsch-deutschen Wörter-
verzeichnisse ; 3. einem modus scribendi epistolas, also Brief-Steller ; 4. den 6 Büchern
des Bidascalion Hugonis de S. Victore,
Der Verfasser des obigen Vocabularius ist unbekannt; er enthält nur ein lateiniscb-
dentsches nach 121 Sacheintheilungen geordnetes etymologisches Sprach- und Sacb-
wörterbuch. Der Druck ist als einziges legitimirtes Erzeugniss der Keller^schen
Offizin bekannt und von grösster Seltenheit. Genugsam bekannt ist es auch, dass
€8 davon Exemplare mit der Jahrzahl M . CCCC . LXVIII giebt , welche durch einen
Druckfehler mit Auslassung einer X entstanden sind.
Von der eigenthümlichen Typenform giebt Falkenstein Seite 159, auch Placidos
Braun Tafel III No. V, eine Probe in Facsimile. Auch Hain führt dieses Vocabula-
rium ßlschlich unter Brack No. 37U9 auf, ohne es selbst gesehen zu haben. Unser
wie neu erhaltenes Exemplar ist nach altem Muster geschmackvoll in braunes Leder
gebunden und mit Messingbeschlag geziert. —
Jol)antte0 pilaubirer^
um 1481.
Ein nur wenig bekannter Drucker, der wahrscheinlich nach
Günther Zainer*s Tode dessen Schriften oder einen Theil derselben
erworben hat, da in den uns vorliegenden zwei Drucken die fette
Type Zainer's bemerkt wird. —
No. 539.
,,Ser tnitfd) CaUnbrr 1481/^
Augsburg, Johannes Blaubirer, 1481. Klein Quart-Format.
Ein Buch von der grössten Seltenheit, von den Bibliographen, deren ketlner es
gesehen hat, zwar erwähnt aber nicht beschrieben. Panzer No. 138 weiss nur an-
— Augsburg. — 257
iugeb«o: „Ein Kalender mit astrologischen Anmerkungen", was Hain No.9788 coptrt
bat. Graesse und Brunei kennen es gar nicbt.
Der Band besteht aus 80 Blättern, davon das erste und das letzte leer ist. Die Type
ist fett gothisch, der Günther Zainer'schen vollkommen gleich und jedenfalls nach
dessen Tode von Blaubirer angekauft. Am Anfange Jeden Monats befindet sich eine
Gesundsheitsregel in Prosa und eine zweite in Yersen von Je 10 VerszeilaD.
Ein Dichtwerk aus so früher Zeit verdient eine Stelle in der Geschichte der
deutschen Nationalliteratur, doch ist es weder bei Goedeke noch anderswo zu finden,
vreil eben kein Bibliograph es gesehen hat.
Der eigentliche Kalender beginnt bei jedem Monat mit einem Holzschnitte ^ die
der Jahreszeit eigenthümliche Beschäftigung darstellend, daneben stets das StemhilA
Dann folgt ein grosser Holzschnitt auf einem Blatte besonders abgezogen gegenüber
der Tafel der „b5sen verworffen tag", eine menschliehe Figur mit den zwölf Zeichen
darstellend, die Erklärung der zwölf Zeichen wiederum mit den HolzschniMen der
Sternbilder, die der sieben Planeten mit ebenso vielen höchst merkwürdigen Holz-
schnitten, denen die Sternbilder nochmals beigafügt sind und mit Je 4yer8zeilen
schliessend.
Dann folgen die Kapitel „Von den übrigen Kören der hymel" mit 4 Holzschnitten,
„Vom dem kalten Magen", von den Aderlässen und viele andere Gesundheisregeln
mit zahlreichen Holzschnitten. Wir zählen im Ganzen 44 Holzschnitte ohne die
zahlreichen Wiederholungen zu rechnen. Dieselben tragen ein gleichzeitiges, leichtes
Colorit. Unser schon erhaltenes Exemplar ist in grünes Leder gebunden, mit ver-
goldeten Messingbuckeln und Schliessen. —
No. 540.
Aagsburg^ Johannes Blaubirer, circa 1482« Klein Quart-Format.
Das Original dieses Schriftchens, von dem wir nur ein gutes Facsimile besitzen
fanden wir nirgends aufgeführt. Es enthält auf 8 Blättern ein launig - poetisches
Drei -Würfelspiel; in 56 sechszeiligen Versen ist zu jedem Wurfe, von der höchsten
»Achtzehn" bis zur untersten „Drei', die Erklärung oder Deutung desselben gegeben.
Am Schlüsse steht nur: ^^fftbrugt tyx iXugfpttrg 1| oon 3o^es ißlaubirer.*'
||enn$nn Häftlin^
1481 bt6 1488.
In der Augsburger Jubiläumsschrift vom Jahre 1840 lässt Herr
Dr. Meyer diesen Drucker nur bis 14:84: thätig sein, obgleich selbst
^^Pf» der sein vielleicht einziger Gewährsmann war, in sein^ »»Zu-
sätzen" schon Drucke von 1485 und 1488 anführt; eine etwas gründ-
lichere Benutzung nur dieses Einen Schriftstellers hätte also schon
ein anderes Resultat geliefert.
Wenn man bemerkt, wie bei der mühsamen "Wissenschaft der
Bibliographie selbst die glücklich geförderten Resultate häufig mit
gleichgültiger Negation behandelt werden, wenn Schriftsteller ihrem
17
258 — Augsburg. —
Publikum, dass doch von ihnen belehrt werden soll, Nachrichten
auftischen, die vor einem halben Saeculum schon überwundener
Standpunkt waren, so möchte man sich fragen, wie Jemand sich
berufen fühlen kann, in einem Fache lehren zu wollen, worin er
zu lernen verschmähte? Wenn Literatoren, die durchaus unter die
Bibliographen gehen und Bücher machen müssen, nur wenigstens
gründlicher abschreiben wollten, dann läge gerade diese
bisher so vielseitig maltraitirte Wissenschaft gewiss viel weniger im
Argen! —
No. 541.
Jfacöbt bf 190rag.inf: ,,?3jiU8 fermonum ir faitctto^*.
Angsbnr^^ Hermann Kästlin, 14S4« Folio-Format
Sehr seltener Druck Kästlin^s, von dem nur Weniges bekannt ist. Die gothische
Type zeigt schon einen modernen Schnitt. In dem „Verzeichniss der ältesten Druck-
denkmale von Augsburg in der Stadtbibliothek daselbst", welches der Bibliothekar
Professor Mezger im Jahre 1840 erscheinen liess, finden \rir auf Seite 58 eine Aus-
gabe des vorliegenden Werkes von 1483 angezeigt mit der Bemerkung: »Zapf ▼«
dieses Buch nicht bekannt''.
Indess war Zapf die Ausgabe von 1484 sehr wohl bekannt, und wir müssen
besweifeln, dass eine Ausgabe von 1483 in der That existirt, vermuthen -vielmebr
einen Schreibfehler' in der Angabe der Jahrzahl, zumal die Schlussschrift nnd aucb
die übrige Datirung vom 10. April ganz gleichlautend sind; es müsste dfflin ein
sonderbarer Zufall sein, dass eine Ausgabe von 1483 tmd eine von 1484 am selbe»
Tage des Jahres erschienen wären. Fehlt bei Hain. Die Ausgabe hat 8 ungec&blte
tmd 198 gezahlte Blätter in zwei Spalten imd mit 41 Zeilen. Panzer I Seite lü,
No. 63. —
1482 bi8 1484.
Die Wittwe eines Augsburger Typographen Thomas Rüger,
mit welchem zusammen Johann Schonsperger im Jahre 1481 die
„deutschen Evangelien und Episteln** druckte. Die wenigen Drucke
der Anna Rügerin sind sehr selten. —
No. 542.
aUf0 ju brufmad)ftt WntxA t(l/^
Ingsbnrg, Anna Rügerin, 1484. Folio-Format,
Das gänzliche Schweigen der Bibliographen von dieser Ausgabe kennzeichnet
ihre grosse Seltenheit. Sie hat keinen Titel. Die erste Seite beginnt mit den Worten:
„3« bem ttaracn ber lietiltgen un-üjerteijltett (TrifoUiktijt - Äme« -**. Dann folgt eii-
Register, welches auf Blatt 5 recto mit den Worten schliesst: „Igte fttbtt fi4p bli
— Augsburg. — 259
rtgilUr.'* Blatt 5 verso ist leer. Blatt 6 beginnt mit dem Worte: „|lMj§Otl3C3l'S
welches aus den eigenthümlichen Majuskelcharakteren gesetzt ist, deren sich Ambrosius
Keller häufig bedient haben soll und von denen Zapf in seiner „Buchdruckergeschichte
Augsbargs" , Seite 58 ein freilich missrathenes Pacsimile , Braiin im zweiten Bande
seiner Notitia auf Tafel I No. I aber ein gutes Alphabet liefert. Auf Blatt 22 beginnt
die NummeriruDg der Bl&tter mit: Das | bUt, endigend mit dem Schlnssblatte, eigeut-
Ucli dem 1558ten, aber mit der Nummerirung: Das €{ffiiii blat.
Die Schlussschrift auf Blatt 156 verso lautet: ,,jQie tnbet fi^ ber formalari baritin
ke§rife« ü frisb aUn ijanbbritf debnukt onb ooUtnbt || }n SLugfynrs ooti 3(nna fiftgtriu .
IM bornflag || nadp oor fast |)ettrs gefengknns . tn iars als || man }alt naib crifli gebart
JI. ttU . If ff iüi. iwc.** Den Forscher dürfte es auch interessiren , dass die Typen
des Werkes aufs Genaueste mit denen übereinkommen, von welchen Braun auf
Tabula I No. III des zweiten Theiles seiner „Notitia" ein dem Johannes ßchoensperger
zukommendes Alphabet geliefert hat, mit welchem der Letztere seine „Summa Joannis"
Tom Jahre 1489 gedruckt haben soll. —
No. 543.
„iBic |eid)fn brr fal('d)fn gulitn im nijbfrlanb jemad)!.*^
jin^bui^^ Anna Rügerin, circa 1484. Einblattdruck in
Klein Folio-Format.
Dieser hochinteressante Einblattdruck hat zwar keine Druckfirma und Jahr-
uihl, da die Typen aber ganz genau mit den in voriger Nummer vorkommenden
übereinstimmen, können wir mit gutem Gewissen auch diesen Druck der Anna
Käger zntheilen.
Das Blatt findet sich nirgends beschrieben und ist vielleicht Unicum, Es ist
in 82 Zeilen auf einer Seite gedruckt und beginnt folgendermassen : „i^^t feinb }t-
menfctn bic jett^en ber falfd)eit gnlbin || im nt^berlanb gemat^t. «ntib ftitib ttlidjer mftti-; I
%tx }n 69tting(it in JBadpfett m ]n anbers ftat-liten verbrannt oab aaff vier tt^antitti von
in gemilnift.**
Dann folgt die Beschreibung von fünf verschiedenen Arten der falschen Münzen
und daneben sind die Abbildungen von Vorder- und Rückseite derselben gestellt;
letztere in Holz geschnitten. Daran schlieast sich noch eine Nachschrift:
„3tem bie norgenanten gnlbin ifl einer nit beffer bann • o || oe9ß9fennig * onb
ifl ber raiff ombl^er gnlbin eins ^al- |ben i^alms btib • onb bas corpns ifl gan$ hftpjferin
«nnb II ilbergült. || Dnb bas knpjfer i|l fo Prt gemiin|et on gefotten bas || es no(|l klingt,
banimb mag \^ niemant erkennen an bem || klang ober an bem flri^l-*' — Das seltene
Ueine Druckwerk gehört zu unserer reichen Sammlung von Einblatt-Drucken unter
Glas und Rahmen. —
^mm ober 30l)attn 3d)oenf}ier0er,
1481 bl0 1524.
Der über vierzig Jahre in Augsburg thätige Drucker begründete
seinen glänzenden Ruhm namentlich durch den wundervollen Druck
seines ^^Theuerdanlc^^ , zu dessen Herstellung ihn Kaiser Maxi-
milian im Jahre 1517 nach Nürnberg beschied, jedenfalls damit der
grösseren Correctheit wegen das Werk unter den Augen des Ver-
fassers Melchior Pfinzing gedruckt werden konnte.
17*
26o — Augjburg. --
Wir werden unter „Nürnberg" ein prachtvolles Pergament-
Exemplar der ersten Auflage des Theuerdank vorführen, während
hier unter Augsburg die zweite Ausgabe vorkommt, welche Schon-
sperger im Jahre XöXO daselbst unverändert herausgab. Ein Sohn
Hanns Schönsperger's druckte vom Jahre 1502 ebenfalls in Augsburg
unter der Firma Hanns Schönsperger der Jüngere. —
No. 544.
„1990cabuUritt» rerum.*^
Aagsbnrgy Johann Schoensperger, 1495. Klein Quart-Fonnat.
Ueber den Inhalt dieses Uteinisch-deutschen Yocabiüarium, dessen Autor Wenc«-
Ums Brack ist, sprachen wir schon ausführlicher unter Nr. 587. Unter obigem
Titel befindet sich ein ziemlich roher Holzschnitt, den Lehrer mit zwei Schülern
darstellend. Am Schlüsse des mit modemer gothischer Type gedruckten Werkcbens
ist die Datirung und Druckfirma zu finden. Hain No. 3709. Das seltene Buch ist
in grünes Leder gebunden und mit reichem Metallbeschlage versehen. —
No. 545.
iiH^r l)ebt ftd) an btr faHiydienlpiegel mitfamtit || ben caute-
len Dttb abM||ttombu0 bockftorf/^
Augsburg 5 Johann Schoensperger, 1496« Folio-Format.
Dieser „Sachsenspiegel" ist soviel als ein „Sachsisches Landrecht", ein Werk
jedoch, welches niemals staatsrechtliche Autorität gehabt, wohl aber als verdienst-
volle Privat- Arbeit des Verfassers Eycke von Repgowe, der es in der ersten Hälfte
des dreizehnten Jahrhunderts verfertigte, stets in grossem Ansehen gestanden, und
selbst bis in das 19. Jahrhundert noch zur Entscheidung streitiger Rechtssachen ge-
dient hat. Es ist zugleich die erste Sammlung deutscher Gerechtsceme im
Gegensatze zum Römischen Rechte, welche sogar von dem Papste Gregor XI. im
Jahre 137S mit dem Bann belegt wurde.
Der Verfasser hat darin die allgemeinen Landesgewohnheiten, besonders was in
den Landgerichten, das heisst in den Gauen und Dörfern Recht und Herkommen
gewesen ist, zusammengestellt und auf solche Art das frühere ^Gewohnheitsrecht'
in ein „geschriebenes Recht" umgewandelt.
Die Glosse der vorliegenden Ausgabe, welche schon eine der späteren ist —
denn die erste erschien im Jahre 1471 bei Bernhard Richel zu Basel — ist von
Theodorich von Bocksdorff, auch Buchsdorff oder Bitrgsdorff genannt, verfiisst, der
als Bischof zu Naumburg im Jahre 1466 starb. Die Type ist eine ziemlich grosse
verbesserte Gothisch. Hain beschreibt die Ausgabe unter No. 14080, ohne sie ge-
sehen zu haben. —
No. 546.
f,iBa0 buc^ iBer || Croniken mni ge-||Fd)id)teti mit |!guH|t^
mi ptlbnu^llfeti mn Anbeginn || brr toelt bi^ mff bife
tinferc lept.^^
Angrsbnrg^ Johann Schoensperger, 1496« Folio-Formati
Diese eweiU deutsche Ausgabe der SchedePschen Chronik, wovon wir das Ori-
ginal unter „Nürnberg« kennen lernen werden, ist ein genauer Nachdruck des lata-
— Augsburg. — 261
teren, womit sich schon in alten Zeiten selbst die vornehmsten Dmckerherren gerne
belissten. Die Hokschnitte sind kleiner und geringer als die berühmten von Wohl-
gemut & Pleydenwurf in der Originalausgabe von 1493,
Obiger Titel mit sehr grossen Buchstaben ist sicher ganz in Holz geschnitten.
Die Type des Textes ist eine kleine Schwabacher; bemerkenswerth ist der Druck-
fehler in der Schlussschrift, wo die durch JH. ccc» rnj gegebene Jahraiahl mit
Auslassung eines c 1396 lautet. Was weiter von dem bekannten Werke zu sagen
wäre, sparen wir fär Nürnberg auf, wo wir ein Pracht-Exemplar der ersten Aus-
e zu besprechen haben. Hain No. 14511. —
No. 547.
f^fSbcr cronicantm || cum jlgum et ^tna-Hginibuo ab itücio
mn{|M tifq; nfic temportd/^
Augsburg^ Johann Schoensperger, 1497« Folio-Format.
Ebenfalls Nachdruck der lateinischen Original -Ausgabe, Nürnberg 1498. Mit
denselben Typen und Holzschnitten wie die deutsehe in voriger Nummer. Hain hat
die Ausgabe nicht selbst gesehen; No. 14509. —
No. 548.
^fiBir gruerltd)fiten tinb txm tetl0 || ^et gefd^td^tm )if0 lob-
ltd)f (lrfU-||barcn unb l)ad)betumbten \)üiB \\ r^ni fittterö
afttjrbanncht)0."
AngfSbnrg^ Johann Schoensperper, 1519« Gross Folio-Format.
Zweite Aasgabe des herrlichen „l^euerdanl^*, Blatt fnr Blatt mit der ersten
von 1517 tibereinstimmend und nur um das Druckeir-Privileg auf der Kehrseite des
Titels vermehrt. Was über dieses Prachtwerk zu sagen ist, behalten wir uns für
die Editio princeps unter Nürnberg vor, von welcher wir eines der kostbarsten
Pergament-Exemplare dort kennen lernen werden. Die vorliegende Ausgabe präsen-
tirt sich in einem selten schon erhaltenen Papier-Exemplare mit breitestem Rande
und mit sehr guten Abdrucken der famosen Holzschnitte SchäufelMs. Der Einband
von braunem Leder ist äusserst fein ornamentirt und mit silbernen Beschlagen geziert. —
1486 bis 1516.
Der berühmteste Augsburger Typograph, welcher als gebomer
Augsburger seine Kunst vorher schon In Venedig ausübte, und sich
dort durch die Schönheit und Correctheit seiner Drucke solchen
Ruf erwarb, dass er von den Bischöfen von Augsburg beständig
eingeladen wurde, nach seiner Vaterstadt zurückzukehren, so dass
endlich Ratdolt im Jahre i486 den Einladungen folgte und dort
bis zum Jahre 1516 mit gleichem Ruhme thätig war.
202 — Augsburg. —
Im Geschmacke damaliger Zeiten durfte er sich daher billig
selbst „einen geschickten und sehr berühmten Mann" — ▼iram
sollertem et nominatissimum — in seinen Druckwerken nennen. —
No. 549.
In^bnrgy Erhard Ratdolt, 1488. Klein Quart-Format
Obige zwei Worte stehen auf dem Titelblatte dieses seltenen Augsburger Druckes,
eines astronomischen Werkes des arabischen Gelehrten Albumasar oder Aboasv,
der es im 9. Jahrhunderte verfasste. Es enthält circa 70 astronomische Figuren
und viele geschmackvolle Initialen in Holzschnitt. Die Type ist eine kleine gothiscbe.
Editio prineeps, von Hain unter No. 609 beschrieben. —
No. 550.
Augsburg 5 Erhard Ratdolt, 1491. Folio-Format
Der schone Roth- und Schwarz-Druck in dreierlei gothischen Typen mit seisem
Canon, der sehr frühe Proben des Notendrucks mit beweglichen Typen aufweist, ist
ein sprechendes Zeugniss für Ratdolds berühmte Kunstfertigkeit, welche ihm ^e
ehrendsten Aufträge von vielen hindern Diözesen eingetragen hat. Hsdn No. 11S60* —
No. 551.
^^Pfaltfrium cum ap-||jiaratu tiulgari fami||ltaritcr appreffo.
ITatfinifd) pfalter mit Arm tnitfd)m || nfi^lid^rn babei)
gebrückt.*^
JLvLg^hurgf Erhard Ratdold, 1499. Quart-Format.
Dieses ist die zweite Ausgabe des lateinisch-deutschen Psalter' 8, von welchem,
den Bedürfoissen damaliger Zeit sehr entgegenkommenden Werke Ratdold schon
1494 die erste Ausgabe gedruckt hatte. Am Anfang eines jeden Psalms ist ein schönes
Initial in Holz geschnitten. Der lateinische Text, in einer ziemlich grossen gothi-
schen Type gedruckt, bildet den Hauptbestandtheil . während der deutsche Text als
Glossar an den Rändern je zweier gegenüberstehenden Seiten den grossen Druck in
kleinerer Schrift umgiebt. Hain No. 13511. —
No. 552.
u^b^ttfühlt flue benfbi|!cttanale ftVm mlf|!-||am Conflatttiffi.*'
Augsburg^ Erhard Ratdolt, 1510. Quart-Format
Auf dem zweiten Blatte dieses von Zapf nicht gekannten Chcrbuches, der nur
eine Ausgabe von 1502 anführt, befindet sich die Datiruag und darunter die Insig-
nien des Bischofs von Constanz. —
— Angsbutg. — 263
1488 bis 1493.
Ein Typograph, von dessen Lebensumständen in Augsburg
nichts Näheres bekannt ist; doch scheint er mit Anton Sorg in
Verbindung gestanden zu haben, da in seinen Erzeugnissen die
Typen dieses Druckers vorkommen. Er wurde später als Hofbuch-
drucker der Herzöge von Baiern nach München berufen und er-
scheint dort von 1497 — 1520. —
No. 553.
,,9te tualfart ober bil-Hgerung unffr lirbm frauujen/*
An^sbnrg^ Hanns Schobser, 1489« Klein Quart-Format.
Incunabel von grösster Seltenheit und vorzüglicher Erhaltung in geschmack.
vollem rothen Ledereinbande mit vergoldeten Beschlägen.
Die Typen sind anolog den Anton Sorg'schea Charakteren, von denen Braun in
seiner Notitia Band II Tabula I Nr. II ein treffendes Alphabet giebt, und welche
auch in mehreren Sorg'schen Drucken unserer Sammlung vorkommen. Das Werk-
chen ist mit 19 blattgrosscn Holzschnitten ausgestattet. Hain No. 9326.
Die Ausgabe zahlt 69 Blätter mit Signaturen und 23 — 34 Zeilen. Die Schlussschrift
lautet: ,,<Sebrn:kt onb »olenitbet bic »alfart il ober bilgeruug onftr lieben frotoen ber ||
mttter gottes bnrd) (^nnnfett 3(^ob|]rer || in ber hei)ferli:^e flatt ^Ingrpnrg. Ila4) |1 ®ri|li
nnfers Ferren ge^iarb. ül. tccc nnbUim. Irrrir. ynit an)f montag nai^ 3eoriiHbts
^eiligen raortrers.*' —
peter ierger,
wm 1488 bi6 1489.
Auch dieser Augsburger Typograph druckte gleich dem Bämler
während seiner kurzen Wirksamkeit mit Vorliebe deutsche Bücher,
von denen wir ein paar der vorzüglicheren vorführen wollen. —
No. 554.
yMn ttrn) geteütfd)t It(d)tbud) || gebogen au^ ®et)itltd)en
D»b II tDfltlidjen fir d)tfm^^
AngfSbnrg^ Peter Berger, circa 14:88« Klein Folio-Format.
Dieses ohne Anzeige des Druckjahres und der Druckerfirma erschienene Werk
hat Panzer in seinen Annalen, Seite 33 ausführlich beschrieben; es ist die zweite
Ausgabe, welche Panzer als erste bezeichnete, da er die letztere, von uns auf
Seite 13 angeführte nicht kannte. Daselbst haben wir auch erwiesen, dass Sebastian
Brand nicht als Autor dieser ersten Ausgaben gelten kann, wie es Panzer angenom-
nien, sondern erst die Strassburger Ausgabe von 1516 neu herausgegeben hat.
Panzer wusste den Drucker nicht anzugeben, vermuthete aber, dass es ein Strass-
204 — Augsburg.
hurger sei , was Andere wiedertun naebgeschrieben haben , ¥rie auch Hain unter
No. 8728, der die Ausgabe nicht selbst gesehen.
Mit Gewissheit haben wir dagegen festgestellt, dass die Typen des vorliegenden
Werkes vollkommen mit denen des in folgender Nummer beschriebenen ^Spiegel
menschlicher Behaltnuss*' übereinstimmen, imd dass dieser höchst seltene, bisher
keimaüose Druck demnach der Ofßcin des Peter Berger um 1488 bis 1489 zuzuweisen
i^t. Der obige Titel ist in Holz geschnitten. Der laubgrüne Ledereinband unsers
schonen Exemplars hat reiches Metallbeschläge mit Vergoldung. —
No. 555.
i^^tiB tfl ber fpir^tl mmfclilic^er || brt)altnu^ mit ben (Smigclie
i^ni II (Sjit|lf If burc^ bj gancj j>ar/*
Angsbnr^, Peter Berger, 1489. Folio-Format.
Diese Ausgabe ist von Panzer in seinen Annalen Seite 177 nach ,«m«r muster-
haften Becension'* des Stadtpfarrers Am Ende nicht überall musterhaft richtig be*
schrieben. Auf dem ersten Blatte steht obiger Titel mit ziemlich grossen Charak-
teren in Holz geschnitten; auf der Ruckseite ein illuminirter Holzschnitt, welcher
in fünf Medaillons den Apostel Paulus und die vier Evangelisten darstellt.
Das Werk enthalt nicht 387, sondern wie auch Hain No. 14937 richtig ang^ebt,
23ß Bl&tter, davon 6 ungezählte und 229 gezählte. Die Zahl der Holzschnitte be-
trägt nicht 874, sondern 279; auch nehmen dieselben nicht die Hälfte einer Co-
lunme ein, sondern sind wesentlich kleiner, wie in wiederholten Fällen ersicfatlicA
ist, wo in einer Columne zwei Holzschnitte übereinander stehen und wo ^sdann noeh
Plate ist war für mehre Zeilen Text. Die Abbildungen sind von alter Hand leicbt
eoiorirt, so dass die Arbeit des Formschneiders überall klar zu sehen ist Unser
fi«h5nes Exemplar bat hellen Ledereinband mit vergoldeten Beschlagen. -^
auch unter dem Namen
Jiol)ann ^i)mtx^
1494 bie 1519.
Obgleich Panzer in seinen Annalen fünf Drucke dieses Typo-
graphen aus den Jahren 1481 bis 1490 aufführt, welche er sämmtlich
nach einen Catalog des österreichischen Klosters Lilien feld citirt,
so bleibt es doch mehr als zweifelhaft, dass diese Drucke wirklich
existiren, da kein späterer Bibliograph^ wie audi Panzer selbst nicht,
eines dieser "Werke zu Gesicht bekoivimen hat JEin wirkliches
Product Froschauer's lassen wir nachstehend folgen. —
No. 556.
^^attttltts in Ubelluj fancti || |artl)obij mart^ria x fptj|(IC0jJt
|Bartinf|i0 ccclrpf || prouincic gtccors conttnea in fc reues
— Augsburg. — ^65
latio||ne0 bimriM a fancti6 angelie facta^ 5e||princtpio
munM : eraMcatione varioru || regnor$ atqj i^Itimi
regia romanotttj gcfiie* ♦ ♦"
Augsburg 9 Johann Froschauer, 1496« Klein Quart-Format.
Diese lateinische Ausgabe der nOfifenbarungen" des Jthtiiodms enth< noch den
ausführlichen Conunentar über dieselben, welchen Wol/gang Ayünger, Clericus zu
Augsburg verfasste. Der Druck ist mit Schwabacher und Gothischer Schrift ausgeführt.
Hain No. 11120. —
jTtica» ^eiffenmaijer,
1495 biö 1502.
Dieser Augsburger Drucker besass später eine Fresse zu Wesso-
brunn in Oberbayem, wo wir ihm wieder begegnen werden. —
No. 557.
^Mnftx liehen frawen pfalter || t»ttnb t»on itn breien rofcn
kränzen mc . {| man Me orbncn t)nnb {leten fol mit ml be • ||
wertr f^rempeln ein iKt|i nn^lid) btted)lin.^^
jin^bur^, Lucas Zeissenmayr, 1495. Quart-Format.
Höchst seltene und interessante deutsche Incunabel, die Zapf und Panzer ver-
zeichnet, aber nicht gesehen haben. Hain hat sie unter No. 14048. — Zeissenmayr
scheint überhaupt nur deutsche Werke gedruckt zu haben. Dass er sich in der
Schlussschrift hier ^Zeisselmair" nennt, dürfte nur auf einem Druckfehler beruhen,
denn anderwärts druckt er sich „Zeyssenmayr", und sicher ist er auch derselbe Typo-
graph, dem wir spater unter ^Wessobrunn*' wieder begegnen werden. Er druckte
nämlich von 1494 bis 1508 in Augsburg, später in Wessobrunn, wo wir ihn übrigens
auch mit gane denn^iben Typen wiederfinden, die weder rein sothisch noch Bchwa-
bacher sind, vielmehr einen U ebergang zu letzteren bilden.
Das obige Werkchen über die Psalmen enthält fünf prächtige blattgrosse Holz-
stiinitie und zwei grössere Initialen von origineller Zeichnung. Die übrigen mittel-
grosaen Initialen sind bemerkenswerth durch die Verschiedenartigkeit in Form und
Zeichnung eines und desselben Buchstabens, daher zum Beispiel das D in mehr als
einem Dutzend ganz verschiedenen Arten vorkommt. Nur der Anfangsbuchstabe
des Vorwortes auf Blatt 2 ist nicht eingedruckt, sondern gemalt und mit einer
Bch&nen bunden Randmalerei in Verbindung gebracht. — Unser schonerhaltenes
Exemplar stammt ans der berühmten Bibliothek des Theodor Karajan, dessen Biblio-
thekzeichen der alte nicht mehr brauchbare Holzband trug. —
No. 558.
^,5a0 bud) jpi jenant || iSir ^l^melfira^.*^
Au^bnrg^ Lucas Zeissenmayr, 1501. Klein Folio-Format.
Obiger Titel ist mit grossen Charakteren in Holz geschnitten. Auf der Rück-
seite des Titels befindet sich ein ziemlich roher Holzschnitt: Ein Geistlicher im
266 — Augsburg. —
Beichtstuhl sitzend, ihm Eur Seite ein Beichtender knieend; von hier aus fülurt die
Strasse, auf i^elcher man verschiedene Personen von Engeln begleitet gerades Wegs
in den Himmel eingehen sieht.
Die Type ist dieselbe gothisirende Schwabacher wie in voriger Nummer. Am
Schlüsse des Werkes steht in der Schlussschrift Druckfirma und Datirung; darsuf
folgt ein leeres Blatt und 6 Blätter Register. Das Werk ist ein Erbaunngsbuch,
-welches vorzüglich die Erklärung des ganzen Katechismus enthält. Unser Exemplar
hat noch den alten Original-Ledereinband mit Messingbeschlag. —
1505 bie 1518.
Ein Typograph, der sich besonders durch Schönheit seiner
musikalischen und hebräischen Druckwerke auszeichnete. —
No. 559.
^t^btruck am0 la-||t(tntfd)(n fanbtbriruea an bab|l-||(id^e
^eiliglcit, von Rfinigllicl)cr xvurbt sfl portcgall, || W6
iaxB aufgangen, von ö'crorbcrtc ftabt WTalacba, an
fecrcn Efinigrcyd)cn vnnb l[?ertfd)aftn in 3ii^iÄ* ♦ *"
Augsburg^ Erhard Oeglin, circa 1513. Quart-Format
Unter dem Titel befindet sich ein Holzschnitt. Am Schlüsse des nur 6 Blätter
starken und bisher wohl unbekannten Druckes steht: //(ßc5rUCPt 3U ?tU0fVUrd
?Durd7 ISrI;art 50Un." —
1505 bi6 1514.
Otmar druckte zuerst in seiner Vaterstadt Reutlingen um 1479
bis 1495; zog dann nach Tübingen und von hier erst nach Augs-
burg. "Wir werden ihm auch in seinen früheren "Wirkungskreisen
wiederholt begegnen, namentlich als erstem Reutlinger Typographen,
von welchem die in unserer Sammlung befindliche Summa Pisani
von 1482 bisher allgemein als der erste Reutlinger Druck betrachtet
und verzeichnet wurde, dem wir jedoch einen solchen mit der Jahr-
zahl 14:81 und mit den gleichen Typen gedruckt voranzustellen
vermochten, während Nider's „Praeceptorium Legis" — ebenfalls in
unserer Sammlung — sicher schon 14:79 erschien, und somit als
der wirklich erste Reutlinger Druck zu verzeichnen ist. —
No. 560.
i,3frmanc0: hte l)od)||9cUrrtfn in gnaben rrlfudjten baüctorie
^otjanniö £l)attlfrii fannt || bomlntci orbcna bic ba wrifjenb jj
— Augsburg. — 267
auf brn nädjeflrn maren mrg im || gaifl ;u tpanbrren burd)
übtrfn)t|{benbrnn fi^n • von latem in teütfd^ || genirnbt mand^rm
mftt("d)enn jft || fäligrr frud^tbarkett/*
Angsbnr^^ Johannes Otmar, 1508» Folio-Format.
Es ist dies die zweite Ausgabe der Tnnler'schen Predigten, welche mit der ersten,
1498 in Leipzig gedruckten, bezüglich des Textes übereinkommt. Der Titel beider
Aasgaben besagt, dass sie aus dem Lateinischen in das Deutsche übertragen wurden,
obgleich der berühmte mystische Prediger des 14. Jahrhunderts, Johannes Tauler,
in seinen durch anschauliche Darstellung und populäre Schrifterklärung ausgezeich-
neten Predigten und Schriften sich stets der deulsehen Sprache bedient hat
Es ist vorliegende Ausgabe demnach die Uebersetzung einer Uebersetzung, wovon
indess sowohl das Manuscript als der Verfasser unbekannt sind. Auf Blatt 6 verso
befindet sich ein Holzschnitt: Christus, das Kreuz tri^end, darüber fünf deutsche
Verse. Die Offizin Otmar^s mag nicht ganz unbedeutend gewesen sein, da wir in
dem Werke fünf verschiedene Schriftgattungen zählen, wovon drei verschiedene
Missaltypen und zwei Grössen Schwabacher Schrift. Die Schlussschrift mit Firma
nnd Datirung nennt Johann Ryiinman von Geringen, auf dessen Kosten das Werk
gedruckt ist. —
No. 661.
jiPrebigen STffitfd): || tjnb ml gutter Irercn j0eö t)od) || jeUrr-
Un l)frm ßü[)m i^m kaiHffrfjjrrg . in b^gotllic^e gefrfjriflt ||
boctor tjnb prebigcr ju bem l)o||l)cn fiiflit • tjnfrr lieben frau-
wtn II mijnller • bcr ftat ^Irefjburg.
AngfSbnrg, Johannes Otmar, 1508. Klein Folio-Format.
An den vier Ecken des obigen in sieben Zeilen gedruckten Titels befinden sich
in thalergrossen Medaillons die Sinnbilder der vier Evangelisten in Holzschnitt, und
zwar in Tiefschniü. Weitere drei blattgrosse, in dem Exemplar illuminirte Holz-
schnitte sind dem Hans Burgkmair zugeschrieben, da einer derselben die Marke des
Künstlers H. B. aufweist.
Die letzte Seite des mit Schwabacher Schrift gedruckten Textes füllt eine Er-
mahnung, die Schrift fieissig zu lesen, wobei zugleich angezeigt wird, dass diese
Predigten ohne Wissen des Verfassers zu Augsburg von Johannes Otmar auf Kosten
mehrerer Ungenannten gedruckt seien. Ganz zuletzt steht: 9111110 1508. Unser
Exemplar hat schönen blauen Ledereinband mit vergoldetem Beschläge. —
No. 562.
ißxfB bnd) Hb ba || gc6id)t bat öcr cricflcbt vattx 2Cnian^
btt0, gcnaiit || Scug • begreift in jm t?il guter gaiftlicbcr
leeren* ♦ ♦ ♦"
Augsburg^ Johannes Otmar, J512. Folio-Format.
Von dem sehr weitläufigen, zwanzig Zeilen langen Titel des Werkes, welcher
bis auf die erste in grossen Charakteren schwarz gedruckte Zeile roüi gedruckt ist,
geben wir oben nur die ersten drei Zeilen. Das Werk ist ein Predigten buch. Der
Verfasser war ein Dominikaner, der mit seinem Klosternamen Amandus hiess, sich
sonst aber Heinrich Suso oder Seuss nach seiner Mutter nannte, und eigentlich aus
208 — Augsburg. —
der adlichen Familie von B$rg stammte, wie durch seine Geburt um das Jthr 1900
zu Costnitz in Schwaben erwiesen ist. Dieses und noch mehreres von seinen Lebeoi-
umst&nden Icann man aus der auf den Titel folgenden Vorrede entnehmen.
Von den 2S Holssehnitten , mit denen das Bnch ausgestattet ist, erkennen wir
einen als den Titelholzschnitt wieder, der merkwürdiger Weise schon in dem ^Bud
genannt die HimmeUirass* (No. .558) 1501 von Zeissenmayr gedruckt, vorkam; einen
andern finden wir bereits unter den in voriger Nummer beschriebenen und Hwi
Burgkmair zuertheilten, wonach man auch die gegenwirtigen diesem Kunstief übe^
lassen mochte. Indess bleibt dies bei der geringen kfinstleriscben Ansfahning der
Holzschnitte sehr in Prage.^
In der Schlussschrift erfahren wir, dass abermals Johannes Rynnnttn dies«
Werk von Otmar fnr seinen Verlag hat drucken lassen. Für das Ansekeo, io
welchem das Qeschäft dieses Mannes gestanden, spricht die Bez^ehnung, mit welcher
ihn der Drucker Otmar „eitlen färfifd;tidetT ^eWl" und „teUtfdS^«
ttation füvndmpiten bfidi;fu^rer'' nennt. —
(ieorg üaMer,
1508 bi0 1521,
druckte auch mit Erhard Oeglin , den wir auf Seite 265 schon an-
führten, zusammen. —
No. 663.
^^ßd) l|C9f0 ain bud)lrin ber iu||bm fictd^t/^
„3fi aUeti orten vlnU man m\d) Uidft
X)ll newer meren felnö mir wol befannt
2(^ w\U mid) v^aytcn In alle lanbt
von midj lyft bem wüni^ i^ payl
iDo^ bafi \6j ben Inben tilt werde in tayW
Augsburg^ Georg Nadler, 1508. Klein Quart-Format
Der bekannte Autor dieaes kleinen höchst seltenen Schriffcchens nennt sich in
der Schlussschrift. Es ist der getaufte Jude Johann Ffefferkom cn CöhUt ein leloti-
scher Verfolger seiner frühem Glaubensgenossen, der es sogar beim Küser Maximilian
dahin brachte, dass Letzteren ihre Bacher weggenommen und verbrannt werden
^Otiten, gegen welche vandalische Massregel der berühmte Keuchlin dann sein mann-
haftes Veto einlegte. Vergleiche Panzers Annalen No. 611 bis 618. —
^r. J^igmunb ($nmm U JUarr üirfttttg^
1512 bte 1522.
Dr. Sigmund Grimm, aus Zwickau gebürtig und Gatte der
Magdalena Welser, kam 1512 nach Augsburg und druckte hier in
Gemeinschaft mit Marx Wirsung bis 1522. Von demselben Jahre
ab erscheint Grimm's Name allein bis 1524.
— Augsburg. — 269
No. 564.
i^xn anbrd^tigrr m }Vl brlfe-Hrung funbigee Itbtm, nfi^-
lul)rr II Cractat^ bts ^ayligen vnb (Ll)viillis\\(i^tn lerere
Äurelij 2(ugttftini || von 5er fipptgPayt || 5er weit, ||
6urd) JDoctor || WolffQanQtn Kernen, || »un5t0ri*tern •
IC* aug 5em II ff ateyn , inn öae lefttfd) gebracfcn"
logsblirg^ Dr. Sigmund Grimm 8c Marx Wirsung, 1522«
Quart-Format.
Dieser Tractat von nur sechs Blättchen ist der letzte Druck der vereinigten Firma
Grimm & Wirsung. —
^x. 3t0mttnl> %xmm allein^
1522 bis 1524.
No. 565.
,,®e§ l^od^gelerten || ^ern jDoctor iSrafmi von \\ Uoter5am
f^one vti \\ clare aufilegung Aber Me l£pU||ÜeI Pauli ||
5& Cito* II jDurd) Prbanum Kegiü 5er || l?ayligen fcferifft
JDoctor ge^ljteütfcbt*"
Angsbnr^^ Dr. Sigmund Grimm, 15 2 2, Klein Quart-Format.
Sehr seltener und Dr. Grimmas erster Druck unter alleiniger Firma nach Aus-
scheiden oder Tod seines Associö Wirsung, worüber man jedoch nichts Bestimmtes
weiss. Bemerkenswerth ist die Fracturtype, mit welcher auf Blatt 4 verso bis
Blatt 7 recto der ganse Text der Epistel Pauli an Titus gedruckt ist, während im
üebrigen Schtodbacher Schrift angewandt wurde. Eine mehr originelle als schöne
Holzschnittbordnre umrahmt den obigen Titel. Vergleiche Panzer^s Annalen No. 1299. —
No. 666.
,,SßfaIter be^ Mniglid^HI^*^ prop&etteti 5attl50 ge?||teutfd|t
nacfe war^affsljtigem teyt 5er ^?e5||braifcl)e sungc/'
Angsbnrg^ Sigmund Grimm, 1528. Klein Octav-Format.
' D«r Titel steht in einer Holsschnitt-Bordüre. Auf der Ruckseite befindet sich
ein Holzschnitt: der Prophet Nathan vor König David. Bin zweiter Holzschnitt:
Voses knieend mit den Gesetzes-Tafeln befindet sich auf Blatt 28 verso; von den
Initialen sind die grossem sehr originell. In der Zueignungsschrift an Johann
Böschenstein nennt sich der Uebersetzer des Psalters Caspar Ammans der hailigen
stkrifft doctor. Hinter dem darauf folgenden Register befindet sich, dem eigentlichen
Werke vorausgehend, eine Uebersetzung des Qebetes Salomonia im dritten Buch der
Könige von Johann Böschenstein, welche durch ein Antwort-Schreiben des letzteren
an Caspar Amman eingeleitet ist.
Interessannt ist es, diese Psalter-Uebersetzimg, welche ein Jahr vor Erscheinen
des Iiuiher'schen Psalters verfasst ist, mit dem lehrtem zu vergleichen. Beide
270 — Augsburg. —
Uebersetser griffen auf das hebräische Original zurück und dennoch, wie unendlich
yerscliieden klingt das, wag sie hervorbrachten. Da erkennt man recht unmittelbar,
was die deutsche Sprache der machtigen Schöpferkraft Luthers allein zu verdanken bat.
Diese Kraft, Klarheit und Sicherheit seines Ausdrucks lag weit ab von der Sprache
seines Zeltalters. Wie mit Zungen einer fremden Welt hören wir diese zu uns reden,
während Er, der grosse Held seiner Zeit und ihr weit voraus in allem Grossen, in
Lauten spricht, die sich noch heut« gleich dem Mutterlaute mit der Tiefe unsers
Gefühls in harmonischen Einklang setzen.
Zur Vergleichung möge der erste Psalm in beiden Ueberseteungen hier eine Stelle
finden; bei Caspar Anunan lautet sie: „Selig ist der man das er nit ist gangen im
rath der vnmilten; vnnd im weg der sünd nit ist gestanden, vnnd im sessel der
Spötter nit ist gesessen. Sonder yn dem gesäte gottes ist sein begerung, von yn
seinem gesatz , wirdt er bethrachten tag vnd nacht. Yn er wirdt sein als ain holtx
gepflanzt auf den bachen der wasser, das do wirt geben sein frucht zu seiner seit,
vnnd Fein blat wird nit erfaulen, vnd alles das er wirt thon es wirt sich thon be-
glücken. Nit also die schelk, sond als der spreuer den do verwet der wind.
„Darumb werdendt nit aufstan die schelk in dem gericht, auch nit die sünder
in der versamlung der gerechteq. Wann got erkent den weg der gerechten, vnd der
weg der schelk wirt verloren."
Dagegen die bekannte Uebersetetmg JJutherB :
„Wol dem der nicht wandelt Im rat der Gottlosen, Noch trit au£F den weg der
sunder, Noch sitzet da die Spötter sitzen. Sondern hat lust zum Gesetz des HEBRN,
und redet von seinem Gesetz tag und nacht.
„Der ist wie ein Baum gepflanzet an den wasserbächen, der seine Frucht bringet
zu seiner Zeit, Ynd seine Blätter verwelken nicht, vnd was er macht, das geret wol.
„Aber so sind die Gottlosen nicht. Sondern wie sprew, die der Wind verstrewet.
„Darumb bleiben die gottlosen nicht im Gerichte, Noch die Sünder in der Ge-
meine der gerechten. Denn der HERR kennet den weg der Gerechten, Aber der
Gottlosen weg vergehet." —
Und möge nun auch noch zur Kennzeichnung des noch grössern Abstandes der
erste Psalm aus der ersten deutschen Bibel von 1466, Vielehe wir imter Strassburg
bei Heinrich Eggestein Seite 103 schon aufgeführt haben, hier eine Stelle finden:
„SElig ist der man der nichten gieng in den rat der vnmilten vnd nichten sm
auf dem stule der Verwüstung. Wann sein wil ist in der ee des herren: vnd in
seiner ee betracht er tage und nacht. Vnd er wirt als das holtz das do ist gepflantitet
bey dem ablauff der wasser: Das sein wucher giebt in seim zeyt. Vnd sein laub
zerfleust nit: vnd alle ding die er tut die werdent gelücksam. O ir vnnulten nit
also tut also: wann als das gestupp das der wind verwürfft von dem antlüta dererd.
Dorumm die vnmilten die erstend nit in dem vrteyle : noch die sünder in dem rat
der gerechten. Wann der herr erkant den weg der gerechten: vnd der steyg der
vnmilten verdirbt." —
Eine Vergleichung der Texte in den verschiedenen deutschen Bibelausgaben
ffor Luther's Auftreten ist übrigens vom höchsten sprachgeschichtlichen Interesse-
Wir haben uns hier auf eine einzige Probe beschränkt, die schon genug besagt "
1514 biö 1530.
Ob dieser Drucker der Sohn, Bruder oder sonst ein Verwandter
des Johann Otmar ist, hat nicht erwiesen werden können. Seine
— Augsburg. — 271
Werke, auch ausgezeichnet durch künstlerischen Schmuck, den ihm
hauptsächlich der berühmte Daniel Hopf er lieferte, haben ihm
manches Lob eingetragen. —
No. 567.
„^b atnem fei) )u nf-||mfn am Cfelid) m\\^y
Augsbnrg^ Sylvan Otmar, 1517« Klein Quart-Format.
Die Typen des Textes sind Schwabacher. Unter obigem Titel befindet sich ein
schöner, hier colorirter Holzschnitt: Der Verfasser an seinem Schreibpulte sitzend,
bei seinem Werke beschäftigt, mit der Unterschrift: ALBRBCHT VON EYBE DOCTOR.
Wir haben ein anderes Werk dieses berühmten Dichters und Staatsmannes bereits
unter Strassburg, Nr. 247 unserer Sammlung, kennen gelernt; nicht minder geschätzt
wurde die vorliegende geistvolle und launige Schrift dieses Dichters über den Ehestand
in seinen Beschwerlichkeiten und Annehmlichkeiten. Auch hier erscheint in der
Schlussschrift wieder der Verleger Johann Rinnman von Geringen, —
No. 568.
iv^ltt^Ugung II bz^ ^uti5crt vnb neäni)||tcn pfalmcn •
JDiTtt feoi|minxi5 öomino mco, || jDoctor WTartini lu \x\)tx
2Cuguftincr 5u |I Wittenberg, 5& I?err ^\txony^\m\x^
«bner || ffofunger || 5Ö nörn||berg/'
Augsburg, Sylvan Otmar, 1518* Klein Quart-Format.
Den Titel umgiebt eine schöne Bordüre von Daniel Hopf er in Hols- Tiefschnitt
mit den Initialen des Künstlers. In der Widmung des Kanzlers Oeorgius Spalaünus
tt Sieronymus Ebner^ welche dem Werkchen voraufgeht, heisst es, dass Luüker dem
LetBtem „{<ü^ aXtitm fOTi5erlici7en Ueb^aber aller fc^rift, vnb beuor
bn ^ailigen) su eere vx\b crefaUen ^emac^ volgetifren ^utT5e¥t vwh
neunten vWm mit altter teütfd;en außXeöwtrd ercldrt ^at/' —
Jiol)attttf9 liiUer,
1514 W8 1519.
Ein Augsburger Typograph, der durch seine Freundschaft mit
dem Gelehrten Conrad Peutin^er bekannt ist, dessen Anregung
man wohl auch die verdienstlichen Werke der Miller'schen Offizin mit
zu verdanken hat. —
No. 569.
„JOKNAN II DES DB RBBYS || GOTHOßVM. Piy|!LVS DliCONVS ||
POROIVLIBN-liSIS DB GBSTIS || LANGOBARD0-||RVM."
Augsburg^ Johannes Miller, 161 6, Folio-Format.
Geschatrte, von Konrad Peutinger besorgte Ausgabe von Jornandes' Geschichte
itfr OoGien und Paul Wamfried's Geschichte der Longobarden in schönem Antiqua-
272
— Augsburg. —
Druck ; die erstere ist Editio princep$. Einen herrlichen Schmuck des Werkes bildet
der schöne Titelholzschnitt von Hans Burgkmm'r, die Könige Alboin und AthsDariciu
in der Unterhaltung vorstellend. Dieser, als eines der schönsten Werke Burghmin
bekannte BoUfSchniU erscheint hier in einem der frühesten und kraftvollsten
Abdrücke. —
|lleltl)ior ^amminger,
1520 bi5 1523.
No. 570.
^^jBi^ ipi ein trmftltd)f || dag tiber Me ®obtrn fte|[fr:^^
Angbnrg, Melchior Ramminger, circa 1522. Quart-Format.
Verfasser dieses satirischen Gedichtes auf die katholische Geistlichkeit ist der
Dichter und Buchdrucker Pamphüus Oengenbach zu I^asel, dessen Initialen )) 6 sich
auch am Schlüsse des nur 4 Blätter umfassenden Schriftchens befinden. Auf dem
Titel findet sich ein Holzschnitt und rechts und links vom Texte geschmacIcTolle
Bandleisten. In Weller's Bepertorium No. 2088 ist als Drucker ebenfalls M. Ram-
minger in Augsburg angegeben; leider ohne nähere Begründung. —
jSitmpr(d)t Muf^
1524.
Diesen Augsburger Typographen bezeichnet Falkenstein Seite i6i
als Factor der Offizin von Z^r. Sigmund Grimm & Marx JVtrsun^.
Zapf sagt auf Seite XLVI seiner Augsburger Buchdruckergeschicbte
„er druckte in den Jahren 1523 und 1524 auf Kosten Sigmund
Grimm's, nachher aber auf seine eigenen Kosten*. Man erhalt je-
doch von keinem der beiden Gelehrten etwas von Begründung.
Wir haben dem hinzuzufügen, dass das in nächster Nummer
beschriebene Werk, welches am Schlüsse des letzten Blattes recto
die Druckerfirma Simprecht Ruffs mit der Jahrzahl 1524 hat, auf
der Kehrseite des Blattes das bekannte Druckerzeichen Dr. Grimm's
mit dem Hercules aufweist, was auf eine Verbindung beider Typo-
graphen wohl schliessen lässt. —
No. 571.
,,S)^e ©uangelifd^ l^^ftort | nad^ aller orbnilg tote fte ergange,
jn ain reo geftelln ♦ ♦ tJon || Jtmmonio 2(Ieyanferino
!&riec^||ifd) befc^rieben^ vxi burc^ || <Dt|?marü nad^tgal i|
jDoctorem sft la^Htein vnb teutjjfcbem ge^Hbtacfet/'
Augsburg^ Simprecht Ruff, 1524« Klein Octav-Format.
Es gilt dieses als die erste Evangelien-HarmoniSf welche bald dem Ämmimi'»^
Älexandrinus, bald dem Taiianus zugeschrieben, bald beiden abgesprochen wird? d*»
— Augsburg. — 273
üeberseteer Otmar Nachtigall , welcher dieses Werk dem Raimund Fugger widmete,
verfasste im darauffolgenden Jahre selbst eine Evangelien - Harmonie — die erste
deutsche. In dem kurzen Vorwort über den Drucker erwähnten wir bereits das
Druckerzeichen Dr. Griirm^s, welches sich auf dem letzten Blatte befindet. —
fleittrid) ßimtx^
1524 bis 1545.
Nannte sich auch latinisirt Henricus Sllicenus. Seine zahlreichen
Druckwerke, meist der classischen Literatur angehörend, zeichnen
sich durch geschmackvolle und kostbare Ausstattung mit Holz-
schnitten der berühmtesten Meister jener Zeit aus, wie Dürer,
Burgmair, Schäufelin, Urs Graf und Anderer. —
No. 572.
„S)®^ |)od^berütn:pteften ®e^||fc^ic^tfd|rtibfr0 eSupttni^ tt)ar-||
l)aflftigc ^yftorien, öte er aug ZxoQo Pompeio ge5oge,
tjn||tnn Vitr^xQ t)icr »iicl)er an^ geteilt, ♦ ♦ ♦ 5Die
^kxonymu^ »oner ♦ ♦ ♦ auß 6em €atctn itin 510
tjMgcnö lefitf* tjcrtolmetfd) l)au ♦ ♦"
Augsburg^ Heinrich Steiner, 1531. Folio-Format.
Erste von Hieronymus Boner verdeutschte Ausgabe der „Historiarum Philippicarum
libri XLIV des Justinus, eines Auszuges aus Schriften des Trogus Pompejus, der
zur Zeit des Augustus, also beinahe 200 Jahre früher als Justinus lebte und dessen
Werke, in denen er sich vornämlich mit der Macedonischen Geschichte beschäftigte,
seitdem verloren gegangen sind.
Die Ausstattung des "Werkes mit den Holzschnitten von der Künstlerhand Burgk-
mair's ist eine höchst würdige. Ausser einer grossen Zahl Vignetten und Initialen
befinden sich darin SO bildliche Darstellungen, von denen sich mehre wiederholen.
Hervorragend ist der Titelholzschnitt mit den Gestalten des Assyrischen Herrschers
Ninus und Alexander's des Grossen.
No. 573.
,,2)er fürtrefflid^ ®ried)ifd^ || 9rrd)id)t fc^rrtber ^frobianu0,||
bm 5er ^ocbglcrt 2(ngelxi5 Pclitianu5 inn bae €atein, ||
vnb ÖTcronvmu5 Soncr in nadfuolqcnb lefitfd) pracfet, ||
tX>cUid)^r äcrcötanu5 von ITTarco €Iio 2(ntotiino
P^ilofopi^o an, tjng awff (ßorWanum 5en jungem
^6mif(feen || Keyfern, vnb jrer regierung, biz ftcb
wunöetbarlid) 5U tragen, || gefd)riben bat/'
Augsbnrg, Heinrich Steiner, 1531. Folio-Format.
Diese mit dem Justinus zusammen herausgegebene und an Einem Tage, dem
19. August, vollendete Ausgabe des Herodianus ist auch ge wohnlich mit dem vorhcr-
i8
274 — Augsburg. —
gehenden zusammengebunden. Sie ist aucli ebenso ausgestattet, bis auf die Holz-
schnitte, von denen sich hier nur einer, auf dem fünften Blatte am Anfang der
eigentlichen Geschichte, der auch schon in Justinns Torkam, und der schöne Thfl-
holzschnitt findet, welcher die Kaiser Antonlnus und Gordianus vorstellt. —
n^
No. 574.
ptegel bcr loareit || 9it|etoric, auß äßarco Xnlixo ßice
r0nt: mi anbrni grttfitfdjt . . . JDurA Sriöricb Kieberer
Augsburg^ Heinrich Steiner, 1535. Folio-Format.
Der Uebersetzer Friedrich Riederer ist auch der Drucker der ersten Ausgabe,
welche 1493 zu Freiburg im Breisgau erschien, wo wir sie naher kennen lernen
werden. Ausser der Anleitung zur Rhetorik, welche hauptsächlich aus Cicero's
rhetorischen Schriften entnommen ist, enthalt das Buch noch Formulare zu Briefen,
Titulaturen, Klagen, Contrakten. Die sechs eingedruckten Holzschnitte sind wohl von
Haruf Burgkmair, wenigstens zeigt der Titelholzschnitt die Initialen dieses Künstlers.
No. 575.
,,§Srobotu^ ber aller || ^odjberümpteft ®ried^tfd^e gefd^id^t'l;
fd)rfi)bfr, tJon brnt |9frfier^ mi tiilen anbern ^rif-||gen
vnb gcfcl)tcl)ten, tc. JDurd) ^icrcnymum Homx, (Dbcr^
fler II XXlayfUx 56 Colmar, Muß bcm fiatin inn ba»
nad)^||uolgen6e Cefitfd) gebracl)t*"
Angrsbnrg, Heinrich Steiner, 1535. Folio-Format.
Dieses ist die erste Verdeutschung der historischen Schriften des Herodot, die
Boner uns freilich erst aus einer lateinischen Uebersetzung vermittelt hat. Die acht
Holzschnitte, mit denen die Ausgabe geschmückt ist, scheinen von Hans SchäufeUn
herzurühren, dessen Monogramm mit der Schaufel sich auf einem derselben, Blatt XC^
verso findet, und welcher den König Darius auf dem Throne vor den Grossen seines
Reiches darstellen soll ; in Nagler^s Monogranmiisten fehlen diese Holzschnitte. Mehre
derselben zeigen übrigens in ihrem Minderwerth, dass auch bei grossen Künstlern
damals mitunter schon die Kunst nach Brod ging. —
No. 576.
„OFFICU . M . T • C . II Sign SBftdi, @o 2RorcuS XuIIiuS [| «tctro
ber Mömer^ ;u feptm Svatt \\ SUarco^ nim itn tugentfamm
ampttm, tinb ;u9fl)5rttn-||gen/ eince xool vnb recbtieben«
btn menf^enn, inn tatrin gefcl)riben, tD6Id>6 || aujf
begcre, öftren ^ob^nfcn tjonn Ödbwaröcnberge :c»
tjcrtefttf^ct, II Vnb t>clgcnö6, jDurd) jne, in 5icrlid)cr6
— Augsburg. — 275
äod)teötfcb gcbracbr, Wlit || pit ftguren, vnnb Ccütfd)cn
Xeömcn, gcmavnem nug sftUgut, in CrucC gegeben
woröen."
Augsbnrg, Heinrich Steiner, 1535* Folio-Format.
Der Ueberseizer dieser Auggal)e, welche auf Antrieb eines Verwandten des
Freiherm von Schwarzenberg nach dessen Tode zuerst 1581 besorgt wurde, ist der
Caplan desselben, Johann yeuber, während Schwarzenberg, der, wie es in der Vorrede
heisst, ,,11Ve feit! lateitl gelemet, nocl; Pun&t", an dem Styl nur etwas
naehgeschlififcn hat. Sein nach Dürer in Holz geschnittenes schönes Portrait ziert
die Rückseite des Titelblattes. Die übrigen Holzschnitte, 10}9 an der Zahl, rühren
von Hans Burgkmair her und kommen theilweise schon in andern Werken vor. —
No. 577.
„S)6ö |)odj9c(örtcftcn || pf)i(ofopI)en, tüarl)afftigften ®e^
frf)id)t||)cf)reibcit\ önb aUcrttjcürften |)auptmanng 3£eno=
p^onti^ Som^jjmentarien vnb bcfcbteibungen, von öem
leben vn bcersug , Cyri bcB erftcn || ♦ ♦ ♦ burd) ♦ ♦ . ^ie^
ron^^mum 23oncr . ♦ ♦ inne Cbcütfd? QcbtadfU * ."
Augsburg^ Heinrich Steiner, 1540. Folio-Format.
Diese Ausgabe des Xenophon, die erste deutsche, enthält ein Hauptblatt des
Künstlers Hans Schäufelin, welches den König Philipp von Macedonien in Rüstung
vor einem zwischen Säulen aufgespannten Teppich vorstellt, mit dem gekrönten
Wappen zu seinen Füssen. Links steht Alexander der Grosse mit dem blanken
Schwerte und rechts die gekrönte Prinzessin Ariba. Links unten ist das Monogramm
in einem aufrechtstehenden Täfelchen zu finden. Die übrigen 25 Holaschnitte des
Werkes sind Hans Burgkmair zugeschrieben. —
1528 bie 1537.
Dieser Augsburger Typograph war später in Ingolstadt thätig,
wo wir ihn wiedertreffen werden. —
No. 578.
„Db^ffea || 2)o§ fettib bic aller sierüd^ften btib || luftigften
üier t)nb jtDaincätg büd^er be§ eltiften fi!uitft^||reid)eften
Vaxttt^ aller Poeten i)Oxntxh ♦ ♦ ♦"
Augsburg, Alexander Weissenhorn, 1637. Folio-Format.
Es ist dieses die ertte deutsche. Jedoch freie Uebersetzung der Odyssee, deren
Ver/ertiger Simon Schaidenreisser, genannt Minervins, Stadtschreiber zu München war.
Das Buch hftt mehrere mittelmassige Holzschnitte. —
18*
276 — Augsburg. —
1528 bi5 1533.
No. 579.
(Sf)ronica 3lcxt), \\ 9Kamd)erIa^ Ijtftorien, tonb be|!Jonberc
gefd^idlt teilet \av, 1| . . . Vnb biß in ba& ja^r || ITT* (tCCCt» |:
vrtb XXX. II mxUnQtxt.
Augsburg f Philipp Ulhard, 1580. Klein Quart-Format
Unter dem Jahre 1440 befindet sich in dieser seltenen kleinen Chronik eine
interessAnte Notitz über die Erfindung der Buchdruckerkunst, wo aus Outetibtrg
und Oensfleisch zwei verschiedene Personen gemacht werden.
DasB Philipp Ulhard in Augsburg der Drucker dieser Chronik gewesen, bestätigt Zapf
in „Augsburgs Buchdruckergeschichte" 1786, zweiter Theil, Seite 190, wo er die Chronik
selbst anfuhrt. —
ja!litl)ael jajanger,
um 1575.
Als selbständiger Typograph ist Manger wenig bekannt, wes-
halb wir ihn wenigstens in einem seiner grossem Druckwerke vor-
führen wollen. Um 1594 trat er als Geschäftsleiter in die Augs-
burger typographische Gesellschaft „Ad insigne Pinus" , deren Be-
gründer der berühmte und gelehrte Stadtpfleger Marx Weiser war,
in Verbindung mit dem gelehrten Rector David Hoeschel; ihnen
schlössen sich noch ein Dutzend andere hervorragende und gelehrte
Männer an, ebenso als Geschäftsleiter der Typograph Johann Prä-
tor lus, den wir noch näher kennen lernen werden. Die Gesellschaft
führte als Druckerzeichen einen Fichtenbaum , und sie lieferte in
einem Zeiträume von mehr als zwanzig Jahren zahlreiche ansehn-
liche Werke, namentlich lateinisch, griechisch und hebräisch, grossen-
theils von den Theilnehmern dieser Privatdruckerei selbst besorgt,
überwacht, und auf deren Kosten hergestellt. —
No. 580.
,,®rünbltd^er Sendet || )dx(^ aller orbennItd)fteS8e4'fcbrcibung
öcr beiverten jj Kcßdröncy . . . 5Dxircb 3o&ann S^yf^^
bcn 3flngern || von JCrnflairt* ♦ ♦ Auf dem letzten Blatte: ©e-
trudt in ^{ugfpurg, burd) || SKic^ael äRauger, in Verlegung
®eorgen || aBiUer^i. M. D. LXXVI."
Folio-Format.
Dieses für den Fachmann gewiss interessante Werk findet sich bei den Biblio-
graphen nicht erwähnt. Der Titel steht in einer schönen Holzschnittbordure , in
— Augsburg. — 277
welcher die verschiedenen Krankheiten der Pferde und deren Behandlung durch den
Arzt verbildlicht sind. Die Rückseite nimmt das überaus schöne und grossartige
Wappen des Markgrafen Georg Friedrich von Brandenburg ein, dem das Werk
gewidmet ist. —
gegen £r\bc bte 16. 3a^r^un5ert5»
Auch dieser Augsburger Typograph gehörte zu den Geschäfts-
führern der typographischen Gesellschaft „Ad insigne Pinus", die
wir schon oben näher erwähnten. Er führte aber jedenfalls auch
ein eignes Geschäft nebenbei, denn seine Firma erscheint um das
Ende des sechszehnten Jahrhunderts noch selbständig.. Um auch
die Rubrik der Augsburg er Typographen mit dem Jahre ^Ö90
abzuschliessen , führen wir nachstehend wenigstens ein vorzüglich
schönes Werk auf, das die Jahrzahl mit der Firma des Johann
Prätorius trägt. —
No. 581.
„TIEOLEN-IISIVMilPrincipum || OOmTVM. Am Schlüsse: AVGVST^
YINDELICORVM II Ex typographeio Johannis Praetorij, || Sum-
tibus Dominici Custodis . ||cl3 • I^ .IC (1599)/*
Folio-Format.
Der Hauptbcstandtheil dieses vorzüglich schönen Werkes sind die von Dommcxia
Ciisios in Kupfer gestochenen Abbildungen der 23 Grafen von Tirol, von Albertus I.
an bis zum Kaiser Kudolf II. Diese in ganzer Figur gezeichneten Abbildungen sind
jedenfalls wichtig für die Costiumcissenscha/t , während die von Marcus Henning
dazu gelieferten biographischen „Eulogien" sich ein historisches Interesse erhalten
werden.
Ausser den angeführten 23 Darstellungen befinden sich noch 5 andere meist orna-
mentale Abbildungen darin, in deren einer eine geographische Karte der Grafschaft
Tirol mit abgebildet ist. Den Schluss bildet eine chronologische Geschlechtstafel. —
Sdjfußöcmßrftungcn.
Als minder wichtige Typographen, die wir nicht einzeln auf-
führten, sind in Augsburg noch zu nennen : Christoph Schattier 1493 ;
Jacob Wacker 1503; Jlans Pirlin 1506; Johann Sittich 15 II; Johannes
Erphor dianus l^ig; Jobst DenecJier 1522; R, Chaim ben David i^^/^
^^s 1536; Matthaeus Elchinger ohne Jahr; Philipp Uhlhard 1536;
Caspar Tatz 1536.
Schon in früher Zeit bemerken wir Verlag shuchhiindler
oder die sogenannten ,yBuchführer*' auch hier in Thatigkeit. Um
1487 Hess Theobald Feger aus Ofen bei Erhard Ratdolt eine
278
— Augsburg. —
ungarische Chronik drucken. Ausser dem schon genannten Johann
Rynmann von Geringen, der sein Hauptgeschäft in Hagenau hatte
und ausserdem noch in Venedig , Strassburg und Nürnberg, in
Augsburg aber bei Ratdolt, Johann Othmar und Erhard Oeglin
drucken Hess, bemerken wir Jacob Wacker von Salzburg, Jodocus
Birlin und Georg Diemar , für die Johann Othmar druckte. Letz-
terer druckte auch die meisten Werke für den Jüngern Hans Schön-
sperger , der sich ganz und gar dem Verlagsbuchhandel widmete.
Der Schriftsteller Johannes Foeniseca verlegte um 1515 eines
seiner Werke mit dem Drucker Johann Miller zusammen. Ferner
gab der Schulmeister und Typograph Johann Grüner in Ulm Auf-
träge in die Offizin von Sigmund Grimm & Marc Wirsung. Krhart
Sambach aus Ingolstadt Hess bei Johann Miller und bei Sylvan
Othmar drucken; bei Letzterem auch Johann Wagner von Regens-
bürg. Georg Ratdolt, ein Sohn Erhard's, scheint auch Verlags-
buchhandel betrieben zu haben, denn aus einem Regensburger Bre-
viarium vom Jahre 1515 geht hervor, dass er dieses auf seine Kosten
hat drucken lassen.
Ganz interessante Daten liefert noch das kleine Schriftchen:
„Zur Geschichte der Eififührung der Buchdru^kerkunst in Augs-
burg/' Augsburg 1865. (Separat-Abdruck aus dem Augsburger
Tagblatt 1865, No. 170 — 172.) Dort werden aus den Steuerbüchern
Augsburgs Namen angeführt, deren Träger, wenn sie auch nicht
selbständige Buchdrucker gewesen, doch mit der Buchdnicker-
kunst in enger Verbindung gestanden haben müssen. Zum Beispiel
ein Briefmaler Kropf enstein , der vom Jahre 1475 bis 1477 ^ ^^
Günther Zainer thätig genannt wird, nach dessen Tode aber als
selbständiger Buchdrucker aufgeführt ist.
Als „Schreiber** sind in jener Zeit eine ganze Reihe von
Namen in den Steuerbüchern zu finden, die wohl zum Theil Form-
Schneider, Briefdrucker oder Gehilfen gewesen sein mögen. ^^
werden genannt: Eisenhut*), Kaiser, Lengenfeld schon 1457 ^^-
1460. Mangold, Lotter 1460 bis 1476. Niklas und bei ihm: Scherb
1460 bis 1465. Engelhard 1464. Hans Kicklinger 1464 bis 1469.
Heinrich Müller 1464 bis 1477.
Hans von Werth, früher Architekt, dem aber als einem Frem-
den die Arbeit verboten war, 1465 bis 1468. Stephan Schemer,
Hans 1466. Ulrich Schüttrer Veit, Conrad Müller , Hans Weiss,
•) Es mag dieser Eiaenhut wohl identisch mit jenem Johannes Eysetihut
Bein, welcher durch die Schlussschrift als Verfertiger des Holsta/eldi'uckes : „D«o-
fensorium inviolatne virginitatis Marlae" vom Jahre 1476 bekannt ist, und den man
bisher nirgends unterzubringen wusste. —
— Augsburg. — 279
Schwaub , Conrad Eltlin, Hans Kurfus, Paul Mair 1468. Als
Buchdrttcker werden ferner genannt: Hans 1475 ^is 1481, Leonhard
1475, Christmann 1477 bis 1483.
Als ,,Buchführer" finden sich daselbst schon von 14:83 ab
eine Reihe von Namen verzeichnet: Claus Rächlin, Peter Haag,
Simon Oeglin. Sodann um 1490: Sigmund; 1491: Christoph Schap-
pelmann; 1492: Jacob; 1494: Wohlgemuth; 1497 ^is 1505: Johannes
Hermann, Wenn auch wohl kaum in Druckwerken auf uns ge-
kommen, so mögen diese letzteren Namen, da sie urkundlich belegt
sind, hier immerhin zur Ergänzung einen Platz finden. —
ßrgariäunQS'Citertttur ju flugsöurg.
1. Meyer, Die Buchdruckerkunst in Augsburg bei ihrem Entstehen.
Augsburg 1840.
2. Mezger, Augsburgs älteste Druckdenkmale. Augsburg 1840.
3. Zur Geschichte der Einführung der Buchdruckerkunst in Augs-
burg (Separat -Abdruck aus dem Augsburger Tagblatt 1865,
No. 170— 172). Augsburg 1865.
4. Zapf, Annales Typographiae Augustanae. 1778.
5. Zapf. Augsburgs Buchdruckergeschichte nebst den Jahrbüchern
derselben. 2 Theile. Augsburg 1786— 1791.
6. Zapf. Vorläufige Nachricht von der ehemaligen berühmten
Privatbuchdruckerey „Ad insigne pinus" in Augsburg. 1804.
7. Theur-Danck, Der Allerdurchleuchtigste Ritter oder die Ritter-
mässige, hochtheure, höchst-gef ährliche und Glorwürdigste
Gross-Thaten . . . Augsburg bey Matthäo Schuttes 1079^
NB. Wir fiihren diese späte Ausgabe hier an, weil sie die Original' Hohschnitie
der ersten Ausgabe dieses berühmten Werkes aufweist. Jedoch befindet sich
Matthäus Schultes, der Bearbeiter des Textes, im Irrthum, wenn er in der Vorrede
sagt, dass die Holzstöcke 162 Jahre verborgen gewesen seien; denn nach der ersten
Ausgabe sind sie noch wiederholt gebraucht worden.
Uebrigens ist diese Ausgabe kein Augsburger, sondern eigentlich ein Ulmer
Druck, denn es befindet sich in unserer Sammlung eine andere mit der vorliegenden
vollständig übereinstimmende Ausgabe, mit dem einzigen Unterschiede, dass, wie
hier „Augsburg bey Mathäo Schultes", dort „Ulm bei Mathäo Schultes" steht, wo-
runter aber noch zu lesen ist: „Druckts Mathäus "Wagner.* Da Wagner ein Ulmer
Drucker ist, und in beiden Ausgaben dieselben Typen vertreten sind, so wird auch
die |Vorliegende ein Ulmer Druck, und Schultes nur als Verleger derselben in Ulm
and Augsburg zu betrachten sein. Haltaus kennt die vorliegende Ausgabe gar nicht;
erwähnt aber eine von Augsburg bei Matthäo Schultes, in Verlegung Daniel Goerlin's,
Buchhändler in Ulm 1693. —
28o — Marienlhal. —
3lartentf)af
im H^eingau bei UTains.
Vallis beatae Mariae virginis,
jBie trüber oom gemeinfamen leben^
^O0ell)erren.
— Fratres vitae communis. —
1468 biö 1507.
Ueber diese berühmte Kloster drucker ei hat bereits Herr Pfarrer
Dr, Franz Falk ein kleines Schriftchen unter dem Titel: „Die
Presse zu Marienthal im Rheingau und ihre Erzeugnisse", Mainz
1882, erscheinen lassen, worin die hohen Verdienste dieser im Norden
„goldene Priester" genannten Fraterherren um Volksbildung, Jugend-
unterricht, Schreib- und Druckwesen eingehender gewürdigt werden.
Das Verdienst des Herrn Dr. Falk ist es auch, die vier ver-
schiedenen Typengattungen festgestellt und durch photolithographische
Nachbildungen vergegenwärtigt zu haben, welche man in den Drucken
der Marienthaler Offizin unterscheiden kann. In nachstehenden
Druckdenkmalen werden wir sämmtliche vier Gattungen im Or'i-
ginale zur nähern Veranschaulichung bringen.
Das erste Druckwerk, das bis jetzt von dieser Presse bekannt
geworden, ist ein Indulgenzhuch von 14:38, Ein incompletes
Exemplar von 12 Blättern dieser „Copia indulgentiarum" befindet
sich in der Nationalbibliothek zu Paris, und ist unter No. 167 des
Verzeichnisses vom Jahre 1878 aufgeführt. Die wenigen noch
existirenden Marienthaler Drucke sind übrigens Seltenheiten ersten
Ranges, und befinden sich ausser den unsrigen und einem Breviarium
bei Lord Spencer nicht weiter in Privatbesitz. —
No. 582.
^,PfaltfrJum rt ?Srti)iariutn plojjuntittenff.**
Marienthal^ Klosterdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben,
1474« 2 Bände in Quart-Format.
Es ist dieses Breviarium das bedeutendste, zugleich das zweite, oder wenn man
die Jahrzahl im Indulgenzbuche von 1468 nicht als Druckjahr gelten lassen vill,
das erste datirte Druckwerk der Marienthaler Presse. Man kennt von dieser kost-
baren Incunabel im Ganzen nur noch ctcht zum Theil incomplette Exemplare in
Paris, Moskau, Darmstadt, Prankfurt a. M., Cassel, Giessen, bei Lord Spencer nnd bei uas.
— Marienthal. — 28 1
Das Breviariam ist mit den bei Falk unter No. 1 und 8 bezeichneten Typen
gedruckt; die erste seiner Tafeln giebt ein ziemlich gutes Facsimile davon. Die
Exemplare dieses Bibliothekschatzes sind nicht nur selten complet, sie weichen auch
im Drucke unter einander ab.
80 beschreibt Herr I)r. Kelcher in seiner neuesten Abhandlung, „ Die Marienthaler
Drucke der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M,* 1883 drei Varianten des Sommertheils,
während der Wintertheil in Frankfurt gänzlich fehlt. Wir besitzen ein completes
Exemplar beider Theile und werden nachstehend eine Beschreibung davon geben.
Die älteren Bibliographen Maittaire, Würdtwein, Zapf, Panzer thcilten noch ge-
meinsam den Irrthum, das „Breviarium" für einen Druck Peter Schoeffer's zu halten
und auch Hain, der kein Exemplar gesehen, hat dieses Falsum nachgeschrieben
obgleich schon Braun und Fisdier auf die Eigenthümlichkeit der Typen aufmerk-
sam gemacht hatten.
Auf dem ersten Blatte des Sommertheiles in dem Vorworte sind aber neben den
AufscUüssen über l>ruc1eer und Jahr auch noch umständliche Erklärungen ge-
geben, welche Sorgfalt bei der Herstellung des Werkes gewaltet hat, so dass man
über die Officin gar nicht im Zweifel sein kann. Nun zur Beschreibung:
Der Sotnvnerlheil (Pars aestivalis) enthält Folgendes:
Blatt 1: Vorrede mit dem Anfange „Äubiectum uolttraen. . •"
» 2 — 7: Kalendarium.
X 8: Litera dominicaiis, Aureus niunerus, Indictio, zugleich mit der
Anmerkung, welche die Jahrzahl 1474 nochmals enthält.
., 9— 86: Psalterium; schliesst auf Blatt 86 verso Zeile 5, und es beginnen
, 86— 98: die Hymnen und Vigilien.
, 99 ist leer.
„ 100—132: Conunune sanctorum; steht in andern Exemplaren auch am Schlüsse.
7, 133 ist wiederum leer.
„ 134—239: Officium de Tempore, mit dem Anfange: ,/,3) Vlbit fcö pafce . , ."
, ?40— 381: Officium de Sanctis, mit dem Anfange: „(3j tlcipit Dinuiie be fcis . . ."
Blatt 843 verso Zeile 20 liest man: „Cetera It feflo bebicttttouis."
Es giebt Ausgaben, die hiermit 8chlle88en, In unseim Exemplare aber, das
sonach zu den cfhsolut vollständigen gehört, schliesst sich Zeile 21 noch an :
»(5)« [tottt onnü ferietatis.. .** und endet erst Blatt 381 recto Zeile 27: „3tein be
Jmeraoracione bt? o'gis on . \t% puöba".
Der Wintertheil (Pars hiemalis).
Blatt 1— 7: Vorrede, Kalendarium.
„ 8: Litera dominicaiis etc.; wie oben.
» 9—85: Psalteriimi, schliesst auf Blatt 85 recto Zeile 26, und es beginnen
daselbst
r, 85 — 97 recto: die Hymnen und Vigilien.
T, 97 verso ist leer.
„ 98—108: „3ncipit regillrum abuentus" bis „(Ketera ut in breuinrio".
n 109 ist wiederum leer.
» 110—245: Officium de Tempore, mit dem Anfange: „Dominica prima abuentU8'^
„ 246—282: Officium de Sanctis, mit dem Anfange: „3tt uigilio fancti Änbree".
„ 283—315: Commune Sanctorum, mit dem Schlüsse: „t)t notat biiica prima poft
trtnitatis."
„ 316 ist leer. —
Dass in den Psalterien keine gedruckten Anfangsbuchstaben vorkommen, sondern
sämmtliche Versalien roth eingemalt sind, erwähnten wir schon auf Seite 27 mit
Anführung derjenigen andern Bibelwerke, in welchen gleichfalls diese Eigenthüm-
2S2 — Marienthal. —
lichkeit in Anwendung^ gebracht worden ist. Den Einband unsers prächtigen Cime-
lien- Druckes bilden schone Holz - Mosaikdeckel mit Rücken von Juchteoleder und
silbernen Beschlägen. Das dunkle zweitausendjährige Eichenholz stammt von der alten
Mainzer RÖmerbrücke. —
No. 583.
Marienthal^ Klosterdruckerei der Brüder des gemeinsamen Lebens,
circa 1474« Ein Pergamentblatt in Quart-Format.
Falk schreibt auf Seite 15 seiner Abhandlung bezüglich des Brevier^s von 1474:
, Dieses Brevier führten die Marienthaler sowohl auf Pergament, als auf Papier ans.
Von der Pergamentausgabe ist ein vollständiges Exemplar wahrscheinlich nicht
mehr erhalten, die Nationalbibliothek zu Paris besitzt davon nur 9 Blätter, . . . ^ergl.
Van Praet, Cat. des livres imprim6 sur v61in I, 203."
Bei Van Praet findet man allerdings eine ausführliche Beschreibung dieser
9 Pergamentblätter, aber in dem Incunabeln -Verzeichniss der Nationalbibliotbek von
1878 haben wir dieselben vergeblich gesucht Sind sie also noch in Paris? Es
scheint wohl nicht. Um so mehr gereicht es uns zur Freude, von dieser Pergament-
Ausgabe ebenfalls ein ivohlerhaltenes Blatt zu besitzen , das nun vielleicht als
in seiner Existenz einzig verbürgter Zeuge für das Vorhandensein einer Pergament-
Ausgabe des Marienthaler Brevier's um so interessanter sein dürfte. —
No. 584.
^iCrremontale mouadjofrum ortuuö <3aucti l^enebtcti be
obfertJantia 1@uröfelbfn|i.^^
Marienthal^ Klosterdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben,
circa 1475- Quart-Format.
Dieses „Oeremoniale" hat keine Angabe des Druckers und keine Datirung, üt
aber mit Type I der Marienthaler Presse gedruckt. Das Buch ist ein höchst seltener
Schatz, von dem wohl nur noch die zwei Exemplare, zu Mainz und Giessen, bekannt
sind ; ein sehr incompletes ist in Paris. Hain hat das Werk nicht gesehen und schreibt
es unter No. 4883 wiederum Peter Schöffer zu. Falk hat es unter No. 6 genauer und
richtig beschrieben. Einband von Juchtenleder mit vergoldetem Beschläge. —
No. 585.
^,1@rrt)iarium Bloiiuntinum.*^
Marientthal^ Klosterdruckerei der Brüder vom gemeinsamen Leben,
circa 1476« Quart-Format.
Dieses undatirte Brevier ist mit den kleineren beiden Typengattungen gedruckt,
von denen die zweite Tafel Falk's ein Facsimile giebt. Zwar findet sich kein Druck,
der mit diesen Typen ausgeführt zugleich Ort und Jahrzahl trägt, dennoch ist der
Beweis vorhanden, dass auch diese kleinern Typen nach Marienthal gehören.
Die Giessener Universitätsbibliothek besitzt nämlich ein mit den beiden grössm^^
Typengattungen gedrucktes Brevier, dessen Kalender nicht mit Type 1 & 2, sondern
in der kleinern Type 8 & 4 ausgeführt ist; ebenso besitzt dieselbe Bibliothek ein
— Venedig. — 283
anderes Brevier, in weichem Tbeile der mit der grössern Type gedruckten Ausgabe
mit Theilen einer Ausgabe verbunden sind, welche die kleineren Typen aufweist
üebrigens bleibt der Charakter aller vier Typen-Arten sich gleich, der Unter-
schied liegt nur in den Grössen- Abstufungen. Von diesem höchst seltenen Bre-
viarium besitzen wir wenigstens ein aus dem Psalter stammendes Blatt, in welchem
ebenfalls die Initialen eingemalt sind, hier aber roth und blau. Dasselbe betindet
sieh unter Ulas und Messingr ahmen und dient zur Veranschaulichung auch dieser
beiden interessanten Typen-Grade voUkommen. —
QÜenebtg
— Venetiae. —
Die stolze Republik Venedig war zur Zeit der Erfindung und
allgemeinern Ausbreitung der Typographie nicht nur die Beherrscherin
des Welthandels auf allen Meeren, sondern auch eine Pflegerin der
Künste und Wissenschaften, daher auch die grosse Erfindung Guten-
berg's in ihren Mauern bald die geeignete Stätte fand, um sich in
einer Weise zu entfalten , die uns noch heute in Erstaunen setzt,
wenn wir vernehmen, dass die Buchdruckereien Venedig's schon im
fünfzehnten Jahrhunderte die Anzahl von zweihundert erreichten,
und nicht weniger als dreitausend verschiedene Druckwerke aus
ihren Pressen hervorgingen.
Die ersten Typographen der Stadt Venedig waren die beiden
Brüder Johann und Wendelin aus Speyer, deren vorzüglichste
frühe Arbeiten wir nachstehend kennen lernen werden. Das dem
Johann von Speyer schon 14:09 von der Stadtverwaltung
ertheilte Privilegium, wonach derselbe auf fünf Jahre allein berechtigt
sein sollte, daselbst zu drucken, wurde hinfallig durch seinen baldi-
gen frühen Tod, daher auch neben seinem Bruder Wendelin
schon 14:70 Christoph Waldarf er und der berühmte Nicolaus
Jenson aus Tours als Venediger Typographen erscheinen.
Der Letztere wurde schon 1462 von Ludwig XI. von Frank-
reich nach Mainz entsandt, um dort die neue Kunst zu erlernen
Er war also ein Schüler Ftist öt Schoeffer's, und dass er sein Fach
gehörig erlernt gehabt, werden wir aus einigen seiner schönen
Druckwerke weiter unten ersehen. —
284 — Venedig. —
Jol)annes d( ßpixA^
oder
3ol)ann von ßptr^tx
1469 ^ 1470.
No. 586.
Aurelii Augustini „De civitate Dei".
Venedig^ Johann & Wendelin von Speyer, vollendet 1470.
Gross Folio-Format.
Das vorliegende Hauptwerk des Augustinus „Vom Reiche Gottes" bildet in dieser
Ausgabe einen der wichtigsten Zeugen für die Geschichte der Buchdrnclierkunjt
überhaupt und insbesondere Vencdtys. Wir erfahren durch das achtzeilige Colofi^o*
des Werkes eine Reihe getcisser Thatsachen, die historisch werthvoller sind, als
mancher dicke Band gelehrter Forschungen. Wir wollen daher diese interessante
Schlussschrift, die in lateinischen Hexametern abgefasst, und bei Panzer HI Seite
fi4 No. 5, sowie bei Hain No. 2048 copirt ist, hier nur in freier deutscher Üebcr-
tragung wiedergeben. Sie lautet: y, Johann von Speyer war es, der die Venediger
die Kunst der Vervielfältigung von Schriften lehrte; er hatte im dritten Monate fast
100 Exemplare des Plinius und ebensoviel des grossen Cicero geschaffen, und das
Werk des Äurelius begonnen, als plötzlich der Tod ihn hin wegraffte, sodass er
dasselbe nicht vollenden konnte: Da half sein Bruder Wendelin , der in der Kunst
nicht Geringeres leistet und in der Adriatischen Stadt verweilen wird."
Es bestätigt diese Schlussschrift also zunächst das, was schon aus einem, dem
Johann ton Speyer vom Senate zu Venedig am 19. September i469 bewilligten
Druck- Privilegium hervorgeht, nämlich, dass er der erste Typograph Yenedigi
war, was aber seiner Zeit durch die ftUsche Jahrzahl 1461 des von NicoUt»^
Jenson gedruckten „Puellarum Decor" ganz unrechtmässig angefochten wurde. Femer
erfahren wir, dass er überhaupt nur drei JUotwte thätig gewesen ist, imd in dieser
Zeit den Cicero und den Plinius jeden in der Auflage von 100 Exemplaren geärac^
hatte. Weiter ersehen wir, dass Wendelin sein J^ntder gewesen und endlich, dass
der Augustinus von Johann begonnen und von Wendelin beendet isti
Eine Eigenthümlichkeit dieser sehr schon gedruckten Antiqua-Ausgabe vurde,
so auffällig sie auch ist, von den Bibliographen bisher nicht bemerkt; es ist nämlich
die sonderbare Erscheinung, dass hier das Zeichen & nicht nur wie gewohnlich fnr
das JBindetoort „et" angewendet ist, sondern auch regelmässig für die £nd»übe
et eintreten musste; so zum Exempel in den Wörtern: licÄ, deb&, crearft, aider*
und andern. Diese bizarren Verbindungen geben dem Ganzen eine an sich eigen-
thümlichc Physiognomie, ähnlich wie die langen Schluss-S den Drucken dor Swein-
hoym & Pannartz ihr eigenes Gepräge verleihen, als ob dadurch die betrefiPenden
Künstler sich gleichsam monogrammaiisch fixiren wollten.
unser Exemplar ist auf sehr grosses Papier gedruckt, mit handschrifUicbcn
rothen Rubriken der Capitel versehen. Der dunkelgrüne Ledereinband mit reichem
vei^oldetem Beschläge giebt dem höchst seltenen und kostbaren Folianten ein
prächtiges Aussehen, zumal das Werk selbst beinahe wie neu erhalten ist —
— Venedig. — . 285
oder
H^fttbfUtt »Ott 3pfi|fr
1470 bie 1477.
No. 587.
Cornelius Tacitus: „Annalium et historiarum libri
superstites, de situ, moribus et populis Germaniae
libellus et dialogus de oratoribus claris."
Yenedig, Wendelin von Speyer, circa 1470. Klein Folio-Format.
Indem wir zur selbständigen Thätigkeit WendeltWs übergehen, gereicht es uns
zur Freude, dieselbe mit einer Seltenheit ersten Ranges, zugleich mit seinem einsig
beglauhigten ersten Drucke eröffiien zu können. Diese erste Ausgabe der histori-
schen Schriften des Tacitus hat durch ihre SehlussaehiHft zu Irrthiimern und
Controversen der Gelehrten geführt, zu deren Entscheidung man nur das gewichtige
Zeugniss der Endschrift des in voriger Nummer besprochenen Werkes heranzuziehen
braucht, um über das Factum klar zu werden.
Jene Stelle des Colophons der vorliegenden Ausgabe: „pressit Spira premens:
artis gloria prima sue'' wurde von den älteren BibUographen dahin gedeutet, dass
der Tacitus der erste Druok des Johann von Speyer, also der erste Venediger Druck
üh&rhaupt sein sollte. Es bleibt wunderbar, dass erst Ebert unter No. 221S4 auf
den Irrthum und Widerspruch dieser Annahme aufmerksam machte und auf das
Zeugniss der Schlussschrift unsrer Arsgabe des Augustinus unter No. 586 zurückgriff.
Ob er wohl alle Bibliographen bekehrt hat? Brunet und Graesse sind ihm glück-
licherweise gefolgt, und so steht zu hoffen, dass jener Irrthum allmählig ganz getilgt
werde, obwohl man selbst heute noch Zweiflern und Andersgläubigen begegnet
Nicht überflfissig durfte es Jedoch sein, auf eine bibliographische Entstellung auf-
merksam zu machen, deren sich Falkenstein auf Seite 218 bei Berührung der vor-
liegenden Ausgabe des Tacitus schuldig macht. Es heisst dort: Diese Princeps
liefert das früheste Beispiel von Blattbezeichnung mittelst arabiseher Ziffern»**
Von solchen ist aber in dem ganzen Werke nicht das Geringste zu sehen!
Wie dem gelehrten Bibliothekar dieser Schnitzer passiren konnte, ist um so
weniger begreiflich, als alle Bibliographen mit mehr oder weniger Ausführlichkeit
die hier bemerkbaren Blattweiser oder sogenannte Custoden beschrieben haben, und
welche darin bestehen, dass an den Schluss der Rückseite jeden Blattes das Anfangs-
wort, manchmal auch die beiden ersten Worte des nächsten Blattes angemerkt sind.
Ist nun auch die in ihrer Anlage skizzenhafte Arbeit Falkenstein's überhaupt kein
als Grundlage für Studienzwecke zu benutzendes Werk, so wird man doch auch vor-
sichtig sein müssen bei seinem Gebrauche als bequemes Nachschlagebuch.
Zu den von uns schon unter Köln gemachten Anführungen über die Erfinder
der BlatU:ahlen und der Signaturen, Therhoemen und Koelhoff, gesellt sich also
der aus vorliegender Ausgabe des Tacitus hervorgehende Erfinder der dritten Art
bibliographischer Blattbezeichnung: der Custoden oder Keclamen, und zwar in der
Person des Wendelin von Speyer* Merkwürdig ist es, dass die Zeit dieses
ersten Zeugnisses der Custoden mit dem ersten Colner Zeugniss von Blattzahlen im
Jahre 147 O zusammenfällt. —
üeber den Druck der obigen Ausgabe ist zu sagen, dass er, obwohl mit sehr
ähnlichen Typen wie der Augustinus in voriger Nummer, so doch weniger schfin
286 — Venedig. —
und exact als dieser ausgeführt ist. Die Druckschwärze ist offenbar zu fett aufgetragen.
Auch fehlt hier die Eigenthiimlichkeit , welche wir dort bezüglich der Unterstellang
des Zeichens & für die Endsilbe et erwähnten , welche hier wie gewohnlich aus-
gedruckt wurde.
Dem hohen Werthe des Buches ist schliesslich das Kunstwerk des Einbandes
gleichzustellen, welcher in Leder-Mosaik ausgeführt, ein Meisterstück der Buchbinder-
kunst von Dum in Paris ist. Die wundervolle Vergoldung der Deckel ist dagegen
von Marius Michel, dem ersten Yergolder zu Paris; sie ist aus kleinen Stempeln
mit der Hand zusammengesetzt. Die Namen beider Künstler befinden sieb nebst
der Jahrzahl 1863 unten an der Innenseite des vordem Deckels. Ein mühsameres
und prächtigeres Werk der Buchbinderkunst ist uns noch nirgends begegnet. Dabei
ist dieser Einband noch so prächtig erhalten, als verliesse er soeben erst die Werk-
stätte der Meister. —
No. 588.
Jüvenalis „Satyrae".
Yenedlg; Wendelin von Speyer, 1470. Gross Quart-Format.
Erste Ausgabe der Satyren des Juvetuil. Ihre grosse Seltenheit geht schon
daraus hervor, dass seit De Bure, welcher ein Exemplar in Beiles - Lettres tome I
pages 372 & S73 beschreibt, erst Dibdin & Brunet wieder Exemplare zu Gesiebt
bekommen haben.
Dibdin zahlt in dem Exemplare seines Lord Spencer 71 Blätter, Brunet nach
dismjenigen der Nationalbibliothek zu Paris nur ßS , was wohl auch richtig sein
würd, da das unsrige ebensoviel enthält. Die dreizeilige Endschrift, welche Brunet &
Debure durch Autopsie, und nach ihnen alle andern Bibliographen unffenau geben,
lautet folgendermassen:
Juuenalis Aquinaris (sie) sathirarum
liber ultimus foellciter explicit.
M . CCCC . LXX.
Ilain führt das seltene Druckwerk unter Nr. 9664 an, ohne es gesehen zu haben,
da es in der Münchner Hofbibliothek fehlt; die Zahl der Blätter, ob 65 oder 71.
lässt er unentschieden. —
No. 689.
Caji Crispi Salustii „Bellum Catilinarinm et Jugurthinum".
Venedig, Wendelin von Speyer, 1470. Hoch Quart-Format
Es ist dieses die erste sehr seltene Ausgabe von den Schriften des Sahisi, «über
die Verschwörung des Catilina und über den Krieg mit Jugurtha" , w^elche nur in
400 Exemplaren gedruckt wurde , wie aus den am Schlüsse stehenden sechs Versen
hervorgeht, in welchen auch der Drucker genannt ist, und vor denen das „EXPLICIT
M. C. C. C. C. L. X, X.« steht.
Gegenüber Ebert, welcher in Nr. 19 985 nach Dibdin ein Exemplar mit 70, nach
Brunet eines mit 71 Blattern citirt und von letzterm vermuthet, dass es mit Inbegriff
eines weissen Blattes die vermehrte Blattzahl aufweise, bemerken wir, dass ein
completes Exemplar 71 bedruckte Blätter zählen muss.
Auch ist noch Hain zu berichtigen, der in Nr. 14197 die Endschrilt des ersten
Buches auf Blatt 286 versetzt, wahrend sie doch in der That sich auf Blatt 846 be-
findet, so dass das zweite Buch auf Blatt 26 mit den Worten () ALSO QVERITVR
beginnt. Das Werk bildet übrigens das merkwürdigste Beispiel von Ungldchheit
— Venedig. — 287
der Zeilen-Anzalil auf den einzelnen Blattern ; wir fanden solche mit 28, J9, 80, 31
auch 32 Zeilen, wahrend die Bibliographen in harmonischer Uebereinstimmung
30 Zeilen angeben. —
No. 590.
Plutarchi „Apophthegmata".
Venedig, Wendelin von Speyer, 1471. Folio-Format.
Es ist dies die lateinische Uebersetzung des Franciscus Philelphus von Plntarch's
»Denksprüchen berühmter Feldherrn und Könige** und zwar in der ersten datirten
Ausgabe. Hain No. 1S140. — ___________
No. 591.
IJobrrtus CEaracciahis : ^pua Suabragflintalf*^
Venedig, Wendelin von Speyer, 1472« Folio-Format.
Diese Fasten- und Poenitenz Ordnung ist mit gothischer , ganz besonders origi-
neller und schöner Type gedruckt. Hain fuhrt die Ausgabe unter No. 4411 an,
ohne sie selbst gesehen zu haben. —
1470 bie 1482.
Dieser Typograph erwarb sich durch die von ihm geschaffenen
schönen Schriften den ausgezeichneten Beifall seiner Zeitgenossen.
Durch die grosse Anzahl und Vorzüglich keit der von ihm gelieferten
Werke wurde er für die Kunst und ihre Veredelung Epoche
machend. Er gab sich zur Kennzeichnung seiner französischen
Abkunft den Beinamen „Gallicus", auch nannte er sich zuweilen
nur kurz Nicolaus Gallicus, —
No. 592.
Marcus TuUius Cicero: „Epistolae familiäres."
YenedigTy Nicolaus Jenson, 1471* Gross Quart-Format.
Höchst seltene und schöne Aus|;abe der Briefe des Cicero, von Hain unter
No. 5168 citirt, ohne dass er sie gesehen hat. Sie ist mit römischer Schrift gedruckt,
welche viel Aehnlichkeit mit den Typen der Brüder Johann & Wendelin von Speyer
hat; sie ist aber etwas grösser und noch klarer und ausdrucksvoller. —
No. 593.
(Sratianl ^^QEobejr i^ecrrtarum cum apparatu^^
Tenedigy Nicolaus Jenson, 1474* Gross Folio-Format.
Die vorliegende prachtige Ausgabe des Codex Decretorum ist in zweierlei
gothischer Schrift gedruckt. Der wirklich bewundernswerth schöne Druck zeigt,
dass Jenson seinen Lehrmeistern Fust & Schöfifer in Mainz alle Ehre machte. Hain
No. 7886. —
288 — Venedig. —
No. 594.
Nonii Marcelli „De Proprietate Sermonum".
Venedig, Nicolaus Jenson, 1476. Klein Folio-Format.
Diese Ausgabe der „Lehre von BeschafFenheit der Reden", von dem lateiniBcben
Sprachlehrer Xonius JUarcellus für seinen Sohn geschrieben, zeigt uns den typographi-
schen Künstler Jenson in nicht minder günstigem Lichte; denn auch dieser mit
römischer Schrift ausgeführte Druck ist meisterhaft. In dem fünfzeiligen Colophon
findet man den Prucker und die Jahrzahl angegeben.
Das vorliegende in rothen Maroquin gebundene Exemplar stammt aus der Biblio-
thek des Prinzen Eugen von Savoi/en, dessen Wappen sich in etwa 10 Centimeter
Hohe und prächtiger Ausführung in Goldpressung auf Vorder- und Rückseite des
Einbandes befindet. Hain hat die von ihm unter No. 11901 beschriebene seltene
Ausgabe nicht selbst gesehen. —
No. 595.
^^ntanini ^rd)irpifcapi 3Fl0rentini ,^3ttmmae ari^cologicae
pars ffcunba/^
Venedig, Nicolaus Jenson, 1480. Folio-Format.
Gothischer Druck. Jenson druckte die vier Theile dieser „Summa" des Antonius
allmählich in dem Zeitraum von 1 477-- 1480; und zwar erschien zuerst der drüte
Theil 1477; dann der erste 1479; der vierte im Mai 1480, und zuletzt der vorliegende
zweite Theil im Juli desselben Jahres.
In derselben Zeit veranstaltete auch Koburger in Nürnberg eine Ausgabe, deren
Theile von 1477 an successive herauskamen, aber schon 1479 sämmtlich vorlagen.
Ein schönes Exemplar aller vier Theile auch dieser Ausgabe wird uns imter „Nürnberg*
vorkommen. Hain No. 1843. —
1470 bl6 1472.
Dieser berühmte deutsche Typograph übte seine Kunst später
^u Mailand aus, wo wir ihm weiterhin noch begegnen werden.
Seine Thätigkeit zu Venedig beschränkte sich nur auf kürzere Zeit und
auf wenige Werke, die alle zu dei^ grössten Seltenheiten
zählen ; seine erste Ausgabe des „Decameron" von Boccaccio wurde
bereits im Jahre 1812 in der Roxburghe-Auction zu London vom
Herzog von Marlborough für 2260 Pfund = 43 200 Mark er-
standen. —
No. 596.
Utauri Snm ^onorati ^,€ommrntariw0 in Btrgiltum."
Venedig, Christoph Valdarfer, 14:71. Folio-Format.
Höchst seltene Ausgabe dieses Commentars zu Virgil'fl Werken, ohne den Text?
verbessert von Bapiista Giiarimts. Von Panzer und Hain No. 14 705 beschrieben,
— Venedig. — 289
aber nicht gesehen. Besüglich der Typen können wir bei diesem Drucke eine in-
teressante and neue Bemerkung machen. Es sind nämlich ganz dieselben, wie sie
der Augtisiinus des Johann von Speyer unter No. 586 aufweist. Valdarfer scheint
also nach des Letzteren Tode diese Scbriftgattvng erworben zu haben, womit auch
der Umstand übereinstimmt, dass Wendelin von Speyer noch in demselben Jahre
mit andern Typen druckte. —
^0t)$nn Don Cöln ober ^ot^annes lit Colonia)
1471 bis 1487.
Dieser Drucker verband sich gegen 1472 (nicht 1473 wie Falkcn-
stein angiebt) mit Wendelin von Speyer, nachem er bereits 1470 ein
Register der Schriften des Johannes Scotus für Wendelin verfasst
halte, später auch mit Johann Manthen de Gheretzem und zuletzt noch
mit Nicolatis Jenson und Johannes Herhort de Seigenstadt. Die
von ihm in unserer Sammlung vertretenen Druckwerke werden ihn
in seinen verschiedenen Phasen kennzeichnen. —
No. 597.
Marcus Fabius Quintilianus: „Oratoriarum institutionum
libri XII."
Venedig^ Johannes de Colonia, circa 1478. Folio-Format.
Man schreibt diese undatirte Ausgabe der ^,12 Bücher über die Redekunst" des
Quintilian nach Ebert No. 18418 allgemein dem Johann von CÖin zu. Obgleich die
romische Type des Werkes von deijenigen der nächsten Nummer unterschieden ist,
so ist es Ja wohl möglich, dass dieser Typograph mit verichiedLenen Alphabeten
gedruckt hat; möge daher der seltene Druck, der ein Isachärwik der Jenson^schen
Ausgabe von 1471 ist, bei Johannes de Colonia stehen bleiben und Anregung zu
weiterer Forschung geben. Hain No. 18644 hat die Ausgabe nicht selbst gesehen,
sie fehlt in München. —
3o|)anne0 de Colonia k <|ol)anne0 JUantJien
1473 bis 1480.
Panzer führt zwar unter dem Jahre 1487 noch einen Druck dieser
beiden Typographen auf. Augenscheinlich liegt aber bei diesem in
Band I Seite 238 No. 976 citirten Werke „Fallacie secundum Divum
Thomam de Aquino" von 14:87 eine Verwechselung mit der Aus-
gabe von 14:77 zu Grunde, die Panzer auf Seite 127 No. 290 eben-
falls aufführt. —
19
2go — Venedig. —
No. 598.
Aristotelis „Historia de animalibus".
Yenedlg; Johannes de Colonia & Johannes Manthen de Gheretzem,
1476. Folio-Format.
Die erste sehr schöne lateinische Ausgabe der „Zoologie^ des Aristoteles in
schöner römischer Schrift gedruckt und am Schlüsse mit Firma und Datirung ver-
sehen.
Der Herausgeber Theodor Gaza hat dieses Werk dem Papste Sixtus IV. gewidmet,
und De Bure erzählt von der in der Literatur wohl einzig dastehenden Aufnahme,
welche diese Dedication seitens des Papstes empfangen , Folgendes : „Gaza liess ein
Exemplar des Werkes kostbar einbinden und stellte es dem Papste zu; Sixtus IV.
aber schickte dem Autor das Buch zurück und liess ihm die Kosten des Einbandes
auszahlen." Hain 1699. Hier verabschieden wir uns einstweilen von Johannes de
Colonia, um ihn spater in seinen Verbindungen mit Nicolaus Jenson und Herbort de
Seigenstadt wiederzufinden. —
/ranctsnis Menner Don ^atlbronn ^ mc$im
mn /rankfurt oirer ht /rancoforbia,
1473 bis 1476.
Franciscus von Hailbronn druckte schon von 1471 ab in Venedig;
im Jahre 1473 gesellte sich Nicolaus de Francofordia zu ihm. Von
1477 ab druckten dann beide wieder theils allein, theils in Gesell-
schaft Anderer. —
No. 599.
irf0narbi be IKtino ^^Sermanes jauabragelimaU^".
Yenedlgy Franz von Hailbronn & Nicolaus von Frankfurt, 1478.
Folio-Format
Erste Ausgabe dieser Fastenpredigten mit einer reizenden^semigothiscben Type
gedruckt. Hain No. 16117. —
No. 600.
Hlid)afl be €ard)ana |llfbiolanen(i0: „Äermanarium tripli-
catum per aborntum rt ptx buas quabragcflmas^^
Yenedig^ Franciscus von Hailbronn & Nicolaus von Frankfurt,)
1476. Quart-Format.
Editio princeps dieser Sammlung von «Advent- und Fastenpredigten* mit der-
selben semigothischen Schrift gedruckt, wie das vorige Werk. Umfilnglicber Band
in Original-Schweinsleder. Hain Nr. 4508. —
— Venedig. — 29I
No. 601.
iilBiblia fatina mm paftiUia Nicolai br If^ra.*^
Tenedig^ Franciscus Renner de Hailbronn, 1483.
3 Bände in Folio-Format.
Mit einer andern gothischen Type von sweierlei Grosse gedruckt. Die Anfangsseite
jeden Bandes ist mit einem Initialbuchstaben und schöner farbiger Bordüre geziert.
Hain No. 8165. —
^rt)art Matbolt Don ^ugdburg^
1476 bie 1486.
Der berühmte Typograph, welchen wir in Augsburg schon
fanden, wohin er im Jahre 1487 vom Bischof Johann von Werden-
berg berufen wurde, war anfänglich mit Peter Löslein und Bernhard
Pictor associrt; in folgender Nummer finden wir einen Druck, den
er nach seiner Trennung von jenen allein lieferte. —
No. 602.
3?ranct6cu0 Ulataratius: „j0c compancnbiö t)fr|!bu9*^
Yenedig^ Erhard Ratdold, 1468 statt 1478. Quart-Format
Dieses kleine Werkchen giebt eine Anleitung den Hexameter und Pentameter
za componiren. Gothischer Druck mit einem ganz eigenthümlichen ^ und mit den
berühmten „Literae Florentes". Interessant wegen des Druckfehlers in der Jahrsahl
durch Auslassung eines r. Editio princeps. Hain No. 10889. —
No. 603.
<3acobu0 )c €iirtr: ^^^z urbia CoUofrnfts obfibione a
Siurciö tcntata^S
Yenedig^ Erhard Ratdolt, circa 1480. Quart-Format.
Auch diese kleine Schrift in Sachen der von den Türken belagerten Stadt Klausen«
bürg ist mit derselben gothischen Type gedruckt, wie vorige Nummer. Hain
No. 5868. —
No. 604.
,,i0aft bud) bcr jrijr gcpot.*^
Yenedig, Erhart Ratdolt, 1483. Folio-Format.
Schöner Druck des berühmten Meisters mit einer neuen höchst prachtigen gothi-
schen Type; doppelt interessant als deutsches y zu Venedig gedrucktes Werk. Ver-
glichen mit dem Lutherischen Katechismus zeigt diese Erklärung der Gebote eines
unbekannten Autors, welche im Geburtsjahre Luther^s gedruckt wurde, in Sprache und
Sinn allerdings gewaltige Unterschiede, aus denen der Geschmack des Mittelalters redet.
19*
292 — Venedig. —
Der schonen Katdolt'schen Initialen, aus Blumengewinden im Renaissance »Stil
componirt, finden sich in dem Werke dreizehn; diese bekannten „Literae Florentes',
für deren »Erfinder" Ratdolt von Vielen gehalten wird , sind jedenfalls die ersten in
HoIb geschnittenen Zierlmchstaben , welche den Renaissance -Styl im Bücherschmnck
eingeführt haben. Wenn auch nicht Erfinder derselben, denn dergleichen Motive
haben viele italienische Handschriften Jener Zeit aufweisen , so ist Ratdolt doch
Jedenfalls deijenige gewesen, der zuerst auf die Idee kam, die schönen Renaissance-
Buchstaben nachzeichnen zu lassen und durch den Holzschnitt für die Typographie
zu verwerthen. Hain No. 40S4. —
No. 605.
^,^pu0Cttlum repertorü prognofitcon in mutationee arrts tarn
ma aftrologtca quam metl)roro logtca/^
Tenedig^ Erhart Ratdolt, 1486. Quart-Format
Seltenes astronomisches Werk des berühmten Typographen, der sieh besonders
durch den Druck mathematiseher und astrologischer Werke verdient machte. Hain
eitirt es unter No. 19893 ohne es gesehen zu liaben. Auch hier findet sich eine
Anzahl der schönen Literae Florentes. Der Druck ist gothisch; die Type abermals
eine neue. —
1476 bis 1483.
Im Anfange mit Ratdolt und Bernhard Pictor assodrt, als-
dann allein. Wir behalten die eigenthümliche Schreibart seines
Heimathortes bei, der jedenfalls Langenzenn bei Nürnberg war. —
No. 606.
^Itbori l^ifpalrnpö ^^ITibrr et^molagiarum et be fummo bona^
Yenedig^ Peter Löslein de Langencen, 1488« Folio-Format
Die selbständigen Drucke dieses Typographen sind äusserst selten. Derselbe
bildete bis 1480 in Gemeinschaft mit Erhard Ratdolt und Bernhard Pictor oder Maler,
beide von Augsburg, das berühmte Drucker -Triumvirat , in welchem Loslein oder
L5slin namentlich als Corrector thätig war, und aus deren Pressen die herrlichsten
Druckwerke hervorgingen. Hain No. 9279. —
1476 ^ 1477.
Ein nur wenig bekannter Typograph , der blos zwei Jahre in
Venedig druckte und dessen wenige Werke, die auf unsere Zeit
gekommen, sehr selten sind. —
— Venedig. — 293
No. 607.
Diodori Siculi „Bibliotheca seu historiarum priscarum
libri IV".
Yenedigr^ Andreas Jacobus Catharensis, 1476* Folio-Format
Das Geschichtswerk des Diodorus in der Uebersetzung des Franciscus Poggins
ist der erste hoehst seltene Druck, welchen dieser Typograph lieferte. Die Typun
Bind romisch. Hain No. 6189. —
1477 bi5 1496.
No. 608.
QSregoriua Jöagnua: ^^Ularalia pnc (ff|rpo|tti0 in Sobum'*.
Yenedlgy Raynaldus de Novimagio, 1484* Folio-Format.
Diese „Moralia", eine Auslegung des Hiob, sind die bekannteste Schrift des
Papstes Gregor I., dem man den Beinamen „der Grosse" gegeben hat. Wir haben
die interessante Editio princeps von Bertold Ruppel in Basel schon unter No. 423
besprochen.
Vorliegende schöne Ausgabe ist mit hübscher gothischer Type gedruckt und
enthalt am Schlüsse Druckfirma und Datirung. Hain No. 7980. —
No. 609.
ISartlyolomarus be €l)atmi$: ^jjtnterrogatorium fiDc
(S:0nfff|ioiialr*^
Yenedigy Raynaldus de Novimagio, i486* Klein Quart-Format.
Mit kleiner gothischer Type gedruckte Ausgabe dieses Werkes über die Beichte,
wovon wir die Mainzer Ausgabe von Peter SchÖffer unter No. 37 verzeichneten
Hain No. 8488. —
@:l)oma0 ht Planta ms ^le)ran{rna^
1477 biß 1491.
No. 610.
Hyginus: „Poeticon astronomicon".
Yenedlg, Thomas de Blavis, 1488» Quart-Format.
Der Titel dieses Werkes, den man durch , Poetische Astronomie" oder „Astrono
misches Gedicht« gleich unzulänglich verdeutschen würde, hat schon zu oftern Irr-
thümem Anlass gegeben. Das Werk ist kein Gedicht, wie man denken könnte;
□eben einem mathematlüsch-astronomischen Theile enthält es mythologische Unter-
suchungen über die Sterfibilder, wie sie durch Benennung der Dichter des Alterthums
nach und nach entstanden sind.
294 — Venedig. —
Die erste Ausgabe dieses Werkchens druckte 1475 Augustinus CameriusinFerr&ra;
Erhard Ratdolt die zweite um 1482; die dritte und vierte Thomas de BlaTis um 14%
und 1488. Letztere enthalten die eirca 50 Holzschnitte der Ratdolt'schen Ausgabe
in leider recht rohen Copien, was sieh auch auf die in vorliegender Ausgabe sehr
zahlreich vertretenen Initialen erstreckt Hain No. 9065. —
pi)Utpp Condam Petrin
1478 bi6 1482.
No. 611.
Marcus Tullius Cicero: „Rhetorica nova et vetus".
Yenedig, Philipp Condam Petri, 1479. Folio-Format.
Seltene Ausgabe von Cicero^s „Redekunst", mit romischer Schrift gedruckt.
Die Druekfirma mit der Datirung stehen am Schlüsse der Rhetorica nova. Hain
No. 5062. —
2llarinM0 ^ararcttue^
1478 bis 1491.
No. 612.
Marcus Tullius Cicero: „De Officiis, de Amicitia, de
Senectute et Paradoxa cum commentariis Fetri Marsi".
Yenedigr^ Marinus Saracenus, 1487« Folio-Format
Wie es scheint, eine seltene und wenig gekannte Ausgabe, welche w^ir bei Panier
Band III Seite 244 erwähnt fanden , bei allen spätem Bibliographen aber vergeblicb
suchten. Sie ist mit römischer Schrift von zweierlei Grosse gedruckt; der sehr aus-
führliche Commentar des Petrus Marsus mit der kleinem. Die Ausgabe bat 1&8 Blatter
mit Signaturen. —
No. 613.
Marcus Tullius Cicero: „Rhetorica vetus et nova" cum
commentario M. Fabii Victorini.
Yenedig, Marinus Saracenus, 1487. Folio-Format.
Auch diese im selben Jahre erschienene Ausgabe der Ciceronianischen Schriften
über die Kunst der Rede scheint selten und wenig gekannt zu sein. Wir finden sie
bei Panzer Band III Seite 245, aber bei keinem neuern Bibliographen. Die Aus-
stattung ist dei:)enigen des vorhergehenden Werkes vollkommen analog. —
PemarMnua ISenetua he l^ttaltbu»)
1480 bis 1536.
Dieser Typograph druckte in der langen Zeit seiner Thäligkeit
auch Einiges in Rimini und in Rom, —
— Venedig. — 295
No. 614
Paulus Orosius: „Historiarum adversusPaganos libri VII."
Tenedig^ Bemardinus Venetus, 1500« Folio-Format.
Hübsche Ausgabe, in römischer Schrift gedruckt; am Schlüsse mit dem Drucker-
zeiehen und den Initialen B. V. Haio No. 12104. —
1480 bia 1500.
No. 615.
))|tlilTale iominicanum orbirita praebicatorum.^^
Tenedlg'^ Octavianus Scotus, 1482* Quart-Format.
Seltene Editio princeps dieses Missale in gothischem Schwarz- und Rothdruck,
mit Firma und Datirung am Schlüsse. In hellbraunes Leder gebunden. Hain
No. 11Ä89. —
Jo|)anne0 fucilttta ^antritter Don ^(Ubronn
um 1480.
Von der Gemeinschaft dieser beiden Typographen ist nur ein
einziger, höchst seltener Druck bekannt, den yrir in Folgendem
kennen lernen werden. Vom Jahre 1481 — 87 erfahren wir weder
von dem einem noch von dem andern Drucker etwas; dann taucht
Santritter 1488 und 1489 in Gesellschaft von Hieronymus de Sanctis
wieder auf, während Dietrich von Würzburg ganz verschoUen bleibt. —
No. 616.
Prancisci Nigri „Grammatica".
Venedig^ Johann Lucilius Santritter & Franz Theodor von Würz-
burg, 1480. Quart-Format.
Am Schlüsse dieser Grammatik befinden sich vier Verse, welche die Namen der
Typographen enthalten:
^Santritter helbronna genitus de gente ioannes
Lucilius: prompsit grammata docta nigri.
HerbipoUsqz satus: socio sudore: lacunis.
Hoc ueuetis francus fert theodorus opus."
Darunter befindet sich die D'atirung. Das Werk zeigt auch einen interessanten
frühen Versuch, MMSiknoten mit beweglichen Typen zu drucken, bei welchem
allerdings noch die Notenlinien fehlen, welche Jedenfalls mit der Hand hineingezogen
werden sollten. Hain giebt unter No. 11858 eine höchst dürftige Beschreibung, ob-
gleiclk nach dem Münchener Exemplare, in welcher er nicht einmal die Stelle anführt,
in der die Typographen genannt sind, so dass der Druck bei ihm als anonym gelten
kann. —
296
— Venedig.
^rtbxtas 8;orffatttte ht ^ftila^
. 1480 bl6 1506.
No. 617.
^riftoteliö „jBpcra latina cum commentarite ^Dcrrnia^^
®0mtt» 111.
Yenedig, Andreas Toresanus de Asula, 1483. Gross Folio-Format
SchÖDe, gothiscb gedruckte Ausgabe, welche höchst selten complet vorkommt,
mit dem roth gedruckten Typographen-Zeichen. Der Drucker ist der Schwiegervater
des Aldus Manudus und späterer Geschäftsleiter der Aldinischen Officin, als welchen
wir ihn noch wiederfinden werden« Hain No. 1660. —
Jol)anne0 ^ (iregottits ht dregoriia be
/orliiJto /ratrf0,
1480 bi0 1516.
Nachdem die Brüder de Gregoiiis bis zum Jahre 1516 unaus-
gesetzt zusammen gedruckt hatten» ist wahrscheinlich Johannes
gestorben, denn von 1519 bis 1528 kommt Gregorius allein vor. —
No. 618.
^^i^eciftonea l^ote noue t antiqur || cü abbitiöibua: caftbus
bubij8 II t regulis cScellaric apo^oU |ce bUigentiftme emrbatr.*^
Tenedig^ Brüder de Gregoriis de Forlivio, 1496. Gross Folio-Format.
Schone Ausgabe dieses Werkes, über dessen Inhalt wir bereits bei dem wertb-
voUen SchÖffer'schen Drucke von 1477 unter No. 35 die nöthigen Angaben machten.
Hain No. 6052. —
^tttonitta irc jgitrata bc Cremona^
1480 bi5 1489.
No. 619.
8:l)oma8f be Äquino: ^,5upet primo 5entfntiarttm*^
Yenedig, Antonius de Strata, i486* Folio-Format
Des Thomas von Aquino Commentar über das erste Buch der „Sententiae" des
Petrus Lombardus; ein häufig gedrucktes Werk, dem wir schon öfters begegneten.
Dieser Typograph druckte nur diesen ersten Theil des Werkes. Hain No. 1474. —
— Venedig. — 297
3d\)mntB ht Colonia k Hicolaua Jfufon^
1480 $< 1481.
No. 620.
SmAx Sljomac be ^quino ,,3ujif r quarto libro 5fntfntiarum*^
Yenedigy Johannes de Colonia Sc Nicolaus Jenson, .1481.
Folio-Format.
Die Schlussschrifi zeigt uns liier den Johann von Cöln mit Nicolaus Jenson ver-
eint; die gothische Type ist von Jenson. Jobann de Colonia scheint, wie auch die
Schlussschrift annehmen lasst, wohl mehr der materielle Urheber der Societät zu
sein, Hain No. 1484. —
3o|)attttf0 ht Colonia^ Hirolaue J^cnfon
^ ßo\)mntB ^crbort ht Mgenflaöt^
1481.
No. 621.
<3ol)annr0 ^nm ftBe ^cotus: ^^^uobltbeta queflionunl^^
Venedig^ Johannes de Colonia, Nicolaus Jenson & Johannes
Herbort de Seigenstadt, 1481« Quart-Format.
Das Werlc des berühmten Scholastikers, welches 21 verschiedene theologische
Fragen behandelt, wurde bereits in einer frühem Ausgabe vom Jahre 1477 von
Johann von Cöln im Verein mit Johannes Manthen gedruckt. Vorliegende Ausgabe
ist mit derselben Jenson'schen Type gedruckt» wie der in voriger Nummer beschrie-
bene Thomas von Aquino. Hain No. 64S6. —
1481 bi8 1485.
Dieser Typograph druckte schon vorher von 1475 bis 1480 in
Padua. —
No. 622.
CSttibo bf IBa^po: ^^Äofarium jBecrclorum^*.
Yenedig, Johannes Herbort de Seigenstadt, 1481» Folio-Format.
Die Editio princeps dieses umfänglichen Werkes lernten wir bereit unter No. 178
bei JienteUn in Strassburg kennen. Vorliegende Ausgabe ist nach der Schlnssschrift
von dem berühmten Drucker-Triumvirat Nic^laus Jenson, Johann von Cöln und
Jobannes de Seigenstadt veranstaltet; doch fuhren wir sie unter Letzterem an, weil
dieser in erster Linie an der technischen Vollendung betheiligt scheint, wahrend die
Krsteren neben der pecuniären Betheiligung hier mehr ein kritischer Beirath waren.
Hain No. 2717. —
298
— Venedig. —
No. 628.
3Franci6CU6 bf labareUie: ^^ITrctura fuprr Sletnentto**.
Tenedigr, Johann Herbort de Seigenstadt, 1481« Folio-Format
Auch dieser „Commentar zu den Clementinen'' wurde, wie aus dem Briefe des
Franciscus Moleniensis an den Verfasser hervorgeht, der dem Werke yoraostebt,
auf Kosten l^icolaus Jenson's und Johannas von Cöln gedruckt, obgleich in der
Endschrift nur „Johannes magnus (I) de Selgenstat" als Drucker genannt i^t. Dieser
muss wohl ein bedeutender, wenn nicht ebenso ehrgeisiger Typograph gewesen sein,
da er sich selbst in Gesellschaft zweier Riesen wie Jenson und Johann de Coloiüa
nicht scheute, sich j,den Grossen"^ zu nennen. Hain No. 16852. —
1481 ln6 1514.
No. 624.
^jSfcrftim bf II tortiö/^
Tenedigr^ Baptista de Tonis, 1496. Gross Folio-Format.
Hübsche Ausgabe des „Decretum" Gratian^s mit der Glosse. Hain No. 7915. *
No. 625.
^omnxB 3^abri ^ßfm fuper inftitutionibus^^
Tenedig, Baptista de Tonis, 1497. Gross Folio-Format.
Ein Commentar über das Rechtsbuch des Justinian. Höchst seltene Ausgabe,
welche Panzer nur aus einer ganz unvollständigen Notiz des geschriebenen Leng-
nichschen Cataloges der Danziger Bibliothek bekannt war, und Hain unter No. 6844
nur nach Panzer citirte. Sie umfasst 142 mit Signaturen und arabischen Blattublen
bezeichnete Blätter, in 2 Columnen i 71 Zeilen. Der obige Titel nimmt das erste
Blatt ein. Am Schlüsse steht: ^.Yenetijs per Baptistam de || Tortis. M. cccclxxxxvij. |!
die . xij. Augusti." und das Druckerzeichen mit B. T. —
^ermann jrird)tenftetn ohn fmlxp\%
1482 bt6 1497.
Hermann Liechtenstein aus Cöln druckte zuerst in Vicenza und
Treviso , wo wir seine Bekanntschaft erneuem werden, zuletzt in
Venedig ; hier setzte nach 1497 s^in Sohn Peter Liechtenstein^ von
dem wir auch mehrere Drucke vorführen werden, die väterliche
Druckerei fort. —
— Venedig. - 29g
No. 626.
5aticti IBoTiÄDmturaf ^,?Biblia |lauprrum*^
Yenedigr« Hermann Liechtenstein, circa 1485. Quart-Format.
Ohne Angabe des Druckortes, der Firma und Jahrzahl; aber die höchst merk-
würdigen Typen Liechtenstein^s sind unverkennbar und finden sich auch in der mit
Firma und Jahrzahl versehenen , Summa Kaineri, 1486" unter No. 687 unserer
Sammlung. Man vergleiche hier nur die ganz originellen Buchstaben der grossen
Capitel-Ueberschriften : A, M, N, S; ebenso die in Grösse und Form übereinstim-
mende kleine Gothisch des Textes und man wird über den gemeinschaftlichen Ur-
sprung beider Werke nicht zweifelhaft sein können. Hain No. S501 , ohne Angabc
des Druckers. —
No. 627.
Hei^neruB br |9tft0 • ^^^'umma unitirrfae &;l)eolo9ia^^^
Yenedig^^ Hermann Liechtenstein, i486« Folio-Format.
Dieses mit Firma und Datirung versehene theologische Compendium gewährt
eine interessante Vergleichung nut der vorigen Nummer. Hain No. 13019. —
prregrinus de paequalibno ht liononia.
1482 bis 1494.
Druckte nach 1494 bis zum Jahre 1500 in Scandiano, wo wir ihn
wiederfinden werden. —
No. 628.
„Quintiliani inftitutiones cum commento || Laurentii
Vallenfis: Pomponii et Sulpitii."
Yenedig, Peregrinus de PasqualibuSi 1494. Folio-Format.
Nach Ebert's bibliographischem Lexicon No. 18125 würde der obige Titel einen
Irrthuxn enthalten, indem sich die dort angezeigten Noten des Sulpitius in dieser
Ausgabe der „Redekunsf des Quintiliao gar nicht vorfinden, vielmehr des Yalla und
JPömponrus Commentar nur bis zum zweiten Buche geht, und alsdann vom dritten
Buche an des Regius Noten folgen, nach dessen Conjecturen auch der Text geändert
ist. Hain No. 13C54. —
üernarbitttta be 8:ribino fjr lUonteferrato,
1483 bi5 1495.
No. 629.
Sljomae br ^quina: ,,3ttmmae e:l)folo9iac pars trrlia^^
Tenedlgr^ Bemardinus de Tridino, 14$6. Folio-Format.
Den verschiedenen Theilen dieses berühmten Werkes begegneten wir schon in
den verschiedensten Ausgaben. Der vorliegende dritte Theil ist viel seltener als
die beiden ersten, und wurde von J3ernardinus de Tridino apart gedruckt. Hain
No. 1470. —
300 — Venedig. —
1484 bl6 1485.
No. 630.
yronia papae ^,5rrmonc0 et (Spiptolae^^
Yenedig, Andreas de Sociis Parmensis, 1485« Folio-Format.
Wenn die Beschreibung Haines unter No. 10018 richtig ist, was wohl anzunehmeD,
da er die Ausgabe selbst gesehen , so ist unser Exemplar dieser Ausgabe der ,Pre
digten und Briefe Papst Leo des Grossen* eine Variante, denn die Schlussschrift
lautet anders; zum Yerglelch möge sie hier Platz finden: ^fDioi €tonis ifüift viri Ho-
qnetttiffi||iiii ac fonctiffiiiit fermöes 7in\trtaB \\ Jf^armifiB focijs artis tmyrefforie || fdita
bilisentia imprefftt t)enett|8 1| anno falntis. Ül- cccc- Irrxo . qninilto Hon. ülartil." -
üernarbinus ^enalius^
1484 bie 1534.
No. 631.
,,noc in uolumine continentur . || Bernardi Justiniani Ora-
toris Clariflimi Orationes • || Eiufdem nonnullae Epiftol^ • |
Eiufdem traductio in Ifocratis libellum ad Nicoclem
Regem . || Leonardi Juftiniani Epiftol».**
Yenedig, Bernardinus Benalius, circa 1492« Folio-Format.
, Reden und Briefe" zweier Justiniani, Venetianer Patrizier des 15. Jahrhunderts,
Leonardus Vater und Bernardus Sohn , welche für die Zeltgeschichte grosses Inte^
esse haben , wiewohl die Autoren ziemlich ephemer geblieben. Die Ausgabe ist mit
römischer Schrift gedruckt und am Schlüsse mit Firma des Druckers , aber nifW
mit der Datirung versehen ; Jedoch setzt auch Ebert unter No. 11107 das Werk unter
das Jahr 1492. Hain No. 9639. —
No. 632.
„CPLINII SECUNDI NATUBAE HI |STOEJAßVM LIBBIXnvn
E OASTIGATIONIßVS || HERMOLAI BAßßAl|EI QVAM EMEN ||
DATISSIME EDITI."
Yenedig, Bernardinus Benalius, 1497. Gross Folio-Format.
Schone von Johann Baptist Palmarms nach den ^CaiUgationes PUnianat^ de»
Hermolaus Barbarus — die zuerst in Rom 1492 bei Eucharius Silber ers'ffienen —
besorgte Ausgabe der ^Xaturgeschichte* Plinius des Aelteren, dieses Schatzes univer-
saler Gelehrsamkeit und leider einzigen Werkes des Gelehrten , welches auf unsere
Zeiten gekommen. Es ist dieses die erste von Palmarius besorgte Ausgabe and mit
römischer Schrift gedruckt, nach welcher noch mehre andere erschienen. Hain
No. 13101. —
— Venedig. — 301
dabriel ht draffta be Papia^
1485 ^ 1486.
No. 633.
Mobrrtu0 €aracciolu9: ^rrmonre Euabragcftmaled) br
aboentu rt br timorr fin cum quibuebam aliis annrjris.
Tenedig^ Gabriel de Grassis, circa i486« Quart-Format.
Seltene Incunabel eines wenig bekannten Typographcn; mit gothischer Schrift
gedruckt und dem roth gedruckten Buchdruckeraeichen. Hain No. 44fil. —
Paganinus ht pagamnia f^xifitnfxs^
1485 H5 1518.
No. 634.
^liirrlü 5^uj|u|litti ,,fic arlmtate»^ — Sancti ^ilarä ^,Sf
Srittitate contra ^rianas**. —
Softii ^,1!rtbfr ab 3r)mtnad)um (|uomobo trinitae rpt imus
bfus rt non ixtB W\ —
Tenedig, Paganinus de Paganinis, 1489« Quart-Format.
Vorliegende Collektan-Ausgabe dieser drei Schriften über die Drieeinigkeit ist
ein Nachdruck der im gleichen Jahre gedruckten von Johann von Amerbach in
Basel, in welchem sogar die am Schlüsse der Tabula zur Schrift des Augustinus ge-
gebenen zwanzig Yerse, welche Amerbach als Drucker nennen, mit aufgenommen
sind. Leicht mochte die Ausgabe daher wie in andern Fällen zu Verwechslungen
Anlass gegeben haben, wenn nicht vor Beginn der Tabula, am Schlüsse der Schrift
des Augustinus, das Colophon und die Datirung des eigentlichen Druckers standen.
Hain No. 2038. —
Jümon .HetiUapa olrer ht 3abi0^ papienfle^
1485 W8 1500.
Druckte abwechselnd in Vicenz und Venedig; später in Lyon
und Coni. —
No. 635.
,i5pl)fra JMuttbi cu || tribua €ommfnti0 || miprr rbttte up ||
€icd)t (Efculani 1| 3Franctfci (JEapuam || br Btatifrrboma || JTacobi
3?abri ^tapulftiflfir/'
Tenedig; Simon Bevilaqua, 1499« Folio-Format.
Verfasser dieses astronomischen Werkes ist Johannes de Sacrobosco. Der obige
Titel Ist gothisch gedruckt, während Text und Commentar mit grösserer imd kleinerer
römischer Schrift gedruckt gind. Das letzte , auf der Stirnseite leere Blatt enthält
n
02 — Venedig. —
auf der Kehrseite die ebenfalls in gothischer Schrift gedruckten Worte: „||eoiU(
itone plancta || rnm ntm commento/^ Dieses Blatt fehlte dem von Hain unter 5o. U125
beschriebenen Exemplare.
Am Ende des vierten Buches der „Sphaera** befindet sich die Schlussschrift mit
der Firma des Druckers , welche wegen der eigenthumlich ausgedruckten Jabmhl
JUCDXCIX interessant ist; darauf folgt bis zum Schlüsse die »Theorie« Plane-
tarum". Hain erwähnt auch ein anderes Exemplar, dem die letztere fehlte, und in
welchem Blatt 2 bis 5 neugedruckt sein sollen. Der an dieser Stelle citirte Tariirende
Anfang von Blatt Sa stimmt aber mit dem unsers KxemplarH überem, ol^leich die
Voraussetzung nicht zutrifft. —
(Seorgiua ^rrumbenua,
1485 biö 1515.
No. 636.
Venedig 5 Georgius Amvabenus, 1495« Octav-Format.
Der Verfasser des Werkes, welches auch „Summa de casibus conscientiae* oder
^Summa Baptistiniana" genannt wird, ist Baptisla Trovamala oder de Salis. Hain
No. 14188. —
i486 bis 1500.
Nach dem Tode des Octavianus Scotus treten dessen Erben in die
Firma und setzen das Geschäft auch nach dem Tode des Bonetus
noch bis 15 31 fort.
No. 637.
„Valerius Maximus cum commento||01iuerii Arziganensis
Vicentini."
Venedig^ Bonetus Locatellus & Octavianus Scotus, 1493. Folio.
Nachdruck der Ausgabe des Bernardinus de Benaliis vom Jahre 1488; mit römi-
scher Schrift gedruckt. Hain No. 15792. —
I^artf)olomaru0 k ^ante^
i486 bi6 1514.
No. 638.
,,5rnfce omttia aprra.**
Tenedig^, Bartholomäus de Zanis, 1508. Folio-Format.
Mit hübschen Holsscbnitt-Initialen gezierte Ausgabe der sammtlichen Werke des
Philosophen und Liehrer des Kaiser Nero, Lucius Annaeus Seneca. In romiseber
4Jchrift_ gedruckt bis auf den gothischen Titel. —
r
— Venedig. — 303
@:f)eoltoru0 be Haga^ambua be 3^fula^
1488 bte 1500.
No. 639.
Lactantii Firmiani „De divinis institutionibus adversus
gentes".
Tenedig^ Theodorus de Ragazonibus de Asula, MCCCLXXXX
statt 1490. Folio-Format.
Selten und interessant durch den Ihruckfehler in der tTtMhrttMhl, Hätten
die Holländer zufällig dieses Buch geliannt statt eines solchen mit 1428 ebenfalls
als Druckfehler, sie hätten die Erfindung der Buchdruckerkunst durch ihren Lorenz
Coster sicher noch um 38 Jahre weiter zurückverlegt in das Jahr 13901 Das Werk
ist mit römischer Schrift gedruckt. Hain No. 9815. —
firrnardinua ht Cljorts Ire ^remottii)
$c Mmm öf ßxttSf
um 1491.
Beide Typographen druckten gleichzeitig vom Ende der ach-
ziger bis Ende der neunziger Jahre in Venedig; darunter einige
Werke zusammen.
No. 640.
piatantö ißftxn Mim ^arfllla ^Ticina intfrprele*^
Tenedigr^ Bemardinus de Choris 8c Simon de Luere, 149]«
Folio-Format
Mit gothischer^Schrift gedruckte Ausgabe, welche auf Kosten des Andreas Torre-
sanus de Asula veranstaltet wurde. Hain No. 13063. —
|Uca0 3^ntomu0 ht dliunta^
1489 bl6 1536.
No. 641.
HlWilfaU !lomamim (ffcclefiae.*^
Tenedig^^ Lucas Antonius de Griunta, 1504« Octav-Format.
Ben Bibliographen unbekannte erste Ausgabe dieses Typographen, in gothischem
Roth- A Schwarsdruck. Die Zierde dieses Chorbuches sind die Tielen kleinen HolX'
8(^niUet Initialen und Zierleisten, deren über 1000 darin enthalten sind, nebst 20
hlattgrossen Abbildungen in Holzschnitt, sämmtlich die Hand eines trefflichen, leider
304 — Venedig. —
unbekannten Meisters zeigend , welcher Jedoch von der Schule der YercelÜ Macrm
d'Alba zu sein scheint. Hochinteressant ist auch der in zierlichem Renaissancestyl
geschnitzte Original-Holzeinhand, auf dessen Yorderseite in einem Bande die Ini-
tialen und Jahrzahl : £x, iB. %- — Ül. D. ti^ eingeschnitten sind. —
pi)ili|)pu0 pinnua |$lantuanus^
1490 bi6 1525.
No. 642.
„NESTOR VOCABYLISTA."
Venedig 9 Philippus Pincius, 1496« Folio-Format
Mit römischer Schrift gedruckte Ausgabe des Yocabularium von Dionysias Nestor
Hain No. 6255. —
No. 643.
Diogenes Laertius: „Vitae et sententiae Philosophorum".
Venedig 9 Philippus Pincius, 1497« Folio-Format
Diese lateinische Ausgabe wurde auf Kosten des Typograpben Benedictus Fon-
tana, dessen Dmckerzeichen mit den Initialen B. F. sich auch darin befindet, von
Philipp Pinci gedruckt. Hain No. 620^. —
No. 644.
^ßüiviB fufirr t0t0{{cobice || €um tnultid Mefietitionibud t
abbtttombu0 • (?|r proprio ^u||ctori0 ryemplari nouiter inuentia
t fjrcrrpttö: t loci« (*ui0 per || Clarifftmum J^urrcon. i. h
3Francifcuj bc SMnfaptl» |9ata 1| uinum accuratiffimc poptia:
itupfrimrqj prr runbr fumma cö || biligcntia rrcognito: t
cum nouo t copio|tf|tmo Äepertorio || ab fobrm cü fumnto
ftttbio fbito munttue • (fft cum apollilltö || ÖEariffimoruj ßm-
confultorj • b. ^Icyanbri be ;Smola • b. ^nbree Waxhmt |iculi
ac. b. C!Erl|t burgübi btligenttfftmr rrutft0.^^
Venedig j Philippus Pincius, 1519« Gross Folio-Format
Diese schone Ausgabe in gothischem Druck ist den Bibliographen unbekannt
geblieben, weshalb wir in Obigem den ganzen langen Titel gaben, welcher mit schöner
Missalschrift, die ersten zwei Zeilen in überaus grossen und prächtigen Charakt6ren>
ganz roth gedrucKt ist; darunter befindet sich die 21 Centimeter hohe und 17Centi-
meter breite, äusserst wirkungsvoll gezeichnete ßruckennarke des Pbil^pus Pincius.
Das Werk behandelt nicht, wie der Titel angiebt, „rfcw ganzen Codex'^ des Justinian,
sondern nur die ersten drei Bücher desselben. —
J
— Venedig. — 305
1490 bie 1517*
No. 645.
i^^urra ac penr btutna totiu« fa||cre paginr dommmtaria
C0mpfnbtofe rbita per €larif(!mum Sl^falogum ^^ratrrm
^ftrum ^«reolum 5frapl)icr or-||bini0 alimum : . . /^
Venedig, Lazarus de Soardis, 1507« Quart-Format.
Dieses seltene Werkchen, eine Erklärung der heiligen Schrift, ist bis auf das
in Antiqua gedruckte Colophon in gothlscher Schrift gedruclct. —
Wcolaus Ire /errariis be Jlralormis^
1491 ^ 1492.
No. 64t).
(Sttiltflmu0 bf 5alicfta ^^ffiljirurgia^^
Venedig, Nicolaus de Ferrariis, 1491. Folio-Format.
Höchst seltene, den Bibliographen unbekannte Ausgabe eines Typographen, der
nur sehr wenig gedruckt hat. —
Petrus ^ol)anne0 h( ^itarengta Irr pjila|a00
auch vereint mit
|ol)annfs JUlarta öe plonteferrato,
1492 bie 1500.
No. 647.
(Sttiba bf CCatiUaco: ^,CCI)trttr(\ta cum aliarum tractatibuö
bf fabfm tttatfria^^
Venedig, Petrus Johannes de Quarengis & Johannes Maria de
Monteferralo, 1493. Folio-Format.
Höchst seltene italienische Ausgabe ; von Hain unter No. 4817 angeführt, ohne dass
er sie gesehen hat. —
3ol)annc9 &e Cercto k 8;riMno
alias 8;actttnus,
1492 bis 1536.
Ein wenig bekannter Drucker, welcher meistens mit Guüielmus
Cereto de Tridino und Macrnino. ds Tridinn^ beide ebenfalls in
Venedigs verwechselt wird. —
20
3o8 — Venedig. —
Der anonyme Ver^ser dieses kunstgeschichtlich hochwichtigen und berfibmtea
Werkes verbarg sich hinter den Initialen der 38 Capitel seines „Traumes", velche
BusammengesteUt den Sats geben: „Poliam frater Franciscus Columna peranuvit'-,
also, „der Bruder Franciscus Columna liebte die Polia sehr". Polia heisst nunlicb
in dem Werke, das im Gewände eines Liebearomanes die ausgiebigsten Belehrungen
über alle Zweige der Kunst enthalt, die Geliebte des Helden Pöliphil. Unter Jener
ist nichts Anderes su verstehen, als j,die Antike'^, und unter Diesem, der in heftiger
Liebe zu ihr entbrannt ist, der Sohn des Zeitalters der Renaissance.
Das griechische Wort j,Hppnerotoinachia'^, durch welches das Werk betitelt ist,
erklärt in der Vorrede der Verfasser selbst, indem er sagt, es solle dadurch rf<r
Kampf der Liebe im Traum ausgedrückt werden. Titel, Vorrede nnd Nachschrift
sind in Latein , der Hauptinhalt Jedoch in italienischer Sprache abgefasst und das
Werk steht als merkwürdiges Beispiel einer humanistischen Arbeit da, welche niM
in Latein, sondern in der Volkssprache geschrieben ist.
Mit gutem Grunde aber hat der Verfasser wohl seine ursprünglich ktäfätche,
bereits im Jahre 1467 zu Treviso vollendete Arbeit vor ihrer VeröflFentllchung im
Jahre 1499 in das Volksidiom übertragen , da es sich ihm darum handelte, dorch
die in seinem Werke niedergelegten Lehren auch auf Künstler, die des Lateioiscben
nicht mächtig waren, einen praktischen Einfluss zu üben ; dies geht aus der Widmung
an Polia und Jener des Leonardo Crasso hervor.
Neben den schönen , bereits erwähnten Initialen bilden den eigentlichen Haupt-
schmuck des Werkes 178 Holzschnitte, von denen mehrere in BlattgrÖsse sind. Für
den Schöpfer dieser wundervollen Arbeiten , welehe das Werk noch heute als die
Perle aller illustrirten Bücher Italiens während der Renaissance-Periode gelten lassen,
wird Jetzt allgemein Giovanni BelUni gehalten, obgleich auch für BenedeÜo Montagna
eine Möglichkeit vorhanden wäre. Die Bewunderung der Kunstkenner fnr dieses
liebenswürdige Bildwerk ging indessen früher so weit, dass man einen Raphael,
Mantegna, Botticelli für die Meister hielt Eine interessante Studie über das Werk
hat Albert Ilg unter dem Titel: „üeber den kunsthistorischen Werth der Hyneroto-
machia Poliphili," Wien 1873 veröffentlicht, die sich neben unserm PoUphih zur Ein-
sicht vorfindet.
Das vorliegende Exemplar ist von prächtigem Ansehen ; wie auch vielleicht das
einzige ganz wohl erhaltene, in welchem das berühmte ^Friapus -Bild*^ m'cA/ durch
Ausschfieiden oder V eberpinseln des FhaUus verstümmelt wurde. Als Eigenthümlichkeit
des schönen Druckes in runder Schrift sei noch angeführt, dass die am Schlüsse be-
findliche Jahrzahl 1499 in ganz besonderer Schreibweise durch M . ID . ausgedrückt
ist. Hain Nr. 6.S01. —
1495 bi6 1506.
No. 656.
^,*^oratitt0 cum quattuor cömentattje/^
Yenedig^ Benedictus Fontana, 1495« Folio-Forniat.
Diese Ausgabe der Werke des Boras mit den Conunentarien des Manemelbts,
Acron, PorpAyrto »und Landinus ist der erste Druck dieses Typographen und Nach-
druck der im Jahre 1492 von Philippus Pincius edirten Ausgabe. Am Schlüsse des
Werkes, vor dem Register, steht Ort und Datirung; der Drucker offenbart sich durch
ein eigenthümlicbes Signet, welches einen Brunnen vorstellt, in dessen Mitte sich
— Venedig. — 309
«in sprossender Stamm erhebt, von welchem in drei Strahlen das Wasser herahf&llt;
zu beiden Seiten dieser Fontaine befinden sich die Initialen B. F. Bis auf den
gothischen Titel ist das Werk in Antiqua gedruckt. Hain No. 8898, ohne Angabe
Druckers. —
3ocobtt0 penriua ht ^ettd)o,
1495 bi6 1523.
No. 657.
Baptista Mantuanus: „Parthenices".
Tenedig^ Jacobus de Leucho, 1499« Quart-Format.
Diese «Partheaices" sind Gedichte zum Lobe der Jungfrau Maria. Der Verfasser
war ein Carmeliter und lebte im IS. Jahrhundert. Hain No. 2368. —
1496 bie 1507.
No. 658.
„MAfiSILU Ficini || Florentini de Chri||ftiana religione || ad
Laurentiü || Medicem || opus au||reum."
Yenedig^^ Ottinus Fapiensis, 1500. Quart-Format.
In römischer Schrift gedruckt. Der Titel steht in Spitzform auf dem ersten
Blatte. Hain No. 7070. —
Peter |*ied)ten|leitt,
1497 bi0 1522.
<iessen Vater Hermann Liechtenstein wir um 1497 gleichfalls in
Venedig verliessen.
No. 659.
itAlmanad) nouo || plurimts annie Drntum infrnttentia:
^cr II ^oannF ^toefflrrinu «Sulltn^enfem || t ^acobum |9|laumen
Kimm, II ffj accuratiffime fupputata || t toti fere (Suropr bfjr||
tra fpbere tpartita.*^
^jdanon be bomtbus || celi fabricanbta.^^
Venedig 5 Peter Liechtenstein, 1607, Quart-Format.
Der zweite Titel dieses astronomischen Werkchens befindet sich auf Blatt 17
mit der Signatur C 1. Die Ausgabe ist ein Nachdruck der 37 ersten Blätter des
gössen um 1499 bei Johannes Reger in Ulm zuerstgedruckten Werkes des j^Epheme-
3IO — Venedig. —
riden\ Wir werden von dieser kostbaren Ediiio princeps weiterhin ein Pracbtezem>
plar auliafähren haben, w&hrend wir unter NwmJberg den Yoi^änger Regiomonhixu»
gleichfalls in der Eddtio princeps von 1474 kennen lernen werden. —
No. 660.
„Äacratiffime ^|lrou0mif |9tl)alfmft || Jiber biuerfarü rrmm:
Surm pX'Wp. (pc!) ab ^fri|ll)0tifm filium fuü : || tractans
cotnpenbtofr br bt-|luerfts rebus: t)t l^abrtur in || tabula qut
ffl in princi-llpio i(liu5 libri. || M. D. Villi. || JfflicibuJ
^ptrift probeat in ITucrm || jDuctu ^ctri f ifd)tm(lein.^^
Tenedigr^ Peter Liechtenstein, 1509. Quart-Format.
Panzer fugt obigem Titel, den wir vollständig gaben, in Band Till Seite 398
noch hinzu : , Yenetiis per Joh. Bapt. Sessa". Es scheint also dieser der Na<MrMier
gewesen zu sein. In vorliegender Ausgabe ist von demselben nichts zu finden.
Das seltene Büchelchen ist von Kästner in seiner „Geschichte der Mathematik* Bd. II.
Seite 688 und flg. eingehender behandelt. —
No. 661.
^,3Miffale \^m rttum et orbinf rccUlJie biucep» SFrilingrn/^
Venedig^ Peter Liechtenstein, 1520. Gross-Folio-Format
Das gänzliche Schweigen der Bibliographen von diesem prachtvollen Missale
fiVt Freisinffen kennzeichnet seine Seltenheit. Es ist in Druck und Ausstattong
eines der schönsten aller existirenden Chorbücher. Zwei grosse Holzschnitte von
einem anonymen Künstler, welche beide Seiten des Titels bekleiden und wovon der
eine das bischöfliche Wappen von Freisingen, der andere die Jungfrau mit dem
Kinde darstellt, denen von einem geistlichen und einem weltlichen Fürsten gehuldigt
wird, sind so künstlerisch vollendet, dass sie recht wohl von Dürer's Meisterhand
sein konnten.
Im Uebrigen ist der schone roth und schwarze Missaldruck durch eine Menge
herrlicher Initiale geziert, von denen Jedes einzelne eine figürliche Bibeldarstellung
in zierlichster Ausführung aufweist; wir zählen im Ganzen 1G6 dieser kleinen und
grossem Zierrathe. Die Ausgabe zählt 280 Blätter, von denen 11 unmmimerirt und
869 mit arabischen Zahlen bezeichnet sind; am Schlüsse liest man in rother Schriltr
3lnno 1520 9tntt\\s in ^bibns De]|tri £te(t)ten|leitt. 3mp(nfts|| 3oannU ofnalt.
Der Letztere, ein Augsburger, scheint nicht selbst ausübender Typograph gevesen
zu sein, da er nach Panzer's „Annales" Band VIII, Seite 431 No. 797 undX, Seite 45
No. 998b nur weitere zwei Mal, beim „Breviarium Frisingense*, Venedig, Pö^*'
Liechtenstein 1516, und beim „Breviarium Saltzburgense", Venedig, Luca Antonio di
Giunta, 1518 ebenfalls als 0 eidmann vorkommt; wir räumten ihm deshalb einen
eigenen Platz als Buchdrucker nicht ein. —
— Venedig. — ^U
^lberttnu0 ht ^ifom 1^erceUen|t0,
1501 bi6 1505.
No. 662.
„Valerius Maximus Cum ComentoOliuerii Arzi-||gnanenfis. . .*'
Yenedig^ Albertinus de Lisona, 1503. Folio-Format.
Ein Nachdruck der Ausgabe von Benalius de Benaliis, 1188. —
1506 bis 1534.
No. 663.
,,?lld)abitiu5 cum commento. || llouitcr Imprcffo.*^
Yenedig^ Melchior Sessa, J612. Klein Quart-Format.
Mit schonen Holzschnitt - Initialen und astronomischen Figuren ausgestattete
Ausgabe dieses Werkes, mit dem Commentar des Johannes de Saxonia. —
1508 bis 1536.
No. 664.
Antonio Tibaldeo: „L'opere d'Amore".
Yenedigr^ Nicolaus de Aristotele, 1534. Octav-Format.
Der Titel steht in einer Holzschnitt-Bordüre ; hübsche in Cursiv-Schrift gedruckte
Ausgabe dieses Dichtwerkes. —
Unbekannter ^rutker,
um 1515.
No. 665.
JVLIVS • II Dialogus uiri cuiu/piam eruditi/simi^ feftiuusfane |{
ac eiegans, quomodo JVLIVS • II • P. M, pofi || mortem^ ccßlifores
pul/andOj ah ianitore || illo D, Petro intromitti ne quiuerit: || . . .
Yenedig^ circa 1515« Octav-Format.
Vergleiche Ebert No. 11007. — Der Autor dieser oft gedruckten hasserfüllten
Satire auf Papst Julius II, ist wohl gewiss Faustu» Andrelinus Foroliviensis, welcher
sich in der ersten Ausgabe vom Jahre 151S auf den Titel hinter den Initialen F. A. F.
versteckte: denn Ebert^s Hypothese, welche Hleronymus Balbi als Autor in Betracht
312 — Venedig. —
zieht , indem er diesem , einem Todfeind des Faustus Andrelinus, zumuthet, dass er
durch Hinzusetzen obiger Initialen die Nachforschungen des angegriffenen Theiieü
habe auf Andreiini leiten wollen, ist doch wohl zu weit hergeholt
Würde sich auch Andreiini des Verdachtes nicht ebensowohl öffentlich entledigt
haben, wie dieses Erasmus von Roterdam in seinem Hriefe an den Cardinal Laurentius
Campegius gethan, als man dieselbe Schrift ihm in die Schuhe schob? Dieser interes-
sante Brief ist in der Ausgabe von Hutteni Opera per Ed. liöcking, Leipzig 1859
aufgenommen und steht dort im 1. liande auf Seite 265 und folgenden. ~
1515 bis 1550.
Berühmter Typograph hebiäischer Schriften, der zu weseni-
licher Verbesserung der hebräischen Typen beigetragen hat. —
„mTn '^cTD-in ntron"
Biblia hebraica.
Venedig) Daniel Bomberg, 1545. Quart-Format.
Sehr geschätzte zweite Ausgabe, corrigirt von dem gelehrten Cbaja Maier Ben
David, und mit vorzüglichen Typen gedruckt. Am Schlüsse mit der gleicbfall^
ho räisch gedruckten Firma und Jahrzahl 5S0&=1.'S45; übrigens erschien die erste
Ausgabe nicht 1517, wie Bbert, lirunet und Graesse angeben, sondern nach Jüdischer
Zeitrechnung im Jahre 527^, d. i. 1018 nach Christus. Ebenso irrthümlich wurde
die vorliegende Autlage von Jenen in das Jahr 1.^44 gesetzt. —
Wir haben hier zugleich das ehrwürdige Hand -Exemplar jfhilijip Mektnek-
thon's vor uns, bereichert durch fünf Seiten Handschrift desselben, mit Namen
und Jahrzahl 1646, Ein Bibliothek-Schatz von doppeltem historischem Wertbe. —
^ebf9 ^Ibi 5f ^nbreaft 2:orrefattttft be ^|"ola.
1517 bi» 1529.
Nach dem Tode des Aldus Manutiiis im Jahre 1516 setzte sein
Schwiegervater Andreas de Asola während der Minderjährigkeit der
Kinder mit seinen Söhnen Franciscus und Federicus das Geschäft
bis 1529 f jrt. In nächster Jvummer kommt ein Druck aus dieser
Periode vor.
Als Andreas im Jahre 1529 starb, stellte die Officin bis 1533
ihre Thätigkeit ein, und erst in diesem Jahre nahmen die Söhne
des Aldus und des Asola gemeinsam die Arbeiten ihrer Väter auf
und druckten unter Leitung des Paulus Manutius, dem wir später
begegnen, unter der Firma: „/« aedtbus haeredum Aldi Manutii
— Venedig. — xi^
Romani et Andreae Asolini soceri** bis 1540, in welchem Jahre
Paulus die Verbindung mit seinen Vettern aufhob und die Druckerei
mit den Brüdern allein fortsetzte. —
No. B67.
„M. T. CICERONIS ORA-|,TIOx\VM VOLVMEN PRIMVM Amstiiiusse:
YENETIIS IN AEDIßVS ALDI, || ET ANDREAE SOCERI, MENSE
JANVARIO • I M. D. XYIIH.
Klein Octav-Format.
Schone Aldine in Cursiv-Pruck nud hocbgeschätzte von Andreas Naugeritts
besorgte Ausgabe, welche den meisten spateren zur Vorlage gedient hat. In gcschmack-
Tollem Original-Liederbande von voraügllcher Erhaltung. —
jioljannfa /ranci0ru0 ^ Joljannes ^ntonitt0
be Mu6rombu0^
1522 bie 1524.
No. 668.
„PERISAVLI II FAVSTINI TRADOCII 11 DE HONESTO APPETITV • ||
FAYSTINVS TERDOOEOllDE TRIVMPflO STVLTITIAE- || ARIMINI
TTPIS HIERONYMI | SONCINI ITERYM OMNI |; DILIGENTIA
EXCYSSA."
Venedig^ Johannes Franciscus & Johannes Antonius de Rusconibus,
1524« Klein Octav-Format.
Obwohl auf obigem Titel das Werkchen als Druck des Hieronymus Soncinus zu
Ärimimiin angegeben ist, befindet sich am Ende die Bchlussschrift: ^Impressum'
Yenetüs sub IncUto Principe Andrea Oriti perlfJo. Fraciscum er Jo. Antoniuin de
Ruiconibus Fratresl/M. CCCCC • XXIIII. Die. VII. Decembris'^. Jedenfalls ist also
die Ausgabe ein Venediger Nachdruck. —
/rancesro Pnboni vV IHapljco Pafini^
1524 biö 1543.
No. 669.
„LA GRAMMATI ;CA YOLGARE DI M. AL iBERTO DE GLI ACHA-;,
RISI DA CEISTO."
Yenedig^ Francesco Bindoni & Mapheo Pasini, 1543«
Klein Octav-Format.
Höchst seltenes Buchelchen von 16 Blättern Umfang. Die älteste italienische
Grammatik. Den Bibliographen blieb diese Erstlings-Ausgabe ganz unbekannt. —
314 — Venedig. —
Hirolatts ^icoUni be jSfabio,
um 1534.
No. 670.
Henricus Glareanus: „De Geographia über unus"»
Tenedig^ Nicolaus de Sabio, 1534. Octav-Format.
Unbekannte Aasgabe eines Typographen, der höchst selten vorkommt. —
Paulus jllanutius
unter der Firma
„apud Aldi filios"
oder
„apud Paulum Manutium Aldi filium".
1540 bi6 1562.
No. 671.
„C. PLINII SECVNDI || NATVRALIS fllSTOEIAB || LIBRI TMGINTA-
SEPTEM, II A Paulo Manutio multis in locis || emendati. f
Custigat.ones Sigismvndi \\ Gelenii. || INDEX PLENISSIMVS.
VENETIIS, Apud Paulum Manutium, Aldi F. || MDLIX."
Folio-Format.
Der Index hat die Datimng vom Jahre 1558. Die Ausgabe ist nach Ebert blos
ein incorrecter Nachdruck der Lyoner von 1548, welche letztere wiederum Nachdruck
der Baseler vom Jahre 1589 aus der Officin Proben's ist. Ein Nachdruck der vo^
liegenden ist schliesslich noch die Ausgabe von Hieronymus Scotus, Venedig 1571'
Nachdruck und kein Ende! Der Original -Schweinslederband vom Jahre 1567 mit
reizenden Ornamenten ist Original. —
Peter jSfd)5fer junior tion piain?,
um 1540.
Unser Bekannter von Mainz her, der Zweitälteste Sohn des
alten Peter Schöffer, den wir als Wandervogel nunmehr in Venedig
finden. Unter Mainz und Strassburg ist Mehreres über ihn gesagt
worden. —
No. 672.
„VVÜLGATA II AEDITIO VETERIS AC || NOVI TESTAMENTI, QTO-
EVM II alterum ad Hebraicam, alterum ad Grsecam ueritatem
— Venedig. — ßic
emen-| datum eft diligentifsime . . . || AVTHORE ISIDORO CLARIO
BKIXIA-PO MONACHO CASINATE. ;| Venctijs, apud Peirum
Sch(Bffery Magun'\pnum Germanum. Anno || M, D, KLIL'^
Folio-Format.
Den Titel dieser lateinischen Bibel umgiebt eine schöne, aus 9 biblischen Dar-
stellungen bestehende Holzschnittbordüre. Die Schrift ist Antiqua und Cursiv. —
No. 673.
„MIMVN! [DI LVLU MAIO - |RICI PHILOSOPfll || acutifsimi , medi-
ciq3 celeberri-| mi De fecretis naturae || fiue Quinta effen-
tia II libri duo, |[ His acce/ferunt, \\ ALBERTI MAGNI || fummi
pliilofophi, De mineralibus & || rebus metallicis libri || quin-
que. II Quae omnia folerti cura repurgata rerum natuise |
ftudiofis recens publicata funt per magi-||ftrum Gualtherum
H. Ryff, II Argentinenfem || Medicum. || Venetijs apudPetruvi
Schceffer |[ Germanum Äfaguniinum, || Anno || M, D, XLIIJ'''
Klein Octav-Format.
Hübsche Ausgabe der Schrift des Raimiindus ImUus »über die Geheimnisse der
Natur*, und der Abhandlung des Albertus von Bollstädt ^über Mineralien und Metalle",
in Cursiv-Druck. Auf der Kehrseite des Schlussblattes steht: „Venundantur Yeneitjs
apud Jo. Baptistam \\ sub insigm'o Turris'* ; darüber das Signet dieses Verlegers,
bie Venediger Drucke des Peter Schöffer Junior sind eben so selten, wie diejenigen
von Mainz, Worms und Strassburg. —
dabriel (Siolito M /rrrara,
lim 1549.
No. 674.
OPERA DI M. II FRANCESCO PE-| TRARCA, 1| DE RIMEDI DE || L'YNA
ET L'ALTRA || FORTYNA, || ADAZONE, TRADOTTA 1| PER REMIGIO ||
FIORENTINO.
IN YINETIA APPRESSO GABRIEL || GIOLITO DI FERRARU. , | MDXLIX-
2 Bändchen. Klein Octav-Format.
Die beiden Bücher des Petrarca »^om Tröste im Glück und im Unglück". Hübscher
Cursiv-Druck. —
■»>
l6 — Venedig. —
vicUcicbt 23omberg in t)cncöig»
No. 675.
(tbronit t>on 3ofepl? Kobn , Kabbi.
Yenedig. 1554. Octav-Format.
Diese kleine hebräische Chronik enthält auch die interessante Nachricht von
einem angeblich 14iiS gedruckten Buche. Obwohl dies lediglich von einem Ikuck-
J'fhler in der Jahrzahl herrührte, wie sie unsere Sammlung an noch viel komischeren
Jieispielen nachweist, setzten doch die Holländer auf diese Nachricht hin die Erfin-
dung der Hudkdruckerkunsi schleunigst von 1440 auf 14i28 zurück, wo natürlich
wiederum die Herren Holländer die grosse Erfindung gemacht haben mussten! Die
Nachricht von jenem angeblich 1428 gedruckten Buche befindet sich — natürlich
von hinten gezählt, wo jedes hebräische Buch beginnt — auf der ersten Seite von
Blatt 89 unten am Schlüsse. —
Paulus (iljevarbo^
um 1557.
No. «76.
„LE KICCHEZZE DELLA LINGVA || VOLGAßE SOPBA IL BOCCACCIO I
dt M. France fco Alunno da Ferrara . . .
IN VINEGIA PER PAVLO GHERAßDO. M. B. LVH."
Quart-Format.
Der Kciohthum und die Feinheiten der Sprache des Boccaccio erscheinen in
diesem Wörterbuche systematisch gesammelt. Die Ausgabe ist in Cursiv gedruckt
und zeigt auf dem Titel das feine Holzschnitt - Porträt des Verfassers Francesco
Alunno. —
liicolauB jBföilaqua,
um 1561.
No. 677.
„ELVCIDAEIO II POETICO, | Nel quäle fono contenute le Hißorie,
Fauole, Ifole^ \\ Regioni, Cittä^ Fiumi^ cT i Monti piu famofi
con jj altre cofe di quefta maniera: opera necef/aria ä tutti
gli ftudiofi di Poefia, \\ RACCOLTO PER HERMANO | TOßßEÜ-
IINO, |Et di Latino Atadotto (sie!) in volgare || DA M. OBA-
TIÖ TOSCANELLA.
IN VENETIA, Appreffo Nicolo Beuilacqua, MDLXI."
Klein Octav-Format
Es ist dies eine italienische Uebersotzung der zuerst in lateinischer Sprache
herausgegebenen Terminologie für das Studium classiseher Poesien. Der Erste, der
■das brauchbare Werkchen druckte, war Johann Pri/ss in Strassburg um 1504- —
— Venedig. — ^ij
um 1568.
No. 678.
„TENORB II DI CIPRIANO DE RüRE |! IL QVINTO LIBRO DI MADRI»
GALIliA CINQVE YOCI INSIBME ALCVNI DE DIVBRSI || Autori
Nouamente per Antonio Gardano Con noua gionta
Riftampato.
In Venetia Appreffo di || Antonio Gardano. || 1568/^
Quer Quart-Format.
Höchst seltene Ausgabe des fünften Buches der Madrigalen des Ciprian de Rore^
welche selbst Fetts ^ der Director des Königlichen Conservatoriums für Musik zu
Brüssel, in seiner berühmten Sammlung, welche über 73U0 musikalische Werke um-
fasst, nicht besass; er hatte nur die spätere Ausgabe von 1574. Leider ist unser
Exemplar auch nur ein Theil des ganzen Werkes. —
Mit diesem seltenen Drucke schliesseu wir — genau 100 Jahre nach Ein/iüirtmg
der Buehdrueher/cunst in Venedig — die Uebersicht der altern Venediger Typo-
graphen, soweit sie mit besonders interessanten und seltenen Druckwerken in tmserer
Sammlung vertreten sind. —
ScöfußOemerfumflpn ju TJenebig.
Bei der ungeheuren Menge von Druckereien, welche sich
bald nach Bekanntwerden der Kunst gerade in Venedig, dem
Hanpthandelsplatz Italiens, etablirten, müssen wir es uns versagen,
ein annähernd vollständiges Verzeichniss der Dnickfirmen dieser
Stadt zu geben, von denen Panzer bis zum Jahre 1Ö3H allein
circa 300 verschiedene aufgeführt hat.
Die von uns getroffene Auswahl bedeutender und besonders
typographisch interessanter Druckwerke, in welchen sich über ÖO
verschiedene Druckereien Venediges bethätigten, wird dessenun-
geachtet ein reiches Bild von der auch qualitativ hervorragenden
Productivität der Lagunenstadt auf typographischem Gebiete zu
geben im Stande sein.
Im Rückblicke auf die grossartigen Erfolge, welche hier die
Kunst errungen, dürfen wir es mit um so grösserem Stolz betrachten,
dass auch hier wie in Rom und in fast allen bedeutendsten Plätzen
der 'Welt es d>e%I^SChe Künstler waren, welche als Schüler der
dentschen Geburtsstätte der grossen Erfindung die Kunst zuerst ein-
geführt und verbreitet haben. —
3i8 — Mailand. —
— Mediolani. —
1469 bis 1489.
Dieser, durch eine Reihe schöner Druckwerke ausgezeichnete
Typograph war als solcher der erste Mailands, welcher sich auch
in den Schlussschriften der von ihm gedruckten Werke mehrfach
selbst als solcher kennzeichnete. —
No. 679.
-^,5^0mma pacipca a pa Srattato brUa 5cienja ii cottfe|[arf*^
Mailand^ Philipp de Lavagnia, 1479. Octav-Format.
Ausgezeichnet schöner Druck mit einer Type, deren Majuskeln r5miscb, deren
Minuskeln aber gothish sind. Panzer und Hain No. 12259 haben das Werk aufgeführt
aber nicht gesehen. Es enthält 248 Blätter mit Signaturen und SO Zeilen auf der
-vollen Seite. Der Anfang lautet:
, JESVMARIA. II EL TITVLO. |l El nome be Ctjrldo Jeftt e U la foa pifl||Motre
Virgine be tntte grotie mtbiatrice jj Maria biamante : commencta el prologo || in la \t^m\t
4)|iereta Mcta Samnia l|0 ne-üro SnnKto lie paciflca confdnttia: cöpofla || »tl tniio bei
Sigttore 14'73. Lotitio 2°. lielyontifi || cato bH Beatintmo Siflo papa . 4o.'' Blatt 88 verso
schliesst: ,,beffo mcfe/' Blatt 39 ist leer. Blatt 40 beginnt: „Di raiicti P(|Uill|0 ^
Jocobo majore:*'
Die Schlussschrift, in welcher sich der Drucker nennt, ist latetnisdi abgetost,
obwohl das ganze Werk in italienischer Sprache geschrieben und gedruckt ist.
Hains Wiedergabe derselben ist nicht ganz richtig; auch steht sie im Buche hinttr
dem italienischen Epigramm, nicht vor demselben. —
1470 bi6 1497.
No. 680.
Marcus TuUius Cicero: „Orationes".
Mailand, Antonius Zarotus, circa 1474. Gross Folio-Format
Diese schöne Ausgabe ohne Drnckfirma und Datirung ist nach BroBet I
Columne 86 mit der Type des „Livius" von Antonius Zarotua 1480 gedruckt, und
wir können dies nur dadurch bestätigen, dass auch mit der in Folgendem auf-
geführten Ausgabe der „Officia« vom Jahre 1476 mit Firma des Zaroius die Typen
übereinstimmen.
— Mailand. —
319
Ebert sagt in seiner „Geschichte und Beschreibung der Königlichen Bibliothek
in Dresden*' Seite 158, dass von dieser Ausgabe der Reden Cicero's ausser dem
Dresdener Exemplare nur das in der Lord Spencer^schen Bibliothek befindliche
bekannt sei.
Vorliegendes Exemplar ist also das dritte bekannte. Bei ihrer grossen
Seltenheit lionnte auch Hain die Ausgabe nicht selbst sehen; so passirte es ihm
denn, dass er sie unter zwei verschiedenen Nummern — 5119 & 5180 — anführt,
das eine Mal ohne die Druckfirma. Der reichomamentirte Einband vom Jahre 1556
ist von Schweinsleder und mit Messingbuckeln versehen. —
No. 681.
Ciceronis „Officia, Paradoxa, de Amicitia, de Senectute".
Mailandy Antonius Zarotus, 1476« Hoch Quart-Format.
Seltene und wenig bekannte Ausgabe, am Schlüsse der , Paradoxa" mit voll-
standiger Firma und Jahrzahl versehen und mit denselben Typen wie die undatirten
Orationes unter voriger Nummer gedruckt. Das Format ist nicht Folio, wie die
Bibliographen angeben, sondern nach den Wasserzeichen Quart. Auch Hain No. 5845
hat die seltene Ausgabe nieht gesehen; sie enthält 84 Blätter mit Signaturen und
85—86 Zeilen auf der vollen Seite. Die Schlussschrift lautet:
„Volumen hoc in quo continentur libri tres officioB/. Liber de I| senectute.
Liber de amicicia : & paradoxa. M. Tulii Ciceronis || Impressit Mediolani Antonius
Zarotus parmensis. 1176. || 13 ksQlen Nouembres.** —
Angebunden ist eine höchst seltene, nur Hain bekannte, von ihm unter No. 14187
beschriebene Ausgabe des Sallust ohne Druckfirma und Jahrzahl, welche dem
Hermann Lichtenstein in Vicenza zukommt, der dort mit gleichen Typen die Epistolae
des Cicero vom Jahre 1479 druckte, wie wir es weiterhin ausführlicher begründen
werden. —
1474 big 1484.
Dieser deutsche Typograph druckte bereits 1470 & 1471 in
Venedig. Er schrieb sich auch Valdarpher, Baldarfer und Valdafer;
häufig auch nennt er sich nur kurz Christophorus Ratispovensis,
50 auch in folgender Nummer. —
No. 682.
^rnolbwö be WxM ISoua: ,,1@rftiianum practicac larbtcinae^^
Mailand^ Chiistoph Valdarfer, 1483. Folio-Format.
Es ist dies die erste Ausgabe des „Handbuches der praktischen Medicin" von
Amoldus de Yiilanova und von grosser Seltenheit. Hain No. 1800. —
No. 683.
1fertI;ol0maribf(Cf|atmi0,)^ntfrro9atoriwm|!tif€anfff|i(malf^^
Mailand, Christoph Valdarfer, circa 1480« Quart-Format.
Dieses oft aufgelegte Werk lernten wir schon unter Mainz No. 87 und Venedig
No. 609 kennen. Das vorliegende £xemplar stammt aus Bamheim*s Sammlung, der
320
Mailand. —
hierüber schreibt, dass diese nur von Hain unter No. 24.79 aufgeführte Ausgabe
y,enttc€der von Yaldarfer in Mailand selbst, oder — wahrscheinlicher — von einem
andern Drucker, anscheinend in Strassburg, der datirten Ausgabe Yaldarfer's Toa
1474 nachgedruckt sei, und zwar mit Etns^hluss der Valdarfer^schen, ihn als Drucker
bezeichnenden Distichen am Ende", die übrigens in fast allen existirenden Ausgaben
nachgedruckt sind. Wir haben unter Strassburg Seite 105 und 106 die hieraus
gefolgerten falschen Schlüsse bezüglich mehrerer anonymen Drucke schon berührt.
Die letzten anderthalb Distichen sind in diesem Nachdrucke weggeblieben.
Indessen können wir der Ansicht Barnheim's, insofern zumal Strassburg als Druckort
in Betracht gezogen wird, nicht zustimmen; die Typen haben einen durchajs fremd-
artigen Zug, aus welchem wir viel eher den Baseler Ductus herauserkennen würden.
Jedoch vermöchten wir auch keinem bestimmten Baseler Drucker das Werk zu
vindiciren, indem immerhin grosse Aehnlichkeiten dazu nicht ausreichen — und so
möge der Druck vorläufig dem Typographen verbleiben, dessen Namen er auj-
neist. —
pomitticu0 öe l^efpolate^
1476 bi6 1478,
1477 nnb 1478.
No. 684.
?3artl)0lamafu5 be (Cf|ai)mt5: ^^Ji^nterrogatartum ptie €on-
fffponale^
Mailand^ Dominicus de Vespolate & Jacobus de Marliano, 1478»
Klein Octav-Format
Abermals eine Ausgabe des bekannten Beichtbuches. Seltener und interessanter
Druck. Dae höchst originelle gothische Alphabet, das sich darin findet, mit gant
eigenthümlichen Zügen in den Majuskel-Charakteren steht in seiner Art ganz einzig
da, so dass man die Schrift aus Tausenden herauserkennen würde; um so auf-
fallender ist es, dieselbe originelle Schriftgattung noch in einer andern Druckerei
wiederzufinden und zwar in den scrupulösesten Einzelheiten so übereinstimmeod,
dass man im ersten Augenblicke glaubt, die gleiche Type vor sich zu haben.
Letzteres ist Jedoch nicht der Fall; denn die Type der Druckerei des Attgustmer-
Klosters jeru Nürnberg, welche diese italienische Schriftgattung Jedenfalls nachgebildet
hat, ist bei genauerer Untersuchung etwas kleiner als die letztere. Hain No. t484. ^
1478 bie 1520.
Man vergleiche weiterhin das über den Dracker Leonardas Vegiui
Gesagte, der, wie wir bewiesen, ein Schwiegersohn des Minutj^tftf*^
war und mit denselben Typen druckte. —
— « Mailand. —
321
No. 685.
INH0CVOLyMINBflAECCONTINENTÜR.||C. Plinii Secundi epifto-
larum libri nouem, || Eiufdem Plinii libellus epiftolarum ad
Traianum cum refcriptis eiufdem principis || Eiufdem panagy-
ricus Traiano Caefari dictus cü enarrationibus Joannis
Marig Catanaei."
Mailand 9 Alexander Minutianus, 1506« Folio-Format.
Erste und seltene, irenn auch incorrecte Ausgabe dieses Commentars der Briefe
des Plinius. In römischer Schrift von zwei Grossen gedruclit Der obige Titel steht
auf dem letzten Blatte verso, während recto die Druclifirma und Datirung zu
finden ist. —
No. 686.
„Epiftolse & Commentarii Jacobi Pico || lomini Cardinalis
Papienfis."
Mailand^ Alexander Minutianus, 1506« Folio-Format.
Erste Ausgabe der Briefe des Cardinal^s Piceolomini. Schoner Antiqua-Druck. —
Paulu0 öe 3uarM0,
1480 biö 1482.
No. 687.
i^^tatttta rnminalia löfbiolani.**
Mailand^ Paulus de Suardis, 14S2« Folio-Format.
Diese „Ordnungen für Mailand' sind der einzige bekannte Druck dieses Topo-
graphen, welchen derselbe mindestens schon 1480 begonnen, da die Schlussschrift
diese Jahrzahl aufweist, während am Ende des Registers die Jahrzabl 1482 an-
gegeben ist, die jedenfalls den Zeitpunkt seiner Vollendung anzeigt.
Hain hat die seltene Ausgabe nicht selbst sehen können; wir fügen seicer
Beschreibung unter No. 15009, die einen Fehler enthält, indem er die Jahrzahl
MCCCCLXXXXII statt Mcccclx^xij schreibt, noch hinzu, dass sie im Ganzen
349 Blatter mit Signaturen umfasst, von denen 14 das in zwei Columnen gedruckte
Register bilden. Die Zeilenzahl ist nicht gut anzugeben, da kaum eine Seite voll
bedruckt, sondern von Zwischenräumen, in denen die rothgedruokten Titel stehen,
häufig unterbrochen ist. —
von 1480 bi6 1493 gemcinfcbaftltd?.
No. 688.
Cornelii Nepotis „Liber de virorum excellentium vita".
Mailand^ Scinzenzeler & Pachel, circa 14S1« Quart-Format.
Dieses Buch der „Lebensbeschreibungen ausgezeichneter Mänrer*' des Cornelius
Nepos ist vielfach dem Aemilius Probus zugeschrieben worden, da dieser das Werk
21
322
— Mailand. —
abgeschrieben und sieb deshalb auf zweideutige Art „den üriieber" desselben
genannt hat.
Die Torliegende Ausgabe ist von ; den^'iHeransgeber Petrus Comenis dem
J%eodoru8 Fiattts, heraogliohen Rath in Mailand, gewidmet und enthalt die Biographien
von zwanzig griechischen Helden und die Lebensgeschichten des Hamilcar, Hannibal
und des Atticus Pomponius. Den Schluss bilden ein Brief des Jacobus Beduim
und des Frandaeus FhiMphus, acht Distichen des Petras Comerus und deren ivei,
sämmtlich an Theodoms Platas gerichtet. Der Brief des Frandscus Philelphus
scbliesst mit den Worten : „JUediolani ex aed»b9 nostris . mV . nonas Januarias.'^
Man hat diese Ausgabe — vergleiche Hain No. 6781 — vor 1496 gesetzt, veil
dieses das Todesjahr des Plahts ist; aber wir werden nicht fehlgehen, wenn wir
den Druck bedeutend früher datiren , da im Jahre 1480 bereits der Gelehrte Frandscas
Philelphus starb , und sein Brief an Flatus daher mindestens von diesem Jahre sein
mass ; der Druck des Werkes aber sp&testens wohl in 1481 fallen wird, imd jedenCiil»
der OfGcin der Scinzenzeler & Pachel entstammt. —
1483 bis 1489.
Ein Drucker, der sehr selten vorkommt und später in Pavia
thätig war. —
No. 689.
„Vita de sancta Catherina Senese."
Mailand 5 Johannes Antonius de Honate, 1489« Quart-Format
Sehr seltene italienische Incunabel, die Hiün Now 4698 nicht gesehen htt Sie
ist in 2 Columnen und 86 Zeilen mit gothischer Schrift gedruckt und endialt
152 Blätter, von denen das erste leer ist. Die Signatur beginnt auf dem driÜm
Blatte mit a 3. —
1494 bi6 1500 aUcin.
No. 690.
3Micl)aelt0 bc Cardjano: ^i^ermonarium be cammenbationt
otrttttum et reprobationc tlicionlm^^
Mailaild5 Ulrich Scinzenzeler, 1495. Quart-Format.
Dieses Predigtbuch ist mit einer hübschen gothischen Type gedrueict und bat
am Schlüsse die Firma und Datirung. Man kennt nur diese eine Ausgabe dea
15. Jahrhunderts. Hain No. 4505. —
— Mailand. —
323
^ lüenelitctus JÜtangtud^
1499.
Diese drei Männer führten zu Mailand nur einen einzigen Druck
aus, während Bissolus und Mangius bereits 1498 zu Venedig im
Vereine mit Bartholomaeus Justinopolitanus und Gabriel Brasichellen-
sis die Editio princeps von Phalaridis Apollonii et Bruti Epistolae
gedruckt hatten, ein kleines Werkchen von 58 Blättern. Benedictus
Mangius kommt noch im Jahre 1501 zu üeffffio in Modena vor,
während Chalcondylus und Bissolus vom Schauplatze verschwinden. —
No. 691.
Suidae „Lexicon Graecum".
Mailand, Chalcondylus, Bissolus Sc Mangius, 1499« Folio-Format.
Erste und prachtvolle Ausgabe dieses griechischen Lexikon^s, herausgegeben von
Demetrius Chalcondylus. Ebert hat sie umständlich unter No. 21975 beschrieben.
Hain No. 15135. —
1506 bies 1523.
Panzer führt diesen Drucker nur bis 15 21 auf, indessen beweist
die folgende von keinem Bibliographen erwähnte Ausgabe dier
„Bucolica" des Virgil, dass er bis 1523 gedruckt hat. —
Xo. 692.
„?iuC0lica: II CVM COMMENTO FAMI II LIARI DISCENTIBYS ||
QVAMVTILISIMO."
Mailandy Johannes de Castelliono, 1523« Quart-Format.
r)ie vorliegende Ausgabe der Bucolica mit dem Torrentinischen Commentar ist
den Bibliographen gänzlich unbekannt. Das erste Wort des obigen Titels ist mit
überaus grossen gothischen Buchstaben gedruckt. Unter dem Titel zeigt sich die
Verlegermarke von Johannes Jacobus et Fraires de Legnano.
Die Ausgabe hat 4 ungezählte und 46 gezahlte Blatter, die Jedoch mit ^L 8
bis ^ol. 4*7 numerirt sind. Die Schlussschrift lautet: „Impressum Mediolani
per Joanne de Castelliono ad In||stantiam Jo« Jacob! & Fratres de Legnano^
M. jl D. XXIII. Die . yi . Mensis Augusti.« Römische Schrift. —
21
ß24 — Mailand. —
1507 biß 1515.
Dieser Typgraph ist, was man bisher noch nicht wusste, der
Schwiegersohn des Alexander Minutianus, den wir auf Seite 320
anführten. Bewiesen wird dies durch die Aufj^abe des Valerius
Maximus von 1513, die wir in nächster Nummer mit Anführung der
Beweisstelle beschreiben. —
No. 693.
„^alcrü IHairimi opu0 cü ?9ltufrU cammentarUa. . . .^^
Mailand^ Leonardus Vegius, 1513. Folio-Format.
Seltene Ausgabe und die erste, welche den Commentar des Oliverius unverstäic-
melt enthält. Hie umfasst 6 ungezählte, 165 genLhlte Bl&tter und 1 Blatt Register.
Angehängt ist auf 97 gezählten Blättern nebst 1 Blatt Tabula des JODOCI BADII
A8CENSII PAMILIARI8 VA. MAXIMI EXPOSITIO, welche aus der Ascensian«
von 1510 herübergenommen ist. Auf dem Titel befindet sich das Signet des Coloer
Verlegers Ludteig Hornken mit dem Wappen von Coln.
Dieses ist nicht in allen Exemplaren; auch Panzer VII pag. 89S No. 127 besass
selbst eines ohne das Wappen. In den von Brunet und Ebert sehr mangelhaft ge-
lieferten Verzeichnissen der Ausgaben des Valerius Maximus fehlt auch die vorliegende.
Das beste Verzeichniss giebt Graesse, Tr6sor VI, pag. 242 ss, der zwar bei der vor-
liegenden den Cölner Ludwig Hornken irrthnmlich nach Basel versetzt und auch die
Registerblätter nicht anführt. Jedenfalls irregeleitet durch ein incompletes Exemplar
Der Herausgeber der Ausgabe ist Antonius Moretus. Auf der Kehrseite des
Titelblattes befindet sich nach einem Schreiben des Oliverius an Moretus, datirt von
Vicenz 1492, ein zweites des Moretus an Alexander MinutianuSt den gelehrten
Mailänder Buchdrucker. Hierdurch erfahren wir, dass Leonardus Tegius, Dmcker
vorliegender Ausgabe, der Eidam des Minutianus gewesen ist; denn Moretus schreibt:
nCVm proxime Mediolam essetn: mecuqz de re libraria uerba faceres, dixüti
Jjeonardum generum tuutn a nö nulb's bibliopolis effla^/itari Yaleriwn ot
OUuerii cömentariis suis opißcibus imprimendwn traderef^
Diese Entdeckung ergänzend ist der Umstand, dass die römischen Charactere
von zweierlei Grosse, mit denen diese Ausgabe hergestellt ist, sich gleichfalls in
dem unter No. 685 beschriebenen Drucke des Alexander Minutianus vorfinden. —
No. 694.
La Divina Comedia di Dante,
Mailand, Ulrico Hoepli, IS 7 8.
Diese mikroskopische Dante -Ausgale, welche circa .'',5 und 2,5 cm gross ist,
erregte als das kleinste Buch der Welt (welches es aber nicht ist) Aufsehen aof
der Pariser Ausstellung im Jahre 1878.
Die Herstellung der Lettern begann bereits 1834, aber 20 Jahre lang wanderten
dieselben aus einer Druckerei in die andere, da Setzer und Corrector augenkrank
davon wurden. Endlich übernahmen 1873 die Gebrüder Salmio zu Padua die Aus-
führung des Druckes, welcher 5 Jahre dauerte, worauf die Lettern vernichtet wurden.
Ulm. —
325
Wir fügen diesen epaten Drack nur des besonderen Interesses wegen, das sich daran
knüpft, den Mailänder Drucken bei. Das niedliche Werkchen ist in grünes Leder
gebunden, mit silbernem Verschluss, —
Sc^rußOemerrmuQen ju Ollairanb.
Im Jahre 1868 hat man einem Typographen Panfilo Castaldi
zu Feltre, seiner Geburtsstadt, einen Denkstein errichtet, der nach
Andeutungen einer Chronik des Mönches Cambruzzi nicht nur der
erste Mailänder Drucker, sondern auch Johann FusVs Lehrer
in der Kunst des Buchdruckes und Erfinder der &c-
weglichen Lettern gewesen sein soll. Auch soll sich aus
in Mailand gefundenen Urkunden ergeben , dass Castaldi 13Q8 ge-
boren und 1472 in seinem 74. Jahre als Lehrer des BuchdrucVs an
den Hof des Galeazzo Maria Sforza nach Mailand berufen wurde,
wahrend er andern Nachrichten zufolge schon 1470 starb.
Auch wollte man den ersten Mailänder Druck „MiracuH de
la gloriosa Verzene Maria" von 1469 diesem Castaldi zuschieben,
obgleich in den sechs Schlussversen sich Philippo de Lavagna deut-
lich als DrucTcer kund giebt, was man jedenfalls gar nicht ge-
wusst hati — Wir sind zwar weit entfernt, diese Nachrichten für
etwas Anderes als ein tendenziöses Geflanker zu halten, aber als
historisch merkwürdig wollten wir sie trotzdem nicht übergehen.
Es wird trotz aller Denksteine in Holland, Frankreich und Italien
keiner Nation gelingen, uns Deutschen die grosse Erfindung der
beweglichen Typen streitig zu machen. —
mrm.
um 1469 bie 1501.
In Herrn Professor Hassler's „Buchdruckergeschichte Ulms,
1840" ist diesem jedenfalls höchst talentvollen und vielseitigen
Typographen eine überaus liebevolle Abhandlung gewidmet, an
welcher nur die etwas zu kühnen Hypothesen mancherlei Art
einiges Bedenken erregen, wie wir auch schon zu einigen Berich-
tigungen dieserhalb auf Seite 249 unter Augsburg genöthigt waren.
Gleichwohl folgen wir der dort ausgesprochenen Ansicht, in-
dem wir ihn für den erstell Drticker Ulm*s ansehen, wenn auch
der erste datirte Druck Johann Zainer's von 14:73 dem ersten
datirten Hohenwang's um vier Jahre vorausgeht. —
'
326 — Ulm. —
No. 695.
^,5ocabularium latinaleutonicum/^
Ulm^ Ludwig Hohenwang, circa 1469. Folio-Format.
Interessantes Druckwerk von grösster Seltenheit, sowohl als ernter Hmfr
Druck, wie als zweitältestes latetnisch ' deutsches Wörterbuch nach demjenigen vod
liechtermünze in Eltcyl. Als Ulmer Druck weist sich das ohne Ort, Firma und
Datirung gedruckte Werk schon durch den specifisch Ulmischen Dialekt aus, velcben
Professor Kassier an hundert Beispielen aufs Gründlichste erwiesen hat.
Dass Hohenwang der Drucker ist, wird wohl mit Recht angenommen, da ausser
Johann Zainer und ihm vor 1182 keine Spur eines andern Druckers in Ulm ge-
funden wird, und Zainer um 1480 ein anderes, an Qualität weit imter vorliegender
Ausgabe stehendes Yocabularium gedruckt hat, was er wohl nicht gethan hatte,
wäre er Drucker des besseren Buches gewesen.
In Hassler^s oben angeführter Schriit ist auch noch zweier Fragmeul-
blüiier , welche sich sogar in Duplo auf der Ulmer Stadtbibliothok befonden, Er-
wähnung gethan, die äu obigem Vocabularium gehören, merkwürdiger Weise aber
nur einseitig bedruckt sind ; zum Erstaunen ist es aber, dass auch unser Museiun —
in der Sammlung der „Einzelblätter" zwischen Doppelglas und Messingrabmen ge-
lasst — ein derartiges einseitig bedrucktes Blatt enthält, welches gerade mit dem
einen der beiden in Ulm befindlichen übereinstimmt, von denen Professor Hassler
in seiner Schrift Facsimilcs gegeben hat.
Die von ihm an diese beiden Fragmente geknüpften Erwägungen und der
Schluss , dass sie Stücke einer früheren , nur einseitig gedruckten Auflage des
Vocabular's sein möchten, halten wir indessen für nicht zutreffend, wenn schon
mittlerweile diese Nachricht als Factum in die Buchdruokergeschichte übergegangen,
und von Ludwig Hohenwang seitdem allgemein die Kunde verbreitet ist, das»
er anfanglich Werke mit beweglichen Typen, aber nur auf Einer Papierseitt uivl
ohne Presse llus mit dem Heiler gedruckt habe; vergleiche auch Falkenstein, Seite 171.
Wir müssen diese einseitig bedruckten Blätter lediglich für Correctur -Ahiü'ß
halten, die in mehrfacher Anzahl veranstaltet worden sind. Bestimmt werden «ir
zu dieser Ansicht Einmal durch die thatsächlich im Werke vorhandenen Correcturm
der im ersten Satze (der Fragmente) bemerkten Fehler, wovon Hassler, auf Columie
87 selbst fünf aufgeführt hat. Dass dagegen noch andere Fehler stehen geblieben
sind, ist einfach durch ein Ueberschen zu erklären; ebenso ist ein anderer Einwurt,
der von Professor Hassler gemacht wurde, zum Theil leicht erklärbar, zum Theil
auf Irrthümer seinerseits zurückzuführen.
Auf Spalte 38 seines Werkes nämlich lesen wir: y,tcie koinmi es, dass in dein
{ünyeblivh nur übertragenen, verbesserten, nicht aber ncugefertigien) Satse «'Vs
Buchs Fehler sind, tcelche sich im Satze des Fragments nicht ßnden, z. B. im kiztern
rüfhiig Linie 8 consideo, Linie 22 lista vt, dagegen im Buche con sideo, listrt: sotrie
auch im Fragmente der Satz des consobitus besser ist, als im Buche, und in diesem
am Schlüsse der Linie S das Absetzungszeichen (*) fehlt, während es in jenem stcn
fndet. Dieser Umstand ist entscheidend , denn er lässt sich nur erklären
durch die Annahme eines ganz versvhisdenen und nicht bloss theiltceise rer-
besaerten Salzes** etc. —
Sämmtliche hier angeführte Beispiele befinden sich glücklicher Weise auf dem
in tmserm Besitze befindlichen Original-Fragment-Blatte, und wir sind daher in der
Lage, ihre Widerlegung mit Gründlichkeit führen zu können. Zutreffend ist allei^
dings, dass auf Linie 8 im Werke das Wort „cotiri^eo** fehlerhaft „co« fibeo** gedruckt
ist, während es im l^^agmentc richtig dasteht; ebenso fehlen auch am Ende der
Zeile im Werke die Absetzungsstriche (»;, welche im Fragmente vorhanden sind.
Dafür giebt es aber die einfache l'irklärung , dass die am Ende befindlichen * "»
— Ulm. —
327
Correetur-Satee hinabgeglitten mnd, die Zeile in d«n leergewordenen Raum nach-
rutsebte, sich dadurch in dem Worte consideo üieilie und an dieser Stelle der er-
übrigte fiaum durch eine Lacke sichtbar wurde.
Ganz falsch ist es dagegen, dass nach Hassler die im Fragment auf Zeile 90
stellenden Anfangssilben ,,lifla ot^' im Werke selbst angeblich ,,li|lvt** lauten, denn
hier wie dort steht richtig „lista vt" ; nur befindet sich im Fragmente das 1 in »lista*'
etwas ausser dem Begister stehend, im Werke ist es mehr eingerichtet und dadurch
sind dann die ersten beiden Silben auf das folgende Wörtchen „vt" mehr heran-
gerückt. Dase femer der Satz des Wortes ,,confobittts" im Fragmente besser sein
soll, ist lediglich „optische Täuschung**; im Gegentheil ist der Satz dieses Wortes
mit allen Unregelmässigkeiten in beiden Fällen durchaus conform!
Wenn wir hierdurch die Gründe Hassler's, welche er als j^enischeidende Um-
stände'*' anfuhrt, widerlegt haben, so bleiben uns noch fernere positive Merlunale,
die den Ausschlag in dieser Frage geben, hinzu zu fügen: Wenn man nämlich die
Typen Hohenwang's genau vergleicht , so findet man , dass er von mehreren Buch-
staben verschiedene Formen gehabt hat. 80 bemerkt man zum Beispiel zweierlei 9,
dann ein breites nud ein schmales n, fernerhin ein spitzes und ein rundes o>
Betrachtet man nun das Fragment und das Werk selbst, Wort mit Wort, die
Buchstaben genau miteinander vergleichend, so wird man finden, dass an elen gleichen
Stellen immer der gleichgestalieie Buchstabe wiederkehrt, dass auch alle Unregel-
mässigkeiten des Satzes in den einzelnen Worten übereinstimmen ; man findet ferner,
dass bei der Correctur des Wortes, welches im Fragmente „Swefltrifon** lautet, man
einfach das i herausgenommen hat, um den übrigen Satz nichc zu ändern, sodass
im Werke nun getrennt; „iJtDe^er foti** steht.
Aus alledem geht zur Evidenz hervor, dass man es hier mit demselben Satze,
mithin keineswegs mit verschiedenen Auflagen des Werkes zu thun hat; und so föllt
denn auch die sonderbare Erscheinung, dass ein Drucker mit beweglichen Typen auf
der Presse doch nur einseüig gedruckt haben solle, in Nichts zusammen; wofür
man auch vergeblich eine vernünftige Erklärung suchen würde, da man weder an-
nehmen kann , dass Hohenwang am Ende der sechziger Jahre des 15. Jahrhunderts
das vortheilhattere Verfahren des zweiseitigen Druckes nicht gekannt habe, noch
dass er zu keinem ersichtlichen Zwecke und entgegen allem Gebrauche dass theure
Papier verschwendet haben sollte, an welchem sonst die Buchdrucker sogar durch
immer enger werdenden Druck mehr und mehr zu sparen beflissen waren.
Ueber den Zufall freilich, der in einer wunderbaren Laune dreimal gerade das-
selbe Fragment aus der Masse des Andern heraussuchte, um es der Nachwelt auf-
zubewahren, darüber wird ein Jeder mit Recht als einem unerklärlichen Rathsel
erstaunen müssen; aber vergeblich würde unser Bemühen sein, der Quelle dieses
Wunders noch weiter nachzugehen. —
No. 696.
^acobt bf €lwfa ^^^ermonea notabilCÄ rt fotmalrB prr
totum anmim^^
Ulm^ Ludwig Hohenwang, circa 1470* Folio-Format,
Mit derselben Type, ohne Ort, Firma und Datirung gedrucktes Werk von grosser
Seltenheit und die von Hain unter No. 9SS0 beschriebene der beiden mit gleicher
Type gedruckten Ausgaben Hohenwang's.
Der Verfasser dieser Predigten, bekannt unter dem Namen Jacobus de Clusa,
wird von Trithemius Jacobus Junterbuck genannt; er war Vicar im Kartäuserkloster
zu St. Salvator bei Erfurt um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Aus der letzten der
vorliegenden Predigten geht hervor, dass er dieselben vor seinem Eintritte in den
328 — Ulm. —
Kartikuserorden ursprünglich auf der Universität zu Cracau , deren Mitglied er var,
mündlich in der Volkssprache abgehalten hat, und dass er erst, nachdem er sich zu
den Cartäusem bekannt, die Predigten in^s Latein übertragen und herausgegeben hat —
ßo\)mn Rainer von Hrntltngen^
1473 bi0 1515.
Bis zum Jahre 1515 kennt man dalirte Drucke dieses Typo-
graphen, aber in Ulmer Urkunden kommt er noch bis zum Jahre
1523 vor. Falkensteins Angabe, die ihn nur bis 1475 drucken lässt,
ist wohl ein Drukfehler.
Ob der berühmte Drucker, der sich auch Czeyner, Zeiner,
Czeiner und Czainer schrieb, ein Bruder oder Verwandter des be-
deutenden Augshurger Druckers Günther Zainer ist, mit dem er
oft verwechselt wurde, geht aus keiner Urkunde hervor; jedoch
waren beide aus Reutlingen gebürtig, und ist daher eine Verwandt-
schaft wohl anzunehmen.
Dass Beide auch geschäftlich eng verbunden gewesen, geht
daraus hervor, dass sie zum Theil die gleichen Typen führten, wie
wir schon bei dem prächtigen Rationale des Günther Zainer in
Augsburg auf Seite 241 näher nachgewiesen haben. Zufällig hat
auch Johann Zainer in Ulm unter andern sein schönes Rationale
mit den gleichen Typen gedruckt bis auf wenige Versalbuchstaben.
Wir werden dasselbe sogleich näher kennen lernen, ebenso weiter«
hin desselben Druckers zweite Auflage vom Jahre 1475. —
No. 697.
®wtltflini iSuranbi „Sationale bitiinorum offfcionim^
Ulm^ Johann Zainer, 1473» Gross Folio-Format.
Am Anfange des Werkes, also auf der dritten Seite befindet sich eine prächtige,
in Holz geschnittene Randleiste von Figuren und Arabesken, in drei Farben colorirt;
eine Art des Bücherschmuckes, welche, von Johann Zainer er/uncUn, neben dem
ausserordentlich geschmackvollen gothischen Druck seine Productionen in löblicber
Weise auszeichnet. Am Schlüsse des Werkes befindet sich die Endschrift mit Ort, Finn«
und Datirung von 1478, in welchem Jahre er zuerst in datirten Drucken auftritt
Man kennt von diesem ersten Jahre nicht weniger als acht ganz bedeutende
Werke ans seiner Offizin, welche alle mit Jahrzahl die Presse verliessen; ein Beweis
für den bedeutenden Umfang seiner Druckerei. Hain No. 6174. —
No. 698.
(Siatianiü 5@accaccio^0 „??ud) t)an bm bfrfiljmtfn Wcibmi**
t)crbfutfd)t Don l^cinrid) 5tfinl)ourl.
Ulm, Johann Zainer, 1478. Mittel Folio-Format.
Diese deutsche Uebersetzung erschien jedenfalls in demselben Jahre wie dss
Ton Zainer herausgegebene lateinische Original; denn die Vorrede des üebersetiert
— Ulm. —
329
scblieBst mit der Datirung von 1473. Das Werk zählt zu den grossten SeUenhelten
und ist von mebr als einem Gesichtspunkte, besonders auch in sprachlicher Be-
ziehung höchst interessant
Wenn Boccaccio in seinen lateinischen Schriften ungemein weit von jener Voll-
kommenheit entfernt war, durch die er sich in der italienischen Prosa seines ,De-
cameron* ein classisches Ansehen erwarb , so sehen wir hier den umgekehrten Fall,
wie der deutsche Gelehrte in den ersten Yersuchen, seine Muttersprache zu Ehren
SU bringen, halb in der Plumpheit und Armuth geistloser Formen, halb noch in den
Banden des gewohnten Latein, sich nur mühsam fortzubewegen vermag.
Interessant ist es, das Buch zu lesen, aber zur Erholung darf man es nicht
thun wollen. Für den Etymologen und Literarhistoriker wird es Jedoch von vielem
Nutzen sein.
Neben zwei schonen Randleisten und den Holzschnitten der lateinischen Aus-
gabe findet sich im Werke auch ein trefflicher Initialenschmuck. Wunderbar nur
ist es, dass die Bibliographen von letzterem als von j^sogenannten Literae Florentes'^
sprechen, da man doch unter dieser Bezeichnung die erst später von Erhard Katdolt
in Venedig eingeführten Zierbuchstaben in reinem Renaissance- Stil versteht.
Unter den Holzschnitten hat die Darstellung der ^ Päpstin Johanna**, welche in
verstellter Mannheit unter dem Namen Johannes VIII. als Papst regiert haben soll,
schon vielfach Interesse erregt; wie sie inmitten der vornehmen Procession von
einem Kn&blein entbunden wird, sieht man hier recht natürlich dargestellt — eine
Fabel übrigens, die ebenso oft widerlegt als behauptet und geschichtlich nicht nach-
zuweisen ist. Hain No. 8833. —
No. 699.
]ßt\xm ?3rrd)oriwe: ^^ITiber IStbliar m0rali8.*'
Ulm 9 Johann Zainer, 1474. Gross Folio-Format.
Wiederum ein wahres Prachtwerk aus Johann Zainer-s Officin mit zahlreichen
grossen Initialen und einer pompösen Randleiste auf der ersten Seite, die nicht nur
seitwärts herunter, sondern auch oben und unten quer über die ganze Druckseite läult.
Die Ausgabe ^st die Editio princeps des Werkes, von dem eine andere Ausgabe
fast gleichzeitig, im October desselben Jahres zu ätrassburg fertig wurde, während
vorliegende bereits im April die Presse verliess. Jene, welche wir unter Sirassburg
als Produet des geheinmissvollen CW., alias Clas Wencker unter No. 200 kennen lernten
ist indessen keineswegs Nachdruck, sondern sichtlich aus einem andern Manuskripte
gedruckt und als Editio princeps secunda zu betrachten. Hain No. 2794. —
No. 700.
;?Lntamt Matnptjiollts ^^^urca ?iiblia*^
Ulm, Johann Zainer, 1476. Mittel Folio-Format.
Die seltene deutsche Ausgabe dieser lateinischen „goldenen Bibel' besprachen
wir umständlich unter Augsburg auf Seite 249 & 9^ bei der Druckerei des Klosters
8t. Ulrich & Afra. In vorliegender lateinischer Ausgabe haben wir die erste da-
tirte vor uns. Zu dem, was wir früher über den Verfasser und die Zeit ihres Ent-
stehens sagten, mögen hier noch ein paar Worte über den Inhalt folgen.
Man findet darin in alphabetischer Ordnung die verschiedensten biblischen
Materien gesammelt und mit moralischer Anwendung erläutert. Das Buch sollte
ursprünglich jedenfalls den Predigern als eine Art Concordanz dienlich sein; doch
scheint die deutsche Ausgabe für den späteren populären Gebrauch des Werkes zu
sprechen. Hain No. 13C81. —
330
— Ulm. —
No. 701.
®ttUiflmi jSuranbi ^^liationale bbinorum offlciorum^
Ulm^ Johann Zainer, 1475« Folio-Format.
Ztceite Auflage des Rationale, welche Zainer mit denselben Typen wie die erste,
auch mit derselben schonen Randleiste druckte. Die geschmaclcvollen Initialen sind
hier zum Theil andere. — Hain No. 647.'>. —
No. 702.
5anrti 3?0naDfnturae ,,3crmoTtf0 be Srmporc et bc 3ancti0*^
Ulm^ Johannes Zainer, 14^1. Klein Folio-Format
Mit derselben Type des Rationale gedruckte Ausgabe der Predigten des heiligen
Bonaventura; ein Opus von beträchtlichem Umfange, bei uns in zwei Bände getbeilt.
Hain No. 8.M3. —
No. 703.
^Ibtrti MtL^ni ^,€ompmbium Ötlifolo^icaf Bcritatis^
Ulm 9 Johann Zainer, circa 1476« Klein Folio-Format
Dieses Compendium des Albertus von Bollstadt ist mit einer andern, der kleinste»
gothischen Typengattung Johann Zainer^s gedruckt, deren er sich in späterer Zeit
wohl ausschliesslich bediente. Die Ausgabe hat keine Jahrzahl, aber die Fiims des
Druckers, weiche am Anfange des Registers In grosser ^jchrift angebracht ist Hain
No. 437. —
No. 704.
ßü\)tinme ßnniüx: ^,3cala CCoeli*^
Ulm^ Johann Zainer, 1480« Klein Folio-Format
Mit derselben Type gedruckt wie vorige Nummer. Hain No. 9406. — Der Ver-
fasser des Werkes, ein Prediger -Mönch, der um die Mitte des 14. Jahriiunderts
lebte, hless Johannes Oahius und wurde zum Unterschiede von einem Aelteren diesas
Namens, der um 1814 starb, „Junior" genannt.
Eine Beurtheilung des sonderbaren Werkes mit dem Titel j,Himmelsleit«r'^ g^eW
Heinrich von Seelen in seinen „ßelccta literaria« Lübeck 1726 pag. 589; es heisrt dort:
„Es werden in diesem Denkmal des höchsten Barbarismus verschiedene heilige
und moralische Materien in alphabetischer Folge durchgenommen, aber untermischt
mit soviel lächerlichen Fabeln, Possen und Aberglauben, dass man schlecht beratlieB
wäre, wenn man auf dieser Leiter zum Himmel aufsteigen wollt«." — In der That
würden viele dieser albernen Histörchen ganz gut in einen .Anecdoten-Jäger oder
Du sollst und musst lachen" hineinpassen. —
1482 bie 1484.
Dieser ausgezeichnete Typograph war vorher Spielkartendrucker,
als welcher er schon bei seinen Bildern. Inschriften mit beweglichen
Typen angebracht hatte. Wenn seine Thätigkeit als Buchdrucker
Ulm. —
33^
nicht schon früher begonnen hat, wie man bei dem Zeiträume, der
zwischen den Anfängen Zainer's und dieses Typographen liegt,
wohl annehmen könnte, so war sein Wirken nur von sehr kurzer
Dauer, denn das Unglück wollte es, dass er schon 1484, von Gläubi-
gem hart bedrängt, aus der Stadt Ulm verwiesen wurde.
Wir sehen darauf andere Ulmer Typographen im Besitze seines
Druckapparates. Er selbst ist wohl noch einmal nach Ulm zurück-
gekehrt, aber nachdem es ihm offenbar auch dann nicht gelungen,
festen Fuss zu fassen, nochmals im Jahre 1492, wie das Einigungs-
buch der Stadt Ulm documentirt, verwiesen worden. —
No. 70n.
Ulm^ Lienhart Holl, circa 1482. Klein Folio-Format.
Sicher einer der früh esteti Drucke Iloll's, wahrscheinlich noch vor 1482, dem
er seine Firma und die Datirung noch nicht beifügte. Den altern Bibliographen,
selbst Panzer ist diese Ausgabe ganz imbekannt geblieben. Indess besitzt die
Münchner Hofbibliothek ein Exemplar, das aber Hain unter No. 9030 bezüglich
des Druckers nicht zu bestimmen wusste.
Das Werk ist mit denselben Typen gedruckt, wie das von Holl gedruckte „Buch
der Weisheit" , welches wir unter nächster Nummer anführen. Einen interessanten
Act zur Geschichte dieses Typographen erfahren wir zugleich durch die grosse
Scbril'tgattung , mit welchen die Ueberschriften dieses Werkes gedruckt sind. Die-
selben Charaktere nämlich finden wir in den spätem Drucken unseres nächsten
ülmer Typographen, des Conrad IHnckmut wieder.
So bildet denn diese Thatsache nebcu der andern, dass ein dritter Ulmer Typo-
graph, Johannes Reger, mit Holl\scben Typen und den Landkarten - Platten seiner
berühmten Geographie des Ptolemueus eine zweite Auflage desselben Werkes er-
scheinen liess, eine neue Illustration zu der Klage des bedrängten Künstlers Holl,
dass ^ihm seine Habe vertragen, Verstössen ^ verpfändet, versetzt sei'*. Vergleiche
»Hassler's Buchdrucker-Geschichte Uim's" 1840, Columne 115 & 116. Das seltene
Ruch ist in laubgrünes Leder gebunden mit stark vergoldeten Beschlägen. —
No. 706.
i,i9a0 bud) bcr wrifjl)ait^ obrr alttn meifcn/*
Ulm, Lienhart Holl, 1484. Folio-Format.
Eine hochinteressante Incunabel; durch Ausstattung und Inhalt eines der merk-
würdigsten Bücher der älteren deutschen Literatur. Das ursprüngliche Original des
Werkes ist eine mehr als zweitausend Jahre alte Indische Fabel-Sammlung, welche
später in die meisten orientalischen Sprachen, in's Persische, Arabische, Türkische,
Hebräische übertragen wurde.
Aus dem Hebräischen übersetzte sie ein gewisser Johannes de Capua um 1862
unter dem Titel ^Dircctorium vitae humanae" in's Latein und hieraus ist dann bald
darauf von Eberhard , I., Herzog zu Würtemberg, entweder durch ihn selbst oder auf
seinen Befehl die deutsche t3ebersetzung verfertigt worden. Von der lateinischen üeber-
setzung ist nur eine einzige Ausgabe ohne Jahr, Ort und Drucker erschienen, w^elche
nach Graesse I pag. 421 noch eine Variante hat, während von der Verdeutschung
bis zunti Ende des 16. Jahrhunderts 17 verschiedene Ausgaben gedruckt wurden.
332
— Ulm.
Einer griechischen Uebersetztmg |von Simeon Sethus hat der arabische Text als
Original vorgelegen und aus ersterer ist dann Ende des 17. Jahrhunderts eine zweite
lateinische Uebersetzung von Petri Possini zu Berlin durch Sebastian Gottfried 8tarck
in Druck gelegt worden. Ziehen wir die Uebersetzungen des originellen Werkes in
fremde Sprachen, die bis in die neueste Zeit reichen, in Betracht und erfahren,
dass es deren spanische und französische, italienische und englische, bolIäDdiscbe
und ungarische giebt, so werden wir begreifen, welchen Schatz populärer Weisheit
dieses Werk enthalten muss, das sich eine durch Jahrtausende dauernde universelle
Verbreitung zu erwerben wusste.
Eine neuere deutsche Uebersetzung dieser Fabeliammlung fehlt zwar, dafür haben
aber zweifellos ältere und neuere deutsche Fabeldichter neben Aesop auch aus dieser
Quelle geschöpft. Wem, um ein Beispiel anzuführen, ist nicht die Fabel von dem
Hunde bekannt, der mit einem Stück Fleisch in der Schnauze im Wasser sein
Spiegelbild erblickte und während er nach diesem schnappte, das Fleisch verlor?
Diese so beherzigenswerthe Geschichte kann man in vorliegender Ausgabe auf
dem zwölften Blatte, begleitet von einer schönen Abbildung finden. Letztere ist vie
die 185 andern in dem Werke befindlichen, für die Zeit mit vieler Fertigkeit in
Hol« geschnitten, wahrscheinlich ist der geschickte Spielkartenschneider Lienbart
HoU selbst der Verfertiger dieser sowohl für die Geschichte der Formschneidekunst
bedeutenden , als zum Theil auch für die Geschichte der Trachten jener Zeit inter-
essanten Darstellungen.
Spezielleres über die Einrichtung des Werkes hat Panzer in seinen Annalen
No. 189 & 209 sehr ausführlich geschildert, auch Hain No. 4081 beschrieb es nach
eigener Anschauung. Demnach bleibt uns nur noch von den Typen zu sagen übrig,
d&ss sie dieselben sind wie in voriger Nummer. Diese originelle Schrift ist eine
Art Schwabacher, die sich der Fraktur nähert, aber den Vorzug grosser Deutlichkeit
hat. — Schöner Einband von Elchenholz mit rothem Lederrücken und vergoldetem
Messingverschluss. —
Conrab ^tndimut^
um 1482 biei 1496.
Der erste bekannte datirle Druck dieses vierten Ulmer Typo-
^raphen ist allerdings erst von 1482, aber der Umstand, dass er
schon im Jahre 1476 in den Steuerbüchern Ulm's als „Buchdrucker"
geführt wird, verbunden mit der Thatsache, dass wir von ihm das
schöne xylographische Product eines Donatus besitzen, das wir schon
unter No* L in der ersten Abtheilung unserer Sammlung auf
Seite 7 näher beschrieben haben, und welches wohl mindestens in
die Mitte der siebziger Jahre zu setzen ist, macht es sehr wahr-
scheinlich, dass auch dieser Typograph bedeutend früher thätig
war, als man bisher anzunehmen geneigt gewesen ist. —
No. 707.
^,5umma J>ol)anni0 nad) orbmmj) bcs ^. %. €."
VhXLj Conrad Dinckmut, 1484« Klein Folio-Format.
Mit einer der HolVschen ähnlichen aber etwas kleineren Type gedruckt Das
Werk ist eine Bearbeitung der lateinischen „Summa confessomm" — für Beichtiger^
— Ulm. ~ 333
von Johann von Freiburg, die der Prediger-MÖnch Berchtold verdeutscht und in
alphabetische Ordnung gebracht hat
Interessant sind die IniÜalen des Werkes, von denen bei der alphabetischen
Einrichtung vom Ahlass beginnend bis zum Zueifel jeder Buchstabe vertreten ist.
In unserm Exemplare sind dieselben mit gleichzeitigen Farben leicht und geschmack-
voll colorirt. Einband von^dunkelblauem Leder mit Messingbeschlag und Verschluss.
Hain No. 7871. —
No. 708.
(guiUrrmt |3ofltUa fuprr (Spijlolad et (i^Dangelia.
Ulm^ Conrad Dinckmut, i486« Klein Folio-Format.
Dieselbe Texttype wie in voriger Nummer. In den üeberschriften erscheinen
die grosseren Charakter, welche Dinckmut jedenfalls von Lienhart Holl übernommen,
nachdem der Letztere imi 1484 aus der Stadt verwiesen war und sein Druckwerk-
zeug eingebusst hatte, denn wir bemerkten unter No. 705, einem zweifellos HoU-
schen Drucke, dieselbe Schriftgattung. Hain No. 8885. —
No. 709.
^acobi be Soraginr: „Tombarbica ^ifloria fit)e ^urca
Irgenba Äanctorum".
Ulm^ Conrad Dinckmut, 1488« Klein Folio-Format.
Ist mit derselben Type hergestellt. Mit den grossen Charakteren sind die
Üeberschriften und das Colophon gedruckt. Bei HaiQ, der unter .Historia*', ,Jaco-
bus*' und gLegenda" auf „Voragine" verweist, wird die Mühe langen Suchens leider
nicht belohnt, denn der Artikel j,Yoragini>'* fehlt auch. Zur Ergänzung diene eine
kurze Beschreibung der Ausgabe:
Diese hait 425 Blätter mit Fignaturen, in 8 Columnen \ 37 Zeilen gedruckt.
Folio 1 recto steht nur der Titel: ,,€ombarbica jQt)|loria'\ Das Schlusswort lautet:
„Sr^iUciiitit qnornnbam U fattctorä legrnbe aMnn-.de pofl Combarticä l)Q||floriä 4-im-
vrtfft in ttlm U ii Conrabä Dinikmiit + || 3lnno + Ül -f cccclirroiii -f.** Charakteristisch
ist hier das kleine Kreuz, das in dem gross gedruckten Colophon als Punkt dient,
welches genau so auch bei den mit derselben grossen Schrift gedruckten Worten der
, Auslegung Humberti'* von Lienhard Holl unter No. 705 in Anwendung gebracht
ist, vnd das Resultat unserer bezüglichen Untersuchungen evident bestätigt. —
Jol)ann Mfötr,
i486 W8 1499.
No. 710.
„Almanach noua plurimis annis venturis || inferuientia: per
Joannem Stoefflerinum || Juftingenfem & Jacobum Pflaumen
Vlmenfem accuratiffime fupputata: & toti || fere Euiope
dextro fydere impartita."
Ulm, Johann Reger, 1499« Quart-Format.
Das Werk giebt die Ephemeriden vom Jahre 1499 bis IfiSl und bildet die Fort-
setzung zu dem von Regiomontanus herausgegebenen Werke, welches wir in der
334
— Ulm.
Ediiio prtnceps von 1474 unter j^Xümberg'^ näher kennen lernen werden. Der obige
Titel ist in Antiqua gedruckt, während für den Text eine kleine Gothisch angeven-
det ist. Hain No. 15 085. ->
1493 bl6 1501.
Dieser Typograph druckte auch in Freisingen und in Constanz
am Bodensee. —
No. 711.
^,3mbfnbi ?3ranbiqj || mobus • ptr ^tttl)oni-||ttm
IHancincIlttm/^
Ulm^ Johannes Schaeffler, 1499« Klein Quart-Format
Unter dem Titel befindet sich das Druckerzeichen mit den Initialen H 8f welches
sich auf der Rückseite des Schlussblattes wiederholt. Der Drucker ist weiter nicht
angegeben, wohl aber Drnckort und Jahrzahl, die am Ende stehen. Titel and Ueber-
schrift des folg^den Registers sind mit einer grösseren Gothisch, das Uebrige aber
mit Sehwabacher Schrift gedruckt.
Der Druck zeichnet sich durch Unvöllkommenheit und Unsauberkeit aus. Wo
es an einem ^ fehlte musste an vielen Stellen ein umgekehrtes © den Dienst ver-
richten. Das Alphabet, welches Braun II Tabula III No. IV gegeben hat, ist ganx
unzutreffend und unzulänglich. Hain No. 10 598. — Der Autor des Werkes lebte
im 1.^. Jahrhundert und verfasste neben diesem noch mehrere andere grammatische
Schriften. —
Joljantt (grüner,
1522 bie 1532.
Dieser Typograph war ursprünglich Rector der lateinischen
Schule zu Ulm. Als solcher trieb er bereits einen Bücherhandel
und kam deswegen mit Johann Zainer zu wiederholten Malen in
Conflikt.
Trotzdem breitete sich dieser bewegliche Schulmeister und
Speculant, den Urkunden auch als Oekonom, Fürkäufler, Geld-
schauer und Wirth (!) bezeichnen, immer mehr aus. Er liess wie
wir in Augsburg gesehen haben, bei Marx Wirsung & Sigmund
Grimm auf seine Kosten drucken und legte sich endlich eine figffte
Druckerei zu. —
J
— Ulm. —
335
No. 712.
3lm SRü^üd^e || Sermon 56 allen || ^tjrifte ntenfd^e, t)on ber
rechte || l£uangeUfd)e meß , vnb t)on btv htvavtnriQ \\ sä
btm lifd) gottce . . . Von 3obantic jDicpoI6*
Ulm 5 Johann Grüner, 1522. Klein Quart-Format.
Das kleine mit Schwabacher gedruckte Schrifteben von nur 6 Blättern Umfang
liat wohl Ort und Jahnsahl, aber die Druckerfirma fehlt auf dem Titel. Yergleich»
über letztere Weller's Repertorium No. 2397. —
lan0 ISarmrr ms htm €tf(t)l$nite,
1532 m 1560.
No. 713.
„jB^ttiba «rbrud): ,,llorbt || straff unb 3H \\ . . .'^ <Sc-
bruikt ;u Bim: burd) %mftn || Patniet, 3tn VtT. JD.
Quart-Format.
24 Blätter in Schwabacher Schrift gedruckt Seltenes Schriftchen.
No. 714.
Sfjronica 3^i^^l^fid) önnb ®efd^itf|tbtbeQ t)on || art6egt)n
Mfä in bif§ gegentüertig 3Ä. S). jjj^i. iar öerlengt, || JDa^
rinn bei)e (Dottee vnb btr weit laujf, b^nö^'/ civx, wort,
wer*, tbftn, lajfen, Friegen |I ♦ ♦ ♦ in bx^y (Ll)xonii \\ obcv
bauptbftcfter, verfaßt • jDurd) öcbaftian'Unum SrancCcn
von W&tb, normale in Ceütfcber jungen, nie gebart ||
nod) gelcfen.
Ulm^ Hans Varnier, 1536« Folio-Format.
Der Verfasser dieser Chronik hatte später zu Ulm eine eigene Druckerei. Er
ist durch eine Menge Schriften als Anhänger Schwenk f eider* s und der Wiedertäufer
bekannt. Sein Stil ist vortrefflich und die vorliegende Chronik ein Buch, das sich
durch freimüthigen Sinn imd unparteiliche Weltansicht vortheilhaft auszeichnet.
Leider ist ihm in dieser Chronik das Unglück passirt, dass er dem Uebersetzer
der bekannten Schedel'schen Chronik 'zu viel Glauben beig^taaessen , indem er den
horribeln Uebersetzungsschnitzer, nach welchem jener den Kaiser Domitian statt
von Leichenträgem (vespillones) von Fledermäusen (vesperUUones) wegtragen lasst,
mit verbrauchte.
Seine schwärmeriBch>religiÖsen Schriften machten, dass er aus Ulm 1530 ver-
trieben, und seine Jrrthümer im folgenden Jahre auf der Heligionsversammlung zu
Schmalkalden verdammt wurden. Später besass er zu Basel eine Druckerei, wo wir
auf Seite 287 seiner schon gedachten. —
336 — Ulm. —
ScOrugöetnerKungeri ju Ufm.
Bei den immerhin vortrefflichen Leistungen, welche wir zumal
bei den ersten Buchdruckern Ulm's gebührend gewürdigt haben,
ist die Anzahl der Typographen dieser Stadt, soweit sie durch Er-
zeugnisse ihrer Pressen bis auf unsre Zeit gekommen sind, eine
nur geringe. Ohne Gefahr, einer zu weiten Ausdehnung des Stoffes
anheim zu fallen, haben wir in Vorstehendem die bekannten Ulmer
Typographen des 15. Jahrhunderts sämmflich in ihrer Thätigkeit
veranschaulicht, während aus dem i6. Jahrhundert nur noch wenige
hinzuzufügen wären; nämlich:
Matthes Hoffischer um 1522 bis 1536; Oswald Gruppenhach
von Tübingen 1563 bis 1569; Paul Hiebner von Dillingen 1570 bis
1578; Johann Anton Uhlhard 1579, dessen Sohn Johann Uhlhard
im siebzehnten Jahrhundert das Geschäft fortsetzte.
Als Verla gshuchhänfUer bethätigte sich zu Ulm in den
achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts der Venediger Justus de AI-
bano, auf dessen Kosten Johannes Reger in der ersten Zeit seiner
typographischen Thätigkeit diuckte.
Andere Namen sind uns noch durch Urkunden Ulm's über-
liefert, ohne dass Zeugen ihrer Thaten zu finden sind, wonach
ihnen ein gewisser Platz in der pragmatischen Darstellung an-
gewiesen werden könnte. Auch diese mögen hier eine Stelle finden.
Es werden darunter als Huchdrncher genannt: ^0^1484; Aiam
Planck i486; Jörg 1493; Ulrich Sawter 1488 bis 1499; und um die-
selbe Zeit Simon Wind von Kirchberg und Johann Hoch^pring\ Jo-
hannes Zorell 1528. — Als Buchhändler ferner: Ulrich 1476 bis
1495; Conradin 1494; Icarius Oellin von Blaubeuern« und schliess-
lich Conrad Mantz, der 1475 das erste Buch zu Blaubeuem gedruckt
hatte. —
erflaii5unQS=CilcrQtur f^xi Hfm.
1. „Der Aller-Durchleuchtigste Ritter . . . Theurdanck . . . Ulm 1679,
zu finden bey Matthäo Schuhes, Druckts Matthäus Wagner.'
NB. Wir haben dieser Ausgabe mit den Holzschnitten von den Originalstorken
schon auf Seite 279 No, 7 Erwähnung gethan. —
2. Hassler. Die Buchdruckergeschichte Ulm's. Ulm, Verlag der
Stettin'schen Buchhandlung 1840. —
3. Gutenberg- Album. Zur Erinnerung an das vierte Säcularfest der
Erfindung der Buchdruck erktmt. Ulm 1840. —
4. Verzeichniss alter Druckdenkmale der Bibliothek zum H. Mang
in Füssen. Ulm 1790. —
i
— • Nürnberg. — ^yj
'SlflrnDerg
- Nuremberga, —
1470 biö 1473.
Johann Sensenschrmd von Eger ist jener bedeutende Typo-
graph, den wir schon auf Seite 88 und 89 unter Bamberg kennen
lernten, wohin er später übersiedelte, nachdem er ein Jahrzehnt
vorher in Nürnberg die Typographie eingeführt hatte,
Heinrich Kefer von Mainz ist ein früherer Gehilfe Gutenberg's,
welcher aus der Mainzer Process- Urkunde /^«j^ contra Gutenberg
vom Jahre 1455 in Gemeinschaft mit Berthold von Hanau, den wir
unter Basel schon antrafen, als solcher documentirt ist.
Vom Jahre 1474 erscheint Sensenschmid bereits mit einem an-
dern Gesellschafter, Andreas Fr isner von Wunsiedel und Kefer
verschwindet vom Schauplatze. Die neue Gesellschaft dauert bis
zum Jahre 1478; darauf ging Frisner nach Leipzig^ wurde dort
Professor der Theologie und seit 1482 Rector der Universität. Dass
man ihm auch den ersten Leipziger Druck von 1481 „Annii Viter-
biensis Glosa in Apocalypsim" zuschreibt, ist eine Vermuthung, die
auf sehr schwathen Füssen steht. Sensenschmid s fernere Wirksam-
keit haben wir bereits unter Bamberg Seite 88 & 89 weiter verfolgen
können. —
No. 715.
<Sol)annr9 dSerfon: ^^i!9e fpiritualibtid nuptUd feu opudculum
fuper cantica cauticorum*^
Nürnberg^ Sensenschmid & Kefer, 1470« Klein Folio-Format.
Der fsTHte Nürnberger Typograph Johann Sensetisclmnd, aus Eger gebürtig, tritt
«ns hier mit seiner ersten Leistung entgegen, bei der er ebenso seinen Namen
verschweigt wie bei einem zweiten Druckwerke, dem Comestorium vitiorum des
Franciscus de Ketza, das dieselbe Jahrzahl tragt.
Welches von beiden Werken zuerst die Presse verlicss, ist zwar nicht mit Be-
stimmtheit zu sagen, muthmasslich aber ist es das vorliegende kleinere von nur
39 Blättern. Die ziemlich grossen Typen, von denen Braun auf Tafel V No. VIII
unter der Bezeichnung „Characteres Norimbergenses" ein gutes Alphabet gegeben
hat, sind besonders in den Majuskeln sehr originell.
Dass Sensenschmid & Kefer die Drucker sind, ist durch eine mit gleicher Type
gedruckte Ausgabe der Moralia Gregorii in Jolmm erwiesen, die gleichfalls Nürn-
berg als Druokort und die Jahrzahl 1471 enthält. Hierin befindet sich nämlich ein
Register, das mit denselben Typen gedruckt ist, mit denen die unter Nummer 718
vorkommende Pantheologia Reyneri mit Firma und Datirung von Sensenschmid &
Kefer 1473 gedruckt ist. Diese verdienstvolle Entdeckung, wodurch zugleich fest-
22
^^8 — Nürnberg. —
gestellt ist, dass Sensenschmid & Kefer die ersten Nürnberger Drucker sind, verdanken
wir Panzer in seiner Buchdmckergeschichte Nümberg's 1789 No. 1 bis 8. —
Wie der Titel dieser Kritik des Hohen Liedes Salomonis „über geistige Ehe* schon
errathen lässt, liefert der berühmte Pariser Kanzler Gerson darin eine der häafigen
mystiBch-religlosen Auslegungen jener Dichtung, welcher Herder eine bekannte Ab-
handlung unter dem Titel „Lieder der Ldebe, die ältesten und schönsten aus dem
Morgenlande", Leipzig. 1778, gewidme*. hat. Hain 7715. —
No. 716.
Smtix ISonaofiituraf ^,1@rfmloquium fcptcm conflans partibus
be facra fcriptura".
Nürnberg^ Sensenschmid & Kefer, 1472. Klein Folio-Format.
Das Breviloquium behandelt sieben Materien der Heiligen Schrift Es ist nüt
derselben Type gedruckt wie die vorige Nummer. Am Schlüsse ist wiederum nur
Druckort und Jahrzahl angegeben, die Drucker fehlen. Hain No. 8472. —
No. 717.
ßo\)mniB it ^rrfon ^,®ractatii0 be rrguUs manbatorum".
Nttmbergy Sensenschmid & Kefer, circa 1472. Klein Folio-Format.
Dieser Tractat ist mit derselben Type gedruckt wie die vorigen. Er ist inter-
essant wegen einer Einschaltung, die sich zwischen Blatt 16 und 17 auf einem halben,
einseitig bedruckten Blatte befindet. Wichtig ist auch die in unserm ExempUre
befindliche Jahrzahl des Rubricators: 147», Mit dem von Hain No. 7646 nicht
erwähnten leeren Schlussblatte zählt das Werkchen 20Va Blätter. —
No. 718.
Äri)nm bc |8i|ts ^^3umma Sll^fologiaf ffu JJant^f0l09iÄ^-
Nürnberg^ Sensenschmid Sc Kefer, 1473.
2 Bände in Gross Folio-Format.
Dieses voluminöse Opus von 1720 Folioseiten bildet das hervorragendste Druck-
werk der Firma Sensenschmid & Kefer, zugleich einen der schönsten und frühesten
Nürnberger Drucke überhaupt, mit der kleinen Type Sensensclmiid^s hergestellt.
Das Werk enthält eine alphabetische Sammlung alles Dessen, was die berühm-
testen Theologen, Schriftausleger und Canonisten, natürlich vor der Zeit, in welcher
der Verfasser lebte, geschrieben haben. Letzterer war ein Dominikaner und lebte
um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Hain No. 13 Ol?i. —
Hier nun müssen wir vorläufig von dem Drucker Sensenschmid
Abschied nehmen, dessen letzten Druck in der Gesellschaft Heinrich
Kefer's wir in obigem „opus vastum" — wie Panzer sagt — kennen
gelernt haben, an dessen jedenfalls bedeutenden Kosten die Druckerei
vermuthlich sich verblutet hat. In der chronologischen Folge wer-
den wir die neue Association: Sensenschmid dt Frisner mit dem
Jahre 1474 wieder einführen. —
— Nürnberg. — ^7g
3ot)atnie0 ^rgtomontanua otrrr Irr ptontrregio^
eigentlich
3oI?ann Wtüller von iRSnigeberg in Sranfcti;
au* lHolitor, iRunepcrg, ^o^^annce (Bermanue
unö 3cfl}cint\c& Srancu6 genannt,
1471 bie 1474.
Einer der ausgezeichnetsten älteren Mathematiker Deutschland's
Hess er sich 1471 in Nürnberg nieder und errichtete mit pecuniärer
Hülfe eines reichen Nürnberger Bürger's, Bernhard Walther, eine
Druckerei, in welcher zum Zwecke der Förderung mathematischer
Wissenschaft verschiedene dahin einschlagende Werke gedruckt
wurden und die wegen der Correktheit der daraus hervorgegangenen
Bücher berühmt ist. —
No. 719.
Johannis Regiomontani „Ephemerides astronomicae ab
anno 1475 ad annnm 1506".
Nürnber^^ Johannes Regiomontanus, 1474« Quart-Format.
In diesen sogenannten „Ephemeriden*^ legte der gelehrte Regiomontanus seine
astronomischen Beobachtungen nieder, indem er in taglichen Tafeln die Constellation
der Gestirne bis zum Jahre 1506 voraus verzeichnete.
JDie Exemplare dieser Original- Ausgabe sind so selten f dass Panzer im Jahre
1789 bei Abfassung seiner Nürnberger Buchdruckergeschichte noch schrieb: ^Man
hat, soviel ich weiss, bisher noch kein Exemplar davon entdecken können**. Er selbst
beschreibt dann ein von ihm auf der Nürnberger Stadtbibliothek entdecktes Exemplar,
-welches incomplet war und nur bis zum Jahre 1500 reichte, woriu dann auch das
Schlussblatt mit der Jahrzahl fehlte.
Seitdem ist freilich durch Denis Supplement pag. 41 das Exemplar der Wiener
Küserlichen Bibliothek und durch Hain No. 13 790 dasjenige der Königlichen Biblio-
thek zu München angezeigt worden, dennoch zahlen ganz complete Exemplare zu
den Seltenheiten ersten Ranges. Man vergleiche auch die Ulmer Ausgabe der Ephe-
meriden unter No. 710, die eine -wichtige Fortsetzung der vorliegenden bildet.
Unser Prachtexemplar ist noch heute wie neu erhalten ; die Ausfüllung der zahl-
reichen astronomiechen Zeichen in dem ziemlich voluminösen Werke soll übrigens
von des Verfassers und Druckers eigner Hand sein, da schwerlich ein Anderer dazu
die nöthigen astronomischen Kenntnisse gehabt haben dürfte ; sie sind äusserst sauber
und gleichmässig mit leuchtand rother Tinte eingeschrieben. —
filtern ^ober^er ober ^oburöft,
1472 bi0 1513.
Von den höchst mannichfachen Formen, in welchen sich der
Name des berühmten Druckers ausgedrückt findet, sind obige die
22*
340
Nürnters:. —
»•
gebräuchlichsten; es finden sich auch folgende Schreibweisen vor:
Kohberger, Kol)urgus, Koburgius, Coburgus, Cobergus, Coubergus,
Copergius, Compergius, Conpergius, Cobergerius, Cobyrgius, Co-
burgensis.
Von dem gleichzeitigen, gelehrten Pariser Drucker Jodocus
Badius , der ihm seine Ausgabe der Briefe des Polilianus von 1499
dedicirte , stammt die Bezeichnung Koburger*s als eines , »Königs
der Buchdrucker'* her. Wenn man die colossale Ausdehnung des
Koburger'schen Geschäftes betrachtet, so findet man dieses Schmeichel-
wort allerdings gerechtfertigt.
Nach den ältesten Nachrichten, die der gleichzeitig lebende
Neudörffer in einem Manuscripte über die vornehmsten Künstler
und Werkleute Nürnberg's giebt, hatte Koburger „täglich mit 24
Pressen zu drucken; darzu hielt er über loo Gesellen, die waren
einestheils Setzer, Correctores, Drucker, Posselirer, JUuministen,
Coipponisten , Buchbinder". Die Gesammtzahl der von der Ko-
burger'schen Offizin gelieferten Drucke beläuft sich auf 220 meist
starke Werke in gross tem Folio.
Vergleicht man hiermit die Thätigkeit Johann OporirCs zu Basel»
wie wir dieselbe auf Seite 231 & 232 schon geschildert haben, so
ergiebt sich ein merkwürdig difFerirendes Resultat. Während Oporin
in der Zeit des Höhepunktes seiner Thätigkeit nur etwa 50 Ar-
beiter beschäftigte, lieferte er dennoch in 28 Jahren mehr als 750
Druckwerke; also mit der Hälfte der Arbeiter in Vs cler Zeit bei-
nahe 3Va mal soviel als Koburger.
Das Verhältniss der Productivität Koburger's zu Oporin würde
sich demnach auf etwa i : 9 stellen. Dagegen waren Oporin's Ver-
mögensumstände als er starb zerrüttet, und Koburger hatte sich,
nach Neudörffer, „ein grosses Vermögen erobert". Zieht man nun
die geistige Richtung, den Inhalt der Werke dieser beiden Drucker
in vergleichenden Betracht, so findet man in Koburger's stolzen.
Folianten neben der bis zum Ende des 15. Jahrhunderts fünfzehn
Mal bei ihm aufgelegten Bibel, die Scholastiker und besonders jene
dickleibigen Encyclopädieen, welche unter verschiedenen Titeln wie
Summa, Glossa, Speculum, Catholicon die Gelehrsamkeit jener Zeit
alphabetisch aufspeicherten.
Während hier also die Tendenzen des Mittelalters sichtbar
vorherrschen und ihr Vertreter zu Ehren und Reichthum gelangt,
sehen wir bei Oporin, um ein Menschenalter später, den Humanis-
mus die herrlichsten Blüten treiben, und ein unermüdliches Ringen,
gepaart' mit glänzendem Wissen von äusseren Erfolgen gänzlich
im Stiche gelassen. Sollte hieran die Schuld Oporin's schlechter
— Nürnberg. — 34 1
Wirtbschaftlichkeit allein zuzumessen sein? Dieses Urtheil möchten
wir nicht unbedingt unterschreiben. Das stattliche Druckhaus Ko-
burger' s in Nürnberg existirt übrigens noch heute ziemlich unver-
ändert. —
No. 720.
(Sualtfruö 18urlacu0: ^,©f uita rt moribuö |9l)ilofopl)orum
et poetarum**.
Nürnberg 5 Anton Koberger, circa 1472« Folio-Format.
Wir haben diese ohne Firma und Datiruog gedruckte Ausgabe der ältesten
Geschichte der Philosophie, sowie auch das folgende Werk bereits unter No. 199
als mit den ältesten Koberger'schen Typen gedruckt bezeichnet, bei welcher Gelegen-
heit wir auch eine längere Auseinandersetzung über die auffallende Aehnlichkeit
dieser Typengattung mit denjenigen von drei andern Typographen gegeben und von
den dadurch hervorgerufenen Verwechselungen der Bibliographen gebandelt haben.
Hain No. 4118. Ist mit dem Folgenden zusammengebunden.
No. 721.
€ljri|liantt0 l^onoriuö: ^,?ibri tre» be Smagtnc munbf*.
Nürnberg j Anton Koberger, circa 14 7 2« Folio-Format.
Mit denselben Typen gedruckt wie das vorhergehende, gleichfalls ohne Druck-
firma und Datirung und mit diesem zusammengebunden. Wie letzteres die erste
Geschichte der Philosophie enthält, so ist dieses als erste gedruckte „Geographie**
zu betrachten, denn so wird man die den ersten Theil des Werkes bildende all-
gemeine W«ltbeschreibung nennen dürfen; im zweiten Theile ist von der Zeit imd
ihrer verschiedenen Eintbeilung gehandelt, und der dritte Theil giebt eine kurze
Chronik vom Anfang der Welt bis auf Conrad III., deutschen Kaiser, zu dessen
Zeit im 1?. Jahrhundert der Verfasser gelebt haben soll. Hain No. 8800. —
No. 722.
^^ibüa facva latina."
Nürnberg^ Anton Koberger, 1475« Gross Folio-Format.
Höchst seltene lateinische Bibelausgabe, die nicht nur die erste von den 15 ver-
schiedenen Ausgaben ist, die Koburger im 15. Jahrhunderte hergestellt hat, sondern
auch die erste datirte Nürnberger Bibel; sie ist noch mit denselben ältesten Koburger-
schen Typen gedruckt wie die beiden vorhergehenden Nummern, nur dass, wie wir
bemerkten, hier noch eine Art von jD und <S ausser der gewohnlichen Form dieser
Buchstäben vorkommt. Hain No. 3056. —
No. 723.
^ntonint ^rd)lfpi('copi 3Florentini ^^3umma Sl^eologica^^
Nürnberg, Anton Koberger, 1477 bis 1479.
4 Bände in grösstem Folio-Format.
In dieser Editio princeps der Summa des Antoninus, Krzbischofs von Florenz,
in ihrem gewaltigen Umfange nur den Mentelin'schen „Speculis" vergleichbar, haben
342 — Nürnberg. —
wir das grösste aller Kobarger* sehen Druckwerke vor uns. Unter No. 595 fährte
wir schon die Venediger Ausgabe des Micolaus Jenson an, die mit der vorUpgenden
gleichzeitig gedruckt, aber doch ein Jahr später vollendet wurde, weshalb wir jene
als Editio princeps secunda bezeichnen können.
Die hier in Anwendung gebrachte ztceite Koburger^sche Typengattung ist eine
ziemlich grosse, sehr deutliche und schöne gothische Schrift, durch welche das ganze
imposante Druckwerk ein überaus prächtiges Ansehen erlangt, welches selbst die
unstreitig schöne Ausgabe Jenson^s in den Schatten stellt. Die stark mit Gold be-
legten Initialen sind von ausserge wohnlicher Grösse, und das ganze Riesenwerk
durchgehends wie neu erhalten. Hain No. 1242. —
No. 724.
^etrus iBanbulfen: ^«Melatio be obfibione nrbid ül)obUe all
3Fribfricum jJmperatorrm^^
Nürnberg, Anton Koberger, 1480. Ein Blatt in Gross Folio-Format.
Dieser höchst seltene Einblalldruric ist von keinem Bibliographen gekannt
Kr enthält zwar die Firma Koberger's nicht, ist aber zweifellos sein Produet, denn
er ist mit denselben kleinen gothischen Typen, wie untern Andern die in nächster
Nummer beschriebene ,Biblia cum postillls Nicolai de Lyra" von 1481 gedruckt
Das Gross foUo- Blatt ist nur auf einer Seite in 84 Zeilen gedruckt und beginnt:
„jdereniffimo oc ^nnictifftmo pnctpi i bno nro * hno irriberiro || Komonoct ^nyrrtitori
frmji Slagufio: biio nobiB obfrrnäbifftmo" Der Schluss lautet: ,,Datn Hljobi • bU beci*
niatrrria ntrnflB drptebris • 3lnno u • Irrr. || i§amil(B feraitorrB: JlrtruB banbolfro J
luogiflerliorpilnlis Jjierrra. <5t afilin." —
Hain iührt unter No. 5928 eine Ausgabe dieses Briefes von 5 Blattern in Quart
an, nennt aber den Verfasser Petrus Danhusen, ihn wahrscheinlich mit dem Nürn-
berger Gelehrten, den wir unter No. 740 noch kennen lernen werden, verwechselnd.
Der Verfasser des obigen „Berichtes über die Belagerung der Insel Rhodus an den
Kaiser Friedrich" ist jedoch eine ganz andere, historisch sehr interessante Persön-
lichkeit. Er war Ordensmeister der Johanniter -Ritter, welche sich nach ihrer Ver-
treibung aus Palästina im Jahre IBC'9 auf Rhodus niedergelassen hatten, sich gegen
die unausgesetzten Angriffe der Türken mannhaft wehrten, dennoch aber 1B89 run
den Türken vertrieben und gezwungen wurden, sich auf Malta niederzulassen, daher
denn auch die Namen Rhoil'^er imd Malteser für die Ritter desselben Ordens gleich-
zeitig gebräuchlich sind.
Im Jahre 1480 nun wurde Rhodus einmal wieder von den Türken heimgesaeht,
und Petrus. Danhussen war es , der damals als Ordensmeister die kluge und mann-
hafte Vertbeidlgung der Insel leitete, sodass die Pläne der Türken zur Zeit ganxlicli
zu Wasser wurden. Wir sind in der angenehmen Lage, in Beziehung hierauf eine
interessante Notiz zu geben. Es findet sich nämlich die ganze Geschichte dieser
Belagerung in dem seltenen und wichtigen Reisewerke des Bertihard von Breidenbucb,
wovon wir die ersten Ausgaben unter Mainz No. 42 & 43 antührten. In dem vor-
letzten Capitel nämlich ,,Don hrr flatt Itobiß mit |le oon hen Snrdtrn »orb beleDfict
onb onberflonben }n grnqnnen^' werden die einzelnen Umstände dieser Fehde mit be-
sonderer Würdigung der Verdienste des Hauptes der Johanniter-lÜtter, „Petrus Dan-
busson vss franckrik", nach Andern : Pierre d'Aubusson, ausführlich geschildert. Für
diese Geschichte der Rhodiser Belagerung liefert nun die vorliegende Original- Urkunde
l'anbussen's eine treffliche Ergänzung, und es ist uns in der That angenehm, den
Zusammenhang dieser geschichtlichen Denkmale aufgefunden zu haben. — ■
— Nürnberg. — 343
No. 725.
,,1Btblia lattna cum |9o|ltUt0 l^icolat be ft^ra.''
Nfimberg^ Anton Kobcrger, 1481« 3 Bände in Folio-Format.
Es ist dieses die erste von den fünf verschiedenen Ausgaben der Bibel, die
Koburger mit den Glossen des Nicolaus de Lyra im Ganzen gedruckt hat. Sie ist
mit derselben lileinen gothischen Type gedruckt, wie die vorige Nummer. Bei den
grossen Typen der Ueberscliriften wollen wir auf ein ganz sonderbares 3 aufmerk-
sam machen, das hier wie dort vorkommt; es ist dieses ein „Specificum Kobergianum".
Von allen Bibelausgaben mit der Postille ist dieses übrigens die einzige^ welche
Holzsehnitie enthält; und zwar ist es nicht nur der erste Band, in dem dieselben
vorkommen, wie Panzer in seiner „Geschichte der Nürnberger Bibelausgaben" Seite 60
angiebt, sondern es finden sich auch deren im zweiten Bande. Nach genauer Zah-
lung enthält der erste Band 2ß — nicht 23, wie Panzer sagt — von denen 4 blatt-
gross sind; der zweite Band enthält Iß, darunter wieder 4 blattgroBse; im dritten
Bande aber sind keine anzutreffen. Weshalb Hain diese erste Koburger'sche Aus-
gabe nicht unter die „Bibeln'^ setzte, wie er bei den Glossen des Lyra, welche den
Bibeltext mit enthalten, sonst gethan hat, ist nicht ersichtlich. Man konnte deshalb
zu der Annahme verführt werden, dass der Bibeltext hier nicht vorhanden sei.
Dieses ist jedoch der Fall, obgleich er nicht durch verschiedenen Druck ausgezeichnet
ist, sondern mit der Glosse fortläuft und nur mit Klammern eingeschlossen ist. Man
findet die Ausgabe bei Hain unter No. 10369. —
No. 726.
^ol)anni0 ^nnB <?cott ^)<3criptum in quatuor libras
5rntrnttarttm^^
Nürnberg^ Anton Koberger, 1481. 4 Theile in einem Bande.
Folio-Format.
Diese Ausgabe des Commentars des Duns Scotug zu den vier Bücher Sentenzen
des Petrus Lombardus ist mit derselben Type wie die vorige Nummer gedruckt.
Hain No. 6417. —
No. 727.
CSuUiflmi i0uranbi ^^MationaU blmnorum ofpciorum^^
Nürnberg^ Anton Koberger, 1481. Folio-Format.
Auch .diese prächtige Ausgabe des Rationale ist mit derselben Type wie die
vorigen Nummern gedruckt; sie ist die zweite, welche Koberger herausgab. Die
erste erschien 1480, eine dritte 1494. Hain No. 6486. —
No. 728.
^^^it neunte iSmtfd)e JUbel/^
Nürnberg^ Anton Koberger, 1483. Gross Folio-Format.
Diese höchst seltene Bibel- Ausgabe ist zugleich die einzige deutsche, welche
von Koberger gedruckt worden ist; sie ist jedoch eine der schönsten. Von den
:110 Holzschnitten — nicht 107 wie Panzer in seiner „Geschichte der Nürnbei^er
Bibelansgaben*' Seite 68, auch nicht 1C9 wie Ebert angiebt — ist es bekannt, dass
344
— Nürnberg. —
sie identisch mit denen der ersten CÖlnev Bibel im Niedersächsischen Dialekte untar
Nu. 842 unserer Sammlung sind ; mit einer Einschränkung jedoch. Es fehlt nämliih
in vorliegender Ausgabe die sich neunmal wiederholende kleine Abbildung, -welche
dort zu Anfang der Episteln su finden iat; während dort von den hier vorhandenen
8 Abbildungen cur Offenbarung Johannis nur eine, die erstet bemerkt wird, die
andern aber fehlen. Die Holzstöcke sind übrigens in Cöln zunächst für die Niecer-
sächsische Bibel hergestellt, wofür auch schon die Ansicht des Cölner Domes auf dem
Holzschnitte Blatt 216 im Propheten Esra spricht.
Wir finden aber bei Panzer in seinen Annalen No. 13 erwähnt, dass es rer-
schiedene Exemplare der „Cölner Bibel'' gäbe; solche, in denen die Abbiidungeii sar
yvpocalypse fehlen, und solche, in denen sie vorhanden sind; möglich ist es also,
dass in andern Exemplaren eine vollkommene üebereinstimmunp' der Holzschnitte
obwaltet. Die Type, mit welcher das Werk gedruckt ist, nähert sich bereits der
Fractur und der ganze Druck fällt sehr schön in's Auge. Hain No. 8137. —
No. 729.
„fBif Srformatton ber Ätabt Nürnberg/*
Nttmbergy Anton Koberger, 1484« Klein Folio-Format
Die allererste, höchst seltene Ausgabe der Nürnberger Reformation* Sie ist mit
den Typen der Bibel von 1488 gedruckt; es sieht jedoch auch die Notiz über den
Drucker auf der Rückseite des ersten Blattes nach dem Register. Die Ausgabe ent-
.hält 114 Blätter, von denen das letzte leere Hain No. 13716 nicht angiebt. Das
erste auf der Vorderseite leere Blatt zeigt auf der Rückseite einen schönen blntt-
grossen Holzschnitt, auf welchem der heilige Lorenz ^ der heilige Sebald und die
drei Nürnberger Wappen, der Reichsadler, der Jungfemadler und das StadMtappm,
abgebildet sind.
Eigenthümlich ist es, dass die Titel zu diesen Gesetzen Nürnberg^s bereits .5 Jahre
früher im Druck erschienen, während zimi Gebrauche der Gesetze selbst solange
noch Manuscripte dienen mussten. Wir besitzen auch von der vorzüglich seltenen
ersten Ausgabe dieses Registers von 1479 ein Exemplar, welches wir am Schlosse
von Nürnberg beschreiben werden, da es zu der vorliegenden ersten Ausgabe der
Reformation ein willkommenes Agens bildet, obgleich die »Titel" nicht in Nürnberg,
sondern, wie wir durch Vergleichung der Typen feststellten, bei Conrad Fyner in
Esslingen gedruckt wurden. —
No. 780.
J>al)annt0 be <?antta ^,€atl)0Uc0tt**.
Nümbergr^ Anton Koberger, i486« Gross Folio-Format.
Vorliegende ist die zweite Ausgabe, welche Koberger von diesem bekannten
Werke gedruckt hat; im Jahre 1483 erschien die erste von ihm gedruckte.
Die Typen sind eine neue Art Gothiseher Schrift mit einem merkwürdig ge-
formten A und eingestreuten altgotiiischen Majuskeln. Hain No. 2258. —
No. 731.
Hleffretl): „^ertnonra be tempore et be ("anctla''.
Nfimber^, Anton Koberger, 1487. Folio-Format
Diese Predigten sind wieder mit einer anderen, kleineren gothischen Type ge-
druckt. Ein Alphabet dieser Schriftgattung findet man in Gras^ Büchenn«rkwürdig-
keiten auf Tafel 5 No. 4; es ist die kleinste Koberger'sche Type. Hain No. 11 004.—
— Nürnberg. — ^^^
No. 732.
^^tx 3d)a^bcl)altcr ober fd)rcm bcr taarni rci(^tl)fimfr
Nttmberg^ Anton Koberger, 1491« Folio-Format.
Dieses bekannte Werk ist ein .Andachtsbuch", das eine sehr ausfülirlicliv Lehr»
von Christus enthält. Es ist mit der Type der deutschen Bibel Koberger's sehr
schön gedruckt; das Berühmteste davon sind jedoch die schönen blattgrossen HolZ"
achnitte des Meister Wohlgemut. Die Zalil derselben wird überall unrichtig an-
gegeben; wir zahlen nicht 94, auch nicht 95, sondern 06*.
Die Richtigkeit der letztern Zahl geht auch aus folgender Rechnimg hervor: 87
der Abbildungen sind nummerirt; ausserdem sind von denselben noch /ün/ doppelt
vorhanden (No. 85, 89, 46, 71, 68); zwei unnummerirte Holzschnitte (die linke und
die rechte Hand) gehen voraus, und zwei dergleichen folgen nach. Diese Rechnung
ergiebt die Zahl 96. Hain No. 14 507. —
No. 733.
Publius Virgilius Maro: „Opera cum commentariis".
Nürnberg, Anton Koberger, 1492. Folio-Format.
Diese Ausgabe der Werke des Tirgil hat die Commentare des Servius, Donatus,
Landinus und Domitlus Calderinus; sie ist in Antiqua von zweierlei Grössen ge-
druckt. Fehlt bei Hain, wie der ganze Artikel Yirgil. —
No. 734.
^«ii^giftrr be0 || budje ber Cro{|nikcn üttb grfd)ict)tcn, || mit
figurf unb pilbniif |ffu tion anbegin bcr uielt || bie auf bicfc
tinffrf |eit.^^
Nfimberg^ Anton Koberger, 1493, Gross Folio-Format.
Die erste deutsche Ausgabe dieser berühmten Chronik Dr. Hartmann SchedeVs
die in demselben Jahre wie die lateinische Original-Ausgabe erschien und jedenfalls
schon vor Beendigung des Druckes der letzteren von dem Uebersetzer Georg Alt,
Losungschreiber zu Nürnberg, begonnen wurde; denn es ist nicht anzunehmen, dass
Uebersetzung und Druck in den fünf Monaten, die zwischen dem Erscheinen beider
Ausgaben liegen, hätten beendet werden können.
Das Viele, was über den Inhalt dieser Chronik und über die etwa 2000 Holz-
schnitte von Wohlgemut und Pleydenwurf schon gesagt ist, lasst ein näheres Ein-
gehen darauf überflüssig erscheinen. Wir beschränken uns darauf, zu erinnern, dass
der Druck dieser Chronik durch Einfügung der den Text auf mannichfache Art in
Ranken und Arabesken unterbrechenden Holzschnitte, ein sehr complicirter gewesen
sein muss, und dass dazu eine neue, schöne Schwabacher Type angefertigt wurde.
Der wunderbare Schnitzer, der dem Uebersetzer durch Verwechselung der latei-
nischen Vocabeln „vespillo" und „vespertilio" passirte, in lern er aus den Leichen^
trägern des ermordeten Kaiser Domitian, Fledermüuae machte, die seinen Leich-
nam hin wegtrugen , möge der Curiosität halber hier noch angeführt sein. Die be-
treffende Stelle auf Blatt cix lautet: „aber 3U le^t xoaxbt er auö ö5tlicl7er
ver^eiiöfnuö von feen feinen In feiner fd^lafPamnicr crfclHööen vwb
fein leic^^nam feurd? feie flefeermeirfe vertragen vnt> fdjentlid? In'örabcn."
^^6 — Nürnberg. —
Sotbane „Flederm&use" sind denn auch sorgsam in den späteren Ausgaben von
Schönsperger in Augsburg conservirt worden; Ja selbst der schwenkfelderiscbe St'
Bastian Franck von Woerd hat in seiner ,, Chronica oder Zeitbucb** durch cu gewissen-
hafte Benutzung der Uebersetzung des Schederschen Werlces dieselben Thierchen
wieder vorgefahrt, wo sie denn in den Ausgaben von Strassburg 1^31 und Ulm 153ß,
die unsere Sammlung ebenfalls aufweisst, vei^nüglich herumflattern. —
No. 735.
^^MtiHtm II ntalrftcarum/^
Nürnberg, Anton Koberger, 1494. Quart-Format
Diese Ausgabe des «Hexenhammer" zeigt wieder eine neue, sehr hübsche, gothiscbe
Typengattung. Bibliothekar Gras hat sie auf Tftfel 6 No. 6 seiner «Bächennerk-
würdigkeiten« treffend facsimilirt. Ueber das von den Inquisitoren Jacob Sprenger
und Henricus Institoris verfasste Werk selbst sprachen wir schon bei der Ausgabe
von Johann Pryfs unter No. 286 unserer Sammlung. Hain No. 9245. —
No. 736.
^»«piptoU (fnrr filuij.'*
Nürnberg, Anthon Koberger, 1496. Quart-Format.
Diese Ausgabe zählt zu den vollständigen, welche 433 Briefe enthalten. Die
Sammlung der Briefe des Aeneas Sylvius, spätem Papstes Pius II., die derselbe cum
Theil noch als Qeheimschreiber Kaiser Friedrich^s III. und später als Cardinal ge-
schrieben, sind fär die kirchliche, politische und gelehrte Geschichte des 15. Jabi^
hundert's noch heute von dem höchsten Interesse. Koberger hat sie dreimal gedraekt
Der Herausgeber ist Nicolaus von Wyle, den wir unter No. 249 unserer Sammlung
bereits als verdienstvollen Uebersetzer gewürdigt haben. Die Typen sind bis auf
den gothischen Titel römisch. Hain No. 156. —
No. 737.
^,5umma quc |9r|lnictoj|rium tJiciorum apprlla^.^^
Nürnberg^ Anton Koberger, 1496. Folio-Format.
Ist mit derselben zierlichen Type gedruckt wie der Malleus maleflcarum unter
No. 736. Nach Clement I pag, 178 soll dieses Werk wegen verschiedener scharfer
Ausfälle gegen die Geistlichkeit von der letzteren geflissentlich unterdrückt worden
und deshalb sehr selten geworden sein. Der Verfasser ist ein Engländer, Alexander
Fabricius, der im 16. Jahrhunderte lebte. Hain No. 652. —
No. 738.
Decii Jurii Juvenalis „Satyrae cum commentariis".
Nürnberg, Anton Koberger, 1497. Folio- Format
Der Commentar ist von den drei Gelehrten Mancinellus, Calderinus und Vall«
verfasst. Die Ausgabe ist Nachdruck der Venediger von 1492. Romische Schrift
von zweierlei Grosse. Hain No. 9711. —
— Nürnberg. — ^^.y
No. 739.
^,5untma ^ngcllca bc ca||(ibiie confcirntie cum ab || bltionib'^
nouilfr abbitie/^
NVmbergr^ Anton Koberger, 1498* Folio-Format.
Mit der kleinsten gothischen Type Koberger^s wie Meffreth: „Sennones" unter
No. 731 gedruckt. — Den Verfasser des Werkes, Angeius de Clavasio, kennen wir
bereits durch die Ausgaben von Martin Flach in Strassburg unter No. 2(i8 und 218
unserer Sammlung. Hain No. 5400. —
No. 740.
„duilljfnni biui |Jart(ifn[ftö rptfcopi oprrd . be fibf . Ugi-
bu0 . II bf tjirtuttbuö . mortbua • utcijs • pfcca||tis • trmpta-
lionibua • rr (tftrntijs • me | ritt» • rttributionibua et tmmortalt-
tate anime.**
Nürnberg^ angeblich Anton Koberger, circa 1496* Folio-Format.
Von dieser Ausgabe hat der Gelehrte Fre>'tag in seinem Adparatus III pag. 803 ff.
eine sehr lange Beschreibung gemacht, in \r elcher er behauptet, die Ausgabe wäre
gOhne Zweifel aus Koberger^s Oflicin im Jahre 1496 herausgekommen. Dies würde
bezeugt durch einen Brief des Herausgebers Peter Danhauser an Theodoricus Ulsenius
mit dessen Antwort, die dem Buche vorangingen". Und er lässt nun den ganzen
langen Brief und die Antwort wörtlich abgedruckt folgen.
Panzer hat sich in seiner Nürnberger Buchdruckergeschichte No. 249 und in den
gAnnales" II pag. 221 No. 269 wiederholt auf die Notiz Freytag^s bezogen und gesagt,
dass Letzterer die Ausgabe j^mit allem Rechte Koberger zueigne*^ und dass ^dieses
aus den beiden voranaiehenden Briefen erhelle'^. Yei^eblich aber haben wir beide
Briefe durchlesen, um eine Stelle darin zu finden, die darauf Bezug haben könnte;
wir fanden nicht das Mindeste, was darauf deutet, dass die vorliegende Ausgabe von
Koberger gedruckt sei.
Das Einzige, was daraus zu entnehmen, ist die Jahrzahl 1496, welche am
Schlüsse der Antwort des Ulsenius zu lesen ist. Wahrscheinlich hat auch Freytag
sein „testatur id" nur auf den unmittelbar vorhergehenden Satz „anno 1496 euulgata
fuit" beziehen w^ollen, während das voranstehende „sine dubio ex offieina Antonii
Koburgeri" nichts w^eiter als eine starke Yermuthung sein kann. Panzer's miß-
deutende Bestätigung hat darauf aber die Sache zur Evidenz erhoben, obwohl nichts
weniger als erwiesen ist. dass diese Ausgabe Koberger's Werk war.
Dies zeigen folgende Bedenken: Man findet in dem Werke drei verschiedene
Tjpengattungen, die alle drei in keinem andern Produkte Kobergers wieder erscheinen.
Die erste Zeile des obigen Titels ist mit einer ganz besonderen Missalschrift gedruckt,
deren Charakter wir in mancher andern Druckerei wiederfinden, nur bei Koberger
nicht! Zum Exenipel bcsass diese Schrift ein anderer Nürnberger Drucker, Qeorg
Stuchs von Suhlach, der sie in der Vorrede seines „Missale" von 1492 anwandte;
sollte also das Werk in Nürnberg gedruckt sein, was man wohl vermuthen könnte,
da beide obengenannte (belehrte Nürnberger waren , so könnte leichtmoglich Georg
Stnchs der Urheber desselben gewesen sein.
Da aber die beiden andern Typengattungea des Werkes in den uns vorliegenden
legltimirten Drucken dieses Typographen nicht vorkonunen, so wollen wir aus der
Uebereinstimmung jener wenigen Worte keine bestimmten Schlüsse folgern, umsomehr
als Jene Missaltype noch in verschiedenen andern Druckereien bemerkt wird; dahin
3^8 — Nürnberg. —
gehören besonders: Johannes Pfeil in Bamberg; Wolf gang Stöckel und Melchior
Lütter in Leipzig und Wittenberg. Vielleicht geben die von uns angeregten Zweifel
und Anhaltspunkte einen Fingerzeig für andere Forscher zar Erkennung des eigent-
lichen Typographen dieses durchaus mehr als zweifelhaften Koberger-Druckes. Hain
No. 8800. —
^ßi)mn jSfenfenfd)milr ^ ^nirreaa ßtisntr.
1473 biö 1478.
Hier nehmen wir unseres Sensenschmid^ s Thätigkeit wieder auf^
der sich im Jahre 1474 mit Andreas Frisner aus Wunsidel associirte,
welcher von 1465 ab in Leipzig studirte und dort Magister wurde.
Es ist anzunehmen, dass er ursprünglich bei Sensenschmid als
Corrector thätig war, da er in dem ersten von der neuen Asso-
ciation gedruckten Werke, welches wir in folgender Nummer ver-
zeichnen, so genannt wird. Im Jahre 1478 ging er dann nach Leipzig^
zurück, wo er durch den ersten Leipziger Druck von 148 1 die Tjrpo-
graphie eingeführt haben soll. Man vergleiche Seite 337. —
No. 741.
^,i0if j)icrte bmtfdje 1@ibrl.*'
Nttrnbergr^ Sensenschmid & Frisner, circa 1473*
Zweiter Theil, Gross Folio, zusammengebunden mit der ersten
deutschen Bibel unter No. 182.
Von dieser so äusserst seltenen deutschen Bibelausgabe mit den schönen Holzschnitt-
Initialen hat Panzer zuerst in seinen Zusätzen, Leipzig 1808, pag. 2, die Drucker ent-
deckt. Die ohne Druckort, Firma und Jahrzahl erschienene Bibel ist nämlich mit
denselben Typen gedruckt, die in des Petri de Monte „Repertorium Juris* yorkommen,
wovon auch wir ein Prachtexemplar unter No. 744 anfuhren werden, welches die
Druckfirma und Jahrzahl von 147(> aufweist.
Es scheint uns übrigens zweifelhaft, ob man diese Bibel mit Recht die vierte
deutsche nennt, oder ob nicht vielmehr der Günther Zainer'schen (No. 512), die als
fünfte gekannt ist, der Vorrang gebührt. Diese konnte, da mit den ältesten fetten
Typen Zainer^s gedruckt, recht wohl vor 1473 herausgekommen sein. Jene aber
kann nur frühestens 1473 gedruckt sein, da die Typen erst nach Sensenschmid^s
Trennung von Kefer vorkommen. Man vergleiche über die seltene Bibelausgabe
Panzer, Literarische Nachricht Seite 30, desselben Annalen Seite 18, und Zns&tie
Seite 2; desgleichen Hain No. 8133. —
No. 742.
ai)omaf ^(|utnatt0 ,,Sluac(li0itfe bc bu0btcim ^ttobltbct".
Nürnberg^ Sensenschmid Sc Frisner, 1474« Folio-Format.
Das , Quodlibet" des Thomas von Aquino enthält 12 Fragen über verschiedene
theologische Materien, die ihre Beantwortung darin finden. Es ist in dieser seltenen
Ausgabe mit einer schönen und grossen gothischen Type gedruckt, die bei Sensen-
schmid bisher nicht vorkam. Hain No. 1402. —
— Nürnberg. — j4q
No. 743.
i^^fr I)ft)li9m Irbrn futtimcrtrijl.**
Nümbergr^ Johann Sensenschmid, 1475* Gross Folio-Format.
Mit derselben schönen Type gedruckte und mit vielen Holzschnitten ausgestattete
sehr seltene Ausgabe dieser Heiligen-Geschichte. Hier kommt der Name Frisner
nicht vor; wahrscheinlich weil seine gelehrten Kenntnisse als Corrector hier ent-
behrt werden konnten. Hain No. 9969. —
No. 744.
Ißtixx bf Jöotttf ^^Seprrtoriiim J^uria^^
Nürnberg, Frisner & Sensenschmid, 1476*
3 Theile in Gross Folio-Format in einem Bande.
Dieses Kepertorium beider Rechte ist wiederum mit einer andern Type gedruckt,
welche viel Aehnlichkeit mit der Schoffer'schen Paulus-Type hat. Wir erwähnten
bereits, dass mit derselben Schrift auch die vierte deutsche Bibel unter No. 741 ge-
druckt ist. Hier ist Frisner wieder mit Sensenschmid zusammen genannt und diesem
in der rothgedruckten Schlussschrift, wo es heisst: „,,3mp(|rn} tlnremb^-Hge V. ^Ottora-
libes oiros Xttbrea; frirutr 6nn|;fidelfttrtm et üoannem ütnfenrdimib (Eine || llnrembercien-
fem**, sogar vorangestellt. Die tolle Idee, alle drei starken Bande einem einzigen
Volumen zu vereinen, hat daraus einen schier ungeheuren Schweinslederband ge-
schaffen; ein merkwürdiges Beispiel alter Buchbinderkunst. Hain No. 11588. —
/rifbrid) Creu^ner,
1472 bis 1497.
Der vierte bedeutende Nürnberger Typograph, von dem es
zweifelhaft ist, ob er nicht schon vor Koberger gedruckt habe, da
seine undatirten Ausgaben des lateinischen Psalter und des Donat ein
hohes Alter zeigen. —
No. 745.
^lbred)t uon C!t)be: ^,Pb einem planne fei ju nemen ein
eitel) ?öeib.<^
Ntimbergr, Friedrich Creussner, 1472. Quart-Format.
Erster datirter Druck Creussner's. Eine Seltenheit ersten Ranges, welche weder
Panzer noch Hain gesehen haben. Es ist zugleich die erste datirte Ausgabe dieses
launigen Werkchens, das wir unter No. 567 schon kennen lernten. Der Anfang
lautet: „(D)3« natÖrlid)ett meifler l)Qben||ttt irer fil)nl tinb tibung für gennümi.** Der
Schluss : „ülcccclrrii • 1 1 £x\t} Crcnßtier ju Hftrnberg". Die Ausgabe enthält 119 Blät-
ter und ist in 21 Zeilen gedruckt Hain 6829. —
350 — Nürnberg. —
No. 746.
menrictts jferung: „(SlMCtbariuft Scripturarum".
Nttmberg^ Friedrich Creussner, 1476* Folio-Format.
Mit grosser gothischer Type gedruckt. Das Werk ist ein Wörterbuch über
Ausdrucke, die in der Yulgata vorkommen, und hier grammatikalisch, etymologisch,
auch prosaisch erklart werden. Hain No. 9371. —
No. 747.
;!^Qannr9 ^nbrtae: ^^Ittctura fuptr arboribtts confanguimtatis^
affinttattsi rt co^nationte fptntualts^S
Nürnberg, Friedrich Creussner, 1478. Folio-Format.
Creussner druckte dieses Werk, das wir unter No. 518 & 869 schon verzeichneten,
zweimal in den Jahren 1477 A 1478. Die Type ist dieselbe wie in voriger Nummer.
Die Ausgabe enthält drei blattgrosse Holzschnitte mit dem , Baume derVerwaadtschaft".
Hain Ko. 1031. —
No. 748.
«Antonius l^ampigoUttd: ^^^lurra IStblia feu Mepertorium
aureum fStbltorum".
Nttrnberg, Friedrich Creussner, 1481* Folio-Format.
Dieselbe Type wie in voriger Nummer. Man vergleiche auch die Ausgaben der
»goldenen Bibel" unter No. hZS & 700 unserer Sammlung. Hain No. 13633. —
No. 749.
^tlttobiid Irgrnbt ^ ftubenbi abbrentaturaa in utroque jurr.*^
Nürnberg, Friedrich Creussner, 1482* Folio-Format.
Mit derselben Type gedruckt, wie vorige zwei Nummern. Das Werk ist eine
Art Schlüssel zu den kanonischen und kaiserlichen Rechtsbüchern, worin Titel nnd
Inhalt derselben. angezeigt sind, und eine Erklärung der Abbreviaturen gegeben ist.
Im Jahre 1476 druckte Creussner scho eine erste Ausgabe davon. Hain No. 11 466. —
No. 750.
„Hatfinifcljer ^bupricf 3irtu5' IV.<^
Nürnberg, wahrscheinlich Friedrich Creussner, 1482«
Holztafeldruck in Quer-Folio-Format.
Dieses höchst seltene Blatt ist noch nirgends beschrieben und vermuthlich
Umcum. Die grosse Ungleichheit aller Buchstaben und Zeichen, die sich derart
kundgiebt, dass man nicht z\Nei absolut gleiche Formen findet, lässt es zweifellus
erscheinen, dass das Blitt iu Holztafel iruck ausgeführt ist, wie dieser für bestimmti»
kleinere Drucksachen noch lange nach Erfindung der beweglichen gegossenen l'^pen,
besonders bei grösüeren Auflagen, entsprechend unserm heutigen Stereotyp Verfahrea,
— Nürnberg. — 2C|
von den Buchdruckern in Anwendung gebracht wurde. Wir bringen das interessante-
Blatt, 'welches keine Angabe einer Druckfirma hat, unter Creussner vor, weil die
Buchstaben in auffallender Weise den Ductus Creussner'scher Typen an sich tragen,
in Einxelnheiten , die sich bei keinem andern Topographen so wiederfinden. Dahin
gehört besonders das charakteristische 31, worauf der Blick des Kenners wie auf ein
Monogramm gelenkt wird. Man wird daber annehmen können, dass dem Form-
schneider für die Herstellung der Holzplatte die Weisung ertheilt wurde, den üblichen
Ductus in seiner Arbeit beizubehalten.
Der ganze Ablassbrief besteht aus 23 Zeilen. Die erste besteht aus Missalschrift
und lautet: ,,^orma confeffionalis". Zeile 1;> ebenfalls in Missalschrift: „^ornta ab-
folttttottis^. Das Uebrige besteht ans kleinerer gothiscber Schrift und auf Zeile 1) &
13 wird der Verbreiter des Ablassbriefes genannt: „(SfliO fratrer petr9 ®arbian9 t
pbicttor JÜet^ Ülotttcen orbinis iuino:||ram fnbcomtttilfaritts eiurbem fanctiffiint bii
niiflri 3Uti pape qnarti . . .*' Zeile 14 steht die Jahrzabl : ,,3lnno bomini . Ül . (S((p®C •
Crtfijj. Hit — "i für den Tag ist Kaum gelassen. Unter Doppelglas und Messing-
rahmen. —
No. 751.
^^$txmmtB fancti IBcrn^arbini || arbinis minorö • 0t ff|liuita-
tit>U0 Dirgintd glo||Tiofr {irr annü cü ftnplariffimid
lauMbu» fiufbf .**
Nürnberg, Friedrich Creussner, 1493* Klein Quart-Format.
Die Predigten des Helligen Bernhardinus für die Marien feste sind mit einer
hübschen Schwabacher Schrift gedruckt. Auf der Rückseite des Titels befindet sich
ein illuminirter Holzschnitt: Die Jungfrau mit dem Jesusknaben auf der Mondsichel
stehend, neben ihr der heilige Bernhardinus, mit der Rechten über sich nach einem
Sterne -weisend; in einem Bande die Inschriit: ^^tc tfi 3tfUa maris*\ Hain No. 2832.
Mit folgender Nummer zusammen gebunden. —
No. 752.
it(*?)*cipit . Mnfen IHrntoria || Ir i^tuinorü rloquiorum || Uoiü
uibcltcj ac VtUx'iB II tcftamcuti (sie!) compeöiofe tonten*
tiuum II fingulorurotiuebiblieprincipaltoree || materiae^
capituloru copiofc per car-||mina ej^preffane* ♦ ♦"
Nürnberg) Friedrich Creussner, 1493. Klein Quart-Format.
Mit derselben Schwabacher Type gedruckt wie das Vorige. Das J zu Anfang
des Titels ist ein schönes Holzschnitt-Initial, ähnlich wie die Schöffer'schen Initiale
in dessen Cronecke der Sassen. In der Vorrede nennt sich der Verfasser Petrus de
Jtosenhaim. Das Werk selbst enthält Summarien der heiligen Schrift, die in latei-
nischen Distichen abgefasst sind, derart, dass Jedem Capitel der Bibel ein Hexa-
meter und ein Pentameter gewidmet ist. Ilain No. 13 991. Ist mit voriger Nummer
zusammengebunden. —
1C2 — Nürnberg. —
1479 bi6 1491.
No. 753.
^ermannt br 3d)UM^ ^,Spfculttm manttalc facfrbotum*^
Nürnberg^ in der Druckerei des Augustiner Klosters, 1480»
Quart-Format.
Mit kleiner, ungemein niedlicher gothischer Type gedruckt, deren höchst origi-
ginelle Formen wir bereits in der Mailändischen Druckerei des Dominicus de VeS'
polaie & Jacohns de Marlinno antrafen, wo Jedoch die Kegelfläche etwas grösser ist ;
zweifellos hat jene italienische Sc-hriftgattung hier zur Vorlage gedient.
Der Verfasser dieses Handbuches für Geistliche wird in andern Ausgaben de
Saldis genannt; er lebte im 14. Jahrhundert. Hain No. 14 522 hat das seltene Werk-
chen nicht selbst gesehen. — Es dürft« für Manchen die Notiz nicht ohne Interesse
sein, dass die ehrw^ürdigen Itaume des ehemaligen Augustiner-Klosters jetzt vom
Germanischen Museum mit eingenommen und benutzt sind. —
No. 7.n4.
19incfntiu0 Jerrrrius: i,t3pu8cultim be tinc lnunbt*^
Nürnberg^ in der Druckerei des Augustiner Klosters, 1483*
Klein Quart-Format.
Das vorliegende, höchst seltene Schriftchen „über das Ende der Welt" hat weder
Angabe des Druckortes noch der Druckfirma, weisst aber am Schlüsse die Jahrzahl
1483 auf. Hain theilt es unter No. 7021 dem Albert Kunne in Memmingen zu; allein
dies ist ein grosser Irrthum, da die Typen des letzteren wohl entfernte Aebnlichkeit
mit den hier vorkommenden haben, von Uebereinstimmung aber nicht die Rede sein
kann. Desto gewisser ist, dass das Werkchen aus der Druckerei des Augustiner
Klosters hervorgegangen ist, denn die Gleichheit der Typen mit voriger Nummer ist
eine vollkommene. —
Conraii ^eninger,
1480 bis 1482.
Ein Typograph aus Mainz gebürtig, der nur wenige Jahre die
Buchdruckerkunst in Nürnberg ausübte. —
No. 755.
l^incentii 3^errerü ^,5erma be fine munbi^^
Nürnberg 9 Conrad Zeninger, circa 1480« Quart-Format.
Diese Ausgabe derselben Predigt, die wir in voriger Nummer verzeichneten, hat
Panzer in seiner , Buchdruckergeschichte Nürnbergs" No. 96 richtig beschriebea; H^n
bringt sie unter No. 7020 mit dem von Zeninger 1481 gedruckten ^Traotatus de
Turcis", den wir unter folgender Nummer anfuhren, unter Eine Kappe, indem er
von ersterer den Anfang und von letzterem die Schlnssschrift giebt.
— Nürnberg. — 353
Offenbar waren beide Werke msammengebunden und Jedenfalli nicht complet, da
Hain nar 28 Blätter Inhalt angiebt, während der „Tractatiu de Turcis*' allein schon so-
viel enthält, und der »Sermo de fine mundi*' noch 15, beide zusammen also 37 Blätter
umfassen worden. —
No. 756.
^,@:ractatu0 qutbant br Surcta/^
Nttmbergy Conrad Zeninger, 1481. Klein Quart-Format.
Dieser Tractat nber die Tarken ist mit derselben häbschen gothischen Type ge-
druckt wie die vorige Nummer. Yergleiche Panzer^s Buchdrackergeschichte Näm-
berg's No. 95, wo das Werkchen ausfährlich beschrieben ist« —
»»
Peter USagner^
1483 bie 1499.
Wir können diesen Typographen, der sich auch latinisirt
Currifex" nannte, mit vollem Rechte wohl als den Nachfolger
G:>nrad Zeninger's bezeichnen, da er in dem nächsten Jahre, als
Zeninger zu drucken aufhorte , mit derselben Type wie Zeninger zu
drucken begann, was die Bibliographen allerdings bisher nicht
bemerkt haben. —
No. 757.
j^oboci (S9d)mann ,,9ocabulariu0 )iraebtcanttum^\
Nürnberg^ Petrus Currifex, 1488. Quart-Format.
Peter Wagner's oder Currifex' erster Druck, mit derselben hübschen gothischen
Type gedruckt wie das Werk Zeninger's unter voriger Nummer. Dasselbe Yoca-
bularium wird auch einem Johannes Melber zugeeignet, doch ist Letzterer nur Heraus-
geber. Hain No. 11039. —
No. 758.
„9tola fancton.*^
Nttmberg, Peter Wagner, i486. Quart-Format.
Es ist dies dieselbe Ausgabe der Geschichte der Kalenderheiligen, welche Panzer
in seiner „Buchdruckergeschichte Nürnbergs" No. 146 und in den „Annales'' 11
Seite 201 No. 158 beschreibt, und von welcher er sagt, sie sei scheinbar mit Ko-
berger^ sehen Typen gedruckt. Dies ist keineswegs der Fall ; sie ist mit Zeninger' sehen
Typen gedruckt.
Da dieser Jedoch um 1486, wie die Datirung des Werkes lautet, nicht mehr
tbätig war, so ist Peter Wagner ^ der mit denselben Typen auch das in voriger
Kummer beschriebene Werk gedruckt hat, und jedenfalls Zeninger^s Nachfolger war.
mit Gewissheit als Drucker anzunehmen. Obiger Titel auf der ersten Seite ist in
Holz geschnitten; im Uebrigen ist das seltene Werkchen von Panzer genügend be-
schrieben. —
23
354 — Nürnberg. —
No. 759.
„Qiptcnla omnie flatu6 Rumäne rite t>cncrabUi6 pas
tri6 JDyoniftf prioriö bomue Cart^ufte in rurcmttn6 • !|
quon tituloö Di5c in primo folio*"
Nttmber^y Peter Wagner, 1495. Quart-Format.
Dieses Werk ist mit einer hübschen Schwabacher Type gedruckt. Der Heraus-
geber ist Peter Tbanhanser, der es dem Cartauser-Prior Georg Pirckmner dedicirte.
Hain No. 6246. —
1484 He 1515,
nannte sich auch Stüchs, Stochs und Stöchs. Durch den Druck
seiner schönen Messbücher, von denen unsere Sammlung drei der
schönsten vereinigt, gelangte dieser Typograph zu allgemeiner Be-
rühmtheit Er wird nicht selten mit Johann Stucks dem jüngeren
verwechselt, den wir auf Seite 360 kennen lernen werden. —
No. 760.
,,|ain*aU Momanum/*
Nürnberg) Georg Stuchs, 1484. Quart-Format.
Wiewohl dieser erste Druck des Georg Stuchs in schönem, gothisehem Roth- und
'Schwarzdruck mit zweierlei Typen ein meisterhaftes Werk ist, so ist er im Yergleich
zu seinen spätem Missalen doch nur als Versuch zu betrachten, mit welchem er
freilich erst den Beifall erringen musste, der ihm späterhin so viele kircliliche Auf-
träge verschaffte. Hain No. 11801. —
No. 761.
j>ol)annt0 |tlarcl)rftni ^^|tlantntotrecttt0 ftt)ier ISibltam'^
Nürnberg^ Georg Stuchs, 1489. Quart-Format.
Diese Ausgabe des „Mammotrectus*' ist mit kleiner gothischer Type gedruckt
Bei der kostbaren Mainzer Ausgabe von 1470 unter No. 2S ist von dem Werke seilet
das Nöthige angeführt. HainJNo. 10 .'^67. —
No. 762.
^,9frfel)U9 leib fei || rr unnb %)xW^
Nfimbergr^ Georg Stuchs, 1489. Quart-Format.
Dieses rare Buch giebt einen Unterricht, wie Kranke und Sterbende zu behan-
deln sind. Der Titel und die fünf ersten Zeilen des nächsten Blattes sind mit
zierlichen Ausschmückungen in Holz geschnitten. Auf der Rückseite des Titelt
befindet sich ein Holzschnitt, auf welchem der Kranke mit fünf Personen seiner
Umgebung abgebildet ist.
Im Werke .befindet sich eine grosse Anzahl schöner Holzschnitt-Initialen und
den Scbluss bildet abermals ein Holzschnitt, der einen leeren Schild darstellt, um
— Nürnberg. — 355
dea sich ein Band schlingt; links in diesem Bande liesst man die Worte: 9,9u pudl
nnb htx f4|iU i|l/* Für das Wappen und den Namen des BetitEers ist Raum gelassen.
Die prächtige gothische Type ist dieselbe, die im ^Missale Romanum" von 1584 vor-
kommt, und der Drucker des Werkchens, das sonst nur die Angabe des Druckortes
und der Jahrzahl «trägt, sicher Georg Stuchs. Hain No. 16019. —
No. 763.
,>3Mtfralc ^aliöburgenfe/*
Nürnberg^ Georg Stuchs, 1492. Folio-Format.
Dieses prachtvolle Missale für die Diöcese Salzburg ist eines der grossartigsten
Cborbncher , die je gedruckt worden sind. Es finden sich darin dreierlei verschie-
dene Missaltypen und viele mit Farben und Gold ausgeführte Initialen. Hain
Ko. 11420. —
No. 764.
^,31tffalf ab ufiim M0fcf(t0 |Jra9fn|i0/^
Nürnberg^ Georg Stuchs, 1503. Gross Folio-Format.
Ein nicht minder luxuriöses Chorbuch von eminenter Seltenheit, das den
Bibliographen gänzlich unbekannt zu sein scheint. Es enthält 16 Blätter Kalender,
Cautelen etc., 22 Blätter Musik, 7 Blätter Canon und 485 numerirte Blätter. Auf
dem ersten Blatte befindet sich ein schöner, grosser Holzschnitt, auf welchem die
Heiligen Adalbertus, Sigismundus, Yitus und Wenceslaus abgebildet sind.
Der prächtige Ccmon ist mit einer sehr grossen Missaltype auf Pergament ge-
druckt. Ausser mehreren in Farben imd Gold ausgeführten Initialen bemerkt man
zahlreiche, die in Holz geschnitten und roth gedruckt sind. Hier möge noch die
Schlussschrift Platz finden:
„üliffale et bc te^e tt ht \\ favct^: ntbn pm orbtnaUri« ardiicpifcopatiu ec'jcUfit pra-
9enfis «rbivaitnin: . . . poftremo 'nol officina <l>e-||or9ij JStmt^s » j8nlq-||bad) incole
tlurembn-llgefis ditracteribus op-||priine bellis impreffnm fi bie bedma menfls apr{-||lts
anni terdi rnP^Q "*U llcfflmn quingettteftmii} |i ab ittcarnatione. . . . — "
No. 765.
i,€in 5pitgfl btr naturltcl)m l)mltfd)fn || vnb prop&ctifc&cn
febungcn aller trübfalcn, angfl^ vnb not,\\bxt vhcv
alle ftenöe, gefdjlecbte, vnb Qtmaynbm btv \\ (L\)vifunf
\:)tyt, funöerbar fo btm !Rrebfen vnbtv \\ geworffen fein,
vnb in btm fibenöen (LIima || begriffen, in turnen tagen
geen weröen/'
NttmbergTy Georg Stuchs, 1508« Klein Folio-Format.
Ein originelles Bfichlein mit 13 Holzschnitten, dessen Verfasser, ein Priester
Joseph Grünbeck, sich in der Vorrede desselben nennt. Es ist dieses die erste,
seltene Ausgabe davon, welche 1^22 in Leipzig und Augsburg nachgedruckt wurde.
Die Typen sind Schwabacher. —
23-'
2^6 — Nürnberg. —
Cafpar ^odjfrlirr^
1491 bi8 1498.
Druckte später in Cracau und Metz, wo sich sein Name bis
9
1517 findet. —
No. 766.
^^S^onifij ariopÄgite boctoris ^erardjtcl ^)ita^^ weiter unten:
^,?3ratio ab eunbem ard)ipottti|icrm ac martire || gloriopfpintt
bruotiffima.*^
Nttrnbergr^ Caspar Hochfeder, circa 1491* Klein Quart-Format.
Zwischen den beiden Sätzen des obigen Titels befindet sich ein Holzschnitt, der
den Dionysius von Paris darstellt, vor ihm knieend ein Papst und ein Bischof.
Die Legende behandelt das Leben und den Märtyrertod des Heiligen Dionyaius,
der nach seiner Enthauptung mit dem Kopfe in der Hand noch bis zu dem nadi
ihm benannten 8. Denys gegangen sein soll. Obiger Holzschnitt zeigt den Dionysius
von Paris mit zwei Köpfen abgebildet; den einen tragt er ganz correct auf den
Schultern, während er den andern mit geschlossenen Augen auf dem Schosse vor
sich halt. Hain No. 6287. —
No. 767.
^>(Sptllola Habbi <3amueli9 J)fral)elttr nttlfa ab %abbi ^faac
ttiagiftrü 5i)nago9f in fttbiul-||mfta. . .^
Nfimberg^ Caspar Hochfeder, 1498« Klein Quart-Format.
Nach dem Vorworte ist dieser Brief eines Jüdischen Gelehrten, der die Sache
des Christenthums vertritt, aus dem Arabischen von einem spanischen Prediger-
monche Alphonsius Bonihomo im Jahre 13S8 in's Latein übertragen worden. Der
Text dieser Ausgabe ist mit hübschen Schwabacher Typen gedruckt. Hain
No. 14270. —
um 1493.
No. 768.
^,i0a0 iH bic ttiallllfart }tt brn C£in|t-|jbfln nnh btc Icgrb |
Nürnberg^ Hans Mayr, circa 1493. Klein Folio-Format
Diese höchst seltene Ausgabe der Legende von Sant Meinrat enthält 10 Blätter
mit 27 Holzschnitten. Die Typen sind Schw^abacher. Die Schlussschrift macht uns
mit einem sonst nicht vorkommenden Nürnberger Drucker bekannt; sie lautet:
„(ßetrudft nwb feUiöPUcl;cii voUent in bet lob||Ud?cn ftöt Wumnptrg
von ^anö VflCtyv/^ Leider ist es nur ein treffliches Facsimile, das wir von dieser
Seltenheit besitzen. Hain No. Iß 141. —
— Nürnberg. — ^^j
1496 bl0 1525.
No. 769.
^f^rbor QEonfangut-IInrttattd cum Tuid || entgmattbue t {|
Nttmberg^ Hieronymus Holtzel, 1506» Klein Qaart-Format.
Diese Ausgabe des ^Yerwandschafts - Baumes" yon Johannes Andreae enthält
15 Holzschnitte. Der Titel ist mit einer sehr grossen Missaltype roth gedruckt. —
No. 770.
,,3iai(Talf pm Cljorü 1 1| «itü (ir)pitn (fcclcpe.^^
Nttmbergy Hieronymus Höltz«!, 1517. Gross Folio-Format.
Dieseo schöne Missale für Eichstätt, welches Holtzel auf Kosten des Bischofs
Gabriel von Eyb druckte, zeichnet sich durch einen überaus prächtigen Titel aus,
dessen Riesen-Lettern mit den schwungvollen Yeraierimgen einen Meister der Zeichen-
kunst verrathen. Den Hauptschmuck aber bilden die beiden blattgrossen Holzschnitte,
welche auf einem Pergamentblatte sich vor dem gleichfalls auf 4 Fergamentblättern
mit grossen Missaltypen gedruckten Canon befinden. Derjenige auf der Vorderseite
des bezeichneten Blattes stellt in wundervoller Zeichnung den Bischof von Eychstädt
vor, ein Blatt, das auch in Bezug auf die Hoizschnitttechnik Vorzügliches darbietet;
die Abbildung der Rückseite des Blattes ist das Crucifix.
Beide Abbildungen sind zuverlässig von Dürer's Meisterhand ; aber es ist merk-
würdig, dass die letztere nicht mit derjenigen übereinstimmt, welche Herr Butsch
in seiner „Bücher-Ornamentik der Renaissance" auf Tafel 3S von dem „Crucifix'^
dieses Holtzel'schen Missale von 1517 überliefert hat. Beide Darstellungen sind ganz«
von einander abweichend.
Weiter findet sich in diesem schönen Chorbuche eine grosse Anzahl schöner
Holzschnitt- Initiale, die leider nur stilistisch in einer Weise ausgeartet sind, dass
es unmöglich sein würde, die einzelnen Buchstaben zu enträthseln, wenn sie ausser
Zusammenhang des Textes ständen. CoUation: 12 Blätter Titel, Kalender etc.,
23 Blätter Musik, 5 Blätter Canon und 264 numerirte Blätter. —
1502 biß 1513.
Dieser Typograph war ein Priester, der sich in verschiedenen
Schlussschriften selbst ,,sacerdos" oder „presbyter** genannt hat; er
druckte von 1513 ab in Landshut , wo er noch bis zum Jahre 1531
thätig war, und wo wir ihn weiterhin noch wiederfinden werden. —
No. 771.
^^ÖConfrfftonalf cötines || tractatum bfcem ptfceptoru • (Kt ftp-
trm utciorü ca |pitaltü • QEum quibufba introbuctorija t atti-
358
— Nürnberg. —
ncti- |bu0 • öEoUfctte per ffnjelljarbli Tknn\)üftv ptunc || prc-
bicatorem in fuabad).^^
Nürnberg^ Johann Weissenburger, 1502* Quart-Format.
Es ist dies Johann Weissenburger's erster Druck, von dem man bisher nur
von 1508 ab datirte Werke Jiannte. Am Schlüsse steht zwar keine Druckfirma,
sondern nur: ,,3inpreffiis • tturnberge • an ^tm |loittr-| Iperg • fnb 3Cnno bsmini • ittitte-
ftnoqnilljieitUlillUlfeCttllbo /* aber die Typen sind ganx die nämlichen, wie die in dem
folgenden «Elucidarius" mit Firma von 1513. Das Werkchen enthält 17 Blätter und
ist mit gothischer Schrift gedruckt —
No. 772.
^fdludbarma bt)a||l09tcu9 tl^rologir tripcrtttus: tnfi-||nttarum
qttrftionum rrfolutimts || Dabemrcum/^
Xümberg) Johann Weyssenburjjer , 1512. Klein Quart-Format,
Ist mit derselben Type gedruckt wie die vorige Nummer. Unter dem Titel be-
findet sich ein Holzschnitt, der in vier Medaillons die Evangelisten darstellt. Weyssen-
burger druckte diesen „Unterricht für Geistliche in Frag und Antwort" schon l.'SO!'
in erster Auflage. —
Oleorg 3d)rndi^
1)
um 1502.
No. 773.
IkvLXifi bre Notariat mi mt (td) brr || Hotariue in feinem
2Cmpt galten \>nb regieren folU 3ft vtxs\\btüt{d)t • JDur*
öen i£vnroyvbiQcn geyflUcben • l;erren 2tn5refs||nawer,
iCrcium WTagifter • 6cr ^tit Pfarer 5U Cor* • JDefe |3ari5
2tU0 man salt Sunffgcbunbcrt vrxb ^vocy yax^ ♦ /'
Nürnberg^ Georg Schenck, 1502, Klein Quart-Format
Sehr seltener Druck eines wenig bekannten Typographen, und Jedenfiüls eine
der ältesten Notariats-Ordnungen. Panzer's Annalen 527. —
löolflfgang ^uber,
1505 bi6 1514.
No. 774.
^^19erfel)ttn9 leib: |1 frll rer unb gutt.^^
Nürnberg, Wolffgang Huber, 1509. Gross Quart-Format.
Diese Ausgabe ist ein Nachdruck der Editio princeps von Geoi^ Stucks unter
No. 7G2; auch der Holzschnitt auf der Kehrseite des Titels ist darin copirt. Sie
enthält 68 numerirte Blätter, denen 1 leeres und 4 unpaginine Blätter Begister
folgen. Mit Schwabacher Schrift gedruckt. —
— Nürnberg. — 359
No. 775.
IVürnberg^ WolfFgang Huber, circa 1510. Klein Quart-Format.
Diese Ausgabe des Donatus ist ganz unbekannt. Sie enthält 10 Blätter, hat
keinen Titel und beginnt sofort mit ,,( )J,tUf Orntiöis qnot fat • |i <8>Cto - ^nt^ llonte •
piiome • oer-llbi • tburrbin • partidpin • cöinctio • || ijpofltio • intericctio. . .*' Am
Schlüsse steht nur: ,,3tnpreffttilt j tOOlgangü j^ttber*', ohne Zusatz des Druckortes und
der Jahrzahl. Die Typen sind gothisch. —
/tietrid) Ißit^pns^
1509 bis 1535.
In der Eitelkeit, seinen Namen recht vornehm zu latinisiren,
nannte sich dieser bedeutende Typograph auch Artemisius; ab-
geleitet von Artemisia = Beifuss. Er druckte auch für Johann
Koberger, Lucas Alantsee von Wien und Leonhard von Aich, —
Ko. 776.
^,Sa0 IJftPf Sfftamtnt mit || flrt^ t)crtfutfd)t/^ Am scwusse:
CSfbruckt ju Hfirmbcrg || burd) 3^ribcrid)rn || JSeijpue ||
m. 0. XIIII."
Gross Folio-Format.
Es ist dies die erste, höchst prächtige Nürnberger Ausgabe des Lutherischen
Neuen Testunentes, welche theils der Wittenberger September-, theils der December-
Ausgabe von 1522 nachgedruckt wurde. Allgemein wird sie der schonen typographi-
schen und künstlerischen Ausstattung wegen als die prächtigste und schönste an-
erkannt, aber Niemand hat bisher entdeckt, dass die schönen Schwabaoher Typen,
mit denen sie gedruckt ist, dieselben sind, welche lange vorher schon zu dem typo-
graphischen Meisterwerke der grossen SchedePschen Chronik von Jahre 1493 ge-
dient hatten.
Es geht also daraus hervor, dass die Koberger'schen Erben zum Wenigsten
einen Theil ihrer Schriftvorräthe an Friedrich Peypus abgetreten haben, und man
erhält einen Fingerzeig, welche Verwerthung das Druokwerkzeug nach des alten
Koberger Tode gefunden, da die Erben später nur den Verleigshuchhandel fort-
betrieben und die Druckerei ausser Betrieb setzten.
Der grosse und schöne Holzschnitt unter dem Titel stellt den neugebornen Hei-
land, zwischen seiner Mutter und dem Pflegevater liegend, nebst den Hirten im
Stalle vor; drei kleine Engel scheinen mit dem strampelnden Knäblein zu spielen.
Unten nach links befindet sich ein aus HSK bestehendes Künstler-Monogramm, das
bisher noch von Niemand bemerkt worden ist, auch in Nagler's Monogrammisten
nicht vorkonunt, jedenfalls aber auf Hans Springinklee deutet. Ausser zahlreichen
schönen Holzschnitt-Initialen, die am Anfange der Capitel stehen, enthält die Aus-
gabe noch zu Anfang jeden Buches einen Holzschnitt, wovon im Ganzen also 27
vorkommen. —
36o
— Nürnberg. —
No. 777.
„DI ILLliGB, HOC EST , |1 CONCILIATIO hOGO-l rum /cnpfura,
qui prima /acte || int er fe pugnare ui'Wdentur || Auetor e
Andrea Althamero || Brenzio || Excudehat Norimbergcß Fride'\
ricus Peypus, Anno falutis || M. D. XXVII.
Klein Octav-Format.
Der Titel steht in einer Bordüre. Das Werkchen ist in Cursivscbrift gedmekt. -
um 1510 bie 1521.
Dieser Nürnberger Typograph, den man für einen Sohn von
Georg Stuchs hält, hat vielleicht schon früher zu drucken ange&mgeo.
In nächster Nummer fuhren wir einen undatirten Druck an, der
wohl älter sein könnte^ und den auch Hain sogar in sein mit 1500
abgeschlossenes Werk aufgenommen hat; da aber der früheste
datirte Druck von Hans Stuchs die Jahrzahl 1510 trägt, so haben
wir genanntes Werk auch erst um diese Zeit gesetzt. —
No. 778.
^,8rractatu0 br rfpcacia aquc bcnebtcte: || magifln J^ol)anm0
bf SurrccrfinÄta.**
Nttmberg^ Johannes Stuchs, circa 1510. Klein Quart-Format
Dieser kleine Tractat von nnr 8 Blättern „über die Wirksamkeit geweitaten
Wassers" ist mit gothischer Type gedruckt. Auf dem Titelblatte befindet sich ein
Holzschnitt, der einen Priester vorsteUt, welcher auf offiaer Strasse den Weihwedel
in ein von einem Chorknaben gehaltenes Gefass steckt, um damit vermuthlidi die
versammelte Menge zu besprengen. Am Schlüsse befindet sich die Firma des Jo-
hannes Stuchs und sein Druckerzeichen mit den Initialen HS. Hain No. 15 743. —
No. 779.
^^iBa0 Ubnt onfers erUHbigera <9rfu €l)n|lt^ nad) lauttilg
be0 l)f9||U9fn (StDangcU^ mit ml anbed^ttger br-ytrat^tung)
^ud) mit bt^lauffung brs || Ubrna ber jundiframtn lUari^
wn II einem parfueffer ber obferuan^ jj ^Ifo jufamm? jefe^t...*^
Nümber^5 Johannes Stuchs, 1514* Quart-Format
Auf der Rückseite des Titels befindet sich ein Holzschnitt, der den Heiligra
Franciscus darstellt. Die Schlnssschrift besagt, dass das Werk //^Urc|^ *^0\^W[VMW^
— Nürnberg. — ^5l
mo^^aft 3U 6ctn»alä • ♦ ♦" gedruckt sei.
Der letEtere, ein Mitschüler Diirer's bei dem Meister Michael Wohlgemut, ist
jedenfalls auch Yerfertiger der Holzschnitte, von denen sich ausser dem schon ge-
nannten blattgrossen Titelholz«chnitte noch 61 kleinere su Anfang der Capitel in
dem Werke befinden, die in vorliegendem Exemplare colorirt sind. Der Text des
Buches ist in Sehwabacher Schrift gedruckt. —
Jiobfl (iuthned)t^
1514 bie 1525.
No. 780.
ÖEtjn Satfd^lag^ || JDcn etliche (t^riftetiltcbe Pfarberrn,
Prefeiger, || vnnb anbete, (BStlicber fcbrifft »erftcnfeige, ||
itincm S&vfttn , welcher rußigen ftritigen || leer Mb,
auff fcen abfcbieb, jfingft gebals||tenö Reicfegtage 5U
nfirnberg, (tbrift-||licber warbait xjtibcrricbt begert, || gcs
maijht taben, ♦ ♦ ♦ 1525." Am Schlüsse. ,,(BebrucCt 5u
nftrnberg || burd) 3obfl (Bütttiecbt."
Klein Quart-Format.
Der Titel steht in einer Bordüre* Die Ausgabe ist mit Sehwabacher Schrift
gedruckt. Sie ist Panser und Weller unbekannt; enthält 6 Blätter: Titel und Ke
gister und 105 numerirte Blätter mit Signaturen. —
^an0 3d)önfp(r0er von ^ngsburg^
1517.
Der von uns unter Augsburg bereits angeführte Typograph
hat die erste Ausgabe seines weltberühmten Hauptwerkes ,, Teuer-
dankk", wie die Schlussschrift derselben es anzeigt, zu Nürnberg
gedruckt. Zwar hat Panzer und nach ihm auch andere Biblio-
graphen das Bedenken erregt, dass auch diese erste Ausgabe wie
die zweite von 1519, unter No. 548 unserer Sammlung, in Augsburg
gedruckt sein möchte, und Nürnberg bloss dem Melchior Pfinzing
zu Ehren als Druckort angegeben worden sei.
Man wird jedoch auf Grund dieser schwachen Vermuthung das
gedruckte Zeugniss des%uches nicht umstossen können, sondern viel-
mehr der andern Möglichkeit Raum geben, dass Johann Schonsperger
362 — Nürnberg. —
zum Drucke des Werkes nach Nürnberg berufen wurde, um ihn unter
den Augen des Verfassers Melchior Pfinting und Hand in Hand
mit den ebenfalls zu Nürnberg wohnhaften Künstlern, welche die
Holzschnitte lieferten, Hans Schäufelein und Jost von Negker, zu
Stande zu bringen. —
No. 781.
„ S)ie geuerlidif citen • t)nb einöteife || ber gef d^idjten be§ tob-
lid^en ftre^t^l tJaren t)nb l^od^berümbteit I)elb§ || t)nb 3Ktter§
^crr 2;eiDeTbannd]^^. " AmBnde: ,,©ebTudt in ber Äa^fer-
tid^en || ©tat SRürnberg burd^ || ben ©ttem §annfen ||
©d^önf t)ergeT H Surger ju || Slugf purg. "
(1517). Folio-Format.
Dieses berühmte Werk ist so vielfach von Gelehrten beschrieben worden, dass es
uberflfissig erscheinen dürfte, darüber noch etwas zu sagen. Ueber den Inhalt fähren
wir nur kurz an, was Ebert darüber geschrieben hat. Er bezeichnet das Werk aU
,ein von Kaiser Maximilian selbst angegebenes und entworfenes, von Melchior ^-
ztng ausgeführtes, allegorisches Rittergedicht, dessen Hauptstoff die A.benteaer sind,
welche der deutsche Kaiser Maximilian I. zu bestehen hatte, ehe er zu dem Besits
der schönen und reichen Maria von Bu/rgund gelangen konnte. Es ist nicht die
poetische Ausführung dieser Aufgabe, welche dem Werke ein Interesse giebt (denn
sie Ist matt und kalt) , sondern theils die allgemeine chevalereske Tendenz des Ge-
dichtes, theils die eigenthümliche artistische und typographische Ausstattung der
beiden ersten Ausgaben, welche allein für den Sammler Werth haben."
Von der zweiten Ausgabe führten wir ein Prachtexemplar bereits bei Augsburg
unter No. 548 an, das vorliegende JPergament- Uaßemplar der ersten Ausgabe
ist eins der schönsten von allen, die noch existiren. Die 118 Holzschnitte des be-
rühmten Schäufelein sind mit gleichzeitigem, sehr schönem Colorit ausgeführt; der
schöne Mosaik-Einband von verschiedenfarbigem Holze mit reichem Silberbeschlagc
ist eip Meisterstück.
Dr. Karl Haltaus hat in seiner Ausgabe des ,Theuerdank<', Quedlinburg 18S6,
eine meisterliche Abhandlung und kritische Beschreibung aller Ausgaben des Werkes
geliefert, w^elche in der That als musterhaft in jeder Beziehung gelten kann. Eänen
besondem Fleiss hat er in Vergleichung der Varianten, welche Papier- und Perga-
ment-Exemplare sowohl unter einander als unter sich aufweisen, angewandt. Es
ist bekannt, dass bei den Pergament-Exemplaren solche vorhanden sind, welche an
einzelnen Stellen aufgeklebte Zettelchen aufweisen, die zur Verbesserung falscher
Stellen mit dem richtigeren Texte dienten. Auch von diesen Zettelchen hat Haltaus
ein genaues Verzeichniss nach dem von ihm beschriebenen Exemplare gegeben,
welches hiernach mit dem unsrigen bis auf zwei Fälle übereinstimmt. Letztere Ab-
weichungen sind folgende: Bei Haltaus lautet im Capitel 55 der in der üeberschrift
aufgeklebte Zettel: r,nach überab geschlagen het*, die Stelle, welche darunter steht:
^seinen hut vom haupt schlugt*. Bei uns ist nur das Wort „Äe^ für „sdtlug'^ auf-
geklebt und y,8einen hut vom haupt'' ist stehen geblieben. Ferner ist an der Stelle
des Capitel 66 Vers 70, wo bei Haltaus die Worte ^Jeri^er fand*^ für j^rysen fandt*
aufgeklebt sind, bei uns gar keine Veränderung bemerkbar. Was die Holzscbnitti'
betrifft, so findet sich auch iu unserm E2xemplar auf denselben Holzschnitten das
— Mürnberg. — 753
Monogramm Schiufelein's, die Ebert und Haltaus angeben. Holzschnitt 80, der bei
Haltaus die Reste des schon entfernten Monogramm's seigt, hat bei uns das ganxe
Zeichen; ebenso hat Holzschnitt 70 das Monogramm des Jobst de Negker, welches
nach Ebert nur in den Papier-Exemplaren vorkommen soll. Da diese beiden Mono-
gramme erst später entfernt wurden , so lässt ihr Vorhandensein die frühesten Ab-
drücke erkennen. Hiermit lässt sich dann die Resolution Haltaus* nicht in Einklang
bringen, dass die Exemplare mit aufgeklebten Zettelchen zu den späteren Abdrücken
gehören, vielmehr ist eine Möglichkeit vorhanden, dass man nach dem fertigen Druck
der ersten Auflage jene Aendenmg mit den Zettolchen bei allen Exemplaren vorgenom-
men hat, und dass bei einzelnen entweder spätere Besitzer die unschönen Zettelchen
absichtlich entfernt haben oder auch, dass sie von selbst mit der Zeit abgesprungen
sind, wie es auch in unserm Exemplare an den angeführten Stellen wenigstens zum
Theil der Fall sein wird.
Der höchst kunstvolle l}ruoh des Werkes, der die Züge des Schreibers mit
allen Launen auf das Glncklicliste nachgeahmt hat, Hess die Forscher iruher all-
gemein annehmen, dass er durch Hol»tafeln bewirkt sei; seitdem man aber in
Capitel 84 in der zweiten Zeile das lungekehrte i im Worte f(!^l(Iet wahrgenommen,
musste man sich dazu verstehen, dennoch den Druck mit beweglichen Typen zu sub-
stituiren und sich darauf beschränken, die Schnörkel und Schreiberzüge in Holztafel-
druck ausgeführt sein zu lassen. Uebrigens hat Haltaus später noch eine grosse
Anzahl ähnlicher Druckfehler entdeckt, die den Typendruck unwiderleglich erhärten.
Die neueste Ansicht über das jedenfalls höchst complicirte Verfahren hat Herr
Professor Faolmann in seiner „lUnstrirten Geschichte der Buchdruckerkunst*' kund-
gegeben, wo er auf Seite 282 sagt, der Text sei mit Nonpareillequadraten durch-
schossen, w^orin die kleinen Buch«)taben und die Schnörkel, welche über der Linie
stehen, eingesetzt wurden, und letztere seien dann mit den Buchstaben des Textes
znsammengelöthet.
Man sagt von der Type des .Thenerdank*' , dass sie die erste Fraktur-Type sei,
die überhaupt in Anwendung gekommen, und dass die Erfindung der neuen Schrift
von der Hofkanzlei des Kaisers Maximilian ausgegangen wäre, wo man sich der-
selben in Handschriften bedient, und in deren Auftrag ein bestimmter Künstler
die Type gefertigt hätte, von dem es ungewiss ist, ob es Vincenz Rockner, Johann
Neudörfer, Hieronymus Hölzel oder der Drucker Johann Schönsperger gewesen sei.
Wir möchten bei diesem Urtheile aber doch zu bedenken geben, dass man schon
viel frühere typographische Erzeugnisse kennt, in denen sich der Charakter der
Fractur-Schrift schon mit ganzer Entschiedenheit ausprägt. Wir haben Drucke aus
den achtziger Jahren des 15. Jahrhunderts von Bämler, Sorg, Schönsperger in At*gs-
hurg, von Lienhart Holl in Ulm und besonders von Anton Koberger, bei dessen
»neunter deutscher Bibel" von 1488 das Specifische dieser neuen Schrift schon
so charakteristisch zur Erscheinung gelangt, dass man von einer „Erfindung" der
Fractur-Type bei Gelegenheit des Theuerdank - Druckes mit Recht nicht sprechen
kann, sondern nur einen allmähligen Uebergang und stufenweise Vervollkommnung,
die in der schönen Theuerdank-Type allerdings culminirte, herausfinden wird.
Es scheint sogar, dass die eigentliche Quelle dieser Schrift nicht einmal in
Deutschland gesucht werden kann, vielmehr im weiteren Sinne Frankreich als solche
zu betrachten ist. Der Ur-Typus dieses Schriftcharakters ist ohne Zweifel die fran-
zösische Batarde, und das erste Buch, welches mit dieser Schriftgattung gedruckt
worden, ist jedenfalls der »Recueil des histoires de Troye", dessen erste Ausgabe
vor 1467 dem Ulrich Zell in Cöln zugeschrieben wird, und wovon William Caxion
im Jahre 1471 eine englische Uebersetzung mit denselben Typen geliefert hat. Die
Typen zu diesem Werke wurden im Auftrage des Herzogs Philipp des Guten von
Burgund, der das Buch herstellen liese, extra gegossen und der schönen, damals in
l^>ankreich üblichen Handschrift nachgebildet.
364 — Nürnberg. —
Mit diesen Typen wurde also durch einen Deutschen jenes erste französische
Werk gedrackt. William Caxton, der vermnthlich eeityreise auch Schäler Ulrich ZelPs
war, erhielt nach Deschatnps 34 1 zum Druclce seiner Uebersetzung später durch Ver-
mittelung der Henogin Marga/rete von Burgund dieselben Typen geliehen. In seiner
Offizin haben sich zunächst in andern Druckwerken Jene Charaktere mehr entwickelt»
kamen dann auch nach Holland, wo wir sie besonders bei Veldener in Löwen und
Utrecht wahrnehmen können, und haben sieb endlich aut' dem Ruckwege nach und
nach wieder in Deutschland eingebürgert, wo sie in späterer Zeit selbst alle anderen
^ichriften verdrängten und sich bis heute zur eigentlichen nationalen Brodschnft
herausgebildet haben.
Uebrigens sind wir überzeugt, dass der eigentliche Ursprung der Fractur-Sekrift
noch früher als überhaupt im 15. Jahrhunderte zu suchen ist; wir selbst besitaen
Manuscripte des 18. <fc 14. Jahrhunderts, in welchen derselbe Ductus erkennbar ist.
Aach kann man selbst in dem beriihmten Holztafeldracke r,die Kunst CirotnanÜa'^
von Dr. Hartlieb um 1450, unter No. XLVI imserer Sammlung, die lebhaftesten
Anklänge an den Fractur-Charakter entdecken.
Interessant ist es übrigens, dass sich die Typen des llieuerdank wenigstens augen-
scheinlich noch einmal in der ersten Ausgabe des berühmten MiUißHer'ßehen^
Turnierbtiehes von 1ß30 wiederfinden, wo sie jedoch ohne die im Theuerdank
angehängten Schreiberzüge verwende^ und auch ohne Durchschuss gesetzt sind, gana
so, wie es im Theuerdank selbst in der Vorrede und bei den Ueberschriften zu den
einzelnen Abschnitten geschehen ist. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, dass
hier nur eine sehr genaue Nachbildung der Theuerdank-Typen vorliegt, wie es auch
Haltaus Seite 74 annimmt, obgleich wir bekunden müssen, dass selbst die Gleich-
heit der Kegelstärke bei den Typen beider Werke in ihrer vollkommenen üeberein-
stimmung überraschend ist, denn wir fanden, dass tb Zeilen des compressen Saixes
der Vorrede des Theuerdank genau denselben Raum einnehmen wie 25 Zeilen des
Turnierbuches; wir können deshalb auch den Gedanken an die Möglichkeit, dass in
der That die gleichen Typen vorliegen könnten, keineswegs ausschliessen.
Warum sollten sich auch die Typen des Werkes nicht nach 18 Jahren noch
erhalten haben, da ja die Bolzstöcke ^ wie es erwiesen ist, nach 162 Jahren noch
gebraucht wurden? Ebenso leicht erklärlich ist es, dass sie in andern Händen
gefunden werden , da Ja der jüngere Schönsperger bekanntlich die Druckerei ganz
aufgab, und als er sich ausschliesslich auf den Verlag legte, die alten Bestände des
väterlichen Geschäftes sicher veräussert haben wird. Man vergleiche das Rüxner^sche
Turnierbuch in beiden Auflagen unter „ Simmern " in unserer Sammlung; die zweite
Auflage desselben von 1S31 hat die Theuerdank-Type nicht mehr. Sehr ähnlich
und gleichgross kommt dieselbe im 16. Jahrhunderte namentlich auch bei den Schöffer
in Mainz vor, dann in den Hessischen und Württemberg'schen Kirchenordnungen,
Ca^sel 1657 und Stuttgart 1660; sie wurden ihrer Schönheit wegen eben vielfach
nachgeahmt. —
3ol)ann petrejud^
1524 bi? 1550.
Ein Typograph, der durch Correctheit und Schönheit seiner
Ausgaben alle andern Nürnberger Drucker dieser Zeit überragte. —
No. 782.
„aSttruuiuä II Stcutfdj • || 9?eintici)en bc§ aller ttam^affttgt:^
ften t)n ^ocf)erfarne[ten, 5Römtfd)en 3lrd|itccti, önb Äunft:
— Nürnberg. — ^65
reidEjen Söcrd ober S3att)ineifter^, SRarci SBttruuij 5ßoÜiont§,
3cf)cn 95ü||d|er t)on bcr Slrd^itectur t)nb fünftlid^cm öatoen. . .
l£rftma(d verteutfcbt, vnb in Zvud vexovbntt öurd) || D.
Gualtherü H. ßiuium Medi. & Math. || . . . 3^ SRürnberg
StrudEtg Sotiait 5ßetrctu§ • ;|Anno M. D. XLVIII."
Folio-Format.
Erste deutsche Ausgäbe der herrlichen Architectur des Vitruvius. Die schonen
Fraktortypen von mehrerlei Grosse, der meisterhaft correcte Druck und gegen 2U0
«chöne Holzschnitte machen das Werk zu einem Meisterstücke typographischer Kunst.
K« enthält 18 Blätter: Titel, Vorrede, Register und 320 numerirte Blätter. —
1525 bis um 1529.
Dieser Typograph erlitt ein sehr tragisches Ende, indem er
als Anhänger Luther^s wegen Pressvergehen zu Leipzig enthauptet
wurde. Seine Frau, Kunigund Hergotin, die wir nächstdem kennen
lernen, setzte nach seinem Tode das Geschäft fort. —
No. 783.
,,1Sffd)nierun9 ber alten &eüfr||Ufd)rn <3(i)langen mit btm ,|
<i5tlid)m mort.*^ Am Ende: (ßc6rucCt 5U ttßrcmbcrg, 6urd)
ÖÄttß II 6errgot, im 3ar ttt* 5D. TüTliv/*
Quart-Format.
Verfasser dieser seltenen Schrift ist Johann von Schwarzenberg , von dem wir
•oben auf Seite 41 & 275 schon zu sprechen Gelegenheit fanden. Er giebt darin, wie
er selbst auf der Ruckseite des Titels bemerkt, „eine ünterrichtung und Ermanuug
Evangelischer Lehr halb an seinen irrenden Sohn*'. Auf dem Titel und am Schlüsse steht
ein Holzschnitt, der einen Mann vorstellt, welcher eine Schlange beschwort In dem
Titelholzschnitte befindet sich die Schrift: ,,3d? WdfWex Md?.", welche offen-
bar auf bewegliche Art eingesetzt gewesen, da sie in dem Schlussbilde, das sonst
vollständig dasselbe ist, fehlt. Ausserdem befinden sich noch 8 interessante Holz-
Bchnitte in dem Werkchen, dessen Text ganz mit Schwabacher Schrift gedruckt ist. —
^untgttnb ^ergotin^
um 1530 bis 1540.
Die Frau des hingerichteten Hans Herrgot, welche das Ge-
schäft ihres Mannes fortsetzte. —
^66 — Nürnberg. —
No. 784.
^iSfr ^uu||bert »nb ri)lffte Pfalm außgelegt 6ttrd)||J).
tttartln Cutter . || ajittrmbrrg. || Jl. i0. mi- II ^"^ ^'••^
(BetrucCt 51! nfirmbcrg feurd) jj Kunigunb ^crgotin«"
Quart-Format.
Der Titel steht In einer hübschen Bordüre. —
No. 785.
i,(KuT ft^finer fprud) || fo |td) r^ner (Eronica || rergleicbt, von
mancbcrlcy Eries|gcri, fd)lad)tcn t>n anfecrn wunfeers,
barlicben traten vnb gefcbidbten 6ie tiacb .C^rifli geburöt
biß II auf ba& 1537 jar gcfcbc::|H?en fttib, leiii ycbeei
mit feiner \ax^al \\ angeseigt/' Am scwusse: „(Bzbxndlt 3^
nfirmberg feurd) || Kunegunfe ^ergotim"
circa 1587* Klein Octav-Format.
Dieses Büchlein ist eine gereimte Chronik, deren Seltenheit daraus hervorgebt,
dass sie den Bibliographen und selbst Gödecke unbekannt blieb, der ein so Mhes
Dichtwerk nicht absichtlich übersehen haben wird. Sie enthält 16 Blatter and
beginnt :
„Vor Christus geburt eylff hundert Jahr
Und neun vnd zwentzig* fürwar
Ist die 8 tat Augsburg gewesen
Als in Chronica wird gelesen."
Danach sollte man schliessen, dass der Dichter, der sich am Schlüsse in den
Versen nennt:
„Got geb seyn gnad dem Keyser frum
Das er regiere wol und recht
Wünscht Jm Gabriel Hausknechf^
ein Augsburger gewesen ist. Vom Jalire 1129 v. Chr. geht die Chronik sodann
gleich zum Jahre 908 n. Chr. über, als ^Sanct Ulrich ist zum Bischoff gewelt".
Mit Ausführlichkeit wird aber erst von 1440 an, Jahr für Jahr bis zum Jahre
1587 gehandelt. Zu jenem Jahre ist merkwürdiger Weise dieselbe Notiz Ton
Erfindung der Buehdrueherkunsl durch Hans MmteUn zu Sirassburg gegeben,
die man in dem „Historien-Handbüchlein" Johann Schottes, Strassburg loS6, findet.
8o scheinen denn diese Verse und vielleicht auch das Uebrige Nachdruck zu sein. —
1531.
Zwar ist es nicht sicher, ob dieser treffliche Briefmalcr und
Formschneider auch eine eigene Druckerei gehabt hat, es liesse sich
dies aber durch die Unterschrift des folgenden Werkchens wohl
annehmen. —
J
— Nürnberg. — -567
No. 786.
,i1Rla9 ;?lntn>ort unb t>r-|!tei)l, juJtfd)m frauj ^rmut mit
pittto bem II (Bott 6cr rcicfetumb wcicbee rntcr y^ti feae
pcffcr fcy/' Am Ende: ^^Htclae tttelfecman »rieffmalcr
Sfi ttfirmbcrg an 6er CangenbrucEcn. || ttt* JD. XXXI/*
Quart-Format,
unter obigem Titel steht ein vortrefflicher Holzschnitt, den Process der Armuth
und des Reichthums in einer Composition von drei Figuren in einer Landschaft
vorstellend. Das Ganze enthält auf 4 Blattern ein Gedicht von Hans Sachs. Die
kleinen Schwabacher Typen des Werkchens sind sehr hübsch und gefallig; am
•Schlüsse steht auch das Monogramm des Künstlers Meldeman. —
3imon 9:iindifl^
um 1531.
No. 787.
^,®9n <$enbtbrtff]i ober c)itflcl || bes l)od)9eUrten Srafmi rotr |{
rofeami, an feen cfelcn ö^rrcn 3^^Än Öcbled)tcn jj t>on
(Coflelcg, in welcher gar fd)6n Me eynigf waren mittel
werfeen ffirgefdjriben, burcb welche gegent?ertige5weyung
in pmjjferm bcyligen (ßlauben mochten || frucbtbarlicb
^?tngclegt weröen || ♦ ♦ ♦ |0. j0. m]- II ^ schlüge: ^u
nfirmbcrg bey Simon tuncCeU"
Klein Quart-Format.
Der Titel steht in einer Bordüre. Die Schrift enthält 8 Blätter mit Schwabacher
Typen gedruckt. Seltener Druck eines wenig bekannten Typo(rraphen. —
(Sabrifl %tvß^
lim 1550.
No. 788.
@t)iegcl II ber Ijaufeu^t, || SefuS ©praci^ genant: @amt)t ||
et)ner !ur§en Slufelegimg. || gut bic armen §auJBuättert)nnb|'
jf)r ©efinbe, 2Bte fie ein ©ottfeüg leben ge^lgen mentgfticf)
füllen erjc^gen. . . 6aft)ar §ubertnuS. || . . . Am Ende: ®c=
brndt ju 9iünnberg burdj || ©abrielem öeyn* (1552.)
Folio-Format.
Schwabacher- und Praktur-Druck. Die zwei ersten Zellen des Titels sind in
Riesenleitern in Holx geschnitten. —
368 — Nürnberg. —
f|ermann ^am|tn0^
1553.
No. 789.
,,®cr flagenbt @f)ren || t)otbt, über gürften i)nb 2lbel
^an§ (Baä)^." Am Ende: ©cbrutft äu SWürttberg burd^ || Jper-
matt §amftng. 1553."
Quart-Format.
Auf dem Titel befindet sich die Abbildung eines Heroldes in Holzschnitt Das
<iedicht umfasst G Blättchen und ist mit bchwabacher Schrift gedruckt. —
1553.
No. 790.
,,@itt arblid^ gft)red^ || fcer (ßotter, feie switracbt || bce
3^5mifd)cii Kcyd)ö betreffen fee . |||)an§ @atf)ö." Am Ende.
„®ebrudt gu 9tü==||reniberg, feurd) (Beorg || ITIer* el Wofern
I?;iff auff fee new^Hen »aw bey feer UalcCbätteti. || 1553."
Quart-Format.
Auf dem Titel ist ein Holzschnitt, der den Rath der Gotter: Jupiter, Jano, Satani,
Pluto, Mercur, Mars und Venus vorstellt. Das Gedicht enthält 10 Blätter und ist
mit Schwabacher Schrift gedruckt. —
/rieirid) (iltitknfd)t,
1554.
Vermuthlich ein Sohn des Druckers yobst Gutknecht, den wir
auf Seite 361 anführten. —
No. 791.
„2)ie Subit mit $o||Ioferne, ob ber betege*||rung bcr ©tat,
Set£)utta . II |)an§ ©ac^g." Am Ende: „®ebrudt ju SRümber
(Sic!) burd^ II griebrid^ ©utfncd^t || 1554"
Quart-Format.
Auf dem Titel befindet sich ein primitiver Holzschnitt, der die Geschichte von
Judit und Holofernes darstellt. Das Gedicht enthält 4 Blättchen. Interessant ist die
Prakturschrift, womit es gedruckt ist, —
J
— Nürnberg. — 36g
iSalentm (ieigler^
um 1564.
No. 792.
„J)er ©tat || SRürmberg || i)erneute gic::||fonnation.| || 1564."
Nümberg^^ Valentin Geissler, 1564« Folio-Format.
Schone Ausgabe mit XLIV und 241 Bl&ttern, prachtigem Titel-Holsschnitt und
Frontispiz. Die Original-Ausgabe von 1484 führten wir bereits unter No. 729 an. —
um 1560 bie 1590.
No. 793.
,,5)aö erfte Sud) || ©e^r |)err||Iid)e ©d^önc || t)nb iDarI)affte
®ebtd)t. II . . . 2)urd) ben finnreidjen t)nb tüeitberümbten
Jpanö ©adifen, ein Iicb»^||]^aber bcutfd)er 5ßoetere^, öom
M. D. XVI. 3ar, big auff bife M. D. LVin. 3ar, ju^
fammengetragen t)nb öoHenbet. || ©ebrudtt ju SRürttberg,
burd^ II SeonI)arbum |)eufelcr. || 3m Satjr M. D. XC."
Folio-Format.
Enthält YI und 408 Blätter. Diese Ausgabe scheint den Bibliographen und selbst
dödecke unbekannt geblieben zu sein, da er nur eine Ton Willer ^590 erwähnt —
ff
|lat|)artne (!l(rlad)tn €rben^
1594.
No. 794.
2)er f leine Äated^förnu« Sutl^et'S," Am End.: „(Sebtudt
äu SRürmberg, burdi fiatt)atine ®er=||Iad§tn Stben. || M. D.
xcmi."
Klein Oclav-Format.
64 Blätter. Eine wie es scheint sehr seltene, weil von den Bibliographen niclit
erwähnte Ausgabe mit 24 Holzschnitten. Wie alle Schulbücher des 16. Jahrhunderts
ist auch der „kleine Katechismus* Luther's durch den Gebrauch grösstentheils xu
Grunde gegangen. —
Damit hätten wir die Geschichte der Typographie in Nürnber
bis gegen das Ende des i6. Jahrhunderts verfolgt. Die grosse Be-
rühmtheit der von Georg Endter im Jahre 1604 begründeten und
Jahrhunderte hindurch blühenden Officin veranlasst uns jedoch, auch
24
yjQ — Nürnberg, — ►
noch einige Hauptwerke dieser grossen Typographen-Familie in Fol-
gendem genauer anzuführen.
CI)n|topi) ^ Paul (Stifter,
vm 1660.
No. 795.
Die Kurfürsten Bibel:
„BBLIA, II Sag ift, II 2)te gan^e §. || ©d^rift, || 3llte§ t)ub
$«eueg SKeftamentS || Scutfd^, || S). 3RaTtm Sutl)er§: || . . .
3m 3al)r 6I)riftt M. DC. LXH. 1| 9iürn6erg, ®ebrud£t tjnb
i)erlegt burd) 6I)rtftot)f) önb 5ßaul Snbtertt, || Söud^^änblern."
Gross Folio-Format.
Diese Riesen-Prachtbibel enthält neben mehreren Karten und Plinen zur Bibli-
schen Qeschichte ein Brustbild- Portrait des Herzogs Ernst von Sachsen, nach einem
Gemälde von Rudolf Weren/els von Jcicob Sandrart in Kupfer gestochen; die Portraits
von elf sächsischen Kurfürsten von Friedrich dem Weisen bis auf Bernhard J., und
das Portrait Luiher's, alle in ganzer Figur, nach Zeichnungen Christian Richter's ron
Peter Troschel und Johann Dürr in Kupfer gestochen. Das Exemplar von vorsäg-
licher Erhaltung befindet sich im prachtvollen Original-Pergamentbande mit reich
vergoldetem Messingbeschläge. — .
|llid)ael U ^ol|ann /rieirid) dtiMer^
um 1668.
No. 796.
,,@t)iegel ber @I)ren beö . . . ©rgliaufeS Defterretd) . . .
öerfaffct burd^ Soljann Sacob gugger . . . S^unmel^r aber . . .
ertoeitert . . . burtf) ©igmunb t)on ©irfett.
Jlümberg S5c^ SRid^ael unb Soljann griberid) @nbtem . . .
cId Ioc LXVIII."
Folio-Format.
Ein umfängliches Werk mit vielen Portraits, Abbildungen und Planen in
Kupferstich. —
um 1690.
No. 797.
SBoIlftönbigeö SRürnbergifd^e^ Äoci)bu^.
Nttrnberg; Wolfgang Moritz Endter. 1691. Quart-Format.
Ein ganz vortreffliches Buch, das man noch heute sehr gut benutsen konnte
und woraus hervorgeht, wie ausgezeichnet man im 17. Jahrhunderte gespeist bat
— Nürnberg. — oy-^
Der Titel lautet höchst luatig: „Dec QU« bem Parnasso cl^emalö enttttufencn üortteff*
lidien Stdd^in, »etc^e bei benen Göttinnen Ceres, Diana unb Pomona üiel 3al^re gebienet^
§intcrlaffcne unb Bigl^ero be^ unterft^iebUcften bcr ?öbt. Äod)*Äimft beftiffcnen gfrauen
5» gflümberg, jerflreuet nnb tn großer ©el^cim gel^atten getuefene S9emerl*3cttul'' etc. —
ßo\)mn ^nhms ÄnMer'0 M\)nt^
um 1690.
No. 798.
„BBLIA, baö ift, bie gan^e §eit. ©d)rift. . .
Stiirnberg, 3n SJerlegung SoI)ann Slnbreä @nbter§ @eel.
©ö^tte, Anno M. DC. XC."
Folio-Format.
Mit den Summarien des Saubertus und der Vorrede Dilherr's von Peuerlein
herausgegeben. Das schönste dieser Ausgabe sind die darin enthaltenen Kupferstiche.
Vierzig Blätter, die mit Zahlen bezeichnet sind, enthalten die wichtigsten Begeben-
heiten des alten und neuen Testamentes ; Jedes Blatt hat fünf bis sechs kleinere Ab-
theilungen und in jeder derselben ist eine biblische Historie vorgestellt. Das Portrait
Liuther^s und ein Frontispiz in Kupferstich gehen dem Qanzen voraus. Ausserdem
sind noch auf vier Blättern Moses, die vier grossen Propheten und die vier Evan-
gelisten abgebildet. Letztere sind besonders schon gestochen. Sie scheinen von
Sandrart's Hand zu sein, obwohl der Künstler sich nicht genannt hat ; doch könnten
sie SU seinen besten Arbeiten zählen. Interessant ist der Original-Einband mit seiner
wahrhaft verschwenderischen Ornamentik in Goldpressung und Oelmalerei. — '
^ol|ann ^nirea© €nMer^
um 1755.
No. 799.
„BIBLU, ®a§ ift: S)ie gan^c ^eilige ©grifft beJB Sitten
unb 9?euen Seftament^. . . SWürnberg, 3n SSertegung ber
Sof)antt Slnbreä ©nbterifd^en §anbluttg. AnnoMDCCLV."
Folio-Format.
Diese Ausgabe enthält ebenfalls die Portraits der elf sächsischen Kurfürsten
lind Herzöge, sowie Lnther^s Portrait, aber in andern Stichen; im Texte befinden
sich viele Holzschnitte. Panzer hat sie nicht gekannt. —
24
*
X72 — Nürnberg. —
Ein anderer berühmter Drucker des 17. Jahrhunderts zu Nürn-
berg war auch:
um 1680.
No. 800.
„©er ©fjur^^gürftüci^en ©äd)fifd)ett ttjeitberuffenen 9ftefibcn|;'
unb |)am)tfeftuttg S)reöben S5efci)retb: unb SSorftellung,
•Surd) Slntontum SBedEen.
Slürnberg Sti SSerIcgung Sof)ann ^offmann'ö ©ebructt
bafelbft ht\) ß^rtftian ©igtömunb grobergcr.
Stnno MDCLXXX."
Folio-Format.
Mit prachtvollen Pl&nen und Ansicbten Dresden's in Kupferstich. Die „Weck'sche
Chronik'' ist noch vielfach gesucht, obwohl sie weder zuveHassig noch in Bezug auf
Hauptsachen vollständig ist. So findet man zum Beispiel über die Einfühnmg der
Buchdruckerkunst in Dresden gar nichts, und was von Buchdruckereien wirklich
gesagt ist, kann Uneingeweihte nur zu falschen Schlüssen hinsichtlich der Zeit
führen. —
No. 801.
,,2)ie 2)urd)Iaud^tigfte ßi^f ^^^^""f "«ff t , ober: ^iftortfc^c
(£räef)Iung, SEBa^ ber S)urd)Iaud|tigfte gürft unb ^txx-
^err 3o^ann ®eorgc ber Slnber . . . S5e^ Sliituefenl^eit
©einer 6^urfür[tltd)en 2)urci)Iaud&ttg!eit |)od)g€et|rte[tcn
§erren ©ebrübern ... in S)ero Stefibenj 2)re§ben im
2Ronat Februario, beö M. DC. LXXVHIften Sa^rc^
auffütiren unb öorftelten laffen, 2)urd^ ©abricl 2;^fd^immern.
Siürnberg in 3SerIegung Sotiann §offmanng . . . (Sebrucft
bafetbft bc^ St)riftian=@igniunb groberger.
ANNO M. DC. LXXX."
Folio-Format.
Das bekannte Aufeugs-Werk mit den für die Costüm- und Cultur-Geschichte
höchst wichtigen Abbildungen in Kupferstich. —
ScOfußöcmcr&unflen 5u DflürRöerg.
Es finden sich in Nürnberg noch eine Anzahl von kleinen Druck-
firmen, die wir nicht einzeln aufführten, und von denen wir hier der
Vollständigkeit halber nur noch kurze Erwähnung thun wollen.
— Nürnberg. — 373
Da ist Marx Ayrer, der sich um 1487 & 1488 daselbst aufhielt
und später nach Erfurt und Ingolstadt übersiedelte. Ein Ambrosius
Hueher kommt um 1500 & 1501 vor; Hieronymus Huber um 1504.
Balthasar Schleifer druckte 1501 in Nürnberg für einen Ingolstadter
Buchhändler, Johann Muscatell.
Adam Dyon, der später in Breslau auftaucht, druckte in Nürn-
berg von 1509 bis 1515. Andreas Schwammarüssel 1515. Um 1524
kommt Johann Schoner, der 1521 in Bamberg war und 1533 & 1534
in Nürnberg als Editor genannt wird,, daselbst als Drucker vor.
Johann Gtddenmund erscheint 1526 bis 15 36.
Ob Georg Wächter um 1529 & 1530 auch Typograph war, ist
ungewiss, doch findet sich seine Firma vor. Von Hieronymus Form'
Schneider, der um 1534 auf Kosten der Wittwe Dürer's eine lateini-
sche Ausgabe der „Unterweisung" druckte, ist es nicht statthaft
anzunehmen, dass er mit dem Drucker Hieronymus Höltzel identisch
sei, da Letzterer schon um 1525 vom Schauplatze verschwand.
Ob Albrecht Dürer selbst eine Privatdruckerei gehabt hat, wie
man nach der Schlussschrift in der berühmten Ausgabe der „Apo-
calypse" glauben müsste, wo es heisst: „Gedruckt zu Nürnbergk
durch Albrecht Dürer maier** , scheint den Forschern gleichwohl
zweifelhaft. —
Als erste Verlagsbuchhündler nennen wir die Koberger,
von denen der (iltere Atlton bei Amerbach in Basel, Clein und
Sacon in Lyon und Stuchs in Nürnberg drucken Hess; ^'tx jütigere
j^wton bei Sacon, Clein und Marion in Lyon, sowie ebenfalls bei
Stuchs in Nürnberg, der NeflFe Johann aber die zahlreichsten Aufträge
in folgenden Städten ertheilte: Basel bei Adam Petri; Hagenau
bei Th. Anselm; Lyon bei B, Lescuyer, J. Sacon und J. Qein;
Nürnberg bei F. Peypus; Paris bei J. Badius und B. Remboldt.
Ausserdem haben sich noch Folgende als Verlags-Buchhändler
in Nürnberg bekannt gemacht: Nicolaus FUischmann^ der 1503 bei
Johann Weissenburger drucken Hess; Jacob Heller de Heinrich
Herm-ann von Wimpfen, für die um 1514 Jobst Gutknecht druckte.
Ferner kommt um 1514 Zacharias Erb von Passau in Nürnberg
vor, ebenso Lucas Alantsee von Wien, für den um 1522 Friedrich
Peypus druckte; Johann Hasselberg , der auch Druckereien zu Mainz
und Oppenheim beschäftigte; auch druckte Peypus um 1529 & 1530
für den Nürnberger Bürger und Buchhändler Leonhard de Aich,
der sich latinisirt auch a Quercu nennt. —
Damit glauben wir das rege typographische Bild, welches die
alte Patrizierstadt unter den für die Typographie günstigsten Au-
spicien der Gelehrsamkeit und des Reichthums entwickelte, mit
ziemlicher Vollständigkeit gegeben zu haben.
»nA — Nürnberg. —
Können wir die Stadt um der praktischen Resultate willen,
welche die Kunst dort zeitigte, mit Recht preisen, so gebührt ihr
ein anderer Preis noch, dass sie d,€7l Mann in ihren Mauern be-
herbergte, der für die Geschichtschreibung der Buchdruckerkunst
das wichtigste Werk geschaffen, welches wir noch heute nur mit
Dank und Bewunderung seines Fleisses benutzen können: Georg
Wolf gang JBanzer.
Seinen Namen wird Jeder, dem das Werk dieses Mannes im
wahren Lichte als Quelle reichen Nutzens und Vergnügens erschie-
nen, als den eines Vaters aller bibliographischen Wissenschaft ver-
ehren, wenn wir selbst ihn auch hier und da berichtigen und ver-
vollständigen müssen. —
Crgön^ungs^Ctteratur 5u JlürnOerg.
1. ^^\t ^xXti bcr %t\t^t btr lleroen Hcformacion ber iJtat llurcmberii
<3lnno . bomini . JUillcRotno . cccc . Ijrnj: . ffirgcnotneti.** Folio.
NB. Dieses Register zu der Reformation Nürnberg's ist eine grosse Seltenheit.
Es wurde gedruckt, ehe die Reformation selbst als Druckwerk erschienen war, dj«'
erst im Jahre 1484, alsq, 5 Jahre später, in erster Ausgabe bei Koberger herauskam,
wie wir unter No. 729 selbst gesehen haben.
Die Nachrichten der Bibliographen hiervon sind so spärlich und nichtssagend,
dass hieraus schon die grosse Seltenheit erhellt. Panzer No. 103 hat keine Ver-
muthung eines Druckers und Hain No. 15529 hat ihm lediglich nachgeschrieben.
So ist denn auch die Angabe der Blattzahl unrichtig, die nicht 23 sondern 22 beträgt,
indem das vorliegende Exemplar hiermit ganz complet ist.
Als Drucker dieses Registers können wir als ganz sicher Conrad Fyner in
Esslingen substltuiren , dessen grössere alte Type hier angewendet ist. Angebauden
ist dem Exemplare eine handHchriftliehe Reformation Nürnberg' Sf die damals
noch nicht gedruckt existirte. Dass der ehemalige Besitzer Beides zusammen benutzte,
beweist seine Handschrift, die sich auch in dem „Register" findet. Das Ganze ist
historisch höchst wichtig. —
2. „OVIDII MBTAMORPHOSIS cbet Verwanöelutiöö 75ud)ev . . . burOf
ben *Äunftl>crul;n]ten Oo^nnn VOill)elm Bnur 3n»entlrt vmb
%hxa[)am 9Cut>rv \r\ lluvffer öeftod;e. 3n Verleöunö Vauluö
Surften Kutift^dtiMerß In tturnberö'^ (1513)^ Quer Quart.
NB. Enthält 150 hübsche Kupferstiche zu Ovid's „Verwandlungen". Paul
Fürst war zwar kein Typograph, weshalb wir ihm auch keine Stelle als solchem
einräumen; aber er betrieb einen grossen Kunsthandel und Verlag in Nürnberg und
ist in Rücksicht 'dieser verwandten Beziehungen immerhin interessant. —
3. „Katalog der Ausstellung von Arbeiten der vervielfältigenden
Künste im Bayerischen Museum zu Nürnberg 1877."
NB. Mit zahlreichen Abbildungen und vielen für die Typographie interessanten
Gegenständen. —
4. „Blancken. Bildnisse berühmter Künstler, Buchhändler, Buch-
drucker . . . Nürnberg 1725."
NB. 3 Blätter Text und 50 wohlausgeführte Porträts in Kupferstich. —
— Foligno. — 57c
5. „Die Wohleingerichtete Buchdruckerei mit hundert und ein und
zwanzig . . . Schriften . . . Nürnberg, bei Johann Andrea
Endter's seel. Erben 1733." —
6. ,,01iveri Dissertationes Philologico-Bibliographicae. Norimbergae
1746." —
7. „Nümbergische Kleider-Arten. In Verlegung Johann Kramers
in Nürnberg 1669."
NB. Das Exemplar ist von dem rühmlichst bekannten Historienmaler Carl
Köhler in Nürnbei^ höchst getreu und kimstvoll nachgebildet bis auf mehrere Blatter,
welche noch aus einem gedruckten Original-Exemplare stammen. —
■8. „Nürnberger Schönbart-Buch und Gesellen stechen. 1766." —
9. Panzer. Aelteste Buchdruckergeschichte Nürnbergs oder Ver-
zeichniss aller von Erfindung der Buchdruckerkunst bis 1500
in Nürnberg gedruckten Bücher. Nürnberg 1789.
10. Hase. Die Koburger, Buchhändler-Familie zu Nürnberg. Leip-
zig 1869. —
3foltgno
— Fulgineum. —
Jol)ann Humeifler oon IHain^^
1470 bi,8 1472.
Schon unter Mainz No. 3a & 46 kamen wir auf diesen Typo-
■graphen zu sprechen, welcher wohl nicht nur Gehillfe Gutenberg' s ,
sondern nach dessen Trennung von Fust & Schöffer jedenfalls auch
sein Socius war, aber nach 1462 von Mainz auswanderte, um in
Italien sein Glück zu versuchen. Nachdem er sich anfangs in Rom
aufgehalten, wo er wahrscheinlich in der Offizin Georg Laiter's thätig
war, in dessen Ausgabe des Chrysostomus von 1470 wir eine der
seinigen in Aretini „de bello ilalico" überraschend ähnliche Type
erblicken, kam er auf den Ruf des Emütano de Orsinis im Jahre
1470 nach FolignOf einem kleinen Städtchen im Kirchenstaate.
Hier druckte er bis 1472 im Hause und mit den Mitteln des
Cmiliano Orsino, den er in die Geheimnisse „der deutschen Kunst",
wie man die von Deutschen erfundene und verbreitete Typographie
nannte, einweihen musste. Auch seine Gehülfen waren Mainzer,
jedenfalls Gefährten aus der Offizin Gutenberg's, die er in der Fremde
376 — Foligno. —
angetroffen hatte und dort für das neue Unternehmen gewann ; von
dreien derselben hat die Geschichte uns sogar die Namen aufbewahrt ;
sie hiessen: Stephan, Kraft und Ambracht.
Diese drei folgten später einem Rufe nach Perusia, als um
1472 das Geschäft in Foligno sich auflöste; und dort erfahren wir
aus einem aufbewahrten Documente ihre Namen ; von ihrer dortigen
Wirksamkeit werden wir auch weiter unten ebenfalls ein Beispiel
aufzufuhren haben.
Numeister selbst ging nicht mit ihnen; ihn finden wir 1479
wieder in JlliainZf wo er seinen meisterhaften Turrecremata schuf,
dessen Typen nach Falkenstein Seite 225 dem „Mainzer Psalter^'
sehr nahe kommen sollen^ was uns bei Betrachtung unsers schönen
unter Mainz No. 46 beschriebenen Exemplares allerdings unbegreif-
lich erscheint, da selbst die kleinen Psaltertypen fast noch einmal so
gross sind, als die Typen des Numeister'schen Turrecremata, welche
vielmehr an diejenigen der 42 zeiligen Bibel von Gutenberg er-
innern.
In Mainz scheinen unserm Numeister wohl nicht genügende
Hülfsquellen geflossen zu sein, da er sich bald abermals zum Wander-
stabe entschliessen musste, der ihn zunächt nach Basel, dann nach
AiM in Languedoc und schliesslich nach Z/yon führte, wo seine
Wirksamkeit in Gemeinschaft mit Michelet Topie bis zum Jahre 1507
aus datirten Druckwerken, durch welche er seinen Namen berühmt
gemacht, erwiesen ist.
Genaueres darüber wird man in der hochinteressanten Studie
von A. Claudin: „Antiquit^s Typographiques de la France", Paris
1880 finden, worin diesem Typographen eine höchst wichtige und
liebevolle Spezial-Untersuchung gewidmet ist. —
No. 802.
Leonardas Brunns Aretinns: „De Bello Italico
adversns Gothos".
Foligno 9 Johann Numeister, 1470« Quart-Format.
Das er«te Druckerzeugniss der Presse Foligno's, welches am Schlüsse das Coo-
sortiam, Emilianus de Orfinis — mit dem Druckfehler Orfinis — Johannes Numeister
und Socii nebst der Jahrzahl aufführt. Die römischen Charaktere, mit weleben das
seltene und interessante Werk gedruckt ist, haben den Vorzug grosser Deutlichkeit
und sind dadurch dem Auge wohlgefällig; gleichwohl sind sie etwas unregelinissif
und der Druck verrath einen ersten Yersuäi.
Das Allersonderbarste aber ist dabei, dass man an vielen Stellen die Ausläufer
der langen Buchstaben in die vorgehenden und nachfolgenden Zeilen, dass heisst in
den Raum, welchen die Ausläufer der langen Buchstaben hier bedingen, hineinragen
sieht, dergestalt, dass eine gerade Linie, über die Kopfe der höchsten Typen einer
Zeile gezogen, die Füsse der Buchstaben von der vorgehenden Zeile durchschneidet
— Beromünster. —
377
Man hat also, um den „Durchschuss" der Zeilen nicbt cu gross werden zu lassen»,
wie es nicht anders zu erkl&ren ist, die einzelnen Buchstaben unterschnitten; ein
Beweis, wie gross die technische Findigkeit der ersten ausübenden Kunstler gewesen,
da sie schon Kunstgriffe anzuwenden wussten, welche noch heute als Feinheiten
typographischer Technik unter Fachleuten Geltung haben. —
Der gelehrte Verfasser des Werkes, welches die Kriege der Gothen gegen Italien
schildert, lebte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts und war aus Arezzo gebürtig,
weshalb seinem Namen Leonardus Brunns der Beinamen Aretinus zugefügt wurde,
unter welchem letztern er dann fast ausschliesslich bekannt geworden. Hain
No. 1558 hat die . höchst seltene Gimelie nicht gesehen. Uebrigens ist in vorliegendem
Exemplare der Druckfehler Mulgmas für Fulginas in der Schlussschrift nicht er-
sichtlich, w&hrend der schon erwähnte Schnitzer Orßnis für Orßnis allerdings zu
bemerken ist. —
SSeromünpcr
Beronis villae.
1470 bis 1475.
Das Städtchen Beromünster im Canton Luzern ist jedenfalls^
bald nach dem Vorgange von Basel in die Reihe der Schweizer
Druckstädte getreten, denn es hat sogar den ersteii datirten Druck
der Schweiz in der Ausgabe des Mammotrectus von 1470 auf-
zuweisen, während Basel's früheste Drucke leider keine Jahrzahl
tragen und deshalb Beromünster oft irrthümlich für den ersten
Druckort der Schweiz überhaupt gehalten wurde.
Indessen haben die Bibliographen sogar die Zuverlässigkeit der
Jahrzahl, welche sich in dem von Helyas Helie de LoufFen im
siebzigsten Jahre seines Alters gedruckten Mammotrectus findet,
angefochten, indem man gefunden haben will, es sei diese Ausgabe
ein Nachdruck der Schöffer'schen von 1470, in welchem sogar die
Dalirung mit copirt sei, und sie könnte unbedingt erst um [473 bis 1474
gedruckt sein, da sich auch ,, Signaturen'* in ihr befänden, welche,
wie man annimmt, zuerst von Johann Koelhoff in Cöln um 14:72^
jedoch von Helyas de Louffen sogar noch nicht einmal in dem von
ihm um 1472 gedruckten Roderici „Speculum vitae humanae" an-
gewendet wurden.
"Was nun die Schlussschrift des Beromünster Mammotrectus
betrifft, von der die meisten Bibliographen schreiben, dass sie wort-
-3^8 — Beromünster. —
lick übereinstimme mit derjenigen von Peter Sckoeffer, so fanden
wir im Gcgentheile, dass sie grosse Unterschiede aufweist und nur
wenige Worte darin übereinkommen; wir würden auch zum Ver-
gleich hier beide Colophons nebeneinanderstellen, wenn nicht Fischer
in seinen „Typographischen Seltenheiten" , Lieferung V, Seite 28,
diese Arbeit schon übernommen hätte, wo man sich denn von der
Thatsache überzeugen möge.
Zweifelhaft scheint es nur, ob die Erwägung Fischer's besonders
glücklich ist, dass nämlich „der Canonicus Helyas ein feiner Copist
gewesen sei, der absichtlich nur einige Worte der Unterschrift
„gestohlen" und um seinen ,,Betrug" besser zu decken, die Vor-
sicht gebraucht habe, „die Jahr zahl beizubehalten," — Der gelehrte
Chorherr Helyas dürfte wohl schwerlich der wenigen Worte 'wegen,
um die es sich handelt, in Verlegenheit gekommen sein und des-
halb eine Anleihe nöthig gehabt haben.
Um den Nachdruck zu verdecken,, hätte er als feiner Copist
gewiss klüger gethan, die. Ausdrücke jener Schlussschrift zu ver-
meiden und als Druckjahr, wenn nicht ein späteres, so ein noch
früheres anzugeben. Auch haben ihm gewiss Original-Manuscripte
dieses höchst verbreiteten Buches reichlich zur Verfügung gestanden,
so dass er den Schöffer'schen Druck zu seinem Werke füglich ent-
behren konnte, denn die Schrift war bereits im vierzehnten Jahr-
hunderte, in welchem sie auch entstanden, sehr verbreitet und
Fischer's Angabe, dass sie erst 14:66 verfasst sei, ist also auch
ein Nonsens.
Es sind diese Consequenzen mithin alle sehr inconsequent. Das
einzige Auffallende an der Sache ist nur, dass auch der Tag, an
welchem beide Ausgaben vollendet sein sollen, nach den Schluss-
schriften gleichlautend „Vigilia sancti Martini" ist. Was dagegen
femer die vermeintlichen Signaturen angeht, die sich in dem Buche
vorfinden, so hat schon Brunet bekundet, dass dieselben keine Sig-
naturen, sondern einfache „Verweisungszeichen" sind, die auch in
der Art, wie sie angewendet wurden, sich erheblich von jenen
unterscheiden.
Denn um die Ordnung der Ldgert beim Einbinden der Bücher
zu erleichtern, bezeichnete man jede derselben mit einem Buchstaben,
welchem man auf jedem Blatte eine diesem den Platz anweisende
Zahl hinzusetzte ; diese Bezeichnungen der Lagen und Blatter
nennt man also Signaturen» Was sich im Mammotrectus von
Beromünster findet, ist hingegen etwas ganz Anderes, Hier ist jede
einzelne Columne, von denen sich zwei aw/ jeder Seite befinden,
am untern Rande mit einem Buchstaben des kleinen Alphabets
— Beromünster. —
379
bezeichnet und am obem Rande ist die Zahl des Alphabets an-
gegeben.
Während also der Zweck der Signatur ist, dem Buchbinder die
Arbeit zu erleichtem, und deshalb jede Lage und jedes Blatt eine
Bezeichnung erhält, finden sich hier auf jedem Blatte vier resp.
acht Zeichen, welche für den Buchbinder gar nichts zu bedeuten
haben, mithin auch dem Wesen der Signatur ganz fern stehen.
Nur ein flüchtiges Beschauen und Voreingenommenheit konnten
also hier plausible Gründe zu finden glauben, um die Authenticität
der Jahrzahl dieses ersten datirten Schweizer Druckes anzufechten,
denn man wird uns beipflichten, dass hierfür die wenigen überein-
stimmenden Worte der beiden Schlussschriften nicht hinlänglich
sind, während es nur ein launischer Zufall bleibt, dass beide Werke
an Einem Tage die Presse verliessen. —
No. 803.
Savageti „Tractatus super controversiis ecclesiae
Constantiensis".
BeromUnster^ Helyas de Louifen, circa 1470* Klein Folio- Format.
Einer der ersten Drucke des Städtchens Beromünster , ein undaiirter Tractat
von nur 34 Seiten klein Folio, der wohl noch vor dem Mammotrectus erschienen
sein dürfte, da ja fast alle frühesten Drucker bei ihren ersten Erzeugnissen es nicht
für nothig, oder auch wohl geschäftlich nicht für vortheUhaft erachteten, die Druck-
firma und Jahrzahl beizusetzen.
Nach Panzer's Annales Vol. I pag. 208 — 203 kehnt man im Ganzen sieben
Beromünster Drucke mit zweierlei Typen. Die grössere Typengattung des Mam-
motrectus ist gothisch ; die kleineren Tractate , zu denen die vorliegende zählt,
sind aus einer mehr rundlichen Antiqua gedruckt, zwischen welcher merkwürdiger
Weise hier und da einzelne grössere gothische Versalbuchstaben eingestreut sind,
die sich namentlich auf Seite 9, 10 und 13 mitten im Texte sonderbar genug aus-
nehmen, und jedenfalls schwierig einzusetzen waren, da sie gar nicht zum Caliber
der übrigen Schrift passen. Die wenigen Beromünster Drucke des Holias von
Lauffen zahlen übrigens sämmtlich zu den Seltenheiten ersten Ranges. —
Hain sagt unter No. 14829 bezüglich des Druckers dieser Ausgabe: „Romae,
apud St. Eustachium s. Ulr. Han." Ist dies eine Verwechselung mit dem Kloster
St. Eusebius, so müsste es weiter Georg Lauer hcissen, der indessen keine auch
nur entfernt ähnliche Type gehabt hat Die Aehnlichkeit jedoch mit Ulrich Han*s
Charakteren ist uns selbst aufgefallen, bevor wir noch die Notiz Haines gelesen
hatten. Besonders die grossen gothischen Majuskeln haben etwas täuschend Ver-
wandtes.
Indessen bleibt es nur bei der Aehnlichkeit, und der nähere Vergleich ergiebt,
dass von Gleichheit der Charaktere keine Rede sein kann. So ist denn Haines Com-
bination nicht zutreifend, und es liegt kein Grund vor, Panzers frühere Ansicht, nach
welcher der vorliegende ein JBeromünster Druck ist, zu verlassen; denn obgleich
es an einer völlig sichern Bürgschaft dafür noch immer fehlt, so sind doch auch
Gegenbeweise ebensowenig beizubringen. —
380 — Paris. —
QPariö
Lutetia; Parisii; Parisius.
Vlrid) (gering^ IHartin dxm^
t( |lltd)ael /ribtttger,
1470 bis 1477.
Aehnlich wie die beiden Deutschen, Sweinheym & Panartz^
von Mainz aus nach dem Kloster Subiaco bei Rom, so wurden die
drei Schweizer Typographen Gering, Crantz und Friburger von
den Professoren des berühmten geistlichen Institutes der Sorbonne^
Guilaume Fichet und Jean de la Pierre, im Jahre 14 70 nach PaHs
berufen. Nachdem ihnen in der Sorbonne selbst eine Werkstatt
eingeräumt war, druckten sie daselbst gemeinschaftlich, bis Fichet
sich nach Rom begab, und Jean de la Pierre oder Hans von
Stein, auch Lapidanus genannt, sich in das Kartäuser-Kloster bei
Basel zurückzog.
Darauf verliessen die beiden Typographen die Sorbonne und
mietheten ein Haus unter dem Namen „zur goldenen Sonne" , wo-
sie bis 1477 gemeinsam arbeiteten ; von da ab kommt, nachdem seine
beiden Genossen entweder gestorben waren oder die Buchdrucker-
kunst aufgegeben hatten, Ulrich Gering zunächst allein als-
Drucker vor; er associirte sich aber 1480 mit George Maynyal, und
1489 mit Bertholdus Remholdt, auf welche Beiden wir später noch zu
sprechen kommen.
Falkenstein und seine Nachfolger nennen den Ersteren zwar
Guillaume Maynyal und lassen ihn von 1479 mit Gering zusammen-
drucken, aber er nennt sich in seinem ersten Drucke von 14:80
(Panzer II pag. 282 No. 68) Georgius , und kommt überhaupt nur
noch in einem zweiten Producte desselben Jahres vor, welches wir
unter No. 806 anführen. Aehnlich steht die Sache mit Bertholdus
Remboldt; ihn nennen Falkenstein und Nachfolger Bartholoma^us
und lassen ihn schon um 1484 sich mit Gering associiren, während
er erst 14:89 das erste Mal vorkommt. —
No. 804.
Marci TuUi Ciceronis „Officia, Laelius, Cato, Somnium
Scipionis et Paradoxa".
PariS; Gering, Crantz & Friburger, J471, Folio-Format.
Höchst seltene und kostbare Ausgabe, welche die wenigsten Bibliographen selbst
gesehen haben. Der aus Tours datirte Brief des Gutllermus Fichaeius an Johannes
— Paris. — 381
Xapidatms von 1471 , welcher die Ausgabe einleitet, giebt auch die Jahrzahl des
Druckes. Die Drucker sind nicht weiter genannt, doch zeigen die beiden Gelehrten
-der Sorbonne und die Typen Jene zur Genüge an. Das prachtige Exemplar ist auf
sehr grosses Papier gedruckt und kostbar in rothen Maroquin mit vergoldeten Be-
. schlagen , Schliessen und Ecken gebunden. Hain No. 5258 hat ebenfalls die seltene
Ausgabe nicht gesehen. —
1473 bis 1479.
Die zweite Pariser Druckerei, deren Erzeugnisse beinahe noch
seltener sind, als diejenigen der ersten. —
No. 805.
Lucii Annaei Senecae „Bpistolae".
Paris 9 Petrus Caesaris & Johann StoU, 1475« Quart-Format.
Diese ungemein seltene und erste datirte Ausgabe der Briefe des Seneca schliesst:
^Explicmnt Epistole Senetjce ad Lucilvum . Impresse Parisius II Anno domini
M. CCCC. Lxx. y.« Man hat diese Jahrzahl oft für 1470 gehalten. Die Charactere
dieser zweiten Pariser Druckergesellschaft, welche sich in diesem Werke nicht genannt
hat, sind höchst bemerkenswerth ; sie kommen der Antiqua fast gleich, die Majuskeln
Jedoch sind von eigenthümlicher Form, welche stark an Georg Huszner in Strassburg
■ erinnert. Jede Seite des Textes ist von vier roth gezogenen Linien umrahmt. Die
meisten Bibliographen haben die höchst rare Ausgabe nicht selbst sehen können,
so auch Hain, der nur eine dürftige Beschreibung unter No. 14600 liefert, welcher
.wir die Anzahl der Blätter, 207, und Zeilen auf jeder Seite, 25, hinzufügen wollen. —
Wind) (Sering ^ (George |llat)nt)al^
1480.
No. 806.
„Summa de quatuor virtutibus cardinalibus."
IParis, Ulrich Gering & George Maynyal, 1480» Folio-Format.
Wie wir bereits auf voriger Seite bemerkten, kennt man von dieser Association
nur zwei höchst seltene Produote, welche weder Panzer noch Hain selbst gesehen
haben. Vorliegende Cimelie ist der zweite Druck, vom 16. August 1480, wahrend
der erste bereits am 29. April desselben Jahres erschien.
Diese „Summa über die vier Cardinaltugenden*' ist eine andere als das Werk
des Henricus Arimenensis, von dem wir unter Strassburg No. 19.5a eine Ausgabe an-
zuführen hatten. Der Verfasser ist unbekannt. Die Ausgabe ist mit sehr hübscher,
kleinerer römischer Schrift gedruckt und enthält 294 Blätter in 2 Columnen zu 48,
49 auch 50 Zeilen. Hain No. 15173 und Panzer II pag. 282 No. 09 beschrieben das
Werk, ohne es gesehen zu haben. —
382 — Paris. —
(itttto plerrator aller JÜlardiant^
1483 bie 1500.
No. 807.
^fSEractatu^ br antma • || ebttua a bno petto bc ^iUiaco/^
PariS; Guido Marchant, 1494« Quart-Format.
Diese Ausgabe des Tractates „über die Seele* ist den Bibliographen unbekannt.
Unter dem Titel befindet sich ein Holzschnitt mit dem Namen ,,CratOt ^ari^aitt**;
ein zweiter Holzschnitt ist auf dem zweiten Blatte und ein dritter auf der Rückseite
des letzten. Das Schriftchen umfasst 36 Blätter zu 39 Zeilen mit der Schlussschrift:
„(Eiplictt breuis troctatns It anima et accibeutibns || (ins |lrr rtnerebü bnm yittri ht
atUiiaco cöptlatns 11 dmprtffufqj llariftus in cöpa gaiUarbi |ler (Knibon r II mercotoris •
Unno biti - Üt. (SCC® • rciü) • bie • ifitii • ^eytembris'^
Die gothischen Typen dieses interessanten Druckes sind sehr hübsch. Beson-
ders ins Auge fallend ist ihre grosse Aehnltchkeit mit den Bibeltypen des berühmten
Jenson, sodass man sie schwer unterscheiden würde, wenn letztere nicht etwas
kleiner wären. Sicher hat aber Jenson^s Type hier zur Vorlage gedient. —
J)ol)ann f|tgmann ^ l^olfgang ^opt|l^
1484 bi8 1498, 1489 bis 1521.
Diese beiden Typographen, von denen Higmann ein Deutscher
war, druckten um 1496 bis 1498 einige Werke zusammen, nachdem
Letzterer bei seinem ersten Auftreten 1484 im Hause der Academie
Sorbonne und wahrscheinlich auch mit dem Druckwerkzeuge, welches
Gering t Crantz dt Friburger dort als Eigenthum der Academie
zurückgelassen, gedruckt hatte. Demnächst erscheint er erst 1488
wieder mit einem Druckwerke; er war bis 1496 allein thätig und
gab dann bis 1498 Mehreres mit Hopyl zusammen, aber auch allein
heraus, während Letzterer 1496 auch mit dem berühmten Etienne
oder Heinrich Stephan ein Werk gemeinschaftlich gedruckt hatte,
und auch während seiner Varbindung mit Higmann je und je aUein
bethätigt war. Panzer fiiiirt Higmann in seinem Register bis 150a
auf; der letzte Druck aber, der von ihm bekannt wurde, ist von 1498. —
No. 808.
9ioni)ftU0 ^rropagtta : ^pcra quaebam, ^mbrofto QTamalbu-
Un|i tnterpretr.
PariSy Johann Higmann & Wolfgang Hopyl, 1498« Folio-Format.
Diese Ausgabe der ausgewählten Werke des Dionysius Areopagita ist mit einer
sehr schönen gothischen Type gedruckt ; die Marginalien mit kleinerer Schrift. Hain
No. 6238. —
— Paris. - 383;
No. 809.
Paris, Wolfgang Hopyl, 1514. Folio-Format.
Prachtdmck ersten Ranges, ebenso schon als selten. In diesem 280 Blätter starken-
Missale finden sich nicht weniger als 148 schöne Abbildungen, von denen 5 in Blatt-
grosse, sowie zahlreiche Initialen, sämmtlich durch Metallschnitt in Schrotmanier aus-
geführt. Es gehören diese Arbeiten zu dem Schönsten, was die Ornamentik der
Renaissance aufeuweisen hat.
Der leider nicht bekannte geniale Künstler hat sicher dem spatem Geoffroy Tory
um 1536. zum Vorbilde gedient, der sich durch seine Arbeiten den Ruf eines Haupt-
Reformators der französischen Kunst auf dem Gebiete der Bücher- Ornamentik er-
worben hat ; wenn man nicht gar annehmen will, dass Letzterer selbst der Yerfertiger
dieser kleinen Kunstwerke ist. Dann wären diese Arbeiten allerdings das Früheste
w^as von diesem Künstler bekannt geworden ist.
Passavant in seinem Peintre-graveur I, Seite 16.*), vermuthet allerdings, dass
die ersten Metallschnitte dieses Künstlers sieh schon in einem von Simon Vosire
gegen 1515 gedruckten Gebetbuche befinden. Ebensowohl könnten freilich die Ab-
bildungen des vorliegenden Missaie seine Erstlingswerke gewesen sein, obwohl sie-
dle Hand eines vollkommenen Meisters bekunden.
Von dem im Werke vorkommenden ^Canon^ sind 6 Blätter auf Pergament ge-
druckt; einzelne der Abbildungen sind in Farben ausgemalt. Die Kosten dieses
wundervollen Druckes trug der berühmte Cölner Verlagsbuchhändler Franz Birkmann,
dessen Signet mit dem Cölner Wappen sich am Schlüsse in zwei verschiedenen Auf-
fassungen befindet.
Trotz seiner wunderbaren Schönheit ist dieses Missale so wenig bekannt, dass
Panzer es gar nicht erwähnt, Brunet und Graesse aber es nur ganz kurz citiren^
ohne es gesehen zu haben, woraus seine grosse Seltenheit hervorgeht. Möge die
Schiussschrift hier noch Platz finden:
,,illiffale ab bininn officittm vtrllagenbiT occommobatifftmnm : abllofum ac ritnm
tcde/ie maioris Co||lonieft8: imprfts t^onefli oiriirrä||circi birdimä in oltua i|Darifiornm ||
ocabnnto a VDolffgango j|opt)lio ll impreflfnm. || Utnale Ijabetur Kolonie opnb 1| templn triunt
Htgiltn in pingni |i (SaUina.*' Einband von dunklem, schön gepresstem Leder mit ver
goldeten Messing-Ecken und Schliessen. —
Pl)ilippe Pigpttdift^
1484 bi0 1512.
No. 810.
* ,,2lu9ufttnu§ be üirtute pf almorum. "
Paris ^ Philippe Pigouchet, circa 1490* Quart-Format.
Incunabel von grösster Seltenheit und eine den Bibliogfraphen unbekannte Aus-
gabe. Nur Hain hat ein Exemplar beschrieben, dem aber die Hauptsache, das
erste Blatt mit dem obigen in alter Batarde gedruckten Titel und dem schönen
Druckerzeichen Pigoitchefs fehlte , weshalb er, da keine andere Angabe des Druckers
darin befindlich. Letztern auch nicht erkennen konnte. Im Uebrigen stimmt seine
Beschreibung unter No. 1977. —
384 — Paris. —
1484 bis 1500.
No. 811.
,)3ttcipit al)il)abetü || biuini amoria be rlruatione mentb in
bru II ornrrabUtd macjtftri ^ol^änie QIrrfon can-||cellarij
panprÄ.*^
Paris^ Georgius Mittelhus, 1493. Klein Octav-Format.
Seltene Incunabel von 86 Blättern. Hain No. 7(>37 hat kein Exemplar gesehen,
tiothischer Druck. —
Pierre jfetift^
1486 bi6 1499.
No. 812.
,,(Sjrempla facre fcripturr.**
Paris ^ Pierre Levct, circa 14 7 8« Klein Octav-Format.
Verfasser dieser anonym erschienenen Schrift ist nach Quetif ein Cistercienser.
■Giovanni Carli; sie behandelt eine Reihe theologischer Materien nach Stellen der
heiligen Schrift. Die vorliegende Ausgabe ist von grosster Seltenheit und von keinem
der Bibliographen, die sie citiren, selbst gesehen. Sie ist mit einer kleinen wunder-
hübschen gothischen Type gedruckt und enthält 104 Blätter mit Signaturen und
31 Zeilen.
Obiger Titel steht allein auf dem ersten Blatte. Das sweite Blatt beginnt :
„Sncipinnt ttmpiü facxt fcriptnre er otroq; te flamento fedibitm orbtne Htttrart coleds :
et pri| mo be abflinentia.** Auf Blatt tos verso steht die Schlussschrift: „'fttwipia
facre fcriptnre er oeteri t nono tcfla||mento coUecta : recttnbain (siel) orbint ittttrarn
finin- ,tnr feliciUr . 3npref]raq} parillns fnb nrbiis facti || gemani be gratis yer fßttn
£enet." Hiemach folgen noch 2 Blätter Tabulae. Hain No. 6763 giebt nur eine
ganz dürftige Notiz, ohne das Buch gesehen zu haben. —
ßnxmh (Sedier^
1489 biö 1520.
No. 818.
^^Concorbata inter lltontm jE. rt 3franct6Cttm JJ.*^
Paris 9 Durand Gerlier, 1520« Octav-Format.
Letzter, sehr seltener und wenig bekannter Druck Gerlier's. Am Kopfe de9
Titels stehen das päpstliche und das ft-anzosische 'Wappen , dazwischen zwei In-
schriften ; darunter der 17 Zeilen lange Titel und unter diesem ,,(EniH pritrilt^io 1IOV0
ab biennin.** Die erste Ausgabe erschien 1518. Am Schlüsse steht in acht Zeilen
das franz<)sische Privileg, welches auch die Jahrzabl 1520 enthält. 89 gezählte und
7 ungezählte Blätter.
— Paris. — 385
1490 W6 1516.
No. 814.
„Sermones & Epiftol^ Quinti Flacci Horatii || cum fami-
liari & dilucida explanatione Jodoci Badii Afcenfii ab
eodem diligetius recognita || Et in epiftolas pr^fertim
& aucta & repofita:**
Paris, Denys Roce« lo03. Folio-Format
Bildet mit den beiden nächsten Nummern, die »ber alle drei typograpMsoh nicht
zusanmienhängen , die erste Ausgabe der Werke des Horaz mit dem Commentar des
berühmten Gelehrten und Buchdruckcr^s Jodocus Badius Ascensim, den wir in seinen
typographischen Leistungen ebenfalls noch kennen lernen. In Antiqua gedruckt,
mit dem schönen Schrot-Buchdruckerzelchen des Denys Roce auf dem Titel; enthält
101 numerirte Blätter mit Signaturen und ein leeres. Ebert hat auch den Druck
dieser Ausgabe fölgchlich dem AscensiuB zugeschrieben; vergleiche No. 10140. —
No. 815.
„Horatii Od§ . Carmen Epodon et Sfculare cum || exactif-
fima Antonii Mancellini: Et cum familiari || lodoci Badii
Afcenfii explanatione.**
Paris^ Denys Roce» 1503. Folio-Format.
In derselben Ausstattung wie die vorige Nummer; mit dem Buchdruokerzeichen
auf dem Titel. Enthält (IV) & und 186 numerirte Blätter. —
No. 816.
.Horatii „de arte poetica libellus".
Paris^ Denys Roce, 1608, Folio-Format
Ohne Titel; in derselben Ausstattung wie die beiden vorigen. Enthält 34
numerirte Blätter.
(ieofrot) ^ €n0elbert tu JUarnef^
1490 bi6 um 1540.
No. 817.
„j0e Btta Cpüali afe mgti ^ä^DJjaniö Clerfon/^
Paris, Engelbert & Marnef, 1493, Klein Octav-Format.
Am Schlüsse dieser kleinen Schrift steht zwar nur ,^ 3mpr(|flini ac finitlim |lari|ljf
2^ (Bnqitbtt \\ t^O l>t marnef . . "^ aber auf dem Titel befindet sich das Druckerzcichcu
25
386 — Paris. —
mit dem Pelican und den Initialen der beiden Brüder (B k 16 ht marnef. Hübscher
gothiBcher Druck von 68 Bl&ttem und hoehst seltene Incimabel, die Hain No. 7673
nicbt geseben hat. —
1494 bi6 1120.
No. 818.
^,$)iufcuU biui ^ugUilllim longe )ire|lantif|tma cum bu)iltct {|
inbtctD rurfu» parrijifpta coimprefla.^^
Paris 9 Andreas Bocardus, 1502« 2 Bände in Quart-Format.
Auf dem Titel mit dem geschrotenen Buchdruckerzeichen des Jehan PeÜi, auf
dessen Kosten diese Ausgabe der Werke des Augustinus hergestellt wurde. Mit
sehr hübscher und kleiner gothischer Type gedruckt —
1495 bie 1536.
War aus Asch bei Brüssel gebürtig und nannte sich deshalb
Ascensius, sowie seine Druckerei „Praelum Ascenstanum", Badius
war Professor für scliöne Literatur und Sprachen und gab ver-
schiedene Ausgaben der Classiker mit gelehrten Anmerkungen
heraus, und zwar, wie wir bei den vorhergehenden Nummern be-
merkten, auch für andere Druckereien. Seine Werkstatt war eine
der berühmtesten seiner Zeit; nach seinem Tode führte dieselbe
sein Sohn Conrad bis 1549 fort. Seine drei Töchter waren an
drei berühmte Typographen verheirathet : Michael Vascosan, Jean
Roigny und Robert Etienne, die wir ebenfalls noch kennen lernen. —
No. 819.
^^Äptifle IKantuani ?8ttCoUca || feu adolefcentia in decem
sBglogas diuifa. || A Jodoco Badio Afcenfio famüiariter ||
expofita, cum indice dictionum."
PftrlSy Jodocus Badius Ascensius, 1502« Quart-Format.
Gras citirt in seinen ^Bnchermerkwürdigkeiten*' pag. 1S9 eine Ausgabe des
Ascensius vom 91, März 1503, was Panzer YII pag. 508 No. SO copirt hat. Es
ist dies vermtithllch ein Irrthum, da die Vorrede des Ascensius in der vorliegendea
Ausgabe von „sexto Ealendas Apriles (= ;97. M&rz) Anno M. D. IL" datirt ist.
Eine weitere Angabe- über den Druckerj^hat diese 4 ungM&hlte und 78 genhlte
Blätter enthftltende Ausgabe nidit. —
— Paris. — 387
No. 820.
^t9ftnorum Megü l^eroüq; || ^iftori^ ftilo eUgätia <3a|r||one
CIrammattco nattone || 3ialanbtco necitü üofktl || benfta mlrlre'
pre)io|!tto • || abl)mc fttpra trecrntos an]no6 cö|cri)ite et nuc
primu II Uteraria ferie illufirate ter || fif|imf qj impreff?/*
Paris ; Jodocus Badius Ascensius, 1514« Klein Folio-Format.
Erste Ausgabe der „Geschichte D&nischer Könige", aus einem Manuscript gedruckt.
Unter obigem Titel steht ein hübscher Metallschnitt in geschrotener Manier: Im
Yordergmnde ein dänischer König mit Schwert und Reichsapfel, vor ihm das däni-
sche Wappen und hinter ihm eine Schaar gewaffneter Helden; links unten steht in
einem Bande : 'KEX DANORVM und rechts die Marke des Künstlers C P. Letztere
ist, obwohl sie offenbar das Zeichen eines ausserordentlichen Meisters ist, in Nagler''s
Monogrammisten nicht erw&hnt worden.
Eine schone Bordüre in derselben Manier umgiebt den ganzen Titel. Zahlreiche
Scliroi-Initialen zieren den Text des Werkes; auch erscheint zu Anfang der Capitel
noch mehrmals das danische Wappen in zweierlei AuflEusimg; einmal steht es im
Initial j^ mit der Unterschrift ^amta rfgis bocie^; das andere Mal im Initial D.
Hier steht in den beiden obern Ecken des Metallschnittes: REGIS und DACIE;
in den beiden untern ARMA und (rechts) die Initialen C P imd C L. Der Text des
Werkes ist in Antiqua, der Titel mit Missalschrift roth gedruckt. —
Jean petita paroua aud) pu|!Uu0^
1496 bis 1536.
Druckte unter den mannichfachsten Verhältnissen; war aber
meistens als Verleger thätig. —
No. 821.
^ilTfonarbt ^relint be || Bello Gotthorum: feu de Belio
Itali-||cO aduerfus Gotthos Libri || QuattUOr," Buchdruckerzeichen,
darunter: „Venditur in vico diui Jacobi || Sub Leone Argenteo.*'
Paris (in Bellovisu), Jean Petit, 1507. Klein Quart-Format
Enthalt 48 numerirte Blatter, mit kleiner Antiqua gedruckt. —
No. 822.
^,39rrclarttm, ac inpgnf opus cöjtcittn-||bartt cUctionü Wm-
taritt accttum: . . .** weiter unten: ^jlJenübator JßmfbxB. ^
<3ol)Sne )iaruD{|in nico im J^acobi^ fub lilio aureo febente/^
Paris ^ Jean Petit, 1611. Klein Octav-Format
Eine den Bibliographen unbekannte Ausgabe. Der Titel, von dem wir nur zwei
Zeilen copirten, umfasst deren 15, die roth gedruckt sind; die von uns wieder-
25*
388 — Paris. —
gegebenen untern 2 Zeilen sind roth und schwarz gedruckt.- Dazwiscben steht
das Bnchdruckeneichen des Jehan Petit mit der Lilie und den Löwen. Das Werk
enthalt 80 Blätter, die den Titel, Tabula, Privilege (mit der Datirung von 1511)
und Schreiben des Herausgebers Pttrus de Biaxio an den Cardinal Amaneus aas-
machen (auf Blatt 20 verso befindet sich ein Holzschnitt), und 108 numerirte
Blatter. —
3ean Petit ^ 3o||> lial>e
gemeinfam.
No. 823.
^^Uottfm 3F. ?8apti|le Jlätttatti (KarmrltHtaB, Theologi poe-
taöq3 clariflimi opa praeter caetera moralia. . ." weiter unten:
^^IJenunbantur ab^ Jfoane JJaruD et ipfo || Afcenfio Parrhifiis :
!Et ab Jacobo Foreftario Rothomagi: in fuis cuiufq3 aedibus."
Paris 9 Parvus, Ascensius & Jacobus Forestarius, 1507«
Folio-Format.
Zwischen dem langen Titel, der 28 Zeilen hat, und den untern zwei Zeilen steht
das Buchdruckerzeichen des Badius: die JBuohdruekerpresse tdjX der Inschrift:
,,}lrelä 3lfcen/ianä'*. Wie aus dem Titel hervorgeht, hatten die beiden grossen Pariser
Druckerherren bei der Herstellung dieser Ausgabe noch einen Dritten theilnehmen
lassen. Dieser ForestaritM war aus Ronen, und kommt auch als Verleger daselbst vor.
Der Druck dieser von Jodocus Badius selbst commentirten Ausgabe ist übrigens
meisterhaft. Der Commentar ist mit einer ausserordentlich schonen Nonparellle-
Gothisch gedruckt, die beinahe der berühmten Type der Froben^schen Bibel in Octav
an Schönheit gleichkommt. Der Textdruck ist Antiqua durchschossen. Von Folio
CXCIX bis CCXXXVni ist merkwürdiger Weise die Nonparellle-Gothisoh von Petit-
Antiqua abgelöst. —
No, 824.
^iSttt fitttj JJatattitti ?|i|lorict clarif|||tmt: que eirtant iBe-
cabeö cum ffpt-||tome L. Flori in omneis libros. || . . .**
Unten: ^ ,lJ9enübanlur ab j^oannc parua rt || ^fcen|to tpfo.*^
Paris^ Parvus & Ascensius, 1510 bis 1511« Folio-Format
Seltene Ausgabe mit Commentar des Antonius Sabellicus und Ascensius, die
Ebert nicht kannte und daher falsch beschrieb. Er führt sie unter No. 12079 als
Nachdruck der Venediger Ausgabe ven 1491 mit 20 und 229 Blättern Inhalt an; sie
ist aber nicht reiner Nachdruck, sondern um ein Register und eine explanatio von
Ascensius vermehrt und enthält 86 ungezählte und 280 gezählte Blatten
Unter dem Titel befindet sich die ßuchdrueherpresse, und das Ganze umgiebt
dieselbe Bordüre, die in Saxo : Danorum regum historia unter No. 819 vorkam.
Mehrere schone Initialen zieren den Text, der in Antiqua gedruckt ist Die Vorrede
des Ascensius ist von 1.511 datirt, während die Schlussschrift von den Iden des
März 1510 lautet. In der Zwischenzeit geschah jedenfalls der Druck. —
— Paris. — 389
No. 825.
^^^rirnua Somus operum || ^rtgcnid ^bftmfttttij : cä || pUctrits
poft \)mt tabula || generaUm rjrpUcanba. || Mehr unten: iJrn«-
bantur cü tribu» reU-üquisi eorübf tamid in rbib^ || J^oan-
m0 parui: et jJaboci || IBabtj ^fcffij: €um jratia || et
priuilegiD rrgio/^
Paris^ Parvus & Ascensius, 1512« 2 Theile in Folio-Format,
Diese Ausgabe der Homilien des Origenis reicht bis cum Propheten Ezechiel.
Auf dem Titel befindet sich die Buchdruckerpresse und dieselbe Bordüre wie in voriger
Nummer. —
^tnxi €ttenne ober ^ttpf^mns I.
1496 bis 1520.
Die Familie der Etienne. gehört zu den gefeiertsten Namen in
der Geschichte der Buchdruckerkunst. Ihr Begründer war Heinrich
Stephanus, zum Unterschiede von seinem später berühmten Enkel
gleichen Namens „der Erste" genannt. Er druckte nicht erst
von 1509 ab, wie Falkenstein angiebt, auch nicht von 1502^ wie
Deschamps sagt, sondern kommt schon 1496 mit Wolfgang Hopilius
beim Drucke einer Ausgabe von Joannis P'abri „Introductio in
Aristotelis Ethicorum" zusammen vor, und machte sich von 1502
bis 1520 durch zahlreiche Werke bekannt. Nach seinem Tode
heirathete der berühmte Bretagner Simon de Colines seine hinter-
lassene Wittwe und übernahm sein Geschäft; wir werden auch
diesen grossen Typographen noch besonders anführen. —
No. 826.
„IN HOC LIBRO CONTENT! OPERA [| HYGONIS DE SANCTO VICTORE
De institutione nouitiorum,
De operibus trium dierum
De arra anime.
De laude charitatis
De modo orandi
Duplex expositio orationis dominice.
De quinq3 septenis
De Septem donis spiritus sancti.**
Paris ^ Henricus Stephanus, 1506. Quart-Format.
Von Jodocus Clichtoveus besorgte Ausgabe dieser Schriften des Hugo de S. Victor.
Correcter Druck mit sehr deutlicher Antiqua, die aber durch das Zusammenlaufen der
einzelnen Worte auf das Auge geradezu peinigend wirkt. —
390
— Paris. —
No. 827.
„CONTENT! • || THEOLOGIi DA-JMASCBNL"
I. De ineffabili diuinitate.
II. De creaturarum genesi ordine Moseos.
III. De iis que ab incamatione vsq3 ad re-
surrectionem.
IUI. De iis que post resurrectionem vsq3 ad
vniversalem
RESVRRECTIONEM."
Paris 9 Henricus Stephanus, 1507« Quart-Format.
Die erste Ausgabe dieser vier Bücher des Johannes Damascenus, welche man
als das erste theologische System betrachten kann. Gras, Merkwürdigkeiten pag. 69.
Wit derselben Type gedruckt wie vorige Nummer. Beide Werke sind so gut erhalten,
dass man annehmen möchte, die Augenschmerzen der Leser haben sie vor stärkerem
(Gebrauch bewahrt —
No. 828.
„Galeni opera || N. Leoniceno interprete. . ."
PariS; Henricus Stephanus, 1514« Quart-Format.
138 ungezählte Blatter, davon ein leeres. Ist mit derselben Type gedruckt wie
die vorige Nummer. Der Titel steht in einer Bordüre. —
8:l)ielman ^erner^
1497 bi6 1534.
No. 829.
ISonifacU YIII. „fibcr fr;-tu0 jDrcrrtalium cum commcnto
Paris 5 Thielman Kerver, 1509* Quart-Format.
Es ist dies eine allen Bibliographen unbekannte Ausgabe. Durch ihre vorzüg-
liche Schönheit verdient sie umsomehr bekannt zu werden. Der brillante Roth-
und Schwarzdruck geschah in herrlicher Gothique von zwei Grössen; schöne Schrut-
loitialen vollenden die prachtige Ausstattung. Auf dem ersten Blatte steht das ge-
schrotene Druckerzeichen Thielman Kerver's ; Jenes beginnt mit der rothen Uebcr-
schrift:
^fänli librt tnoteria ci ca|)ttalorn nnmero.'^ Blatt l verso und 2 recto steht eine
„Beclarotio arboris confangutnitatis"; Blatt 2 verso und 3 recto die Abbildungen des
Ärbor consanguinitatis und Arbor affinitaiis; Blatt 4 verso ein schöner Holzschnitt,
die Ueberreichung der Decretalen an den Papst darstellend. Die roth gedruckte
Endschrift, in der nur die Namen des Druckers und der beiden Verleger schwarz
sind, hat 13 Zeilen, wovon wir nur den letzten Theil reproduciren:
„Einern accepit opera ftiielmanni kertterll famofiflime omner|tta$ porifiefit
i'ibrarii 3n ino||gno oico Mni üacobi ab ftgnnnt CroticoU commo||rontis tnipenfts ocro
tinfliem ac t)one|lornm uiro||rnin 3o^(iius petit (t 3oi|annis cobilUr 3lnno ab >
ittcornatiöe bomittt quingentertmonono fupro inli; le: tie nero menfls febmarii. iüi."
— Paris. —
391
Die Ausgabe hat 4 ongecählte und 276 gezahlte Blatter, denen noch 10 Blltter
Tabula folgen. Angebunden sind in derselben Ausstattung drei ingleichen unbekannte
Ausgaben der „Clementinen'^, „Exiravcigantes communet^ und Johannis XXII „Extra-
vagantes'*, die wir in den n&chsten Nummern specieli anfahren. —
No. 830.
öElfmenti0 V. ^,(l0n|litutione0 cum apparatu Jfoannis^iibrfae^.
Paris, Thielman Kerver, 1509. Quart-Format.
Mit voriger und den folgenden Nummern zusunmengebundene und gleich aus-
gestattete Ausgabe der Clementinen ; den Bibliographen ebenfalls g&nzlich unbekannt.
Die Ueberschrift des ersten Blattes ist roth gedruckt: ,,Cleineittinori moteria Ptm ca-
yitnlorn et titnlorü nnmero." Das Druckerzeichen befindet sich auch hier auf dem
ersten Blatte ; auf der Rückseite derselbe Holzschnitt, welcher Blatt 4 verso in vori-
ger Nummer gefunden wurde. Das im Wesentlichen gleiche Colophon hat hier
11 Zeilen mit dem Unterschiede in der Datirung: ,,^tfe febrnarij circa fltie.*' 110 ge-
zählte Blätter und 6 ungezählte Blätter Tabula. —
No. 831.
^t^irtratiagantrs communf0/^
Paris ^ Thielman Kerver, 1609. Quart-Format.
Auch diese mit den beiden vorigen und der nachfolgenden zusammengebundene
Ausgabe der Extravaganten ist den Bibliographen unbekannt. Das Werk ist eine
den übrigen canonischen Rechtsbüchem angefügte Privatsanunlung , welche von
85 Gelehrten zusammengestellt wurde und bildet gleichsam den Anhang zu dem
ganzen Corpus Juris canonici, wovon den ersten Theil die Decretalen Gregorys IX.
(Buch 1—5) den zweiten die Decretalen des Bonif actus VIII. (Buch 6), den driUeti
die ConstituUones Clemens' Y. (Buch 7) bilden.
Wie es scheint, sind diese Extravaganten, die für das heutige Recht keine Gel-
tung haben, da sie bei uns nicht recipirt worden, sonst gar nicht im Druck er-
schienen, denn es ist gegenwärtige die einzige Ausgabe, welche wir davon entdecken
konnten. Da auch sie bisher den Bibliographen ganz unbekannt war, dürfte sie
wohl einiges Interesse erregen. Wie die übrigen in diesem Gollectan-Bande befind-
lichen Ausgaben ist auoh diese mit Gommentar versehen, dessen Verfasser sich auf
^olio • ii. am Anfange nennen: Johannes Monachus Picardus CardinäUs; Quiller-
mus de Monte Lauduno und Johannes Franciscus de Pavinis.
Die Ausstattung ist die nämliche wie in den vorigen Nummern. Auf dem ersten
Blatte befindet sieh w^ieder das Druckerzeichen Kerver's und die rothgedruckte
Ueberschrift lautet: „(SrtrauQgätes cÖeB^^ Die Schlussschrift hat 11 Zeilen und Spitz-
form; die Datirung lautet: ,,Dte io yenultima i| mtn|is iUoctii/' 60 gezählte Blätter
8 Blätter Tabula und 1 weisses Blatt. —
No. 832.
i^ffftrauagantra • ;-]r J^otjannis • yrü/^
Paris 9 Thielman Kerver, 1510. Quart-Format.
Mit den vorigen drei Nummern zusammengebunden ; von gleicher Ausstattung ;
den Bibliographen gänzlich unbekannte Ausgabe. Der obige Titel steht roth gedruckt
392
Paris. —
als Ueberschrift auf dem ersten Blatte mit dem Druckerzeichen. Die 15 seilige
rothe Schlussschrift enthält die Datirung: ,^ntto ab tttcarnatiöt bitt qttttt^nitelinobt-
cimo Sn\\pxa miUe • menfe ^Cprtlt circa tnebinm/^ 64 gezählte Blätter, 3 ungezählte
Blätter Tabula und ein leeres Blatt»
Dieses Werk bildet zu den drei vorigen Nummern den Schlusstheil dieser
schonen Gesammt- Ausgaben aller Ergänzungsschriften zu den Decretalen des Gregor IX
und also eine zweite Abtheilimg des Corpus juris canonici. Alle vier Theile sind
kurz nacheinander auf Kosten von Jean Petit und Jean Cabiller gedruckt und bil-
den ein Ganzes, das aber typographisch nicht zusammenhängt, weshalb wir sie in
der Beschreibung auch trennen mussten.
Die aus dem gänzlichen Schweigen der Bibliographen hervorgehende Beltenbeit
dieser herrlich ausgestatteten Ausgabe bleibt in der That merkwürdig. Das vor*
liegende Exemplar stanmit aus dem Kloster Gengenbach, denn es befindet sich auf
dem 1. Blatte der Decretalen des Bonifacius die Inschrift: „Monast • Gen-\\gen-
bachensis. \\ 1688. —
pott« le preuj: oirer probus^
1498 bi6 1533.
No. 833.
„Jacobi Fabri Stapulenfis Introductio moralis in Ethicen
Ariftotelis: Judoci Clichtouei || Neoportinenfis familiari
commentatio explanata".
Paris ^ Ponce le Preux, 1514* Klein Folio-Format
Es ist dieses eine den Bibliographen gänzlich unbekannte Ausgabe. Die Zeilen,
welche wir oben als Titel angeführt haben, sind nicht der eigentliche Titel dieser
Ausgabe. Letzterer, der in Spitzform in 6 Zeilen auf dem Titelblatte steht, enthalt
aber nur einen Wortschwall, in dem das Wesentliche nicht einmal ausgedruckt ist;
darunter befinden sich ein Tetrastlchon des Beatus Rhonanus. Obiger Titel steht am
Kopfe der Kehrseite des zweiten Blattes.
Die Ausgabe enthält 45 numerirte Blätter. Die Schlussschrift wollen wir, d*
sie durch einen Druckfehler interessant ist, vollständig geben: „JOrefens introtttCtiO
moralis, oMnndo fa-| Imiliari contnentarto , x pofl primnm ebittone^llplerifq} oMrctis
ab ancto bedarata: abfolnta efl in 3Clma ]9ar^iftorü acabemia per |)on-|;cetn leDrrnlf,
in fomtnlaria litterarn arte opifice 3Cnno ab tncarnatiöe biti oirtuttt • 150 • 14. (sie!)
26. ülaii • ttne in eMbns |)onceti ie |)ren{ i| e regione illatiinnnornm ab Jnterfignisn
ffnpi commorantU Denaiis proflat.'' Die Schrift ist sehr klein, theils Antiqua, theils
gothisch. —
Mobert (ioitrntont)
1498 bi0 1518.
Von diesem Typographen ist im Verhältnisse zur ziemlich
langen Dauer seiner Thätigkeit nur sehr Weniges bekannt Er
kommt schon 1498 mit Antoine Denidel bei einer Ausgabe von
— Paris. —
393
Pindar's Uebersetzung des Trojanischen Krieges vor, in welcher
die Jahrzahl eigenthümlich ausgedrückt ist, durch M. CCCC. IUI.
XX. XVIII (quatre vingt et dix huit). Dann jedoch bringt ihn
Panzer erst wieder 1505, 1508 und 1518. Hierbei steht freilich zu
vermuthen, dass dem genannten Forscher sehr Vieles entgangen
sein mag; wie zum Beispiel auch der nächstfolgende Druck Gour-
mont*s von 1502 ihm gänzlich unbekannt geblieben ist. —
No. 834.
^^9ieta fa(utt0 a beato bonaue||tura Dltimate emenbatum ac
fian|tu0 nottiter impreDum.^*
Paris 5 Robert Gourmont, 1502« Octav-Format.
unter obigem Titel steht das gescbrotene Druckerzeichen Gourmont's ; am Ende
die vollständige Datirung. Das Werkchen enthält 116 gezahlte und S6 ungezählte
Blätter. Die Type ist eine kleine Gothisch von mehr holländischem Ductus. Panzer
kannte die Ausgabe garnicht; Grässe citirt sie kiirz. —
1499 bis 1510.
Dieser Typograph, ebenfalls ein Deutscher, hatte auch eine
Druckerei zu Lyon, die er gleichzeitig mit der Pariser von 1498
bis 1515 versah. —
No. 835.
ji3?t9ure biblic clariffimt uiri fratris || ?lntl)onü bc ISampc-
10910: or-||biniö fanrti 3lu9u|lim.*^
Paris^ Nicolaus WolfF, 1510. Octav-Format.
Ist der letzte Pariser Druck dieses Typographcn. Obiger Titel ist roth gedruckt ;
darunter steht das ebenfalls rothe Buchdruckerzeichen. Enthält 16 ungezählte (da-
von ein leeres) und 174- gezählte Blätter, mit kleiner gothischer Type in 2 Colum-
nen gedruckt. —
/ratt9ai8 MegnattU & %tm öe la Parte,
1500 bis 1535, 1516 bie 1520.
Der letztere Typograph druckte später in Lyon. —
394
— Paris. —
No. 836.
i^iSptfloU btut Pauli npolioli: cum commen: || tarii0 fiteda-
riffimt mxi J>acobt 3^abn ^tapulrtt ||
ISrnunbantur Parrlji|tt9 in ebibua ^rancifci || ilepault: rt
ßomnxB br la Porte ISibliopolarum/^
1617. Folio-Format.
Auf dem nummerirten Blatte CCYIII findet man die Schlussschrift mit der Da-
tirung. Die Ausgabe ist nur Nachdruck derjenigen von Heinrich Stephan 151S,
aber wegen der schönen Initialen in geschrotener Manier von Werth. Man findet
sie bei den Bibliographen nicht aufgeführt. —
Engelbert) ßtm ht IHarnef ^ pierre ^kxt^
1500 bi0 1530.
Wir lernten die beiden Brüder Engelbert <& Geoffroy de Mamef
bereits auf Seite 385 kennen. Den dritten Bruder Johannes führt
Panzer um 1500 und dann erst wieder 1519 an; er kommt 1536 auch
in Poitiers vor. Petrus Viart kommt bei Panzer erst in den Jahren
15 21 und 1522 vor; die nächste Nummer, welche Panzer nicht kannte,
berichtigt diese Daten. —
No. 837.
5,Pe. II Molfeti Uaurrtia» J| Stephanis, Panegyris, opufculii
de puero Judfo || & miraculo Eucharifti§ cum egregijs &
perfpicuis || Nicolai Bonefpei Puteani Trecen • commetarijs."
Paris, Engelbert, Jean de Mamef & Pierre Viart, 1517.
Quart-Format.
Panzer unbekannte Collectan-Ausgabe dieser Dichtungen des Rossetus. Auf
Blatt 8 steht das Colophon, in lA-elchem die Datirimg und die Namen der drei
Drucker angegeben sind. Auf dem Titel steht das Zeichen mit dem Pelican und
der Inschrift E G DE MARNEP und auf der Rückseite des Titels das Privileg ftr
Engelbert de Mamef mit dem Datum y,Paris le • xviij. iour de May M. D & VIP.
Der Druck ist Antiqua. 8 ungezählte und 156 gezählte Blätter. —
^ean lambert,
1503 bie 1513.
Ein Typograph, von dem nur sehr Weniges bekannt ist.
Panzer führt ihn nur in den Jahren 1503 und 1513 an. Jedoch
dürfte ihm Vieles unbekannt geblieben sein, wie er auch den in
folgender Nummer beschriebenen Druck nicht gekannt hat. —
— Paris. —
395
No. 838.
^^SrÄCtat^ b^artf br||nf uiwenbi rt brne morienM.*^
Paris^ Johannes Lambert, 1504* Klein Octav-Format.
Auf dem Titel steht das Yerlegerseichen des Denis Roce. Am Schlüsse ein
8 zeiliges Colophon, in welchem sich Lambert als Drucker nennt. Die Type ist eine
kleine Gothisch, in welcher ähnlich wie bei Friedberg in Mainz abwechselnd ein
fettes halbrömisches S erscheint. 36 ungezählte Blätter. —
^tm Parbier^
1505 bie 1514.
No. 839.
^)3iima Btrtu-{|tum ac Dttiorü CluUI)elmi Paral-|{M (Spt-
fcopi ITujbuncupfii bc orMne prebicatorum.*^
Paris 9 Joannes Barbier, 1512« Octav-Format.
unter dem Titel steht das Buchdruckerzeichen des FranQois Regnault, der zu-
sammen mit Jean Petit und Jean Frellon die Kosten der Ausgabe bestritt Mit
kleiner gothischer Type gedruckt. —
Jol)annes IHerrator otttx l^ardjant^
1505 biö 1511.
Diesen Typographen führt Panzer erst um 1510 und 15 ii an.
iEls ist vermuthlich der Sohn des Guido Mercator, welchen wir um
1483 bis 1500 bereits verzeichnet haben. Panzer führt im Register
den Guido zwar noch 1505 an, aber der Druck dieses Jahres : Poly-
dori Vergilii „de Inventoribus rerum Libri tres" enthält nur die
Angabe: ,,Parisius in Campo gaülardo pro Johanne peiit MDV"
und kann daher ebensowohl und wahrscheinlicher von Johannes
Marcator , der auch ,,in campo Gaillardo" firmirte, als von Guido
herrühren, welcher letztere mit 1500 bereits nicht mehr erscheint. —
No. 840.
^)Srractatu$ be ani ma rbitua a bno prj tro bc ^(liaco.^^
Paris, Johannes Marchant, 1505* Quart-Format.
Eine den Bibliographen unbekannt gebliebene Ausgabe dieses Traetates „über
■die Seele" mit dem Zeichen des Jehan Petit unter obigem Titel, auf dessen Kosten
das Werkchen hergestellt wurde. Es enthält 36 in 2 Columnen gedruckte Blätter,
-davon ein leeres. Die Schlussschrift lautet:
,,SractatiiB brenis te anima et || accibrntibus einB |)fr Heaeren-Ilbiffimttm bominü
:Petnim bf Miaco compilotus, et |)ari!tns || folertia caracteribnrqj 3ot)änis l| iKardiant
30
— Paris. —
morom Unetif 0äpi |I gaiUarbi SDipreffns 3mptnfts ll 3o||annis Detit Sommorätf UilBico
fancti 3acobi ivb ftont ar-llgenteo. Hvmo (fic!) totntni • 1505. 9ie||rroiu ttontn-
bril il Sans teo-*' Die Typen sind gothisch. —
(iiUes (üotttmont ^ Claitbe Clietiallon^
1507 big 1533,
welchen Letzteren wir weiterhin noch besonders kennen lernen.
No. 841.
„Clariffimt artiü et ra||crr lljfologic boctom magri ^mt
bet)io II QIEaietant toti^ orbts fibtcatorü giialia titagri. || |n
pmä fäctifltmi boctoris Sll)omr Jlqnatia || fumme tl)eolo$ic
partrm cömentaria* • /^
PariSy Claudius Chevallon & Egidius Gourmont, 1514«
Octav-Format.
Mit kleiner gothischer Type gedruckt. Auf dem Titel stebt das Dmckeneicben
Chevallon^s. Enthält 8 ungesählte und 471 gezahlte Blatter nebßt einem leeren. —
|gertl)olb ^embolbt ^ ßo\)mn WnUxiots^
1509 b!0 1519.
Nach dem Tode Ulrich Gering's um 1509 begann Berthold
Remboldt, den wir auf Seite 380 als Socius des Ersteren kennen
lernten , theils allein , theils mit andern Typographen zusammen zu
drucken; so erscheint er mit Jodocus Badius, Johannes Farvns,
Thielmann Kerver, Durandus Gerlier, besonders aber mit Johannes
WaterLoes, den er ziemlich constant -bis 15 19 als Socius behielt, zn
welcher Zeit beide Typographen vom Schauplatze verschwinden.
Aus den Schlussschriften ist zu ersehen , dass die Werkstätte im
alten Druckhause Gering's „Zur Goldnen Sonne" bis zum Schlnsse
dieselbe blieb. Uebrigens geht aus einem Drucke der Wittwe Rem-
boldt's von 1519 der damals erfolgte Tod des Letztem hervor. —
No. 842.
,^1ieattff!ini decilit Cijpriani carttjaUginenfiü pr^fulis, ora-
toris, verbiq3 diuini pr^conis eloqu^tiffimi: ac trini vniufq3
dei proclamatoris vehementifllmi opera hinc inde ex-||cerpta,
— Paris. —
397
et in vnu vigiliis, & füptib^ magiftri Bertholdi Rembolt,
& Joannis vvaterloes calcographoru peritiflimoru ac vera-
ci(Iimo||rü coUecta & imprefla: quonum diftinctio fronte
fequenti notatur.**
Paris, Remboldt & Waterloes, 1612. Klein Quart-Format.
Ueber dem Titel das Druckerzeichen Remboldt's in Sobrotnumier. Darunter
ein Tetrastichon an die Leser. Antiqua-Druck; IS ungez&Iilte und 180 gezahlte
Blätter. —
No. 843.
^^djpfo^txo CSrrgorij |iafir ru||prr Cantica canticorum • || €an-
ttca drcjori^ fr rmonr breui maniff Hat : || iBulciuft Bt ca|li0
auribuö iUa fonent/^
Paris, Berthold Remboldt & Joh. Waterloes, 1509.
Kleia Quart-Format.
Unter dem Titel ist das schöne Druckerzeichen befindlich. Das Ganze umgiebt
eine hübsche Bordüre, die wie das Druckerzeichen in Eisenschnitt mit geschrotener
Manier hergestellt ist. —
^ntoint IJerarir htx Jüngere,
1517 W6 1520,
^ (iutUaitme ^nfintt^
1509 bis 1521.
Der ältere Antoine Verard starb 1513. Seine Nachfolger waren
Barthdlemy, der nm 1514 vorkommt, und Antoine, der unter der-
selben Adresse wie der ältere Antoine vom Jahre 1503 ab: Devant
la riie Neufue Nostre Dame, weiter druckte.
Man hat den jüngeren Antoine früher mit dem älteren identi-
ücirt; es beweist jedoch das Privilegium, welches sich in den
„Chroniques de Saint Denis" von Guillaume Eustace 1514 befindet,
dass der ältere Verard bereits im August desselben Jahres uicht
mehr lebte, indem dort von dem verstorbenen Antoine Verard die
Rede ist.
Guillaume Eustace ist wohl gewiss nur Verleger gewesen, der
schon 1493 bei der ersten Ausgabe der „Chroniques", welche Jean
Maurand druckte, mit Antoine Verard zusammen als Verleger vor-
kommt; er nennt sich dort wie auch späterhin oftmals „libraire et
relieur de livres". Nach dem Tode Antoine Verard's muss er mit
dessen Nachkommen wohl gemeinschaftliche Sache gemacht haben.
3g8 — Paris. —
denn wir finden ihn dann wiederholt wie auch in nächster Nummer
in dem Quartier Antoine Verard's. —
No. 844.
„6e§ prefenteö I)eure^ a lufage be || ^arig tout au long
fan§ rien req| rtr auecqg Ic§ . jü • oraifö^ fmte 6rigi||be
St fönt iprimeeS pour ®uiKau:=||ine Suftace, libraire bu
SRo^ t iure || cn luniuerfite be pariö, bemourät a||Ia tue
neufue nre bantc, a Sagn^ bei."
Paris 9 Antoine Verard & Guillaume Eustace, 1520*
Pergament-Druck in Octav-Format.
Diese von Brunet nicht gekannte Ausgabe der „Heures de Paris" sind mit alter
Bataide gedruckt. Der Typograph Antoine Verard ist xwar nicht angegeben, aber
die Adresse ,1a rue neufue nostre dame" weist darauf hin und ausserdem stimmen
die Typen mit denen überein, die der Eitere Yerard schon zu den Prophecies de
Merlin von 1498 gebrauchte; vergleiche Falkenstein pag. 240.
Dieser höchst seltene Gebet-Almanach ist für 12 Jahre, 1619 bis 1530, bestimmt
Er enthält 125 Bl&tter. Unter dem Titel befindet sich die Marke des Guälawne
Eustace und im Texte 10 Holzschnitte. Die Schlussschrift ist fast gleichlautend mit
obigem Titel, nur dass für den Ort Paris und für die JPVrma, die im Titel roth
gedruckt sind, eine offene Stelle gelassen und die Jahrzahl 1520 hinzugetreten ist.
Es konnten also auch eine beliebige andere Stadt und Firma huidschriftlieh hinein-
gesetzt werden ; merkwürdig bleibt nur , dass dennoch die Adresse auch hier bei-
behalten ist. —
Pierre (iawiroul^
1510 bte 1534.
No. 845.
5)1äeguU moralc0 ßo\)ti\\xB br grrjlfonno boctorb d)rifltamf|tmt.*^
Paris ^ Petrus Gaudoul, 1520. Klein Octav-Format.
Seltene Incunabel von S6 Blattern Inhalt. Auf dem Titel ist eine eigenthöm-
liche Darstellung; in einem Schiffe, das von Wellen geschaukelt wird, befindet sich
die Mutter Gottes mit dem Jesusknaben; der Letztere hält am Bande eine fliegende
Taube. Dieselbe Darstellung wiederholt sich auf der Rückseite des letzten Blattes. —
1511 bi8 um 1540.
Derselbe Drucker, den wir schon in Verbindung mit Aegidins
Gourmont kennen lernten. —
— Paris. —
399
No. 846.
^fftxtxonxB irtttl)fra-||ne cöfutatia ]ßn Äfuertnbu || Patrem
J>oannf Äofftn || fem (Hpifcopü: ^ca-||bfmie (!Eätabri-||9teu(ifit
«i-||cfUari-|;um.
Paris 9 Claudius Chevallon, 1523* Hoch Quart-Format.
Obiger Titel ist roth gedruckt und von einer Bordüre umgeben, unter dem Titel
steht das Buchdruckerzeichen Remboldfs, auf dessen Kosten -wohl das Werk gedruckt
wurde. Nach der Schlusssehrift, welche die Druckfirma und Datirung enthält, steht
das Drackerzeichen Chwallon's. Der Text des Werkes ist Antiqua, die Marginalien
gothiseh. Ueber das Werk und den Verfasser John Fischer vergleiche No. S85. —
(gttiUatttne ft Houge ohn Hubeua^
1512 bi0 1517.
No. 847.
Augustini Dathi „Orationum duo partes'^
Paris, Guillelmus Le Rouge, 1513 & 1514. Quart-Format.
Seltener Druck mit dem Druckerzeichen des JDenis Eoce, auf dessen Kosten der
Druck veranstaltet wurde. Grossere und kleinere Initialen im Texte sind bemerkens-
wertb. Der erste Theil enthält 4 ungezählte und 116 gezahlte Blätter; der zweit»
6 ungezählte und 73 gezählte. —
1514.
war bisher nur durch einen einzigen Druck bekannt, des Johannes
de Burgo „Pupilla oculi*' vom 12. Mai 1514, für Franciscus Reg-
nault gedruckt, den Panzer VIII pag. 16 No. 736 citirt; wir be-
sitzen aber noch ein anderes Product vom 16. Januar desselben
Jahres mit der Firma Pouchin*s, das wir in nächster Nummer
folgen lassen. —
No. 848.
,^3pfCttlttin finalta retributionw || noultrr impre|fum.**
Paris 5 Jacobus Pouchin, 1514« Octav-Format
unter obigem Titel dieser unbekannten Ausgabe steht das Druckerzeichen des
Jehan PeUtt für den das Werk gedruckt wurde. In der 8 zeiligen Schlussschrift ist
der Name des Verfassers: Fetrtts ßeffinaldetus y des Herausgebers: Petrus de Fonr-
taneo, des Druckers und die Datirung gegeben. Der Schluss davon lautet: ,,3m-
400
— Paris. —
preflltttn iiarifiiu per 3ocobir )9oBd)tn onno bni niiUcfi |ino qnigentifimo bfcimo^rts.
Die vtro • rot • men-|,flB 3oiiltorii.'' Enthält 172 ungezählte Blätter mit Signaturen.
Die Type ist eine kleine Gothisch. —
JJean ht la (Sarire ^
1514 bi0 1518.
No. 849.
„Compendium aureü ... de vnione beneflciorum Petri
de perusio."
Paris^ Johannes de la Garde, 1514* Klein Octav- Format
Seltene Incunabel. Der lange Titel steht in 20 Zeilen mit ziemlich groaaei
gothischer Schrift in Roth- und Schwarzdruck auf dem ersten Blatte. Auf dem
letzten gezählten Blatte, £o, Irrri verso steht das Druckerprivileg mit der Jahnabi.
Eine andere Datirung hat das Werkchen nicht Es folgen noch 8 ungezählte Blätter
Tabula. ~
HegnauU €l)atti»tere^
1515 bi6 1534.
No. 850.
„Claubij ÄfpIfeUl ^rd)if;|PISCOPI TAVBINBN| .fis de Diuina
prouidentia. || Tractatus."
PariSy Regnault Chaudiere, 1520. Quart-Format.
Panzer unbekannte Ausgabe. Auf dem Titel steht das Druckerselchen and am
Schlüsse: ,Excusü est hoc diuinü de diuina prouidentia opus || Lutacie Parisioru
Anno salutis Millesimo • D. xx • 1 1 xxi^ Cal • Maias.*' Darunter das Privileg mit
der Datirung von 1518. Antiqua-Druck, 152 gezählte und 14 ungezählte Blätter.
Sehr bemerkenswerth sind die schonen Schrot-Initialen. —
pierw ^ihom^
1518 bi6 um 1540.
No. 851.
„DB PRIMATY |1 PBTBI ADYERSYS LÜDDERVM || JOANNIS ECKHII
LIBRI TRES." Am Ende: ,^MPRESSIT PARRHISnS PBTRVS TI-
DOVAEYS, Impenfis honefti viri Joannis Keruer Bi-||bIiopoI«
Parrhifieii . Anno Salutifero. 1521, Menfe Se||ptembri.**
Folio-Format.
Im Gegensatze zu der Schlussschrift, in in- elcher gesagt ist, dass das Buch auf
Kosten Johann Kerver's von Peinis Vidovaeus gedruckt ist, befindet sich auf den.
— Paris. — 401
Titel das Yerlegerzeichen des Conrad Resch, dem wir schon unter Basel auf Seite 287
begegneten. Auch lautet für Letzteren das Privileg, welches sich auf der Rückseite
des Titels befindet.
Der Titel steht in einer Bordüre des Urs Oraf, welche Butsch in seiner „Bacher-
Ornamentik der Renaissance" auf Tafel 99 wiedergegeben hat, doch ist die gegen-
wärtige um ein Viertel grösser. Möglich, dass sie eine Copie ist; aber das Mono-
gramm ist ebenfalls vorhanden. In beiden befindet sich übrigens die von Butsch
nicht bemerkte Jahrzahl l.')19 unter der obsconen Darstellung der Rache des Tirgil,
daher ist es nicht ausgemacht, dass die von Butsch reproducirte Bordüre aus einem
Werke des Jodocus Badius von lf)21 das Original ist.
Ein weiterer eigenthümlicher Schmuck sind die Initiale dieses Werkes, deren
sich ausser einem Schrot-Initial zu Anfang des Privileg noch 142 in Holz geschnittene
vorfinden, wovon ein jedes die Abbildung des Papstes aufweist und zwar bei Jedem
verschiedenen Buchstaben in anderer Darstellung.
Wir fanden die Buchstaben A, C, D, E, F, G, H, I, K, L, M, N, P, S, T, V,
sodass die Fantasie des Künstlers sich zu nicht weniger als 16 verschiedenen Auf-
fassungen des Papstbildnisses verstiegen hat, wodurch er jedoch den Ueberdruss, den
dieses immer wiederkehrende Bild erweckt, leider nicht zu beseitigen vermochte.
Es befinden sich ferner zu Anfang jeden Buches stehend ausser der Titelbordüre
noch drei Holzschnittbordüren in dieser immerhin sehr interessanten Ausgabe der anti-
reformatorischen Schrift des bekannten I>r, Eek „über das Primat des Papstes".
Das erste Buch enthält 8 ungezählte und 78 gezählte Blätter; das zweite 46, das
dritte 49 gezählte Blätter. Der Druck ist Antiqua; die Ausstattung eine höchst
würdige auf sehr grossem Papier. —
1519 btö um 1540.
Der zweite Gemahl der Wittwe Heinrich Stephanus' I., dessen
auf Seite 389 schon Erwähnung geschah. Er war einer der be-
rühmtesten und productivsten Pariser Typographen, der auch im
Jahre 1522 den ersten Druck zu Meaux ausführte. Dass Colinaeus
schon 1519 als Drucker erscheint, stellt Deschamps in „Dictionnaire
de geographie" col. 999 und im Supplement zu Brunet I col. 271
fest, wonach er eine Ausgabe von Clichtovei „Tractatus de Regis
officio" in Quart gedruckt haben soll.
Bei Panzer VIII pag. 55 No. 1093 findet sich eine Ausgabe
desselben Buches und von demselben Jahre in Octav, welche aber
noch Heinrich Stephanus selbst gedruckt hat. Wir zweifeln in-
dessen nicht, dass jene doppelte Nachricht des Deschamps gewissen-
haft genug sein wird und müssen also zwei Ausgaben desselben
Jahres annehmen. —
26
402 — Paris. —
No. 862.
„HOBATIYS II Nicolai Perotti lihellus nö in-\\/rugi/er de metris
Odarum || Horafianarum,
PAEISnS II Apud Simonem Colinmum \\ 1531.**
Duodez-Format.
Schone und correcte Ausgabe der Werke des Horax. Der Titel steht in einer
wunderhübschen Renaissance-Bordüre. Der reizende Nonpareille-Cursiv-Druck möchte
zu dem Schönsten gehören, was die Schriftgiesserei je geleistet hat. Er ist für den
Fachmann eine 'vrahre Augenweide. —
1522 bte 1576.
Einer der drei berühmten Typographen - Schwiegersöhne des
Jodocus Badius, der Gemahl von dessen ältester Tochter Petronella.
Im Verlaufe seiner ausserordentlich langen Wirksamkeit lieferte er
nicht weniger als 279 verschiedene hochgeschätzte Ausgaben von
Druckwerken aus fast allen Fächern des Wissens, besonders von
Classikem. Neben seinem Ruhm bei Gelehrten und Mitbürgern
wurden ihm seit 1553 auch die öffentlichen Ehren und Titel eines
geschworenen Btic?idruckers der Universität und seit 1556 die eines
königlichen Typographen zu Theil. Sein Schwiegersohn wurde der
berühmte Buchdrucker Friedrich Morel I. Nach Falkenstein und
seinen Nachfolgern soll Vascosan erst von 1530 ab gedruckt haben,
nach Deschamps Dictionnaire de geographie col. 1000 soll sein
erster Druck sogar erst von 1532 datirt sein; seine Firma findet
sich aber schon von 1522 an in zahlreichen Druckwerken. —
No. 853.
„PEANCISCI VICO-IIMEECATI MEDIOLANEN-||SIS IN QYATVOE
LIBROS II AßISTOTELIS || METEOKOLOGIOORYM || COMIOINTABIL . .
LUTETIAE PABISIORVM, U APYD YASCOSANVM. || M. D. LTI."
Folio-Format.
Pr&chtige Ausgabe dieses Commentar^s in schönem Antiqua-Druck ; 18 vmgesablte
872 und ISO gezahlte Seiten nebst einem Blatte Errata. Graesse Tresor VI 2 pag. 296
cltirt eine Ausgabe von 1550, kennt aber die vorliegende nicht. —
— Paris. — 403
1524 He um 1542.
Der Name dieses Typographen kommt zwar schon 1524 in einem
Druckwerke vor, dann aber bis 1535 gar nicht mehr. Es dürfte
Vieles verloren gegangen sein. Das Wenige, was von ihm existirt,
gehört zu den Seltenheiten. —
No. 854.
„Dialogi aliquot || JOANNIS RAYISü TEXTORIS. || . . .
PARISIIS II Apud Mauricium de Porta in claufo Brunello
fubfigno diui Claudij i| M. D. XLII."
Octav-Format.
Diese Dialoge sind in römischer Schrift gedruckt und enthalten 4 ungezählte,
236 gezählte und wieder 2 ungezählte Blätter. —
Hirolaa Mnttitx^
1525 bi6 1531.
No. 855.
„Sc liure || tntitule SHternelle confo||Iatto, trefötite et
proffi' II table a tou§ (£t)reftie§ q || befirent faire le falut
be II leurö ame§, 9^ouuene^||titent reueu (sici) et corrtge. || ®on^
folationeg tue letifi || caucrüt antmant tneam. || Sntprime a
5ßari§ II le fepttefme tour || be SuiEet || 2». ®. jjjt"
Paris ^ Nicolaus Savetier, 1581. Octav-Format.
Es ist dies die ft'anzösische Uebersetzung der drei ersten Bücher der „Imitatio
Christi" von Thomas a Kempis; jedoch in anderer Reihenfolge wie in dem lateini-
schen Original, derart, dass hier das erste Buch dort dem zweiten, hier das zweite
Buch dem dortigen dritten und das dritte hier dem ersten dort entspricht. Der
Titel dieser Ausgabe steht in einer Holzschnitt -Bordüre mit den Initialen N. S.
Die Typen sind alte Batarde-Schrift.
Bmnet citirt in Band III Golumne 460 No. 4 eine Ausgabe: Paris, aans notn
de libraire, 1531, in -8 und sagt dazu : ^ Cette edition a tme epitre dedicatoire
de Hubert de Suzanne d sa taute, Madame Estiennette Dedmct, abesse de
Si-Estienne-lez-Soissons, en B pp. Les lettre» N. et S., que Von remarque dans la
bordure du froniispice, ont fait supposer que le Uvre se vendait chez Nie. Savetier.*^
Die vorliegende Ausgabe stimmt damit genau uberein; es befindet sich aber
am Schlüsse auch das Colophon, welches gar keinen Zweifel lässt, dass Savetier dei
Drucker ist: „(5^ flnc Ic liure tntitule Itntcmctte cöfo||totton nouueMemet tnH)rtme
a $artd ^ac 92t||coIad (Sanetter bentouvät en Xa nie bed (Sat«||)ned a lenfeigne be
26*
404 — Paris. —
Il^omme fouuage • Ct fut adftvt Ion • 'SR. 3). ^^i. le j: • iour be 3ulng." W»hr-
scheinlich hat dem von Brunet beschriebenen Exemplare das Blatt mit der ScUuss-
schiift gefehlt. Die Ausgabe enthält 8 ungezählte und 144 gezählte Blattei; die
letzte Seite ist leer. —
Mobert Ätiennf ohtv ^tepjjanttff^
1525 hiB 1552,
fpStcr bi6 1559 in (Benf.
Simon äe Colines, der zweite Gemahl der Wittwe Heinrich
Etienne's, übernahm nach dessen Tode die Offizin; bei jenem er«
lernte der jüngere Robert zuvörderst die Buchdruckerkunst und trat
alsdann 1525 selbständig mit seinem ersten Werke hervor. Durch
seine schönen nnd gelehrten Ausgaben griechischer und lateinischer
Classiker machte er sich ebenso berühmt, als durch seine correclen
Ausgaben der Bibel bei der Geistlichkeit verhasst, da die veranstalteten
Aenderungen den Reformirten Beweisgründe für ihre neue Lehre in
die Hand gaben.
Trotz des besondern Schutzes des Königs Franz I., der ihn
1539 zum Ho fbuchdr ucker ernannte, sah er sich doch endlich ge-
nöthigt, den Anfechtungen des Clerus zu entfliehen und begab sich
1552 nach Genf. Seine Frau Katharina war die dritte Tochter
des berühmten Jodocus Badius , wie wir auf Seite 386 schon be-
richteten. —
No. 856.
„G. PLINII SECVNDI NOVOCOMBN-||SIS,
Epiftolarum libri x.**
PAEISIIS. II EX OFEICINA ßOB. STEPHANI || M. D. XXIX.
Octav-Format.
Diese schone Ausgabe der Briefe des Plinius ist Nachdruck der Aldine von 1518
mit der Vorrede des Aldus Manutius. Sie enthält ausser den Briefen des Plinius
noch desselben ^Panegyricus'^ , „de Virt's IlluHtribus^, Suetonii „de Claris Gramma-
ticis**, Julii yfObsequentis Prodigioruni liber'* , und „LatinQ interpretatio dictionutn*.
Auf dem Titel befindet sich in Holz geschnitten das Druckerzeichen der EtieDUfc
der Oelbaum, aber oTtne den Mann, mit der Inschrift : „Noli altumsaljpere, sedtime.*
Der Druck ist schone Antiqua. —
No. 857.
„NOVUM D. N. JESV II Chrifti teftamentum/' Darunter d«
Oelbaum mit der Unterschrift: „Oüua Robcrtl Stephan! || M. D. LVI."
Gross Folio-Format.
Diese geschätzte Ausgabe des Neuen Testamentes ist die erste mit den Er-
Uuterungen des gelehrten Theodor Beza. Sie igt [schon nach der Flucht Ktienne's
— Paris. — 405
in Qenf gedruckt, wir fähren sie jedoch wegen des intimen Zusammenhanges mit
der typographischen Geschichte von Paris auch unter den Drucken dieser Stadt an.
Am Schlüsse steht: „EXCVDEBAT ROB ||Stephanus in sua officina, Anno.lM.D.LYII.
Calend. Martü«.
€l)nfitan ll^rd)el h |ltatt)unn ill9u))ut)0^
1526 big \xm 1554, um 1550.
Christian Wechel ist der Begründer einer berühmten Typo-
graphen-Familie, die in gleicher Weise Frankreich wie Deutschland
angehört, da Christian Wechel noch gegen das Ende seines Lebens
wegen religiöser Streitigkeiten Paris verlassen musste und sich in
Frankfurt am Main niederliess, wo er die Ausübung seiner Kunst
bis 1554 fortsetzte. Fin gleiches Schicksal hatte sein Sohn Andre,
den wir noch kennen lernen; sein Enkel Johann gehört schon
gänzlich Deutschland an, wonach dessen Erben das Geschäft noch
längere Zeit mit Ruhm fortsetzten. —
No. 808.
,/AP12T0$A'N0Y2 KßMOA01I0TßN||ap£ö'T8 PXouTo<;.t|
Ariftophanis Poet§ || COMICI FLVTVS, ' lAM NVNC\\
per Carolum Girardum Bituricum c^ Latinus \factas^ c^
Commentarijs in/uper fan^ quam viili/s. recins illuftra-^tus,
EDITIO PEIMA." Am Ende: „IMPRIMEBAT CHRISTIAN VS We-
chelus fihiy c^ Maihur ino Dupuys^ Anno 1549."
Quart-Format.
Ziemlich seltener Druck. 214 Seiten und 1 Blatt, auf dessen l^ückseite das
Druckerzeichen mit dem Pegasus. —
Conrad %Mm ^ Jean Hoigtit)^
1535 bis 1549, 1530 bis um 1550.
Conrad Badius war der Sohn des berühmten Jodocus Badius,
von dem er die Druckerei erbte. Seine drei Schwager waren
Michel Vascosan, Johannes Roigny und Robert Stephanus, Gleich
dem Letzteren wurde er wegen Glaubenssachen im Jahre 1549 ge-
nöthigt, eine Zufluchtsstätte in Genf zu suchen, wo er noch einige
Zeit weiter druckte. Johannes Roigny druckte schon in den letzten
Lebensjahren des älteren Ascensius mit diesem zusammen, doch hat
4o6 — Paris. —
er auch viele selbständige Producte geliefert. In nächster Nummer
erscheint er mit seinem Schwager Conrad Badius vereint, doch
mehr als Verleger betheiligt. —
No. 859.
„IN SAECO SAN-||ctum Jefu Chrifti Euange-|iLIVM SECVNDYM
JOANNEM II Enarrationes, || JVXTA ERVDITOKYJtt SENTEN-||tiam
factae, per Sacrae Theologiae doctorem, Gaudium Guil-|i
liandum Belliiocenfem, . . ." Am Ende: LVTETIAE 1| EXCYDEBAT
CONRADUS BADIÜS SYMPTI-HBYS JOANNIS ROIGNY, EBATEIS
SnilSORORÜ, ANNO M. D. XLYIU: || DIE QYARTA MBN-| SIÖ
APRILIS."
Folio-Format.
Auf dem Titel steht das Druckerzeichen, die Buchdruckerpresse mit der In-
schrift: PRELYM ASCENSIANYM. Die Darstellung ist hier aber eine andre me
in den Drucken des Jodocus Badius ; während in diesen der Drucker den Bengel
nur mit einer Hand hält und mit der andern die Kurbel dreht, bat er auf Tor-
liegendem Holzschnitte den Bengel mit beiden Händen gefasst, der Oberkörper ist
ganz zurück gelegt, der rechte Fuss weit vorgestellt, der linke hinten aufgestemmt;
die ganze Haltung verräth eine gewaltige Kraftanstrengung.
Wenn Faulmann Seite 22 De Yinne^s Meinung, dass die Drucker der alten Zeit
mit einem grossen Kraftaufwande gearbeitet hätten, widerlegt, so scheint die legere
Haltung des Druckers auf Jenem Holzschnitte von 1498 allerdings dafür zu sprechen,
Avährend De Vinne's Ansicht durch die vorliegende, genau 50 Jahre spätere Ab-
bildung augenscheinlich unterstutzt zu werden scheint. Jm Ganzen wird man bei
den sich schnurstracks widersprechenden Darstellungen kaum etwas Bestimmtes
itber das Verfahren sagen können. —
um 1539.
No. 860.
,-,DIYI AMBROSII || Epifcopi Mediolanenfis omnia opera . . . .
PARISnS, II Ex officina Geruafii Cheuallonii. || 1539.**
Gross Folio-Format.
Schöne Ausgabe mit dem Druckerzeichen auf dem Titeiblatte. Sie enthält 12
ungezählte und 558 gezählte Blätter. Anti(ina-Druck. —
— Paris. —
407
um 1544.
No. 861.
„lOANliNOY TOY XPY202TO-||ii.ou Tcspi ^rpoaeux.^; |!
ßtßXCa 8uo.
FARJSnS II Apud Jacohum Gazellum, /üb in-^figni InuidicB^
k regtone gymna^/ij Camer acen/ts. || 1544."
Duodez-Format.
Interessanter und seltener griechischer Druck, der die beiden Bücher des
Chrysostomus über das Gebet enthält. 26 numerirte Blatter. Ist zusammen ge-
bunden mit dem Psaltermm graeco-laiinum, Paris, Carola Quillard 1545 unter
No. 862. —
Carola ClmllarÄ^
um 1545.
Panzer VIII pag. 19 No. 757 erwähnt einen Druck von Carola
GuiUard von 15 14 nach der Bibliothek le Tellier. Da aber bis zu
den vierziger Jahren kein zweiter Druck dieser Firma bekannt ge-
worden, dürfte die Jahrzahl 1514 ein Druckfehler für 1541 sein. —
No. 862.
„PSALTEEIYMIIDAVIDICYM GME-||colatinum, ad fidem uete-
rum II exemplariura, atque adeö codicis Grseci manufcri-||
pti. D. Victoris, locis || quam multis repur(igatum c^ nito-|
ri fuo refti-||tutuin . . .** Am Ende: PAEISnS II Excudebat
Carola Guillard || anno millefimo quingentefimo || quadra-
gefimo quinto. {1545.)
Duodez-Format.
Hubscher und seltener griechisch - lateinischer Psalter mit 16 ungezählten,
278 gezählten und wieder 2 ungezählten Blättern, wovon ein leeres. Ist zusammen-
gebunden mit X^aoaxoixov „7Z€qI Tt^oaevx^S ßißUa dvo,'^ Paris, Jacobus Gazellus
1,544 unter No. 861. —
408 — Paris. —
Petrus Claltertts^
1545.
No. 863.
„Juuvenci Hi- || SPANI PRESBYTERI ÄA]|STOEU BVAN-
6ELIGA, verfu Heroica defcripta , . .
FARISnS !l Excudehai Petrus Galterus, pro Joanne || Barlxso
CT Claudio Garamötio. || 1545."
D uode z-F orm at.
Hübscher Cursiv-Druck. Nach einer Bemerkung auf dem Titel dieser metrischen
Bearbeitung der Eyangelien blühte der Verfasser Juvencui Hispcmus unter Constantio
dem Grossen um 880 n. Chr. 80 gesahlte Blätter. —
Jfan fom 8:ilftatt^
1546.
No. 864.
„THBOPflYIjA-;|CTI ARCHIBPISIICOPI II Bulgariae in quatuor
Euangelia || enarrationes , innumeris pen^ || logis recognit»
& II reftitutge.
FARISnS, II Apud Joannem Lodoicum Tiletanum, || ex
aduerfo Collegij Remenfis. || 1546.**
Octav-Format.
Schöner Antiqua- und Cursiv-Druck dieses bedeutenden Typographen. Auf
dem Titel befindet sich das Druckerzeichen. Das umßngliche Werk enthalt 8 un-
gezählte, 417 gezäblte und noch 27 ungezählte Blätter. —
(iutlkttine IHortl^
1547 biß 1564.
War zuerst Corrector bei Louis Tiletan, späterhin selbständig
ein berühmter und gelehrter Buchdrucker, der auch zum Typo-
graphen des Königs ernannt wurde. Nach Falkenstein soll dies
schon 1551 geschehen sein. Wir besitzen jedoch in Folgendem ein
Werkchen vom Jahre 1556, aus welchem hervorgeht, dass er könig-
licher Typograph für die griechische Sprache war, und da wir auf
Seite 411 sehen werden, dass im Jahre 1552 noch Adrien Turnibe
königlicher Buchdrucker für Griechisch war, und auch für jede
— Paris. —
409
Sprache (Französisch, Lateinisch, Griechisch, Hebräisch) immer nur
ein königlicher Typograph ernannt wurde, so wird die Zeit seiner
Ernennung wohl später zu setzen sein. —
No. 865.
„TOY MAKAPIO-IITATOY mnOAY-jT«, s'maxQirou xai
piapTupoc, Adyo; 7ue-||pt tt^(; auvTeXetac t5 xdajj.» . . ."
Am Schlüsse: ,J?AEISIIS, M. D. LYI. || XVm. CAL. JANVAE. || EXCV-
DEBAT GVI-;|LIELMYS MORE-||LIVS, IN GRJICIS || TYPO(JRAPflVS||
EEGIVS."
Octav-Format.
Diese Ausgabe der Rede des Hippolyt „vom Ende der Welt" ist in sofern
interessant, als sie uns dieselben Typen aufweist, mit denen Adrien Turnehe um 1&&S
mehrere Ausgaben der griechischen Classiker druckte, wie wir auf Seite 411 noch
erfahren werden. Daselbst werden auch genauere Anmerkungen über die Geschichte
dieser schonen, der königlichen Druckerei zu Paris gehörigen Typen gemacht werden.
Das Werkchen enthält 65 gezählte und 3 ungezählte Blätter, der Herausgeber ist
Johannes Ficus, Vorsitzender der Inquisition zu Paris. —
^rnolb l^irdtmann ^ Marques ^upui)0^
1550.
Der Kölner Buchdruckei Arnold Birckmann druckte nach dem
Tode seines berühmten Vaters Franz Birckmann um 1530 zu Cöln
und setzte daneben auch die Pariser Verbindungen des Letzteren
fort —
No. 866.
„Claudij Galeni Pergameni, me-||dicoruin facile principis,
aliquot opera, || A LEONARTO FÜCHSIO TVBINGENSIS || fcholee
profeflbre publico, Latinita te donata, & Coin-||mentariis
illuftrata || . . .
PARISIIS, II Apud Arnoldum BirKman, c^ Jacobum
Dupuys, . . . 1550."
Folio-Format.
Diese Ausgabe der ausgewälilten Werke des grossen Mediciners Galenus ist von
den Bibliographen nicht erwähnt worden, obgleich der höchst wichtige Commentar
des berühmten Leonhart von Fuchs ihren Werth sichert. Auf dem Titel steht ein
Holzschnitt; den Inhalt machen 26 ungezählte und 293 gezählte Blätter nebst einem
leeren aus; Druck: Antiqua und Cursiy. —
410 — Paris. —
um 1550 bis 1573.
Der Sohn Christian WecheVs, des Begründers der berühmten
Typographen-Familie, welcher wegen religiöser Streitigkeiten gleich
seinem Vater Paris verlassen musste und später zu Frankfurt a« M.
und Hanau, wo er gegen i6oo starb, gedruckt hat. —
No. 867.
„PRO II SACBRDOTVM || BAßBIS. || Authore Jo.Pierio Valeriano.||
Prius Romce cum Clementis VII, Pont, || Max, Priuüegio
emiffus,
PAEISIIS l| Apud Andream Wechelum, /üb Pega/o in vico
Bellouaco, || 1558.
Octav-Format
Die wichtige Frage, ob die Geistlichen einen Bart tragen sollen oder ni(^t, hat
schon in frühen Zeiten die Gelehrten beschäftigt , so auch in dieser kleinen Schrift,
die sehr dafür ei|>rt. Auf dem Titel steht das Druckerzeichen WechePs, der Pe-
gasus. —
1552 bie 1585,
Adrien Turnfebe war Professor der griechischen Sprache und
wurde, wie wir sicher annehmen dürfen, nach und in Folge der
Flucht des bisherigen Königlichen Typographen, Robert Etienne,
im Jahre 1552 zu dessen Nachfolger ernannt, denn er erscheint
nicht nur in eben diesem Jahre in verschiedenen Druckwerken mit
diesem Titel, sondern es besagt auch ein weiterer Zusatz, dass er
mit Typen der Königlichen Druckerei gedruckt habe. —
5^
No. 868.
All.XYAOY\\ nPOMH0Er2 JE2MnTH2, \\ EUTÄ
Eni &HBA12, \\ nEP2Al, ArAMEMNSiN, ||
EYMEN1JE2, II 1KETIJE2. \\
PAEISnS II Ex officina Adriani Turnebi Typographi Regij. |
M. D. LH. II TYPIS REGUS."
Octav-Format.
Einer der ersten Drucke dieses berühmten Typographen ; sehr 8ch5ne A.uflgabe
der Tragödien des Aeschylos, über welche man Ebert No. 187 vei^leichoa möge.
Die kleinen griechischen Typen, die nach dem Zusätze auf dem Titel Eigenthum
— Paris. —
411
der Königlichen Druckerei in Paris waren, sind von ausserordentlicher Schönheit.
Ueber die Geschichte dieser Schriften hat Faolmann auf Seite 289 einige interessante
Daten zusammengestellt, denen wir das Folgende entnehmen.
Die ersten griechischen Typen verfertigte in Paris der Buchdrucker Gilles
Oourmont auf Kosten Friedrich Tissard's, Professor^s der griechischen Sprache an
der Universität zu Paris und druckte damit 1507 das erste griechische Buch „BißXos
f} yvooßovtxV"-
„Aber die Typen GourmonVs standen den aldinischen an Schönheit nach. Daher
gab Franz L, welcher wollte, dass Paris Venedig übertreffe, dem 1588 zum könig-
lichen Typographen für Griechisch ernannten Konrad Neobar den Auftrag, auf
Kosten des Königs schönere griechische Typen herzustellen. Die Zeichnungen dazu
lieferte Ange Yergere, der Kalligraph des Königs, ein geborner Cretenser, von dessen
Kunstfertigkeit das Sprichwort: „er schreibt wie ein Engel" herrühren soll, und
Claude Garamond schnitt die Stempel. Die Typen wurden auf 9, 13 und 20 Punkte
hergestellt. Neobar erlebte die Vollendung nicht, da er 1540 starb. Nach seinem
Tode wurde Robert Etienne, welcher 1589 zum königlichen Typographen für He-
bräisch ernannt worden war, auch zum königlichen Typographen für Griechisch
ernannt, er erhielt die Matrizen zum Giessen, deren Stempel in der Chambres des
comptes deponirt waren und verwendete 1548 diese typt regit oder grecs du roi zum
Druck von Dionysius Halicarnassensis Werken. Als Robert Etienne später nach
Genf floh, nahm er die Matrizen und Lettern mit und Ludwig XIII. mussie sie um
SOOO Livres zurückkaufen.'*
Diesem letzteren Satze steht gegenüber, dass in dem vorliegenden Drucke, wie
auf dem Titel angegeben ist, ebenfalls die typi regii in Anwendung gekommen sind.
Es war nicht möglich, in so kurzer Zeit neue Typen zu fertigen; es ist daher
zweifellos, dass es dieselben sind, welche Garamond geschnitten, und wir werden
die obige Nachricht dahin einzusckränken haben, dass Robert Etienne, wenn diese
griechischen Typen überhaupt , so doch nur einen Theil davon nach. Genf mitge-
nommen haben kann.
Die seltsame Kunde übrigens, dass Ludwig XIII., der doch erst 50 Jahre später
das Licht der Welt erblickte, diese Schriften zurückgekauft haben soll, scheint uns
doch noch einer näheren Prüfung zu bedürfen. Die Quelle dieser Nachricht ist
leider nicht angegeben, üebrigens steht damit selbst eine andere Notiz Faulmann's
auf Seite 249 einigermassen in Widerspruch.
Danach nämlich schickte König Heinrich III., also der Sohn Heinrich*s IL, unter
dessen Regierung Robert Etienne mit den Typen nach Genf geflohen sein soll , den
Sohn des letzteren, Heinrich Etienne, im Jahre 1575 nach der Schweiz, um dort seltene
Bücher und Handschriften zu suchen , und gab ihm eine Pension von 800 Livres
für die Verdienste um den Druck schöner griecliischer und lateinischer Werke, auch gab
er ihm ein Geschenk von 8000 Livres für sein Werk „Pr^cellence du langage".
Es scheint nicht recht begreiflich, dass der König sich dem Sohne des Typen-
raabers so gnädig bewiesen haben soll, der noch dazu als Erbe seines Vaters damals
noch in ungestörtem Besitze der königlichen Typen hätte gewesen sein müssen.
Aber auch Heinrich Etienne war bereits lange todt, als Ludwig XIII. geboren wurde,
der demnach nur erst von Robertos Enkel Paul Stephanus jene Typen zurückgekauft
haben könnte. In den circa 70 Jahren aber, die dazwischen liegen, dürften sich
diese Schriften wohl kaum derart erhalten haben, dass sie noch 8000 Livres Werth
gehabt haben sollen.
Wir werden daher die ganze Nachricht von dem für den berühmten Typo-
graphen so wenig schmeichelhaften Typenraube dahingestellt sein lassen; Jedenfalls
aber daran festhalten, dass erweislich im Jahre seiner Flucht 1552 mit den könig-
lichen Typen von Adrien Turnebe tveitergedrueht worden' ist, wie die vor-
liegende Ausgabe des Aeschylos und die nächste Nummer ebenfalls beweisen. —
412
— Paris. —
Xo. 869.
^20(P0KAE0Y2 II TPArnJlAL \\ A1A2
MA2Tir0(P0P02. II HAEKTPA. \\ 01JinOY2
TYPANN02. II ANTirONH. \\ 0Uin0Y2 EUl
KOASiNn. II TPAXINIAI. \\ mAOKTHTHX \\
JHMHTPIOY TOY TP1KAINI0Y\\
Jleqi (läTQwv olg IxqricaTO 2o(poxk^g, \\ ax'rjfJf'Cct:(0Vy\\2x6Xia,
II TTPIS EEGHS. || PARISIIS, M. D. LIH.
Apud Adrianum Turnebum typographum Regium.'*
Quart-Format.
Ausgezeichnet schone und seltene Ausgabe der Tragödien des SophocUs mit
dem Commentar des Lemetrius TricUnitis, von Ebert No. 21458 als sehr gesucht
bezeichnet. Der Commentar ist mit derselben kleinen Type gedruckt wie die vorige
Nummer, während die Tragödien selbst mit einer wesentlich grösseren Type her-
gestellt sind. Letztere enthalten 8 imgezählte und 400 gezählte Seiten ; der Commentar
4 ungezählte, 148 gezählte und wieder 16 ungezählte Seiten. —
€l)arle0 perier^
um 1555.
No. 870.
„PHILOSOPHO-IIRVM QVAE SVNT || apvd Ciceronem dicta||
c^' facta, II Parisiis. || Apud Carolum Peri'er, in vico
Bellouaco, fuh Beller ophonte, || 1555.**
Duodez-Format.
Diese Saiunlung der bei Cicero vorkommenden Stellen über die alten Philosophen
ist mit einer sehr hübsehen Nonpareille-Cursiv gedruckt; auf dem Titel steht das
Druckerzeichen : der Bellerophon auf dem Pegasus die Chimära bekämpfend. 315 ge-
zählte und 5 ungezählte Seiten. —
um 1556.
No. 871.
„M. T. CICEEO-||nis ad M. filium de Officiis || LIBRI TEBS, [(
. . . PARISIIS II Ex typographia ThomiB Richardi, fuh Bibliis |;
aureis, i regione collegij Remen/is, |] 1556."
Quart-Format.
Dieser Ausgabe mit Commentarien von Erasnms, BehUmis, Vitus AmurhatK
Franciscus Maturaniius und Disquisitiones von Calcagninus ist von den Bibliogn^fecB
— Paris. —
4'3
nicht gekannt. Sie enthält 4 ungezählte, 256 gezählte und noch 13 ungezählte
Blätter, wovon das letzte leer. Der Druck ist sehr husch ; hauptsächlich bemerkens-
werth die schöne Nonpareille-Cursiv-Schrift des Commentar's. Auf dem Titel steht
das Druckeneichen. —
^ttiroenu» parnua ober ^uboin Pftit,
1557.
Dieser Typograph ist wahrscheinlicli ein Sohn des berühmten
Jean Petit, der auch unter denselben Zeichen, der goldenen Lilie
und dem silbernen Löwen, druckte. —
No. 8';2.
„BEATISSIMI flIP-i POLYTI EPISCOPI ET || martyris oratio, de
Confumma- |tione müdi, ac de Antichrifto, & || Secundo
aduentu Domini no-||ftri Jefu Chrifti, || . . . LuteiicB Pari-
fiorum^ M. D. LVII. || Apud Audoenum Paruum . . .**
Octav-Format.
Eine griechische Ausgabe dieser von Johannes Picus herausgegebenen Schrift
des Hippolyt lernten wir bereits unter No. 869 kennen; die vorliegende lateinische
enthält 4 ungezählte Blätter, 77 gezählte Seiten und noch 1 ungezähltes Blatt, auf
dem nur die Worte stehen : ,Esto fidelis vsque ad morte, & da- || bo tibi coronam
vitae. Apoc. 2." —
l^finrid) ^itif\^mm IT.
1557 bi6 1569.
Der Sohn des Vorigen, von dessen Berühmiheit das Wort
gilt : patre excelso filius excelsior. Wo er eigentlich gedruckt hat,
ist ungewiss, da er seinen Erzeugnissen den Ort nicht beisetzte.
Man könnte annehmen, dass er die Druckerei seines Vaters zu Genf
fortgesetzt habe; aber er soll von seinem Vater, der m Genf zur
reformirten Kirche übergetreten war, von der Erbschaft ausgeschlossen
worden sein, weil er katholisch geworden.
Auf seinen Drucken nennt er sich selbst „Typograph des Herrn
Ulrich Fugger*' und jedenfalls hat er auch mit den Mitteln dieses
Protectors sein Geschäft betrieben; aber ob vielleicht gar zu Augs-
burg, dem Wohnsitze des Fugger, darüber fehlt alles Urkundliche.
Man weiss nur, dass er nach vielem Unglück und spätem Irrfahrten
im Krankenhause zu Lyon sein Leben beschlossen hat. Vergleiche
Falkenstein Seite 244.
414
— Paris. —
Wir setzen auch den Heinrich Stephanus des Zusammenhangs
wegen unter Paris, da die berühmte Familie der Etienne dort
ihren Ursprung hatte und ihren grössten Ruhm entfaltete. —
No. 873.
yy&ovxvdiSov tS OXoqov \\ neql tS lleXoTiovvrjaiaxoi
noXäfiov II ßißXia oxro. . || Thucydidis Olori filii || de hello
Peloponnesiaco || libri octo. || ANNO M. D. LXUII || Ex-
cudebat Henricus Stephanus, illuftris viri || Huldrichi Fuggeri
typographus."
Folio-Format.
Schone griechische Ausgabe des Thukydides mit dem Commentar des Laurentius
Valla. Auf dem Titel der Oelbaum, das Druckerxeichen der Etienne. —
1560.
No. 874.
„CONFESSIO II CATHOLI-||C^ FIDEl CHMSTIANA: || . . .
Defcriptore D. Sta-||niflao Hofio Epifcopo Varmienfi. || . .
PAßISIIS, II Ex officina Jacobi Puteani e regione coUegij
Cameracenfis, fub irifigni Samaritanaß. || 1560."
Octav-Format. 2 Theile in einem Bande.
Der erste Tbeil enthält 28 ungezählte, S05 gezählte Blätter und ein leeres; der
zweite 256 gezählte und 12 ungezählte Blätter. Hübscher Antiqua-Druck eines selten
vorkommenden Typographen. —
um 1563.
No. 875.
„OPTATI AFRI, II MILBYITANI || EPISCOPI, LIBRI SEX ||
De fchifmate Donatiftarum, || Aduerfus Parmenianum. |j
Multo quam ante hac emendatiores. || Cum prafatione
Fr. Balduini. ||
— Paris. —
415
PAKISüS, II Apud Claudium Fremy, via Jacobsea, || fub in-
figni Diui Martini. || 1563."
Octav-Format,
Cursiv- und Antiqua - Druck yon 38 ungezählten, 94 gezahlten und 2 leeren
Blättern. —
dabrifl f^mn^
1564.
No. 876.
,^BIANI TVR-||nebi Regij philofophise gr8e-||CJl PROFESSORIS |;
ADYERSAEOEIVM, || Tomus primus duodecim lihros continens , i;
. . . PARISIIS , II Ex officina Gabrielis Buonij\ in clau/o
Brunello, || fub figno D, Claudij, || 1564."
Hoch Quart-Format.
Erste seltene Ausgabe der philologischen Streitfragen des berühmten Gelehrten
und Buchdruckers Adrien Turnehe. Der zweite Theil mit Buch 13 bis 24 erschien
1K65; der dritte mit Buch 25 bis SO erst 1578. Der obige erste Theil enthält 4 un-
gezählte, 240 gezählte und noch 18 ungezählte Blätter. Auf dem Titel steht das
Druckerzeichen. Zu bemerken sind die schönen Initialen in der Federzeichnungs-
manier des Oeoffroy Torry. Es lässt sich gut annehmen, dass der berühmte Typo-
graph Tumebe seine eigenen Werke wohl nur einem ausgezeichneten Fachgenossen
zum Druck übergeben habe; und in der That ist der Antiqua-Druck des Werkes
mit grosser Correctheit und Eleganz ausgeführt —
Pi)iUpptt0 dalterua loniUma^
1564.
No. 877.
„OBSEßVATIONTM || DIYINI ET HY-HMANI JVKIS LIBER L||
In quo explicantur. L. Dominico, de Specta-'jculis in Cod.
Theod. & L. Omnes dies, C. de || feriis . . ,
PAßISnS, ||ln iEdibus Rouillij, via Jacobaea, fub || figno
Concordiae. || 1564.**
Octav-Format.
Verfasser dieses Commentar's über die Terordnungen des Codex Theedoeianus
besüglich öffentlicher Schauspiele an Festtagen ist Bamabas Brissomus. Auf dem
Titel befindet sich das Druckerzeichen ; auf der Rückseite desselben das Privileg für
Ihilippus Oalterus RovillitM. 16 ungezählte und 229 gesählte Seiten. —
4l6 — Paris. —
1579.
No. 878.
,,PARATITLA |1 IN LIBROS IX. || CODICIS JVSTI-||niani repetit«
pr8e.||lectionis. || OPVS JAC. CYIACH. || . . . PARISHS, || Apud
Sebaftianum Niuellium, fub Ciconiis, via Jacobsea. ||
M. D. LXXIX."
Duodez-Format.
Dieser Commentar zu den Institutionen des Justinian ist in Cursiv-Sehrift ge-
druckt; er enthalt 4S ungezählte und 784 gezahlte Seiten. —
|Martitttt0 ^mms^
1582.
No. 879.
„De re grammatica He-|
BEAEORVM OPVS IN GRATIAM || STVDIOSORYM LINGVAB SANCTAB
mcthodo quam facilima confcriptum, || Auetore Johanne
Quinquarboreo Qurilacenfl, . . .
PARISnS, II Apud Martinum Juuenem, via S, Joannis Late-];
ranenfis ad infigne Serpentis, || 1582.**
Quart-Format.
Diese Grammatik der hebräischen Sprache langt wie hebräische Bücher rfick-
wärts an. Auf dem Titel steht das Druckerzeichen. Sie enthält 260 gezählte Seiten
und als Atihangf zwar mit neuem Titel, aber mit der Grammatik tjpograpbiflrh
zusammenhängend^ eine Abhandlung ,DE NOTIS HEBR^ORYM LIBER', welche
noch r6 gezählte Seiten umfasst. —
ilobcrt CoMlombd,
um 1583.
No. 880.
„LEX SIX COMEDIES DE | j TERENCE , CORRIGEES EN PRESQYB
IKFINIS ENDROITS. Par M. Ant. de Mvret || . . .
A PARIS II Pour Robert Coulombel, rue S. Jean || de Latran.
a l'Alde. II 1583.
Sedez-Format;
Ob Coulombel der Drucker dieser üebersetzung des Terenz ist, dürfte Zweifeln
unterliegen, vielmehr scheint, wenn das auf dem Titel befindliche Druckerteichen
— Paris. —
417
der Aldus nicht eine blosse Redame ist, die Ausgabe hiernach eine Ebtrt unbekannt
gebliebene AMine zu sein ; immerhin tragt sie die genaue Adresse des Pariser Unier-
nehmers. Der Antiqua- und Cursiy- Druck ist sehr schon. 8 ungezählte, 867 g«^-
zählte und ein leeres Blatt. —
1. Bernard. De l'origine et des debuts de rimprimerie en Europe.
2 parties. Paris 1853.
2. Bemard. Histoire de Timprimerie royale du Louvre. Paris 1867.
3. Biblioth^que Nationale. Departement des manuscrits, chartes
et diplomes. Departement des imprimes. Notice des objets
expos^s. Paris 1878.
4. Biblioth^que Patoise de M. Burgaud de Marets. Paris 1873.
5. Brunet. Imprimeurs imaginaires et libraires snppos^s. Paris 1866.
6. De Bure. Bibliographie instnictive : ou traitd de la connoissance
des livres rares et singuliers. 7 tomes. Paris 1763 ä 1768.
7. Chevillier. L'origine de Timprimerie de Paris, dissertation
historique et critique. Divis6e en quatre parties, Paris 1694.
8. Claudin. Antiquit6s typographiques de la France. Origines de
l'imprimerie ä Albi en Languedoc. Paris 1880.
9. (Deschamps). Dictionnaire de Geographie ancienne et moderne
par un biliophile. Paris 1870.
10. Firmin-Didot. Catalogue des livres pr^cieux . . . Vente a l'hotel
des commissaires-priseurs. Paris 1878 & 1879.
11. Firmin-Didot. Histoire de la typographie. (Extrait de l'Ency-
clopedie moderne). Paris 1882.
12. Histoire de i'invention de l'imprimerie par les monuments.
Paris 1840.
13. Mohr. Des impressions microscopiques. Paris 1879.
14. N6e de la Rochelle. Recherches historiques et critiqnes sur
retablissement de l'arf typographique en Espagne et en Por-
tugal. Paris 1830.
15. De Petity. Encyclopedie elementaire, ou introduction ä T^tude
des lettres, des sciences et des arts. 3 tomes. Paris 1767.
NB. Enthält in tome III die Geschichte der Buchdruckerkunst, ihre technischen
Kinrichtungen, zahlreiche Typen-Alphabete und dergleichen. —
16. Catalogue des livres de la Bibliotheque de feu M. le duc de la
Valliere. 3 tomes. Paris 1783.
27
4i8
— Lübeck. —
— Lubeca. —
Von allen Städten Norddeutschlands ist die alte Hansestadt
Lübeck wohl jedenfalls die erste, welche der Einführung des Buch-
druckes ihre Mauern geöffnet hat. Seit neuerer Zeit geniesst sie
sogar den Ruf, die Typographie bereits im Jahre 14:ßS eingeführt zu
haben. Allein bei genauerer Prüfung der Quelle, woher diese Nach-
richt stammt, erweist sich leider deren gänzliche Unzulänglichkeit.
In der „Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte"
Band 3 pag. 254 befindet sich ein Aufsatz des Oberappellations-
rathes Dr. Pauli „Beiträge zur Geschichte der ersten Buchdnickerei
in Lübeck". Hier lesen wir zunächst eine durch Nichts begründete
höchst unwahrscheinliche Hypothese, dass Johann Koelhoff von
Lübeck vor seinem Auftreten in Cöln um 1470 bereits in Lübeck
Buchdrucker gewesen sein soll. Alsdann fährt der Gelehrte folgender-
massen fort:
„Wie dem aber auch sei, so bestand jedenfalls schon vor dem
Jahre 1470 in Lübeck eine Buchdruckerei. In diesem Jahre näm-
lich haben zwei hiesige Bürger, Cord Hürlentann und Ambrosius
Segeberg, eine Anzahl verschiedener gedruckter Bücher: 2 Bibeln,
15 Psalter und 20 Canones einem Dritten zur Verkaufscommission
nach Riga und Reval übergeben. Ich glaubte anfangs , in diesen
beiden Bürgern Lübecker Buchdrucker zu entdecken. Denn in der
ersten Zeit nach der Buchdruckerei gab es noch keinen eigentlichen
Buchhandel. Nun hat zwar aus mehreren Inscriptionen des Nieder-
stadtbuches sich ergeben, dass diess nicht Buchdrucker , sondern
Kaufleute waren und wenigstens Ersterer, der Schwiegervater des
Letzteren, ein nicht unbedeutender. AUein €8 hommt nicht
viel darauf an,^^
Mit diesem bedeutungsvollen Nachsatze glauben wir das Excerpt
dieser „Studie*" schliessen zu dürfen und können dem Leser selbst
das Urtheil über den Werth solcher Untersuchungen überlassen,
nach welchen von der festgestellten Jahr zahl IdtOS für die Ein-
führung der Buchdruckerkunst in Lübeck also gar keine Rede sein
kann, obgleich Herr Dr. v. d. Linde auf Seite 109 seines „Gutenberg"
in Folge jener Nachricht die Jahrzahl 1408 acceptirt hat.
Immerhin sind auch wir der Ansicht, dass schon ziemlich lange
vor dem ersten datirten Drucke Lübeck's „Epithoma Historiarum
— Lübeck. — AiQ
ac Chronicarum dictum: Rudimentum Noviciorum" von Lucas
Brandts 14:7 5^ in Lübeck gedruckt sein wird, denn das genannte.
Prachtwerk zeigt die typographische Kunst schon in einer solchen
Vollkommenheit, dass es unmöglich als Erstlingswerk dieses Druckers
gelten kann. Wir glauben auch nicht, dass Norddeutschland sich
so lange dem Eingange der herrlichen Kunst verschlossen haben
sollte und sind überzeugt, dass mindestens schon vom Jahre 14:70
ab in der alten Hansestadt die Kunst geübt sein wird.
Wir glauben daher, wenn auch immerhin hypothetisch, mit
Lübeck die chronologische Reihe der frühesten 18 Druckorte von
14Ö0 bis 1470 abschliessen zu dürfen, zumal für Hollands
dessen früheste typographische Leistungen wir weiterhin ebenfalls
besprechen wollen, wenigstens keine authentischen Beweisstücke
vorliegen, die uns auch dort mit Sicherheit bis zum Jahre 1470
zurückgeleiten, —
1474 bi« 1499.
Dieser Typograph kommt 1473 schon in Merseburg vor und
nennt sich dort aus Delczsch = Delitzsch gebürtig. In dem ersten
datirten Lübecker Drucke, dem Rudimentum noviciorum von 1475,
heisst er aber Lucas Brandts de Schasz, worunter man sich freilich
schwer Etwas denken kann. Bodemann in seinen „Incunabeln der
Königl. Bibliothek zu Hannover" 1866 pag. 33 substituirt einen
Druckfehler: Schasz für Sachsen.
Wenn wir übrigens annehmen, dass Lucas Brandis in Lübeck
derselbe Typograph sei, dessen Name schon in Merseburg vor-
kommt,, so darf er jedenfalls nur als der erste bekannte Lübecker
Typograph bezeichnet werden, vor welchem schon um 1470 in
Lübeck vielleicht eine Klosterdruckerei thätig war, die keine Firma
führte und deren typographische Erzeugnisse entweder ganz ver-
schwunden sind, oder noch unentdeckt und unbezeichnet in grossem
Bibliotheken ruhen. Nachstehendes dürfte wohl der früheste
bekannte Lübecker Druck sein. —
No. 881.
;iot)attiUfi be aum crr mata : ,,«yp0(itia fuper tota Pfalterio**,
Lttbeck, Lucas Brandis, circa 1474:. Klein Folio-Format.
Diese eminent seltene Ausgabe wird von Panzer nach Seelen kurz citirt, und
Hain No. 15694 schrieb Panzer nach; aber kein Bibliograph hat sie selbst gesehen,
und keiner hat daher feststellen können, dass sie ein Druck von iMcas Brandis ist,
27*
420
— Lübeck. —
der mit demselben Typon die „Rudimenta novitiorum" von 1475 druckte. Aus der
Beschaffenheit dieses ohne Druckfirma und Jahrzahl erschienenen Buches kann m&n
im Vergleiche su dem genannten ersten datirten Drucke bestinmit annehmen, dass
es dem letsteren im Drucke vorangegangen und daher jedenfalls schon im Jahre 1474
herausgekommen ist, falla Lucas Brandis vielleicht in Merseburg und Lübeck su«
li^leich gedruckt hat.
Eine Eigenthümlichkeit dieses Druckes ist, dass die Anfangsworte eines Jeden
Psalms ganz aus Majuskeln gesetzt sind. Die Ausgabe hat 202 Blätter, in 88 Zeilen
gedruckt. Die Schlussschrift auf Seite 802 rccto lautet: tteiierenbiffilni carbinolU
titali fancti ^irti hm ioiian- 1| nis be Surrecremata ! ec^iofitio bresis d Otitis fnprr to il
to pfalterto €iibec imi»reffo.'' Blatt 202 verso ist leer. —
1487 big 1519.
Wir haben unter Foligno die drei Buchdrucker- Gehilfen erwähnt,,
mit denen Johann Numeister dort seine Druckerei betrieb, und die
im Jahre 1473 nach Perugia berufen wurden, wo sie die erste
Druckerei unter Leitung von Johann Vydenasi, dem Director der
Universität zu Perugia, begründeten. Die von Claudin in seinen
„Antiquit6s typographiques" pag. 51 veröffentlichten Untersuchungen
überlieferten uns durch eine Prozessurkunde die Namen dieser drei
Typograpben, von denen der erste sich Stepkanus de Moguntia nannte.
In Frezzi „II Quadriregio" Perugia 1481 (Hain No. 7362) nennt
sich der Drucker dieses Werkes: „Steffanus 'arns almano" ; in
Francisd de Assisio „Vita e Fioretti'* von demselben Jahre (Hain
No. 7326) ist als Drucker abermals verschieden „Steffanus Arns de
Hamborch" genannt.
Dies schliesst jedoch die Möglichkeit noch nicht aus, dass
dieser und Stephanus de Moguntia Eine Person seien, denn er
könnte in Hamburg geboren sein und in Mainz die Buchdrucker-
kunst erlernt haben. Natürlich lässt sich dies nicht bestimmt be-
haupten. Nach Deschamps „Dictionnaire de g6ographie'' coL 1014
soll sich derselbe Stephan Arns an anderer Stelle „van Aschaffen-
bürg** genannt und sich 1481 mit zwei andern Deutschen, Paul
und Thomas Berard de Büren, associirt haben; leider ist aber
weder für das Eine noch für das Andere ein Beleg angeführt.
Im Jahre i486 erscheint derselbe Mann in Schleswig, wo er
ein Missale druckte, und im Jahre darauf beginnt er seine Thätig-
keit in Lübeck, die bis 1519 — nicht 1500, wie Falkenstein, und
auch nicht 1515, wie Dr. Pauli angiebt — dauert, denn nach Panzer's
Zusätzen No. 967 c erschien von ihm 15 19 noch »»Der Schapherders
Kalender" ; alsdann in demselben Jahre von seinem Sohne Hans
Arndes „Ein nyge Calender", und 15 20 „in seel. Steffen Arndts
— Lübeck. — 421
nagelatenen Druckerye*' eine zweite Ausgabe des schon 1492 von
ihm gedruckten „Gharde der Suntheit**, Man vergleiche auch
<jesner-Suhl „Verzeichniss der von 1500 — 1520 gedruckten, auf der
Bibliothek zu Lübeck befindlichen Schriften** Seite 87 No. 697 und
Seite 88 No. 703.
Eine seltsame Entdeckung machte von diesem Stephan Arndes
Herr Oberapellationsrath Dr. Pauli in seiner vorerwähnten Schrift-
Nämlich an eine Aeusserung Lappenher g" s anknüpfend , der diesen
Typographen „einen Mann von ungewöhnlichen Gaben und That-
kraft** nennt, kommt er auf Seite 260 zu der Betrachtung, es könne
dies nur auf .Gnmd von Steffen Arndes Buch ,yDe ghenoglike Gharde
der Suntheit" geschehen sein, „denn in seiner eigenen eigenthümlichen
Vorrede dieses Buches sage er, etc."
Der Verfasser citirt nun die bekannte Vorrede des Werkes,
welche man auch in der ersten Schaff er^ sehen Ausgabe von 1485
unter Nr. 41 unserer Sammlung nachlesen kann, und sagt darauf:
,,Hier sind seine Gaben und Thatkraft , sein Buch ist erschienen
1492. Wann er seine Reise gemacht hat, sagt er uns nicht. Es
kann aber nur sein in einem der Jahre, in welchem er, soviel wir
wissen, hier keine andern Bücher hat drucken lassen, also zwischen
1489 und 1491, oder genau dem 10. Februar 1492."
Zwar ist die Wissenschaft darüber einig, dass der Autor jener
bekannten Vorrede im Hortus sanitatis oder Garten der Gesundheit,
Mainz 1485, kein anderer als Bernhard von Breydenbach, und dass
die darin erwähnte Reise dessen berühmte Fahrt nach dem heiligen
Grabe zu Jerusalem ist, deren Beschreibung i486 ebenfalls zu
Mainz (No. 42 & 43 unserer Sammlung) im Druck erschien, während
die Lübecker Ausgabe des „Gharde der Suntheit'^ nur eine nieder-
sächsische Uebersetzung des Mainzer Originales ist, worin auch die
bekannte Vorrede mit übergegangen ist. ^^AUeifi €8 kommt
nicht viel darauf aiu^^ Vergleiche Seite 418, Zeile 11 von
unten. —
No. 882.
^i^t ISibltc mit Dlitigl^er ad)ttngl)e: red)t na beme lattuc
in bttbcfck amr^l^rrettet || |lltt Dorlttd)ttn9i)e unbe glofe: bre
l)od)-||9^eUi:bm .^oßtUatoera Uicolai be Ipra || Snbe anberrr
DcUn l^iUigl^en boctorcn.'^
Lübeck^ Steffen Arndes, 1494* Gross Folio-Format.
Es ist dies die zweite Bibel in Niedersächsischem Dialekte; eine nicht geringere
Seltenheit als die erste „Colner Bibel*', die wir unter No. 342 angeführt haben.
Bezäglich des Dialektes sind beide Bibeln jedoch dadurch noch verschieden, dass
^^^22 — Lübeck. —
bi«r cum ersten Male das reine yiedersächitische erseheint, während in der Cöloer
Kibel das sogenannte Cölner Niederdeutsch, eine Mischung des niedersachsiscben mit
dem ntederländischen Dialekte vorherrscht.
Tn Ooezen's „Historie der Niedersnchsischen Bibeln" ist diese Ausgabe in Jeder
Beziehung erschöpfend besehrieben vrorden. Dies gilt anoh besonders von den
interessanten Holzschnitten, wozu vrir nur noch die Atisahl deraelben, ISO, hinxo-
setzen. Die Tyi>en, mit denen der Text gedruckt ist, nennen vrir mcht goGns^, wie
Herr Pastor Goeze, sondern Schtcahacher.
Die Einfaltigkeit der Glossen, welche mit dem Texte fortlaufend gedruckt und
nur durch Zeichen unterschieden sind, ist nicht erst dieser Ausgabe zur Last zu
legen, sondern anf die älteren Glossatoren, besonders Lyra und S. Victor, zurück zu-
führen, die hier lediglich fibersetzt sind. Wenn es I. Mose S, Vers 16 zu der Stelle:
„t>n ^e fd7all aUCr by ^Crfd70VC'' (und er soU dein Herr sein) heisst: „?DV
Vafem tO Vyn^&lj^nbZ Vn tO fläfce" (Dich oft zu peinigen und zu schlagen),
HO ist diese geistvolle Erklärung nur Uebersetzung einer bezüglichen Glosse des
Hugo 8. Victor, wie auch Seelen in „Selecta Litteraria" pag« 242 bereits ang^e-
merkt kat.
Diese Lübecker Bibel ist das Hauptwerk des Druckers Steffen Arndes und g«>-
hört besonders in completen Exemplaren, wie das unsrige, zu den grossten Selten-
heiten. —
(irarg lltdiolf
druckte vom Ende des 15. Jahrhunderts bis weit in das 16. Jahr-
hundert; späterhin setzte seine Wittwe das Geschäft fort. —
No. 883.
„35on bem ©tein || On tjenbe üom Serge geriffert: ||
JESV CHRISTO. ÜÜOCTOR JOANNES IIDRAC0NITB8. |..." AmSdüusse.
,,<Beferud?t feur* (Bcorgen Xi*oIff: M. D. XLIX."
Folio-Format.
10 Blätter. Seltene Schrift des Reformators Brach aus Carlstadt, der sich latinisirt
Draconites nannte. Das seltene Werkchen ist bei uns mit den nachfolgenden btiden
zusammengebunden. —
No. 884.
„SSon ben furftet)ern || ®te griebe leren. ||
DOCTOR JOANNES || DRACONITES. || . . ." Am Schlüsse:
,,(Btbx\xöit feurd) (Beorgen Xicbolff : 1| M. D. L."
Folio-Format.
8 Blatter. Selten wie alle Schriften dieses verdienten Reformators.
— Lübeck. — A2'X
No. 885.
„»on bf« 3lttntfd)en || 5'0nf : ;9fftt €ljri|lo. ||
DOCTOR JOANNES || DRACONITES. || . . ." Am Schlüsse:
„(Btbnxöit brxxd) (Beorgcn Kic^^olff: || M. D. L."
Folio-Format.
8 lilattor. Klienso selten wie die beiden vorigeD Schriften desselben Autors. —
Jiol)ann |iall)orn^
1531 bis 1599.
Dieser sprüchwörtlich bekannte Typograph erlangte seine Be-
rühmtheit dadurch, dass er ein ABC-Buch herausgab, auf dessen
Titel gedruckt stand „vermehrt und verbessert durch Johann Bal-
horn**, während die Vermehrung in nichts Anderem als in den
Doppelbuchstaben fF, 11, ss, tt, bestand; die Verbesserung dagegen
darin, dass er das bis dahin übliche Bild eines gespornten Hahnes
in das eines ungespornten verwandelte, dem ein Paar Eier zur
Seite liegen. —
No. 886.
„SSon bcm 3cic()cn || 2)er Stimmten. || Sefu ß^rifto. ||
DOCTOR JOANNES |1 DRACONITES. || . . ." Am Schlüsse:
„®efd)rie6en ju Sübecf. ÜR. ®. XLIX. || «rtrurkt ju
ITubrdi : burd) f| Jf oan 1@all)0rn*'.
Folio-Format.
10 Blätter. Selten wie alle Schriften dieses Reformators. Ist bei uns mit den
nächstfolgenden drei Pi^cen zusammengebunden. —
No. 887.
,,aSom (äuangcüfc^en || ^ßrebig 2(mpt Sefu Sijriftt ||
DOCTOR JOANNES || DRACONITES. || . . .'' Am Schlüsse:
,®cfd)rteben ju Stibed. 3». ®. XLIX. || ©ebxudt buxcli
3o{)ann S5alt)orn."
Folio-Format.
vS Blätter. Auf der BiiokKeite des letzten Blattes befindet sich das Portrait des
Verfassers in Holzschnitt. —
424
— Lübeck. —
No. 888.
,SJon ber ©tat || SSnfcr^ (Sottet. ||
DOOTOR JOANNES || DRAGONITES. H . . .'' Am sehius««:
„(Befd^rieben 5U tftbcd?. M. D. L. || ©ebrucft burd^ 3oamt
S5aU)ont.''
Folio-Format.
EiD nur 6 Hlätter ätarkes sehr selteDes Werkchon. —
No. 889.
„SJon bem (Seift || S)er gnaben t)nb bc^ gebettet: ||
JESV CHRISTI. II DOCTOR JOANNES || DßACONITES.||..." AmSchiuBse:
„®ef daneben ju Sübed. 2». ®. S. || ®cbrudt burc^ I!
Folio-Format.
8 Blatter starkes und selten vorkommendes Balliurn^scbes Druokverk. —
No. 890.
„Sird^en Dxbnung, || SSitfer t)on || ®ottcc^ gitabcn, gran^eii
^er^ogen ju ©adifen, ©itgern || ünb SBcftpl^alcn ... ©c-
brudEt in ber Äc^ferltd^cn freien || 9icid^§ ©tabt Sübecf,
tnxä) II Solian »al^orn. || Anno M. D. LXXXV."
Quart-Format.
YI und 278 Blätter, davon das letzte leer. Auf der Rückseite des Titels befindet
sich das schöne Holzscbnltt-Portrait des Herzogs Franz. —
No. 891.
„Der Äa^f erliefen II gre^en önb beS ^eiligen Stcic^ö*,
@tabt 2nhed Statuta unb || ©tabt Siedet. || . . . ©ebrurft
51t SübedE, burc^ 3o==j|I|an S3aII|orn, im Scir nad^ || ßfjrifti
©eburt, II 1586. "
Quart-Format.
l'hithält 13*3 ungezählte Blätter und ist mit Frakturscfarift gedruckt. —
1534.
Dieser Drucker ist derselbe, welcher von 1509 ab schon in
Rostock druckte und nach dem Drucke der schönen Nie der sächsischen
— Lübeck. —
425
Lutherbibel, den er in Lübeck besorgte, wieder dorthin zurück-
gewandert ist, wo er 1559 gestorben.
In der Nachrede eines daselbst um 1548 bis 1553 gedruckten
Nie der sächsischen Testamentes meldet er selbst, dass er den Druck
dieses Buches deshalb nicht früher habe beenden können, weil er
inzwischen vom Könige von Dänemark berufen worden sei, um für
ihn 3000 Bibeln in dänischer Sprache zu drucken, und dass er erst
nach seiner Rückkehr jenes Neue Testament wieder in die Hand
genommen und den Druck vollendet habe. —
No. 892.
^^Öc $iblie || Btl) bcr öllrjgin-l ge ^octoris IWar-||tmi
fi\xt\)tx^ jm byx\) fcftöcfd^c || vliticb t)t^?gcfettct, mit
fun*||feergcn l>n^errid)tingen, || alfc men fcen mad)^ ||
3nn fccr EcyferliBcn &t(ibt Cfibe* i| hy €u6owid)
JDicg gefcriid?ct» || M. D. XXXllI/* Am Ende: 1534.
Gross Folio-Format.
Es ist dies die erste Niedersächsische Bibel, welche nach Luther's hochdeutsche^'
l'ebersetzung bearbeitet and gedruckt wurde. In der Gesanunt-Reihe der Nieder-
sachsischen ist es die vierte, da ihr die Cölner von circa 1476 (No. 342), die
Lübecker von 1494 (No. 882) und die Halbendndter von 1.522 vorausgingen.
Diese niedersächsische Uebcrsetzung erschien selbst noch früher, als die erste
Original - Gesammt - Ausgabe der hochdeutschen y^Luüier-Bibel'^ von Hans Lufft in
Wittenberg 1534, da schon je nach Erscheinen der einzelnen Theile des Originales
um 1523 bis 1524 die Uebci'setzungen gefertigt wurden, und nachdem auch der ver-
zögerte letzte Theil, die Propheten, um 1582 herauskamen, zur rüstigen Vollendung
des Ganzen geschritten wurde.
Die Ausstattung dieser Bibel ist eine vorzügliche. l>te Typen des Textes sind
Schwabacher von ausserordentlicher Schönheit und ebenso schon die meisterhaften
Holzschnitte, deren Urheber erst Wiechmann-Kadow W58 in Erhard Altdorffer,
Hofmaler des Herzogs Heinrich des Friedfertigen von Mecklenburg, festgestellt hat,
worüber des Verfassers interessante Schrift: y^Dte wecklenhitryisdien Formschneider
des 16. Jahrhunderts'^, Schwerin 1848, erschöpfende Auskunft giebt.
Die Anzahl der Holzschnitte, welche noch nirgends angemerkt wurde, betragt 81,
von denen 4 blattgrosse sind. Auch ist zu erwähnen, dass In diesen Holzschnitten
fast gar keine Wiederholungen vorkommen, sondern nur der Titelholzschnitt des
alten Testamentes ein zweites Mal beim neuen Testamente erscheint, im Uebrigen
aber Jede Darstellung eine neue ist. Dieser Umstand unterscheidet den Bilder-
schmuck der vorliegenden Bibel auf das Vorth eilhafteste von den meisten andern
Holzscbnittwerken jener Zeit, in denen bis zur Ermüdung immer dieselben Dar-
stellungen für die verschiedensten Begebenheiten wiederkehren.
Im Uebrigen hat auch diese Bibel Herr Pastor Goeze so au.sführlich beschrieben,
dass wir uns an dem Gesagten genügen lassen können und nur noch ihrer grossen
Seltenheit Erwähnung thun , welche derjenigen der Lübecker Bibel von 1494 wenig
nachsteht, während sie an Schönheit und Kunstwerth jene noch bei Weitem überragt.—
126 — Nachträge. —
!lad)träge
5u ITTains, »ainberg, Straßburg, C5In, Korn, »afci,
2Cug6burg, TDeticWg, Ulm nnb »cromÄnflcr*
No. 893.
„^uguflmi bf urrar Bitar cognitianr."
Mäinz^ Fust & Schoeffer, circa 1460. Quart-Format.
Hothst soltene Cimelie, mit der Durandtistype aber unvollkomwener als <1m
Batiomile Ton 1459 gedruckt, daher vielleicht noch älter als das letztere. Diese
kostbare Cimolie wird durch 9 lateinische Verse eingeleitet; und offenbar ist es einer
der Herren von der Gesellschaft Fust & Schoeffer selbst, der hier den Pegasus reitet,
denn es heisst darin: , Vater Augustinl Wie ein Adler strebst Du mit den Geistes-
fli'igeln des Johannes zu dem im Himmel Ilochverborgenen, u-oher Du leuchtend
kommst. Da offenbarst den Zweifelnden das Licht, welches ich darauf durch dts
Buch beständig mache."
Am Schlüsse steht djis rothe Fust & Schoeffer'sche Drucker zeichen ohne Firini
und Datirung. Hain No. 2092. Einband von hellem Saffianleder mit echtem Silber-
beschläge. —
No. 894.
3Florentttt0 J)arlfmiMs: ,,.9fr ftd)fr ;3n9an5 her l)5mrl".
Mainz^ Peter Schoeffer, wohl 1466* Quart-Format.
Dieser neiuHte bibliographische Fund gehört in der That zu den interessantesten
Erscheinungen auf dem (Gebiete älterer Literatur. Es ist das erste in deutseher
Sprache »tt Main» gedruckte wirhUche Buch, und das ttntfangreiehsU
deutsche I>ruehwerk seit der Erfindung der Buchdmckerkunst. Der Umstand,
dass es weder die Firma Fust & Schoeffer y noch Feter Sdhoeffer allein trägt, während
doch der Letztere nach Fust's Tode 1466 seine Drucke regelmässig mit seinem
alleinigen Namen bezeichnet, legt die Vermnthung nahe, dass die Vollendung des
Druckes in die Zeit ßllt, wo die Nachricht ron Fust's Tode zwar von Paris gemeldet,
die neue Firma aber noch nicht festgestellt war. .Allen Forschungen nach dürfte
dieser Bibliothekschatz ersten Ranges wohl I7n<ct<fn sein.
Das Buch ist bisher von keinem Bibliographen gesehen worden. Panzer hat es
in den Zusätzen Seite 8, No. 39 d, nach einer Notiz in der „Allgemeinen deutschen
Bibliothek* Band 93, Seite ^35 angezeigt, wo aber seinen Ursprung nichts gesagt ist
Hain No. 9185 hat Panzer nur copirt. Jedenfalls wurde das Buch früher einmal im
Kloster Buxheim gesehen, woher das Exemplar auch stammt.
Die Type, mit welcher das Werk gedruckt ist, erscheint zuerst im zweiten Theile
der nGrammatica rhytmica** von 1468; später häufiger. Es ist die Schoeffer'sche
Patdus-Type. Den Inhalt machen 116 Blätter aus, «wovon das letzte leer ist Die
Zeilenzahl variirt zwischen 29 nnd SO.
Die unvollkommene Technik des Druckes, ungleiche Länge der Zeilen, schlecht
gehaltenes Register machen es wahrscheinlich, dass der Druck älter als die Qram-
tnatica von 1468 ist nnd da man zudem auch annehmen kann, dass Schöffer eine neue
Typa eher für ein so umfangreiches Buch, als für die kleine Grammatica wird an-
geschafft haben. Dafür spricht auch der Umstand, dass darin Ligaturen, %. B. (fj, vor-
kommen, die im Latein niemals erscheinen. Ebenso die Buchstaben K, n und lu
Auf dem ersten Blatte befindet sich eine Inschrift, wonach das Kloster Pmell
bei Regensburg eine lateinische Uehersetzung davon besass, welche Loureniius
— Nachträge. — ^j
Surius, der den Tauler in's Deutsche übertrug, gefertigt hatte. In dieser Inschrift
wird auch der Name des Verfassers Florentius Harleniius genannt. Das Interes-
santeste an dem ganzen Werke aber ist die Sprache, in der es geschrieben ist. Sie
bildet in ihrem Gemisch von Hochdeutsch und Niederdeutsch eine der auflälligsten
linguistischen Krscheinungen. Man wird diese mit der Abstammung des Verfassers,
der offenbar ein Niederländer -war, in Verbindung bringen dürfen. So ist denn dieses
Werk, das man nach seinem Inhalte zur Literatur der Erbauungsbücher zahlen
darf, die in Jeder Beziehung tvlehtigste Entdtehung ^ welche auf dem Gebiete
alter Druekdenkmäler wohl seit Jahrzehnten gemacht wurde. —
No. 895.
€lemcntt9 V. ^^€ort|lituttonr0*S
Mainz^ Peter SchoefFer, 1467* Folio-Format,
Von dieser Seltenheit ersten Ranges besitzen wir ein prachtvolles Pergament-
Exemplar. Es ist die zweite Ausgabe der «Clementinen*, welche mit denselben
Typen gedruckt ist, wie die erste von 1460, nämlich der Text mit der Clemenstype
oder Bibeltype von 1462, die Glossen mit der Durandustype. Hain No. 5411. —
Prachteinband mit Deckeln von verschiedenfarbigen Holzarten zusammengesetzt, die
dunkeln Ränder von zweitausendjährigem Bichenholze, das ehemals als Fundament
der alten Römerbrücke zu Mainz gedient. —
No. 896.
^^(Elagen Dnb nu^lid)e Irre bi^ fübrrUd)rn bud)0 nu^ qc-
meinen befd)riebenen red)ten.*^
Mainz^ entweder Johann Numeister vor 14 70^ oder Erhart Rewich
um 1480« Quart-Format.
Ueber diese Seltenheit ersten Ranges haben wir unsere begründeten Ver-
muthungen bezüglich des Entstehens schon auf Seite 14 ausgesprochen. In dem
interessanten Opus hätten wir also ein zweites Mainzer Druckwerk in deutscher
Sprache vor uns, dessen Entstehen in Jene frühe Periode fällt, aus der man bisher
nur lateinische Werke der Mainzer Typographen kannte; denn vor der deutschen
Ausgabe des „Hortus sanitatls* 1485 sind in deutscher Sprache nur die beiden
Strassenplakate bekannt, die wir von Fust & Scboffer unter No. 9 und 10 auf Seite
18—19 aufgeführt haben, während die „Mahnung widder die durken* 1455 sicher
nach Bamberg gehört.
Die Typen der obigen deutschen Incunabel sind ein Gemisch von fast allen
damaligen Mainzer Typen, als habe der Urheber es sowohl dem Erfinder Gutenberg,
wie seinen Nachfolgern Fust & SchÖffer gleichthun wollen. Da wohl als sicher
anzunehmen ist, dass tTohann Numeister Gutenbergs Mitarbeiter noch nach
dessen Trennung von Fust & Schoffer und Jedenfalls mit am Catholicon beschäftigt
war, so kann man batmi anders annehmen, als dass Numeister nach Gutenbergs
Rücktritte vom Geschäft sich eine kleine Druckerei auf eigne Faust angelegt,
und mit jenen neugeschaffenen schülerhaften Typen bis gegen 1469 eine Reihe
Dnickwerke geschaffen habe, deren bis Jetzt mit dem unsrigen neun bekannt ge-
worden sind.
Im Jahre 1470 taucht Johann Numeister bereits in FoUgno mit ednem eben so
schülerhaften ersten Drucke auf, den wir unter No. 809 genauer beschrieben. Der-
selbe enthält aber wieder ganz und gar andere Typen, und es ist keine Spur vor-
428 — Nachträge. —
•lianden , dass er von Hains Typen mit nach Italien gebracht habe- Deniuacb ver-
blieben seine Maiaxer Typen auch in Mains, und von ihnen dürften wohl die bessern
Majuskel • Alphabete später in Urharl Mewieh» Besits gelangt sein , wahrend die
übrigen schlecht geformten Alphabete eingeschmolsen wurden.
So erklärt es sich also leicht , dass ein Theil dieser alten Typen — die aoeh
brauchbaren Majuskeln — noch 1488 in Urhart MewiehB holländischer Ausgabe
von Breydenbaehs „Heyligen Reisen nach Jerusalem" wieder auftauchen, dena hier
Knden wir sie in der That wieder. Da aber EUiart Rewich unbestritten besser
setzen und drucken liess, als es in der obigen deuitehen IneuntUfel gescbeben
ist, so möchten wir diese Schülerarbeit auch nicht dem Rewich zutrauen, sondern
mit viel mehr Wahrscheinlichkeit haben wir hier jedenfalls eine frühe Leistiuig
■*Tohann JSumei^ters vor uns, die dadurch ein erhöhtes Interesse gewinnt
Ziemlich gelungene Schriftproben findet man bei Bemard „Origine de Pim-
primerie", Band I auf planche VIII unter No. 10 und 11. Das Werk umfust
übrigens 285 Blätter, in 2 Spalten au 41 Zeilen gedruckt. Die erste Seite ist leer,
am Schlüsse ein leeres Blatt. Das darin enthaltene Deutsch ist eben so drollig wie
die Interpunetion, bei der wir übrigens merkwürdiger Weise dasselbe ganz langt
Xo9ntna vorfinden, wie im „Ingang der hymel" unter No. 894 unserer Samniluug. —
No. 897.
j>u|ltntani „(Kobrjr^S
Mainz^ Peter Schoeffer» 1475* Gross Folio-Format
Unserer ersten Ausgabe der „InslUulionen'^ des Justinian von 1468 — die
übrigens, wie wir zu Jio. 19 auf Seite 24 nachholen müssen, in einem prachtvollen
Pergament-Exemplare vorliegen — können wir hier auch ein schönes Exemplar der
■ersten Ausgabe des „Codex" Justinianl beifügen. Der Text desselben ist mit der
Bibeltype, der Glossar mit der Paulustype gedruckt Hain No. ».598. Der Pra<*bt-
einband des imposanten Werkes besteht in der Hauptsache aus zweitausendjährigem
Eichenholze von der ehemaligen Mainzer Römerbrficke, ausgelegt mit andersfarbigen
Holzarten.
Schaab sagt über dieses 314 Blätter umfassende riesige Werk in Band I pag.514:
, Dieses kostbare Werk ist äusserst selten; man kennt nur auf Pergament gedruckte
Exemplare.^ Demnach wäre unser auf sehr starkes Papier gedrucktes Exemplar
eine doppelte Seltenheit. Was jedoch Schaab hier sagt, passt wohl auf die „Tnstitationes-,
nicht aber auf den „Codex**. Das Exemplar der Mainzer Dombibliothek ist nach Schaab
spurlos verschwunden. —
No. 898.
„^pusculü magm || fiaftlii ab iuuenrs.^^
MainZ; Peter Schoeffer, circa 1480* Quart-Format.
Höchst seltene Mainzer Ausgabe der berühmten Rede des BastUus .Wie man
die heidnischen Schriftsteller mit Nutzen lesen soll**, in der Uebersetsung des Are-
Ünus. Hain No. 2690. Das Schriftchen ist in mehriacher Besiehung interessant.
Der Titel ist in zwei Zeilen mit der grossen Psaltertypc gedruckt ; es ist dies viel-
leicht das ersle mit einem wirldichen TUel gedruckte JSuehf obgleich die Ausgabt»
leider keine Datirung hat. Indessen wird man sie, da der Text noch mit der
Burandusfype von 1459 gedruckt ist, sjyätestens um 14S0 setzen müssen.
Der Text bietet dadurch etwas Auffallendes, dass er mit einem ausserordentlicb
starken HHtrehsehuss gesetzt ist, welcher mindestens doppelt so stark ist al5
derjenige des Cicero von 1466 unter No. IG unsorer Sammlung. Die Schlussschrift
— Nachträge. — xoo
ist dagegen compress gedruckt. Hier begegnet man dem ganz vereinzelten Falle^
dass darin der Name des JRttbriciUor» typographisch ausgedruckt ^tvorden ist.
Derselbe Kubricator, Martinus Brenrnngariun, findet sich übrigens auch in der
Schlussschrift einer andern, zu Ulm von Johann Zainer gedruckten Ausgabe (Haia
No. 2689). Da indessen beide Schlnssschriften bis auf das Wort „Tllm^** für „Ülagncie*^
übereinstimmen, muss man einen Nachdmieh annehmen. Wir möchten Jedoch,
eher die Ulmer Ausgabe für die ältere halten, da diese noch keinen Titel hat..
Jedenfalls dürfte es danach nicht absolut zu entscheiden sein, ob der sonst unbekannte
Rubricator Srenninguriun ein Mainzer oder ein Ulmer gewesen ist. —
No. 899.
Scrnarfc von Ärcyfcenbad): ,,jDic ^?cvUcil?c bcuacröcrt
tot bat l)tyliQl)c gtafft in ifjcrufalcm".
MainZ; Erhart Rewich, 1488. Folio-Format.
Diese holländische Ausgabe von Breidenbach^s Reisen ist von grösster Seltentieit;
sie hat dieselben Holzschnitte wie die hiteinische und deutsche Atisgabe No. 42 & 4S
unserer Sammlung; auch steht am Schlüsse das Henneb er g^ sehe Wappen. Ueber die
Eigenthümlichkciten , welche der Druck aufweist, haben wir schon auf Seite 14
gehandelt.
In Ansehung der interessanten Perspective, welche dadurch für die Bestimmung
der an genannter Stelle erwähnten 8 andern Maineer Drucke gewonnen wird, ist
vorliegende Ausgabe doppelt hoch zu schätzen. Hain No. S963. Schoner Einband
von braunem Leder mit vergoldeten Beschlägen. —
No. 900.
ii^\)\t l^ractica unnb |9renofliration iß gebrückt }\x IDrtt^
im |tt. CCCC : XCIl. JTar/^
MainZy Jacob Meydenbach, 1492« Quart-Format.
Wir sprachen schon auf Seite 86 begründete Zweifel gegen die bisherige Annahme
aus, dass Jacob Meydenbach von 1491 bis 1495 überhaupt nur zwei Werke gedruckt
habe, die wir unter No. 47 & 48 verzeichneten. Obiges reich iUustrirte Werk ist
ein Beweisstück für diese uusere Ansicht, denn kein Anderer als Jacob Meydenbach
kann der Drucker sein, der neben Peter Scliöffor im Jahre 1492 der einzige Mainzer
Drucker war, da erst 1498 Peter Friedberg als Dritter hinzukam.
Dazu kommt aber, dass die in obigem Werke verwendeten Typen mit denen
FriedbergB und Schoffers auch nicht entfernt übereinstimmen, vielmehr einen durchaus
verschiedenen Charakter zeigen. Ein fernerer Beweis liegt darin, dass Jacob Meyden-
bach nach Schaab I pag. 541 in demselben Jahre die laieiniaehe Auagäbe der
„ Pronosticatio" druckte, welche Typen aufweisst, womit er im Jahre 1491 seinen „Hortus
sanitatis*', No. 47 unserer Sammlung, druckte, und gar nicht anzunehmen ist, dass
gleichzeitig ein Anderer die detttsehe Ausgabe der „Pronosticatio* gedruckt haben
sollte, was eben auch nur Peter Schoffer gewesen sein konnte, bei dem aber diese
Type gar nicht vorkommt.
Es ist nämlich eine ziemlich kleine, äusserst hübsche und lesbare Schwabacher,
die sich aber mehr der GothJsch nähert. Der Titel und die Ueberschriften sind aas
einer Art Schreibschrift gesetst, die schon in so früher Zeit an die Typen des
Theurdnnk von 1517 erinnert, Uebrigens umfasst das Buch 46 Blätter mit ebensoviel
430 — Nachträge. —
zum Tbeil blattgrosäen HoUfMhnUlen, die äasserst wirkungsvoll in der äiteäten
Manier ausgeführt »ind, und die das überaus seltene Werk doppelt werthvoll
machen. Von der lateinischen Ausgabe existirt ein ganz ähnlicher Nachdruck. —
No. 901.
JJoljaitnf» a;ritl)finhi6 : OEaUatio br republica rcclfpe tt
inonad)orum orbinia biui patria benebicti.
MainZy Peter Friedberg, 1403. Klein Quart-Format.
Sehr selten vorkommender Fried berg'scher Druck, den man auch ohne die
Druckfirma wofoi-t an dem fetten" Ä erkennt, das in dem ganzen 10 Blatter starken
Werkchen nur siebenmal Ter wendet ist, daher gleichsam wie ein Wahrzeichen des
Druckers auftritt, und das man hier gleich auf der ersten Textseite ziemlieh in der
Mitte erblickt. Wir verweisen hier übrigens auf die schon Seite 86 bei No. 49
gemachten Bemerkungen zurück. Obiges Werkchen tragt sowohl auf dem Titel wie
am Schlüsse die Jahrzahl. —
No. 902.
JJoljannfa ®ritl)cmm6: 0t laube Scriplarum.
Mainz 9 Peter Friedberg, 1404. Klein Quart-Format.
Auch ohne die vollständige Druckürma dieses seltenen Werkchens würde m«n
Peter Friedberg an dem schon vorstehend besprochenen fetten römischen 8 erkenoco,
das hier gleich in dem fünf Zeilen umfassenden vollständigen Titel eingestreut ist,
und in dem ganzen Werkchen nur noch siebenmal vorkommt.
Mit vorstehenden zioei Nummern vermehrt sich die Zahl unserer Friedberg'scbeQ
Drucke , die wir auf Seite SB bis 39 näher besprochen , von elf auf dreizehn. Das
vorstehende letzte ist 20 Blätter stark. — Der Autor sucht in diesem Werkchen die
jungen Geistlichen zum eifrigen Lesen der Iteligionsbücher und -zur Liebe zu den
Wissenschaften auzucifern. —
No. 903.
,,Ucformacioti öer ©tat Srancfctifort am tTTcine bea
^cilgc Komifd)e Uicbs Cänicr ao 1509/'
Mainz^ Johann Schoeffer, 1509* Folio-Format.
Von grösster Seltenheit und einer der schönsten Drucke, die Johann Scböifer
geliefert. Schaab und Würdtwein beschreiben diese Original - Ausgabe unter dem
Jahre 1509, wo in Frankfurt selbst noch keine Buchdruckerei bestand, daher Scböffer
den Auftrag erhielt, den er sichtlich mit ganz besonderer Sorgfalt höchst splendid
ausführte.
Der ganze fünfzeilige Titel ist mit zollhohen Buchstaben }n Holz geschnitteo.
Die ganze Uückseite des Titels füllt das Keichswappen , verbunden mit dem Frank-
furter Stadtwappen, weiches letztere auf roth colorirtem Grunde sehr schön hervortritt
Das 52 Blätter umfassende Werk mit der schönen Schwabacher Type SehÖffcrs iät
sehr splendid gedruckt, das Papier kräftig und rund herum mit aussergewöbnlii'h
breiten Rundern. —
— Nachträge. — 431
No. 904.
„Inscriptiones vestutae romanae et earum fragmenta in
Augusta Vindelicorum. et eins dioecesi cura et diligencia
Chvonradi Pevtinger. Augustani jurisconsulti." etc.
Mainz 5 Johann Schoeffer, 1520. Am Schlüsse jedoch mit der
Jahrzahl 1525. Folio-Format.
Diese seltene und geschatste Ausgabe ist eine Verbindung Ton Holzschnitt und
Typendriick. Schon der Titel befindet sich in einer prächtigen fignrenreiehen Bordüre,
in welche der Titel antiqua ganz in Versalien gesetzt ist.
Die Augsburyer „römiscben Inschriften" sind aus einer grossen Anticiua in
Versalien gesetst, die eigens dazu gegossen sein dürften. Wo die Inschrift beim
Originale lädirt gewesen ist, hat man mit grosser Sorgfalt auch die Typen soweit
hinweggeschnitten, so dass von manchem Worte blos noch einzelne kleine Fragmente
ersiehtlieh sind.
Die letzten sechs Inschriften nebst der Schlussschrift wiederholen sich auch in
der nachfolgenden etwas stärkeren Inschriften-Sammlung, deren Schlussschrift wörtlich
dieselbe ist und ebenso das Datum »M. D. XXV. Mense Septemb." trägt. Schaab
kannte unsere Ausgabe nicht , fuhrt aber in Band I pag. 568—664 eine solche von
1520 „Mense Augusto*' an. Er ist übrigens nach pag. 563 Zeile 5 von oben der
Meinung, auch die Inschriften seien ganz in Holz geschnitten. Unsere Ausgabe hat
übrigens 16 Blätter, am Schlüsse das Druckerzeichen. —
No. Ö05.
„CoUeetaiiea antiquitatam in urbe, atque agro
Moguntino repertarum."
MaiuZ; Johann Schoeffer, 1525* Folio-Format.
Die Sammlung römischer Inschriften von Maitiz macht ganz den Eindruck der
unter voriger Nummer besclu-iebenen, zumal die letzten drei Blätter dies4>lben Inschriften
enthalten, auch der Titel in dieselbe schöne Bordüre gesetzt und die Schlussschrift
mit Datnm genau dieselbe ist.
Das 22 Blätter starke interessante und historisch wichtige Opus ist die zweite
Auflage, deren erste 1520 ersclüen. Schaab beschreibt beide aasführlicher in Band 1
unter den betreffenden Jahrgängen. Auf Seite 576 und 576 giebt Schaab sehr treffend
den Streit der Gelehrten w^ieder, der sich über die vorstehenden beiden Collectaneen
seiner Zeit entsponnen hatte. —
No. 906.
Bartholomaeus Ooloniensis : Dialogus mytholagicus.
Mainz^ Johanu Schoeffer, 1521« Klein Octav-Format.
Schttab führt diesen seltenen Mainzer Druck zwar in Band 1 Seite 570 an. Jedoch
mit dem Bemerken ,ohne Angabe des Druckers^. Entweder hatte er ein uncomplettes
Exemplar vor sich, dem das letzte bedruckte Blatt mit der vollständigen Firma
Joliaan Schöffers fehlte, oder er hat sich nach Pariser gerichtet, der den Druck in
Band VII Seite 414 verzeichnet, und keinen Drucker angiebt. Vielleicht sah auch
er das Werkchen nicht selbst. Dasselbe ist antiqua in zweierlei («rös-son gediuckt,
der Titel mit einer hübschen Bordüre umgeben, und enthält 44 Blätter. —
432 — Nachtrige. —
No. 907.
^ntitn %nhtxt}ittu. ^ndg ^olh bnb Siiibtt «smj^t Mtn ^etalbn»
nnsoi litt 4i^iitt %n 9ägn^itn. Pit bil KvAtrn viM%liägtn "^nnsütn /
S^d^nj^iftiiitTn bn '^ttgHmtn MtxltTH hxbtn / irt fnitn** ttc.
ff^lltn Siägxt^ittn / gritff makrn / mxaj^t n\\btxn fiolägtx ^nntUn
Ihb^nhttn / ganti IvLiAi^ bvA ftnf^brtxliä^ su tomtn.**
Haiiue, Peter Jordan, 1581« Quart-Format
DJcüCd 11 bedruckte Bl&tter umfaHsendc kleine interessante Kunatbiictilein bUc>>,
obwtibl mit Firma und Jalinahl versehen, selbst Bchaab unbekannt. £s durfte in
seinen Uozepten vielleicht auch für unsere Zeit noch manches I^raurhirarc eDthabf>n.
Die Tinten zum Schreiben und Malen erstrecken sich über alle Farben, auch Qold
und Silber. In einigen Anweisungen durfte vielleicht gar die Kunst wiedergefiind«>n
sein, wie man ehedem das Auflegen und Poliren von Gold auf den prachtigen Initiales
der Incunabeln bewerkstelligte, eine Kunst, die unserer 2^it verloren gegangen i^t. —
No. 908.
L. Plorus: De gestis Romanorum libri quatiior, una
cnm adnotationibns Joan. Camertis. .
MainZf Ivo SchoefTer, 1540« Klein Octav-Format.
Das seltene Bctiriftchen ist mit 802** Seiten paginirt, und mit Ausnahme von
Seite 176 bis 810, die aus gewGhnlicher Antiqua gesetzt sind, ans einer sehr hfibsdieo
kleinen (.'nrniv gedruckt. Es k«mmcn dazu noch 48 Seiten Titel, Yorwort und
Index. —
No. 909.
„£\n (Cf?riftlid)c lere | 5U gränfelicbem vxxb beflenfeigem
t)nfeerrld)t fee5 recbten (Erlaubend«
JDurd) feen ^o&iro\xb'\%tn ^txxn 3o^?anfen »ifcfeofen
5u nteyffen fftrgeflellft/'
Mainz^ Franz Behem, 1541« Quart-Format.
Mit einer ziemlich grossen, sehr hübschen gothischen Schrift gedruckt. Das
Werk umfasst im Ganzen 104 bezeichnete Blfittcr, die ganze Rückseite des Tltalt
füllt ein schöner fignrenrcicber Holzschnitt.
Intercssannt ist, dass wir hier mit der Druckfirma auf dem Titel saglei«*!)
genauen Aufschluss über die Oertlichkeit der Behem'icben Druckerei erhalten. E*
heisst nämlich hier: „Gedrückt zu S.Victor ausserhalb Mentz, durch Franciarom
Behem*'. —
— Nachträge. — a-}^
No, 910.
Valerius Maximus: „Factorum dictorumque
memorabilium libri Nouem'^
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1544* Klein Octav-Format.
Ein höchst selten vorkommender Mainzer Druck von ziemlichem Umfange, denn
er umfasst 475 numerirte Seiten, nebst 12 Blättern Titel, Voi-wort und Index. Der
Text ist ganz aus einer niedlichen und ungemein leserlichen Cursivantiqua gesetzt.
Von den zwei verschiedenen Druckerzeichen Ivo Scböffers befindet sich das kleinere
auf dem Titel» während das grössere die letzte Seite eines im Uebrigen leeren Blatte»
am Schlösse des Werkes einnimmt. Auch an seiner zweimaligen ausführlichen Firma
vorn und hinton hat es der Typograph nicht fehlen lassen. —
No. 911.
„Litnrgia S. Basilii Magni nuper e tenebris ervta, et
in Incem nnnc primam edita."
Cnm praevatione Georgii Vuicelij.
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1546* Klein ' Octav-Format
Seltener Mainzer Druck von 44 Blättern, ohne Firma, aber mit Ivo Schöfi'ers
Druckerseichen in zwei verschiedenen Grössen, auf dem Titel und auf der letzten
Seite des niedlichen Werkchens. —
No. 912.
Erasmi Roterdami Opus de conscribendis epistolis.
Valentini Libellus vere aureus. Conradi Celtis Methodus.
Christophori Hegendorfi Epithoine.
Mainz^ Ivo Schoeffer, 1550* Klein Octav-Format.
Wohl der älteste so umfassende Briefsteller, von vier Autoren zusammengetragen,
und von grosser Seltenheit. Das Werk enthält 574 numerirte Seiten, 2 Blatt Titel
und Vorwort, am Schlüsse erst ein ganz leeres Blatt, dann ein zweites, auf dessen
Rückseite sich nur das grössere Ivo SchöfFer'sche Druckerzeichen befindet. Die Typt'
ist die schon erwähnte kleine zierliche Cursivantiqva. —
No. 913.
„aiiti Ibij be^ aller lSfbfpred)|lfn mh 1|od)berump(ien
®ffd)td)tfcl)mbfr0, S5mtfd)f ^iflorien etc/^
Mainz^ Ivo Schoeffer^ 1551* Folio-Format.
Mit dieser Erwerbung ist die Reihe der neun Mainzer deutschen Ausgaben de!
Livius in unserer Sammlung vervollständigt bis auf diejenige von 1538, die wir in-
de.ss auch noch ausfindig zu machen hoffen. Obiges ist, wie wir nun feststeLer
können, die achte und vorletzte Ausgabe in einem sehr schön erhaltenen Exemplaio
im alten Original-Einbandc von Schweirsleder mit reicher Pressung.
28 •
4^4 — Nachträge. —
Diese wenig l>ekaiintc AuHage , die auch bei Ebei-t fehlt , enthalt vriedcrum die
bisturiscb wichtige Dedicatiou uii Kaiser Maximilian, worin Johann duieuberf} aiu-
drücklich als Erfinder der Bw-hdruckerJcunst zu Mainz iin Juhre 1450 anerkannt wird.
Wir haben hiervon den Woi-tlaut schon bei der «lösten Auflage von IßOS uuf
Seite 40 angeführt, und da auch der Chr«>nit>t Tritlmnius in den rAnnulcs Spanbe-
mcnsis" wie in den „Annales Hirsaugienscs" nach Mitthoilun^fen von Ptttr Schößtr
aelhat unter dem .Jahre 14&0 dem JohaiMl Gutenberg die Ehre der 1^-tinduiio'
giebt, so kann mau nur die ( Gelehrsamkeit neuer jr l'^urscher bew^underu, welche
die Existenz eines Erfinders f, Johann (iutenberg^ rundweg rcrneinea, weil historische
Untersuchungen angeblich dagegen sprechen.
Dasd auch die Colner Chronik von 1499 nach dem Zeugnisse Ulrich Zeli's den
Johann Qulenberg als Erfinder nennt, aber keinen Andern, darf das heutige viel
bcs.'iere Wissen nicht geniren ; und wenn auch der Eine allenfalls noch einen „Henne
(«ensfleLsch" bestehen läs.st, der aber gar nicht unser Johann Gutenberg gewesen
sein soll, so streicht der Andere unbarmherzig Alles, was sowohl von Zeitgenosspu
wie von den spätem Mainzer Historikern und Hibliograplieu der leichtgläubigen
Welt aufgebunden worden ist.
Dass die Mainzer Gelehrten vor fünfzig, hundert und mehr .lahren so mancbed
Nebensächliche noch nicht wussten, was inzwischen erforscht und entdeckt worden
ist , finden wir sehr natürlich. Dies hebt aber die Thatsache nicht auf, da»s die
Mainzer Vorarbeiten der Uauptsache nach die Grundlage der heutigen biblio-
graphischen Wissenschaft gebildet, und ebenso eifrig studirt, wie nacbgeschrie>>eii
und — verhöhnt wurden sind.
Unsere übrigen sieben verschiedenen Mainzer Auilagen des deutschen Liriu.^
sind unter ^Mainz" mit folgenden Nummern bezeichnet und wo nöthig näher i*e-
sctirieben worden: No. 60, 68, 8G, 108, l'il. 124 und 131. Die laleinlsche Ausgal»e
findet man in zwei Varianten unter No. 72 und 73. Ein Vergleich derselben iit.
wie wir uns in unserm Museum öfter überzeugen konnten, für den Bibliophilen
von ganz besonderem Interesse. Uebrigens muss es nunmehr bei der Erläuterang
zu No. 131 auf Seite G7 heissen f,netinte und letzte Mainzer Auflage*' anstatt achtt, —
No. 914.
3«ifi i90nat-3Fra9mrntf,
;//// (/en Typen der 36 zeüigen Bibel auf Pergament gedruckt,
Bamberg^ Albrecht Pfister, wohl um 1458.
Diese interessanten und bibliographisch hochwichtigen Fragmente befinden sieb
bei uns noch nnabgelöst in den mit Leder überzogenen Holzdeckeln eines alten
Buches, das selbst nicht mehr vorhanden ist. Die Fragmente von 7 — 8 Centimeter
Breite bei 84 Centimeter Lange haben wie gewöhnlich zur Befestigung des Burii-
rückeus an die Holzdeckel gedient, wozu das Pergament durch seine Haltbarkeit
den Buchbindern das beste Material bot.
Die PVagiiiente sind auf der nicht festgeklebten Seite vorzüglich erhalten , m
dass man den Druck lüar und deutlich erkennt. In dieser Beuehung sind sie
jedenfalls noch werthvoller, als die beiden berühmten 27 zeiligen Donatfragmente
in der National-Bibliothek zu Paris, die wir schon auf Seite 80 Mä 83 aasföhr-
lich besprochen haben.
Merkwürdiger Weise scheinen auch unsere Fragmente einem Exemplare jened
27 zeiligen Donatus angehört zu haben, denn bei dem einen Fragmente weist die
Oolumne ebenfalls 27 Zeilen auf, auch scheint da, wo hier unten der Band weg-
geschnitten ist, der Druck nicht fortgesetst zu haben, während das aweite Fragment
Nachträge. — ^^c
nur V6* Zeilen hat, hier aber die Columne ofi'enbar um eine Zeile küi*zer gewesen
sein dürfte, denn es findet sich unten ein l'/a Centimeter breiter leerer Kand.
Das berühmte Pariser „ünicum", über dessen Alter und Ursprung seit mehr
als einem halben Jahrhunderte soviel gelehrtes Stroh gedroschen worden ist, dürfte
also hier seinen ebenbürtigen Cuncurrecten gefunden haben. Interessant ist es für
den Fachgelehrten, hier alle Eigenthümlichkeiten , welche die Typen der 36 zeiligen
Bibel aufweisen, so klar und deutlich zu erkennen. Die charakteristischen Versalien
(S, D, a, £, ® und {) kommen meist mehrfach vor, und gerade das vielbewunderte von
hinten aufwärts geschwänzte S findet sicli sechsmal. Dass wir den Donatus weder
in das Jahr 14:51 setzen, noch ihn dem Johann (iutenberg zuschreiben, haben wir
unter ^liamberg", Seite 77 bis 83, schon genugsam motivirt. —
Na. 915.
^^iirclii ^U9u|lini „j0e buobmm abu|tDiö facculi^^
Strassburg^ Huszner & Bekenhub, circa 1474«
Klein Folio-Format.
Mit der hübschen Type Huszner & Bekeuhub's gedruckte seltene Ausgabe, di
Hain 2104 nicht gesehen hat.
Des heiligen Augustin-s „Zwölf üebel des Jahrhunderts"' sind: Ein Weiser ohne
Stärke; ein Greis ohne Religion; ein Jüngling ohne Gehorsam; ein Keicher ohne
Barmherzigkeit; eine Frau ohne Schamha/tigkeit ; ein Herr ohne Tugend; ein Christ,
der streitsüchtig; ein Armer, der hoekmüthig ; ein König, der ungerecht ; ein Bischof,
der nachlässig ist; das Volk ohne Zucht und eine Nation ohne Gesetz.
Dos letzte des nur 8 Blätter starken Schriftchens ohne Firma und Datirung
nehmen die beiden kleinen Traktate „De origine aniraae" und „De divinatione daemo-
num"* ein. —
No. 916.
^regorii Ittagni ^^MeguU pafloralia^^
Strassbnrgr^ Martin Flach, rubrizirt 1476. Quart-Format.
In welchem heitern Zustande sich unsere ganze Bibliographie bis auf den
heutigen Tag befindet und wie durch die Bank hindurch der eine grosse Gelehrte
dem andern selbst die greifbarsten Irrthümer kritiklos nachschreibt, davon giebt der
vorliegende angeblich Mainzer Druck unter tausend ähnlichen Fallen wieder ,einen
recht schlagenden Beweis.
Hain hat diesen allerdings seltenen Druck unter No. 7982 nach dem Exemplare
der Münchner Hofbibliothek angeführt, auch im Explizit den Druckfehler in
^ JohSnen" nicht übersehen. Wie er aber die Druckfirma Fttst & Schoeffer in Paren-
these beifügen konnte, ist gradezu komisch, da Mains auch nicht entfernt eine ähn-
liche Type aufzuweisen hat, deren origineller Ductus nur auf Sirassburg und allen-
falls ähnlich auf Basel hinweist. Jedenfalls verliess er sich auf die Schriften seiner
grossen Yoi^nger, namentlich Denis „Supplement zu Maittaire" 1789 II, pag. 677;
Zapf „älteste Bnchdruckergeschichte von Mainz*' 1790, pag* 131 ; Panzerl„Ann9,lea II,
pag. 141 nnd Andere. Ihnen folgten sodann Ebert „Bibliographisches Lexicon" 1840,
Spalte 710; selbst Brunei „Manuel du libraire" 1861, II. Spalte 1737, spricht von
„caraoteres de Fust & Schoeffer vers 1470". Und so findet sich auch nicht ein
Bibliograph, der sich die Mühe genommen hätte, den Druck genauer anzusehen und
ihn lieber dem bekannten „Typographus ignotus" zuzuschreiben, als Fust& Schöfferr
oder gar dem Fttst allein.
28*
^.^5 — Nachträge. —
Dieser GewiMenhaftigkeit d«i' Herren Bibliographen ist es su danken, dass jener
einfache Strassbttrger Druck bisher als Mainzer Reliquie mit hohen Bammen bezahlt
wurde wenn er ja einmal in den Handel kam. Aach der Herr Vei fasser des Anetions-
Catalogs der ehemaligen Bnxheimer Kloster-Bibliothek, welche im September 188&
in Mönchen nnter den Hammer kam, führte unter No. 8199 des Qregwii
Pastorale als Druck von WuBt Jt Sehomfftr auf, sogar mit dem komischen Zo-
satze y,ante 1469* , als ob bis dahin eine Firma „Pust & Schoeflfer" überhaupt
exiatirt habe!
Kekanntllch starb Fnst schon 14ißß, und von 1467 ab führt Peter 6chd£Fer in
allen seinen Drucken nur seinen alleinigen Namen als Drucktirma an. Dass du
Bu<^ in Folge jener unrichtigen Catalognotlz doch nur mit 160 Hark erstaaden
wurde, ist doppelt interessant, erstens weil ein Fust- Schaff er' scher Druck von diesem
Umfange und bei so scbünur Erhaltung das vierfache werth getresen tcäre, und
xweitens weil der glückliche Ersteher für den nachweislich Strassbttrger Druck
mehr als den vierfachen Werth bezahlt hat. In der Folge wird man bei solchen Ge-
legenheiten wahrscheinlich etwas genauer zusehen.
Unser eignes Exemplar des Pastorale ist mit 152 Blattern ganz oomplet und
dabei wie neu erhalten, selbst bis auf den reichgepressten Schweinslederband mh
gravirten Messing-Beschlägen. Das Buch ist ohne jede Blattbezeichnung, die Initialen
sowie die sonstige Rubrication sind mit rother Tinte ausgeführt.
Höchst wichtig ist aber der Umstand, dass der Rubricator am Schlüsse gleich-
zeitig und mit derselben rotben Tinte die Jahrzahl 147S deutlich beigeschriebeo
hat. Das Werk ist also in demselben Jahre gedruckt, wie Martin Fladis ersttr
mit Firma und Jahrzalil 1475 versehener Druck unter No, 802 unserer Sanmilnng,
der genau tnU denselben lypen ausgeführt ist, die wir auf Seite 114 und 115
genauer beschrieben haben ; auch No. 20S bis 805 lutben dieselben Typen. Es li^en
also dafür, dass Martin Flach in Strassbui^ auch der Drucker der obigen Aus-
gabe des Pastorale ist, bei uns schon vier zwerlässige Betceisstück» vor, denen wir
aber sogleich noch drei weitere hinzufügen wollen. —
No. 917.
Johannes Andreae: Tractatas, seu summata brevls de
sponsalibas et matrimoniis.
Strassbnrg^ Martin Flach, circa 1476*
Diese auch unter „Summa super quarto deoretalium" aufgeführte Schrift besteht
nur aus einer einzigen Lage von 10 Blattern in Klein Folio-Format. Das letzte Blatt ist
leer, weshalb Hain unter No. 1068 auch nur 9 Blätter angiebt. Die gothisohen Typen
sind wieder dieselben, wie in dem vorigen starkern Druckwerke, und namentiich
sind die Versalien 3, ^, U und |) unter hundert andern Alphabeten damaliger Typo-
graphen sofort zu unterscheiden.
In Hain's „Repertorium bibliographicum" — dem Evangelium der Fachgelehitea
Welt — darf man sich allerdings nicht wundern, die mit Jener originellen Plaeh'schen
Type gedruckten Werke b€Ud diesem, bald einetn andern Drucker, oder dem
beliebten Typographus ignotus zugeschrieben zu sehen; thut er dies doch bei vielen
andern Typographen nicht anders.
Während also werkwürdiger Weise das vorstehende Werkchen bei Hain unter
No. 1068 ganz richtig dem Martin Flach zugeschrieben wird, linden wir untv
No. 7988 Gregorys „Regula pastoralis*' keiner geringern Firma als dem J?W*t ^
Sehoeffer zugeschoben. Die mit der gleichen Type gedruckten Epistoku de:»
Jiarzizius Qasparinus überlässt er unter No. 2669 stillschweigend dem grossen Cn-
— Nachträge. — 437
bekannten, ebenso unter No. 2iK)0 Bernhardi „De honestate vitae*'; endlich 'aber
schiebt er unter No. 9386 des Jacobi de Clusa „Traetatus de verltate dicenda aut
tacenda" dem Bemhani Jtiehel in Basel zu! Fürwahr eine erstaunliche
bibliographische Virtuosität I —
No. 918.
Albertanus: De arte loquendi et tacendi.
Strassbnrg^ Martin Flach, circa 1477, Klein Folio-Format.
Diesen Druck hat Hain unter No. 893 richtig dem Martin Flach zugeschrieben,
w&hrend er, -wie wir gesehen, andere Drucke mit genau denselben Typen und der-
selben Ausstattung bald diesem bald jenem Drucker zuschreibt oder lieber stillschweigt.
Auch im Uebrigen hat er den Druck richtig bezeichnet. —
No. 919.
(Sasparitti 38arjijii „(SpiftDlar^*.
Strassbnrg, Martin Flach, circa 14 7 8« Klein Folio-Format.
Ebenfalls mit der ältesten, originellen Type Flaches gedruckte Ausgabe, deren
Drucker bisher unbekannt war. Hain No. 2669.
Ueber die Eigenthümliohkeiten dieser Charaktere handelten wir schon ausführlich
auf Seite 113 bis 115. Hier sind alle dort angeführten merkwürdig geformten
Buchstaben in Flaches ältesten Majuskel- Alphabeten vertreten, auch das schauderhaft
«ebledite K und O , wie es in der „guldin bull*' unter No. 808 unserer Sammlung
Auftritt. —
No. 920.
^occi ^f3'rrmonr0 be temporre et be fanctia^S
Strassburg^ Johann Grüninger, 1484* Folio-Format.
Seltener und früher Druck Grüninger's mit seiner Firma und mit der Jahrzahl
.am Schlüsse. Hain No. 14886. Die gothische Type ist eine noch andere Gattung,
als diejenigen Grüninger'schen Schriften, welche wir auf Seite 137 bis 143 schon
gewürdigt haben. Ans diesem Grunde schon ist der vorliegende Druck von
grösstem Interesse. —
No. 921.
Bern&arb t>on »rcyfeenbad): „ö^iKge Keifen n«^
3erufalem"*
Strassbnrg^ Johann Pryss, circa 1487« Folio-Format.
Vorliegende ist die von Hain imter No. 3958 beschriebene undaMrie Ausgabe^
-welche von Baumgärtner in den „Nachrichten von merkwürdigen Büchern*' II pi^. 833
für die Original-A-usgdbe gehalten wurde. Allein sie ist nur ein Ni»ehdruek.
Panzer sagt zwar in den „Annalen" No. 78, sie käme mit der deutschen Mainzer
Ausgabe von 1486 „auch in Ansehung der Typen** genau überein und die Holz-
schnitte wären die gewöhnlichen. Beide Behauptungen sind nicht zutreffend.
Am Auffallendsten erkennt man die Unterschiede an den grossen Typen der
Capt'tel-Ueberschriften, die niemals in Mainz gebräuchlich waren, dagegen von Johann
438 — Nachträge. —
l'r^s» in sammtlirhen 4 Auflagen seines „//orfitö Sf/nitutis'^ und auch in dem mit
Firma und Jahraahl versehenen „Vocabularius" von 1512 angewendet wurden. Eben-
iall8 ist die Schwabacber Terttype von der Mainzer Ausgabe verschieden, und möglicher-
weise eine jSachbildung von Pryss, der die Holzschnitte der Ausgabe von 1486 in
vorliegendem Nachdrucke ebenfalls ziemlich genau eopirte, derart, dass man nur
l.f'i genaiteiii Vergleiche die Verschiedenheit der MoUsstöehe herausfindet.
Die Widmung an den Charfürsten von Mainz ist hier ausgefallen, ebenso das
Ilennebergische Wappen am Schlüsse; dagegen ist auf dem Titel eine Abbildung,
die Ansiebt des heiligen (irabes zu Jerusalem, hinzugefügt. Pracht-Einband von
dunklem JiCder mit vergoldeten Beschlägen.
Eis ist jedenfalls bibliographiscb von höchster Wichtigkeit, dass es uns gelungen
ist, nicht nur aUe drei Mainzer Ausgaben dieses Bibliothekschatzes — lateinisch,
deutsch und holländisch — in unserer Sammlung zu vereinigen, sondern auch den
Fo täuschend ähnlichen Strassburger Nachdruck hinzufügen zu können, um in das
Canzp völlige Klarheit zu bringen. —
No. 922.
^,£i)rologia S^eutfd). i9a$ iß ain rbles mi hoftlid)$ bttd)lin
iMim rrc^ten Dfrflanb nias ^bam mh QTIinfiua fe$ onb toir
^bam tfti Dn0 flrrbrtt mi QTI^nflus rr^ertt foU.^^
Strassblirg, Jobann Knobloch, J519. Quart - Format.
Die Original - Ausgabe lAiihers von 1Ö18 werden wir in unserer Sammlung
unter Wittenberg vorfinden. Ausser obiger Strassburger Ausgabe erschien noch im
Jahre 1518 auch eine solche bei Otmar in Augsburg; beide sind Nachdruck, aber
abenfalls sehr gesucht, da die überaus seltene Wittenberger Ausgabe von 1518 schwer
zu erlangen ist und selten einmal in den Handel kommt. Panzer Ite.schreibt sie
unter No. 898 in den Annalen. —
No. 923.
SI)oma$ br ^qttino: ,,^e bratitubinr artrrnitatt6^^
angeblich: Cöln^ Johann Veldener, circa 1470« Qaart-Format
Es Find die Bibliographen Lairet Panzer un4 Hain (No. 136S), welche diesen
Tractat ..über die ewige Seeligkeit" des Thomas von Aquino dem Johann Veldener
in Cöin zuschreiben, ohne dass man sagen könnte, mit welcher grösseren oder
geringeren Berechtigung dieses geschehen ist. Dass eine solche aber den grösaten
Zweifeln unterliegen müsse, scheint uns aus dem gediehen Mangel eines Druck-
erztMignisses mit der Firma Johann Veldener^s in Cffln hervorzugehen, dessen An-
wesenheit in dieser Stadt überhaupt wohl nur auf eine conjecturale Annahme surück-
zuf Uhren ist.
Hain hat diese Ausgabe, welche die einzige des 15. Jahrhunderts ist, nicht gesehen.
Zur Ergänzung geben wir Anfang und Schluss: FoL la: „Sliciyit trtctfttBf kMÜ
ll)Oine ^e oqvlno |) orbinis frotnmt ^tbicatorum It beatitn il binr etrrvitttis*'. Fol. S6 a:
„CrpUdt tractotns bettt i^omt be tqvtno || orbU iirebicatori be btttnbtvc ctmitatif**.
Fol. 86b ist leer. —
— Nachträge. — azq
No. 924.
Guillermus: Postilla snper epistolas & evangelia.
Cöln^ Johannes Koelhoflf de Lübeck, 1481. Gross Quart-Format.
Dieses sclteno Predigtbuch zur hauslichen Erbauung hat auch Hain nach No. 82n7
nicht selbst gesehen, daher unvollständig angeführt. Wir \volIen deshalb das Wichtigste
nachtragen. Das Werk enthiilt 174 Blätter, das erste leer, mit 40 Zeilen und dem
alten Wasserzeichen p, und beginnt: ,( ) Jtam bona3 et exitü beatum". Am Schlüsse
die vollständige Datirung und Koelhoffs Firma. Das Buch ist von ausserordentlicher
Seltenheit. —
No. 925.
^,Corbialc quatiior noDifpmorum/^
CÖI1I5 Bartholomaeus de Unckel, 1483. Quart-Format.
Höchst seltene Aasgabe und dadurch interessant, das hier dieselben Charaktere
erscheinen, wie sie die „Cölner Bibel* und Quentel's „Summa Astexani" von 1479
aufweisen. Ein Beweis, dass diese Druckereien mit einander in Verbindung gestanden
haben müssen. Hain No. .5703. —
No. 926.
Lactantii Firmiani Opera.
Rom^ Ulrich Han & Simon Nicolas de Lucca, 1474.
Folio-Format.
Wir lernen durch die Schlussschrift dieses seltenen und prächtigen Folianten
noch eine von den wenigen Firmen kennen, welche um diese Zeit in Rom thatlg
waren, wo der beliebte LacüitiUus mehrfach gedruckt wurde, und dessen frühere
römische Ausgabe von Sweinheim & Pannartz 14ß8 wir bereits unter No. 411
kennen lernten.
ririch Han oder Hahn fanden wir unter seiner alleinigen Firma bereits auf
Seite 199 —200, und zwar mit zwei seiner schönsten datirten Drucke, wo er sich das
einemal „Ma^ster Ulricus Han de Yienna*', das anderemal latinisirt ,Udalricus Gallus*'
nennt. Im Jahre 1471 verband er sich mit Simon Nicolas aus Lucca. Die obige
Ausgabe des Lactantius ist mit einer ziemlich grossen Antiqua auf starkes Papier
mit sehr breitem Rande splendid gedruckt; sie enthält 257 Blätter mit 87 Zeilen und
die vollständige Datirnng. Hain führt die schöne Ausgabe unter No. 9911 an, Panzer
hat sie in Band II Seite 444 naher bezeichnet , führt auch die ganze typographisch
interessante Schlussschrift an. —
No. 927.
^,1@iblia Utina.^^
Basel, Berthold Ruppel & Bernard Richel, um 1468 bis 1470.
Folio-Format.
Für das typographische Curiosum, welches diese höchst seltene älteste Baseler
Jiihel dadurch aufweist, dass deren erster, mit dem Psalter abschliessender Theil
mit den Typen Berthold KuppeVs, der zuleite Theil dagegen mit den Charakteren
Jiernhard Rieheis gedruckt ist , dürfte eine vollständig befriedigende Erklärung
440 — Nachträge. —
srhwer su finden sein. Braun I pag. 58 Tentükte die Ansicht, dass da« Alter dieser
Bibel zwiscben die Jahre 1460 bis 14ßS zu setzen sei; Rnppel sei mit Kiehel cu-
sammen bald nach der Ertkämiung Ton Mainz nach Basel gelconunen , und Beide
hätten alsdann, well jeder allein einem solchen Werke nicht gewachsen gewesen,
dasselbe gcTneinschaftlich übernommen, indem sie es auf angegebene Weise unter sich
theilten.
Dem widerspricht jedoch der Umstand, dass liicher» erster datirter Druck von
1 174 zu weit von jenem Zeitpunkte entfernt liegt. Als Erstlmf/sti^erk RuppePs ist der
erste Tbeil dieser Bibel auch deshalb nicht gut anzusehen, weil der Druck desselben
M<'hon ein sehr vollkommener und jedenfalls viel vorzüglicher ist, als zum Beispiel
die Ausführung der von uns unter No. 423 verzeichneten „Moralia in Jobum<^.
Zweifelhaft erscheint übrigens auch das Urtheil der Herren Stockmeyer & Reber,
welche die Typen des von Eichel gedruckten zweiten Theiles im Gegensätze zu den
JtuppeVschen Charakteren als ^nicht mehr so roh'^ wie die letzteren bezeichnen. Wir
i-i-lauben uns, der Ansicht zu Hein, dass RuppeVs Typen um Vieles schöner, glatter
lind schwungvoller sind, auch der Druck eleganter erscheint, als RicIieVs elgenthiim-
liche Charaktere, die etwas Spitziges und Steifes an sich tragen.
Das Einzige, was indessen den Druck des zweiten Theiles der Bibel zu seinem
Vortheile von dem ersten unterscheidet, sind die bemerkenswerthen JBolzschniU-
JniHalen, welche bedeutend schöner und grösser sind, als diejenigen, die wir in
KichePs späterer Bibel von circa 1472 unter No. 433 unserer Sanunlung bemerken-
Da diese Initialen jedenfalls zu dem Frühesten gehören, was die Holzschneide-
kunst in dieser Art von Biicherschmuck hervorgebracht hat, so sind sie um so mebr
einer Aufmerksamkeit werth, die ihnen seltsamer Weise bisher auch bei den detail-
lirtesten Beschreibungen dieser Bibelausgabe nicht zu Theil geworden ist.
Wir zählen 83 dieser Initialen, unter denen sieh fast ein completes Alphabet
zusammenstellt, als: A, B, C, D, B, P, G, H, I, L, M, N, O, P, Q, R, S, T, V. Viele
di(>fler Buchstaben sind sogar in doppelter Auffassung vorhanden; die Grösse stellt
sich bei sämmtlichen auf ÖV* Centimeter im Geviert.
Wenn sich nun dieser ztreite Theil der Bibel von dem ersten durch den Druck
in geschilderter Weise unterscheidet, so ist im Uebrigen eine Gleichheit und Zu-
sammengehörigkeit, die sich durch das Papier mit gleichem Wasserzeichen, die Rubri-
cation und den gleichzeitigen, beide Volumina vereinigenden Original- Einband
unsers schönen Exemplars kundgiebt, gar nicht zu verkennen.
Durch welche besonderen Umstände aber die Verschiedenheit hier, und die
(ileiohartigkeit dort entstanden, ebenso die Möglichkeiten, wodurch RuppePs Tbatig-
keit vielleicht plötzlich tmterbrochen wurde, ob durch Tod oder Verlust des Druck-
werlueuges , so dass die Beendigung des Werkes ein Anderer übernehmen muBstc,
— dies Alles gehört in das weite Reich der Conjectur, da es an historischen Belegen
jeder Art fehlt, um diese oder jene Ansicht zu stützen.
Zweierlei scheint uns gewiss, dass nämlich der erste Theil der Bibel schon zu den
späteren Drucken mit der RuppeVschen Type, der zneite aber zu den frühesten mit
der Type RichcVs zu zählen ist, weshalb wir in der Annahme der Jahre 1468 bi.<
1470 auch wohl den rechten Zeitpunkt für die Herstellung des ehrwürdigen Bibel-
AVf-rkes getrofifen haben dürften. Die grosse SeltetHicii dieses Bibliothekschatzes ist
uns den sprechenden Thiitsaclieii gegenüber für ein höheres als da« von uus an-
genommene Alter nicht massgebend, wenn andererseits auch feststeht, dass die
Buchdruckerkunst in Basel um mehre Jahre fnCiher ausgeübt wurde, als man bisher
angenommen hat.
Die Gründung der Baseler Universität im Jahre 1460 rief sofort auch aus Deutsch-
land Männer als Studenten dahin, die später als Buchdrticl&r erscheinen, und naob
dorn Studium des unentbehrlichen Latein gewiss sobald wie möglich auch der Er-
Urnung der Topographie sich widmeten. In den Matrikeln der Baseler Universität
— Nachträge. — ^41
kommen daher schon in den ersten drei Jahren des sechsten Decenniums ganz be-
kannte Damen vor, wie Michel Wenssler aus Strassburg, der 1468 als akademischer
Bürger vorkommt; femer Ulrich Gering, Michel Friburger, Martin Krantz, Eberhart
Promolt, Bernhardt Richel und Andere.
Wenn aber cum Beispiel grade dieser Richel aus Strossbiirg erst 1474 das
Bürgerrecht als Buchdrucker erkaufte, in welchem Jahre auch sein erster datirter
Druck, der Sachsenspiegel, erschien, so erklart sich dies dadurch, dass das Bürger-
recht nach altem Herkommen immer erst nach mehijährigem Aufenthalte ertheilt
wurde. Auch Wenssler kam schon 1468 von Strassbnrg nach Basel und kaufte 1478
das Bürgerrecht. Wir verdanken übrigens diese speziellen Mittheilungen aus den
Urkunden der fJiite des Herrn Universitiits-Bibliothekar Dr. Sieber in Basel. —
Xo. 928.
Oldradus de Laude: Consilia Juridica.
Basels Eberhart Fromolt, 1481. Folio-Format.
Wie schon am Schluss von Seite 212 zu No. 438 bemerkt, kennt man von diesem
Tjpographen überhaupt nur swei Drucke, und wir freuen uns, hier auch den
zweiten nachtragen zu können. An jener Stelle auf Seite 812 steht übrigens in
der letzten Zeile ,De laude consilia Juridica*' anstatt Olradi de I^audc „Consilia
Juridica", welchen Satzfehler wir gleichzeitig berichtigen wollen. Hain führt das
seltene Werk aoter No. 9B35 genauer an. —
No. 929.
Petrup Lombardus: Textus sententiaram cum
conclusionibus Henrici Grorichem.
Basels Nicolaus Kessler, 1489« Mittel Folio-Format.
Schone Ausgabe mit vollständiger Datirung und Firma Kesslers, mit der das
Werk von 1487 bis 149S fiinffnal gedruckt erscheint. Hain beschreibt die vor-
liegende Ausgabe unter No. 1019(i. Firma und Druckerzcichcn befinden sich auf
Blatt 34 von hinten. —
No. 930.
Augustinus: Liber epistolarum.
Basels Johann von Amerbach« 1498« Mittel Folio-Format.
Hain beschreibt diese seltene Ausgabe unter No. 1969 ausführlicher; sie ist
antiqua gedruckt, der Titel mit einer sehr grossen Qothisoh. —
No. 931.
Isidori Hispalensis „De responsione mundi & astrorum
ordinatione".
Augsburg^ Günther Zainer, 1472. Klein Folio-Format.
Die einzige und seltene Ausgabe dieses astrologischen Schriftchens dos Isidorus.
Sie ist mit derselben schonen Antiqua - Schrift gedruckt, wie die Etymologiarum
libri IX desselben Verfassers, Druckers und Jahres. Hain No. 9302. —
4 12 — Nachträge. —
No. 932.
Socci Sermones de tempore per circulum anni.
Augsburg, Anton Sorg, 1476. Gross Folio-Format.
Ein imposanter Foliant von 293 Blättern, am Schlüsse nur mit der Jahrzahl
versehen. Dass aber Anton Sorg in Augsburg der Drucker ist, bcweisst die piüehtige
jcothiache Type mit ihren schon gezeichneten und theilweise ganz orginell versierten
Versalbuchstaben, die man auf den ersten Rück wiedererkennt. Denn wer vollte
nicht beispielsweise dieses schwungvolle II und R von hundert andern gothischen
Alphabeten des ffinfzehntcn Jahrhunderts sofort unterscheiden.
Diese schonen Typen mögen wohl von einem besonders guten Metalle gegossen
gewesen sein, da der Typograph dies in der Schlussschrift von No. 628 unserer
Sammlung besonders hervorhebt. Diese Schiassschrift mit der vollständigen Firma
Anton Sorgs beweisst aber tugleich, dass wir in den obigen Predigten des Soccu»^
wirklich einen Sorg^schen Drack vor uns haben, und wir freuen uns, ein zweites
iil)erau8 seltenes Werk mit denselben kunstvollen Typen hier nachtragen zu können.
Hain No. 14837. Panzer Annales I pag. lt'7. —
No. 933.
%\nonr}mm: ,i9ä9 bud) ber l)fUi(ifn altuätcr mit ffinm
brpfpUrn, bas cm latein grnannt tfl ottaspatrttm^^
Augsburg, Anton Sorg, 1492.
Interessante und seltene deutsche Incunabel, die Hain in der Münchner Hof-
bibliothek nicht voi^efnnden , aber unter No. 8607 ungesehen anfährt. Es fehlt
daher jede genauere Beschreibung. Das ,in Quart gedruckte Werk mit Firma und
Jahrzahl besteht complet in 284 Blättern, mit zahlreichen in unserm Exemplare alt-
colorirten Holzschnitten, deren wir 260 zahlen, darunter ein blattgrosses Ütelbild.
Alle sind in der alten groben Spielkartenmanicr gezeichnet und geschnitten; sie
find zumeist auch durch die Gegenstände der Darstellung hochinteressant. —
No. 934,
Lactantius Pirmianus: Opera.
Tenedig^ Andreas de paltasichis catarensis & Boninus de boninis^
1478. Folio-Format.
Hain hat diese siemlich seltene Ausgabe unter No. 9813 nach dem Miinchaer
Exemplare richtig bezeichnet. Unser schönes breitrandiges Exemplar hat am Beginn
des Textes auf Blatt 10 eine schöne und höchst Interessante Randmalerei. Die Aus-
gabe hat die vollständige Datirung. —
No. 935.
Gregorins IX., Decretalium nova compilatio Francisci
geniiensis de monelia cum glossis.
Yenedig^ Johann von Seigenstadt, 1481« Gross Folio-Format.
l>ieser prächtige Foliant von 318 Blättern wurde nach dem Colophon durch
Johann von Seigenstadt ^unter den Ausp'cien der ausgezeichneten Societät Johann
Nachträge. — /^^t^
von Cöln und Niculaus Jenson*' gedruckt. Text und Glosse sind mit reizender
Gothisch in zweierlei Grössen ausgeführt. Hain No. 8011.
Merkwürdig ist der Umstand, dass man nicht die Mühe gescheut hat, die meist
nur aus ein paar Wörtern bestehenden Capitel-Ueberschriften roth einzudrucken,
während alle Initialen mit der Hand eingeschrieben sind, und zwar zur Hälfte
ebenfalls roth, abwechselnd mit Blau. Auch sämmtliche Kubricationszeichen sind
roth eingemalt. Offenbar war es dem Kunstler darum zu tbun, das Werk so pompös
wie möglich auszustatten, obgleich man von eigentlichen Malereien und Verwendung
von Gold hier abgesehen hat. Am Schlüsse findet sich das ziemlich grosse Drucker-
zeichen in Weiss auf rothem Grunde. —
No. 936.
Augustinus: De ciyitate Dei cum commento.
Yenedig^ Octavian Scotus, 1489. Mittel Folio-Format.
Diese seltene Ausgabe hat Hain No. 2065 nicht vor sich gehabt; sie fehlte in
Manchen. Der Titel steht auf der ersten Seite ganz nach links. Die Rückseite
enthält einen grossen schönen Holzschnitt mit Zwischensatz von Typen. Es folgen
2S4 Blätter mit Bezeichnung der Lagen und mit der Scblussschrift endigend, dann
5 Blatt Tabula, auf der ersten Seite des letzten Blattes mit der Druekermarko
schliessend, die mit den Buchstaben O, S, M den Drucker Octavianus Scotus aus
Monza bezeichnet. Das Werk ist aus der Gothisch in zweierlei (irössen gedruckt. —
No. 937.
Thomas de Aquino: Summae theologiae pars prima.
Tenetiis impressa per Antonium de strata de
Cremona. 1489.
Ejusdem Prima pars secunde partis sacre theologie.
VeneHis impressa per Theoderü de rogazonibus de
asula 1490.
Mittel Folio-Format.
Zwei schöne gleichmässige Druckwerke, die auch in Bezug auf die Kubrication
in Roth imd Blau wie ,aus Einem Gnss zu sein scheinen. In Beiden sind die
Initialen abwechselnd roth und blau eingeschrieben. Hain No. 1145 und 1430. —
No. 938.
Quintilianus: Declamationes a Georgio Alexandro
recognitae.
Yenedig, Lucas Venetus, 1482«
Ejusdem Oratoriae institutiones.
Venedig^ Bonetus Locatellus sumptibus Octaviani Scoti, 1493.
Beide Ausgaben fuhrt Hain unter No. 18649 und 18652 an. Das letztere seltene
Druckwerk ist doppelt interessant durch den DrucJcfehler in der Jahrzahl, indem
AAi — Nachträge. —
fiUHchUrh MCOCCLXXIII uistott IfCCCCLXCni stellt. Oefcavian Scotus betrieb seiir
Geschäft erst von 1480 ab, zugleich als einer der grossten imd reichsten Verleger,
da er noch viele andere Druckereien für sich beschäftigte. Auch hier ist, wie die
Fiima in der Sehlusssehrift seigt» der wirkliche Drucker Boneius LocaUüus ; dwinoeh
steht am Schlüsse des Werkes das schon bei voriger Nummer erwähnte Drueker-
zeicfaen des Octavian Scotus.
No. 939.
Albertus Magnus: „De adhaerendo vero deo cum aliis
tribus tractatibus".
UI11I9 Johann Zainer, circa 1470* Klein Folio-Format.
Nach Hassler^s „Bnchdmckergeschichte ülm's*' stand in dem Exemplare, welches«
.sich von vorliegender Ausgabe dieser 4 kleinen Traktate in dem Benedictiner - Stift
8t. Georgenberg in Tyrol befand, die Notiz y^eniptuft 1470'*^ eingeschrieben. Die
Typen hat man mit denen übereinstimmend gefunden, welche Jobann Zainer 147S
für die „Epistola Petrachae de insigni obedientia et fide Griseldis" benutzt hat.
Demnach waren die römischen Charaktere des vorliegenden Druckes die erste
Schriftgattung, mit welcher Johann Zaincr mindestens schon 1470 zu drucken be-
gonnen hätte.
Johann Zainer wäre also nächst MenteUn, der jedenfalls schon um 14ß9 seine
schonen Antiqua-Drucke mit dem bizarren R zu ediren begann — der mweite deut-
sche Typograph, welcher mit den unrechtmässig so genannten „Characteres romani''
gedruckt hat. Günther Zainer in Augsburg schlösse sich dann mit seinem Isidorus
„Etjrmologiarum liber'' von 1472 erst als dritter an. Es darf daher der Isidonis
nur als erster dtxHrter deutscher Antiqua-Druck, keineswegs aber als erster deut-
scher überhaupt gelten, wie dies bisher fast allgemein angenommen worden ist.
Interessant ist das vorliegende Werk auch durch die xylographische Bordüre,
welche sich auf dem ersten Blatte befindet. Sie wäre ebenso der früheste derartige,
von Johann Zainer erfundene Bücberschmuck. Bewundernswerth ist ferner der hier
zur Interpunction an ganz beliebigen Stellen benutzte PUnhi, der trotz seiner
Kleinheit genau das Bild eines zierlichen Sternchens erkennen lässt, und hier eben-
falls auerat vorkommt. Hain No. 429. —
No. 940.
(Eonrabud Sljurccrnftd: Sractatus it (Eometia.
Beromttnster, Helyas de Louffen, 1472. Folio-Format.
In Denis Supplement Seite 680, bei La Yalliere Seile .»iW, in ^Dictionaire de
yeographie'^ 180, bei Panzer I Seite 803 und Hain No. 15 .'SIS ist diese Seltenheit
ersten Ranges übereinstimmend dem Helyas de Lou£fen in der Klosterdruckerei
jBeromüntffer zugeschrieben, und es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, wenn
«uch das Opus keine Druckfirma trägt.
Dann aber müssen wir die Annahme, dass diese Druckerei nur „zweierlei Typen"
besessen habe , wie wir schon auf Seite 879 bemerkten , dahin berichtigen , dass in
den Beromünster Drucken allerdings nur Gothisch und Antiqua vorkommt, dass ab<*r
beide Gattungen wieder in drei- und beziehentlieh zweierlei Formen vorhanden sind.
Alle fünf Arten sind eine so kracklich und schülerhaft wie die andere.
Von der grossem Gothisch des Mammotrectus von 1470 giebt Palkenstein auf
Seite 268 ein Facsimile, ebenso findet man die Alphabete einzeln und besser aus-
— Nachträge. — ^j^c
geffilirt in Brauns Noticia II, Tabula 8 unter No. Y. Gleicbgrosse und zum Theil
noch grossere Versalbuchstaben sind in dem auf Seite 379 von uns beschriebenen
Werlcchen von Savagetus zwischen den Text verstreut, und die Texttypen selbst
sehen denen in obigem „Tractatus de Cometis" so täuschend ähnlich, dass man
bisher angenommen hat, es seien ganz dieselben.
Diese Annahme ist durchaus falsch, denn in dem zuerst angeführten Werkchen
sind 40 compresse Zeilen 20*/« Centimeter hoch, im zweiten nur 19'/«, und zwar von
der höchsten bis zur tiefsten Stelle der längsten Buchstaben gemessen. Aber auch
die Form der einzelnen Typen ist bei genauerer Vergleichung vielfach verschieden,,
sowohl in den Majuskeln, wie in den Minuskeln. Ein Vergleich der einzelnen Buch-
staben ist hier besonders interessant, denn man stösst da auf Verschiedenheiten, die
man vorher gar nicht geahnt hat.
So ist zum Beispiel in dem einen Druckwerke das v anUqua und ganz schief,
in dem andern hat es vollständig den SchwaLucher Ductus. Die Vergleichung des
!E, F, S und Q ist ebenso überraschend. Das M ist bei dem einen Drucke rein
Antiqua, die Seitenbalken stehen also gerade; beim andern ist dieser Buchstabe
himmelweit verschieden, denn hier liegen die Balken schief; besonders stark ist dies
beim vordersten der Fall, so dass das M wie zusammengestaucht aussieht. Durch
weitere Vergleicbungen kommt man bald zu der Ueberzeugung , dass hier ganz und
gar verschiedene Typen vorliegen, so überraschend ähnlich sich auch beide Druck-
werke auf den ersten Blick dem Auge darstellen. Die Beromünster Drucke sind
übrigens von grösster Seltenheit und werden mit enormen Preisen bezahlt. Die
Druckerei bestand nur bis zum Jahre 1475. —
Bufag 5U 7lo. 740 auf Seite 347 unter aflurnöerg.
Zu der von uns unter No. 740 beschriebenen Ausgabe von
Guülermi ,, Opera** möge nach weiteren gründlichen Untersuchungen
hier die ergänzende Notiz Platz finden, dass es sich in der That
bestätigt, was wir dort schon begründeten: dass nämlich die be-
treflfende Ausgabe keineswegs ein Koberger^ scher Druck sei.
Das "Werk ist vielmehr, wie wir nun ganz bestimmt versichern
können, von Johann Schönsperger in Augsburg gedruckt.
Man vergleiche No. 740 mit dem von Schönsperger gedruckten
Vocabularius (Hain No. 3709) unter No. 544 unserer Sammlung, so
wird man durch die vollständige XJebereinstimmung der Typen beider
Druckwerke über Vorstehendes die vollständigste Gewissheit erlangen.
"Wir wollten hiermit nur noch das f actische Beweisstück beibringen. —
(Einioe Bemerkungen
über bie prototi)po0rapl)te ber llieberlanbe.
Nach der gänzlichen Vernichtung des Costerianismus durch
Dr. van der Linde in dessen „Coster-Legende" und „Gutenberg"
hat die Stadt Harlern nicht nur ihre Rolle als Bewerberin um den
Ruhm der Erfindung der beweglichen Typen ausgespielt, sondern
sie hat zugleich aufgehört, als Wiege der niederländischen Buch-
druckerkunst überhaupt zu gelten. Vielmehr muss in der Reihe
niederländischer Druckstädte, solange nicht nach gedruckter oder
geschriebener documentärer Evidenz etwas Anderes bewiesen wird,
die Stadt
Utrecht
unbedingt als erste betrachtet werden. Denn hier findet sich das
älteste gedruckte Datum für die Buchdruckerkunst der Niederlande
in der zu Utrecht erschienenen y,Historia Scholastica'* , 1473
von Nicolaus Ketelaer und Gherard de Leempt gedruckt. Hier in
Utrecht tauchen auch dieselben Tafeln, die als Holzschnitte in den
ältesten /'W^b -Ausgaben des „Sfeculum hufnanae salvationis" er-
schienen waren, zuerst in einer 1481 von Johann Veldener be-
sorgten ^z/flr/-Ausgabe wieder auf. In der vortreflFlichen Reproduction
des „Speculuvi humanae salvationis'* von Berjeau findet man jene
Holztafeln noch undurchschnitten, und von der vorletzten derselben
kann man bei Iloltrop „Monuments typographiques" Tafel 39 (29)
auch die erste Hälfte des Durchschnittes sehen.
Camphell führt in seinen „Annales de la Typographie Neerlan-
daise" No. 690 den letztgenannten Druck „Epistelen ende Evangelien
mitten sermonen van al den jaere'% Utrecht Jan Veldener 1481, mit
folgender Bemerkung an: „Comme cette edition des Epistelen conlient
des planches qui ont fait partie des xylographies employees pour
les 6ditions in-folio du Speculum humanae salvationis et comme
c*est ici la premiere fois qu*elles se montrent sciees en deux parties,
on en conclut que Veldener les a trouvees et a^heties ä Utrecht
et aussi que la prototypographie Nierlandaise a eti etablie dans
cette ville,"
Auch in der fünften Auflage des „Speculum humanae salva-
tionis", die Johann Veldener in Culenhorg druckte, wo er sich
— Die Piototypographie der Niederlande. — 117
inzwischen niedergelassen hatte, kommen dieselben in zwei Hälften
getheilten Tafeln vor. Das sind bis jetzt die einzigen Anhaltspunkte,
mit welchen man bei Beurtheilung der niederländischen Wiegen-
drucke als mit unumstösslichen Thatsachen rechnen darf.
Campbell verzeichnet in seinem ausgezeichneten Cataloge auf
pag. 517 & 518 sechszehn Werke in nicht weniger als 45 ver-
schiedenen Ausgaben, die bisher von anonymen niederländischen
Drucken bekannt geworden sind, und deren Aussehen und Schrift-
charakter an ihrer niederländischen Primitivität nicht zweifeln lässt.
Muss man nun freilich die exacte Forschung billigen, die kein
anderes als ein urkundlich beglaubigtes Datum anerkennen und
demzufolge für die Geschichte des holländischen Buchdrucks keine
andere Jahrzahl als etwa „vor 1473'* einräumen will, so wird man
dennoch im Anblick jener stattlichen Reihe von Wiegendrucken,
die doch eine nicht wegzuleugnende Thatsache sind, sich einge-
stehen müssen, dass es in Holland schon fi^her zum Drucke mit
beweglichen Lettern gekommen sein müsse, als die unerbittlich
historischen Beweise es zulassen wollen.
Wirft man zum Beispiel nur einen Blick in den durch unsere
Sammlung dargebotenen, höchst seltenen holländischen Miscellan-
Druck, der die folgenden Schriften vereinigt: CiSutUeltni ht ^alicrto
^,3:rartatuö be saluU corpoiis''; 3ol)«itniö ht itiirrcrrrmata ^^ÖLraclatus
be Salute animat''; |lii II ^^Jiractatus be amorc'*; ^,^xts lawbf ^omm
liraefalio*^ ; „l^omtri %u^ t (Srarro in Jatimim iifrfa'"; ^,|lro laube
J^omtxi iUustrium üirorwin tfrtimonia''; ^,(gpitapt)ia waria" (Campbell
No. 1493), so wird man sich dem totalen Eindrucke der kostbaren
Incunabel als dem eines sehr frühen Druckwerkes gar nicht ver-
schliessen können.
Ja man läuft sogar leicht Gefahr, durch die bei den hollän-
dischen Drucken mehr als bei allen andern frühesten Incunabeln
auffallende Rohheit und durch die besonders grossen Schriftgattungen
derselben verführt zu werden, ihnen ein noch höheres Alter zu
vindiciren als unbedingt nöthig ist; der aufmerksame Beobachter
wird jedoch diesen Fehler leicht vermeiden können.
Man hat sich daran gewöhnt, bei Beurtheilung von Incunabeln
die Thatsache sprechen zu lassen, dass bei uns in Deutschland
nach Erfindung des verbesserten Gussverfahrens alsbald die Gattung
der Missaltypen als Textschrift ausser Curs gesetzt wurde, so dass
schon bei deutschen Incunabeln der sechsziger Jahre des 15. Jahr-
hunderts fast allgemein die mit härteren Leitern gedruckten kleinen
Schriftgattungen Eingang gefunden hatten.
Als nun aber jene niederländischen anonymen Drucke bekannt
aaQ — Die Prototypographie der Niederlande. —
wurden, und man ausnahmslos darin jene grossen unbequemen
Typen gewahr wurde, die in Deutschland nur die allerfrüheste Zeit
markiren, so war der Schluss ebenso leicht als gefährlich, dass man
es hier ftiit mindestens ebenso alten Drucken zu thun habe, wie
diejenigen sind, die in Deutschland mit derselben Schriftgattung
gedruckt wurden. Leider übersah man nur dabei den Einen Um-
stand, der die Rechnung mit einem Schlage anders stellt.
Während nämlich in Deutschland jene grossen Typen schon in
den sechziger Jahren als Textschrift vielfach ausser Gebrauch "kommen
und nur als Auszeichnungsschrift für Titel, Capitel -Rubriken -und
dergleichen fortbestehen, geht es in den Niederlanden ganz anders
zu. Hier kommen dieselben grossen Schriftgattungen noch in
datirten Druckwerken der achtziger und neunziger Jahre als Text-
schrift vor, wie man auch aus den in unserer Sammlung vertretenen
niederländischen Incunabeln leicht ersehen kann. Es ist daher die
Grösse der meist rohen Charaktere in einem niederländischen Druck-
werke flicht wie bei uns der Beweis für das höhere Alter eines
bezüglichen Werkes.
Es ist eine allgemeine Phrase, wenn bezüglich der Erfindung
der Buchdruckerkunst, und der zur Zeit überlebten Concurrenz der
Niederlande gegen Deutschland, der grosse Goethe angeführt wird,
der „so treffend** sagt: „Jedes Zeitalter schwebt in einer Atmo-
sphäre gemeinsamer Gesinnungen und Gedanken, und ist es ebenso
natürlich, dass dieselben Entdeckungen von verschiedenen Personen
ungefähr um dieselbe Zeit selbständig gemacht werden, als dass in
verschiedenen Gärten Früchte einerlei Art zu gleicher Zeit vom
Baume fallen." — So ein allgemeiner schöner Gedanke ist eben
weiter nichts als eine sanfte Musik, die dem Texte tintr f actischen
Erfahrung zur erhebenden Begleitung dienen kann, aber es ist
absurd, damit historische Lücken ausfülUn zu wollen.
Wenn es zutrifft, dass die in den alten niederländischen Druck-
denkmälern vorgefundenen Typengattungen in ihrer Gestalt von
allen deutschen und von Deutschland entlehnten Schriften ver-
schieden sind , dass sie dagegen mit dem Ductus der niederländischen
Bücherhandschriften des 15. Jahrhunderts vollkommen überein-
stimmen, so ist leicht eine Erklärung zu finden, ohne dass man
das Goethe*sche „Naturwunder" zu Hilfe zu nehmen braucht.
Es ist eine allgemein bekannte Sache, dass um 1462, vielleicht
auch schon früher — da Werner Rolevinck in seinem Fasciculus
schon das Jahr I457 angiebt — sich die Kunst von Mainz aus
verbreitete. Wir wissen, dass es Mainzer Gehülfen waren, die
nach Cöln, Subiaco, Rom, Basel, Nürnberg, Foligno etc. kamen und
— Die Prolotypograpbie der Niederlande. — 440
auf unmittelbarem Wege zugleich mit der Kunst auch ihre in Mainz
srlangte Vollkommenheit dahin übertrugen. Neben dieser unmittel-
baren Fortpflanzung durch die That, deren Segnungen gewissen
prädestinirten Orten zu Theil geworden, hat aber ohne Frage an
andern Orten eine Ueberlicfeiung nur durch das Wort stattgefunden;
hierhin und dorthin mag das vielzüngige Gerücht die neue Kunde
getragen haben; warum also nicht nach den Niederlanden? Wir
glauben dies ganz gewiss 1
So sehen wir denn auch hier zwar die grosse Mainzer Er-
findung verwerlhet, aber unabhängig von den V ortheilen des Ver-
fahrens, welche die Kunst in Mainz schon gezeitigt hatte ; hier
sehen wir sie gewisserraassen noch einmal geboren werden; wir
sehen die ersten Niederländer Typographen mit denselben Schwierig-
keiten ringen, die vielleicht Jahrzehnte vorher schon Gutenberg,
, der Frfinder, ebenfalls durchgekämpft hatte und zwar, wie wir bereits
betonten, findet hier der Kampf mit ungleich geringerem Erfolge
statt, denn Jahrzehnte hindurch quälte man sich hier noch mit
denselben unbequemen Schriften ab.
Es war also nicht bloss die Eine Idee , die nur erst gegeben,
hier wie dort denselben Effect hervorbringen musste. Wir sehen,
dass in Holland noch Jahrzehnte hindurch mit denselben plumpen
Schriften gedruckt wird, während in Deutschland das verbesserte
Gussverfahren mit härterem Metall fast in unmittelbarem Gefolge
der ersten Idee erscheint, und so der eigentliche Zweck, Wohlfeü-
heit und Schnelligkeit , durch Herstellung kleinerer Typen erst
vollständig erreicht wird.
Wann und auf welche Weise sehen wir aber die Erfindung
bis zu diesem Culminationspunkte auch in den Niederlanden empor-
schreiten? Dann erst, als auch in den Niederlanden deutsche Typo-
graphen .ihre Offizinen errichteten, und endlich durch diese €Ule
Vortheile der Kunst auch hier verbreitet wurden. Der berühmte
Richard Paffroed aus Cöln führte in Deventer die Buchdrucker-
kunst ein, 'Johann der Westphale, aus der Gegend von Paderborn
gebürtig, war 1473 in Alost und 1474 in Löwen thätig. Beide druckten
mit kleinen deutschen Schriften, während ringsherum noch die grossen
niederländischen Typengattungen in Gebrauch waren.
Unsere Sammlung gewährt die Annehmlichkeit, diese Ent-
wickelung der niederländischen Typographie nicht nur mit dem
geistigen Auge, sondern auch an den Originaldrucken selbst er-
kennen zu können.
So giebt der von uns schon auf Seite 447 angeführte Miscellan .
Wiegendruck ein Oiriginalbild , wie die erstet^ niederländischen
29
^co — Die Prototypographie der Niederlande. —
Drucke aassahen, während das schöne Facsimile-Werk des f,jS|icnilttiii
^nmanae ^Aloatiome*^ von J. Ph. Berjean, Londres 1861, auch eine
Vorstellung von diesem für den allerältesten Niederländischen
Druck gehaltenen Werke giebt. Eine Seltenheit ersten Ranges
erblicken wir femer in der Editio princeps von ^l)omae s finnpt«
M^ptt«", welche die ersten bekannten Typographen TJtreehVs,
Keteiaer und Leempt, daselbst wahrscheinlich noch vor 1473
druckten (Campbell No. 1657).
Ein seltener Druck von Geraert Leeu in Ootula: ,,13aii
lim Uofn bnr ^filijjljfr oabernt tn bcr rocfflinm** 1480 (Campbell No. 9.^7)
zeigt ebenfalls noch grosse niederländische Typen; ebenso die beiden
kostbaren Harlemer Drucke des ersten Typographen dieser Stadt
Jncop Bellaert: ^,^nmmt U rot) of bee rontnre fumme in but^tfclyt
lioor ^ait tian JBrfbftorbf** 1484 (Campbell No. 1630) und C^ngelfmairs
,,9ordt mn htn ei)9enffappfn htx bingen*^ 1485, mit interessanten Holz-
schnitten. (Campbell No. 258).
Ferner citiren wir die frühen Delfter Drucke von Jacques
flls de Jacques van der Meer oder Jacohszoan und
dessen Socius Maurifs Yemanfszoon: ,,5uinme Ic roi)" von
1478 (Campbell No. 1627) und das von ersterem allein gedruckte:
ffJBoec oan brn gl)ebobtn (!Sot0** 1482 (Campbell No. 802); desgleichen
von Henrich Eckert van Homherch: ^^jDat liabttbofdt** des
Hieronymus 1498 (Campbell No. 939).
Diesen folgen die seltenen Jncunabeln von Peter Os de
Breda in Zwolle: H^nnarbM« ^rrmonen, iDintrr-enbe domerpndi^^
1495 (Campbell No. 276) mit hochinteressanten Holzschnitten, und
des Ludolphus „SBofc onö odnben leorn Ijffrm ^ffu CITIjrifli*^ 1499 mit
einer grossen Anzahl prächtiger Holzschnitte (Campbell No. Ii85).
Mit allen diesen bieten dann interessante Vergleiche die mit
kleinen Schriften hergestellten Drucke holländischer Typographen
deutscher Herkunft, zum Beispiel des Johannes de Westphalia
in Loewen: (Bmllebrrti i2;orna((n|id ^,j5ermoneö** circa 1481 — 83
(Campbell No. 896) ; Aeneae Silvii „Epistolae ad amicos in quadru-
plici vitae statu" 1483, mit römischer Schrift gedruckt. (Campbell
No. 23); 3ol)anni« .^uniorifl ^i.Scdla codi 1485 (Campbell No. 1044)
und Sortii ^,ör confolationf pl)ilofopl)iae Ubri V" 1485 (Campbell
No. 308). Ferner die Drucke des berühmten JRichard Poffroed
in Devenfer^ von dem ein schönes Exemplar der ,,i^l|(olo9ia
tMtwralift** des Raymundus de Sabunde circa 1480 (Campbell No. 1490^
bei uns vorliegt, wie auch paptiötar l^antuam „bf pattentta^^ iSOK
und ^oanntft pin ,^iDi6putationrs aboerfu» aprologoft" 1502. —
Zu einem andern Genre von Druckwerken gehören die Producte
— Die Prototypographie der Niederlande. — ^:^I
des Colard Mansion in Brügge und des Johann Veldener
in Löwen und Utrecht f welcher letztere später auch in Culetl-
bürg druckte. Von beiden Typographen ist es wahrscheinlich,
dass sie ihre Vorschule in Cöln durchgemacht haben und dort
die schöne Type des ^^Recueil des histoires de Troyes'* kennen
lernten y dessen erste Auflage Ulrich Zell mit einer eigens dazu
gefertigten Batarde-Ty^^ im Auftrage des Herzogs Philipp des
Guten von Burgund gedruckt haben soll. Denn mit ganz ähnlichen
Schriften druckte Colard Mansion in Brügge eine ganze Reihe von
Werken, und von Jan Veldenaer liegen dessen prächtige Ausgaben
des „5a§ciciilu§ temporum" von Löwen 1476 und Utrecht 1480,
letztere mit schönen Holzschnitten (Campbell No. 1478 & 1479),
bei uns vor, die eine ähnliche Type aufweisen^ wie der „RecueiP*,
von welchem die späteren englischen Ausgaben bekanntlich
Williadn Caxton mit denselben Typen gedruckt hat.
Von Colard Mansion dagegen sind wir so glücklich, einen
kostbaren Druck zu besitzen, der mit einer andern als seiner ge-
wöhnlichen Batarde -Type, nämlich mit einer ziemlich grossen
semig othischen Schrift gedruckt ist, welche trotz ihrer Härten eben-
falls den deutschen Einfluss unverkennbar hervortreten lässt, der
erwähnte Druck, eine Seltenheit ersten Ranges, sind des iPtont)|iUd
Arfopagita ,,J)puöcula" mit der Schlussschrift: jJmpre(Tum prugie ptr
arol«r- Ij b«m ^^tnnffonis*^ (Campbell No. 579 vers 1480) —
Wir haben am Schlüsse dieses ersten Theiles zu unserm Cataloge,
welcher nur die 18 frühesten Druckstädte bis zum Jahre 14:70
umfasst, auch die Ansprüche Hollandes in Kurzem würdigen zu
müssen geglaubt, weil die vorhandenen ältesten niederländischen
Druckdenkmäler allerdings den Eindruck in uns hervorrufen, als
konnten sie vor 1470 entstanden sein.
Da indessen auf. der andern Seite ein früheres Datum als die
Jahrzahl 14:73^ sei es gedruckt oder sonst documentirt, überall
nicht aufzufinden ist, so gehört die ganze Reihe der holländischen
Druckstädte in das Gebiet unsers später erscheinenden zweiten
Theiles, in welchem mehr als dreihundertfünfzig zum Theil bisher
unbekannte Druckorte nach 1470 in alphabetischer Reihenfolge
und zumeist mit ihren frühesten Erzeugnissen aufzuführen sein
werden. Hier werden dann auch die niederländischen Drnckstädte
im Einzelnen zxx behandeln sein, während an dieser Stelle mit der
Darlegung unserer Motive der Sache Genüge gethan sein möge.
20*
AnQang.
erfter |?ud)brtirkpre|Te »om 3al)te 1441^
wkbzv auf^cfunöen im eljcmaligen Drucfljaufe &uicnbzrq,s,
6cnx „t)of 5um 3un9cn" in iTlain^.
OiU Abbtlbung als Sitrlbill) }n oorlirgrndnn ((alalodc.
Beim Anblick dieser ehrwürdigen Reliquie kann man sich im
Geiste so recht in jene grosse Epoche des fünfzehnten Jahrhunderts
zurückversetzen, wo Gutenbergs gewaltige Erfindung des Buchdrucks
mit beweglichen Typen eine ganz neue, höhere Culturstufe des
Menschengeschlechts anbahnte, und man mit Recht ausrufen konnte:
Es ward Licht! Denn Finsterniss und Aberglaube umfingen im
Allgemeinen die Geister, bevor nach dem Jahre 14ÖO die ersten
Druckerzeugnisse Johann Gutenbergs die Welt in Erstaunen setzten,
wo nicht nur als erstes grösseres Druckwerk die heilige Schrift,
sondern in den folgenden Jahren bald auch andere wichtige Erbauungs-
bücher, historische und naturwissenschaftliche Werke, Gesetzbücher,
Grammatiken und allerhand Bildungsmittel auch für das Volk aus
der Presse hervorgingen.
Aus den Studirstuben der Gelehrten, aus den Klöstern und den
Schlössern der Reichen drang das Licht hinaus in das Volk, dem es
früher kaum vergönnt gewesen war, ein belehrendes Buch zu sehen
oder zu lesen, wo man überhaupt schon lesen konnte. Wie
schwierig und kostspielig früher ein Schriftwerk herzustellen war,
dies zeigt unser Bibliographisches Museum in den verschiedenen
prächtig geschriebenen Betbüchern, theologischen Abhandlungen,
Psalterien, Missalen und andern handschriftlichen Denkmälern aus
dem Mittelalter bis in das fünfzehnte Jahrhundert, die als Vorläufer
des gedruckten Wortes unsere ganze Aufmerksamkeit und Be-
wunderung verdienen.
Dass wir diese prächtigen Schriftwerke zumeist den Klöstern
verdanken, ist bekannt ; ihrer rühmlichen Thätigkeit im Abschreiben
und Vervielfältigen alter Handschriften verdanken wir aber auch die
Erhaltung der Meisterwerke vieler klassischer Autoren des griechi-
— Anhang. — Ac-y
sehen und römischen Alterthums. Als aber die Thätigkeit der Kloster
gegen das fünfzehnte Jahrhundert hin in dieser Richtung allmählig
nachliess, die Aebte der weltlichen Gelehrsamkeit mehr und mehr
entsagten und ihre Sorge auf ein strengeres ascetisches Leben in den
Klöstern gerichtet war, da wurden die Werke mancher klassischer
Autoren immer seltener, und die Gefahr ihres gänzlichen Ver-
schwindens lag nur zu nahe, als Gutenbergs grosse Erfindung wie
ein rettender Engel dazwischen trat.
Wie viele unschätzbare klassische Werke waren aber damals
schon gänzlich verloren, von andern fanden sich nur noch vereinzelt
Abschriften vor, zum Theil sogar nur Fragmente. Die ersten fünf
Bücher des Tacitus fanden sich glücklicher Weise noch in dem
Kloster Corvey vor, und wurden durch die Vermittelung von Papst
Leo X. ans Licht gezogen. Von den Werken des Polybius, Dio
Cassius, Ovidius und mehrern Andern sind wichtige Theile ganz
verschwunden, und von des Livius Römischen Geschichten waren
von 1505 ab die ersten Auflagen des bis dahin noch Vorhandenen
bereits in Mainz erschienen, als man weitere Stücke davon erst in
der Dombibliothek zu Mainz selbst, dann im Kloster Lork am Rhein
entdeckte. Wie leicht hätten auch diese Fragmente, gleich den
immerhin noch heute fehlenden, verloren gehen können, wären sie
nicht zum Zwecke der Vervielfältigung durch die Buchdruckpresse
an*s Licht gezogen und der Allgemeinheit zugeführt worden.
Wie traurig es bis dahin mit der allgemeinen Volksbildung
gestanden, kann man leicht ermessen, wenn man die Kostspieligkeit
dei geschriebenen Bücher vor Guten bergs Zeit in Betracht zieht.
Das Abschreiben war ebenso mühsam und theuer, wie das bis zum
vierzehnten Jahrhunderte ausschliesslich dazu verwendete Pergament
in hohem Preise stand, denn zu einem leidlich starken Buche mussten
schon eine ziemliche Heerde von Schafen oder Ziegen ihr Fell her-
geben, woraus das Pergament hergestellt wurde. Von der Selten-
heit und dem hohen Werthe der Bücher im Mittelalter mögen hier
nur einige Beispiele Platz finden.
Die Geschichte hat es als etwas Ausserordentliches aufbewahrt,
dass die Merovingerin Gisela, als sie nach dem Sturze ihres Vater-
hauses im 8. Jahrhunderte den Schleier nahm, dem Kloster Kochel
in Oberbayern einen Bücherschatz von 21 Bänden mitbrachte, auch im
Kloster Benedictbeuren fünf Capläne zum Copiren von Handschriften
besoldete. Schon im neunten Jahrhunderte war dieses Kloster berühmt
als Pflanzstätte der Wissenschaft und des Bücherwesens, nicht minder
Wessobrunnn, Andechs, Rottenbuch, Ettal, PoUing, Tegernsee und
andere, wo die Bücherei schon frühzeitig blühte.
^^^ — Anhang. —
Von einem Mönche Namens Ulrich hat sich die Nachricht er-
halten, dass er im Jahre 1054 einen grossen Weinberg bei Bozen
in Tyrol erwarb, den er mit einem schön geschriebenen Messbuche
bezahlte. Die Nonne Diemut aus Wessobrunn tauschte im Jahre
1130 ein grosses Landgut am Peissenberge gegen eine von ihr selbst
geschriebene lateinische Bibel ein. Um das Jahr 1250 besass der
berühmte italienische Rechtsgelehrte Accursius eine der grössten
Privatbibliotheken, die in 20 Bänden bestand, aber das umfängliche
Corpus juris, das er sehr nöthig brauchte, hatte sich der wohlhabende
Mann doch nicht anschaffen können.
Von Kaiser Karl IV. ist bekannt, dass er 1378 seine berühmte
Bibliothek von 120 Bänden seiner Vaterstadt Prag hinterliess, und
dass aus diesem Bücherschatze die dortige bedeutende Universitäts-
Bibliothek hervorgegangen ist. Die ebenfalls hochberühmte Heidel-
berger Bibliothek begründete Kurfürst Ludwig der Bärtige; er
besass den grÖssten damaligen Bücherschatz von 152 Bänden, den
er 1436 der Stadt Heidelberg hinterliess. Noch im Jahre 1455, wo
das erste gedruckte Buch in Mainz erschien, verkaufte Anton Peca-
tellus von Palermo einen schönen Meierhof für 120 Goldgülden, um
sich dafür die Abschrift eines Livius zu kaufen; der Verkäufer,
Namens Peggio, erwarb aber für diese damals bedeutende Summe
ein schönes Landhaus bei Flotenz.
Unter solchen Umständen war es sehr natürlich, dass bei dem
gewöhnlichen Volke selten ein Buch zu sehen war. Nur die schou-
besser situirten Leute vermochten allenfalls sich ein einfaches Gebet-
buch zu erzeugen; der Arme konnte ja ohnedies selten lesen. Erst
die Buchdruck presse sorgte ausreichender nicht nur für Er-
bauungsschriften, sondern auch für Unterrichtsbücher, und er-
möglichte die Einrichtung von Schulen. Und wenn dies auch im
ganzen fünfzehnten Jahrhunderte, ja selbst bis zur Reformations-
zeit noch ziemlich langsam vor sich ging, so wurde doch ein er-
freulicher Umschwung herbeigeführt, und der Anfang zum Besseren
war gemacht; dem Volke war geistige Nahrung geboten.
Mögen wir daher auch noch so viele wichtige Erfindungen und
Entdeckupgen in Wissenschaft, Kunst und Industrie an unserm
geistigen Auge vorübergehen lassen, immer werden wir mit er-
hebendem Gefühle und dankbaren Herzens auch des grossen Er-
finders der Buchdruckerkunst gedenken; denn sie war es ja,
durch deren Verbreitung Wissenschaft, Kunst und allgemeine
Bildung ermöglicht und gefördert, ja grossentheils erst hervorgerufen
worden sind.
Ein doppelt erhebendes Gefühl muss aber in uns erwachen,
— Anhang. — 4^^
wenn wir hier die ehrwürdigen Fragmente von Gutenbergs erster
JBtlchdruckprestte mit des Erfinders Monogramm ^« <&« und
der Jahrzahl MGDXLI vor uns sehen, sorgfaltig ergänzt nach
allen Abbildungen von Buchdruckpressen des fünfzehnten Jahr-
hunderts, und dergestalt wieder zusammengefügt, dass die alten
Original-Holztheile, sowie sie am 22. März 1856 im ehemaligen Guten-
berg'schen Druckhause, dem „Hof zum Jungen" in Mainz, aus dem
Brandschutte herausgearbeitet wurden, genau erkenntlich hervortreten.
Die bei unserer Abbildung dunkler gehaltenen obern Par-
thien zeigen die Fragmente in ihrem Zustande nach der Auf-
findung; es ist der obere Querbalken mit der Inschrift und
die obeni Theiie der beiden Seitenbalken, mit denen auch die
Presse über drei Fuss tief in den Fussboden befestigt war. Nur
der Querbalken ist von Eichenholz; alle übrigen Theiie und selbst
die starken Seitenbalken waren von weicherem Holze; sie zerbrachen
und zerfielen daher grösstentheils beim Ausgraben. Die im Fuss-
boden befestigten Seitenbalken mussten von den Arbeitern abge-
hauen werden, und der eine Stumpf steckt noch heute an der be-
treffenden Stelle.
Von weiteren Nachsuchungen in der vom Brandschutte noth-
dürftig befreiten Localität musste abgesehen werden, da es nöthig
wurde, in der Gegend, wo die Presse gestanden, schnell eine neue
Grundmauer aufzuführen. Bevor die Arbeiter ahnten, was sie vor
sich hatten, waren natürlich manche Theiie der Presse zerhauen
worden, die man hätte retten können. Hinzugekommene Sachver-
ständige retteten wenigstens was noch zu retten war.
Darauf wurden sammtliche Arbeiter sofort auf die Bürger-
meisterei geladen, und über den Hergang einzeln protokollarisch
vernommen; auch wurde zur Beglaubigung an sammtliche aus-
gegrabene Gegenstände und Fragmente das Mainzer Stadt-
siegel gelegt. Diese Siegel sind sämmtlich noch vorhanden. Am
obern Querbalken der Presse befinden sich — *• wie auch unsere
genaue Abbildung zeigt — sogar zwei Siegel, bei denen selbst
die Anhängefaden noch heute völlig unverletzt sind. Von dem im
Mainzer Stadtarchive aufbewahrten Aktenstücke über den wich-
tigen Fund besitzen wir doppelt beglaubigte Abschrift, die
sich ebenfalls bei der Gutenbergpresse befindet.
Mit dieser wurden übrigens in dem nassen Brandschutte noch
vorgefunden und ausgegraben mehre Stücke von terra sigillata,
einige römische Münzen und acht kleine steinerne Kegel, deren
einige auf unserer Zeichnung mit dargestellt sind. Es waren dies
wohl ursprünglich römische Gewichtsteine, wie sie in dem Boden
456 — Anhang. —
des von den Römern erbauten Mainz sich auch sonst noch finden.
Guten berg benutzte sie aber jedenfalls als Farben reiber, auch wohl
als Handgriff für die „Druckerballen" zum Auftragen der Druck-
schwärze, wie sie von jeher und bis zur Erfindung der Gummi-
walzen beim Drucken gebräuchlich waren.
Der Mainzer Gymnasiallehrer Dr. Karl Klein, Ehrenmitglied
mehrer antiquarischer und historischer Vereine, übernahm nun 1856
die genauere Untersuchung und eingehendere Beschreibung des
so überaus wichtigen Fundes. Aus dessen 5 Bogen starken
Schrift, welche zu Mainz 1856 in französischer und 1857 in deutscher
Sprache erschien und damals grosses Aufsehen in der wissen-
schaftlichen Welt erregte, mögen nun hier noch einige Notizen mit
den nothwendigsten Ergänzungen folgen.
Dass Johann Gutenberg schon in Strassburg von 1436 — 1439
mit der Herstellung von Druckwerkzeugen sich beschäftigte,
geht aus den durch Schöpflin im Jahre 1745 aufgefundenen
Strassburger Prozessacten zwischen Gutenberg und seinen
Geschäftstheilhabern Riffe, Drit zehn und Heil mann unwiderleg-
lich hervor, so sehr man sich auch von gewissen Seiten Mühe giebt,
manche unbestimmte oder veraltete Ausdrücke in den Acten anders
zu deuten, um entweder die Anfange der Gutenberg'schen Er-
findung in Strassburg zu leugnen, oder die Erfindung über-
haupt dem deutschen Vaterlande streitig zu machen. Wie
aber gerade deutsche Gelehrte es fertig bringen konnten, die ganze
typographische Thätigkcit Gutenbergs in Strassburg zu leugnen und
lächerlich zu machen, bleibt um so unerfindlicher, als man Guten-
bergs Aufenthalt in Strassburg von mindestens 1434 ab bis
zum Jahre 1444 nicht anzuzweifeln wagt.
Wenn Gutenberg im Jahre 14:40 sich noch mit nichts Anderm
beschäftigt hätte, als „Spiegel zu poliren", wozu soll er das in
den Acten erwähnte viele Blei verbraucht haben? Und wenn
er erst 1450 seine Erfindung in Mainz begonnen, also auch
nicht früher eine JBuchdruckpresse construirt hätte, wie käme
dann die Jahrzahl 1440 in so viele alte Chroniken und andere
historische Nachrichten ! Und würde wohl der Geldmann F u s t
dem Erfinder im Jahre 1450 eine für damalige Zeit enorme Summe
von achthundert Gulden vorgestreckt haben „zur Einrichtung
der Druckerei", wenn die Erfindung der beweglichen Typen in
der Hauptsache nicht bereits perfect gewesen wäre, und einen an-
gemessenen Gewinn in sichere Aussicht gestellt hätte?
In den Strassburger Prozessacten von 1439 sagt unter anderm
der Zeuge Beil deck aus, Gutenberg habe ihn während des Pro-
— Anhang. — 457
zesses zu Dritzehn gesandt mit dem Auftrage, dass er die Presse ^
die dieser bei sich stehen hätte, Niemandem zeigen, auch die zween
Würbelein öffnen solle, so fielen die Stücke voneinander; diese
solle er dann in oder auf die Presse legen, so könne Niemand
etwas daran sehen oder ausmerken.
Ein anderer Zeuge, Goldschmied Duene, sagte aus: dass er
schon vor drei Jahren, also 1436 j von Gutenberg nahe bei
100 Gulden verdient habe „blos für Sachen, welche zum Drucken
gehörten". Die fragliche Presse von 1439 verschwand jedoch spur-
los, denn als Beildeck, Gutenbergs Diener, den obigen angeführten
Auftrag bei Dritzehn ausrichten wollte, fand sich die Presse nicht
mehr vor. Der Prozess wurde aber von Rathswegen am 12. De-
cember 1439 zu Gunsten Gutenbergs entschieden, an welchen
seine obgenannten Geschäftstheilhaber die damals bedeutende Summe
von 160 und beziehentlich 250 Gulden zu zahlen gehabt hatten
dafür, „dass Gutenberg ihnen die Kunst lehre'*.
Als dritter Zeuge in dem Prozesse war ein gewisser Conrad
Sahsbach, betheiligt, und wir erfahren nicht nur aus den Acten,
dass dieser jene Presse gebaut gehabt, sondern er bestätigt
auch das Verschwinden derselben bei Dritzehn. Mag nun
Gutenberg diese Presse, wie Manche annehmen, nur zu dem Zwecke
erfunden gehabt haben, um auf vortheilhaftere Weise Holztafel-
drucke herzustellen, die vordem nur mühsam mit dem Reiber
und blos auf einer Seite des Blattes gedruckt werden konnten , so
wäre die Erfindung und Herstellung einer Druckpresse durch
Gutenberg in Strassburg um 1440 immerhin erwiesen.
Man würde aber in diesem Falle sogar schon mit Recht von
einer Jßuchdruckpresse reden können, denn um diese Zeit
druckte man von geschnittenen Holztafeln sicher schon nicht mehr
blos Heiligenbildchen, Ablassbriefe und Spielkarten, sondern auch
kleine Bücher blos mit Text, indem man nach geschehenem
Druck die einzelnen anopistographischen Blätter mit ihren leeren
Rückseiten je zwei und zwei zusammenklebte, wie dies recht augen-
scheinlich das in unserm Museum unter No. 53 der ersten Abihei-
lung verzeichnete Original -Exemplar der berühmten „Ciromantia**
erkennen lässt, das ebenfalls noch ohne Presse mit dem Reiher
gedruckt ist.
Das Verschwinden jener Druckpresse bei Dritzehn lässt aber
um so sicherer annehmen, dass Gutenberg nunmehr zum Baue
einer neuen und gewiss auch schon verbesserten Druckpresse
verschritt, die nach völliger Auseinandersetzung mit den Erben des
inzwischen verstorbenen Socius Dritzehn recht wohl bis zum
458 — Anhang. —
Jahre 1441 hergcätellt sein konnte, und dass wir in unserer
G utenbergpreS9e von 14:41 dieses neue in seiner Art bereits
YoUkommnere Druckwerkzeug vor uns haben, die aber zugleich
die erste wirkliche Buchdruckpresse war, mit welcher
Gutenberg später auch in Mainz Bücher mit beweglichen Typen
druckte.
Der Ge Seilschaft s vertrag Gutenbergs mit Riffe und Heil mann
ging Mitte 1443 ^^ Hnde, und jedenfalls im Jahre 1444, wo er im
Strassburger Zollbuche unter dem 12. März bei Erlegung von i Gulden
Zollgebühr zum letztenmale genannt wird, und dann überhaupt nicht
mehr vorkommt, zog Gutenberg, mit seiner Presse nach Mainz.
Ausführlicheres hierüber unter buchstäblicher Anfuhrung der be-
treffenden Stellen in den Strassburger Acten findet man in Schaab's
Buchdruckergeschichte, erster Band Seite 136 bis 160.
In Mainz hatle bereits im Jahre 1443 Gutenbergs Oheim
Johann Gens fleisch den „Hof zum Jungen" gepachtet, und
hier im Souterrain, dessen Fenster nach dem Hofe gingen, und
möglichst abgeschlossen von der Welt richtete Gutenberg seine
Werkstatt ein, um seine grosse Erfindung zu vollenden, sie weiter
auszubilden und nutzbar zu machen, was keineswegs ausschliesst,
dass er auch hier auf seiner Presse vorerst noch Holz ta feldrucke
hergestellt haben mag. Für kleinere Drucksachen, Donate, Abc-
darien und dergleichen Unterrichtsmittel war das Schneiden der
Schrift in feste Holztafeln und das Drucken derselben jedenfalls vor-
theilhafter, als die Anwendung von noch unvollkommenen bleiernen
oder gar mühsam herzustellenden geschnitzten Holztypen, deren
Anwendung nach den vorhandenen historischen Zeugnissen kaum
wegzuleugnen sein dürfte, so entschieden dies auch von einem
namhaften Bibliographen der Neuzeit geschehen ist, während Herr
Professor Faulmann in Wien in seinem neuesten Werke ad oculus
nachweist, dass man mit geschnitzten Holzbuchstaben ganz wunder-
schön drucken kann. Dass man übrigens noch lange nach Er-
findung und Anwendung auch der gegossenen Metall typen
noch von Holztafeln druckte, beweisst in unserer Sammlung unter
andern ein Ablassbrief von 1482, ebenso der Donatus von
Conrad Dinckmut in Ulm, ein bei seiner grossen Textschrift ganz
stattliches Buch, das zwar noch ganz in Holz geschnitten, im
Uebrigen aber bereits auf der Buchdruckpresse hergestellt ist.
Dass Johann Gutenberg die beweglichen Typen schon vor
1450 erfunden gehabt, liegt wohl ausser allem Zweifel, denn der
blosse Holztafeldruck war durchaus nichts Neues mehr, und
hätte bei seiner einfachen Natur die Itinrichtung einer kostspieligen
— Anhang. — ^^g
Druckerei in Mainz gewiss nicht nöthig gemacht. Der Vertrag
zwischen Gutenberg und Johann Fust wurde aber bereits im
Jahre 14:50 abgeschlossen und im Monat August erlegte Johann
Fust die ersten 800 Gulden, denen er 1452 noch weitere 800 „zur
Vollendung des Werkes" hinzufügte, worunter aber jedenfalls nicht
erst die Vollendung des Druckwerkzeuges, sondern wohl mehr der
AVeiterdruck der 42zeiligen Bibel zu verstehen ist, die unge-
heure Massen von kostspieligem Pergament und Papier erforderte
und 1455 vollendet wurde, so dass 1452 wahrscheinlich noch nicht
der erste starke Folioband fertig war.
Nach glücklicher Vollendung dieses herrlichen Werkes forderte
Johann Fust plötzlich die ganze Vorschusssumme nebst hohen
Zinsen von Gutenberg zurück, von dem er wusste, dass er sein
ganzes Vermögen ebenfalls der grossen Erfindung geopfert und
nicht in der Lage war zu bezahlen, umsomehr als Fust & Schöffer
die Druckerei sammt dem ganzen Vorrathe an Bibeln mit Beschlag
belegten. Dem einflussreichen Fust wagte das Gericht nicht Un-
recht zu geben, und so wurde der beklagenswerthe Erfinder am
6. November 1455 ^^^ Zahlung verurtheilt; da er diese aber nicht
leisten konnte, wurde die ganze Druckerei mit allen Vorräthen von
Fust & Schöffer in Beschlag genommen.
Fust verlegte ohne Weiteres die Druckerei in sein eignes Haus,
den „Hof zum Humbrecht", das nunmehr für die Folge das neue
oder zweite Druckhaus benannt wurde. Bei der Uebersiedelung
des Werkzeugs blieb jedoch die in den Fussboden befestigte alte
Gutenberg'sche Druckpresse im „Hof zum Jungen" stehen,
wahrscheinlich weil sie nicht von Fust's Gelde angeschafft war und
desshalb nicht mit abgepfändet werden konnte. Vielleicht war sie
auch schon zu abgenützt, um für Fust & Schöffer einen besondern
Werth zu haben.
Gutenberg blieb im „Hof zum Jungen**, und mit pekuniärer
Unterstützung des Stadt - Syndicus Dr. Humeri richtete er hier
seine neue zweite Druckerei ein, in der ersieh wohl zunächst
^vieder mit kleinen Drucksachen beschäftigt haben dürfte, von denen
nichts auf unsere Zeit gekommen ist , bis endlich im Jahre 14:S0
sein grosses herrliches „Catholicon'^ mit Druckort und Jahrzahl
erschien, das wir unter No. 2 der gedruckten Bücher unserer
Sammlung schon auf Seite 13 näher besprochen haben.
Dieses grosse lateinische Wörterbuch von 373 Folioblättern
war sicher eine ganz gewaltige Leistung Gutenbergs, die er nach
Verlust seines ganzen Miteigenthums an der ersten Druck Werkstatt
"bis zum Jahre 1460 ermöglichte, wahrscheinlich nur unterFtützt von
460 — Anhang. —
wenigen ihm treu gebliebenen Gehilfen, 'als welche wohl nur
Johann Numeister, Heinrich K e fe r und Bertholdt von Hanau
zu nennen sein dürften, von denen die letzten beiden am 6. November
1455 bei Entscheidung des Fust'schen Prozesses gegen Gutenberg
zugegen waren, und in den Prozessakten ausdrücklich als Guten-
bergs Diener bezeichnet werden.
An gedruckten Beweisstücken, dass Gutenberg seine zweite
Druckerei auch nach 1460 eben so rüstig fortgesetzt habe, fehlt
es leider gänzlich, wenn wir nicht die beiden seltenen Druckwerk-
chen No. 3 & 4 unserer Sammlung in jene Zeit versetzen wollen.
Vielleicht siedelte Gutenberg schon 1462 vor der Erstürmung von
Mainz nach Eltvil über, wo seine Verwandten Bechtermünze das
Druckwerkzeug übernahmen. Die alte Buchdruckpresse von
14:4:1. blieb auch bei diesem Umzüge, vielleicht weil nicht mehr
brauchbar, im „Hof zum Jungen" stehen. Verfolgen wir nun ihr
Schicksal weiter.
Bei der Erstürmung und Verwüstung von Mainz durch Adolph
von N ä s s a u am 28. Oktober 1462 , wo auch die nahe gelegene
Druckerei von Fust & Schoeffer abbrannte, mag wohl auch der
„Hof zum Jungen" arg verwüstet worden sein. Der Umstand jedoch,
dass bei dem Wiederauffinden der alten Buchdruckpresse nur
so wenig andere und meist werthlose Gegenstände mit ausgegraben
worden sind, beweisst zur Genüge, dass Gutenberg sein übriges
Druckwerkzeug bereits geborgen hatte. Beim Wiederaufbau der
verwüsteten Häuser wurde durch bedeutende Aufschüttungen das
Niveau dieses tief gelegenen Stadttheiles bedeutend erhöht, und
die ganz zu Tage gelegenen Fenster der Gutenberg'schen Werkstatt
wurden dabei versetzt und verschüttet.
Eine zweite derartige Planirung fand nach der abermaligen
Zerstörung von Mainz durch die Schweden li>S2 statt, wobei auch
das Druck haus — wie der Hof zum Jungen damals noch immer
benannt wurde — zum Theil mit abbrannte, und hierbei dürfte wohl
das Souterrain mit- Gutenbergs ehemaliger Werkstatt zusammen-
j^estürzt sein, weil man es nunmehr ganz verschüttete und beziehent-
lich mit Brandschutt ausfüllte, um nur oberirdische Localitäten her-
zustellen. Somit wurde auch die Gutenberg-Presse völlig ver-
schüttet. Durch die wiederholten Aufschüttungen behufs Erhöhung
des Stadttheiles kam es auch , dass die Presse bei ihrer Wieder-
ausgrabung über 2oFuss tief unter dem jetzigen Strassen -Niveau stand.
Die Veränderungen des Letzteren bestätigen sich in Wirklichkeit
dadurch, dass man bei Aufgrabungen in diesem Stadttheile jedes-
mal unterirdisch noch auf zweimaliges altes Strassenpflaster stösst.
— Anhang. — 461
Im Jahre 18öi> wurden hier Aufgrabungen und Neubauten
dadurch veranlasst, dass der damalige Besitzer des „Hof zum Jungen",
Braumeister Borzner, sich veranlasst fand, im vordem Flügel
seines Grundstücks Restaurations - Localitäten und besonders auch
Keller herzustellen. Zu diesem Zwecke wurden nun die alten
unterirdischen Gewölbe wieder freigelegt, wobei das äussere Mauer-
werk wieder benutzt werden konnte. Die Wände waren zum Theil
noch völlig gut verputzt und mit einem in den Kalk gedrückten
Muster verziert, auch fanden sich noch Reste von Thüren und
Fenstern vor.
Hier nun stiessen die Arbeiter, nachdem ein grosser Theil des
Brandschuttes bereits entfernt war, auch auf die Gutetibergpresse^
natürlich ohne zu wissen was sie vor sich hatten, obwohl sich schon
bald die Meinung aussprach, dass es eine Presse sein könne.
Die weitern Vorgänge sind bereits weiter oben constatirt worden.
Nach völliger Aufräumung und Reinigung des Locals Hess der Be-
sitzer dasselbe photographisch aufnehmen. Das interessante Bild
befindet sich nicht nur bei der Gutenbergpresse , sondern wurde
auch 1870 mit allen auf die Erfindung der Buchdruckerkunst be-
züglichen Mainzer Bauten und Merkwürdigkeiten in das prächtige
„Mainzer Gutenberg-Album" aufgenommen.
Die wesentlichsten Thatsachen bezüglich des wichtigen Fundes
stehen actenmässig fest; die nebensächlichen Vorgänge werden
von vielen noch lebenden Mainzer Zeugen bestätigt, darunter auch
von dem uns befreundeten Vorbesitzer des „Hof zum Jungen"
Herrn Jacob Dollhofen, der die Gutenbergpresse nur un-
gern verkaufte, aus Rücksicht auf unser Museum aber doch vor
einigen Jahren sich davon trennte. Kein Mensch hatte die Aecht-
heit der Fragmente jemals bezweifelt, oder gar die tolle Idee ge-
habt , es könne hier ein Betrug vorliegen , indem ein früherer
Besitzer des „Hof zum Jungen*' eine beliebige Presse 22 Fuss tief
unter sein Haus vergraben habe, „um sie später mit grossem Eclat
wieder aufzufinden". Das Vergraben könnte dann nur kurz nach
dem Schwedenkriege stattgefunden haben, bevor das Haus neu auf-
gebaut worden ist.
Was nun in neuerer Zeit gegen die Aechtheit der Gutenbeig-
presse vorgebracht aber mit nichts bewiesen worden ist, beruht
theils auf Unkenntniss der Vorgänge und Thatsachen bei der Auf-
findung, theils auf Voreingenommenheit gegen Mainz und seine
Bibliographen, die nun einmal manchen Leuten schon zu viel Geschichte
gemacht und das Beste weggeschrieben haben, daher man ihnen
nun alle möglichen „Fälschungen" untergeschoben hat, die sich
462 — Anhang. —
anf einen einzigen Fall bei Professor Bodmann reduziren, ein
Fall, der sich übrigens nach Schaab Band I Seite 38 wohl nnr als
ein boshafter Scherz gegen Bodmanns Rivalen Fischer und
Ob erlin herausstellt, da Bodmann selbst von den auf Gutenberg
bezüglichen zwei Schriftstücken keinerlei Gebrauch bei seinen eignen
historischen Arbeiten gemacht hat, wie Schaab auf Seite 42 eben-
falls bekundet. —
Nachdem wir nun hier so Manches vorausgeschickt haben, was
dem Fachgelehrten genugsam bekannt, aber zur Orientirung vieler
Besucher unsers Museums nothwendig ist, halten wir es für eine
Ehrenpflicht, bezüglich der ehrwürdigen Fragmente der Gutenberg-
presse diejenigen völlig unbegründeten Ansichten klar-
zustellen, die in der neueren Zeit verbreitet worden sind, durch
persönliche Ueberzeugung des betreffenden Herrn aber in der
Hauptsache bereits ihre Erledigung gefunden haben, ohne bis jetzt
berichtigt zu sein.
Der Herr Verfasser des Werkes „Gutenberg. Geschichte und
Erdichtung", Stuttgart 1878, hatte nämlich auf Grund einer ganz
falschen Abbildung des obern Querbalkens der Guten-
bergpres^e diese selbst und die ganze Mainzer Auffindungs-
geschichte in einer Note auf Seite 87—88 seines Werkes voll-
ständig ins Lächerliche gezogen, und zwar in der irrigen
Meinung, die Inschrift am Querbalken der Presse sei
wirklich in Cursivschvift eingeschnitten, sowie er sie
abgebildet gesehen hatte, während dieser Schriftductus erst Ende
des fünfzehnten Jahrhunderts von Aldus Manutius in Venedig er-
funden sein soll. Als aber der betreffende Herr Verfasser im
Frühjahre 1881 als unser Gast seine Ferien hier in Dresden verlebte,
und die Gutenbergpresse selbst in Augenschein nahm,
bekannte er freimüthig, dass hier von keiflPr Cursivschrift
die Rede sein könne, und dass er also leider durch eine falsche
Zeichnung getäuscht worden sei!
Bedauerlich bleibt hierbei nur noch, dass in Folge jenes ab-
sprechenden Urtheils Herr Professor Faulmann, wie er selbst schrieb,
in seiner „Geschichte der Buchdruckerkunst**, Wien 1880, sich hat ab-
halten lassen, neben den Abbildungen einiger andern alten Pressen
auch die Gutenbergpresse mit aufzunehmen, und nur noch auf
Seite 777 ihrer flüchtig gedenkt. In Wahrheit liegt nicht der ge-
ringste Anhalt vor, anderAechtheit derMainzerFragmente
zu zweifeln; denn man wird schwerlich hinwegstreiten können,
dass Gutenberg im „Hof zum Jungen" gedruckt, dass Holz sich
auch in nassem Boden Jahrhunderte und länger conservirt, und dass
— Anhang. — 463
auch eine Buchdruck presse sich auf diese Weise recht wohl erhalten
konnte. War aber die alte Gutenber'gsche Presse abgenützt, so
lohnte es wahrlich nicht, beim Verlassen des Locals den Fussboden,
in den sie befestigt war, so tief aufzurei^sen , abgesehen von der
Möglichkeit, dass die schleunige Wegschaffung der Druckerei 1462
erst so kurz vor der Erstürmung von Mainz geschehen sein könnte,
dass zur Rettung auch der alten Presse keine Zeit mehr blieb.
Wenn zuletzt als Argument gegen die Presse noch geltend
gemacht worden ist, die daran befindliche Jahrzahl MCDXLI sei
im fünfzehnt en Jahrhunderte gr.r nicht möglich, weil man
die Abkürzung CD für CCCC oder 400 noch gar nicht gekannt
habe, so hat der schriflkundige HerauFgeber der „Zeitschrift für
Museologie", Herr Geheimer Hofrath Dr. Grässe in Dresden, jenen
Irrthum schon in Nr. 23 und 24 seiner Zeitschrift von 1882 genug-
sam widerlegt. Die bei Hain in Menge ersichtlichen Jahrzahlen,
in welchen nicht nur die Abkürzung CD, sondern noch viel merk-
würdigere Fälle dieser Art vorkommen, sprechen schon genugsam
gegen jene Behauptungen; sie beweisen sogar, dass der Gebrauch
dieser Abkürzungen ziemlich allgemein bekannt gewesen sein muss,
da sie bei Druckern des fünfzehnten Jahrhunderts in den ver-
schiedensten Ländern vorkommen.
Natürlich bediente man sich derselben um so häufiger, jemehr
das Jahrhundert zu Ende ging und die erforderlichen römischen
Zahlzeichen sich mehrten. Während zum Beispiel der Drucker
Bazalerius in Reggio — wie man bei Hain Nr. 5344 sehen kann
— zur Jahrzahl 1499 nicht weniger als die 15 Zahlzeichen
MCCCCLXXXX Villi verwendete, macht Aldus Manutius in
Venedig in seinem berühmten Polifilo es viel kürzer mit den drei
Zeichen MID ab; viele Andere dagegen druckten MCDXCIX, und
brauchten also zu derselben Jahrzahl noch immer 7 Zeichen. Ein
Beispiel nennen wir nur bei Hain Nr. 14125.
So sind auch die Jahrzahlen MIID, MIIID und dergleichen bei
Hain gar nichts Seltenes. Ganz eigenthümlich ist aber noch unter
Nr. 15021 die Jahrzahl 1492 durch M.VIIID ausgedrückt. Panzer
citirt ein Buch von 1490 mit der ganz richtigen Datirung MXD.
Sonderbar erscheint dagegen die Jahrzahl 1477 bei Hain Nr. 13946,
wo man anstatt zu kürzen ganz unnöthig viele Zahlzeichen ver-
wendete, indem man MCCCCLXXIIIIIII setzte. Jedenfalls darf
man aber nicht annehmen, dass einer von diesen Druckern die An-
wendung ihrer besondem Schreibweise selbst erst erfunden habe»
sondern dass Jeder annehmen konnte, die Sache sei längst bekannt
und gar nicht misszuverstehen.
464 — Anhang. —
Warum soll überhaupt die Abkürzung CD für CCCC oder 400
nicht auch schon einige Decennien früher bekannt gewesen sein,
als sie schon überall gedruckt vorkommt, und wo beispielsweise
sogar die Anwendung des CJS. für DCCCC oder 900 schon in viel
früheren Zeiten nachweisbar ist! In einer Zeit allerdings, wo man
noch Muse fand, die längsten Jahrzahlen in den meisten Fällen
buchstäblich auszuschreiben oder zu drucken, so dass sie
oft ganze lange Zeilen füllten, da verwendete man jene Abkürzungen
meist nur in Fällen, wo es sich um Raumersparniss handelte,
und dies dürfte grade für den Erbauer der Gutenbergpresse dringende
Veranlassung gewesen sein, die Jahrzahl 1441 so und nicht anders ein-
zuschneiden. Unsere heuligen Ziffern kannte man noch nicht, und jene
Jahrzahl durch eine längere Reihe römischer Zahlzeichen auszu-
drücken, hätte nicht nur mehr Raum, sondern auch mehr Arbeit gekostet.
Die Presse blieb übrigens Eigenthum des schon genannten
wohlhabenden Braumeisters Borzner bis zu dessen leider früh
erfolgtem Tode, trotzdem ihm — wie Professor Dr. Klein in seiner
"bezüglichen Schrift anführt — von einem Franzosen 25 000 Franken
dafür geboten waren. Durch Wiederverheirathung der Wittwe kam
die Presse in die Hände des Vorbesitzers, des noch lebenden
Herrn Dollhofen. Der Wunsch des Herrn Borzner, die ehrwürdigen
Fragmente der Stadt Mainz zu erhalten, ist nicht lange in Erfüllung
gegangen, aber sie verbleiben dem deutschen Vaterlande,
•dafür ist durch den Schreiber dieses gesorgt.
„Die Fragmente sind ohne Zweifel" — so bemerkt Dr. Klein
weiter — „ein Fund, wie wenig ähnliche ihm zur Seite gesetzt
werden können, daher seine Auffindung überall, wo die Nachricht
hinkam, grosse Aufmerksamkeit erregte. Es ist nicht nur gewiss,
dass mit dieser Presse die ersten Druckversuche ge-
macht, sondern auch das erste Buch gedruckt wurde. Es ist eine
Reliquie derjenigen Kunst, welche den grössten und wichtigsten
Einfluss auf die Menschen und deren Geschick übt, und welche
•daher die erste aller Künste genannt wird."
„Da Gutenberg der grösste Wohlthäter der Menschheit gewesen,
•so würde gewiss jede Reliquie, welche wir von ihm besässen, der
höchsten Ehre werth sein. Da nun die Fragmente zu dem In-
strumente gehören, wodurch Gutenberg der grösste Wohlthäter
■der Menschheit geworden ist, so nennen wir sie die kostbar ste
Reliquie, welche das Menschengeschlecht besitzen kann."
Sach-Register.
In diesem Register sind die geschriebenen Werke und die
Holztafeldrtiche No. 1 bis 82 nur summarisch mit angeführt,
da sie auf Seite 6 bis 9 dieses Bandes vollkommen übersicljitlich
verzeichnet sind. Das Register enthält dagegen alle Druckwerke
von Seite 11 bis 445, also mit Einschluss der Nachträge.
Dieser erste Bund unserer Sammlung umfasst also im Ganzen
1022 Nutnuiern, wobei indess alle nur im Texte citirten Druck-
werke, die selbst keine Nummer tragen und in diese Abtheilung
nicht gehörten, hier auch nicht mit eingerechnet sind.
Seite
Abdruck ains lateiniscben sandtbrieues. Augsburg. Erhard Oeglln, 1518. . . 266
Ablass-Brlef des Papstes Nicolans V. zu Gunsten Johannes' II. von Cypern.
Bamberg, Albrecht Pßster, 1454 84
— Sixtus iV. Nürnberg, Friedrich Creussner, 1482 350
Abschidt des Reichstags zu Augsburg. Mainz, Mathes Auerbach, 1530. ... 58
Mainz, Ivo Schoefifer, 1548 65
Mainz, Ivo Schoeffer, 1551 65
— des Reichstages zu Regensburg. Mainz, Ivo Schoeffer, 1582 59
Mainz, Ivo Schoeffer, 1541 64
— des Reichstags zu Speyer. Mainz^ Mathes Auerbach, 1529 57
Mainz, >o Schoeffer, 1544 64
Adrianns. Liber de remediis utriusque fortunae. Cöln, A. Therhoernen, 1471. 165
Aeearifii da Cento. La grammatica volgare. Venedig, Francesco Bindoni &
Mapheo Pasini, 1548 313
Ae§:ldlii8 (Franeiscus). Aurea verba. Mainz, Fust & Schoeffer circa 1468. . . 80
AeiiMS Silvius. Epistolae. Nürnberg. Anton Koberger, 1496 846
Aeschjlns. Tragoediae; graece, Paris, Adrien Turnebe, 1553 410
Afer (Optatus). De schismate Donatistarum. Paris, Claude Fremy, 1563. . . 414
Agenda Moguntina. Mainz, Johann Schoeffer, 1518 43
Agrippa. De incertitudine et vanitate scientiarum. Cöln, Eucharius Cervi-
eornus, 1581 185
Aflllaco (Petrus de). Quaestiones super libros sententiarum. Strassburg, Jo-
hann Grüninger, 1490 140
— Tractatus de anima. Paris, Guido Marchant, 1494 882
Paris, Jean Marchant, IbOb 895
AlannB ab Insulis. Distinctiones dictionum theologicalium. Strassburg, C. W.
(= Clas Wencker?) circa 1476 115
30
466 — Sach-Register. —
Seite
AlberUna«. Ars loquendi et taeendi. Coln, Heinrich Quentel. 1497 177
— De «rte loquendi et tacendi. Strassbuiig^, M. Flach, circa 1477 437
AlbArtni (Lieander). Deseriptio totius Italiae. Cöln, Nicolaus Graphaeus, 1566. 198
— Magnus. Compendium Theologicae veritatis. Ulm, Johann Zainer, 1476. . 330
— De laudibus virginis Mariae. Strassburg, Jobann Mentelin, circa 1475. . . 101
— Opus in Evangelium: Missus est Gabriel Angelus. Strassburg, Johann
Mentelin, circa 1474 101
— De virtntibus animae. Cöln. Heinrich Quentel, 1498 177
— De adhaerendo vero deo cum aliis tribus tractatibus. Ulm, Johann Zainer,
circa 1470 444
AllniBUUiar. Flores antrologiae. Augsburg, Brhard Katdolt, 1488 36»
AlcliaUUas cum commento. Venedig, Melchior Sesüa, 1513 Sil
AlOBaBBia (Conradus de). Coneordanciae UibiiuruDi. 8trassburg, Johann
Mentelin, circa 1465 9ß
AlezMder Anglicus. Destructorium vitiomm. Nürnberg, Ant. Koberger, 14<*(t. 34(?
— Magnus. EJusdem Historia. Strassburg, Johann Grüninger, 1485 189
Strasaburg, Johann Grüninger, 1489 140
deutsch. Augsburg, Anton Sorg, 1483 253
Allerle J Mackel und Flecken auss Gewandt zu bringen. Mainz, P. Jordan, 1532. 68
AlthAiBiuer (Andreas) Diallage. Nürnberg, Friedrich Peypus, 1527 360
Alnnno (Francesco). Le richecze della lingua volgare sopra il Boccaccio. Ve-
nedig, Paulo Gherardo 1557 316
AmbroBlm (Sanctus). Opera. Basel, Johann Amerbach, 149? 214
Paris, Gervais Chevallon, 15R9 406
— Explanatio in corpus evangelii 8. Lucae. Augsburg, Anton Sorg, 1476. . . 25%
Ammonins Alexandrinus. Evangelische Historie. Augsburg. Simpr. Rufif, 1524. 278
Andrea« (Johannes). Arbor consanguinitatlB. Nürnberg, Fr. Creussner, 1478. 850
Nürnberg, Hieronymus Höltzel, iöOfi 357
deutsch. Augsburg, Johann Bamler, 1474 246
Tractatus de sponsalibus. Strassburg, Martin Flach, circa 1476 486
Anlian;: Guteoberg's erste Buchdxiickpresse vom Jahre 1441 451
ABtonlnos, Archiep. Fioreut. Confessionale. Strassburg, Martin Flach, 1488. . IV*
— Summa tbeologica. Nürnberg, Anton Koberger, 1477 bis 1479 841
— — Strassburg, Johann Grüninger, 1496 141
— Summae theologicae pars secunda. Venedig, Nicolaus Jenson, 1480. . . . S88
Ai^urodlseas (Alexander). Super nonnullis physicis quaestionibus solutionum
über. Basel, Andreas Cratander, 1520 884
Apologetlei libri duo pro Carolo V. Mainz, Johann Sohoeffer, 1527 52
Aqnino (Thomas de). Summae theologicae secundae partis pars prima. Mains,
Peter Schoeflfer, 1471 2ö
— Summae theologicae secundae partis pars secunda. Strassburg, Johann
Mentelin, circa 1465 96
Mainz, Peter Schoeffer, 1407 28
Summae theologicae pars prima. Venedig, Antonius de Strata, 1488. . .
— Summae theologicae prima pars secunde partis. Venedig, Th. de asula, 1490. 44S
— Summae theologicae pars tertia. Venedig, Bernardinus de Tridino, i486- . . 999
— Commentaria in quatnor libros sententiarum. Basel, Nicol. Kesler, 1492. . 2l6
— Super primo sententiarum. Venedig, Antonius de Strata, 14^6 996
— Bxpositio quarti libri sententiarum. Mainz, Peter Schoeffer, 1469 24
— — Venedig, Johannes de Golonia & Nioolaus Jenson, 1481 297
— Catena aurea. Augsburg, Günther Zainer, circa 1472 148
— De veritate catholicae fidei. Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1470. . . 107
— De corpore Christi. Cöln, Arnold Therhoemen, circa 1471 166
0
— Sach-Register. — 467
Seite
Aqnino (Thomas de). De corpore Christi. Cöln, Mieolsus Götz, circa 1478. 1*31
— Tres tractnli. C51n, Heinrich Quentel, circa 1492 175
Coln, Heinrich Quentel, circa 1495 < 176
— Summa de articulis fidei. Mainz, Johann Gutenberg, circa 1461 13
— — Cöln, Conrad von Homburg, circa 1474 170
— — Siehe auch Scripta theologorum —
— Modus procedendi in sermones de sacramento euoharistiae. Cöln, Arnold
TherhÖrnen, drca 1469 , . . . . 165
— Quaestiones disputatae de veritate. Cöln, Johann Koelhoff, 1475 168
— Quaestiones de duodecim quodlibet. Nürnberg, Sensenschmid & Frisner, 1474. 348
— De beatudine aeternitatis. Cöln, Johann Yeldener, circa 1470 (?) 4S8
Aretinas (Leonardus). De amore Guiscardi et Sigismundae filiae Tanrredi.
Mainz, Fust & Schöffer, circa 1465 23
— De bello Italico adversus Gotbos. Foligno, Johann Numeister, 1470. . . . 376
BeUovisum. Paris, Jean Petit, 1507 3»7
Arimenensis (Henricus) Tractatus de qnatuor yirtutibus cardinalibus. Strass-
burg, Heinrich Eggestein, 1473 108
Arlstophanes. Plutus; graece. Paris, Christian Wechel& Mathurin Dupuys, 1549. 405
Aristoteles. Historia de animalibus. Venedig, Johannes de Colonia & Johannes
Manthen de Gheretzem, 1476 2{t0
— Opera latina cum commentarils Averrois Tomus III. Venedig, Andreas
Toresanus de Asula, 1483 296
— Primus tomus naturalis philosophiae interprete Johanne Argyropylo. CÖln,
Arnold Birckmann's Erben, 1568 192
— Pars quarta operum; giaece. Venedig, Aldus Manucius, 1497 807
Armandas de Bellovisu. De declaratione diffieilium terminorum tamtheologicomm
quam philosophicorum. Cöln, Heinrich Quentel, 1502 177
Amoldug de Villa Nova. Breviariam practicae medicinae. Mailand, Christoph
Valdarfer, 1483 819
ArUiche knnste mancherlei weise. Mainz, Peter Jordan, l.'SSl 432
An bene vivendi et moriendi. Paris,^ Jean Lambert, 1504 395
— > moriendi. Augsburg, Günther Zainer, circa 1467 840
Siehe auch Scripta theologorum —
ABtexanus de Ast. Summa de casibus conscientiae. Strassburg, Joh. Mentelin,1472. 100
Cöln, Heinrich Quentel, 1479 174
Anctoritates Aristotelis etc. Coln, Johann Guldenschaff, 1487 174
Angastinns (Sanctns). Opuscula plurima. Strassburg, Mart. Simus (Flach), 1491. 116
Paris, Andreas Bocardus, 1502 886
— Eplstolac. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1471 100
— Basel, Johann Amerbach, 1493 441
— De civitate DeL Subiaco, Sweynheim & Pannartz, 1467 197
Venedig, Johann «fc Wendeün von Speyer, 1470 284
Mainz, Peter Sohoeffer, 1473. 28
Basel, Michael Wensaler, 1479 210
Basel, Johann Amerbach, 1490 218
Venedig, Octfivian Scotus, 1489 448
— Coofessionum libri XIII. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1469 .... 99
— De arte praedicandi. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1464 96
Mainz, Johannes Fust circa 1466 23
— De vita christiana. Mainz. Fust & Schoeffer, circa 1461 18
— De. vita christiana et de singularitate clericomm. Cöln, Ulrich Zell, 1467. . 168
— Sermo super oratlonem dominicam. Cöln, Ulrich Zell, circa 1472 163
— Psalmorum explanatio. Basel, Johann Amerbach, 1489. 213
30*
^68 — Sach-Register. —
Seite
AlgvitlBnt- De virtute päalinoruxn« Paris, Philippe Pigouchct. circa 1490. . . 383
— Traotatus de trinitato. Venedig, Paganinns de Paganini», 148H 301
Basel, Johann Amerbaöh. 1490. 218
— Über de sancta virginitate. Eltyyl, Heinrich BeehtermSnze, 146.'> 15
— De animae quantitate. Aug8l)urg, Gnnther Zainrr, circa 1468 240
Siehe auch Scripta theologorum. —
— Soliloqnium. Augsburg, Günther Zainer. circa 1468 240
Cöln, Arnold Therhoernen, circa 1175 166
— — Siehe auch Scripta theologorum. —
— Liber qui vocatur Quinquaginta. Ang8l>urg, Anton Sorg, 1475. ....... 251
— Liber prolucutionis et meditationis. Strassburg, Heinrich Bggestein, ca. 1472. 109
— De spiritu et litera. Cöln, Hero Alopecius, 1527 187
— Canones Jaxta triplicem quam edidit regulam. Strassburg, M. Schott, 1490. 123
— De verae vitae cognitione. Mainz. Fust ft Schoeffer, circa 1460 426
— De duodecim abusivis saeculi. Strassburg, Huszner & Bekenhub, circa 1474. 435
— - Von der Üppigkeit der Welt. Augsburg, Dr. Grimm & Wirsung, 1.523. . . 269
Airbaeh (Johannes de). Summa de sacramentis. Augsb., Günther Zainer, 14G9. 241
Amolu (Petms). De conceptiooe virginis Mariae. Mainz, P. Schoeffer, 1480. 30
— Compendium litteralis sensus totius bibliae. Venedig, Las. de Soardis, 1507. 305
Anileging des Amts der heiligen Messe. Augsburg, Johann Bämler, 1484. . . 217
JjftlbDS de Janua. Catholicon. Mainz, Jobann (iutenberg, 1460 13
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1462 94
Augsburg, Günther Zainer, 1469. Fragment 241
Nnrnbei^, Anton Koberger, 1486 844
Bftldnn^ (Hieronymus). Apborismi compunctionis theologicales. Strassburg,
Johann Grüninger, 1497 142
Baldns. Expositio super codice Justiniani. Venedig, Philippus Pincius, 1519. 304
Baptlsta Mantuanus. Opera. Paris, Parvus, Ascensius & Jac. Forestarius, 1507. 388
— Bucolica. Paris, Jodocus Badius, 1502 386
— Parthenices. Venedig, Jacobus de Leucho, 1499 809
Bartholomaeas Brixiensis. Casus decretorum. Basel, Nicolaus Kesler, 1489. . 215
— de Chaymis. Interrogatorium sive Confessionale. Mainz, Peter Schoeffer, 1478. SO
Mailand, Dominicus Vespolate & Jacobus de Marliano, 1478 320
Mailand, Christoph Valdarfer, circa 148a 819
Venedig, Raynaldus de Novimagio, 1484. 293
— de Glanvilla. Liber de proprietatibus rerum. Strassburg, Joh. Grüninger, 1485. 139
— Coloniensls. Dialogus mythologicus. .Mainz, Johann SchÖffer, 1521 481
Baraizins (Gasparinus). Liber epistolarum. Basel, Michael Wenszler & Fried-
rich Biel, circa 1469 208
Strassburg, Martin Flach, circa 1478 437
BmIIU (S.). LIturgU. Mainz, Ivo Schöffer, 1546 438
BmIUos Magnus. Oratio de legendis antiquorum. Mainz, Peter Schoeffer, circa 1480. 438
Baysio (Guido de). Rosarium super decreto. Strassburg, Johann Mentelin,
circa 1472 101
— — Venedig, Johannes Herbort de Seigenstadt, 1431 297
B^beBbnrglns (Lupoldus). Germanorum veterum principum zelus et ferror in
christianam religionem. Basel, Johannes Bergmann von Olpe, 1497. . . . 221
B«neveneta8 de S. Georgia. De origine Guelphorum et Gibellinoram. Basel,
Andreas Cratander, 1519 223
Berehorlns (Petrus). Liber bibliae moralls. Ulm, Johann Zainer, 1474. . . . 329
Strassburg, C. W. (=r Clas Wencker?) 1474 112
Cöln, Bartholoniaeus de Unckel, 1477 173
— Sach-Register. — a()q
Seite
B«rgpe]laBD8 (Arnuldus). De chaleograpbiae inventionc poema. Mainz, Franciseus
Behem. 1641 70
Bemardlnag de Senis. De glorios« yirgine Maria. Cöln,' Ulrich Zell, drca 1466. 16S
— Sermones de festivitatibus gloriosaeVirginis. Nürnbeiig, Priedr. Creussner, 1498. S51
— Tractatus de contractibus et usuris. Strassburg, Heinr. Eggeetein, ca. 1469. 107
Beniardiis Parmensis. Casus longi super decretales. Strassburg, J. Grüninger, 1488. 140
— (Sanctus). Sermones de tempore et de aanetis. Mains, Peter Schoefier, 1475. 29
Basel, Nicolaus Kesler, 1495 216
— Bpistolae cum aliis eiusdem tractatibus. Strassburg, Heinrich Eggestein. 1470. 107
— De honestate vitae. Strassburg, Martin Flach, circa 1477 115
— Epistola de cura et modo rei familiaris. Augsburg, Günther Zainer, 1478. 244
— Speculum de honestate vitae. Mains, Fust & Schoefifer, circa 1464 21
— Sermones super Cantica canticomm, iidem tilllbertl de Hoglandia. Strassburg,
Martin Flach, 1497 117
Btexio (Petrus de). Opus conficinndarum electionum directorium accitum. Paris,
Jean Petit, 1511 387
Blblia germanica. Die erste deutsche Bibel. Strassburg, Heinr. Eggestein, 1466. . 103
— Die vierte deutsche Bibel. Nürnberg, Sensenschmid und Frisner, 1473. . . 818
— Die fünfte deutsche Bibel. Augsburg, Gfinther Zainer, 1473 244
— Die neunte deutsche Bibel. Nürnberg, Anton Koberger, 1488 943
— Verdeutscht von Johann Dietenberger. Mainz, Peter Jordan, 1634. .... 68
— Die Kurfarsten-Bibel. Nürnberg, Christoph & Paul Endter, 1662 370
— Nürnberg, Johann Andreas Endter^s Sohne, 1690 871
— Nürnberg, Johann Andreas Endter, 1755 871
— in dialecto Saxoniae inferioris. Die erste niederdeutsche Cölqer Bibel. CÖln,
Nicolaus Götz, circa 1476 172
Lübeck, SteflFen Arndes, 1494 421
Lübeck, Ludwig Dietz, 1534 425
— hebraica. Venedig, Daniel Bomherg, l.'i45 812
— latina. Die 48seiiige Bibel. Mainz, Johann Gutenberg, 1450 bis 14&5. . . 11
Bamberg, Albrecht Pßster um 1457 bis 1460 (Fragmente) 87
Mains, Fust A Schoefifer, 1462 20
Strassburg, Johann Mentelin, circa 1463 94
Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1468 108
Basel, Berthold Kuppel & Bernhard Kichel, um 1468 bis 1470 489
Mainz, Peter Schoefifer, 1472 26
Basel, Bernhard Eichel, circa UTZ 211
Nürnberg, Anton Koberger, 1475* 841
Basel, Nicolaus Kesler, 1487 215
Strassburg, Johann Pryss, 1489 183
Basel, Johann Froben, 1495 220
Venedig, Peter Schoefifer Jun., 1542 814
Basel, Thomas Guarinus, 1578 285
— cum glossa ordinaria Walafridi Strabonis et interlineari Anselmi Laudunensis.
Strassburg, Adolf Kusch, 1478 bis 1480 120
— cum postillis Nicolai de Lyra. Nürnberg, Anton Koberger, 1481 343
— -^ Venedig, Franciseus Kenner de Hailbronn, 1483 291
— cum postillis Nicolai de Lyra. Novam Testamentum. Strassburg, Pryss, 1492. 184
Bitl (Gabriel). Expositio canonis missae. Basel, Jacob von Pforzheim, 1510- . 217
— Passionis dominice sermo historialis. Mainz, Friedrich Hewmann, 1509. . . 56
Boecaedo. Decameron, deutsch. Strassburg, Paul Messerschmidt, 1561. . . . 155
— Buch von den berühmten Weibern; deutsch von Steinhövel. Ulm, Jobann
Zainer, 1473 82*
4/0 — Sach-Register. —
Seite
Boettivf. De consolatione philosophiae. Cöln, Hfinrich Quentel, 1497. ... 177
deutsch. Strassbnrg, Johann Schott, 1500 148
— De diseiplina scholarium. Strwaburg, Johann Grüninger, 1415 statt 1495. . . 141
— De Trinitate. Siehe Ang^ostinus. —
B«Ba?Mtnni. Bibüa pauperum. Venedig, Hermann Liechtenstein, circa 1483. 299
Strassburg, Johann Pryss, 1490 ISS
— Brerüoqniam. Nürnberg, Sensenschmid A Kefer, 1472 S38
— Diaeta salutis. Paris, Robert Gounnont, 1509 39.')
— Sermonea de tempore et de sanctia. Ulm, Johannes Zainer, 1481 S.^0
— Sermones de tempore. Strassburg, Johann Gruninger, 149(> 141
— Solüoquittm venerabilis. Strassburg, Heinrich Egtrestein, circa 14f^9. ... 104
— Libri et traotatus rarü. Strassburg, Martin Flach, 1489 116
BoBer'l Edelstein oder Fabelbueh. Bamberg, AJbrecht Pfister, 1461. Facsim. 87
BOBlfhetas Till. Decretalium liber VI. Strassburg, Heinrieh Eggpstein, 1467. 103
Mains, Peter Schoeffer. 147S 28
Paris, Thielmann Kerver, 1509 390
Botho (Conrad). Cronechen der sassen. Mainz, Peter Schoeffer, 149? 33
BralNlBtlniit (Johannes). De diseiplina scbolarium. Siehe Boethius. —
Brock (Wenceslaus). Yocabularios rerum. Augsburg, Joh. Schoensperger, 1495. S60
Bnnt (Sebastian). Der Klagspiegel. Augsburg, Peter Berger, eirra 1488. . . 263
Strassburg, Johann Albrecfat & Wendel Rihel, 15<38. 15.^
Das Narrenschiff. Basel, Nicolaus Lamparter, 1509 22 t
BroTloriam Babenbergense. Bamberg, Johann Pfeyl, 1601 90
— Moguntinum. Marienthal, Brüder yom gemeinsamen Theben, 1474. 2 B&nde. 980
(auf Pergament, Fragment) 282
Marienthal, Brüder vom gemeinsamen Leben, circa 1476. Fragment. . . 282
Mainz, Johann Schoeffer, 1509. . ■ 42
Mainz, Johann Schoeffer, circa 1510 42
Brejdeiibaeh (Bemardus de). Opusculum sanctarum peregrinationum. Miüns,
Erhart Rewich, 1488 82
deutsch. Mainz, Erhart Rewich, 1486 S3
Strassburg, Johann Pryss, circa 1487 437
— Augsburg, Anton Sorg, 1488 254
holländisch. Mainz, Erhart Rewich, 1488 429
Brinonlal (Barnabas). De spectaculis in Codice Thcodosiano. Paris, Phil-
lippus Galterus Rovillius, 1564 415
Bnrni des Raths. Strassburg, Mathias Hüpfuff, 1504 147
BnuiBB (Vincentius). Meditationes in septem praecipua festa b. Yirginis. CoIn,
Arnold Birckmann^s Erben, 1599 192
BmtliS (Jacobus). Corona aurea de laudibus litterarum. Venedig, Johannes
Tacuinus, 1498 906
Boeh der Weisheit oder alten Weisen. Ulm, Lienbart Holl, 1484 331
— der zehn Gebote. Venedig, Erhart Ratdolt, 1483 291
Bnllo contra errores Martini Lutheri. Rom, päpstliehe Druckerei, 1520. . . . tOl
deutsch. Rom, p&pstliche Druckerei, 1520 802
— aurea Caroli quarti. Mainz, Ivo Schoeffer, 1549 65
deutsch. Strassburg, Martin Flach, circa 1475 114
— Kaiser Friedrich's III. gegen Diether von Isenburg. Mainz, Fast A Schoeffer,
Placat vom 10. August 1461 18
Birger, der evangelische. Basel, Pamphilus Gengenbach, circa 1522 223
BorlOOM (Gualterus). De vita et moribus philosophorum et poetarum. Nürnberg,
Anton Koberger, circa 1472 341
deutsch. Augsburg, Anton Sorg, 1490 254
— Sach-Register, — 47 1
Seite
BasoMiiS (Hermannus). Ars memorandi. C61n, Ludovicus Bencben, 1501. . . 1*^8
Bvtti (Bernardinus de). Mariale. Strassbnrg, Martin Flach, 1496 117
x/aeur (Cajus Julius). Historien vom Gallier und der Römer Burgerische
krieg. Maine, Johann Schoeffer, 15S0 53
Calepinufi (Ambroeius). Dictionarium latinae linguae. Basel, 'Job. Walder, 1540. 8?9
CalTtaras (Johannes). Der Heylig Brotkorb. Christiingen = Strassburg, Bernhard
Jobin, 1584 15rv
Cammergsrioht« Romisch Kayserlicher Maiestat. Mainz, Johann Schoeffer, 1521. 49
CanonM Apostolorum. Mainz, Johann Schoeffer, 1525 51
<CarraeiohiB (Robertus). Opus Qnadragesimale. Venedig, Wendelin von
Speyer, 1472 287
— Sermones per adventum. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1461 95
Strassburg, Martin Schott, circa 1481 121
— Sermones quadragesimales, de adventn etc. Venedig, Gabriel de Grassis, 1486. 301
Darben (Victor de). Opus anreum de Judaeorum erroribus. Coln, Henricus de
Nussia, 1509 183
CarchuiO (Michel de). Sermonarium per adventum et per duas quadragesimas.
Venedig, Franz von Hailbronn & Nicolaus von Frankfurt, 1476 890
Basel, Michael Wenszler, 1479 211
— Sermonarium de commendatione virtutam et reprobatione viciorum. Mailand,
Ulrich Scinzenzeler, 1495 .* S23
€aro]hia. Peinliche Gerichtsordnung Kaiser CarPs V. Mainz, I vo Schoeffer, 1588. 59
Mainz, Ivo Schoeffer, 1587. 68
Maine. Ivo Schoeffer, 1542 64
Mainz. Ivo Schoeffer, 1555 66
Mainz, Johann Albin, 1615 71
CaMlOdoms* In Psalterium expositio. Basel, Johann Amerbach, 1491. ... 218
Cathwrinm (Sancta). Vita; italice. Mailand, Johannes Antonius de Honate, 1489. . 822
■CaaliMSO (Guido de). Chirurgia cum aliorum tractatibus. Venedig, Petrus Job.
de Quai-engis & Johannes Maria de Monteferrato, 1498 305
Ohronlea von C51n. Cöln, Johann Koelhoff, 1499 169
— Hennebergische. Strassburg, B. Jobin's sei. Erben, 1599 157
— mancherlei Historien. Augsburg, Philipp Uhlhard, 1530. 276
Clironicoram summa aucta et emendata. Basel, Jacobus Parcus, 1552 284
Chrjiostoiiliii (Johannes). Homiliae in evangelium Matthaei. Strassburg, Johann
Mentelin, circa 1467 97
Coln, Johann Koelhoff, 1487. 168
— Homiliae super evangelio Johannis. Rom, Georg Lauer, 1470 200
Coln, Johann Koelhoff, 1486 168
— Sermo in dictum Apostoli ad Corinthios etc. Mainz, Johann Schoeffer, 1582. 50
— De orando Deum; graece. Paris, Jacobus Gazellus, 1544 407
— Der heiligen Messen brauch. Mainz, Ivo Schoeffer, 1540 64
-Ciioero* Rhetorica nova et vetus. Venedig, Philipp Condram Petri, 1479. . . 294
— — Venedig, Marinus Saracenus, 1487. 294
— De oratore. Subiaco, Sweynheim & Pannartz, 1464 — 65. Erster ital. Druck. 196
— Orationes. Mailand, Antonius Zarotus, circa 1474 818
Venedig, haeredes Aldi & Andreas Toresanus, 1519. 813
— Epistolae familiäres. Venedig, Nicolans Jenson, 1471 887
— Offioia. Paris, Thomas Richard, 1556 412
deutsch. Augsburg, Heinrich Steiner, 1585 274
— Officia et Paradoxa. Mainz, Fust & Schoeffer, 1466 82
— Officia, paradoxa, de amicitia, de senectute. Mailand , Antonius Zarotus, 1476. 319
4*72 — Sach-Regisler. —
Seite
Cic«r«. De Officiis, de amicitia, de seoectute et paradoxa. Venedig, Marinut
8aracenu8, 1487 294
— Officia, Laelius, Cato, Somnium Sdpionis et Paradoxa. Paris, Gering, Crantz A
Friburger, 1471 880
— Tuscnlanae quaestiones, paradoxa, de amicitia, de senectute, somnium Scipioois.
Rom. Ulrieus Han, 1469 200
Clagem vnd nutzliche lere diss süderlichen buchs. Mainz, Johann Nimieiflter
vor 1470, oder Ertiard Rewich um 14B0 427
CIatuIo (Angelus de). Summa Angelica. Strassburg, Martin Flach, 1489. . . 11<S
Strassburg, Martin Flach, 1496 '. 117
— — Nürnberg, Anton Koberger, 1498 347
Clemmif Y. Constitutiones. Mainz, Peter Schoeffer, 1467 427
Basel, Michael Wenszler, 1476 810
Paris, Thielman Kerver, 1509 391
CliditOTeag. De veneratione sanctorum. Cöln, Peter Quentel, 1525 187
ClaM (Jacobus de). Traetatus de veritate dicenda aut tacenda. Strassburg, Martin
Flach, circa 1476. 115
CoohlAens (Johannes). Commentaria de actis et scriptis Martini Lutheri.
Mainz, Franciscus Behem, 1549 70
UollMtanea antiquitatum in urbe Moguntina. Mains, Johann Schofler, 1585. 481
Columella. Siehe Herr, Michael.
^Olamna (Franciscus). Poliphili Hypnerotomachia. Venedig, Aldus Manutius, 1499. 307
Comettor (Petrus). Historia Scholastica. Strassburg, Heinrich Eggestein,
circa 1469 107
Strassburg, Johann Grüninger, 1485 189
Compendlam Juris canonici. Strassburg, Johann Grüninger. 1499 142
ConcUlam zu Constanz. Augsburg, Anton Sorg, 1488 258
— Paulo III. ipso Jubente conscriptum, anno M. D. XXXVIII. CÖln, Melchior
Novesianus, 1588 189
Conoordata inter Leonem X. & Franciscum I. Paris, Durand Gerlier, 1520. . 384
ConstitntiOBes Römischer Keyserlicher Maiestat. Mainz, Ivo Schoeffer, 1549. . 65
ConsaetndiDes feudorum. Strassburg, Heinrich Eggestein, 1472 108
Cordiale quatuor novissimorum. Cöln, Peter von Olpe, 1477 170
— — Cöln, Bartholomaeus de ünckel, 1483 4.?9
Cöln, Heinrich Quentel, 1492 176
ComelloB Nepos. Llber de virorum excellentium vita. Mailand, Scinzenzeler A
Pachel, circa 1481 321
Corriong (Laurentius). Compendiosa diversorum carminum structura. CÖln,
Martin von Werden, 1508 18S
CreseentUi (Petrus de). Opus ruralium commodorum. Strassburg, Johann
Grüninger, 1486 189
Cuba (Johannes de). Hortus sanitatis. Strassburg, Johann Pryss, circa 1483. 124
Strassburg, Johann Pryss, circa 1487 IM
Strassburg, Johann Pryss, circa 1491 184
Strassburg, Johann Pryss, circa 1498 135
Mainz, Jacob Meydenbach, 1491 35
deutsch. Mainz, Peter Schoeffer, 148^ 31
Strassburg, Mathias Apiarius, 1,'>86 g 158
€i|J*ciaH (Jacobus). Paratitla in libros quinquaginta Digestorum Justiniani.
Cöln, Maternus Cholinus, 1570 193
— Paratitla in libros IX codicis Justiniani. Paris, Sebastianus Nivellius, 1579. 416
Curmig devotionales varii cum Septem Psalmis poenitentialibus vigiliis mortuo-
rum. Augsburg, Anton Sorg, 1489 854
— Sach-Register. — ^nv^
Seite-
Carte (Jacobus de). De urbis Collosonsis obsidione a Tureis tentata. Venedig,
Erhard Ratdolt, circa 1480 291
CnntOf (Dominicus). Tirolensium principum, comitum icones. Augsburg, Jo-
hannes Praetorius, 1599 277
CypriaBiil, Opera. Basel, Johann Proben, 1520. . . , 220
Basel, Johann Herwagen, 1540 228
— Opera hinc inde excerpta. Paris, Berth. Remboldt A Joh. Waterloes, 1512.. 89&
— Epistolae. Rom, Sweynheim & Pannartz, 1471 198
€jrrllltt8. Speculum sapientiae. Basel, Michael Wenszler, circa 1475 210
lianuitoeBiis (Johannes). Theologia. Paris, Henricus Stephanus, 1507. . . . 390
Danbnssen (Petrus). Uelatio de obsidione urbis Rhodiae. Nürnberg, Anton
Koberger, 1480 348
Dante Alighieri. LaComedia. Mikroscopische Ausgabe, Mailand, Ulr. Hoepli, 1878. 324
— La Commedia col commento di Landino. Venedig, Petrus Johannes de
Quarengüs, 1497 306
Dathos (Augustinus). Orationum duo partes. Paris, Guillaume le Rouge, 1513 u. 1514. 399
DaTld'8 Ehebruch, Mord, Strafe und Busse. Ulm, Hans Varnier, 1534. . . . 335
Deelsfones Rotae Romanae. Mainz, Peter Schoeffer, 1477 30
Venedig, Johannes & Gregorius de Gregoriis de Forlivio, 1496 296
Declaraiio modi et formae venditionis ac emtionis redituum perpetuorum et
vitalium. üöln, Arnold Therhoernen, circa 1473 166
Diaeonns (Paulus). Siehe Jomandes.
Diaeta salutis. Göln, Johann Koelhoff, 1474 167
Dieta et facta philosophorum apud Ciceronem. Paris, Jacques Perier, 1555. . 412
Diepold (Johann). Ein nützlicher Sermon. Ulm, Johann Grüner, 1!S22. . . . 335
Dlether*g Manifest gegen Adolf von Nassau. Mainz, Fust & Schoeffer, 1462. . 19
Diodoms. Opera. Basel, Henricus Petri, 1531 225
— Bibllotheca seu historiarum priscarum libri IV. Venedig, Andreas Jacobus
Catharensis, 1476 293
Diogenes Laertius. Vitae et sententiae philosophorum. Venedig, Phillppus
Pincius, 1497 304
Dionysios Areopagita. Opera. Paris, Joh. Higmann & Wolfgang Hopyl, 1498. S82
Strassburg, Johann Grüninger, 1508 142
— Vita cum oratione. Nürnberg, Caspar Hochfeder, circa 1491 356
— de Leuwis. Specula omnis Status yitae humanae. Nürnberg, Peter Wagner, 1495. 354
Directorivm Missae. Miünz, Johann Schoeffer, 1506 40
Mainz, Friedrich Hewmann, 1509 ?»7
— Statuum. Strassburg, Peter Attendorn, 1489 144
Donatas von 27 Zeilen, angeblich von 1451. Bamberg, Albrecht Pfister um 1460. 86
— Bamberg, Albrecht Pfister um 1458—60 . 434
— de octo partibus orationis. Nürnberg, Wolfgang Huber, circa 1510 359
— allegoricus. Siehe Scripta theologorum —
Draoonltes (Johannes). Von dem Stein ohne Hände vom Berge gerissen. Lübeck,
Georg Richolff, 1549 422
— Von den Fürstehem, die Friede lehren. Lübeck, Georg Richolff, 1550. . . 422
— Von des Menschen Sohne. Lübeck, Georg Richolff, 1550 423
— Von dem Zeichen der Niniviten. Lübeck, Johann Balhom, 1549 423
— Vom Evangelischen Predigt-Amt Lübeck, Johann Balhorn, 1549 423
— Von der Stadt unsers Gottes. Lübeck, Johann Balhorn, 1560 424
— \ron dem Geist der Gnaden und des Gebetes. Lübeck, Johann Balhorn, 1550. 424
Dmi (Johannes). Scriptum in quatuor libros sententiarum. Nürnberg, Anton
Koberger, 1481 343
474 — Sach-Register. —
Seite
Danf. Quodlibeta qaesUonam. Venedig, Johaones de Colonia, Nicoiaus Jenson Sc
Johannes Herbort de Selgenstadt, 1481 2\*7
DuraBdos. Rationale divinorum officiorum. Mainz, Job . Fust & Peter Schoeffer, 1 45». 17
Augsburg, («iinther Zalner, circa 1470 241
Ulm, Johann Zainer, 147H : S88
Ulm, Johann Zainer, 1476 880
Nürnberg, Anton Koberger, 1481 848
btrassburg, Johann Pryss, 1486 182
— Speculum Judiciale. Htrassburg, Huscner & Beckenhub, 1473 110
mÜjA (Johannes). Deprimatu Petri adveraus Lndderum. Paris, Pierre Vidove, 1»21. 400
Edens (Georgius). Oeconomia bibliorum. Coln, Gervinas Calenius & Johann
QuentePs Erben, 1R68 191
ElMldarlai diaiogicus theologiae. Nürnberg, Johann Weiuenburger, 1M2. . . 858
Epiphaulat. Panarium. Basel, Johann Oporin A Johann Herwagen, 1580. . 284
Entail Koterdami Oe conscribendis Epistolis. Mains, Ivo Schöffer. 1560. . 483
firaamnA Roterodamus. Pamiliarium colloquionun formulae. Mains, Johann
Schoeffer, 1620 ' 47
— De dupUce copiif verborum ac rerum. Coln, Johannes Qymnicus, 1588. . . 184
— Das Sprichwort, Man muss entwer ein Koning oder aber ein narr gebom
werden. Mainz, Johann Schoeffer, 1^20. 47
— Die verteutscht Epistel Tor seinem handtbuehlein von 'dem Christliehen
Ritter. Mainz, Johann Schoeffer, 1.')21 48
— Yerteutschte ausszlegung über „Nement auff euch mein Joch'*. Mains, Joh.
Schoeffer, 1.521 40
— Auslegung der Epistel Pauli an Titus. Augsburg, Dr. Sigm. Grimm, 1522. 989
— Ein Sendbrief. Nürnberg, Simon Tunckel 1.531 867
Enrons Judaeorum extracti ex Talmut. Siehe Scripta theologorum —
Eseheabaeh (Wolfram von). Titurel. Strassburg, Johann Mentelin, 1477. . . 101
Etterlthi. Chronik der Eidgenossenschaft. Basel, Michael Furter, IS07« . . 219
Kulpides. Tragoediae graeco-latinae. Basel, Johann Oporin, 15'>2 288
Ezempla sacrae scripturae. Paris, Petrus Levet, circa 1478 884
Eitrarmgantes communes. Paris, Thielmann Kerver, 1509 891
Ejb (Albrecht von). Margarita poetica. Strassbui^, Johann Pryss, 1508. . . 185
— Ob einem Manne seizu nehmen ein ehelich Weib. Nürnberg, F. Creussner, 1472. 849
Augsburg, Sylvan Otmar, 1517 271
E jdiBluiii (Jodocus).Vocabulariu8 praedlcantium. Nürnberg, Petrus Currifex, 1488. 8S3
SjB Cliriatliche lere des rechten Glaubens. Mainz, Franz Behem^ 1641 4S2
h aber (Jacobus). Introductio moralis in Ethicen Aristotelis. Paris, Ponce le
Preux, 1614 892
— (Johannes). Opus super institutionibus. Venedig,. Baptista de Tortis. 1497. 298
— (Johann). Cbristenliche Ableynung des Caspar Schwenekfelder. Mains,
Johann Schoeffer, 1529 58
Fabrica (Johannes de). De indulgentlls pro animabus in Purgatorio. Mainz,
Fust & Schoeffer, circa 1464 21
Fasdeoliii« temporum. Siehe Rolevlnk (Werner).
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Grfinberk (Josepb). Spiegel der prophetischen Sehungen. Nürnberg, Stuchs, 1508. 355
Gruner (Vlneentlus). Expositio officii missae. Strassburg, Heinr. Eggestein, 147^. 108
Guido de monte Uotherii. Manipulus Curatorum. Augsburg,Christmann Heyny,1471 . 246
Strassburg, Martin Flach, circa 1490 116
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Cöln, Johann Koelhoff, 1481 439
Cöln, Ulrich Zell, 1488 163
Ulm, Conrad Dinckmut. 1486 338
Guillluidas (Claudius). In evangelium secundum Joannis enarrationes. Paris,
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Gntenberg's erste Buchdmckpresse vom Jahre 1441 451
Ualflgerlehts-Ordennng, Bambergische. Mainz, Johann Schoeffer, 1508 ... 40
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Hausknecht (Gabriel). Ein schöner Spruch. Nürnberg, Kunegund Hergotin, 1587. 366
HaymO; Episcop. Halberst. In Esaiam commentarii. Cöln, Peter Quentel, 1531. 187
— De varietate librorum sive de amore coelestis patriae. Cöln, Joh. Prael, 1531. 188
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Herp (Hcnricus). Hpeculum aureum decem praeceptofum Dei. Mainz, Peter
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Herr (Michael). Das Ackerwerck. Strassbui^, Wendel Rihei, 1588 15t
Heares de Paris. Paris, Antoine Verard & Guillaume Eustace, 1520 398
Hleroeles. In aurea Pythagorae carmina commentarius. Strassburg, Mathias
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— vmd ttreniiadliiB. De viris illuatribus. Siehe Scripta theologorum —
HiluliU. De trinitate. Siehe Augustinus —
Hlppolftas episcopus. De consumatione mundi; graece. Paris, Guillaume
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UlsiHinas (Andreas). Modus confitendi. Strassburg, Johann Mentelin circa 1460. 93
HochstratoB (Jacobus). Tractatus quam graviter peccent quaerentes auxilium
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Holstftfeldrnoke. No. 52 bis 82 6—9
Homrrns. Opera graeco-latina. Kasel, Niculaus Brylinger Sc Bartholomaeus
Calybaeus, 1551 231
— Odyssea; deutsch. Augsburg, Alexander Weissenhorn, 1587 276
Honorins (Christianus). Libri tres de imagine mundi. Nürnberg, Anton Ko-
berger, circa 1472 841
— Lacidarius; deutsch. Strassburg, Martin Schott, circa 1484 122
Horatlns Flaccus. Opera. Venedig, Benedictus Fontana, 1495 808
Paris, Denys Roce, 1508 885
Paris, Simon de Colines, 1531 402
— Opera ab omni obscoenitate purgata. Cöln, Arnold Birckmann's Erben, 1588. 192
HortiüiUI anlmae. Mainz, Johann Schoeffer, 1514 43
Hortat sanitatis. Siehe Cnba (Johannes de). —
Hosins (Stanislaus). Confessio catholicae fidei. Paris, Jacobus Puteanus, 1560. 414
Hnberinnfl (Caspar). Spiegel der Hauszucht. Nürnberg, Gabriel Heyn, 1552. 367
Hugo de S. Caro. Postilla super quatuor Evangelia. Basel, Bernh. Richel, 1482. 212
— de S. Victore. Opera. Paris, Henricus Stephanus, 1506 389
— Soliloquium in modum dialogi. Strassburg, C. W. 1473 111
Hnmbertns. Auslegung über St. Augustinus Regel. Ulm, Lienhart Holl, 1482. 381
Hatton (Ulricus de). Hoc in volumine &c. (Colleetio Ebern burgica). Mainz,
Johann Schoeffer, 1519 46
— Dialogi. Mainz, Johann Schoeffer, 1520 47
— De guaiaci medicina et morbo gallico. Mainz, Johann Schoeffer, 1524. . . 51
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Hnttichlo!} (Johannes). Imperatorum romanorum libellus. Strassbui^, Wolff
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Hjglnnfl* Poeticon astronomicon. Venedig, Thomas de Blavis, 1488 293
Hynelstrass, das Buch genannt. Augsburg, Lucas Zeissenmayr, 1501 265
waeobus de Clusa. Sermones notabiles et formales per totum annum. Ulm,
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Jamblichns. De mysterüs Aegyptioriun. Chaldaeorum, Assyriorum et alia opus-
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JMI18 Syrach Siehe Haberino8.
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InMrlptloiies vestutae romaa. in Augusta Vind. Mainz, Joh. Schoffer, 1520 A 25. 4SI
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Nürnberg, Anton Koberger, 1494 346
Intemene Consolation. Paris, Nicolas Savetier, 1.531 408
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Venedig, Peter Löslein, 1483 29«
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Lmdtfrld durch KayserCarol den funfftenauffgericht. Mainz, Joh. Schoeffer, 1528. 50
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— Jesu Christi. Nürnberg, Johannes Stuchs, 1.M4 860
Iiehonrecht verteutscht. Mainz, Ivo Schoeffer, 1531 58
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Textus sentent. cum oonclusionibus H. Gorichem. Basel, Nie. Kesler, 14S9. 441
liOtharittll. Liber miseriae conditioniB humanae. Strassburg, H. Eggestein, 1475- 109
Cöln, Nicolaus Götz, circa 1477 172
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Heinrich Eggesiein oder Nicolaus Pistoris & Marc Reinhard, circa 1485. . 144
Liillns (Raimnndus). De secretis naturae et Alberti Magni De mineralibus &
rebus metallids. Venedig, Peter Schoeffer, 1542 315
Luther. Das neue Testament. Nürnberg, Friedrich Peypus, 1524 859
— Der kleine Katechismus. Nürnberg, Katharine Gerlachin Erben, 1594. . . . 869
— Auslegung des 109. Psalm. Augsburg, Sylvan Otmar, 1518 271
— Der 111 Psalm. Nürnberg, Kunigund Hergotin, 1581 866
— Die sieben Busspsalmen. Strassburg, Jobann Knobloch, 1519 146
— Die Ordnung der Messe. Strassburg, Wolff Köpffei, 1.524 150
Lyrm (Nicolaus de). Postilla super Psalterium. Strassburg, Johann Mentelin, 1468. 98
Rom, Sweynheim & Pannartz, 1472 199
Cöln, Ulrich Zell, circa 1478 168
— Glossae super libros novi testamenti. Rom, Sweynheim & Pannartz, 1472 . 199
— Postilla super quatuor evangelistas. Cöln, Ulrich Zell, circa 1474 103
maerobinB. In somnium Scipionis libri duo et Satumaliorimi libri VILCöIn,
Eucharius Cervicomus, 1526 184
Mameraoas (Nicolaus). Catalogus expeditionis rebellium principum. Cöln,
Henricus Mameranus & Henricus Artopaeus, 1550 190
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Manul« confessorum metriciun. Cöln, Hermann Baumgart de Ketwieh, 1496> 180
lüuiniig der crusteoheit widd* die durken. Uamberg, Albrecht Pfister, circa 1456. 86
Namitlufl (Paulus). Epistolarum libri XII. Cöln, Petrus Horst, 1586 194
HarctllM (Nonius). De proprietate sermonum. Venedig, Nicolaug Jenson, 1476. 288
ÜArrheslilBl (Johannes). Mammotractns. Mainz, Peter Schoeffer, 1470. ... 2.^
Cöln, Conrad von Humburg, 1476 171
Nürnberg, Georg Stucha, 1489 S54
lliiryarit« Decretalium. Cöln, Johann Koelhoff, 1481 168
ÜAria (Paulus de 8.). Scrutinium scripturarum. Rom, Udalrious Gallus, 1470. 200
Strassburg, Johann Mentelln, 1471 99
Mainz, Peter Schoefter, 1478 30
Harlale sive de laudibus Marlae. Strassburg, Martinus Simns (Flach) 1493. . 116
Haralx (Philipp). Hinenkorb; deutsch von J. Pischart. Christiingen = Strass-
burg, Bernhard Jobin. 1.Ö79 156
Christiingen ss 8tras8burg, Bernhard Jobin, 1581 I.'i6
HMtyrologlam der Heiligen nach dem Kalender, »itraasburg, Joh. Pryss, 1484. 181
MAtaratiufl (I^^aneiscus). De componendis vcrsibus. Venedig, Erhard Ratdolt,
1468 für 1478 291
Vefflreth. Sermones de tempore et de sanctis. Nürnberg. Anton Koberger, 1487. 844
Heinrat (Sanct). Passio. Basel, Michael Purter, 1496 218
deutsch. Nürnberg, Hans Mayr, circa 1493 856
Helnnchthou. Annotationes in epistolas Pauli ad Romanos et ad Corinthios.
Strassburg, Johannes Hervagius, 1524 1.50
— Moralis philosophiae epitome. Strassburg, Crato Mylius, 1.540 155
— Verzeichnung und Anzeigung in das Evangelium Johannis. Basel, Thomas
Wolf, 1524 225
Helber (Johannes). Vocabularius praedicantium. tiiehe Eychmann (Jodocus). —
HCBM philosophica. Cöln. Johann (jnldenschaff, circa 1481 173
Coln, Cornelius de Zyrychzee. 1508 180
Mensn. De moribus et facetiis mensae. Basel, Michael Furter, 1490. .... 317
HeUiodiDS* Opusculum divinarum relationum et de vita Antichrist!. Augsburg,
Johann Froschauer, 1496 264
HilM de Verona. Repe;:torium juris.. Cöln, Nicolans Goetz, 1475. 171
KiüMÜe Augustense. Augsburg, Erhard Ratdolt, 1491 262
— Babenbergense. Bamberg, Johann Sensenschmid, 1481 ; . 88
Bamberg, Sensenschmid & Petzensteiner, 1490 89
— Coloniense. Paris, Wolfgang Hopyl, 1514 883
— Eystettense. Nürnberg, Hieronymus HÖltzel, 1517 357
— Frisingense, Venedig, Peter Liechtenstein, 1520 310
— Moguntinum. Mainz, Peter Schoeflfer, 1483 31
Mainz, Peter Schoeffer, 1498, Fragmente 34
— Olomucense. Bamberg, Johann Sensenschmid, 1488 89
— dominicanum ordinis praedicatorum. Venedig, OctAvianus Scotus, 1482. . 295
— Pragense. Nürnberg, Georg Stuchs, 1508 V6
— Romanum. Nürnberg, Georg Stuchs, 1484. . . • 854
Venedig, Lucas Antonius de Giunta, 1504 SOS
Slavonico idiomate. Rom, Congregation der Propaganda, 1631 202
— Salisburgense. Nürnberg, Georg Stuchs. 1492 Sö5
Basel, Jacob Ton Pfortzheim, 1510. 217
— Itinerantium. Cöln, Retxo Minores, 1503 ^^^
Modestns. Libellus de voeabulis rei militaris ad Tacitnm. Rom, Eucharina
Silber, 1487 201
— Sach -Register. — 481
Seite
Modus eligendi imperatorexn. Basel, Pampbilus Gengenbacb, 1519 223
— legendi et studendi abbreviaturas in utroque jare. Nfirnberg, Friedrich
Creussner, 1489 Sf^O
— — Strassburg, Jobann Gräninger, 1494 141
HoMrh (Joh.)> Tractatas de horis canonicis dicendit. Basel, Job. de Besiekein, 1483. tl4
Honte (Petms de). Repertorium juris. Nürnberg, Prisner A Sensenschmid, 1476. 349
H3sat«r (Sebastian). Cosmogr^phey. Basel, Sebastian Henric Petri, 1598. . . 235
Vliro (Conradas de). Repertorinm vocabulorum. Basel, Berthold Rappel,
circa 1466 207
Narnor (Thomas). Die Schelmenzuoft. Strassburg, Wendel Rihel, circa 1540. 153
Hustam malorum granatorum. Strassburg, Heinrich Bggestein, circa 1476. . . 109
.NwiaeA (Fridericus). Catholicae postillae et homiliae. Coln, Johann QuenteFs
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Nestor (Dionysius). Yocabnlarius. Venedig, Phillppus Pincius, 1496 304
Nieaslns de Voerda. Arbor consanguinitatis. CÖln, QuentePs Erben, 1608. . 182
Niger (Franciscus). Grammatica. Venedig, Jobannes Lucilius Santritter und
Franz Theodor von Würzburg, 1480 295
Nilns Episcopus. Sententiae morales. Coln, Conrad Caesar, 1522 186
Hyder (Johannes). Tractatus de morali lepra. C51n, Ulrich 2<ell, circa 1485. . 164
— Johannes. Die vierandzwanzig goldnen Harfen. Augsburg, J. Bämler, 1472. 246
Augsburg, Johann B&mler, 1488. 247
Nyssevns (Gregorius). De hominis opificio ; graeco - latine. Basel ,^ Johann
Oporin, 15^7 283
UlMequisle secundum ecclesiam Constantiensem. Augsburg, Erhard Ratdolt, 1510. 262
Oeeolsmpidtns. Der Missverstand Dr. Martin Luther's. Basel, Andreas Cra-
tander, 1527 224
Oratio querulosa contra invasores sacerdotum. Strassburg, Job. Grüninger, 1488. 140
(Mgenes. Homiliae. Paris, Parvus & Ascensius, 1512 389
OrosioB (Paulus). Historiarum adversus paganos libri VII. Venedig, Bernar-
dinus Venetus, 1500 "" 295
Coln, Matemus Cholinus, 1574 193
Ortolff von Bayrland. Arzneibuch. Augsburg, Anton Sorg, 1488 254
OsorisB (Hieronymus). In Isaiam libri V. Coln, Gotefridus Kempensis, 1579. 193
Otftridu. Evangeliorum über. Basel, (Josias Münsch?), 1571 236
Otto von Passau. Die vierundzwanzig Alten oder der golden Thron. Strass-
* bürg, Martin Schott, 1483 121
Coln, Johann KoelhoflF, 1492 169
Strassburg, Johann Schott, 1500 148
Oridins. Opera. Basel, Henricus Petrus, 1587 226
— Tristtum libri cum commento. Venedig, Johannes Tacuinus, 1499. .... 306
— Dess aller Sinreichsten Poeten Metamorphosis. Mainz, Ivo 8cboeffer, 1551. 66
x AciflcA somma della 'Scienza di confessare. Mailand, Phil, de Lavagna, 1479. 318
PaUngenius (Marcellas). Zodiacus vitae. Basel, Thomas Platter. 1543. . . . 231
PineelsnN. Archidoxa; zehn Bücher von Heimlichkeiten der Natur. Strass-
burg, Theodosius Rihel, 1570 155
Pftraldns (Guilelmus). Summa virtutum. Paris, Jean Barbier, 1512 395
PmsIo Jesu Christi; deutsch. Strassburg, Matthias Hüpfuff, 1513 147
PaoIus Apostolus. Epistolae. Paris, Fran^ois Regnault & Jean de la Porte, 1517 394
— Sein und des h. Antonius Lebei. Strassburg, Johann Pryss, 1498 135
— de Sancta Maria. Siehe Maria, Paulus de.
31
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PetnureliA (Franciscus). Opera. Basel, Johann Amerbach, 1496 214
— De rimedi de Tuna et Taltera fortuna. Venedig,. Gabriel Giolito dl
Perrara, 1549 315
Pcotinger. Siehe Inscriptiones.
Pfefferkorn (Johann). Büchlein der Jndenpeicht. Augsburg, Georg Nadler, 1508. 268
PfelffelmAim (Johann). Von den übertrefflichsten und berümptisten frawen. .
Mainz, Ivo SchoeiFer, 15.H3 59
PhilofftrAtu (Flavius). De vita ApoUinli. Coln, Johannes Gymnicus, 1532. . 184
Phryes (Laurentius). Spiegel] der Artznei. Strassbnrg, Joh. Grüninger, 1518 143
PiccolondniUI (Jacobus). Eplstolac. Mailand, Alexander Minutianus, 1506. . 391
PliMBttnnf* De varietate actionum. Mainz, Johann Schoeffer, 1581 58
PlfttO« Opera latine. Venedig, Bernardinns de Choris & Simon de Luere, 1491. 803
PlmArinm oder Eyangelienbuch. Basel, Adam Petri von Langendorff, 1516. . 828
PllidnR (Cajus). Historia naturalis. Venedig, Bernardinns Benalius, 1497. . . 300
Venedig, Paulus Manutius, l.'i59 314
— (Cajns Caecilius). Epistolae. Paris, Robertus Stephanus, 1529 404
— Epistolarum libri X. Panegyricus. Venedig, Alexander Minutianus, 1506- . 331
PlatAMhnf. Apophtegmata. Venedig, Wendelin von Speyer, 1471 887
— Vitae illustrinm virorum. Strassbnrg, Johann Mentelin, circa 1470 99
Basel, Andreas Cratander & Johannes ßebel, 1583 227
— Amatoriae narrationes. Basel, Andreas Cratander, 1520 224
Poesltentfoiuiriiii slve Poeniteas cito. Coln, Heinrich Quentel, 1495 176
PoUieel - Ordnung Anno MDxxx zu Augsburg yffgericht. Mainz , Johann
Schoeffer, 1531 58
Mainz, Mathes Auerbach, 1530 58
Probationei novi testamenti ex yeteri testamento. Siehe Scripta theologorum. —
ProeeMvs Judlciarius ipsins Mascaron contra genus humanum. Siehe Scripta
theologorum —
PrOgnoRllcon« Opusculum repertorii prognosticon in mutationes aeris. Venedig,
Erhart Ratdolt, 14%. 292
Pro^per. Epigrammata de vitiis et virtutibus. Mainz, Peter Priedberg, 1494. 37
— Do gratia dei & de libero arbitrio sententia Aurelii Augustini. Mainz, Johann
Schoeffer, 1524 51
PlAlmornm Codex. Mainz, Pust & Schoeffer, 14.57 bis 1516 16
Mainz, Jobann Schoeffer, 1516 44
Psalter, deutsch-lateinisch. Strassburg, Heinrich Eggestein, circa 1470 107
— deutsch von Caspar Amman. Augsburg, Dr. Sigmund Grimm, 1523. . . . 269
— unser lieben Frauen. Augsburg, Lucas Zeissebnair, 1495 265
PlAlterlam latlnum. Bamberg, Joh. Sensenschmid & H. Petzensteiner, ca. 1485. 88
— latino-germanicum. Augsbui^, Erhard Ratdolt, 1499 262
— graeeo-latinum. Paris, Carola Guillard, 1545 407
PtolemAeuR (Claudius). Astronomiae über diversarum rerum. Venedig, Peter
Liechtenstein, 1509 310
^uaestloneit naturales antiquorum philosophorum de diversis generibua ciborum
et potus. Coln, Cornelius de Zyrychzee, circa 1495 179
— theologicae de incarnatione et sacramentis. Basel, Michael Wenazler, 1474 209
QiilBqB«rborea« (Johannes). GranamaticaHebraeorum. Paris.Mart. Juvenis,1588 416
QvlntiliAniM. Oratoriarum] institutionum libri XIL Venedig, Johannes de
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— Dedamationes. Venedig, Lucas Venetus, 1482 443
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Seito
QnintfliftBiig. Oratoriae institutioneH. Venedig, Bonetus Locatellus, 1493. . . 443
— Oratoriarum institutionum libri XII. Venedig, Peregrinus de Pasqualibns, 1494. 899
iCabamu Manrus. Opus de Universo. Strassbui^, Joh. Mentelin, eirc« 1464. 95
— Commentaria in Hieremiam prophetam. Basel, Henricus Petras, 1584. . . 326
— De elericorum institutione. Coln, Johann Prael, 1538 188
BanplgroIliB (Antonius). Aurea biblia. Ulm, Johann Zainer, 1475 829
Coln, Johann Guldenschaff, circa 1477 173
Nürnberg, Friedrich Creussner, 1481 350
Paris, Nicolaus Wolff, 1510 398
deutsch. Augsbui^, Kloster St. Ulrich & Afra, circa 1475 249
Bathsehlag etlicher Pfarrherm. Nürnberg, Jobst Gutknecht , 1525 361
BaTennas (Pet.). Compendium juris civilis. CÖln, Herrn. Baumgart de Ketwich, 1506. 181
Barisias (Johannes). Dialogi aliquot Paris, Maurice de Porta, 1542 408
Bedmuigsbaeh der Froben & Episcopius. Herausg. v. Rudolf Wackernagel.
Basel, Benno Schwabe, 1881 227
Befonnacion der Stat Frankenfort am Meine. Mains, Juh. Schöffer, 1609. . . 480
Beformation der Stadt Nürnberg. Nürnberg, Anton Koberger, 1484 844
Nürnberg, Valentin Geissler, 1564 369
— der Stat Worms. Mainz, Peter Schocffer jun., 1507 55
Mainz, Peter Schoeffer Jun., 1509 55
Bflffinaldetas (Petrus). Speculumtinalisretributlonis. Paris, Jaques Pouchin, 1514 399
Bcgiao (Monach. Prüm.) Annales de Augustorum yitis et Germanomm gestis.
Mainz, Johann Schoeffer, 1521. 49
Begioptontanos (Johannes). Ephemerides astronomicae. Nürnberg, Johannes
Regiomontanus, 1474 389
Beiclisordanng in sachen Christlichen glauben. Mainz, Ivo Schoeffer, 1538. . 60
Beyserus de Pisis. Pantheologia. Nürnberg. Sensenschmid & Kefer, 1473. . . 338
Venedig, Peter Liechtenstein, 1486 299
Biedei^r (Friedrich). Spiegel der wahren Rhetorik. Augsburg, U. Steiner, 1585. 274
Bodericns Zamorensis. Specnliim vitaehumanae. Augsburg, Günther Zainer, 1471. 242
— - Straasburg, Martin Flach, 1475 113
Bolerlnk (Werner). Fasciculus temporum. Basel, Bernhard Richel, 1482. . . 212
— ,— Strasaburg, Johann Pryss. 1488 133
deutsch. Basel, Bernhard Richel, 1481 212
Straasburg, Johann Pryss, circa 1493 134
Bore (Cipriano de). II quinto libro di Madrigali. Venedig, Antonio Gardano, 1568. 317
Bosanhajm (Petrus de). Roseum memoriale. Nürnberg, Friedr. Creussner, 1493 851
BoMetnS (Petrus). De pnero Judaeo. Paris, Engelbert, Jean de Marnef& Pierre
Viart, 1517 394
BopertoB* In evangella Matthaei & Johannis item in Apocalvpsim commen-
taria. Coln, Franz Birckmann, 1529 188
SabelllooH (Antonius). Breviores epistolae. Coln, QuentePs Erben, 1516. . . 182
Sabnnde (Raymundus de). Theologia naturalis. Strassburg, Martin Flach, 1496. 117
Strassburg, Martin Flach, 1501 118
Sachs (Hans). Der klagende Ehrenholdt. Nürnberg, Herman Hamsing, 1553. 868
— Gespräch der Gotter. Nürnberg, Georg Merckel, 1558 868
— Die Judit mit Holofernes. Nürnberg, Friedrich Gutknecht, 1554 368
— Das erste Buch Gedichte. Nürnberg, Leonhard Heussler, 1590 869
Sachienspi^el. Augsburg, Johann Schoensperger, 1496 260
SacrobOSCO (Johannes de). Sphera mundL Venedig, Simon Bevilaqua, 1499. 801
Sadoletvs (Jacobus). Epistolarum libri XVI. Cöln, Petrus Horst, 1580. ... 194
31*
Aß± — Sach-Register. —
Seite
Saldls (Hermannus de). Kpeculum manuale sacerdotum. Nürnberg, gednickt im
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SalonO. Glossae. Augsburg, Kloster St. Ulrich & Afra, circa 1476. 350
Salleeto (Guilielmus de). Chirurgia. Venedig. Nicolaus de Ferrariis, 1491. . 805
Salls (Baptista de). Summa Rosella. Venedig, Georgias Arrirabenus, 1495* . SOS
Sallnslins. Bellum Catilinarium et lugurtliinum.Venedig, Wendelin von Speyer,U70. 286
ßAmoel (Rabbi). Epistola ad R. Isaac. Nürnberg, Caspar Hocbfeder, 1498. . d£6
Saxo Grammaticus. Historia Danorum. Paris, Jodocus Badius, 1514 387
SATAgetn«« TractatuB super controversüs ecclesiae Constantiensis, Beromünster,
Helyas de Louffen, circa 1470 379
SehatsliebAlter oder Schrein der wahren Reichthumer des Heils. Nürnberg,
Anton Koberger, 1491 M5
Schädel (Hartmann). Liber cronicarum. Augsburg, Job. Schoensperger, 1497. 961
deutsch. Nürnberg, Anton Koberger, 1498 436
Augsburg, Johann Schoensperger, 1496 860
Sehllditz (Hermannus de). Siehe Saldis.
Sehillier (Jörg). Meisterlied vom Tod als Bettelmann. Augsburg, Anton Sorg,
circa 1480 85«
Sehrlek (Michael). Von ausgebrannten Wassern. Augsburg, Job. Bämler, 1483. 847
SehwabensplegeL Strassburg, Mathias Hüpfuff, 1507 oder 1512? 147
Sehirursenberg (Johann von). Beschwörung der alten teufelischen Schlange.
Nürnberg, Hans Hergot, 1525 865
Scripta varia antlquorum tbeologorum. Augsburg, Günther Zainer, 1466—1468. 840
SeeUntrost. Das ist der Sele trost genannt. Augsburg, Anthon Sorg, 1478. . 258
SeneCA. Opera omnia. Venedig, Bartholomaeus de Zanis, 1503 302
Basel, Johannes Herwagen & Bernard Brand, 1557 284
— Epistolae. Paris, Petrus Caesaris & Johann Stoll, 1475 381
Sennones de sanctis. Cöln, Ulrich Zell, circa 1468 168
— Dormi secure. Strassbui^, Johann Grüninger, 1485 139
Strassburg, Johann Grüninger, 1489 1^
— Quadragesimales Thesauri novl. Strassburg, Martin Flach, 1491 116
— Thesauri novi de Sanctis. Strassburg, Johann Pryss, 1484 131
SerrlttS (Maurus). Commentarius in Virgilium. Venedig, Chr. Valdarfer, 1471. 288
SejBSel (Claudius). De divina Providentia. Paris, Regnault Chaudiere, 1580. . 400
SocOttS« Sennones de tempore per circulum anni. Augsburg, Anton Sorg, 1476. 442
— Sennones de tempore et de sanctis. Strassburg, Job. Grüninger, 1484. . . . 437
SomiDA Pacifica. Siehe Pacifica.
Sophodes. Tragoediae; graece. Paris, Adrien Turnebe, 155ß 412
Specnlam peccatoris. Siehe Scripta tbeologorum.
Spiegel der menschlichen Behaltniss. Augsburg, Peter Berger, 1489 264
— der menschlichen Blödigkeit. Strassburg, Wendel Rihel, 1546 154
SplnA (Alphonsus de). Fortalicium fidel. Strassburg, Johann Mentelin, 1467. 97
Spreterns (Johannes). Von der wahren christlichen Kirche. Basel, Bartholo-
maeus Westheymer, 1548 831
Statuta Synodalia ecclesiae Babenbergensis. Bamberg, Johann Pfeyl, 1512. . 90
— Synodalia Eystettensia. Strassburg, Martin Schott, circa 1485. 122
— criminalia Mediolani. Mailand, Paulus de Suardis, 1482 821
— Provincialia antiqua et nova Moguntina. Strassburg, Job. Pryss, circa 14S2. 128
— der Stadt Lübeck. Lübeck, Johann Balhorn, 1586 484
Stella (Johannes). Vitae ducentorum & triginta summorum pontificum. Basel,
Jacob von Pfortzheim, 1507 816
Stoeflierns (Johannes). Eiusdem et Jacobi Pflaumen Almanach nova. Ulm,
Johann Reger, 1499 SSS
— Sach-Register. — 485
Seite
Stoefflearan (Johannes). Venedig, Peter Liechtenstein, 1507 809
— Variorum astrolabioruni compositio seu fabrica. Mainz, Peter Jordan, 153.5. 69
Stromer (Heinrich). Regiment wider die Pestilentz. Mainz, J. Schoeffer, 1.517 41
Ssidu Lexicon graecum. Mailand, Chalcondylas, Bissolus & Mangius, 1499. . 883
Smnnia de quatuor virtutibus cardinalibus. Paris, Ulrich Gering & G. Maynyal, 1480 381
Snrguit (Johannes Ulricus). Manuale confessorum. Mainz, Joh. Schoeffer, 1508. 41
Raso (Henricus). Das Buch des Vater A.manda8. Augsburg, Joh. Otmar, 1513. 267
J acitss (Cornelius). Opera. Venedig, Wendelin von Speyer, ca. 1470 285
deutsch. Maintz, Ivo Schoeffer, 1535 26
Taoler (Johann). Predigten. Augsburg, Johann Otmar, 1508 ^. 266
Terentlas. Formulae ex eiusdem Comoediis. Mainz, Ivo Schoeffer, 1537. . . 62
— Lex six com6dies. Paris, Robert Coulombel, 1583 416
TertallUnus. Opera. Basel, Johann Proben, 1528 220
Testameat. Siehe auch Luther.
TestMueBtiim novum. Genf, Kobertus Stephanus, ItiSl 404
TheolOf Ift Teutsch. Strassburg. Johann Knobloch, 1519 4S8
TheophjUctus. In'quatuor evangelia'enarrationes. Paris, Jean Louis Tiletan,li46. 408
Theramo (Jacobus de). Consolatio peccatorum sive Dialogus Belial. Augsburg,
Johannes Schüssler, 1472 245
deutsch. Bamberg, Albrecht ^.Pfister, circa 1462, Faosim 87
Strassburg, Heinrich Knoblochzer, 1481 119
Theuerdank. Nürnberg, Jobann Scbönsperger, 1517 M2
— Augsburg, Johann Schoensberger, 1619 261
Thokjdides. De hello Peloponnesiaco. Genf? Henricus Stephanus, 1564. . . 414
ThnreceBlls (Conr.). Tractatus de Cometis. Beromünster, Helyas de Louffon, 1472. 444
Tlbaldeo (Antonio). L'opere d'amore. Venedig, Nicolaus de Aristotele, 1534. 311
Torre]itiiiii8(Hermannus). Evangelia et epistolae. Coln,J.Gymnicus' Erben, 1544 190
— Elucidario poetico. Venedig, Nicolo Bevilatiua, 1.561 316
Tortelllus (Johannes). Commentarlorum Grammaticorum de Orthographia dic-
tionum e Graecis opus. Venedig, Johannes Tacuinus, 1495 306
Traetatuf de Turcis. Nürnberg, Conrad Zeninger, 1481 358
Trithemias (Joh.). De statu et ruina monastici ordinis. Mainz, Peter Fried berg,1493. 86
— Collatio de republica eccletiae. Mainz, Peter Friedberg, 1493 430
— De laude Scriptonim. Mainz, Petet Friedberg, 1494 430
— De laudibus Sanctae Annae. Mainz, Peter Friedberg, 14^)4 87
— De vanitate et miseria vitae humanae. Mainz, Peter Friedberg, 14?5. ... 38
— De proprietate monachorum. Mainz, Peter Friedberg, 1495. 38
— Catalogus illustrium virorum. Mainz, Peter Friedberg, 1495 88
— De operatione divini amoris. Mainz, Peter Friedberg, 1497 39
— De tripllci regione claustralium et spirituali exercitio Monachorum. Mainz,
Peter Friedberg, 1498 39
— Compendium sive Breviarium primi voluminis annalium. Mainz, Johann
Schoeffer, 1515 43
Ttzschimmer (Gabriel). Die Durchlauchtigste Zusammenkunft. Nürnberg,
Christian Sigmund Froberger, 1680 379
TarnebDR (Adrianus) Adversarorium, primus tomus. Paris, Gabriel Buon, 1564. 415
Turreeremata (Joh. de). Expositio super toto Psalterio. Mains, Pet Schoeffer, 1474. 29
Lübeck, Lucas Brandisj, circa 1474 419
Mainz, Peter Schoeffer, 1476 29
Strassburg, Martin Schott (?) 1482 121
Strassburg, Johann Grüninger, 1485 138
— Ikieditationes. Mainz, Johannes Numeister, 1479. 35
^86 — Sach-Register. —
Seite
TnrreereiiiatA« Quaestiunes evangelicorumitam de tempore quam de sanctis et flos
theologiae. • Basel, Eberhard Fromolt, 1481 212
— Tractatas de efficacia aquae benedictae. Nürnberg, Hans Stuchs, ca. 1510. 360
Typus ecclesiae prioiis, deutsch. Mainz, Ivo Schoeffer, 1540 63
UndergeriehtoordniiBg des Erzstiflts Meyntz. Mainz, Ivo SchoefiFer, 1534 . . 61
Mainz, Ivo 8choe£Fer, 1535 61
— des Erzstiffts Trier. Mainz, Ivo Schoeffer, 1587 62
Mainz, Ivo Schoeffer, 1539 68
Utlno (Leonardus de). Sermones quadragesimales. Cöln, Conrad von Hom-
burg, circa 1478 170
Venedig, Franz von Hailbronn & Nicolaus von Frankfurt, 1478 290
— Sermones aurei de sanctis. Augsburg, Kloster St. Ulrich & Afra, 1474. . . 248
ürbaoiis. Grammaticae institntiones graeoae. Basel, Valentin Ourio, 1530. . 225
Valerlftnns (Jo. Petrus). Pro sac^rdotum barbls. Paris. Andr^ Wechel, 1558. 410
Talerlns Maximus. Factomm dictorumque memorabilium llbri IX. Strassburg,
Johann Mentelin, circa 1469 98
Mainz, Peter Schoeffer, 1471 25
Venedig, Bonetus Locatellus & Octavianus Scotus, 1493 302
Venedig, Albertinus de Lisona, 1503 311
Mailand, Leonardus Vegius, 1513 324
deutsch. Strassburg, Jacob Cammerlander, l.Ml 154
Mainz, Ivo Schöffer, 1544 483
V«ll« (Laurentius). De libero arbitrio. Strassburg, Georg Huszner, circa 1478. 118
TerABtwortung Podagrae vor dem Richter. Mainz, Ivo Schoeffer, 1537. ... 62
Verlags* Verzeichnisse von Johann Mentelin in Strassburg 91
VerBehong leib, sei, ehr imnd gutt. Nürnberg, Georg Stuchs, 1489 354
Nürnberg, Wolfgang Huber, 1509 358
Vloomercatoi (Franciscus). In quatuor libros Aristotelis meteorologicorum
commentarii. Paris, Michel Vascosan, lf)56 402
VlBCentius Bellovacensis. Specnlum historiale. Strassburg, Johann Mentelin,
circa 1468 98
Strassburg, Johann Mentelin, 1473, datirte Ausgabe mit Firma 101
— Speculum naturale. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1470—1471 99
— Speculum doctrinale. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1472 100
— Speculum morale. Strassburg, Johann Mentelin, circa 1472 100
Vlo (Thomas de). Commentaria in primam partem Thomae Aquinatis summae
theologiae. Paris, Claude Chevallon & Gilles Gourmont, 1514 396
Viola sanctorum. Nürnberg, Peter Wagner, i486 353
Vlrgilini. Opera. Nürnberg, Anton Koberger, 1492 345
Strassburg, Johann Grüninger, 1502 142
^- Bucolica. Mailand, Johannes de Castelliono, 1523 323
— Bucolica, Georgica et Aeneis. Basel, Johannes Walder, 1534 229
Vltrorins. Deutsch. Nürnberg, Johann Petrejns, 1648 864
Vires (Ludovicus). Opuscula. Basel, Robert Winter, 1538 230
YoCftbiilariiis latino-teutonicus. Ulm, Ludwig Hohenwang, circa 1469 386
Eltvyl, Nioolaus Bechtermünze, 1472 15
Augsburg, Johann Keller, 1478 266
— gemma gemmarum. Strassburg, Johannes Pryss Jun., 1512 1S6
— juris ntriusque. Basel, Michael Wenszler, circa 1473 209
-*- poeticus sive Elucidarius carminum et bistoriarum. Coln, Praedicatores,
Com. de Zyrychzee circa 1489 179
— Sach-Register. — 487
Seite
VorAgilie(Jacobusde). Legendasanctonunaurea. Cöln, Conrad v. Humburg,1476. 171
Ulm, Conrad Dinckmut, 1488. 833
— Opus sermonum de sanctis. Augsburg, Hermann KEstlin, 1484 258
fValfart unser lieben Frauen. Augsburg, Hanns Schobscr, 1489 263
Warnniigy Wie die bäpst allwegen wider die Keyser gewesst. Strassburg, Jacob
Cammerlan der, circa 1542. . . . ' 154
VirMSer, ausgebrannte und destillirte. IStrassburg, Christian Egenolph, 1530. . 151
Weck (Antonius). Dresden^s Beschreibung und Chronik, tfürnberg, Christian
Sigismund Proberger, 1680 372
>?lcellos (Georgius). De Traditione apostolica et Ecclesiastica. Cöln, Johann
Quentel, 1549 189
— Chorus sanctorum omniuin. Cöln, Johann QuentePs Erben, 1554. . . . 191
— Homiliae Orthodoxae. Postill oder Predigbuch. Cöln, Joh. Gymnicus, 1539. 184
— Antwort wider der Lutherischen Theologen Hedenken gegen das Interim.
Cöln, Johann Quentel, 1549 189
IVllUchus (Jodocus). Erotematum dialeetices libri III. Strassburg, Crato
MyUus, 1540 155
Wimpheling (Jacobus). Elegantiarum medulla. Mainz, Peter Friedberg, 1493. 37
— Philippica. Strassburg, Martin Schott, 1498 133
— De Integritate libeUus. Strassburg, Johann Knobloch, 1605 145
— De fide meretricum in suos amatores. Mainz, Friedrich Hewmann, 1508. . .^5
Würfel-BSchleln, das. Augsburg, Johann Blaubirer, circa. 1482. Facsim. . . 257
Wyle (Nicolas Ton). Transzlation oder Tütschun gen. Strassburg, J.Pryss, 1510. 136
.«cLenoplioii. Cyropacdia; deutsch. Augsburg, Heinrich Steiner, 1540. . . .
275
iUAbftrellls (Franciscus de). Lectura super Clementinis. Venedig, Joh. Herbort
de Seigenstadt, 1481 298
Zeichen der falschen Gulden. Augsburg, Anna Kügerio, circa 1484 259
Zutphanift (Gerardusde). De spiritualibus ascensionibus, de vita et benefioiis
salvatoris Jesu Christi etc. Cöln, Heinrich Quentel circa 1484 175
Alphabetisches Register
der achtzehn ersten Dmckorte bis 1470 mit deiyenigen Typographen^
von welchen dieser Catalog Druckwerke enthält.
NB. Hier, wie auch bei dem darauffolgenden Register sind hänfig die ToniABien
als Stiebworte vorangesatact, weil augenscheinlich oder selbst nachweislich der andere
beigesetste Name nur den Geburtsort oder das HeimAthland des betreffenden
Typographen ausdrückt.
Augsburg, 1466.
. Seite 239—279, 439—442, 446. , .
Seite
Bämler, Johann 246 — 248
Berger, Peter 263—264
Blaubirer, Johannes 256—257
Druckerei des Klosters St. Ulrich &
Afra 248—251
Froscbauer, Johann 864 — 265
Grimm, Sigmund, Dr 269—270
— Sc Marx Wirsung 268—269
Heyny, Christmann 245 — 246
Kästlein, Hermann 257—258
Keller, Johannes 2.')6
Manger, Michael . . « 276—277
Miller, Johannes 271—272
Nadler, Georg 268
Oeglin, Erhard 266
Otm^r, Johann 266 — 268
— Sylvan 270—271
Praetorius, Johannes 277
Ramminger, Melchior 272
Ratdolt, Erhard 261—862
Ruff, Simprecht 278—273
Rfigerio, Anna 858—259
Schobsar, Hanns 863
Schonsperger, Johann
259—261, 347—848, 445
Schuessler, Johannes 844—245
Sorg, Anton 261-255, 448
Seite
Steiner, Heinrich 273-275
UHiard, PhiUpp 276
Weissenhom, Alexander 875
Wiener, Johann de Wienna .... 855
Zainer, Günther ...... 239—244, 441
Zeissenmayer, Lucas 265—266
Bamberg, 1454.
Seite 77— 9a 484—435.
Pfeyl, Johannes 89— 90
Pfister, Albrecht . . . 77-88, 484— 4S5
Sensenschmid, Johann 88
— & Heinrich Petcensteiner . 88 — 81^
Basel, um 1464.
Seite 205-238, 489—441.
Amerbach, Johann von 213 — 214, 441
Bebel, Johannes 286-887
Bergmann, Johannes, von Olpe . . 881
Brylinger, Nicolaus, <&Bartbolomaeus
Calybaeus 881
Cratander, Andreas 288— 8S4
Curio, Valentin ' S8S
Proben, Hieronymus, & Nicolaus
Episcopius 887
— Johannes 819 — ^890
Fromolt, Eberhard . . . 212—218, 441
Furter, Michael 217—819
Gengenbach, Pamphilus
Guarinus, Thomas'
— Alphabetisches Register. —
489
Seite
Henric-Petri, Sebaetian .... 235—236
Herwagen, Johannes 228
der Sohn 234
Jacob von Pfortzheun 216—217
Johannes de Besiken 214
IsengTin, Michael 229
Kesler, Nicolaus 214—216, 441
Lamparter, Nicolaus 221—222
Mansch, Josias 236
Oporinus, Johannes 282—238
Parcus, Jacobus 234
Petri, Adam, von Langendorff . . . 222
— Heinrich 225—226
Platter, Thomas 230—231
Richel, Bernhard . . 211—212, 489—441
Ruppel, Berthold . . 205—207, 489—441
Walder, Johannes 229—230
Wensler, Wolfgang 207-211
Westheymer, Bartholomaeus .... 231
Winter, Robert 230
Wolf, Thomas 224—225
Beromünster, 1470.
Seite 377—879, 444—445.
Helyas Helye de Lou£fen
877—879, 444—445
Cöln, 1464.
Seite 161-195, 438—439.
Alopecius, Hero 187
Bartholomaeus de Unckel . . 173, 439
Baumgart, Hermann, de Ketwich
180-181
Bergmann, Peter, von Olpe 170
Birckmann, Frans 188
— Amold^s Erben 192
Caesar, Conrad 186
Chollnus, Matemus 193
Cornelius de Zyrychzee . . . 179 — 180
Qotefridns Kempensis 193
Goetz; Nicolaus, von Schlettstadt
171—173
Qraphaeus, Nicolaus 192
Guldenschaff, Johann, von Mainz
173—174
Gymnicus, Johann 184
Erben 190
Heinrich von Neuss 183
Hirtzhom, Eucharius 184—185
Homburg, Conrad von, s. Winter.
Horst, Peter 194
Jobannes Novesianua 190
Koelhoff, Johann 167—169, 439
Seite
Mameranus, Henrlcus, Sc lleoricns
Artopaens 190
Martin von Werden 182-183
Melchior von Neus 189
Mylius, Arnold 192—193
Prael. Hans 188
Quentel, Elisabeth, Witwe . . 185—186
— Heinrich 174-178
Kinder 182
— Johann 189
Erben 191
— Peter 187
Renchen, Ludovicus 178 — 179
Betro Minores ISl— 182
Soter, alias Heil, Johannes 186
Therhoernen, Arnold 164 — 167
Veldener, Johann 438
Winter, Conrad, von Homburg 170—171
Zell, Ulrich, von Hanau . . . 161—164
Eltville bei Mainz,
um 1465.
Seite 14—16.
Bechtermünze, Micolaus 15 — 16
Gutenberg, Johann 14 — 15
Foligno, 1470.
Seite 375—377.
Neumeister, Johann, von Mainz 875 — 377
Lübeck, um 1470.
Seite 418-425.
Arndes, Steffen 420—422
Balhorn. Johann 423—424
Brandis, Lucas 419—420
Dietz, Ludwig 424—425
Richolff, Georg 422—423
Mailand, 1469.
Seite 318—325.
Chalcondylus, Demetrius, Johannes
Bissolus & Benedictus Mangius 828
Dominicus de Vespolate & Jacobus
de Marliano 320
Honate, Johannes Antonius de . . 822
Johannes de Castilliono 328
Lavagna, Philippe de 818
Minutianus, Alezander .... 380—891
Paulus de Suardis 821
Scincenzeler, Ulrich 322
Sc Leonhard Pachel . . 821—828
Valdarfer, Christoph, von Regens-
burg 819-820
490
— Alphabetisches Register. —
Seite
Vegius, Leonardus 322—888
Zarotus, Antonins 318—819
Mainz, 1450.
Seite 11-72, 426—434.
Albin, Johann 70— 71
Auerbach, Matthes 57 — 58
Behem, Franz 69—70, 432
Friedberg, Peter 86—89, 430
Fu.st, Johannes 28
& Peter SchöflFer 16—22, 426—427
Guteuberg, Joh. & Johannes Fust 11 — 14
llemnann, Friedrich 55 — 76
Jordan, Peter 67— 69
Kiichler, Christoph 71— 72
Meydenbach, Jacob . 85—86, 429—430
Neumeister, Jobannes . . 85, 427 — 428
Rewich, Erhard . . . 32—33, 427—429
SchöflFer, Johann . . . 39—54, 430—431
— Ivo 58—66, 482—484
sei. Erben 67
— Peter (Vater) . . . 23-34, 487—429
(Sohn) 54— 55
Wagner, Georg 67
Marienthal, 1468.
Seite 280—283.
Klosterdruckerei der Brüder vom
gemeinsamen Leben. . . . 280 — 283
Nürnberg, 1470.
Seite 387—371.
Creussner, Friedrich 349 — 851
Druckerei des Augustiner Klosters 352
Endter, Christoph & Paul 370
— Johann Andreas 371
Sohne 371
— Michael & Johann Friedrich. . 370
— Wolfgang Moritz 370-871
Geissler, Valentin 869
Gerlachin, Katharine Erben .... 869
Gntknecht, Friedrich 368
— Jobst 861
Hamsing. Hermann 368
Herrgot, Hans 365
Herrgotin, Kunignnde .... 36d — 866
Heussler, Leonhard 869
Heyn, Gabriel 367
Hochfeder, Caspar 356
Höltzel, Hieronymus 357
Haber, Wolfgang 358—859
Koberger, Anton 389—347
Seit«
Mayr, Hans 356
Meldeman, Nielas 866—867
Merckel, Georg 368
Petrejus, Johann 864—365
Peypus, Friedrich 359—860
Regiomontanus, Johannes 389
Schenck, Georg 858
Schönsperger, Hans, von Augsbui^
361—864
Sensenschmidt, Johann, & Andreas
Frisner 348—349
— & Heinrich Kefer 337—338
Stuchs, Georg 354—356
_ Hans 360—861
Tunkel, Simon 367
Wagner, Peter 353—354
Weyssenburger, Jobann . . . 357 — 858
Zeninger, Conrad 352 — 358
Paris, 1470.
Seite 380—417.
Radius, Conrad, & Jean Roigny 405—406
— Jodocus, Ascensius .... 386 — 387
Barbier, Jean 395
Birckmann, Arnold, & J aques Dupuys 409
Buon, Gabriel 415
Caesaris, Peter, & Johann Stoll. . 881
Chaudiere, Regnault 400
Chevallon, Claude 398—899
— Gervais 406
Colinaeus, siehe Colines.
Colines, Simon de 401-402
Coulombel, Robert 416—417
Etienne, Henri (I) 889—890
— Henri (II) 418—414
~ Robert 404—403
Fremy, Claude 414 — 415
Galterus, Petrus 408
Garde de la, Jean 400
Goudoul, Pierre 308
Qazellus, Jacobus 407
Gering, Ulrich, Martin Crantz A
Michael Friburger 880—881
— Ulrich, & George Maynyal ... 381
Gerlier, Durand 884
Gourmont, Gilles & Claude Che-
vallon 896—397
— Robert 89S— 398
Guillard, Carola . . . . • 407
Higmann, Johann, & Wolfgang
Hopyl 382—888
Juvenis, Martinus 416
Kerver, Thielman S90— 391
— Alphabetisches Register. —
491
Seite
Lambert, Jean 395
Levet, Pierre 884
Marchant, Guido 888
— Jean , . • 395
Marnef de, Engelbert, Jean & Pierre
Viart 894
— Geoffroy & Engelbert . . . 885—886
Mercator, siehe Marchant.
Mittelhus, Georg 884
Morel, Guillaume 408—409
JNivelUus, Sebastian 416
Parvus, siehe Petit.
Perier, Charles 412
Petit, Audoin 418
— Jean 887—888
& Josse Bade 888—389
Pigouehet, Philippe 888
Porta de, Maurice 408
Pouchin, Jacques 399
Preux le, Ponce 892
Probus, siehe Preux.
Puteanus, Jacobus 414
Kegnault, Fran^ois, & Jean de la
Porte 893—394
Remboldt. Berthold & Johann
Waterloes 896—397
Richard, Thomas 412—418
Roce, Denis 886
Rouge, Le, Guillaume 899
Rovillius, Philippus Galterus ... 415
Rubens, siehe Rouge.
Savetier, Nicolas 408—404
Stephanns, siehe Etienne.
Tiletan, Jean Louis 408
Tumebe, Adrien 410—412
Vascason, Michel 402
Verard, Antoine, le Jeune & Guillaume
Enstace 397—398
Vidove, Pierre 400—401
Wechel, Andreas 410
— Christian & Matburin Dupuys 405
Wolff, Nicolaus 893
Rom, 1467.
Seite 197—202, 489.
Congregation der Propaganda . . . 202
Druckerei, Päpstliche 201—202
Gallus de Yienna, siehe llan.
Han, Ulrich 199—200
& Simon Nicolas de Lucca. 439
Lauer, Geor» 200—201
Silber alias Frank, Eucharius ... 201
Sweynheim & Pannartz .... 197—199
Strassburg, 1458.
Seite 91—157, 435—488. ^^^^
Apiarius, Matthias 152
Attendorn, Peter 144—145
Beck, Balthasar 151—152
Cammerlander, Jacob 154
Cephalaeus, siehe Köpffei.
Egenolph, Christian 151
Eggestein, Heinrich 102—110
PUch, Martin .... 113—118, 485-487
Grüninger alias Reinhardt, Johann
187—143. 437
Herwagen, Johann 180
Hüpfiiff, Matthias 147—148
Huszner, Georg 118
& Johann Beckenhub . 110, 485
Jobin, Bernhard 156—157
Knobloch, Johann. . . . 145 — 147, 438
Knoblochzer, Heinrich 119
Kopffei, Wolff 150—151
Mentelin, Johann 91—102
Messerschmidt, Paul 155
Mylius, Crato 155
Pistoris & Reinhardt 144
Pryss, Johann, zum Thiergarten
128-136, 4:^7-438
Rihel, Theodosins 155
— Wendel 152—154
Rusch, Adolph 119—120
Schott, Johann 148
— Martin . 121—128
Schiirer, Matthias 149
Scotus, siehe Schott.
Simus, siehe Flach.
W., C 110-118
Subiaco, 1464.
Seite 196—197.
Sweynheim, Conrad, & Arnold
Pannartz 196—197
Ulm, um 1469
Seite 825—356. 444.
Dinckmut, Conrad
Grüner, Johann
Hohenwang, Ludwig
Holl, Lienhard
Reger, Johann
Schaeffler, Johann
Varnier, Hans
Zainer, Johann 328—
832—883
334-835
825-328
830—832
833—334
. . 834
. . 335
330, 444
492
— Alphabetisches Register. —
Venedig, 1469.
Seite «84—317, 412-444. ^^^
Aldus, ÜADUÜus 307—308
Aldi iuteredes & Andreas Turre-
sanus de Asula 312—313
Andreas Jacobas Catbarensis 292—293
Arrivabenns, Georgias .... 802—303
Benalius, Bemardinus 300
Bernardinus de Tridino ex Monte-
ferrato 299
— Venetus de Vitalibus . . . 294—295
Bevilaqua, Nicolaus 316
— Simon Papiensis 301— 3 2
Bindoni, Francesco, & Mapheo PasiDi 313
Blavis de, Thomas 2;>3— 294
Bomberg, Daniel 312
Cereto de, Johannes, de Tridino
alias Tacainus 30Ö— .S06
Choris de, Bernardus, de Cremona
& Simon de Luere 403
Drucker, anonymer 316
— unbekannter 311—312
Kontana, Benedictun 308—809
(«ardano, Antonio 317
Oherardo, Paulus 816
Giolito, Gabriel, de Ferrara .... 315
(iiunta de, Lucas Antonius. . 308—304
Grassis de, Gabriel, de Papia ... 801
llerbort, Johannes, de Seigenstadt
297— 29S, 443—443
Jenson, Nicolaus 287—288
Johann von Speier 284
Johanne« de Colonia 289
— * Nicolans Jenson 297
& Johannes Herbort de Seigen-
stadt 297
— & Johannes Manthen de Gheretsem
289-290
Isoardis, siehe Soartis de.
Levilapis, siehe Liechtenstein.
Liechtenstein, Hermann . . . 209— 2M
— Peter 809—310
Lisona de, Albertinus, Vercellensis 811
Locatellus Bonetus 448—444
Seite
Loslein, Peter von Langenzenn . . 292
Lucas Venetus 413 — 444
Luna de, Ottiuas Papiensis .... 309
Manutius, Paulus 314
Nicolaus de Aristotele 311
Nicolaus de Ferrariis de Pralormis 305
Paganinus de Paganinis Brixiunsis 301
Paltaslehis de, Andreas Catarensis
& Boninus de Boninis 442
Pasqualibus de, Bernardinus, de
Bononia 299
Pencius, Jaeobus, de Lencho. . . . 309
Philipp Petri Condam «M
Pincius, Philippus Mantuanus . . . 304
Quarengiis de, Petrus Johannes,
Bergomensis 306—307
— de Palazago & Johanne.s Maria
de Monteferrato 305
Kagazonibus de, Theodorus, de
Asula 803, 443
Katdolt, Erhart, von Augsburg 231—292
Raynaldus de Novimaglo 293
Renner, Franciscus von Heilbronn,
& Nicolaus von Frankfurt 290—291
Rusconibus de, Johannes Francis-
cus, & Johannes Antonius ... 313
Sabio de, Nicolaus Nicolini .... 34
Sabis de, siehe- Bevilaqua.
Santritter, Johanoes Lucilius von
Heilbronn & Franz Theodor von
Würzburg 295
Saracenus, Marinus 894
Schöffer, Peter, Jun., von Mainz 814— 315
Scotus, Octavianus 295, 443
— & Bonetus Locatellus 302
Sessa, Melchior 31t
Soardis de, Lazarus 305
Sociis de, Andreas, Parmensis . . . 900
Strata de, Antonius, de Cremona 296, 443
Torresanus, Andreas, de Asula . . 296
Tortis de, Baptista 298
Yaldarfer, Christoph, von Kegens-
burg 288-889
Wendelin von Speier 285—287
Zanis de, Bartholomaeus 302
Alphabetisches Verzeichniss
der sämmtliclien in diesem Cataloge erwähnten Drucker mit Angabe
der Orte und der Zeit, in welcher sie thätig waren.
NB. Die mit * bezeichneten OruciLer sind diejenigen, von welchen im Cataloge keine
Dmcke angegeben, sondern die nur in den Bemerkungen aufgeführt und von denen
einige auch nur Verleger sind, welche mit ihrer Firma drucken Hessen.
Seit«
AlbiB, Johann, Mains (1594- 1622) 70—71
*A11iiii*«, Johann, Erben, Mains (1628-1631) 79
^llbreeht, Jobann, Strassburg (von 15S8 ab) 167
& Wendel Rihel, Strassburg (1538) 158
Aldi ffÜl, siehe Manutlus, Paulus.
— haeredet & Andreas Torresanus de Asola, Venedig (1515—1529) . . S12— SIS
Aldns Manuüus Romanus, Venedig (1496—1515) 307—808
Alopedu, Hero, Cöln (1580—1588) 187
Amerbacli, Jobann von, Basel (1478-1518) 818—214, 441
AndrMS Jacobns Catharensis, Venedig (1476—1477) 298—898
Aplarins, Matthias, Strassburg (1536) 158
AprOBlanaf, Johannes, siehe Schöffer, Peter (Sohn) etc.
*Ariotiis de Trino, Rom (1521) 808
Arndes, Steffev, Lübeck (1487—1519) 480-488
«Arnoldos de Villa, Rom (1474) 803
•Amt von AJch, Cöln (1614—1519) 194
ArriTAbenns, Georgius, Venedig (1486—1515) 308
Artopievs, Henricus, siehe Mameranus etc.
Attendorn, Peter, Strassburg (1489) 144—145
Auerbach, Matthes, von Aschaffenburg in Mainz (1529—1580) 57—58
*ATlgador, Isaac, Jom Tov und Jacobus, Rom (1618) 808
•Ayrer, Marx, Nürnberg (um 1487—1488) 878
Jlade, Josse, siehe Radius.
BadioB, Conrad, Paris (1586—1649) 405—406
& Jean Boigny, Paris (1548) 406
— Jodocns, Ascensius, Paris (1495—1536) [Siehe auch Petit, Jean etc.] 386—887
Baldarfer, siehe Valdarfer.
Balbom, Johann, Lübeck (1581-1599) 428—484
Bimler, Johann, Augsburg (1478—1495) 246—248
*Barbatiis, Angelus, Rom (1580) 808
Barbier, Jean, Paris (1505— 1514) 8fc5
^q^ — Alphabetisches Verzeichniss. —
* Seite
*Bartholoiiiiieiis, Gregorius, Basel (1509) 8S7
— Justinopolitanus, siehe Bissolus etc.
— de Unckel Cöln (1476-1488) 178, 489
BarnngArt, Hennann, de Ketwich. Cöln (149&— 1509) 180—181
Bebel, Johannes, Basel (von 1528 ab) [Siehe auch Cratander etc.] . . . 816—227
Beohtermfinze, Nicolaus» Eltville (1472) 15
B«ek, Balthasar, Stragsburg (am 1!V80) 151—152
•— Renatns, Strassburg (um 1511—1526) 157
Beekcnhab, Johann, siehe Huszner etc.
Behem, Franz, Mainz (1540—1558) 69—70, 482
BenailvH, Bemardinus, Venedig (1484—1584) 800
*B«i»Ilii, Jobannes, de Argentina, Rom (1512) 206
B«rgcr, Peter, Augsburg (1488— li89) 26»-264
BergmABB, Johannes, von Olpe, Basel (1494—1499) 221
— Peter, von Olpe, Cöln (1470—1477) 170
Bemardfnns de Tridino ex Monteferrato, Venedig (1488—1495) 299
*— Venetus de Vitalibus, Rom (1508) 208
Venedig (1480-1586) 294—295
B^Tilaqaa, Nicolaus, Venedig (um 1561) 816
— Simon, Papiensis, Venedfg (1485—1500) 801
Biet, Friedrich, siehe Wenszier etc.
BiiMl«Dl, Francesco & Mapheo Pasini, Venedig (1524—1548) 318
Blrckmann, Arnold & Jaccjues Dnpnys, Paris (1850) 409
Erben, Cöln (um 1550 bis 15&5) 192
— Franz, Cöln (1518—1529) 18S
*BlsRoln8 , Johannes , Benedictus M angius , Bartholomaeus Justinopolitanus
^ Gabriel BrasicheUensis , Venedig (1498^ [Siehe auch Chalcondylus etc.] 823
*BUdlf, Antonius, de Asula, Rom (1520—1586) 203
BUablrer, Johannes, Augsburg (um 1481) 256—257
BUtIs de, Thomas, aus Alexandria, Venedig (1477—1491) 293—294
Boourdns, siehe Bonchard.
Boccard* siehe Bouchard.
Boignj, Jean, siehe Badius, Conrad etc.
Bomber?, Daniel, Venedig (1515—1550) 312
Bonngart, siehe Baumgart.
Bonions de Boninis, siehe Paltasichis etc.
Bonchard, Andre, Paris (1494-1590) 386
BnndlSy Lucas, Lübeck (1474—1499 419—420
*BraBt, Matthias, Strassburg (um l.SOO) 157
"BremM*, alias Bulle, Johannes, Rom (1478—1479) 203
Briese, siehe Pryss.
Brüder, die, vom gemeinsamen Leben, Marienthal (1468 — 1507) .... 280—283
Brylinger, Nicolaus, Basel (von 1537 ab) 231
& Bartholomaeus Calybaeus, Basel (von 1587 ab) 231
*BiieUBg, siehe Pannartz.
*BnlJe, siehe Bremer.
BOBgBert, siehe Baumgart
BnOB, Gabriel, Paris (1564) 415
Borger, Conrad, Cöln (1518) 194
v/mlenhM, Gervinus, siehe Johann Quenters Srben A Gervinus Caleniua.
*CalIergn8, Stephanns, Rom (151!^— 1523). 203
*Cb1th8, Franciscus Minitins, Rom (1524—1581) 903
— Alphabetisches Verzeichniss. — 40^
Seite
Galybaeus, Bartholomaeus, siehe Brylinger etc.
Cammerlander, Jacob, Strassbnrg (nm 1582 — um 1542) IH
Caesar, Conrad, Coln (1519—1528) 186
• — Nicolaus, Cöln (1518) 194
Caeraria, Petrus A Johann Stoll, Paris (1473—1479) 381
Caphalaeas, siehe Köpffei.
Careto de, Johannes da Tridino alias Tacuinus, Venedig (1492—1536) . 805-306
Cerrleoraus, siehe Hirtzhorn.
*ChBim ben David, Augsburg (1534—1536) 277
Cbaleoadjlos, Demetrius, Johannes Bissolus & Benedictus Kangius, Mailand (1499) 328
Chaodiere, Regnanlt, Paris (1515—1534) 400
dteralloii, Claude, Paris (1511—1540) [Siehe auch Gourmont, Qilles etc.] 398—899
— Gervais, Paris (um 1539) 406
ChoUnns, Matemus, Cöln (um 1660— um 1586 [?]) 193
Choris de, Bernardinus, de Cremona A Simon de Luere, Venedig (um 1491) . 303
Chrlstophonis Katisponensis, siehe Valdarfcr.
«Ciiiiai, Augustinus. Rom (1515) 203
CoUnea de, Simon, Paris 401--402
«CoUotias, Angelus, Rom (1517) 203
COBgreg'ation der Propaganda, Rom (um 1630) 202
*Conrado8 de Bopardia, Cöln (1486) 194
Cornelios von Zyrychzee, Cöln (1489—1517) 179—180
€oiilonibel, Robert, Paris (um 1588) 416—417
Cranta, Martin, siehe Gering etc.
Cratander, Andreas, Basel (1518—1536) 223—224
— & Johannes Bebel, Basel (1583) 227
Creaaitner, Friedrich, Nürnberg (1472-1479) 849—851
Carlo, Valentin, Basel (1521—1535) 225
Cnrrifex, siehe Wagner, Peter, Nürnberg.
Cialner, siehe Zaincr.
Caeiner, siehe Zainer.
Caejrner, siehe Zainer.
Dienecker, Jobst, Augsburg (1522) 277
Oleta, Ludwig, Lübek (1534) 424—425
Dinckmut, Conrad, Ulm (um 1475 und 1482—1496) 7, 332-333
Oomlniena de Vespolate & Jacobus de Marliano, Mailand (1477—1478) . . ■ 320
Dorstlns« Johannes, Cöln (1532) 194
Dracker, anonymer, Venedig (1554) 316
— unbekannter, Venedig (um 1615) 311 — 312
Drackerei des Augustiner Klosters, Nürnberg (1479 — 1491) 852
— der Brüder vom gemeinsamen Leben, siehe Brüder etc.
— des Klosters St. Ulrich und Afra, Augsburg (1472—1516?) .... 248—251
— Päpstliche, Rom (um 1620) .... - 201—202
*ODCaa, Demetrius, Rom (1526) 203
Dapajra, Jacques, siehe Birckmann, Arnold etc.
— Mathnrin, Paris (um 1.550). [Siehe auch Weehel, Christian etc.] .... 405
*D70ii, Adam, Nürnberg (1509—1515) 373
Egenolph, Christian, Strassburg (1529—1530) 151
Eggesteln, Heinrich. Strassburg (1464—1478) 102—110
*fi]clilnger, Matthaeus, Ausgburg (ohne Jahr) 377
Ellas Elie de Louffen, siehe Helyas Helle de Ijouffen.
iq6 — Alphabetisches Verzcichniss. —
Seite
Ehumii, siehe Paber. Johannett.
*EmMr, Hieron ymu8, Ifaios (16ft7) 78
Endtcr, Christoph A Paul, Nfirnberg (am 1660) 370
— .lohann Andreas, Nürnberg (1755) 371
86hne, Nürnberg (um 1690) 371
— Michael & Johann Friedrieh, Nürnberg (am 1668) 370
— Wolfgang Mori«, Nürnberg (um 1690) 370—371
EpiMoplnSj Nicolaos, siehe Proben, Hieronjmus etc.
Btlcane (I), Henri, Paris (1496—1580) 389—880
— (II), Henri, Paris (Genf) (1557—1698) 413—414
— Robert, Paria (1586—1»«) 404—406
• Genf (1552-1659) 404
EttSÜiCf, Guillaume, siehe Vorard, le Jeune etc.
*FalMr, Johannes, Emmeus, Basel (1586—1589) 837
• Fireiburg (von 1630 ab) 287
FerrMÜS de, siehe Nicolans de Ferrariis.
Flach, Martin, Strassbnrg (1475—1501) 113—118, 485—487
F^ntona, Benedietas, Venedig (1495—1506) 808—300
ForMtler» Jacques, aiehe Petit, Jean etc.
'FranccMO da Udine, Rom (s. a.) 203
Frank, siehe Silber.
Frans Theodor Ton Worsbarg, aiehe Santritter etc.
Frcny, Claude, Pari« (um 1668) 414—415
Frlborger, Michael, siehe Gering etc.
Friedberg, Peter, Mains (1498—1498) 86—89, 480
Frisner, Andreas, siehe Sensenschmid etc.
«Fritag, Andreas, Gaeta (1487) 803
• Rom (1492—1496) , 208
Froben, Hieronymae, & Nicolans Episcopias, Basel (1531 — 1561) 887
— Johann, Basel (1491—1527). [Siehe auch Petri, Johannes.] ^ . . . 219—280
Froberger, Sigiamand, Nürnberg (um 1680) 878
Fromalt, Eberhard, Basel (1481) 218—213, 441
FrotCbaner, Johann, Augsburg (1494—1619) 264—265
Fiehi, siehe Alopecius.
Furter, Michael, Basel (1490—1517). [Siehe auch Schott, Johann etc.] . 217—219
Fast, Johannes, Mainz (14C6) ' 83
— A Peter SehÖffer, Mainz (1456—1466) 16—22, 426
vi'abriel Brasichellensis, siehe Bissolus etc.
Dallas de Yienna, siehe Han.
•— Wolfgang, Rom (1476) 203
Cialterafl, Petrus, Paris (1545) 408
Ctardano, Antonio, Venedig (um 1568) 817
Garde de la, Jean, Paris (1514—1518) 400
Gaodont, Pierre, Paris (1510—1534) 398
Gazellas, Jacobus, Paris (um 1544) 407
Geissler, Valentin, Nürnberg (um 1564) 369
*Gemnsaea8, Polycarpus, Basel (um 1560—1572) - . . 837
Gengenbaeh, Pamphilus, Basel (1509—1528) 228
*6enBberg, Johannes, Rom (1473—1474) 808
Gering, Ulrich A George Maynyal, Paris (1480) 381
, Martin Crantz & Michael Friburger, Paris (1470-1477) .... 380—881
— Alphabetisches Verzeichniss. — 4Q7
Seite
derlaefcln, Katharine Erben, Nürnberg (159,4) 399
Gerller, Durand, Paris (1489—1520) 884
SherardOy Panlns, Venedig (um 1557) 81 <S
GioUto, Gabriel, de Ferrara, Venedig (um 1549) 815
«Ünnt« de, Lucas Antonius, Venedig (1489—1586) 808—804
Clldtsch, Bartholomaeue, siehe Sachsel etc.
Ootefirldas Kevpensis, Cöln (um 1577—1579) 198
Qoetz, Nicolaus, Ton Schlettstadt, Cöln (1474—1478) . . . • 171—178
*Ootx, Paul, Strassbnrg (um 1514) 158
OmtmiOiit, Gilles & Claude Cherallon, Paris (1507-1583) 396
— Robert, Paris (1498—1518) 398—398
tiraphaeii, Nicolaus, Cöln (um 1566) 192
erMflii de, Gabriel, de Papia, Venedig (1485—1486) 301
*Greff, Hieronymns. Straseburg (um 150^) 153
Gregorils de, Johannes & Gregorins, de Forlivio, Venedig (1480-^1516) . . 296
Grimm, Sigmund Dr., Augsburg (1522—1524) 269—270
& Marx Wirsung, Augsburg (1512—1522) 268—269
Grfiner, Johann, Ulm (1522—1582) 384—385
Orininger, Johannes, Strassbui^ (1483—1528) 187—143, 437
*6rupp«nbaeh, Oswald, Ton Tübingen, Ulm (1563—1569) 336
Gaarlnas, Thomas, Basel (von 1564 ab) 235
*G«itoretU Stephanns, de Lotharingia, Rom (1506—1524). [Siehe auch Nanio etc.] 208
GnilJard, Carola, Paris (um 1U!>) 407
*Gtt{tii€liaiff, Hermann, Cöln (1512) 194
'Gnldenmund, Johann, Nürnberg (1526—1586) 873
Galdensohafr, Johann, Ton Mainz. Cöln (1477—1487) 173—174
*Galdinberk, Bartholomaeus, de Sultz, Rom (1475—1481) 208
GntOBberg in Eltville (um 1465) 14—16
Gvtenberg A Pust, Mainz (1450—145^) 11—14
Gatknerht, Friedrich, Nürnberg (1.^54) 368
— Jobst, Nürnberg (1514—1525) 361
GjrmDirns, Johannes, Cöln (1516 — um 1540) 184
Erben, Cöln (um 1540) 190
llamsing, Hermann, Nürnberg (1558) 368
Hau, Ulrich, Rom (1467—1478) 199—300
& Simon Nicolas de Lucca, Rom (1474) 439
*ilaiiheymer. Johannes Nicolaus, de Oppenheim & Johannes Schardner de Bo-
pardia, Rom (1474-147.^) 203
Heil, siehe Soter.
Heinrieli von Neus, Cöln (1509—1515) 183
•Helmann, Johann, Cöln (1505) 194
Helyas Helye de Louffen, Beromünster (1470—1475) .... 877—879, 444—445
Henrle- Peirt, Sebastian. Basel (1574—1627) Sfö— 23'»
*He]iriCU8 Novesiensis, Cöln (1517—1522) 194
Herbort, Johannes, de Seigenstadt, Venedig (1481 — 1485). [Siehe auch Johannes
de Colonia etc ] 297—298. 412— 44S
Hergott siehe Herrgot.
*Herolt, Georgias, de Bamberga, Rom (1481) 208
Herrgot, Hans, Nürnberg (um 1523—1527) 365
Herrgotln, Knnigund, Nürnberg (1527—1540) 865—366
UerragiiiS, siehe Herwagen.
32
498 — Alphabetisches Verzeichniss. —
Seite
Herwflf 60, JohannM, Strmssburg (151^— 15W) 150
BMel (16S1-15&5) 82S
(Sohn). Basel (1557—1564). [Siehe aoch Oporinns etc.] 2S4
ft Bernhard Brand, Basel (1567) 234
Utwaumm, Friedrieh, Mains (1508— ISO») 55—57
HMSll«r, Leonhard. Nömberg (om 1560—1590) 369
•H«yl, MieoUns, Hains (1649) 72
Htyo, Qabriel, NÖmbecg (um 1560) 867
HejBX, Christmann, Angsbnri; (1471—1481) 245—246
*HiebMr, Paul, Ton DUlingen, Ulm (1570—1578) 336
HifHftim, Johann, Paris (1484-1496) 3R8
& Wolligang Hopyl, Paris (um 1496—1498) . . . • 382-883
Hlrtah«ra, Eoeharius, Cöln (1517— 15S6) 184—185
Hoefcfedery Caspar, Nürnberg (1491—1498) 356
*Hoehtprlnff, Johann, Ulm (um 1488—1499) 838
Hofisr, Hans, Briefisialer in Angsbnrg (Ende d. 15. Jahrh.) 9
*Hofn»eher, Käthes. Ulm (um 1582—1536) . 336
HoheBwanff, Ludwig, Ulm (um 1469—1501) 325—328
HoU, Lienhard, Clm (1482-1484) 330-333
HSiUel, Hieronymus, von Traunstein, Nörnbei^ (1496—1525) 357
H^aburg, Conrad von, stehe Winter.
HoBAte de, Johannes Antonius, Mailand (1483—1489) 322
ItoPXlf Wol^ang, Paris (1489—1521). [Siehe auch Higmann etc.] 3R3
Bont, Peter, Cöln (um 1565 bis um 1592) 194
*Httber, Hieronymus, Nürnberg (um 1504) 873
— Woligang, Nürnberg (1505—1514) 358—359
*HiebMr, Ambrosius, Nürnberg (um ISOO— 1501) 873
Hlpfkir, Matthias, Strassburg (1499—1620) 147—148
Hiizner, Georg, Strassbsrg (1476—1498) 118
& Johann Beckenhub, Strassburg (1473) 110, 436
tiaeob von Pfortaheim, Basel (1488—1518) «16—217
JftCObttt de Marljano, siehe Dominicus etc.
jMMn, Nicolaus, Venedig (1470—1482). [8. auch Johannes de Colonia etc.]
287-283
JoblB, Bernhard, Strassburg (Ton 1578 ab) 156—157
JoUn'S, Bernhard sei. Erben, Strassburg (1597) I57
JohMin & Wendelin von Speyer, Venedig (1469—1470) 284
— Maria de Monteferrato, siehe Quarengiis etc.
JohanBes de Besicken oder Besickeio, Basel (1483) 314
• Rom (1484—1506) ^ .* . 203
• & Martinus de Amsterdam, Eom (um 1500) 208
* & Sigismundus Mayr de Marchfiim, Rom (1493—149.'?) 803
— de Castelliono, Mailand (1506—1523) 883
— de Colonia, Venedig (1471— 1487) -289
& Nicolaus Jenson, Venedig (148C— 1481) 297
— ' — * * Johannes Herbort de Seigenstadt (1481) 297
& Johannes Manthen de Gheretzem, Venedig (1473—1480) . . . 239—290
•— Reynardi de Eningen, Rom (1478—1476) 20S
* — Brphordianus, Augsburg (1519) 377
— Novesianus, Coln (um 1550) 190
Jordan, Peter, Mainz (1532—1536) 67-69 432
•'3rg Ulm (1493) '386
— Alphabetisches Vcrzeichniss. — aqq
Seite
•Jos Ulm (1484) 886
Isengrln, Michael, Basel (von 1531 ab) « . 889
IsoardlSj siehe Soardls de, Lazarus.
Jnnghangfl, Briefimaler in Nürnberg (1472) 9
Jorenis, Martinas, Paris (1582) 416
Kaitlip, Hermann, Augsburg (1481—1488) 257—858
Kefer Heinrich, siehe Sensenschmid etc.
KelieF, Johannes, Augsburg (1478) 256
Kempensls, siehe Gotefridus.
*KerBer, Conrad, Strassburg (um 1517) 168
Kerrer, Thitlmann, Paris (1497—1534) 390—898
Keiler, NicoUus, Basel (1486—1509) 214—216, 441
^Kejrser, Anton, Coln (1511) 194
KnOblitzer, siehe Knoblochzer.
KBObloch, Johann, Strassburg (1497—1528) * . . . . 145—146, 438
Knoblochzer, Heinrich, Strassburg (1477—1485) 119
Koberger (oder Koburger), Anton, Nürnberg (1472—1613) 339—847
Koelhoir, Johann, aus Lübeck, Coln (1470—1500) 167—169, 489
KopiTel, WolflF, Strassburg (von 1524 ab) 150—151
*Konmanii, Peter, Strassburg (um 1526) 158
KSobler, Christoph, Mainz (1666—1691) 71-78
^Knnnast, Jörg, Strassburg (um 1520) 158
*KyttIer, Bartholomaeus, Strassburg (um 1497—1506) 158
Lambert, Jean, Paris (1503—1513) 394—395
Lamparter, Nicolaus, Basel (1505—1519) 221—228
•Landen, Johannes, Coln (1490—1521) 194
Langendorff von, siehe Petri, Johannes und Petri, Adam.
Laner, Georg, Rom (1470—1481) 200'— 201
Lantitivg Perusinus, siehe Ludovicus, Yincentinus etc.
Laragna de, Philippo, Mailand (U69— 1489) 818
•Leenen, Paulus, Rom (1474—1476) 203
* Trevi (um 1470) 208
Leneho'de, siehe Pencius, Jacobus.
Leret, Pierre, Paris (1486—1499) 384
LeTÜapiii, siehe Liechtenstein.
Liechtenstein, Hermann, Venedig (1482—1497) 298—299
- Peter, Venedig (1497—1522) 309- 310
•Lfgnamine de, Joannes Philippus, Rom (1470—1481) 203
•Lippios, Balthasar, Mainz (um 1599) 72
LisODS de, Albertinus Vercellensis, Venedig (1501—1505) 311
Loeatellas,Bonetus, Venedig (1493). [Siehe auch Scotus,Octavianu8 etc.] 302, 443—444
Loslein, Peter, von Langenzenn, Venedig (1476-1483) 298
Lbors Venetus, Venedig (1482) 443—444
*Lodorieas degli Arrighi, Rom (1524) 803
♦— Vincentinus, Rom (1524—1527) 203
♦ & Lautitius Perusinus, Rom (1524—1525) 803
Lnna de, Ottinus Papiensis, Venedig (1496—1507) 309
Juameranns, Henricus & Henricus Artopaens, Coln (um 1550) 190
Maager, Michael, Augsburg (um 1575) 276—877
•Mangias, Benedictus, Reggio (1501). [S. auch Bissolus etc. und Cbaicondylus etc. 388
Manthen, Johannes, de Gheretzem, siehe Johannes de Colonia etc.
32*
CQO — Alphabetisches Verzeichniss. —
Seite
*HABii« Conrad. Blaubeuern (1475) 886
MuntlU, Paalus, Venedig (1540—1661) 814
Marclunt, QuJdo, Paris (1488—1500) 882
— Jean, Paris (1565—1511) 39&— 896
■•ntf, Bngelbert, & Jean & Pierre Viart, Paris (1500—1580) 894
— GeoflFroy & Bngelbert, Paris (1490— um 1540) 885—886
r Martin von Werden, Cöln (1504— 1516) 182-183
*Xart1iiliS de Amsterdam, Neapel (nm 1495). [Siehe auch Job. de Besieken etc.] 208
MmjnjMl^ George, siehe Gering ete.
IfAfr, Hans, Nämberg (um 1498) 356
— Sigitmimdns de Marehfam, siehe Johannes de Besicken etc
«■■sooklaff, Jacobus. Rom (1506—1524) 208
• Zürich (von 1525 ab) 203
MeleUor von Neus, CÖln (1580—1588) 189
Meldemmn, Niolas, Nürnberg (1581) 866—367
Meatelln, Johann, Strassburg (1458—1478) 91-102
Mereator, siehe Marchant.
Xerckel, Georg, Nürnberg (1558) 368
*M«resittt, Hermann, Mains (1624) 72
McSMnehnldt, Panl. Strassburg (1561) 155
■«XdenlNieh, Jacob, Mains (1491—1498) 35—36, 429—430
*Hejer, Johannes, Mainz (1698) 72
HlUer, Johannes, Augsburg (1514-1519) . 271-272
*Mfaiitl«fl, siehe Calvus.
Hlnvtianai» Alexander, Mailand (1478—1520) 320—321
Mittolhas, Georg, Paris (1484—1500) 884
Honteregl* de, siehe Regiomontanus.
Morel, Gulllanme, Paris (1547—1564) 408—409
*M*rhard, Ulrich, Strassburg (um 1519—1522) 158
HBdmIi, JosJas, Basel (157l) 236
MjrliM, Amoid, Cöin (1585—1605) 192—193
— Crato, Strassburg (um 154< ) 155
Nadlw, Georg, Augsburg (1508—1521) 268
*]!fanle, Hercules. & Stephanus Guilereti, Rom (1511—1514) 203
Neomeister, Johannes, von Mains, Foligno (1470 — 1472) 375 — 377
— Johannes, Mainz (1478—1479) 35. 427—429
Nieoian« de Aristotele. Venedig (1508— 1536) 811
— de Ferrariis de Pralormis, Venedig (1491—1492) 805
— von Frankfurt, siehe Renner etc.
Nicoliul, siehe Sabio de.
NIrellittS, Sebastian, Paris (1579) 416
NoresiftBUl, siehe Melchior von Neus und Johannes Noveslanus.
Ilameister) siehe Neumeister.
Nnssia de, siehe Heinrich von Neus.
Oeglin, Erhard, Augsburg (1505—1518) 266
Olpe von, siehe Bei^mann.
OpIUOy siehe Schö£Fer.
Oporinna, Johannes, Basel (1540—1568) 332—238
& Jobannes Her^iragen, Basel (1560) 234
*Otmar, Johann, ReutUngen (1479—1495) 266
* Tübingen (1496—1505) 266
— Alphabetisches Verzeichniss. — 501
Seite
(Hmar, Johann von Reaflingen, Augsburg (160S— 1514) 866—868
— Sylvan, Augsburg (1514—1580). 870—871
OttiBBt Papieosis, siebe Luna de.
1: aehd) Leonhard, siehe Scinxenseller etc.
PagaiüniiS de Paganinis Brixiensis, Venedig (1485—1518) 801
PaltMlehls de, Andreas, Catbarensis 9t, Boninns de Boninis, Venedig (1478) . 448
*Pauiarta, Arnold, Rom (1478—1478). [Siehe auch Sweyobeim etc.] .... 197
Psplenilfl, siehe Luna de.
Pareos, Jocobus, Basel (1552) 234
Parrns, Audoinus, siehe Petit, Audoin,
— Johannes, siehe Petit, Jean.
Pasfni, Mapheo, siehe Bindoai etc.
Pasqvallba« de, Peregrinus, de Bononia, Venedig (1482—1494) 299
Pavlat de Suardis, Midland (1480—1482) 321
Penclu, Jacobus, de Leneho, Venedig (1495—1528) 309
Perier, Charles, Paris (um 1555) 412
Peilt, Audoin, Paris (1557) . , 413
— Jean, Paris (1496—1586) 387—888
& Josse Bade, Paris (1507—1512) 888—889
& — & Jacques Porestier Paris (1507) 888
Petreju, Johann, Nürnberg (1524—1550) 864—365
Petrl, Adam, von Langendorff, Basel (1509—1528) 222
— Heinrich, Basel (1523—1579) 225—226
— Johannes, von Langendorff, Basel (1494 — 1514) 221
& Johannes flohen, Basel (1499) 221
Petras de la Turre, Rom (1490-1497) 208
Petzensteiner, Heinrich, siehe Sensenschmid etc.
*Pe]rpns, Friedrich. Nürnberg (1509—1535) 359—860
«Pfefferkorn, Johann, Cöln (1508) 194
Pfeyl, Johannes, Bamberg (1497—1512) 89—90
Pflster, Albrecht, Bamberg (um 1458—1462) 77—88, 434—435
*PllugeI, Leonhard, Rom (1472—1474) 208
Pforczen, siehe Johann von Pfortzheim.
Pfortzen, siehe Johann von Pfortzheim.
Philipp Petri Condam, Venedig (1478—1482) 294
Phorczen, siehe Johann von Pfortzheim.
Pigouchet, PhiUppe, Paris (1484—1512) 383
Pincing, Philippus, Mantuanus, Venedig (1490—1525) 304
*PirliD> Hans, Augsburg (1606) 277
«Plstophllu, Nicetas, Rom (1528) 203
Pittoril, Nicolaus, & Marcus Reinhard, Strassburg (um 1485) 144
«PJanek, Adam, Ulm (1486) .336
*— Stephanus, de Patavia, Rom (1479—1499) 203
Platter, Thomas, Basel (von 1586 ab) 280—281
Porta de, Maurice, Paris (1524 — um 1542) 403
Porte de la, Jean, Paris (1516—1520). [Siehe auch Regnault etc.] .... 898
*Potkenaar, Jobannes, Cöln (1518) 194
JPoeehlii, Jacques, Paris (1514) 399—400
Prael, Hans, Coln (1580—1583) • 188
Praetor fais, Johannes, Augsburg (gegen Ende des 16. Jahrh.) 277
Preax le, Ponce, Paris (1498—1583) 892
Prils, siehe Pryss.
K02 — Alphabetisches Verzeichniss. —
Seite
PriJMiiiS, siehe Pryss.
PMbas, siehe Preux le, Ponce.
PnM, siehe Pryss.
Pnu, siehe Ptjbb.
Pnu, siehe Pryss.
Prylu, siehe Pryss.
Pryse, siehe Pryss.
Prygs, Joh. sum Thiergiirt<^n (senior), Strassburg (nm 1482^1508) 123—136, 437—438
CJuniop), Strassburg (1508—1521) 136
«Pielier, Vitus, Rom (1476—1478) 203
Puillttt, siehe Petit, Jean.
Pateftimi, Jaeobus, Paris (1560) 414
Cjiuii^ongUt de,Piero de Zuanne oderPet.Joh.Bergomensi8,Yenedig(1492— 1516)306— 307
— Petr. JoIl, de Palazago&Joh. Maria de Monteferrato, Venedig (1492—1500) 305
*Qiieiitel, Arnold, Cöln (1504) 194
— Elisabeth, Witwe, Cöln (1518—1519) 185—186
— Heinrich, Cöln (1479—1502) 174—178
Kinder, Cöln (1502—1520) 18«
— Johann, Coln (um 1540 — um 1550) 189
Erben, Coln (um 1550 — um 1560) 191
& Gervinus Calenius, Cöln (um 1560—1670) 191
— Peter, Cöln, (1520 — um 1640) 137
Jlagazonlbiifl oder Rogazonibus de, Theodorus, de Asula, Venedig (1480—1500) 803, 443
Baouningery Melchior, Augsburg (1620—1523) S72
Batdolt, Erhard, Augsburg (1486—1616) 261—262
von Augsburg, Venedig (1476—1486) 291—292
BaynftldoB de Novimagio, Venedig (1477—1496) 893
Beger, Johann, Ulm (1486—1499) 333—334
BegiomontanttS, Johannes, Nürnberg (1471—1474) 339
Begnanlt, Fran^ois, Paris (1600—1535) 893
& Jean de \a, Porte, Paris (1517) 393
Belnhard, Marcus, siehe Pistoris etc.
Beinhardt, siehe Grüninger.
Bemboldt, Berthold de Johann Waterloes, Paris (1509—1519) 396—397
Beaehen, Ludwig, Cöln (1484—1501) 178—179
Beuier, Franc, vonHailbronn & Nicol. von Frankfurt, Venedig (1473— 1476) 290—891
Betro Minores, Cöln (1501—1504) 181—182
Bewicb, Erhard, Mainz (1486) 32—33, 427—428
Blcbard, Thomas, Paris (um 1656) 412—413
Biehel, Bernhard, Basel (1472—1482). [Siehe auch Rappel etc.] . . . 211-212
Bleholff, Georg, Lübeck (um 1495—1550) 422—423
Bibel, Theodosius, Strassburg (nm 1565—1600) 156
— Wendel, Strassburg (nm 1525—1556). [Siehe auch Albrecht etc.] . . 162—154
Boee, Denis, Paris (1490—1516) 885
Bodt Ton Hanau siehe Ruppel.
BogaEOnibns, siehe Ragazonibus.
Bolgny, Jean, Paris (1580 — um 1560) 406—406
*B<rt, Adam, Rom (1471—1474) 203
Boage le, Guillaume, Paris (1512—1517) 399
BorÜlins, Philippus Galterus, Paris (1561) 415
Rubens siehe Rouge, le, Guillaume.
— Alphabetisches Verzeichniss. — e03
Seite
Baff, SImpreoht, Augsburg (1524) 278— 27S
Bfigerin, Anna, Augsburg (1482-1484) 2&8— 269
Biipp«l, Berthold, Basel (um 1464—1478) 205—207
Sc Bernhard Riehel, Basel (um 146ar-1470) 439—441
Buch, Adolph, Strassburg (1478—1489) 119—120
Busconlbvs de, Johannes Franclscus & Johannes Antonius, Venedig (1 522 — 1524) 813
8abio de, Nicolaus NicoUni, Venedig (um 1534) S14
Siehe Berilaqua, Simon.
'Baehsel, Georgius, de Beicbenthal ä BarthoL Goltsch de Hohenbart, Rom (1474) 203
Saatrltter, Joh. Lqc, von Heilbronn & Franz Theodor von Würzburg (um 1480) 295
Saracenng, Marinus, Venedig (1478—1491) 294
Savetler, Nicolas, Paris (1625—1531) 403—404
*Sant«r, Ulrich, Ulm (1488-1499) 886
*ü»€luiffeneT (de Raperschwiler) Wilhelm, Strassburg (um 1500—1515). ... 158
Sehaeffler, Johann, Ulm (1493—1501) 884
«Sehaitter, Christoph, Augsburg (1498) 277
Scliapff, Jörg, Formschneider in Augsbui^ (um 1450) 6
Scbaoer, Johann, siehe Froschauer, Johann.
Schenck, Georg, Nürnberg (um 1502) 858
^Schenckberher, Theobaldus, Bom (1473) 208
*8ehlelfrr, Balthasar, Nürnberg (1501) ..^78
6Ghob«er, Hanns, Augsburg (1488—1493) 268
Scboffer, Johann, Mainz (1508—1581) 39—54, 480—481
— Ivo, Mainz (1531—1555) 58—66, 482—484
sei. Erben, Mainz (1556—1557) 67
— Peter (Vater), Mainz (1467—1502) 23-84, 426—428
(Sohn), Mainz (1507—152?) 64—55
* Strassburg (1532—1535) 158
* Sc Johannes Apronianus, Strassburg (1630 — 1531) 158
Venedig (um 1540) 314—815
*8ehoiier, Johann, Bamberg (um 1521) 373
* Nürnberg (1524) 373
Schoenspergcr, Johann. Augsburg (1481-1524) 259—261, 347—848
von Augsburg, Nürnberg (1517) 361—364
der Jüngere, Augsburg (von 1502 ab) ?6ö
^Sehonwetter, Johann Baptist, Mainz (1670) 72
«Sehott, Johann, Preiburg (um 1508—1504) 237
Strassburg (von 1500 ab) 148
• & Michael Purter, Basel (1508) 287
-— Martin, Strassburg (1481—1498) 121-123
«Schroetter, Johannes, Basel (1597) 237
«Sehnrener, Johannes, de Bopardia, Rom (1474 — 1478). [Siehe auch Han-
heymer etc.] 203
Sfhfirer, Matthias, Strassburg (1.^00-1521) 149
8chaet8ler, Johannes, Augsburg (1470—1472) 244—245
«Sehirammarnggel, Andreas, Nürnberg (1515) 373
«Sehiran, Johann, Strassburg (um 15^4) , 158
Sdosenzeler, Ulrich, Mailand (1494—1500) S22
— — & Leonhard Pachel, Mailand (1480—1498) 821-322
Scotoi, Octavianus, Venedig (1480—1500) 295. 443
& Bonetus Locatellus, Venedig (1486—1.^(10) 302
— siehe Schott.
C04 — Alphabetisches Verzeichniss. —
Seite
ScBieniebmld, Johmn, Bamberg (1481—1490) S8
ft Heinrich Petsensteiner. Bamberg (1488—1490) »8—89
ft AndreM Frisner, Nürnberg (147S— 1478) 348—349
ä Heinrich Kefer. Nürnberg (1470—1473) 337—338
SenratiM Cmftanus, Cöln (^520—1531) . . • 194
SMta, Melchior. Venedig (1506— 1&S4) 311
80ber, aUas Frank, Eaoharins, Rom (1478—1512) 201
♦— Maroellaa, Rom (1513-1527) 201, 203
SUlcevaSy Henrieog, siehe Steiner, Heinrich.
*fitaBOn Nicolai de Laea, Rom (1472—1479). [Siehe auch Han etc.] .... 20$
— de Luere, siehe Ghoria etc. «
SImM, Martinus, siehe Flach, Martin.
*Snticfc| Johann, Augsburg (1511) 277
Soardil de, Lasams, Venedig (1490-1517) 305 j
ftocila de. Andreas, Parmeniis, Venedig (1484—1485) 300 |
SOIV, Anton, Augsburg (1475—1493) 251—255
Soter, alias Heil, Johannes, Coln (1.518 — um 1536) 18ß
Stajnery Heinrieh, siehe Steiner, Heinrich.
Steiner, Heinrich, Augsburg (1524—1545; 273—275 I
StephABiifi, siehe Btienno. j
Stoehs, Stöohs, siehe Siuchs. i
Stoll, Johann, siehe Caeaaris etc.
StfAU de, Antonius, de Cremona, Venedig (1480—1489) 296, 448
*8tT0heker, Anton, Mainz (1622) 72
Mndil, Georg, von Sulsbach, Nürnberg (1484—1515) 354—365
— Hans, Nürnberg (1510—1521) , 360—361
Saardls de, siehe Paulus de Suardis.
Swejnlieln, Conrad & Arnold. Pannartz, Rom (1467—1473) 197—199
Subiaco (1464—1467) 194—195
«Sybold, Heinrich, Strassburg (um 1529—1530) 158
XacnlBM, siehe Cereto de, Johannes.
*Tatz, Caspar, Augsburg (1536) ' 277
*tep Baem, Gerardus, de Bercka, CÖln (1478) 194
Therlioernen, Arnold, CÖln (1469—1483) 164—167
Tiletan, Jean Louis, Paris (1546) 408
Torrcaanns, Andr., de Asula, Venedig (1480—1506). [Siehe auch Aldi haeredes etc.]
296. 312—318
Tortls de, Baptista, Venedig (1481—1514) 29 J
TridInO) siehe Bemardinus de Tridino.
Tvnckel, Simon, Nürnberg (um 1531) 367
Tnnibe, Adrien, Paris (1552-1585) 410—412
*UliUiard, Johann Anton, Ulm (um 1579) 883
— siehe ülhard, Philipp.
Ulhard, Philipp, Augsburg (1528—1533) 276
*Ulrlfher, Georg, Strassburg (von 1529 ab) 158
Tftidaifer, Christoph von Regensburg, Mailand (1474—1484) .... 819—320
Venedig (1470- 1472) 288—289
Yaldarpher, siehe Valdarfer.
Yarnler, Hans, aus dem Etschlande, Ulm (1532—1560) .335
Vaseanoii, Michel, Paris (1522—1576) 402
Veglos, Leonardus, Mailand (1507—1515) 324—825
— Alphabetisches Verzeichniss. — C05
Seite
Vddener, Conrad, Cöln (um 1470) 438
Terard, Antoine, le jeune, Paris (1517—1590) 397
le Jenne & Gxiillaume Eustaoe, Paris (um 1580) 398
Teipolate de, siehe Dominicus de Yespolate.
Yiart, Pierre, siehe Marnef, Engelbert etc.
YMoT«, Pierre, Paris (1518 — nm 1540) 400—401
«YindeliBttS de Villa, Rom (1473—1475) 303
*VoImar, Johann, Mains (um 1615) 78
W., C, (Clas Wencker?) Strassburg (um 1473—1478) 110—113
•Waeker, Jacob, Augsburg (1503) 377
Ws||rn«r> Peter, Nürnberg (1483—1499) 353—354
*Wahinger, Johann, Strassburg (um 1502—1504) 158
Waldarfer) siehe Yaldarfer.
Wftlder, Johannes» Basel (von 1538 ab) 339—230
*WaldJkirch, Conrad, Basel (von 1585 ab) 337
Waterloes, Johann, siehe Remboldt etc.
IVechel, Andreas, Paris (um 1550—1572) 410
— Christian, Paris (1526 — um 1554) 405
& Mathurin Dupuys, Paris (lf^49) .405
Weissenhora, Alezander, Augsburg (1528—1537) 375
Wendelln von Speyer, Yenedig (1470—1477). [Siehe auch* Johann etc.]. 385—387
Wenszler, Michael, Basel (um 1469-1491) 207—211
& Friedrich Biel, Basel (um 1469) 207—208
Werdens de, siehe Martin von Werden.
Westhemer, siehe Westheymer.
Westheymer, Bartholomaens, Basel (von 1536 ab) 231
^Weyssenbvi^r, Johann, Landshut (1513—1531) 357
Nürnberg (1502—1513) 357—358
Wiener, Johann, de Wienna, Augsburg (1475—1479) 255
•Wind, Simon, von Kirchberg, Ulm (um 1488—1499) 336
Winter, Conrad, von Homburg, C51n (1472—1489) 170—171
— Robert, Basel (von 1533 ab) 280
Wirflang, Marx, siehe Grimm etc.
Wolf, Thomas, Basel (1519—1535) 224-325
Wolir, Nicolaus, Paris (1499—1510) 398
* xsenfcnt, Leonhard, Basel (1489) 237
Zainer, Günther, von Reutlingen, Augsburg (1466—1478) .... 289—244, 442
— Johann, von Reutlingen, Ulm (1473—1515) 338—830, 444
*Zaneta8, Bartholomaens, Rom (1516) 308
Zanis de, Bartholomaens, Yenedig (1486—1514) 302
ZarotDS, Antonius, Mailand (1470—1497) 318—319
Zeiner, siehe Zainer.
Zelflsenmayer, (auch Zeisselmaier) Lucas, Augsburg (1495—1502) . . . 265—266
WesBobrunn (von 1502 ab) 365
Zell, Ulrich (von Hantu), Coln (1464—1494) 161—164
Zeninger, Conrad, Nürnberg (1480—1483) 352-353
*Zorel], Johannes, ükn (1528) 836
*Zttbrodt, Johann Peter, Mainz (1676) 72
Berichtignngen und Znsätze.
2.
No.
2,
tt
5,
t.
31,
n
88,
»
84.
»
86,
»>
Seite 2, No. 14, Zeile 5: Sa so statt Saso.
14, letEte Zeile: philosophiae, statt philosophicae.
44, Zeile 2: Johann statt Johanm.
14, „ 3: animalibuB statt animabus.
16, „ 88 von unten: auf 28 Zeilen des Ratio aale nur 84
der Officia, statt umgelcehrt.
19, nach dem Titel beizusetsen: Pergamentexemplar.
82, Zeile 7: Sohlussschrift der Grammatica rhythmica von
1468 statt des Mammotractns.
87, Zeile 9: 1468 statt 1464.
45, No. 78, Zeile 9: mit statt mti. '
61, „ 87, „ 8 und 4 von unten: Gnade Gottes statt DanlLbar-
keit gegen Gott.
, 3:-pnritate a-||de8 statt purititia-jdes.
, 1 der Anmerkung: neunten statt achten.
1: Blanck statt Blancken.
, 1: Lesser statt Lessern.
8: (1880) statt (1800).
, 10 von unten: Was he statt Was hi.
, 11: höchst umfangreiche statt höchs tumfang-
r eiche.
, 18: No. 195 a statt 194.
9: Seite 106 statt Seite 107.
10: Consuetudines statt Consuetutines.
110, Zeile 19: Hanau statt Honau.
110, „ 5 von unten : Der Drucker C. W. = Clas oder Claus Weneker muss
nach einer Mittheilnng des Herrn C. Schmidt in Strass-
bürg noch immer als rathselhafte Persönlichkeit be-
trachtet werden. Wir \irürden für weitere Aufklärung
des dunkeln Gegenstandes sehr dankbu* sein.
117, No. 816, Zeile 8 von unten: Hollandia statt Hoilandia.
118, „ 818, „ 5: No. 198 statt No. 192.
119, „ 820 letzte Zeile hinsuznfügen : Nur Heller in seiner Geschichte der
Holzschneidekunst (Seite 77) erwähnt dieselbe, doch
glaubt er, dass die darin befindlichen Holzschnitte be-
reits zu einer früheren Ausgabe verwendet gewesen seien.
62,
n
91.
«7,
»>
131.
73,
>,
6.
76.
M
40.
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57.
86,
. ,»
144,
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166,
104,
M
186,
108,
»f
194,
108.
>»
194.
— Berichtigungen und Zusätze. — cqj
fleite 131, Zeile 25: Sehobser statt Schopser.
„ 139, No. 25i, Zeile 3: Die Sermones dorm! secure etc. sind nicht als Nacht-
gebete zu bezeichnen, sondern als Predigten für bequeme
Geistliche, die des Nachts schlafen und doch gut predigen
wollten.
„ 140, „ 259, „ 3: Bernardus statt Bernadus und weitläufige statt
weitl&nftige* •
„ 144, No. 274, Zeile 1: Ludolphus statt Rudolphus.
.,, 151, „ 151, Anmerkung: Unsere Vermuthung, dass Egenolph von Strassburg
nach Frankfurt am Main fibexsiedelte, wird durch neuere
Forschungen bestätigt. VergL Grotefend, Christian
Egenolff, der erste ständige Buchdrucker zu Frankfurt
am Main und seine Vorläufer. Frankfurt 1881. 4fi.
„ 160, „ 2: Closener statt Clösener.
„ 160, „ 12: Steigenberger statt Steinberger.
„ 167, Zeile 3: astror) statt astort.
„ 182, No. 370, Zeile 2: edibs statt edipo.
s, 186, „ 383, „ 2: e greeo statt egreco.
„ 188, Zeile 2: 1518 bis 1589 statt 1524 bis 1529.
„ 188, No. 390, Zeile 3: ad statt ac.
„ 192, Zeile 10 : um 1550 bis 1585 statt ,um 1568 bis um 1600«.
„ 192, Tor No. 402 zu setzen :AruoldM7lius (Ofßcina Birckmannica) 1585—1605.
„ 193, Zeile 8: um 1560 bis um 1586 (?) statt um 1570 bis 1575.
„ 194, „ 2: „ 1565 „ „ 1592 stott um 1580.
„ 195, „ 8: Arnold Mylius der Schwiegersohn (Arnold) Johann BLrckmann^s,
des älteren Sohnes Arnold Birkmann's, betrieb das Ge-
schäft unter seinem eigenen Namen mit dem Beisatze
ex officina Birckmannica seit 1535. Die Firma Haeredes
A!moldi Birckmanni wurde von ihm nach dem Tode
seines Schwiegervaters (1574) bis zu genanntem Jahre 1585
beibehalten, wie auch dieser selbst mit seinem Bruder
Gottfried Birckmann und wahrscheinlich auch später
mit Arnold Mylius neben seiner eigenen Firma Johann
Birckmann diese Firma geführt hatte. Wie wir unter
No. 406 gesehen haben, liess Arnold Mylius unter der
Firma apnd haeredes Birckmanni bei Gotefridus Kem-
pensis im Jahre 1579 drucken.
„ 195, zur Ergänzungsliteratur sind noch beizufügen: Kirchho£f. Beiträge zur Ge-
schichte des deutschen Buchhandels. Bd. 1. Leipzig 1851
(Franz Birckmann und seine Familie 8. 88 — 131.)
Merlo, Die Buchhandlungen und Buchdruckereien zum
Einhorn etc. in Köln. (Annalen des histor. Vereins für
den Niederrhein, Heft 30, Köln 1876.) Pallmann, Sig-
mund Feyerabend, sein Leben und seine geschäftlichen
Verbindungen. Frankfurt 1881.
M 199, lotete Zeile: Barbatus statt Barbatum.
„ 211 : Bernhard Richel 1472—1482 statt 1472—1486.
, 212, lotete Zeile: Oldradi de Laude: „ConsiliaJuridica" statt Oldradi:
„De Laude consilia Juridica**.
M 214, Zeile 7 von unten: Brant statt Brand.
„ 224, „• 2: Alexandrinus statt Alexdrinns.
„ 228, No. 482, Zeile 5: emarculatior statt emaculator.
„ 238, „ 491, „ 9: toto statt loto.
eo8 — Berichtigangen und Zusätze. —
Seite 283, No. 492, Torletxte Zeile: Gregoriua statt Greorgorias.
„ Mö, „ 515. Zeile 5 naeh Bamberg xn setxen: und Strassburg.
„ 245, ., 515, „ < „ Beite fft su setwn: und 119.
„ 252, .. 528, „ 2 ron ontea soll stBlien: »Hain No. 900 hat anriehtig
Btanneis abgesehrlebeB."
„ 200. „ 544, „ 4: No. 6S8 statt No. 6S7.
,. 277, Zeile 6 Ton unten: Dienecker statt Deneeker.
„ 277, „ 5 „ „ : PhiUpp Uhlbard 1536 fiUlt dort ans.
„ 277, „ 2 .. „ : und statt oder.
,. 281, Torletete Zeile: Seite 86 stott Seite f7.
„ 28C, No. 589, ZeUe 3 von unten: Blatt 88 und Blatt f4 statt Blatt 8S6 und
Blatt 246.
„ 807. Zeile 6: 1494— 151Ö statt 1494—1516.
„ 909, „ 6: Jacobus statt Joeo^bus.
„ 810, No. 661, Zeile 4 und 7: Freising statt Freisingen.
„ 812, Zeile 12 von unten: Uaeredes statt Aedes.
„ 812, „ 11 ., „ lolö-1589 statt lol7->1589.
„ 814, „ 12: 1&40— 1561 statt 1540—1562.
„ 816. „ 4: Kohn statt Rohn.
„ St8, ., 2: Mediolanum statt Mediolanl.
„ 829, „ 1: Seltenheiten statt Sellenheiten.
„ 884, „ 6: Freising statt Freisingen.
„ 886, No. 714, vorletzte und letzte Zeile: „wo wir auf Seite 287 seiner schon
gedachten*' f&llt aus.
„ 846, „ 788, Zeile 1: Junii statt Jurii.
„ 847. „ 740, „ 6: statt , Nürnberg, angeblich Anton Koberger, circa 1^6*"
zu setzen , Augsburg, Hans Schonsperger, 1496".
„ 869. „ 776, „ 8: M. D. XXIIII statt M. D. XIHI.
„ 864, Zeile 15|: zwischen No. und XL VI ist 53 einzufügen und XLYI' in ( ) su
setzen.
„ 865. „ 18: um 1588—1587 statt 1585 bis um 1589.
„ 867, No. 788, Zeile 1: Syrach statt Sprach.
„ 372. Zeile 8: Froberger statt Frohberger.
„ 874, No. 4, Zeile 1: Blanck statt Blancken.
„ 880, Zeile 2: Nach Lutetia ist Parisiorum einzufügen und Parisius zu
streichen.
„ 886, „ 5: 1494—1580 statt 1494—1120.
„ 888, No. 884, Zeile 2: omnes statt omneis.
„ 888, „ 884, „ 4 von nnten: No. 8£0 statt 810.
„ 895, Zeile 11 von unten: Mercator statt Marcator.
„ 408, No. 854, Zeile 3: sub signo statt subsigno.
„ 404, Zeile 6 und 11: 1586 statt 1585.
„ 405: Zu Christian Wechel ist nach neueren Forschungen zu bemerken, dass
nicht er, sondern sein Sohn Andreas (s. die Beriehtigimg
zu Seite 410) sich in Fl'ankfnrt am MiUn niedei^elaflsea
hat. Der erwähnte Johann Wechel war nicht der Bakel
Christian Weehels, derselbe stammte ans Goln und
scheint in keinem näheren Yerwandtsehaftsverhiltoias
zu dem mit ihm gleichzeitig in Franldiirt befindlichen
Andreas Wechel gestanden zu haben. (VergL Fallmann.
Sigmund Feyerabend ete. Frankfurt 1881, und Seibt.
Frandscus Modius etc. Frankfurt 1882.)
„ 410. ZeUe 8: 1578 statt 1578.
— Berichtigungen und Zusätze. — cqq
Seite 410 : Andreas Wechel, der Sohn Christian Wediels, hatte sich nach der Bartholo-
maeusnacht mit seiner Familie nach Frankfurt a. Main
geflüchtet, war im December 1572 dort Bürger geworden
and starb daselbst Ende October 1581. Seine beiden
Schwiegersöhne Johann Aubry und Claude de Marne
führten das Geschäft unter der Firma „Wechel's Erben*'
fort, später, Anfang des 17. Jahrhimderts , wurde es
nach Hanau verlegt.
„ 418, Zeile 15 von unten: 1557—1698 statt 1557—1569.
„ 415, No. 876, Zeile 4 von unten: Tory statt Terry.
„ 425, „ 892, „ 16 von unten: Wichmann-Kadow statt Wi echmann-
K a d o w.
„ 425, „ 892, „ 18 von unten: 1858 statt 1848.
„ 428 zu No. 894 : Hain scheint nach No. 6555 doch ein Exemplar dieser seltenen
Incunabel in München gesehen zu haben, während er
merkwürdiger Weise dasselbe Buch unter No. 9185
nochmals als ungesehen nach Panzer aufführt.
„ 426, No. 894, Zeile 11 von unten: rhythmica statt rhytmica.
„ 1: mythologicus statt mytholagicus.
., 3: praefatione statt praevatione.
„ 7: Majuskel-Alphabeten statt Majuskel-Alpba-
heten.
444, „ [940, „ 3:.Dictionnaire statt Dictionaire.
431,
»»
906,
483,
»»
911,
437,
»
919,
Oflicin: Wilhelm Baensch. Dresden.
Officin: Willielm Fiaen.sth. Dresden.
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